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May 29 2013

Private Filesharing-Netzwerke: freiwilliger Schutz geistigen Eigentums

Wer illegale Inhalte aus dem Internet herunterlädt wird gerne als Schmarotzer bezeichnet, der sich an keinerlei Gesetze und Regeln halte und obendrein noch den Produzenten und Künstlern jener Inhalte schade. Der ungarische Ökonom und Fellow des Berkman Instituts in Harvard Bodó Balázs hat nun einen wissenschaftlichen Artikel veröffentlicht, der dieses Bild ein wenig zurecht zu rücken versucht. Balázs hat sich für seinen Artikel private, nur Mitgliedern zugängliche Filesharing-Netzwerke angeschaut und kommt dabei zu interessanten Ergebnissen.

Die öffentliche Meinung über Filesharing und die Menschen dahinter, sind laut Balázs geprägt durch offene Plattformen wie beispielsweise The Pirate Bay, zu der jeder Nutzer freien Zugang hat. Diese Plattformen seien alleine schon durch ihre Erreichbarkeit Leuchttürme der gesamten Szene – obwohl sie eigentlich Ausnahmen seien:

Open BitTorrent trackers are, however, an exception rather than the rule. There are only ahandful of open trackers that have more than a million peers, or offer more than a million torrents, and there are only a few dozen sites that are in the hundred thousand range in terms of both peers and torrents. On the other hand, as at May 2012, the biggest Hungarian private tracker was number 9 globally in terms of the number of torrents amongst open trackers, and number 2 (behind The Pirate Bay) in terms of the number of peers participating in file sharing. The fact that a Hungarian private tracker, catering for a Hungarian speaking audience, specializing in Hungarian speaking content is on par with the most popular global open trackers suggests that there must be a significant underworld within the file-sharing underground


Doch private, geschlossene Communities würden sich nicht nur durch dadurch abgrenzen, dass sie eben nicht öffentlich zugänglich seien. Ein ihrer Merkmale sei es, dass innerhalb der Communities strikte regeln gelten. Nicht nur in Bezug untereinander, sondern besonders auch im Umgang mit den zu verbreitenden Inhalten. Balázs nennt hierfür Beispiele aus drei unterschiedlichen Plattformen – einer internationalen, auf Arthouse-Filme spezialisierte Community, ein nationalistisches Netzwerk aus Ungarn, sowie einer Plattform einer ungarischen Minderheit in Rumänien. So habe die nationalistische Plattform eine festgeschriebene Regel, wie lange Inhalte überhaupt abrufbar seien dürfen:

All nationalistic works are banned in the six months following their official release. If the six months passed, sharing these works is permissible. (This rule is in place to ensure that the livelihood of nationalistic authors is granted, and to make sure that the tracker does not hurt them financially. Six months should be enough for you to buy these works.). For works beyond the six months limit, please provide a link where the work can officially be bought, and add the following lines: ‘Support our nationalistic artists! If you like this CD/DVD/book/work, please buy it, and so support their work!’

Dieses ist nur ein Beispiel. Aber Balázs kommt insgesamt zu dem Schluss, dass es sich bei geschlossenen Plattformen im Internet um stark selbstregulierende Netzwerke handelt. Auch wenn die Gründe hierfür nicht klar sind, nennt er zwei Möglichkeiten. Die eine sei, dass es sich bei den strikten Regulierungen um reine Vorsichtsmaßnahmen handele um sich selbst und das Netzwerk vor möglichen Strafverfolgungen zu schützen. Die zweite Möglichkeit hingegen sei eine utopische:

The restrictions on the common resource pool may also suggest that these communities have realized that the P2P library is part of a larger ecosystem, with which it is in a symbiotic relationship. […] By having sharing restrictions that redirect P2P demand to other, often legal channels, piratical communities imagine themselves in co-existence with legal markets as well as with rights-holders. This is one significant step beyond the usual descriptions of P2P black markets that suggest that piracy is either an autonomous domain, hostile to the legal markets in general, or is simply a response to the failures of legal alternative

Insgesamt habe sich nach Balázs innerhalb der Netzwerke eine Reihe verschiedener Mechanismen entwickelt, welche in erster Linie das Überleben der Netzwerke sichern soll. Hierzu gehört eine künstliche Verknappung von Inhalten, aber auch die informelle Absprache mit Künstlern und Produzenten, wenn etwa Werke von den verschiedenen Plattformen entfernt werden soll oder aber sogar Werke zur Verbreitung angeboten werden. Insgesamt führen nach Balázs diese Entwicklungen zu drei Schlüssen:

[1.] I argue that as long as the main question of the IP field is not how people can be forced to obey the law, but rather under what conditions they choose to respect the wishes of authors and ensure the reproduction of different cultural fields, the survival of different social practices will be a factor of their ethical disposition rather than their legality. In other words we should expect ethically robust practices to persist even if their legality remains in question, and unethical practices will face considerable public opposition even if they are found to be legal.

[…]

[2.] I suggest that P2P networks create communities where producers and consumers, authors and fans can, and do, interact. Through these interactions a mutual realization of consumers and producers may emerge that there is no ‘us’ versus ‘them’ in this conflict: authors, rights-holders and other commercial intermediaries are also part of the community, to which users, down-loaders and consumers belong.

[…]

[3.] The final point is that voluntary IP restrictions in piratical communities are probably the most effective enforcement mechanisms up to date. Closed file-sharing communities have developed tools of social control in spaces where statutory copyright is irrelevant. The enforcement efforts that target these networks destroy not just the resource pools and the communities that built them, but also destroy the social controls that are in place. Paradoxical as this may sound, the aforementioned piratical communities may be the enforcement allies that rights-holders have been seeking all this time. In any case, it is apparent that they both have at least one interest in common: a sustainable cultural ecosystem.

Weder der gesamte Inhalt des Artikels, noch im speziellen das finale Fazit müssen von jedem geteilt werden. Aber sie bieten eine neue Perspektive in unserer teils festgefahrenen Debatte über das Urheberrecht und seine strafrechtliche Durchsetzung.

Der komplette Aufsatz kann hier als PDf heruntergeladen werden.

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May 17 2013

UK: Musikindustrie bereitet weitere Sperrung von Webseiten vor

Wie TorrentFreak berichtet, bereitet die britische Musikindustrie zum wiederholten Male die Sperrung von Webseiten durch Internetprovider vor. So seien laut einer Insiders aus der Musikindustrie 25 Seiten betroffen, darunter große Bittorrent-Seiten wie 1337x oder der mp3-Streaming Dienst Grooveshark.

Nach Informationen die TorrentFreak vorliegen, handelt es sich hierbei um eine gemeinsame Aktion der British Phonographic Industry (BPI), ein Repräsentant der britischen Musikindustrie, sowie der Phonographic Performance Limited (PPL), einer britischen Musiklizenzierungsgesellschaft, ähnlich der deutschen GEMA. So soll die PPL im Auftrag der BPI ein Schreiben mit einer Liste von 25 Webseiten an alle Mitglieder versendet haben.

Over the past years, UK music labels have innovated to build one of the most vibrant digital music sectors in the world. However, the growth of digital music in the UK is held back by a raft of illegal businesses commercially exploiting music without a licence from the copyright holders [...]


Um weitere Schritte vorbereiten zu können, sollen alle angeschrieben Mitglieder der PPL mitteilen, ob sie einer der genannten Seiten die Rechte an ihren Veröffentlichungen abgetreten haben.

In considering what next steps to take, BPI would like to know if any PPL record company members have, in the UK, licensed their recorded music to the operators of the below websites

Auf der Liste enthalten seien Torrentseiten wie 1337x und ExtraTorrent – laut TorrentFreak die 6. bzw. 5. größten Torrent-Seiten der Welt – sowie die Torrent Suchmaschine Torrentz, die angeblich drittgrößte Torrent-Seite der Welt. Doch auch direkte mp3-Suchmaschinen und Webseiten, wie BeeMP3 oder Dilandau stehen laut TorrentFreak auf der Liste der PPL. Als Überraschung wird die Existenz der mp3-Streaming Seite Grooveshark auf der Liste gewertet. Einerseits sei sie einem sehr viel größeren Kreis an Nutzern bekannt als alle anderen genannten Webseiten und darüber hinaus sei Grooveshark zwar bereits verklagt worden, jedoch noch nie für Urheberrechtsverletzungen schuldig gesprochen worden.

Eine zweite Quelle soll TorrentFreak bestätigt haben, dass als nächster Schritt die Sperrung aller 25 Seiten vor Gericht beantragt werden soll.

A second industry source informs TorrentFreak that the BPI does indeed intend to have the sites blocked via upcoming action in the High Court.

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August 08 2012

Internet Archive setzt auf BitTorrent: Millionen Werke legal herunterladen

Die Seite “The Internet Archive” bietet seit heute über 1,3 Millionen Werke über das BitTorrent-Protokoll jedermann zum kostenlosen Download an. Das gemeinnützige Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein digitales Gedächtnis der Menschheit zu schaffen, kann so seine Inhalte zugleich verbreiten und redundant speichern. Dieses Unterfangen wäre wohl mir einer zentralen Infrastruktur wegen anfallender Serverkosten kaum zu stemmen.

Angeboten werden Werke, die inzwischen Gemeinfrei (“Public Domain”) geworden sind: Darunter fallen viele neben Klassikern der Weltliteratur auch viele Filme der Vorkriegszeit, aber auch Konzertmitschnitte oder Hörbuchfassungen bekannter Bücher.

Fürs Runterladen der Werke benötigt man lediglich einen BitTorrent-Client, so zum Beispiel:

Leider wird bei manchen Internet-Anbietern der Torrent-Datenverkehr willkürlich und ohne Begründung gedrosselt.

The Library of Alexandria – an ancient center of learning containing a copy of every book in the world – was eventually burned to the ground. Even now, at the turn of the 21st century, no comprehensive archives of television or radio programs exist.

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July 26 2012

Gamma FinFisher: Weltweit gegen Aktivisten eingesetzter Staatstrojaner enttarnt und veröffentlicht

finspyDie kommerzielle Spionage-Software FinFisher der deutsch-britischen Firma Gamma International ist offenbar enttarnt und im Internet veröffentlicht. Aktivisten vom Citizen Lab haben Exemplare des Trojaners analysiert, den sie für FinSpy halten. Vor wenigen Monaten wurden damit die Geräte bahrainischer Demokratie-Aktivisten infiziert und deren Kommunikation dann nach Bahrain übermittelt.

Über die Firma Gamma und ihr Produkt FinFisher hat netzpolitik.org schon wiederholt berichtet. Von der Trojaner-Produktfamilie, die man an Staaten verkauft, gibt es auch ein Werbe-Video. Nicht nur Ägypten und Bahrain kauften die Überwachungs-Software, auch das Bundeskriminalamt testet ihn als neuen Staatstrojaner für Deutschland.

Der Bloomberg-Journalist Vernon Silver hat nun gleich mehrere live eingesetzte Trojaner-Exemplare erhalten, die ein Teil von FinFisher sein sollen. Damit sollten die Geräte von Demokratie-Aktivisten in Washington, London und Manama, der Hauptstadt Bahrains infiziert werden. Mittlerweile sind die Samples auch als Download verfügbar.

Das Citizen Lab hat die Dateien auseinander genommen und eine technische Analyse veröffentlicht (PDF). Die Software verwendet die Strings “Finspy4.01″ und “Finspyv2″ und kommuniziert mit den Domains tiger.gamma-international.de und ff-demo.blogdns.org. Die Funktionen ähneln Gammas Datenblättern über FinFisher. Daher kommt das Analyse-Team zu dem Fazit, wahrscheinlich ein Finspy-Produkt der Gamma-Produktpallette FinFisher gefunden und analysiert zu haben.

Der analysierte Trojaner wurde per E-Mail an ausgewählte Aktivisten verschickt, die sich mit Bahrain beschäftigen. In harmlos aussehenden E-Mail-Anhängen versteckten sich ausführbare Dateien. Das Öffnen der Bilder war zwar möglich, gleichzeitig installierte sich der Trojaner jedoch auf der Festplatte und nistete sich ins System ein. Der Analyse nach tat der Trojaner einiges zur Verschleierung, er umging Viren-Scanner und crashte Debugger.

Einmal infiziert, sammelte die Software eine Reihe von Daten auf den Zielrechner, darunter Screenshots, die getippten Tasten via Keylogger, Passwörter, Aufzeichnungen von Skype-Gesprächen und gesendete Dateien. Diese wurden verschlüsselt gespeichert und an den Server mit der IP-Adresse 77.69.140.194 geschickt, die dem wichtigsten Telekommunikationsunternehmen in Bahrain gehört. Dieser “Command and Control”-Server ist noch aktiv und antwortet auf HTTP-Anfragen mit “Hallo Steffi”.

Gamma selbst wollte sich gegenüber netzpolitik.org und Bloomberg nicht äußern. Das britische Büro von Gamma International verweigerte eine Stellungnahme und verwies uns auf die Mail-Adresse von Firmenchef Martin J. Muench. Dieser hat leider noch nicht geantwortet. Die Webseite vom Münchener Büro von Gamma ist derzeit down, an der Telefonnummer aus dem Whois geht jemand anderes ran, eine funktionierende Nummer war auf Anhieb nicht zu finden. Im Buggedplanet.info Wiki stehen weitere Informationen, aber leider auch keine deutsche Telefonnummer. Die Botschaft von Bahrain konnte ebenfalls nichts dazu sagen und will unsere E-Mail weitergeben.

Neben einer Verifizierung der Echtheit hätte netzpolitik.org Gamma auch gerne gefragt, wie man dort zu diesen Einsätzen der eigenen Software steht. Man redet sich gerne aus der Verantwortung, dass man nur an Regierungen verkauft und diese damit nur Kriminelle verfolgen. Im aktuellen Beispiel wurden gezielt politische Aktivisten überwacht, die teilweise noch nicht einmal in Bahrain leben oder bahrainische Staatsbürger sind. Keiner der Betroffenen weiß von polizeilichen Ermittlungen oder gar Anklagen gegen sich.

Seit Jahren werden wirksame Export-Verbote für solche Überwachungstechnologien gefordert. Die britische Menschenrechtsorganisation Privacy International will deswegen jetzt die britische Regierung verklagen. Die deutsche Bundesregierung unterstützt solche Exporte sogar noch mit Hermes-Bürgschaften.

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