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July 24 2013

Whistleblowerpreis 2013 für Edward Snowden

184549820 1Den Whistleblowerpreis 2013 erhält Edward Snowden für seine Aufdeckung der massenhaften Überwachung des Datenverkehrs durch westliche Geheimdienste, dies wurde auf der heutigen offiziellen Pressekonferenz in Berlin bekanntgegeben. Der Preis wird von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW e.V.), der deutschen Sektion  der International Association of Lawyers Against Nuclear Arms (IALANA) und Transparency International Deutschland e.V. verliehen und ist mit 3.000€ dotiert.

Hartmut Grassl (VDW), Otto Käckel (Vorsitzender der Deutschen Sektion von IALANA) und Edda Müller (Vorsitzende von Transparency International Deutschland) haben jeweils die Entscheidung kommentiert und gewürdigt.

So hat sich Hartmut Grassl für eine “Runderneuerung der Gesetze des deutschen Datenschutzes” ausgesprochen und kritisierte die Regierung, dass nur durch “investigativen Journalismus immer wieder Happen” des Skandals an die Öffentlichkeit gelangen. Grassl verwies auf Alexander Konstantinowitsch Nikitin, den ersten Preisträger von 1999, der nach Grassls Aussage u.a. wegen des Whistleblowerpreises nicht verurteilt wurde.

Otto Jäckel sieht den Whistleblowerpreis als Antwort der Bürger und Zivilgesellschaft, dass selbige Edward Snowden nicht “auf der Anklagebank sondern in Freiheit und in Sicherheit” sehen. Jäckel verwies auch nochmals auf die offensichtliche Ironie, dass Snowden der Spionage beschuldigt wird, da er selbst illegale Spionage aufgedeckt hat. “Edward Snowden gehört nicht ins Gefängnis sondern ihm gehört ein Preis verliehen – und das machen wir jetzt.” Nach Jäckels Ansicht erfüllt Edward Snowden die Kriterien für den Whistleblowerpreis in “herausragender Art und Weise” und er plädiere dafür, dass die Bundesregierung Snowden in ein Zeugenschutzprogramm aufnehmen sollte. (SPD-Chef Peter Gabriel hatte dies Anfang Juli auch gefordert) Vor allem sieht Otto Jäckel aber das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung und auch andere Strafrechte “aufs schwerste verletzt” und fragt sich, was  Generalbundesanwalt, Bundesjustizministerin und Kanzlerin tun, “um die Bürger zu schützen?”

Edda Müller von Transparency International Deutschland sagte, “Wir sind es Edward Snowden schuldig, ihm diesen Preis zu verleihen.” Sie forderte außerdem die Regierung auf Großbritannien ein deutlicheres Zeichen zu setzen, dass Letztere Stellung beziehen sollen, wie sie “zum Schutz der Grundrechte der EU-Bürger” stehen. Müller sprach sich vor allem dafür aus, wie schon ihre beiden Vorredner, dass es einen wirksamen Whistleblowerschutz in Deutschland geben muss. Letztlich appelliert sie an die Medien und die Bürger, “dieses Beben [Abhörskandal] darf nicht zur Ruhe kommen!”

Die eigentliche Preisverleihung gibt es dann am 30.08.2013 – “irgendwo in Berlin”. Ob Edward Snowden überhaupt dabei sein kann ist allerdings mehr als ungewiss – auch, wenn er nun temporäres Asyl in Russland erhalten hat. Gefeiert wird aber trotzdem.

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June 01 2013

NRW blickt durch – Initiativen für Transparenzgesetz und Open Government in Nordrhein-Westfalen

Wenn es nach der Kampagne NRW blickt durch geht, sollen Bürgerinnen und Bürger in Nordrhein-Westfalen künftig dank eines Transparenzgesetzes mehr und besseren Zugang zu Informationen haben. Nach Hamburger Vorbild soll das Informationsfreiheitsgesetz weiterentwickelt werden: Weg von einer Holschuld der Bürger hin zu einer Bringschuld des Staates. Damit Bürger, Unternehmen, zivilgesellschaftliche Organisationen und auch die Verwaltung freien und einfachen Zugang zu allen wichtigen Informationen aus Ämtern und Behörden erhalten, sollen in einem zentralen Informationsregister beispielsweise Verträge zur Daseinsvorsorge, Gutachten, Statistiken, Verwaltungsvorschriften, öffentliche Pläne und Geodaten veröffentlicht werden. Aus Sicht der Initiative erschwert das nicht nur Korruption und Steuerverschwendung – mehr Transparenz bedeutet auch mehr Demokratie, denn wer sich beteiligen will, muss sich schließlich informieren können.

Ausgenommen werden sollen laut dem Gesetzesvorschlag der Initiative zum Beispiel “Verträge mit einem Gegenstandswert von weniger als 20.000 Euro, wenn zwischen den Vertragspartnern im Laufe der vergangenen zwölf Monate Verträge über weniger als insgesamt 20.000 Euro abgeschlossen worden sind” und Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse, bei denen das Geheimhaltungsinteresse gegenüber des Informationsinteresses überwiegt.

Die von Mehr Demokratie NRW, Transparency International Deutschland und dem Bund der Steuerzahler NRW gestartete Initiative für ein Transparenzgesetz wird inzwischen auch vom Digitale Gesellschaft e.V., dem Chaos Computer Club und dem Whistleblower Netzwerk unterstützt.

Open Government Initiative der Regierung

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen entwickelt zwar zurzeit seine Open Government Strategie Open.NRW, die neben , E-Partizipation und E-Zusammenarbeit (e-collaboration) auch Transparenz bzw. Open Data fördern soll, doch die Einführung eines verpflichtenden Transparenzgesetzes, das auch im Koalitionsvertrag von Rot-Grün gefordert wird, ist dabei nicht vorgesehen – was letztendlich veröffentlicht wird, soll den Ministerien selbst überlassen bleiben. Im Rahmen dieser Strategie veranstaltete die nordrhein-westfälische Landesregierung am 17. Mai ein “Zukunftsforum Bürgerbeteiligung”, bei der Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft aufeinander trafen, um die ersten Eckpunkte der Strategie zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

Damit Open Government gelingt, braucht es nicht nur politischen Willen, es muss auch ein Kulturwandel Einzug in die Verwaltung halten. Dass sie genau das verstanden haben, betonten Angehörige der Landesregierung und -verwaltung immer wieder. Doch beim lobenswerten Dialog zwischen Aktivisten und Verwaltung wurde auch klar, dass die Vorstellungen auseinander klaffen, was “mehr Transparenz” genau bedeutet. Das konnte man an einer Äußerung des Innenministers Jäger deutlich sehen:

Es kann nicht darum gehen, den Bürgern terabyteweise Daten bereit zu stellen. Nur Öffentlichkeit bedeutet noch nicht Beteiligung. Der Bürger muss die Daten auch verwerten können. Deshalb kann man, auch im Falle der Geodaten, nicht einfach alles zur Verfügung stellen.

Während für den Innenminister die reine Veröffentlichung von Daten keinen Gewinn darstellt und Transparenz und Open Data für ihn vor allem bedeutet, die Bürger besser zu informieren, forderten Aktivisten Mut, die Deutungshoheit abzugeben und die Rohfassung der Daten preiszugeben, die der Meinungsbildung zugrunde liegt: Nicht der Staat soll für die Bürger interpretieren, sondern diese sollten sich selbst ihre Meinung bilden.

Ein wesentliches Problem, das immer wieder bei den Transparenzbemühungen im Flächenland NRW zur Sprache kommt  ist,  wie die Kommunen eingebunden werden sollen, bei denen ein großer Teil der Datenschätze gehortet ist. Dank des sogenannten Konnexitätsprinzips muss das Land für alle zusätzlichen Aufgaben der Kommunen, wie das Bereitstellen von Daten, einen finanziellen Ausgleich schaffen – und beim verschuldeten NRW sind zusätzliche Ausgaben natürlich gar nicht gern gesehen. Sowohl Open.NRW als auch NRW blickt durch konzentrieren sich deswegen auf die Landesebene.

Mehr Infos, Dokumentationen des Zukunftsforums und die Möglichkeit, den Entwurf der Landesregierung und die Aufzeichnungen zu kommentieren, finden sich hier. Der Gesetzesentwurf  von NRW blickt durch soll nach Einarbeitung der Kommentare an die Landtagsfraktionen übergeben werden.
Mit der zivilgesellschaftlichen Initiative und den Bemühungen der Regierung ist der Weg zu mehr Transparenz in NRW eingeschlagen – was genau daraus wird ist noch offen. Ein bisschen mithelfen könnt ihr, indem ihr mit eurer Unterschrift die Petition für ein Transparenzgesetz mitzeichnet.

 

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