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February 27 2014

February 04 2014

Maulkorb für FISA-Anfragen wird gelockert, aber nur ein bisschen

Letztes Jahr haben Facebook, Google, Yahoo, LinkedIn und Microsoft beim amerikanischen FISA-Gericht, das die Kompetenzen der Auslandsgeheimdienste regelt, gefordert, genauere Auskunft über die Menge herausgegebener Datensätze geben zu dürfen, die durch eine Anordnung des FISA-Gerichts oder unter einem National Security Letter des FBI angefordert wurden.

Am 27. Januar veröffentlichte das Justizministerium eine Antwort, die den Antragsstellern “entgegenkommt”. Es gibt nun zwei Möglichkeiten, Zahlen zur Anzahl der Anfragen in Halbjahren zu veröffentlichen:

  • in Tausenderschritten die Anzahl an Anfragen, betroffenen Nutzern und Selektoren, gegliedert in FISA-Anfragen und National Security Letters (bei Letzteren war das jedoch bereits vorher möglich)
  • in 250er-Schritten, wenn die Anfragen zusammengefasst werden

Bei FISA-Anordnungen muss der Endpunkt des betroffenen Zeitraums außerdem mindestens ein halbes Jahr zurückliegen.

FacebookGoogle, YahooLinkedIn und Microsoft haben nun Gebrauch von der Neuregelung gemacht. Aber auch Apple hat die Gelegenheit bereits genutzt, denn die Entscheidung gilt allgemein und nicht nur für die fordernden Parteien.
Allen gemeinsam war, dass sie von weniger als 1000 FISA-Anordnungen pro Halbjahr reden. Das gibt einen Eindruck davon, wie unaussagekräftig in dieser Hinsicht die festgelegten Zahlenschranken sind. Stärker differiert jedoch die Anzahl an betroffenen Accounts. Zieht man die FISA-Anordnungen des ersten Halbjahres 2013 heran, führt Yahoo mit 30-31k, gefolgt von Microsoft mit 15-16k, Google mit 9-10k und Facebook mit 5-6k. Am schwächsten war das Interesse für LinkedIn, diese bekamen zusammengenommen weniger als 250 Anfragen. Wichtig ist hier noch, im Auge zu behalten, dass die Anzahl der Accounts nicht identisch mit den betroffenen Nutzern sein muss, da Mehrfachaccounts auch auftauchen. Die Nutzeranzahl liegt also auf jeden Fall unterhalb der obigen Zahlen.

Wirklich befriedigende Transparenz bringen die Angaben nicht. Es scheint mehr, als bewege man sich einen minimalen Schritt vorwärts, um damit argumentieren zu können, man habe sich um bessere Transparenz bemüht, so wie Präsident Obama in seiner Rede angekündigt hat.  Google hat bereits ein Statement abgegeben und fordert den Kongress auf, weiter zu gehen:

Wir glauben weiterhin, dass mehr Transparenz benötigt wird, damit jeder verstehen kann, wie Überwachungsgesetze funktionieren und ob sie dem öffentlichen Interesse dienen. Vor allem wollen wir zeitnah die genauen Zahlen und die Arten der Anfragen bekanntgeben, sowie die Anzahl betroffener Nutzer.

Ein sehr guter Einwand kommt an dieser Stelle auch von Microsoft. Brad Smith weißt in seinem Kommentar darauf hin, dass mehr Transparenz hinsichtlich der Anfragen zwar wünschenswert ist, aber nicht aus den Augen verloren werden darf, dass Informationen auch an den Gesetzen vorbei ermittelt werden und dass von Regierungsseite zu wenig geschehen sei, um zu verhindern, dass Internetfirmen gehackt werden, um massenhaft Nutzerdaten zu überwachen.

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September 10 2013

Yahoo! Transparenz Bericht: Deutschland wollte Daten von 5306 Accounts im ersten Halbjahr 2013

Yahoo!_logo.svg In den letzten Wochen veröffentlichen immer mehr (US amerikanische) private Unternehmen Transparenz-Berichte – vor allem wohl, um sich von den Vorwürfen zu distanzieren, direkt mit dem US amerikanischen Geheimdiensten, wie NSA oder CIA, zusammen zu arbeiten. So gibt es nun von Yahoo! den ersten Transparenz-Bericht zu lesen [PDF]. Demnach erhielt Yahoo! während des ersten Halbjahrs 2013 4.295 Anfragen durch deutsche Behörden, um Informationen zu 5.306 Accounts zu erlangen. In 2.812 Fällen wurden Account- und Verbindungsinformationen (Registrierungsdaten, IP-Adresse, etc.) weitergegeben – in 227 sogar auch weitere Inhalte des Accounts. 816 Anfragen wurden von Yahoo! aus rechtlichen Gründen abgelehnt. Falls auch Inhalte weitergegeben wurden, betraf dies potenziell alle Yahoo! Dienste.

Data that our users create, communicate, and store on or through our services. This could include words in a communication (e.g., Mail or Messenger), photos on Flickr, files uploaded, Yahoo Address Book entries, Yahoo Calendar event details, thoughts recorded in Yahoo Notepad or comments or posts on Yahoo Answers or any other Yahoo property.

graficBei Yahoo! ist Deutschland damit auf dem zweiten Platz – direkt hinter den USA. Schaut man sich die anderen Transparenz-Berichte von Microsoft, Google, Twitter und Facebook an, sieht man schnell, dass unsere Bundesregierung diese Dienste teils exzessiv nutzt, um Informationen zu Verdächtigen zu erlangen und liegt regelmäßig in den ‘Top 5′ der anfragenden Regierungen. Einzig Twitter wird – vermutlich mangels Verbreitung – bisher kaum als Informationsquelle für Ermittlungsverfahren genutzt.

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September 05 2013

PRISM Firmen antworten der Bundesregierung: “Meine Name ist Hase, ich weiß von nichts.”

Die Firmen von PRISM.

Die Firmen von PRISM laut NSA.

Acht der neun Internet-Unternehmen, die laut NSA Teil des Überwachungsprogramms PRISM sind, dementieren eine unmittelbare Zusammenarbeit mit US-Behörden. Das geht aus den Antworten der Firmen auf einen Fragenkatalog der Bundesinnenministeriums hervor, die wir an dieser Stelle veröffentlichen. Das Problem: Falls die Unternehmen einen Beschluss auf Grundlage des Foreign Intelligence Surveillance Act erhalten haben, dürfen sie gar nicht darüber sprechen.

Der Summer of Snowden kam so richtig ins Rollen am 6. Juni, als Glenn Greenwald über das Programm PRISM berichtete, das der NSA “direkten Zugriff auf die Systeme” von neun der größten amerikanischen Internet-Firmen geben soll. Das wurde von amerikanischen Behörden auch nicht bestritten.

Die beteiligten Firmen jedoch wollen davon nichts wissen. Wie viele andere Stellen hat auch das deutsche Innenministerium einen Fragenkatalog an die beteiligten Firmen geschickt, über den wir hier berichtet hatten. Wir haben natürlich sofort eine Informationsfreiheits-Anfrage nach den Antworten gestellt. Nachdem auch Bundestag und Regierung auf die von uns veröffentlichten Fragen verwiesen haben und endlich die Antworten sehen wollten, haben wir heute endlich die Antworten erhalten:

Die Fragen der Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, Frau Rogall-Grothe, vom 11. Juni 2013 haben die folgenden Internetunternehmen beantwortet: Yahoo, Microsoft einschließlich seiner Konzerntochter Skype, Google einschließlich seiner Konzerntochter Youtube, Facebook und Apple. Keine Antwort ist bislang von AOL eingegangen.

Die Unternehmen Facebook und Google haben im Nachgang weitere Informationen zur Verfügung gestellt, die Ihnen auf Wunsch der beiden Firmen ebenfalls übermittelt werden.

Und die Antworten auf diese acht konkreten Fragen sind wenig überraschend: Niemand wusste von irgendwas.

Apple antwortet in einem Einseiter und zitiert seine eigene Presse-Aussage:

We have never heard of PRISM. We do not provide any government agency with direct access to our servers, and any government agency requesting customer data must get a court order.

Genaueres oder der FISA Abschnitt 702 wird noch nichtmal erwähnt.

Facebook zitiert einen Facebook-Post von Mark Zuckerberg:

Facebook is not and has never been part of any program to give the US or any other government direct access to our servers. We have never received a blanket request or court order from any government agency asking for information or metadata in bulk, like the one Verizon reportedly received. And if we did, we would fight it aggressively. We hadn’t even heard of PRISM before yesterday.

Weiter heißt es:

Sie bitten in Ihrem Schreiben um Auskunft zu Anfragen, die möglicherweise von amerikanischen Sicherheitsbehörden an Facebook gestellt wurden. Ich habe diese Fragen an meine Kollegen weitergeleitet, die unser weltweites Strafverfolgungsprogramm verantworten. Meine Kollegen haben mich darüber informiert, dass sie mir die gewünschten Informationen jedoch nicht zur Verfügung steilen können, ohne damit amerikanische Gesetze zu verletzen.

Zudem verweist Facebook auf ein Statement des Direktors der nationalen Nachrichtendienste James Clapper.

In einem zweiten Brief verweist Facebook auf seinen neu eingeführten Transparenzbericht.

Google fängt erstmal mit einem Disclaimer an:

Wie Sie wissen, sind die rechtlichen Rahmenbedingungen im Zusammenhang mit behördlichen Ersuchen zur Herausgabe von Daten gerade im internationalen Kontext äußerst komplex. Zudem unterliegt die Google Inc. umfangreichen Verschwiegenheitsverpflichtungen im Hinblick auf eine Vielzahl von Anfragen in Bezug auf Nationale Sicherheit, einschließlich des Foreign Intelllgence Surveillence Act (FISA). Ich habe ihre Anfrage daher der Rechtsabteilung der Google Inc., die sich mit diesen Fragestellungen befasst, zur Prüfung übermittelt.

Dann das Dementi:

Auch uns haben die Presseberichte über ein Überwachungsprogramm PRISM überrascht und besorgt. Wie Sie den öffentlichen Äußerungen unseres Chief Legal Officers David Drummond entnehmen konnten, ist die in diesem Zusammenhang geäußerte Annahme, dass US Behörden direkten Zugriff auf unsere Server oder unser Netzwerk haben, schlicht falsch.

Entgegen einiger Behauptungen in den Medien ist es unzutreffend, dass Google Inc. den US Behörden uneingeschränkt Zugang zu Nutzerdaten eröffnet. Wir haben niemals eine Art Blanko-Ersuchen zu Nutzerdaten erhalten (im Gegensatz beispielsweise zu dem gleichfalls angeführten Fall, der Verizon betrifft). Die Google Inc. verweigert die Teilnahme an jedem Programm, welches den Zugang von Behörden zu unseren Servern bedingt oder uns abverlangt, technische Ausrüstung der Regierung, welcher Art auch immer, in unseren Systemen zu installieren.

Gleichwohl unterliegen wir wie erwähnt umfangreichen Verschwiegenheits-Verpflichtungen hinsichtlich einer Vielzahl von Ersuchen in Bezug auf Nationale Sicherheit, einschließlich des Foreign Inteiligence Surveillance Act (FISA).

Zwei Monate später haben sie noch einmal geantwortet und unter anderem auf einen Gastbeitrag des Chefjuristen David Drummond in der FAZ verwiesen (und als ausgedrucktes Internet angehängt).

Die Antwort von Google gilt auch für YouTube.

Microsoft antwortet wie Apple mit einem Einseiter und auf englisch:

Microsoft does not participate in a program called “PRISM” or any similar program. Microsoft also learned of the program called PRISM through the media reports you mentioned. This applies equally to Skype.

Die Antwort von Microsoft gilt auch für Skype.

Yahoo! dementiert am wenigsten deutlich:

Die Yahoo! Deutschland GmbH hat im Zusammenhang mit dem Programm „PRISM“ wissentlich keine personenbezogenen Daten ihrer deutschen Nutzer an US-amerikanische Behörden weitergegeben, noch irgendwelche Anfragen von US-amerikanischen Behörden bezüglich einer Herausgabe solcher Daten erhalten.

Die amerikanische Yahoo! Inc. hat die Yahoo! Deutschland GmbH auf das Statement Setting the Record Straight verwiesen.

Als einzige Firma beantwortet Yahoo! die acht Einzelfragen des Ministeriums. Aber da man nicht an PRISM beteiligt sei, ist die Antwort acht mal:

Die Yahoo! Deutschland GmbH arbeitet im Hinblick auf das Programm “PRISM” nicht mit US-amerikanischen Behörden zusammen.

AOL hat als einziges Unternehmen der Bundesregierung in mehr als zwei Monaten gar nicht geantwortet.

Die Bundesregierung fasst die Antworten treffend zusammen:

In den vorliegenden Antworten wird die in den Medien im Zusammenhang mit dem Programm PRISM dargestellte unmittelbare Zusammenarbeit der Unternehmen mit US-Behörden dementiert. Die Übermittlung von Daten finde allenfalls im Einzelfall auf Basis der einschlägigen US-Rechtsgrundlagen auf Grundlage richterlicher Beschlüsse statt.

Oder auch: “Meine Name ist Hase, ich weiß von nichts.”

Die Glaubwürdigkeit dieser Aussagen ist aber trotzdem “eher so mittel”. Schon am 7. Juni sagte Mark Rumold, ein Anwalt bei der Electronic Frontier Foundation, gegenüber ABC News:

Wenn diese Unternehmen im Rahmen der FISA Amendments Act einen Beschluss erhalten haben, dürfen sie laut Gesetz weder den Erhalt des Beschlusses noch irgendwelche Informationen darüber offenlegen.

Vor diesem Hintergrund klingen die Disclaimer, wie die von Google über die Verschwiegenheitsverpflichtungen, nochmal anders. Zumal die US-Regierung im Gegensatz zu den Unternehmen die Zusammenarbeit nie dementiert hat.

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August 23 2013

NSA: Neue Dokumente belegen, dass die NSA Service Provider bezahlt hat.

Das Utah Data Center. Quelle: Wired.

Das Utah Data Center. Quelle: Wired.

The Guardian hat neue Dokumente veröffentlicht, die belegen, dass US amerikanische Service Provider dafür ‘entschädigt’ wurden, dass sie das Prism Programm mit Daten versorgen. Wir hatten vor einer Woche berichtet, dass der ‘haus-eigene’ Foreign Intelligence Surveillance Court (FISC) der NSA vorwarf, nicht genau genug zwischen ausländischer und US amerikanischer Kommunikation zu unterscheiden. Da die NSA somit ‘nachbessern’ musste, wurde mit den Service Providern zusammengearbeitet, um Datenverkehr besser identifizieren zu können. Dies war notwendig, um weiterhin durch den FISC zertifiziert zu werden. So liest man in einem Newsletter der NSA, dass an die Service Provider mehrere Millionen USD gezahlt wurden.

Last year’s problems resulted in multiple extensions to the certifications’ expiration dates which cost millions of dollars for Prism providers to implement each successive extension – costs covered by Special Source Operations.

Die Special Source Operations Abteilung der NSA ist dabei für die reibungslose Zusammenarbeit mit Service Providern zuständig – laut Edward Snowden das ‘Kronjuwel’ der NSA. In einem späteren Newsletter liest man, dass mittlerweile alle Provider die nötigen Maßnahmen getroffen haben – nur Yahoo und Google hinken etwas hinterher.

All Prism providers, except Yahoo and Google, were successfully transitioned to the new certifications. We expect Yahoo and Google to complete transitioning by Friday 6 October.

Bestätigt wurde die Zusammenarbeit mit der NSA zumindest von Google, Yahoo, Facebook und Microsoft. Auf Anfrage des Guardian bestätigte Yahoo, dass es Zahlung durch die NSA als Aufwandsentschädigung erhalten habe. Microsoft wollte kein Kommentar abgeben und Google beharrt weiterhin darauf, dass die Presse dramatisiere und sich vieles relativieren würde, wenn die NSA es Google erlaube, Dokumente zu veröffentlichen.

Somit wurde durch Edward Snowden ein weiteres Puzzle-Teil veröffentlicht, dass zeigt, wie eng die NSA mit privaten Unternehmen zusammenarbeitet, um jeglichen Datenverkehr überwachen zu können. Außerdem ist dies der erste handfeste Beweis, dass die Unternehmen davon gewusst haben und für ihre ‘Umstände’ entschädigt wurden.

The responses further expose the gap between how the NSA describes the operation of its Prism collection program and what the companies themselves say.

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July 26 2013

NSA und Co. fordern anscheinend auch die Herausgabe von Passwörtern von Unternehmen

Nachdem wir vorgestern berichtet haben, dass amerikanische Polizei- und Verfassungsschutzbehörden die Herausgabe von SSL-Master-Keys von Unternehmen verlangen, kann die neuste Nachricht kaum mehr überraschen. Die amerikanischen Behörden verlangen nämlich scheinbar auch Nutzerpasswörter, teilweise sogar samt Verschlüsselungsalgorithmus und Salt. Das berichtet CNET mit Bezug auf zwei anonyme Quellen aus der Industrie.

“I’ve certainly seen them ask for passwords,” said one Internet industry source who spoke on condition of anonymity. “We push back.” A second person who has worked at a large Silicon Valley company confirmed that it received legal requests from the federal government for stored passwords. Companies “really heavily scrutinize” these requests, the person said. “There’s a lot of ‘over my dead body.’”

Microsoft, Google und Yahoo wollten sich nicht dazu äußern ob sie solche Anfragen von amerikanischen Behörden tatsächlich erhalten hätten, sagten aber entschieden, niemals die Passwörter seiner Nutzer preis zu geben. Yahoo:

If we receive a request from law enforcement for a user’s password, we deny such requests on the grounds that they would allow overly broad access to our users’ private information. If we are required to provide information, we do so only in the strictest interpretation of what is required by law.


Weitere Unternehmen, darunter Facebook, Apple und Verizon, wollten überhaupt keine Stellungnahme abgeben. Ebenso wollte das FBI keine Stellungnahme abgegen.

Ähnlich wie bereits bei der Herausgabe der SSL-Master-Keys haben es die US-Behörden hier aber sicherlich auf kleinere Unternehmen abgesehen, welche nur wenige Möglichkeiten haben sich gegen die Behörden zu wehren. Und da Nutzer oftmals nur ein Passwort für eine Reihe verschiedener Dienste verwenden, besteht die Möglichkeit, dass es den Behörden reicht ein Passwort zu erhalten und damit Zugriff auf ein Vielzahl von Diensten erhält.

Eine Frage, die zum jetzigen Zeitpunkt ungeklärt scheint, ist die Frage der Rechtmäßigkeit einer solchen Anfrage auf Herausgabe des Nutzerpassworts:

“This is one of those unanswered legal questions: Is there any circumstance under which they could get password information?” said Jennifer Granick, director of civil liberties at Stanford University’s Center for Internet and Society. “I don’t know.” Granick said she’s not aware of any precedent for an Internet company “to provide passwords, encrypted or otherwise, or password algorithms to the government — for the government to crack passwords and use them unsupervised.” If the password will be used to log in to the account, she said, that’s “prospective surveillance,” which would require a wiretap order or Foreign Intelligence Surveillance Act order.

Dass die Behörden aber auch noch andere Wege haben, an die Passwörter und damit an die Daten der Nutzer zu gelangen, schildert ein Anwalt eines amerikanischen Internetkonzerns:

An attorney who represents Internet companies said he has not fielded government password requests, but “we’ve certainly had reset requests — if you have the device in your possession, than a password reset is the easier way.”

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July 16 2013

Die Online-Werbeindustrie will Filesharing-Webseiten den Geldhahn zudrehen

Wer im Internet eine Webseite betreiben möchte und damit vielleicht auch noch ein wenig Geld verdienen möchte, ohne von den Nutzern direkt Geld zu verlangen, kommt um die Schaltung von Werbung kaum herum. Für viele Webseiten ist Werbung die einzige Möglichkeit der Finanzierung, besonders wenn mit den Inhalten der Webseite kein Umsatz erwirtschaftet werden kann. Ein Beispiel hierfür sind Filesharing-Webseiten, welche ihre Dienste kostenfrei anbieten und daher auf die Schaltung von Werbung angewiesen sind. Das hat anscheinend auch die amerikanische Regierung erkannt. Denn sie hat sich mit den größten Vertretern der Werbewirtschaft im Internet verbündet, mit dem Ziel keine Werbung mehr auf “illegalen” Webseiten zu schalten und diesen so den Geldhahn zu zudrehen.

Wie die Variety berichtet sind unter anderem Google, Microsoft und Yahoo an den Plänen beteiligt. Der Vorschlag sieht vor, dass die Urheberrechtsinhaber Beschwerden über Verstöße am Urheberrecht direkt an die Werbeunternehmen melden und diese daraufhin von der Schaltung von Werbung auf diesen Seiten absehen. Dieses soll dazu führen, den Webseiten ihre einzige Geldquelle abzuschneiden und sie damit zu zerschlagen. Victoria Espinel, die Beauftragte für die Durchsetzung der Rechte an immateriellen Gütern der amerikanischen Regierung, fand positive Worte für das Engagement der Privatwirtschaft:

The Administration strongly supports voluntary efforts by the private sector to reduce infringement and we welcome the initiative brought forward by the companies to establish industry-wide standards to combat online piracy and counterfeiting by reducing financial incentives associated with infringement, [...] We believe that this is a positive step and that such efforts can have a significant impact on reducing online piracy and counterfeiting.


Chris Dodd, Präsident der “Motion Picture Association of America” (MPAA), hingegen sieht die geplanten Maßnahmen als nicht umfassend genug an und fürchtet eine zu große Belastung für die Urheberrechtsinhaber:

[It's] an incremental step forward that addresses only a narrow subset of the problem and places a disproportionate amount of the burden on rights holders is not sufficient.

Nach Auskunft von Variety sind an diesem Vorstoß die Werbenetzwerke von 24/7 Media, Adtegrity, AOL, Condé Nast, Google, Microsoft, SpotXchange und Yahoo, mit Unterstützung des Interactive Advertising Bureaus, beteiligt.

Auch der deutschen Regierung und den Rechteinhabern diese Gedanken keineswegs fremd. Auf dem “Wirtschaftsdialog für mehr Kooperation bei der Bekämpfung der Internetpiraterie” vom Bundeswirtschaftsministerium, Internet-Providern und Rechteinhabern im letzten Jahr wurde eine Liste mit zehn möglichen Maßnahmen vorgestellt, wie AK-Zensur berichtete. Punkt 2 lautet:

Die Werbewirtschaft soll dafür sorgen, dass auf Up-/Downloadplattformen keine Werbung mehr geschaltet bzw. nicht mehr dafür bezaht wird.

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January 25 2012

#Changeyourworldcairo – Frauen in der Arabischen Revolution

Heute ist das Jubiläum des 25. Januars, dem Tag an dem die Revolution in Ägypten ausbrach. Zu feiern gibt es leider wenig, die Revolution ist zumindest in Ägypten noch nicht abgeschlossen und ihr Ausgang unklar. Vor allem für die Frauen in Ägypten steht viel auf dem Spiel – ihre Rolle in der Revolution beleuchtete eine eintägige Konferenz, der Yahoo Women Summit #changeyourworldcairo. 

Drivers for change

Was für Frauen in Deutschland absolut selbstverständlich ist, wird von der Sittenpolizei in Saudi Arabien hart bestraft. Autofahren ist hier reine Männersache. Dagen protestiert Manal Al-Sharif  mit ihrer Kampagne Women2Drive. Nachdem sie sich beim fahren filmen und interviewen ließ, wurde Manal zunächst wegen Aufwiegelns der öffentlichen Meinung gegen den Staat verhaftet. Glücklicherweise ist Manal wieder frei und schildert eindrucksvoll ihre Position auf Konferenzen wie dem Yahoo Womens Summit in Kairo, der am 18.01.2012 stattfand.

Nur dank Youtube, Facebook und Twitter konnte sie die notwendige Aufmerksamkeit generieren, die sie benötigt um ihrem Protest die notwendige Wirksamkeit zu verleihen. Ohne Social Media Kanäle wäre sie womöglich einfach nur eingesperrt worden. Es hätte sich keiner für diese, in ihrem Land verfolgte, Frau in Saudi Arabien interessiert. Mit den Augen der Weltöffentlichkeit, über 83,000 Youtube Views und über 57,000 Followern auf Twitter hat sie sich eine Öffentlichkeit und eine Community an Unterstützern aufgebaut, die ihr helfen ihren Protest voranzubringen und sie schützen.

The Power of Social

Manal ist eine von vielen beeindruckenden Frauen, die Yahoo zu #changeyourworldcairo eingeladen hat, um ihre Geschichte zu erzählen. Ein Jahr nach dem Ausbruch der Revolutionen im Arabischen Raum zieht diese Konferenz Bilanz: Welche Rolle spielen Frauen in der Revolution und wie nutzen sie soziale Medien? Die Konferenz bot eine wichtige Gelegenheit zum kennen lernen der Aktivistinnen unter einander und zum Austausch von Erfahrungen. Einen Tag lang diskutierten die Teilnehmerinnen in verschiedenen Panels über Soziale Medien und Journalismus, Protest, und Wirtschaft. Darunter ebenfalls die 20-jährige Danya Bashir, die sich selbst in ihrem Twitter-Profil als die nächste Präsidentin Libyens bezeichnet. Kein unglaubwürdiges Ziel, wenn man die Entschlossenheit erlebt, welche die junge Frau zeigt um ihr Land wieder aufzubauen. Mutig setzt sie sich für Kinderprojekte und Minenopfer ein. Zu diesen Frauen gehört auch Lamees Dhaif, Bloggerin aus Bahrain. Sie ermahnt, die Revolution in ihrem kleinen Öl-gesegneten Land nicht zu vergessen. Die Welt schaut gerne weg, wenn sie ihre Rohstoffe in sicherer Hand sieht und verzeiht dafür auch mal Menschenrechtsverletzungen. Das dürfe nicht länger sein. Wegen ihrer Protestarbeit darf Lamees schon lange nicht mehr in den Medien berichten. Die Auflagenstärkste Zeitung in Bahrain druckt 12.000 Exemplare täglich, die Zahl ihrer Twitter-Follower  ist drei Mal so hoch. Auch Lamees sieht in sozialen Medien den einzigen Kanal über den sie sich Gehör verschaffen kann – als Revolutionärin und als Frau.

Neben netzpolitischen Themen wie die zeitgleichen Proteste gegen SOPA, Tools für Sicherheit und Anonymität wie das TOR-Projekt und die Bedeutung offener Technologien wurden auch soziologische Fragen diskutiert, zum Beispiel in welcher Sprache man soziale Medien am effektivsten nutzt – richtet man sich an die lokale Bevölkerung oder an die allgemeine Weltöffentlichkeit. Viele der Aktivistinnen wählen eine Mischung. Öffentlichkeit ist ein wichtiger Schutz, in Zeiten in denen Gewalt gegen Frauen ein neues Ausmaß annimmt. Die Überfälle der letzten Monate auf Frauen in Kairo sind Teil der Einschüchterungstaktik der Armee und des alten Regimes sowie religiöser Organisationen. Viele der Frauen die maßgeblich zur Veränderung in ihren Ländern beigetragen haben wurden auch Opfer physischer und psychischer Gewalt, wie Mona Eltahawy. Mit Schienen an den Armen, ein traurige Erinnerung an die Polizeigewalt die sie Erfahren musste, plädiert sie zum Abschluss der Tagung dafür sich stark zu machen, Solidarität zu zeigen, und sich weiterhin für die Rechte von Frauen und Demokratie einzusetzen.

Eine Konferenz wie #Changeyourworldcairo kann natürlich nur einen kleinen Beitrag leisten, Aktivistinnen zu unterstützen. Es gilt die Resultate aus dem schicken, klimatisierten Hotel-Konferenzraum auf die Straße zu tragen und umzusetzen. Auch heute sind Mona und ihre Ägyptischen Revolutionsmitstreiterinnen wieder auf dem Tahir Platz und versuchen ihre Zukunft zu gestalten.

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