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October 30 2013

Verbraucherzentrale NRW drosselt Deutsche Telekom (Update)

plakat_06Die Verbraucherzentrale NRW hatte im Mai die Deutsche Telekom aufgefordert, ihre umstrittenen DSL-Tarife mit Drosselung zurückzunehmen. Die Verbraucherschützer kritisierten eine “unangemessene Benachteiligung” und eine Verletzung der Netzneutralität. Da sich die Deutsche Telekom nicht von ihren Plänen abbringen ließ, hat die Verbraucherzentrale NRW vor dem Landgericht Köln geklagt. Das Landgericht Köln gab der Verbraucherzentrale NRW nun Recht und erklärte die Klauseln für unzulässig (Az. 26 O 211/13, nicht rechtskräftig).

Dies gilt für Call-&-Surf-Tarife mit einer maximalen Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Mbit/s oder mehr. Für Tarife auch mit geringeren Geschwindigkeiten hat die Telekom zudem anerkannt, dass eine Drosselung auf 384 kbit/s unzulässig ist. Sollte die Entscheidung rechtskräftig werden, müsste die Telekom die Passagen aus betroffenen Flatrate-Verträgen streichen und dürfte sich auch gegenüber ihren Kunden nicht mehr auf diese berufen. Für eine Surf-Bremse bestünde dann keine wirksame Rechtsgrundlage. Auch die Bevorzugung Telekom eigener Dienste gegenüber denen der Konkurrenz wäre damit vom Tisch.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und die Deutsche Telekom wird sicher Berufung einlegen. Wir sind gespannt, wie es weiter geht und wünschen der Verbraucherzentrale NRW viel Erfolg beim weiteren Weg durch die Instanzen.

Wir brauchen eine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität!

Was aber auch klar sein sollte: Hier geht es um Marketing und Verbrauchertäuschung. Wenn die Deutsche Telekom einfach den Begriff Flatrate weglässt und durch eine andere krative Wortschöpfung ersetzt, dürfte sich nicht viel an den Drosselkom-Plänen ändern. Eine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität ist immer noch dringend notwendig und muss von der kommenden Bundesregierung endlich angegangen werden.

Update: Die Pressemitteilung des Landgericht Köln schreibt:

Mit dem Begriff „Flatrate“ verbinde der Durchschnittskunde jedenfalls bei Internetzugängen über das Festnetz einen Festpreis für eine bestimmte Surfgeschwindigkeit und rechne nicht mit Einschränkungen. Das Verhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung werde durch die Drosselung empfindlich gestört, weil etwa im Fall von VDSL-Verträgen mit besonders hoher Übertragungsgeschwindigkeit weniger als 10 % der ursprünglich vereinbarten Mindestübertragungsgeschwindigkeit zur Verfügung stünden. In Zeiten mit stetig steigendem Bedarf an einem schnellen und kontinuierlich leistungsfähigen Internet insbesondere im Hinblick auf das Streaming von Fernsehen und Filmen betreffe auch eine Drosselung auf 2 Mbit/s – so die Kammer – ein breites Publikum und nicht nur sog. „Power User“.

Die Urteilsbegründung soll in den kommenden Tagen veröffentlicht werden.

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July 18 2013

Geschlossene Plattformen zerstören Verbraucherrechte

Dieser Text von Michael McNeff (halfpricadigital.co.uk)erschien zu erst auf edri.org unter der Lizenz Creative Commons CC-BY. Übersetzt von Nicolas Fennen.

Können sie ihre gebrauchten Apps für iOS oder Android weiterverkaufen? Wie sieht es mit ihren Videospielen aus, die sie im Shop von Valves Spieleplattform Steam erworben haben?

Die Antwort lautet ja und nein. Rechtlich ist es ihnen erlaubt ihr Apps und bei Steam gekauften Spiele weiter zu verkaufen, wenn sie in der EU vermarktet wurden. In der Praxis jedoch verbieten die Anbieter wie Apples App Store oder Valves Steam Shop, die Lizenzen ihrer zuvor gekauften Software an andere Nutzer weiter zu geben, was es für Nutzer unmöglich macht ihre Apps und Spiele weiter zu verkaufen.

Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs im Fall UsedSoft gegen Oracle aus dem letzten Sommer, hat der Rechteinhaber die exklusiven Vermarktungsrechte abgegeben, wenn für eine Software gezahlt wurde und dem Nutzer damit eine Lizenz zur Nutzung der Software über unbegrenzte Zeit gewährt wurde. Selbst wenn das Lizenzabkommen einen Weiterverkauf verbietet, darf der Rechteinhaber einen Weiterverkauf nicht bekämpfen. Das trifft gleichermaßen auf erworbene Software auf physischen Medien (CD oder DVD) sowie auf heruntergeladene Software zu. Folglich sind Verbraucher in der EU rechtlich dazu berechtigt einen Großteil ihrer Apps und Spiele weiter zu verkaufen.

Geschlossene Plattformen wie Valves Steam verhindern den Weiterverkauf von Software aber dennoch auf zwei Wegen. Der erste ist durch restriktive Nutzungsbedingungen. So lauten beispielsweise die Lizenzvereinbarung im Steam Shop: „Die Software wird Ihnen in Lizenz überlassen und nicht an Sie veräußert. Die Ihnen eingeräumte Lizenz führt Ihrerseits nicht zum Erwerb von Eigentum oder sonstigen dinglichen Rechten an der Software.“ Dennoch, da der Verbraucher eine Gebühr für eine Lizenz auf unbegrenzte Dauer bezahlt hat, fallen Spiele die über den Steam Shop erworben werden klar unter das Urteil UsedSoft gegen Oracle und Valve kann einen Weiterverkauf nicht bekämpfen.

Die andere Weg auf dem geschlossene Systeme wie Steam den Weiterverkauf von Software durch die Verbraucher unterbinden ist, dass kein Mechanismus bereitgestellt, der es einem Nutzer von Steam erlaubt die Lizenz einer Software an einen anderen Nutzer von Steam zu übertragen. Der Wegfall eines so einfaches Mechanismuses macht es unmöglich für Nutzer von Steam, ihre unerwünschte Software zu verkaufen, da der Nutzer keine Möglichkeit hat den Verkauf abzuschließen, ohne die Lizenz der verkauften Software auf den Account des Käufers zu übertragen.

Da Verbraucher ihr unerwünschte Software, welche sie von geschlossenen Plattformen erworben haben, nicht verkaufen können, werden Second-Hand Märkte für gebrauchte Apps und Spiele von ihrer Bildung abgehalten, trotz der Tatsache, dass Vermarkter wie Valve die Vermarktungsrechte an der Software abgegeben haben und einem Weiterverkauf nicht entgegen treten können.

Durch den zunehmenden Verkauf von Software über Downloads, gewinnen geschlossenen Plattformen immer mehr an Popularität. Apple, Microsoft, Google und Valve vermarkten Software für ihre Plattformen alle über ihre eigenen geschlossenen Systeme. Die Inhaber dieser geschlossenen Systeme streichen bei jedem Verkauf von Software über ihre eigenen Shops eine Provision ein und die Entwickler der verkauften Anwendungen verlieren nicht länger Umsätze durch Verbraucher, die gebrauchte, billigere Kopien, anstatt neuer Kopien der Software, kaufen.

Verbraucher jedoch werden in ihren Rechten zum Weiterverkauf ihres digitalen Eigentums beschnitten und verlieren den Zugang zu sekundären Märkte, wo sie die selben Produkte zu niedrigeren Preisen erhalten würden. Da Software zunehmend über geschlossene Systeme vermarktet wird, müssen wir die Rechte der Verbraucher in Bezug auf den Besitz und der Weiterverkauf von Software schützen.

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May 24 2013

Verbraucherschutzminister aller Bundesländer fordern einstimmig gesetzliche Verankerung der Netzneutralität

Das Prinzip der Netzneutralität soll im Telekommunikationsgesetz gesetzlich verankert werden. Das fordert auch die Konferenz der Verbraucherschutzminister der Länder. “Nur die gesetzliche Verankerung der Netzneutralität sichert Informations- und Meinungsfreiheit im Internet”, so die Minister.

Nach den Verbraucherzentralen nehmen sich auch die Verbraucherschutzministerien dem Thema Netzneutralität an. Die von Grünen geführten Verbraucherschutzministerien Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen haben zusammen Vorschläge für Verbraucherschutz in der digitalen Welt eingebracht, darunter “die gesetzliche Verankerung der Netzneutralität im Telekommunikationsgesetz (TKG)”:

„Ein sachlich ungerechtfertigtes Verlangsamen, Benachteiligen oder Blockieren von Diensten im Internet muss zum Schutz von Verbraucherinnen und Verbrauchern rechtlich untersagt werden“, sagte Bonde. Ein neutrales Netz sei dadurch geprägt, dass es frei von Diskriminierung sei und Datenpakete unabhängig von ihrer Qualität, ihrer Quantität, von der verwendeten Anwendung, den genutzten Diensten, den Inhalten sowie ungeachtet von Sender und Empfänger gleichberechtigt transportiere. „Netzneutralität ist der Schlüssel für ein freies und offenes Internet“, betonte der Minister. Sie sei gleichermaßen wichtig für Innovation und Wirtschaftswachstum wie auch für uneingeschränkten Zugang zu Informationen. Darüber hinaus sichere Netzneutralität das Recht der Nutzerinnen und Nutzer auf Meinungsfreiheit.

Auf der Konferenz der Verbraucherschutzminister der Länder letzte Woche wurde dieser Vorschlag angenommen. Der Minister aus BaWü dazu:

Dass die Länder auf unseren Antrag hin den Bund einstimmig auffordern, endlich die bestehenden Möglichkeiten zu nutzen, um die Netzneutralität gesetzlich zu verankern, ist ein starkes Signal Richtung schwarz-gelbe Bundesregierung. Es muss verhindert werden, dass den Verbraucherinnen und Verbrauchern Nachteile entstehen, wenn ein Telekommunikationsunternehmen eigene Angebote bevorzugt oder Internetdienste sachlich ungerechtfertigt verlangsamt, benachteiligt oder blockiert. Nur die gesetzliche Verankerung der Netzneutralität sichert Informations- und Meinungsfreiheit im Internet.

Auch die anderen Vorschläge sind unterstützenswert:

Keine Schlechterstellung beim Kauf von eBooks & Co: Weiterverkauf digitaler Güter ermöglichen

„Aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher ist dies nicht nachvollziehbar und eine Schlechterstellung gegenüber dem erlaubten Weiterverkauf von analogen Gütern wie Büchern. Daher fordert Baden-Württemberg auf der VSMK, dass der Erwerb und die damit einhergehenden Rechte analoger und digitaler Güter gesetzlich gleichgestellt werden“, erläuterte Bonde. Dies gelte für eBooks, MP3-Musik, Filme und weitere digitale Güter.

Strengere gesetzliche Anforderungen an Scoring-Verfahren

Unter Scoring versteht man ein Berechnungsverfahren, bei dem Auskunfteien auf Grund von Erfahrungswerten die voraussichtliche Bonität von Verbraucherinnen und Verbrauchern beurteilen. Hier setzen sich Baden-Württemberg und die weiteren Länder für stärkere Auskunftsrechte von Betroffenen sowie mehr Wissenschaftlichkeit und Prognosegenauigkeit ein. „Wir fordern außerdem, dass bei einer Bonitätsbewertung die Adresse und das Wohnumfeld generell nicht berücksichtigt werden dürfen“, so Bonde.

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February 14 2012

Facebook – Milliardengeschäft Freundschaft

In der ARD lief gestern die groß angekündigte 45 Minuten lange Dokumentation “Facebook – Milliardengeschäft Freundschaft“. Ich bin nach rund 20 Minuten Facebook-Werbeclip eingeschlafen, was aber eher mit der späten Sendezeit zu tun hatte. Der letzte Teil soll etwas kritischer sein. Auf jeden Fall gibt es den Clip auf Youtube (Kleine Ironie der Geschichte):

December 30 2011

#28c3: Datenvieh oder Daten-Fee – Welchen Wert haben Trackingdaten?

Rene Meissner erklärte am dritten Tag, wer an den Nutzungs- und Nutzerdaten im Web verdient, wie das gemacht wird und was uns in der Zukunft auf diesem Gebiet noch erwarten könnte. Extrem spannend und relevant.

Lohnend ist vor allem auch die Fragerunde am Ende. U.a. wird hier kurz angerissen, wie man mit Cookies-Tausch die Datensammler verwirren könnte.

Das Video gibt’s hier: http://www.youtube.com/watch?v=Sa71DG0zayE

August 16 2011

VZ-NRW: Irreführende Werbung für Flatrate-Angebote unzulässig

Endlich kümmert sich mal jemand um die irreführenden Werbebotschaften von Mobilfunkanbietern, die Flatrates suggerieren, aber nach einem bestimmten Volumen einfach mal auf GPRS-Geschwindigkeit mit ISDN-Feeling runterbremsen. Die Verbraucherzentrale NRW hat einstweilige Verfügungen gegen diverse Mobilfunkanbieter wegen irreführender Werbung erwirkt: Internet fürs Handy: Irreführende Werbung für Flatrate-Angebote unzulässig.

“Internet-Flat mit bis zu 7.200 kBit/s unbegrenzt surfen solange Sie wollen”, warb etwa die Firma 1&1 (gmx.de, web.de), die Telekom (t-mobile.de) kreierte den Slogan: “Flatrate zum Highspeed-Surfen und E-Mailen (mit max. 7,2 Mbit/s)” und auch Vodafone versprach für die “SuperFlat Internet Mobil”: “Surfen Sie unbegrenzt im Internet”. Doch den Unterschied zwischen Werbung und Wirklichkeit zeigte – wieder mal – der Blick in die Tarifdetails oder ins Kleingedruckte. Dort behielten sich die vollmundigen Firmen vor, die Übertragungsgeschwindigkeit nach Nutzung eines Datenvolumens von 500 (1&1) bzw. 300 Megabyte im Monat (entspricht grob gerechnet Internetvideos in Spielfilmlänge) auf GPRS-Niveau (maximal 64 Kilobit pro Sekunde im Download) zu drosseln: ein dreister Leistungsschwund von 99,1 Prozent. Das bedeutet: Wo vorher auf dem Handy-Display ein Video ruckelfrei lief, brauchte es nach der Drosselung allein für das Öffnen einer Internetseite mehr als eine halbe Minute. Dieses Schnecken-Internet mussten Nutzer des Tarifs “Data-Flat” beim Anbieter NetCologne (“Ohne Limit Surfen und Mailen”) sogar bereits nach einem Datenverkehr von 200 Megabyte erdulden.

Diese sind wohl noch nicht rechtskräftig, aber laut Pressemitteilung untersagten Richter die monierte Flatrate-Werbung im Internet. Die Verbraucherzentrale NRW lässt momentan vor Gericht klären, ob Tarifbezeichnungen wie “UMTS-Flat” und die “Flat Komplett 3G” ebenfalls “dauerhaftes High-Speed-Internet” suggerieren und dies “als irreführend zu bewerten ist”, wenn nach z.B. 200 MB auf GPRS umgeschaltet wird.

Dabei wünsche ich der Verbraucherzentrale viel Erfolg!

May 23 2011

Heute: Diskussionveranstaltung “Verbrauchermacht im Netz”

Falls jemand nachher noch nichts vor hat: Die Grünen veranstalten ab 19:00 Uhr einen Diskussionabend zum Thema Verbraucherschutz und Internetmobilisierung.

Und zwar im “Grünen Salon in der Volksbühne“. Dit is in Berlin. Falls euch Berlin zu weit ist, oder ihr lieber vom heimischen Sofa mittwittern wollt (Hastag #vn11), soll es auch einen Livestream geben. Brezel und Getränke müsstest ihr dann aber selber besorgen.

Das Programm, fix zusammengefasst:

19.00 Begrüßung 
  • Nicole Maisch MdB Sprecherin für Verbraucherpolitik
19.10 Die Macht der Konsumentinnen und Konsumenten im Netz  20.00 Einkaufen fürs Klima 
  • Dr. Helmut Hagedorn EcoSchopper
  • Nicole Maisch MdB Sprecherin für Verbraucherpolitik
20.30 Internetmobilisierung von VerbraucherInnen 
  • Christoph Bautz Campact.de
  • Bärbel Höhn MdB stellv. Fraktionsvorsitzende
21.00 Monopole im Netz  21.30 Verbraucherschutz und Datenschutz in Sozialen Netzwerken  22.15 Ausklang bei Brezeln und Getränken

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May 13 2011

Studie: Verbraucherschutz im Urheberrecht

Till Kreutzer von iRights.info hat für den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ein umfangreiches Gutachten zu verbraucherrechtlichen Aspekten und notwendigen Reformschritten im Urheberrecht geschrieben. Das gibt es als PDF zum herunterladen. Ebenfalls auf iRights.info steht ein Interview mit Till Kreutzer, wo er nochmal die wichtigsten Punkte und Forderungen des 116 Seiten langen Gutachtens vorstellt.

Frage: Heute wird die von dir für den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) erstellte Studie “Verbraucherschutz im Urheberrecht” der Öffentlichkeit vorgestellt. Wir sind gespannt, was steht also drin?

In der Studie werden die aus Sicht des Verbraucherschutzes drängensten Fragen untersucht. Die Studie besteht aus zwei Teilen. Teil 1 enthält eine Analyse ausgewählter Aspekte im Spannungsfeld zwischen Verbraucherschutz und Urheberrecht (z.B. zur Kopiervergütung, Kulturflatrate, User-Generated-Content usw.). In Teil 2 werden konkrete Lösungsvorschläge unterbreitet, wie Defizite durch nationale oder EU-rechtliche Neuregelungen behoben werden können.

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May 03 2011

Sony und Co: Verstöße gegen Datensicherheit und Datenschutz müssen weh tun!

Wir haben mal als “Digitale Gesellschaft” einen kurzen Forderungskatalog zu den aktuellen Datenlecks von Sony & Co aufgestellt, was aus Nutzersicht getan werden muss, um Datenschutz und Datensicherheit zu verbessern: Sony und Co: Verstöße gegen Datensicherheit und Datenschutz müssen weh tun!

Verstöße gegen Datenschutz und Datensicherheit sind nach wie vor billiger, als sich anständig um diese Themen zu kümmern. Das kann und darf nicht sein. In unserer Gesellschaft von Morgen sind Daten zu wichtig, um Datenlecks wie kleine Schönheitsfehler zu behandeln.

Die Dimension der Probleme, die wir mit fortschreitender Digitalisierung aller Lebensbereiche nun erreichen, die ist neu. Politik und Wirtschaft sind gute Antworten auf diese drängenden Probleme bislang schuldig geblieben. Das wundert nicht: für Politik ist das unbequem, Teile der Wirtschaft würden gerne weiterschludern können.

Wer dabei verliert, sind die Nutzer und auch jene Firmen, die ihre Rolle ernst nehmen und in Datenschutz und Datensicherheit investieren. Das kann nicht sein, das muss sich ändern. Dass Datensicherheit im engeren Sinne (Absicherung von Systemen etc.) Betreiberpflicht ist, steht außer Frage. Aber wie kann man die Betreiber dazu bringen, mehr für die Sicherheit ihrer Systeme zu tun?

Vier Forderungen, die perspektivisch vielleicht etwas mehr Datensicherheit bringen könnten:

1. Beweisumkehr bei Datenschutz-GAU:

Wenn Unternehmen ihren Datensicherheitspflichten nicht nachgekommen sind, muss eine Beweisumkehr stattfinden: da es für den Einzelnen kaum möglich ist, nachzuweisen, dass Betrugsfälle beispielsweise mit gestohlenen Kreditkartendaten aus dem Pool der betroffenen Firma stammen, müssen bei solchen Fällen die Unternehmen nachweisen, dass dies nicht der Fall ist.

Wir fordern:

  • Umkehrung der Beweislast: Wer ein Datenleck verursacht, muss beweisen, dass es nicht sein Leck war das zu Missbrauch geführt hat. (Risikoverschiebung)
  • Es kann nicht sein, dass die Nutzer das Risiko für die Datenschutzschlampereien großer Firmen tragen.

2. Sammelklagen für Verbraucher und Verbraucherverbände ermöglichen:

Seit Jahren wird insbesondere auf EU-Ebene diskutiert, ob man Sammelklagen ermöglichen soll. Insbesondere für den Datenschutz wäre dies ein klarer Gewinn: die Beschwer des Einzelnen ist gefühlt oft gering und die Klagehürden sind für den Einzelnen hoch.

Um dennoch eine angemessene Rechtsdurchsetzung zu ermöglichen, ist das Instrument der Sammelklage (“Collective Redress” im EU-Englisch) das Mittel der Wahl.

Beispiel: Wenn 77 Millionen Betroffene sich zusammenschließen, muss Sony mit empfindlichen Kosten rechnen und es lohnt sich mehr, in die Sicherheit der Daten zu investieren statt die Nutzerinnen und Nutzer entschädigen zu müssen.

Wir fordern:

  • Sammelklagemöglichkeit führt zu besserer Datensicherheit
  • Unterlassungsklagegesetz §2 muss Datenschutzgesetze als Verbraucherschutznormen enthalten (tut es bislang nicht)

3. Datendiebstahlsanzeige verschärfen

Auf EU-Ebene ist die Data Breach Notification, die Anzeige eines Datendiebstahls, noch in der Diskussion, in Deutschland ist sie seit der letzten Novelle im Bundesdatenschutzgesetz vorgesehen – aber wie?! Wenn eine Vielzahl Fälle betroffen ist, können Firmen derzeit an Stelle einer individuellen Benachrichtigung über zwei halbseitige Anzeigen in bundesweit erscheinenden Tageszeitungen ihrer Pflicht im Sinne des Gesetzes nachkommen.
Das ist keine Transparenz sondern eine versteckte Zeitungssubvention.

Wir fordern:

  • individuelle Benachrichtigungspflicht bei Verlust personenbezogener Daten
  • Benachrichtigung der Öffentlichkeit durch Anzeige beim Bundesbeauftragten für Datenschutz, der diese gesammelt veröffentlicht (Öffentliches Datensicherheitssünderregister)

4. Datenbenachrichtigung einführen (“Kleiner Datenbrief”)

Unternehmen, die personenbezogene Daten halten, sollen über ihre Datenbestände in abstrahierter Form (Datenkategorien) jährlich auf dem üblichen Kommunikationsweg (E-Mail, Fax, Post) informieren, solange der Kunde dem nicht widersprochen hat. Außerdem müssen sie über datenschutz- und datensicherheitsrelevante Vorkommnisse benachrichtigen.

[Datenbenachrichtigung] XYZ GmbH
“Wir halten über Sie derzeit Daten folgender Kategorien: Name, Anschrift, Telefon/fax, E-Mail, Bestellhistorie, Zahlungsdaten. Sie haben uns erlaubt, ihre Daten unseren direkt verbundenen Partnerunternehmen zur Verfügung zu stellen. Wir haben für das vergangene Jahr keinerlei Datensicherheits- und Datenschutzvorkommnisse registriert.”

Der Kunde muss darauf hingewiesen werden, dass er ein
a) Recht auf umfassende Auskunft über die ihn betreffenden Daten
b) Recht auf Korrektur
b) Recht zur Sperrung/Löschung dieser Daten
hat.

Anhand dieses Überblicks kann der Kunde selbst entscheiden, ob ihn dies stört bzw. weitergehend interessiert.

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March 11 2011

EU & Privacy: Setz Dich, mach’s Dir gemütlich, nimm Dir ‘n Keks

Guter Kommentar in der ct’ zum Thema E_Privacy-Richtlinie und Cookies: EU & Privacy: Setz Dich, mach’s Dir gemütlich, nimm Dir ‘n Keks.

Eigentlich wären also die Browserhersteller und der Flashanbieter Adobe gefragt: Sie müssten endlich sinnvolle Verwaltungsoptionen für Cookies einführen. Das gesamte heutige Modell gehört auf den Prüfstand. Die Werbewirtschaft könnte an dieser Stelle einen Beitrag leisten, in dem sie genau dies klar macht, nicht das Problem verneint und Augenwischerei betreibt. Die Nutzer haben faktisch keine funktionierende Kontrollmöglichkeit. Aber daran hat sie offensichtlich kein Interesse: Sie schürt Angst vor einem unbenutzbaren und nicht mehr finanzierbaren Internet, macht es sich gemütlich und setzt den Nutzern lieber noch ein paar Kekse auf ihren Rechnern.

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March 10 2011

ZAPP: Facebook – Umgang mit Daten

Die Sendung ZAPP auf NDR hat gestern über Facebook und den “Umgang mit Daten” berichtet. Das gibts bei Youtube zu sehen:

Na, heute schon gepostet? Erstaunlich, wie viele Menschen ständig das Bedürfnis haben, banalste Erlebnisse, intimste Vorlieben oder peinliche Fotos durch das Internet an Gott und die Welt zu schicken. Nicht bei Facebook zu sein, gilt langsam schon als Makel. Und seit man sich auf dieser Internetseite verabredet, um arabische Regime zu stürzen, gilt Facebook sogar als eine Art Garant für Meinungsfreiheit. Wenn es allerdings um das eigene Unternehmen geht, dann hat man Opposition nicht so gerne. Kritiker werden massiv bekämpft. Und während Facebook vom unglaublichen Mitteilungsbedürfnis seiner Nutzer lebt, zeigt sich das Unternehmen selbst äußerst verschlossen.

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