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February 18 2014

November 06 2013

18:30 Uhr bei Wikileaks

Seit heute morgen wurde mehrmals angekündigt, dass Wikileaks um 18:30 Uhr eine wichtige Bekanntmachung veröffentlichen wollen:

 

Jetzt wissen wir endlich, was so geheimnisvoll war: Die Wikileaks-Journalistin Sarah Harrison, die Snowden seit Hongkong begleitet hatte und die letzten vier Monate bei ihm war, ruft dazu auf, den Kampf gegen staatliche Überwachung und für die Transparenz innerhalb der Regierungen weiterzukämpfen.

Snowden sei im Moment in Sicherheit, aber auch viele andere Whistleblower müssen geschützt und verteidigt werden – wie etwa Chelsea Manning und Jeremy Hammond. Sie sieht Snowden als Beispiel dafür, dass man Whistleblower dazu befähigen kann, die Wahrheit zu sagen und dennoch ihre Freiheit nicht vollständig aufgeben zu müssen.

Negativbeispiele seien jedoch zahlreich: Glenn Greenwald, Laura Poitras und Jacob Appelbaum, die sich quasi im Exil befänden, Barrett Brown, der im Gefängnis sitzt, Julian Assange in Großbritannien und David Miranda, über den wir vorhin noch berichtet haben und der unter dem UK Terrorism Act festgehalten wurde. Sie verurteilt den Vorwand des “Terrorismus”, der in der heutigen Zeit zu pauschal benutzt wird, um unliebsame Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Transparenz ist für sie das einzige Mittel, wenn die Regierungen sich verweigern, die Wahrheit zu sagen – daher sei es unerlässlich, sich für Whistleblower einzusetzen:

Wenn ihnen ein Knebel angelegt wird, müssen wir ihre Stimme sein. Wenn sie verfolgt werden, müssen wir ihr Schild sein. Wenn sie weggesperrt werden, müssen wir sie befreien. Uns die Wahrheit zu überbringen, ist kein Versprechen. Es sind unsere Daten, unsere Informationen, unsere Geschichte und wir müssen darum kämpfen, sie in der Hand zu halten.

Mut ist ansteckend.

 

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October 29 2013

Ein Päckchen für Herrn Rajab

Die !Mediengruppe Bitnik hat ein Päckchen auf die Reise geschickt. Es reist seit Montag nachmittag von Julian Assange in der ekuadorianischen Botschaft in London zu Nabeel Rajab in Bahrain. Im Päckchen steckt eine Kamera, die alle 15 Sekunden ein Bild sendet, damit die Reise des Päckchens live verfolgt werden kann. “Delivery for Mr. Rajab” ist ein Kunstprojekt und bereits das zweite nach “Delivery for Mr. Assange” im Januar 2013.

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Nabeel Rajab ist aktives Mitglied der Opposition in Bahrain und Präsident des Bahrain Centre for Human Rights (BCHR). Im Juli 2012 wurde er wegen eines Tweets festgenommen, mit dem er “Bahrainer beleidigt” haben soll. Im Dezember 2012 wurde er zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Das Päckchen, das Dienstag abend am Flughafen Stansted (London) angekommen war, kann per LiveWebcam als auch über eine Karte verfolgt werden.

!Mediengruppe Bitnik twittert außerdem unter @bitnk die Stationen der Reise.

 

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October 28 2013

Snowden-Spendenseite online

Wikileaks und der Journalistic Source Protection Defence Fund (JSPDF) haben nun die Seite freesnowden.is gestartet, um Spenden für Snowdens Verteidigung vor Gericht zu sammeln. Der JSPDF ist vor der Fundraising-Kampagne für Snowden, die im August auf FundRazr gestartet wurde, noch nie in Erscheinung getreten. Jedoch liegt der Julian Assange Defence Fund unter gleicher Verwaltung von Derek Rothera & Company LLP.

Was Snowden selbst dazu sagt, ist bisher nicht bekannt. Zu der Arbeit von Wikileaks hat er in der Vergangenheit jedoch erwähnt:

Wikileaks ist eine legitime Möglichkeit, journalistisch an die Öffentlichkeit zu gehen und sie editieren ihre Veröffentlichungen gründlich unter Berücksichtigung des öffentlichen Interesses.

Als Fun Fact am Rande sei darauf hingewiesen, dass auch mit PayPal gespendet werden kann. Irgendjemand Lust zu wetten, wie lange es dauert, bis das gesperrt wird?

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September 10 2013

OHM2013 Videos veröffentlicht: Wikileaks, Bits of Freedom, GlobaLeaks und andere

Anfang August fand das Hacker-Camp OHM2013 “Observe, Hack, Make” statt. Jetzt gibt es Video-Mitschnitte von mehr als 60 Talks. Der von Markus ist noch nicht dabei, dafür aber einige andere netzpolitisch relevante. Eine subjektive Auswahl:

Wenn alles gut geht, werden die restlichen dann auch da irgendwo erscheinen.

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September 04 2013

Spy Files 3: WikiLeaks veröffentlicht neue Dokumente zu Geheimdienst-Auftragsfirmen und Überwachungstechnologien

spyfilesWikiLeaks hat soeben einen dritten Teil der Spy Files veröffentlicht: 249 Dokumente von weltweit 92 Geheimdienst-Auftragsfirmen:

Diese Dokumente decken auf, wie die USA, Europa und Entwicklungsländer – bedingt durch die Privatisierung der Geheimdienstarbeit – viele Millionen Dollar für die Entwicklung einer neuen Generation von Massen-Überwachungstechnik ausgegeben haben, um Gemeinschaften, Gruppen und ganze Bevölkerungen zu überwachen.

Aus der Pressemitteilung:

Dokumente in den Spy Files #3 umfassen sensible Verkaufsbroschüren und -präsentationen, mit denen die Geheimdienste der verschiedenen Länder dazu verleitet werden sollen, Technologien und Dienstleistungen zur Massenüberwachung bei den jeweiligen Firmen zu kaufen. Die Sammlung enthält ebenfalls Dokumente wie Verträge und Auslieferungs- und Installationsbeschreibungen, die einen Einblick geben, wie die entsprechenden System installiert und betrieben werden.

Internet-Überwachungstechnologien, die neuerdings auf dem Geheimdienst-Markt verkauft werden, beinhalten Funktionen um verschlüsselten bzw. verschleierterten Internetverkehr wie Skype, BitTorrent, VPN, SSH und SSL zu erkennen. Die Dokumente decken auch auf, wie Dienstleister dabei mit Geheimdiensten und anderen Behörden zusammenarbeiten, um in den Besitz von Schlüsseln zu dieser Kommunikation zu kommen.

Aus den Dokumenten ist zudem ersichtlich, wie die Massenerfassung von Telefonie, SMS, MMS, EMail, FAX und Satelliten-Telefonie erfolgt. Die veröffentlichten Dokumente zeigen zudem, das diese Dienstleister auch die Analyse von Web- und Mobil-Kommunikation in Echtzeit verkaufen.

RT.com hat bereits eine erste Analyse: New WikiLeaks docs expose secretive, unruly surveillance industry

RT was the only Russian broadcaster provided early access to the documents, which also mention other companies including Cobham, Amees, Digital Barriers, ETL group, UTIMACO, Telesoft Technologies and Trovicor.

In Deutschland scheint die Süddeutsche Vorab-Zugang gehabt zu haben: Trojaner für Diktatoren

Wikileaks wurden auch Daten zugespielt, aus denen hervorgeht, wie oft die großen Hersteller von Spähprodukten in welches Land gereist sind: Alleine dieses Jahr waren Mitarbeiter deutscher Firmen demnach in Turkmenistan, Oman und Äquatorialguinea – Staaten, die in Demokratie-Rankings auf den hintersten Plätzen landen. “Die Reisen der Firmenvertreter in die meisten dieser Länder lassen vermuten, dass die Unternehmen ihrer Verantwortung für Menschenrechte nicht gerecht werden”, sagt Christian Mihr von Reporter ohne Grenzen. Gamma-Chef Münch reiste den Daten zufolge ins autoritär regierte Kasachstan.

Wikileaks-Daten zufolge reisen Mitarbeiter in diese Länder. (Foto: SZ-Grafik: Hassân Al Mohtasib)

In diese Länder reisen Vertreter deutscher Firmen. (SZ-Grafik: Hassân Al Mohtasib)

So, und jetzt fleißig durch die 249 Original-Dokumente des Grauens klicken.

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August 21 2013

Bradley Manning zu 35 Jahren Haft verurteilt

480px-Bradley_Manning_US_ArmyBradley Manning ist zu 35 Jahren Haftstrafe verurteilt worden. Das Urteil gab eine US-Militärrichterin soeben in Fort Meade bei Washington bekannt. Damit bleibt das Gericht weit unter den von der Anklage geforderten 60 Jahren Haftstrafe. Zusätzlich wird Manning unehrenhaft Entlassen, weshalb er keinerlei Ansprüche auf eine Pension oder andere Zahlungen hat. Seine bisherigen 3,5 Jahre Haft werden auf die Strafe angerechnet.

Bradley Manning wurde bereits Ende Juli in 19 von 21 Anklagepunkten schuldig gesprochen. Die maximal mögliche Haftstrafe hätte bei mehr als 130 Jahren gelegen. Zuvor hatte sich Manning vor dem Militärgericht dafür entschuldigt, geheime Militärdokumente weitergeben zu haben.

Ich bereue, dass meine Handlungen Menschen geschadet haben. Ich bereue, dass sie den Vereinigten Staaten geschadet haben.

Das Urteil wird nun vom Ankläger General Jeffrey Buchanan geprüft, wie es die Vorschriften des „Uniform Code of Military Justice“ vorsehen. Bradley Mannings Verteidigung hat bereits an Gnadengesuch an den General geschickt, um sein Urteil abzumildern. Nachdem Buchanan das Urteil geprüft hat, bleibt Manning also vorletzte Station nur noch die Berufung vor dem „Army Court of Criminal Appeals“, vor der letzten Instanz dem „United States Court of Appeals for the Armed Forces“. Ob Manning diese Rechtswege gehen wird ist zur Zeit nicht bekannt.

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June 20 2013

Bradley Manning: Prozess unterbrochen, Probleme mit Beweismitteln

Wie Detlef Borchers und Alexander Spier bei Heise Online berichten, wurde der Prozess gegen den Whistleblower Bradley Manning gestern nach acht Verhandlungstagen unterbrochen. Die Verteidigung hatte etliche Widersprüche gegen die Beweismittel der Anklage eingelegt, bis zum 26. Juni sollen beide Parteien sich nun auf eine Befragung über die Aktenlage vorbereiten.

Bradley Manning ist seit Mai 2010 in Militärgewahrsam. 22 Anklagepunkte wurden ihm im Februar 2012 verlesen, darunter Geheimnisverrat und “Kollaboration mit dem Feind”. Ihm wird vorgeworfen, geheime Dokumente an WikiLeaks weitergegeben zu haben, unter anderem das “Collateral Murder” Video und mehr als 250.000 Depeschen, die als “Cablegate” weltweit für Aufsehen sorgten. Ende April legte Bradley Manning ein Teilgeständnis ab und bekannte sich in 10 der 22 Anklagepunkte für schuldig. Er habe geheime Dokumente an unautorisierte Personen weitergegeben, wehrt sich jedoch gegen den Vorwurf, “dem Feind” geholfen zu haben.

Doch genau darauf will die Anklage hinaus und versucht zu beweisen, dass Manning dem “Feind” WikiLeaks auf Kommando zugearbeitet hat. Sie legte den Screenshot einer Liste der “Most Wanted Leaks of 2009″ vor, die WikiLeaks 2009 initiiert hatte und behauptete, Manning habe die Liste gekannt und wollte sie quasi abarbeiten. Laut Verteidigung habe Manning jedoch selbst entschieden, was er weitergeben wollte. Die Verteidigung argumentierte weiter, dass es sich bei der Liste um ein Wiki handele, das von vielen zusammengestellt wurde.

Im Verhör musste die Anklage zugeben, ihre Version der Leaks-Liste von der Wayback Machine des “Internet Archive” bezogen zu haben. Damit ist die Liste als Beweismittel im Sinne eines forensischen Beweises problematisch: die Verteidigung legte die eidesstattliche Versicherung eines Wayback-Admins vor, nach der die an das Archiv geschickten Webseiten nicht darauf geprüft werden, ob sie tatsächlich der Seite an einem bestimmten Tag entsprechen. Auch würden keine Hashwerte der Webseiten gespeichert, um eine nachträgliche Änderung der Inhalte bemerken zu können. Captain Joshua Tooman, der Militär-Verteidiger von Bradley Manning, nannte die Beweisführung ein “vierfaches Hörensagen”.

Laut Huffington Post nannte die Anklage wiederholt den Namen des bekanntesten WikiLeaks-Initiators Julian Assange, insgesamt 22 Mal in den ersten acht Verhandlungstagen. Assanges Anwalt in den USA, Michael Ratner, hält dies für den Versuch eine Verschwörung zwischen Manning und Assange zu konstruieren – auch wenn Manning offiziell nicht wegen Verschwörung angeklagt ist. Joshua Tooman, einer von Mannings Anwälten, sagte ebenfalls dass die Pläne von WikiLeaks nichts mit Bradley Manning zu tun haben: “They can plan and do whatever they want. That doesn’t affect Pfc. Manning”.

Dass Manning WikiLeaks auf Kommando zugearbeitet hat, wollte die Anklage auch mit einem Tweet von WikiLeaks beweisen.

Dieser Tweet passe laut Anklage zu gelöschten Dateien voller Mail-Adressen, die auf einem von Manning benutzten Computer gefunden worden waren. Die Verteidigung zweifelte an der Authentizität des Screenshots, der nach Aussage der Anklage aus dem Google Cache kopiert wurde. Es gibt ebenfalls keinen Beweis dafür, dass Manning Tweets von WikiLeaks gesehen hat. Bei seinem Teilgeständnis im April sagte er, dass er erst versucht hatte die Informationen an die Washington Post, New York Times und das Portal Politico weiterzugeben, wo er jedoch niemanden erreichte oder das Gefühl hatte, nicht ernstgenommen zu werden. WikiLeaks war dann die vierte Wahl der Veröffentlichung.

Die Militärrichterin Denise Lind verkündete gestern nicht, ob sie die Tweets und die “Most Wanted” Webseite als Beweise zulassen wird. Alle Mitschrift der öffentlichen Teile des Prozesses gibt es bei der Freedom of the Press Foundation.

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May 29 2013

Hacktivist Jeremy Hammond bekennt sich zu Hack von Stratfor: “Ich tat, was ich für richtig halte.”

Jeremy Hammond. BIld: Jim Newberry. Lizenz: Creative Commons BY-NC 3.0.

Jeremy Hammond. Bild: Jim Newberry. Lizenz: Creative Commons BY-NC 3.0.

Der politische Aktivist Jeremy Hammond hat sich schuldig bekannt, in Computer des privaten amerikanischen Think Tank Stratfor eingedrungen zu sein. Seit 15 Monaten sitzt er in Haft, nun drohen ihm 10 Jahre Gefängnis und eine Millionenstrafe. Jeremy Hammond half dabei, das Konzept des “Hacktivismus” zu verbreiten – und saß bereits wegen ähnlicher Delikte im Gefängnis.

Nach dem Sommer von LulzSec (von Forbes-Reporterin Parmy Olson als Buch aufbereitet) wurde Weihnachten 2011 der private amerikanische Think Tank “Strategic Forecasting” Stratfor aufgemacht. Unter dem Label LulzXmas drangen Hacktivisten des losen Kollektivs Anonymous in Stratfor-Server ein und kopierten E-Mails und Kreditkartendaten. Die Seite stratfor.com wurde defaced und mit dem Text des Essays Der kommende Aufstand versehen.

Die erbeuteten E-Mails wurden kurz darauf von WikiLeaks als Global Intelligence Files veröffentlicht.

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Wenig mehr als zwei Monate nach dem Hack wurde in Chicago der politische Aktivist Jeremy Hammond verhaftet. Er wurde verraten vom LulzSec-Hacker Sabu, der mit dem FBI zusammen arbeitete. Obwohl Hammond das Anonymisierungs-Netzwerk Tor verwendete, korrelierte das FBI einfach, zu welchen Zeiten sein Laptop sein WLAN verwendete mit den Zeiten, in denen sein Online-Nickname in Chatrooms war.

Nach 15 Monaten im Knast mit mehreren Wochen Isolationshaft hat Jeremy Hammond gestern zugegeben, Webseiten mit Anonymous aufgemacht zu haben, inklusive Stratfor:

Now that I have pleaded guilty it is a relief to be able to say that I did work with Anonymous to hack Stratfor, among other websites. Those others included military and police equipment suppliers, private intelligence and information security firms, and law enforcement agencies. I did this because I believe people have a right to know what governments and corporations are doing behind closed doors. I did what I believe is right.

Staatsanwalt Preet Bharara listet noch ein paar weitere Ziele:

During his guilty plea, HAMMOND also admitted his involvement in multiple additional hacks, including computer intrusions into the Federal Bureau of Investigation’s Virtual Academy, the Arizona Department of Public Safety, the Boston Police Patrolmen’s Association, and the Jefferson County, Alabama Sheriff’s Office.

Damit sieht sich Jeremy Hammond nun 10 Jahren Haft und 2,5 Millionen Dollar Strafzahlungen gegenüber. Das Urteil soll am 6. September gefällt werden.

Der 28-jährige Jeremy Hammond ist politischer Aktivist und “Hacktivist” aus Überzeugung. Bereits 2004 rief er auf der DefCon zu elektronischem zivilen Ungehorsam in Tradition des Electronic Disturbance Theater auf.

Wiederholt wurde er für Offline-Proteste verhaftet, darunter einen “Lärmprotest mit Trommeln” zum Parteitag der Republikaner, Reclaim the Streets Aktionen, einer Auseinandersetzung mit homophoben Demonstranten während der Chicago Pride Parade, dem Protestieren gegen Nazis ohne Erlaubnis und der direkten Konfrontation mit Holocaustleugner David Irving.

HackThisZine6Jeremy Hammond machte direkten politischen Aktivismus aber auch im Internet ganz praktisch. Schon 2003 gründete er HackThisSite.org, einer Diskussions- und Bildungs-Community über Computer-Sicherheit. Im Kollektiv Hackbloc beteiligte er sich unter anderem an der Erstellung der selbst herausgegebenen Zeitschrift Hack This Zine.

Im März 2005 wurde er vom FBI durchsucht, weil er die Webseite der rechten Gruppe Protest Warrior (“Fighting the left… doing it right”) aufgemacht und defaced hatte. Auch hier erbeutete er Kreditkarten-Daten und kündigte an, damit an linke Gruppen zu spenden, was aber nie passierte. Dafür erhielt er zwei Jahre Haft und musste mehr als 5.000 Dollar an Protest Warrior zahlen. Wenige Tage eh er in den Knast ging, sagte er dem Chicago Magazine:

He bragged nervously about an ongoing hack that some friends were up to against the National Socialist Movement, a neo-Nazi group he had protested in Toledo in 2005. They were scanning the group’s e-mails and files looking for evidence of hate crimes; if they found anything, they were going to publicize it. He claimed he wasn’t involved and said he wouldn’t talk more about it-with good reason. It was pretty much the same stunt that was sending him to federal prison.

In einem lesenswerten Portrait im Rolling Stone aus dem letzten Dezember sagte sein Zwillingsbruder:

“There are two paths you take after you come out of prison,” says Jason Hammond. “Some people go straight and try to achieve the American dream, and others go, ‘Fuck it, the whole idea is bullshit, as is the system that created it,’ and they go in a more radical direction. And Jeremy took that path.”

Eine Soli-Gruppe vertritt die Forderung: Free Jeremy Hammond.

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July 24 2012

Afghanistan-Kriegstagebuch: Wie aus großen Datensätzen die Zukunft vorhergesagt werden soll

Afghan map at different times with intensity colorsAus großen Datensätzen lassen sich mitunter Prognosen für die Zukunft ableiten. Ein Forscherteam hat jetzt aus den von WikiLeaks veröffentlichten Afghanistan-Kriegstagebüchern berechnet, wo und wie stark kriegerische Auseinandersetzungen in den Jahren nach den Daten auftreten würden. Im Vergleich mit den tatsächlichen Entwicklungen waren die Vorhersagen erstaunlich korrekt.

Während WikiLeaks derzeit eher mit boulevardesken Meldungen Schlagzeilen macht, werden erste wissenschaftliche Untersuchungen aus den veröffentlichten Datensätzen bekannt. Jetzt wurde die Dissertation Point process modelling of the Afghan War Diary veröffentlicht, in der Andrew Zammit-Mangion zusammen mit einem kleinen Team die Afghan War Diary analysiert hat. Aus dem Abstract:

Unsere Ergebnisse zeigen, dass unser Ansatz ermöglicht, tiefere Einsichten in die Dynamik von Konflikten zu erhalten und eine erstaunlich genaue Vorhersage von bewaffneten Kämpfen im Jahr 2010 zu treffen, ausschließlich auf der Basis von Daten aus früheren Jahren.


Das Paper besteht zu einem Großteil aus statistischen Konzepten und Formeln. Erst im letzten Kapitel wenden sie ihre statistischen Herleitungen auf die 77.000 veröffentlichten Berichte an. Dazu nahmen sie vor allem die präzisen Zeit- und Ortsangaben jedes Berichts. Aus diesem Datensatz prognostizierten sie, wie stark die Kämpfe in den einzelnen Regionen Afghanistans in 2010 sein würden. Auf GitHub gibt’s den verwendeten Code.

Die Ergebnisse der Forscher kamen der Wirklichkeit erstaunlich nahe, wie Jon Bardin in der Los Angeles Times zusammenfasst. Das Modell wurde nicht einmal durch die Entsendung von weiteren 30.000 amerikanischen Soldaten durch Obama beeinflusst. Und es war auch in relativ ruhigen Regionen wie dem Norden erstaunlich genau.

Das ist nicht die erste Prognose der Zukunft aus großen Datensätzen der Vergangenheit oder Gegenwart. Bereits vor zwei Jahren haben Forscher von HP Labs aus öffentlichen Tweets den Umsatz von Filmen an der Kinokasse berechnet. Ebenfalls 2010 investierten Google und die CIA in das Startup Recorded Future, dass aus Webseiten, Blogs und Tweets Prognosen abgeben will. Und gleich mehrere Forschungsteams wollen aus Twitter Prognosen für Börsenkurse errechnen.

Noch immer nicht alle Dokumente veröffentlicht

Neben Twitter bieten auch die von WikiLeaks veröffentlichten Daten noch viel Raum für spannende Forschung. Leider sind noch immer 15.000 Berichte der Afghan War Diaries nicht veröffentlicht. Damals hieß es, diese werden auch öffentlich, wenn man Hinweise auf Quellen entfernt hätte. Das ist bis heute nicht geschehen. Die Domain wardiary.wikileaks.org geht gar nicht mehr.

In einem Feature von WDR und DLF geht Marc Thörner diesen Berichten nach. Auch er bekam damals den vollständigen Datensatz von WikiLeaks, um sie für Tagesspiegel und WDR aufzuarbeiten. Durch seine Erfahrungen vor Ort in Afghanistan verfasste er eine Analyse mit tiefgehender politischer Einordnung des Konflikts. Doch kurz vor der koordinierten Veröffentlichung flog der Tagesspiegel aus dem Team der veröffentlichenden Medien heraus. Seine einen Tag später veröffentlichte Analyse fand kaum Beachtung.

Ein Uni-Forschungsseminar in Frankfurt bestätigt seinen Unmut:

Die Studentinnen Franziska Kreische und Katharina Ochsendorf werten zunächst die Medienberichte vom 26. und 27. Juli 2010 aus. Dabei stellen sie fest: Eine politisch gewichtete Analyse findet sich allein im Tagesspiegel vom 27.7.2010. Nur hier hätten sie Informationen über die Doppelspiele afghanischer Politiker und Parteien gefunden, Hintergründe über den Putschversuch gegen Karzai und die ethnisch motivierten Auseinandersetzungen.

Doch als sie die entsprechenden Passagen bei WikiLeaks in der Online-Veröffentlichung suchen, stellen sie fest: Gerade dieser politisch brisante Teil der Afghan Warlogs ist im Netz nicht zu finden.

Daniel Domscheit-Berg sagte Marc Thörner, dass die angekündigte Aufarbeitung und Veröffentlichung der Threat Reports wichtig gewesen wäre. Aber statt dessen hat sich WikiLeaks gleich dem “Hype um die nächste Publikation, den Irak-Dokumenten” zugewendet.

Hier gibt’s die MP3.

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February 15 2012

Dokumentation: WikiLeaks – Geheimnisse und Lügen

Auf ARTE lief gestern eine US-Dokumentation über “WikiLeaks – Geheimnisse und Lügen“. Ich hab sie noch nicht gesehen, die nächsten Tage steht sie aber in der Mediathek, bzw. hier:

January 09 2012

Diskussion: Rolle und Einfluss von Leakingplattformen

Breitband auf Deutschlandradio Kultur sendete am Samstag eine Diskussion zum Thema “Wieviel Transparenz wollen wir? Rolle und Einfluss von Leakingplattformen”.

Dieses Jahr startete mit einer Inflation des Transparenzbegriffs. Überall ist sie gefordert, Politik und Politiker sollen sie erfüllen, Motto soll sie sein, Leitmotiv und auch mal Mission. Wir fragen: Wieviel Transparenz ist eigentlich sinnvoll, wieviel davon wollen wir eigentlich? Nicht zuletzt das von Anonymous gestartete Webportal gegen Nazis wirft die Frage nach Kriterien auf, nach denen geleakt werden soll. Gleichzeitig wollen wir wissen, welchen Einfluss Whistleblower heute tatsächlich haben. Zwar ließ sich 2010 eine Diversifizierung von Leakingportalen beobachten, viele neue entstanden, doch es scheint, als sei auf diesen Plattformen nicht allzu viel los. Im Studio diskutieren Guido Strack vom Whistleblower Netzwerk, Christian Humborg, Geschäftsführer Transparency International Deutschland und Kollege Markus Heidmeier, ehemals Leaks-Blog-Autor bei Zeit Online.


Hier ist die MP3.

December 19 2011

Forensiker stellt Verbindung zwischen Manning und Assange her

Das Wired-Blog Threat Level berichtet vom Prozess gegen Bradley Manning, der verdächtigt wird, diverse geheime US-Daten an Wikileaks wieter gegeben zu haben: Jolt in WikiLeaks Case: Feds Found Manning-Assange Chat Logs on Laptop. Heute war ein Regierungs-Forensiker eingeladen, der detailliert darüber berichtete, was man auf Notebook und Datenträger von Manning wieder gefunden habe. Dazu soll auch ein Chatlog mit Julian Assange selbst gehören, der laut dem Forensiker über “dawgnetwork@jabber.ccc.de” erreichbar war. Jabber.ccc.de ist ein im deutschsprachigen Raum gerne und oft genutzter Instant-Messaging-Server im CCC-Umfeld, wo jeder ohne Registrierung einen Account anlegen kann.

Gleichzeitig wurde laut Forensiker eine Kontakt-Telefonnummer zu Julian Assange in Island gefunden. Das ist insofern relevant als dass die US-Regierung bereits seit längerem versucht, sowohl Manning eindeutig Geheimnisverrat nachzuweisen als auch eine direkte Verbindung zwischen Manning und Assange herzustellen, um Assange ebenfalls besser anklagen zu können (sofern sie seiner habhaft werden). Ebenfalls haben die Forensiker wohl zumindest die Irak-Tagebücher auf Datenträger gefunden haben wollen und ein weiteres Chatlog, wo Manning die Weitergabe des Collateral Murder – Video zugibt.

December 18 2011

Wikileaks startet Soziales Netzwerk “Friends of WikiLeaks”

Wikileaks hat mit wlfriends.org ein Soziales Netzwerk namens “Friends of WikiLeaks (FoWL)” gestartet, um Unterstützer zu sammeln und zu vernetzen. Ein Manifest beschreibt den Sinn und Zweck:

Die Veröffentlichung von Informationen die die Interessen von korrupten Organisationen aufdecken wird immer aggresive Reaktionen verursachen. Diejenigen, die solche Informationen der Welt übermitteln oder ihre Verbreitung gegen Zensurversuche unterstützen sind Angriffen ausgesetzt. Öffentliche Unterstützung schützt Organisationen wie Wikileaks durch die Anerkennung ihres moralisch legitimen Anliegens als Grundlage ihrer Aktivitäten. Dies zu unterstützen ist der Ansatz von FoWL.

FoWL wurde aufgebaut um Unterstützung (sei er materieller Form, durch Öffentlichkeitsarbeit oder in anderer Form von Solidarität) jedem zukommen zu lassen, der sich aufgrund der Veröffentlichung von Informationen zur Erwirkung einer gerechteren Gesellschaft in Gefahr befindet.

Seit seiner Gründung sind viele kleine Gruppen zur Unterstützung von Wikileaks entstanden. Sie haben sich ohne globalen Zusammenhang geformt und nur eine kleine Fraktion der Leute, die Wikileaks unterstützen haben einen Weg gefunden gemeinsam die Organisation praktisch zu verteidigen. FoWL wird diese Leute, Gruppen und Organisationen vernetzen, so dass sich Synergien ergeben können und wir gemeinsam produktiv und effizient arbeiten können. Wir wollen, dass die existierenden dezentralen Wikileaks Unterstützungs-Organisationen voll autonom, autark und unabhänging bleiben und weiterhin ihre Arbeit machen – gleichzeitig möchten wir sie vernetzen um gemeinsam an der Verwirklichung der Ziele zu arbeiten.

Die Mitglieder von FoWL können sich sammeln wenn Wikileaks oder seine Verbündeten angegriffen werden. Das Netzwerk kann diverse Wege für Aktionen und Maßnahmen aufbringen: juristische oder finanzielle Unterstützung für Aktivisten, Veröffentlichungen gegen Desinformation und Diskreditierungen, Koordination öffentlicher Demonstrationen. Was auch immer die Situation sein mag, es gibt für jeden etwas zu tun.

Eine Upload-Funktion für Whistleblower gibt es aber immer noch nicht.

December 01 2011

Spyfiles: Weltweite Überwachung im Internet aufgedeckt

WikiLeaks hat heute zusammen mit der ARD, dem Bureau of Investigative Journalism in Grossbritannien, the Hindu in Indien, L’Espresso in Italien, OWNI in Frankreich und der Washington Post 287 Dokumente geleakt, die einen Überblick über die weltweiten Überwachungsprojekte und deren Exporte an Diktaturen im Internet aufdecken. Andy Mueller-Maghun, ehemaliger CCC-Sprecher, hat hierzu eine eigene Seite gestartet: BuggedPlanet.info. Laut WikiLeaks sollen bald mehr Dokumente folgen.

Deutsche, französische und englische Überwachungstechnik wurde und wird noch weltweit in Diktaturen eingesetzt. Der Export dieser Technologien ist ein Riesengeschäft für westliche Sicherheitsunternehmen. Die Gewinner heißen unter anderem Nokia-Siemens, Qosmos, Nice, Verint, Hacking Team, Bluecoat und Amesys. Durch die geleakten Dokumente wird nun aufgedeckt, welche Firmen wo Folterern in die Hände spielen:

Spyfiles

November 12 2011

Wie das US-Justizministerium legal meinen Twitter-Account hackte

Birgitta Jónsdóttir kommentiert im Guardian, wie es ist, wenn die US-Regierung den eigenen Twitter-Account hackt.

Profiling has become a default with companies such as Google and Facebook. These companies have huge databases recording our every move within their environment, in order to groom advertising to our interests. For them, we are only consumers to push goods at, in order to sell ads through an increasingly sophisticated business model. For them, we are not regarded as citizens with civic rights. [...] What I have learned about my lack of rights in the last few months is of concern for everyone who uses the internet and calls for actions to raise people’s awareness about their legal rights and ways to improve legal guidelines about digital media, be it locally or globally. The problem – and the dilemma we are facing – is that there are no proper standards, no basic laws in place that deal with the fundamental question: are we to be treated as consumers or citizens online? There is no international charter that says we should have the same civic rights as we have in the offline world.

November 11 2011

US-Gericht: Twitter muss Wikileaks-Daten an US-Behörden geben

Wir hatten bereits darüber berichtet, dass die USA ganz gerne “einmal alles” von Twitter über @rop_g, @birgittaj, @ioerror, @wikileaks, Bradley Manning und allen Followern derer Accounts haben wollen. Twitter hat die Account-Inhaber informiert, und die hatten sich – unterstützt von allen möglichen Organisationen mit allen rechtlichen Kräften dagegen gewehrt. Vergebens. Gegen die Entscheidung des US-Bundesgerichts wurde von der EFF und der ACLU Berufung eingelegt. Diese ist jetzt abgewiesen worden.

Bei der ACLU finden sich zahlreiche Dokumente zum Verfahren. Ungeklärt ist immer noch, welche sonstigen sozialen Plattformen diese Anfragen erhielten und nicht wie Twitter erstmal vor Gericht geklärt haben, ob das überhaupt rechtens ist.

Hier ist das Statement der EFF: Privacy Loses in Twitter/Wikileaks Records Battle.

“With this decision, the court is telling all users of online tools hosted in the U.S. that the U.S. government will have secret access to their data,” said Jonsdottir. “People around the world will take note, and since they can easily move their data to companies who host it in locations that better protect their privacy than the U.S. does, I expect that many will do so. I am very disappointed in today’s ruling because it is a huge backward step for the United States’ legacy of freedom of expression and the right to privacy.” [....] “When you use the Internet, you entrust your online conversations, thoughts, experiences, locations, photos, and more to dozens of companies who host or transfer your data,” said EFF Legal Director Cindy Cohn. “In light of that technological reality, we are gravely worried by the court’s conclusion that records about you that are collected by Internet services like Twitter, Facebook, Skype and Google are fair game for warrantless searches by the government.”

Die Vorgeschichte:

9.2.11: Neues vom Fall USA vs. Twitter/Wikileaks/Follower/EFF/ACLU.
9.1.11: US-Regierung will Zugriff auf Twitter-Daten von Wikileaks-Unterstützern.

October 24 2011

Wikileaks sucht wieder Geld

Wikileaks sucht wieder Geld und hat jetzt die Veröffentlichung neuer Dokumente unterbrochen, bis man genug Geld gesammelt hat. Die Drohung ist ernst zu nehmen, hat man doch in den letzten zwölf Monaten kaum neue Dokumente veröffentlicht. Mir fiel keine Veröffentlichung ein, wurde aber dahingehend korrigiert, dass es im Frühjahr Guantanamo-Dokumente gab. Problematisch und nicht akzepabel ist weiterhin, dass US-Unternehmen wie Paypal, Visa und Mastercard immer noch Zahlungen an das Wikileaks-Projekt verhindern.

Unklar ist leider, ob die Gelder für den Prozess von Julian Assange verwendet werden oder tatsächlich in den laufenden Betrieb nud Weiterentwicklung von Wikileaks.org gesteckt werden sollen. Hier wäre etwas mehr Transparenz hilfreich.

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September 06 2011

Julian Assanges Autritt bei der Medienwoche

Julian Assange hat heute bei der Medienwoche in Berlin eine Keynote gehalten – der elektronischen Fußfessel geschuldet allerdings nur per Videoschaltung.

Dabei galt ein strenges Verbot für Audio- oder Video-Aufnahmen. Trotzdem wurde uns über düstere Kanäle eine Aufnahme zugespielt, bei der die Tonqualität allerdings etwas geliten hat.

In den letzten Tagen wurde Wikileaks bekanntlich wieder kontrovers in den Medien diskutiert, es gab also einige Punkte, zu denen er Stellung nehmen musste:

Die Entscheidung, die ungefilterten Depeschen zugänglich zu machen rechtfertigte er damit, dass sie ohnehin bereits in Umlauf waren, also niemand mehr zusätzlich gefährdet wurde. An der Arbeit Wikileaks’ werde sich durch diesen Vorfall nichts ändern. Er bestätigte indirekt, dass es sich um eine Flucht nach vorn handelte:

Es gibt nichts, was wir hätten anders machen können

Da die betroffenen US-Quellen ein Jahr Zeit hatten, um sich vorzubereiten und in dieser Zeit auch von amerikanischen Behörden gewarnt wurden, glaubt er nicht, dass durch die Veröffentlichung jetzt noch großer Schaden angerichtet weerden könnte. Dafür, dass die Depeschen überhaupt in Umlauf gekommen waren, machte er den Guardian verantwortlich, der das Vertrauen Wikileaks missbraucht habe. Weil der Guardian generell schlecht arbeite, wolle man aber sowieso nicht mehr mit dieser Redaktion zusammenarbeiten.

An Medienpartnerschaften wolle man generell festhalten, auch wenn traditionelle Medien sich eher auf Schlagzeilen, als auf ausführliche Aufklärung konzentrieren.

Genrell begrüße er alle möglichen neuen Leaking-Sites überall auf der Welt, die nun Wikileaks’ Ideal folgen – mit dem dezenten Hinweis, dass OpenLeaks nicht in Betrieb ist und auch noch nichts publiziert hat. Auch warf er indirekt Daniel Domscheit-Berg (einen Individuum in Berlin) vor, Journalisten auf den Zusammenhang zwischen Guardian-Passwort und Datei aufmerksam gemacht zu haben.

Abschließend machte Assange auf seine internationale Verfolgung  – auch australische Geheimdienste gingen nun gegen ihn vor – und die Verstrickung von Finanzindustrie, Militär, Politik und Geheimdiensten aufmerksam:

Sie können Geld an den Ku-Klux-Klan überweisen, aber nicht an uns, eine Organisation, die sich für die freie Meinungsäußerung engagiert.

Auch die schlechte Presse, die Wikileaks seit der Passwort-Affäre hat, kritisierte er:

Die traditionellen Medien kritisieren Wikileaks so heftig, weil sie neidisch sind und die Fakten nicht kennen

Zuletzt wies er auf die Gefahr hin, dass Wikileaks durch mangelnde finanzielle Mittel praktisch durch Bankrott zensiert werden könnte und rief dazu auf, das zu verhindern.

Mehr von der Keynote hat Doktordab getwittert – und hier gibt es die besagte Aufnahme.

September 02 2011

Flucht nach vorn: Wikileaks veröffentlicht alle Cables

Update 2: Über das Thema spreche ich morgen um 18:30 Uhr mit Anne Roth ausführlich im Rahmen der Konferenz “Netz für alle!” im Betahaus, Berlin.

Wikileaks hat nun die gesamten vermeintlich unredigierten Cables veröffentlicht. Sie stehen hier als torrent bereit. Zur Veröffentlichung wurde nochmals auf die Pläne, die Auswertung zu crowdsourcen, hingewiesen. Auch im Webinterface sind nun alle Cables zu durchstöbern.

Dieser Schritt war zu erwarten und (für Wikilekas) notwendig geworden, nachdem bereits vor einer Woche an die Öffentlichkeit geriet, dass das von David Leigh im Buch “Wikileaks – Julian Assange’s War on Secrecy” anekdotisch wiedergegebene Passwort zu einer Datei gehört, die dummerweise weit verbreitet wurde und sich auch noch in Umlauf befindet.

Dadurch war klar geworden, dass sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch in den ‘falschen’ Händen befinden würde, und Wikileaks’ Ruf war ernsthaft bedroht. Nur durch die vollständige Veröffentlichung kann Wikileaks nun dem Vorwurf der Gefährdung von Informanten oder Betroffenen durch ein Sicherheits-, oder besser: Vertrauensleck entgegentreten (wenn durch die Veröffentlichung kein Schaden entsteht)

Gegen David Leigh und eine nicht genannte deutsche Person (zur Auswahl stehen Jakob Augstein, Steffen Kraft und Daniel Domscheit-Berg) wurden rechtliche Schritte angekündigt – wir werden sehen, wie weit man damit kommt. Eine gerichtliche Auseinandersetzung mit vermeintlichen Verrätern möchte man als Institution, die um uneingeschränktes Vertrauen wirbt, eigentlich nicht haben.

PR-technisch scheint dieser Schritt bisher auch entsprechend nicht so zu zünden: Die Berichterstattung fokussiert auf Wikileaks, und nicht auf den Deppen Leigh, der das Passwort veröffentlicht hat, und sich nun mit der Behauptung aus der Affäre ziehen möchte, er habe das Passwort für temporär gehalten. Das ist natürlich kappes - und selbst wenn es das gewesen wäre: Passwörter zu verraten ist nie eine gute Idee.

Merkt euch das. Und jetzt: Weitermachen. Nachdem keine Cables mehr redigiert werden müssen, hat man bei Wikileaks ja jetzt vielleicht Zeit, das Submission System zu fixen.

Update: In den Kommentaren stelle ich fest, dass der Artikel so interpretiert wird, als hielte ich Wikileaks’ Schritt für besonders begrüßenswert. Wie ich aber im Titel schon schreibe: Es handelt sich um eine Flucht nach vorn [Versuch, sich durch aktives Handeln aus einer Notlage zu befreien] Dieser Schritt war das beste, was Wikileaks (1.) jetzt noch & (2.) für sich selbst tun konnte – jetzt, nach all den Fehlern, über ich hier in der letzten Woche geschrieben habe, hatten sie keine andere Wahl mehr.

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Schweinderl