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December 03 2013

Tue Gutes und rede darüber: Datenschutz in der Entwicklungshilfe

Wenn es um Spenden für Projekte in Entwicklungsländern geht, denken die wenigsten an den Schutz der Privatsphäre. Und wenn, dann am ehesten daran, dass Spender anonym bleiben. Dass durch mangelnde Anonymität und fehlenden Datenschutz auch die Empfänger der Hilfen in Gefahr gebracht werden können, wird weitgehend vergessen.

Privacy International hat sich dieses Problemes angenommen und Anfang November das Projekt Aiding Privacy gestartet, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass fehlende Datenschutzvorkehrungen zur Überwachung missbraucht werden können. Bis zum World Humanitarian Summit 2016 sollen Weichen für internationale Datenschutzstandards in humanitären und Entwicklungshilfeorganisationen gestellt werden.

In dem Bericht Aiding Surveillance hat Privacy International zunächst aufgezeigt, in welchen Feldern konkret Probleme entstehen. Bei Informationsverwaltungssystemen und elektronischen Zahlungsübermittlung gefährden oftmals mangelnde nationale Datenschutzgesetzgebung und nur rudimentär vorhandene Sicherheitsvorkehrungen die Vertraulichkeit der über die Empfänger der Hilfsleistung gespeicherten Angaben. Das kann insbesondere dann große Probleme hervorrufen, wenn eine Vielzahl an Daten und sogar biometrische Merkmale von Empfängern gespeichert werden, so wie es heute zunehmend der Fall ist – primär um sicherzugehen, dass die Leistungen die Richtigen erreichen. Jedoch können all diese Daten, gelangen sie in die falschen Hände, missbraucht werden, etwa zu Strafverfolgungszwecken oder zur Überwachung der in weitem Umfang registrierten Personen.

Überwachung und Profilbildung kann auch durch die in Hilfsprojekten zunehmend genutzten Mobiltelefone geschehen, mit denen sich Kommunikations- und Sozialstrukturen leicht nachvollziehen und Aussagen zu politischen oder anderweitig auffälligen Gruppen ableiten lassen.

Ein anderes, nicht-technisches Problem ist die Unbedarftheit der Hilfsorganisationen bei der Weitergabe von Daten Bedürftiger, die später anderweitig, beispielsweise zu Vermarktungszwecken, ausgenutzt werden können.

Um das Problem des Datenschutzes bei Geldtransfers zu beleuchten, erschien in der letzten Woche der Bericht  Protecting Beneficiary Privacy: Principles and operational standards for the secure use of personal data in cash and e-transfer programmes von der Cash Learning Partnership (CaLP), die unter anderem für Oxfam und die Welthungerhilfe Zahlungen abwickelt. Der Bericht formuliert Prinzipien und Vorgehensstandards, die von Organisationen bei Geldtransfers beachtet werden sollten, im Wesentlichen Leitlinien wie “Privacy by Design”, Datensparsamkeit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit, weitere Veröffentlichungen sind bereits geplant.

Vorherige Arbeiten zu verwandten Themen wurden vom Internationalen Roten Kreuz zu Professional standards for Protection Work und von der UN unter dem Titel Humanitarianism in a Networked Age veröffentlicht.

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August 12 2011

Zeit für transparente Entwicklungshilfe – Open Aid Data Event in Berlin im September

Entwicklungszusammenarbeit ist eine komplizierte Angelegenheit. Die meisten Geber, auch Deutschland, investieren viel Zeit und Mühe, in Monitoring und Evaluation, um die Wirkung ihrer einzelnen Projekte zu untersuchen. Es mangelt jedoch an Übersicht, Transparenz und internationaler Koordination. Daher ist oft nicht nachvollziehbar wer, wofür, wie viel Geld gibt und wie es tatsächlich eingesetzt wird. So kommt es dazu, dass einige Ländern und Sektoren über-fördert werden, während andere Sektoren und Länder leer ausgehen. Nicht zuletzt die Regierungen in Entwicklungsländern, benötigen aber zur Planung ihrer Haushalte und Staatsausgaben eine bessere Übersicht. 

Ein klassischer Fall für einen ordentlichen Standard für die Veröffentlichung und den Austausch der Daten – wenn nur nicht jede Organisation ihre eigenen Vorlieben und Formate hätte.

Um diese Situation zu verbessern hat der OECD bereits bereits 2005 die Pariser Erklärung zur Effizienz von Entwicklungshilfe verabschiedet. Darauf aufbauend wurde 2008 die “International Aid Transparency Initiative” IATI ins Leben gerufen. Dieses Jahr hat IATI einen Standard für Daten zu Entwicklungsvorhaben veröffentlicht der im XML Format festlegt, wie zumindest grundlegende Informationen zu Entwicklungsvorhaben gespeichert werden sollen (Wer, was, wo, von wann bis wann und wie viel?). Nun liegt es an den Akteuren, diesen Standard einzuführen und einen großen Schritt in Sachen Offenheit und Transparenz zu wagen. Während Open Data in anderen Politikbereichen ein oft diskutiertes Thema ist, ist das Thema für viele Organisationen die Entwicklungshilfe betreiben ein neuer Begriff.

Aus diesem Grund organisieren im September 2011 die NGOs OpenAid und Transparency International Deutschland zusammen mit der Open Knowledge Foundation Deutschland und der Heinrich Böll Stiftung ein zweitägiges, internationales Event zu offenen Daten und Transparenz in der Entwicklungszusammenarbeit. Dazu eingeladen sind MitarbeiterInnen von Entwicklungs- Organisationen, Wissenschaftler und entwicklungspolitische Berater, Parlamentarier, Journalisten und NGO-Vertreter. Neben einem Konferenztag am 29.9. werden eine Schulung zur Nutzung der Daten und ein Hackday am 28.9. stattfinden.

Ziel ist eine Auseinandersetzung mit dem Potential, das offene Daten für die Entwicklungszusammenarbeit und die Wirksamkeit der Entwicklungshilfe bieten. Wer Interesse hat: Anmeldungen sind hier mööglich. Für mehr Informationen steht OpenAid auch als Ansprechpartner zur Verfügung.

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