Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

December 06 2013

Mit dem DMCA gegen Lucas Cranach den Älteren

Lucas_Cranach_d.Ä._-_Fürst_Johann_von_Anhalt_(Jagdschloss_Grunewald)

Eines der in der DMCA-Notice aufgeführten Bilder: Portrait aus ~1520

Lucas Cranach der Ältere gilt als einer der bedeutendsten Maler des 16. Jahrhunderts. Leider ist er schon 460 Jahre tot – was allerdings unter urheberrechtlichen Gesichtspunkten gar nicht so schlecht ist, denn 460 ist mehr als 70 und wenn ein Künstler mehr als 70 Jahre lang tot ist, dann wird die von ihm geschaffene Kunst in der Regel für die Allgemeinheit wesentlich zugänglicher.

Das Cranach Digital Archive (CDA) in Düsseldorf ist, was das Zugänglichmachen der Werke angeht, eine besonders lobenswerte Einrichtung, hat sie sich doch zum Ziel gesetzt, den Erhalt, die Erschließung und den Zugang zu Cranachs Bildern zu fördern und zu verbessern. Mit einigem Aufwand werden darum hochauflösende digitale Fotos angefertigt.

Löschbestrebungen

Viele der angefertigten Bilder wurden zwischenzeitlich auch bei Wikimedia Commons hochgeladen, wo sie dank Einbindung bei u.a. Wikipedia eine größtmögliche Verbreitung finden.

Hier endet der schöne Teil der Geschichte.

Vor fast genau einem Jahr meldete sich bei Commons ein Benutzer mit dem Namen “Cranach Digital Archive” an und stellte innerhalb kurzer Zeit 24 Löschanträge auf Bilder des alten Meisters. Die Begründung lautete dabei jedesmal

ILLEGAL COPY AND DISTRIBUTION

Der Account wurde umgehend gesperrt und die Löschanträge abgelehnt, oft mit der Begründung, dass das blosse Scannen oder Fotografieren eines public-domain-Bildes kein neues Copyright schafft:

speedy kept, there’s no new copyright for scanning/photographing an out-of-copyright (due to age, author died several hundred years ago) source medium. Thus the image offered at the Cranach archive is PD

Ein Jahr später ging nun bei der Wikimedia Foundation in San Francisco eine DMCA-Takedown-Notice ein (hier dokumentiert). Darin heisst es:

I swear under penalty of perjury that I am the copyright holder according to German law.

Urheber eines sorgfältig ausgewählten Bildausschnitts

cda_logo

CDA-Logo

Das Cranach Digital Archive, zu dessen Partnern u.a. die Staatlichen Museen zu Berlin und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gehören, fordert darin für vier verschiedene Dateien aus vier verschiedenen urheberrechtlichen Gründen unterschiedlicher Absurditätsgrade eine Löschung: In dieser Datei sei das geschützte Logo enthalten. Diese Datei sei kein Foto sondern eine Infrarot-Reflektografie. Diese Technik erfordert angeblich “keinen großen Zeit- und Platzbedarf und [kann] sowohl in Ausstellungsräumen als auch in Werkstätten u.ä. durchgeführt werden”.

Bei dieser Datei sei man Inhaber des sorgfältig ausgewählten Bildausschnitts und bei dieser habe man die Rechte an den beigefügten Metadaten. Wikimedia reagierte umgehend, ignorierte die ersten drei Ansprüche aktiv und lud die letzte Datei ohne die Metadaten nochmal hoch. Diese kann man nun nurnoch in der DMCA-Notice auf wikimediafoundation.org lesen, bis gegen die DMCA-Notice eine DMCA-Notice eintrifft.

Leider war am Donnerstag in Düsseldorf niemand für Nachfragen zum Vorgehen zu erreichen und bei der assoziierten Stiftung Museum Kunstpalast hatte man keine Informationen zum Vorgang.

All the 15th century books are belong to us!

Der Archivar Klaus Graf dokumentierte in seinem Blog am Mittwoch übrigens einen ebenfalls seltsamen Vorgang ähnlicher Güte. Graf hatte 2006 eine Seite aus dem Gutachten über den Bacharacher Pfarrwein aus dem Jahr 1426 hochgeladen, das im “Geheimen Hausarchiv” in München lagert. Die Generaldirektorin der Staatlichen Archive Bayerns fordert ihn nun auf, “nachträglich eine Veröffentlichungsgenehmigung zu beantragen oder die fragliche Seite aus dem Internet zu entfernen” und verweist dabei auf §8 der Bayerischen Archivbenützungsordnung, dem Zufolge Reproduktionen nur durch die Staatlichen Archive oder von ihnen beauftragte Stellen angefertigt werden und nur mit Genehmigung weitergegeben werden dürfen.

Die gefährlichen Bücher werden in Bayern also nur noch mit juristischem Gift versetzt, das ist schon mal ein Fortschritt.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

November 26 2013

BBC will mehr Open wagen

BBC MoU signings

Die Unterzeichnenden (Bild: @jakeberger)

Die BBC, Großbritanniens große öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, hat gestern Absichtserklärungen unterschrieben, in denen sie erklärt, sich für offene und freie Internettechnologien einzusetzen. Dabei soll es unter anderem um offene Daten und offene technische Standards gehen. Die Erklärungen wurden mit der Open Knowledge Foundation (OKFN), dem Open Data Institute (ODI), der Mozilla Foundation und der Europeana Foundation geschlossen.

Die BBC erhofft sich eine engere Zusammenarbeit mit den Organisationen bei gemeinsamen Anliegen und verweist auf in der Vergangenheit auf dem Gebiet Geleistetes wie etwa das maschinenlesbare und dauerhaft vorhandene Programm. In einem Positionspapier zum Thema Open Data aus dem Frühjahr wurden die bisherigen Bemühungen und einige relevante Fragestellungen zusammengetragen.

Laut dem von der OKFN veröffentlichten Memorandum of Understanding ist die Zusammenarbeit auf mindestens zwei Jahre angelegt und soll unter anderem zum

development of world-class digital content and infrastructure within the UK’s knowledge economy and the more efficient use of public sector resources

beitragen. Der Anhang listet sechs Felder auf, in denen die Zusammenarbeit stattfinden soll:

  • Unterstützung und Fortentwicklung eines diskriminierungsfrei zugänglichen, auf offenen Standards basierenden Netzes und Unterstützung bei Veröffentlichungen, die der Open Definition entsprechen.
  • freie Metadaten
  • Digitalisierung und digitale Bewahrung
  • möglichst freier Zugang zu digitalen/digitalisierten Archiven
  • Zusammenarbeit bei der Fortentwicklung des Rechtemanagements
  • Zusammenarbeit bei der Entwicklung von barrierefreien Interfaces

Schön, mal wieder was aus Großbritannien vermelden zu können, ohne die Buchstaben C, G, H und Q in die richtige Reihenfolge bringen zu müssen. Man darf gespannt sein, was aus den Abmachungen konkret entstehen wird. Eine von vielen Möglichkeiten der Zusammenarbeit zeigt ein Projekt, das schon lange vor der Unterzeichnung angeschoben wurde: Am 18. Januar 2014 können Freiwillige Sprach-Samples prominenter Personen aus dem Radioarchiv von BBC Radio 4 extrahieren und unter freier Lizenz bei Wikimedia Commons hochladen.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl