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February 03 2014

Remixer #35 Ticklish: “Ein guter Remix bewahrt die Seele des Songs”

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Ticklish.

Ticklish

Ticklish

Ticklish produziert seit circa eineinhalb Jahren tanzbare elektronische Musik. Er ist Teil der Berliner Weboogie Crew based und arbeitet ständig an Songs und Kooperationen mit anderen Kunstschaffenden.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein guter Remix bewahrt die Seele des remixten Songs und gibt ihm einen neuen Körper, der in den neuen Kontext passt. Die Handschrift des Remixers sollte sich vom Original unterscheiden und kann die vorhergehende Idee überschreiben, wenn Du mich fragst.

Auf welche Weise verwendest Du Werke von Dritten?

Samples sind eine großartige Quelle der Inspiration für mich; bisweilen spiele ich nur mit einem Track oder einem Acapella das ich mag herum und es verwandelt sich auf magische Weise binnen kurzer Zeit in einen vollständigen Song. Manchmal entferne ich dann sogar das ursprüngliche Sample am Ende, weil es überflüssig geworden ist – auch, wenn das Sample der Ausgangspunkt für den ganzen Prozess war.

Was hältst Du von der Idee eines “Recht auf Remix”, inklusive Vergütung für die verwendeten Werke?

Wie man mit Sampling-”Piraterie” umgehen soll ist letztlich eine schwierige Frage. Auf der einen Seite ist Sampling ein großer Teil der Musikkultur geworden, es ist ein Weg etwas neues zu erstellen und auf seine Weise einzigartig. Es passiert soviel in Sachen Sampling, dass Du, selbst wenn Du es möchtest, kaum herausfinden kannst wer die Samples geklärt hat und wer nicht. Andererseits kann ich es aber auch verstehen, dass sich jemand angegriffen fühlt, wenn jemand anderes seine Arbeit ohne Zustimmung als Ausgangsbasis nimmt.

Und hinsichtlich der Vergütung?

Die Vergütung für die ursprünglichen Kunstschaffenden ist jedenfalls eine gute Sache und wäre eine nette Idee, sollte aber an die beschränkten Mitteln von Remixern und deren Labels angepasst werden, die in der Regel nicht das Geld dafür haben, Rechte zu klären.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix? 

Mein liebster Remix aller Zeiten könnte vielleicht Canblaster’s remix von French Fries’ Charlotte sein – es ist enorm detailliert und er spielt mit den (unglaublichen Vielen) Samples auf sehr musikalische Art und Weise:

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Das Interview führte Barbara Hallama, auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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January 27 2014

Remixerin #34 Elisa Kreisinger: “Nichts ist wirklich ursprünglich”

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Elise Kreisinger, die sich selbst als Pop Culture Pirate bezeichnet.

Elisa Kreisinger

Elisa Kreisinger

Elisa Kreisinger ist eine Video-Remixerin, die Mashups  von US-amerikanischen Popkultur-Fernsehshows wie Mad Men und Sex and the City erstellt um dabei neue, andere und subversivere Erzählungen zu generieren. Sie produziert diese Mashups sowohl für eine künstlerische als auch für eine Internet-Zielgruppe. Ihre Arbeit findet sich unter popculturepirate.com.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ich liebe Remix aber meine liebsten sind solche, die Hochkultur und Populärkultur mischen, zum Beispiel einen popkulturellen Text mit feministischer oder postmoderner Theorie verknüpfen. Die besten Remixes nutzen Popkultur als den Löffel voll Zucker der sozio-politische Kritik schmackhaft macht.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Ich berufe mich auf Fair Use, einer Klausel des US-Copyrights, die es erlaubt das jeder urheberrechtlich geschütztes Material ohne Zustimmung des Rechteinhabers verwenden darf, sofern es eine transformative Nutzung ist. Fair Use ist ein wichtiges Sicherheitsventil, das es neuer Kultur und Innovationen erlaubt, auf Vergangenem aufzubauen.

Haben Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet?

Nein, aber ich verzichte darauf Werke auf Seiten zu veröffentlichen, die Fair-Use-Rechte von Kunstschaffenden nicht respektieren, weil sie meine Arbeiten wiederholt unter der unzulässigen Annahme einer Urheberrechtsverletzung blockieren oder monetarisieren.

Hattest Du schon einmal rechtliche Probleme wegen Deiner Arbeit?

Ja, wie oben erwähnt, meine Arbeiten werden oft auf Video-Plattformen wie YouTube als urheberrechtsverletzend markiert, wodurch der Anspruchsteller über das Schicksal des Werkes entscheidet. Die gegenwärtige Situation auf YouTube in Sachen Remix zeigt, wie private Vereinbarungen zwischen Rechteinhabern und Hosting-Plattformen den gesetzlichen Schutz von Fair Use unterlaufen und damit das Recht von Kunstschaffenden ihre Werke online zu verbreiten behindern.

Was hältst Du von der Idee, ein Recht auf Remix mit Vergütung für den ursprünglichen Künstler einzuführen?

Das ist ein anderer Zugang als der in den USA, weshalb ich nicht sicher bin, wie sich das auswirken würde. Meiner Meinung nach sollte man nichts an den ursprünglichen Künstler zahlen müssen, um aus deren Material etwas neues zu erschaffen. Letztlich ist nichts wirklich ursprünglich und durch die Zahlung würde die Idee glorifiziert, dass Kunst einen einzelnen Autor hat und das widerspricht Remix- und Mashup-Kultur.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Mein Lieblingsremix ist “Mash It Up!” von Norwegian Recycling. Es ist sehr meta. Es ist auch ein großartiges Beispiel dafür, wie transformativ und innovativ ein Remix sein kann. Ich bevorzuge diesen Song im Vergleich mit den verwendeten Originalen.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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January 20 2014

Remixerinnen und Remixer des Jahres 2013: All together now!

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Die Remixer/innen 2013.

Avatar_en_03Ein guter Remix greift das Original auf, fügt eigene Gedanken hinzu, variiert und verfremdet, lässt aber das Ausgangsmaterial, die eigentlichen Künstler strahlen (#14), gelingt eine Balance zwischen der Wiedererkennung und neuen persönlichen Ausdrucksformen (#1). Ein guter Remix lässt in der Bearbeitung eine eigene kreative Leistung erkennen, die sich vom bloßen Zitat des Original klar unterscheidet (#20). Im Grunde nutzt bzw. abstrahiert ein guter Remix die Originalspuren so, dass das Original zu erkennen ist, der Remix aber gleichzeitig trotzdem wie ein neuer Track klingt, vom alten Charme vielleicht Teile beinhaltet, aber auch den (im besten Fall) unverwechselbaren Stil des Remixers unschwer erkennen lässt (#2). Und vor allem muss es grooven (#29).

Die gleichen Zutaten können unterschiedliche Ergebnisse produzieren (#23). Einige Remixes wollen auf rein visueller Ebene fesseln, andere mit Schenkelklopfer Humor unterhalten – und das ist gut so! (#5). Sobald ein Werk veröffentlicht wird, entzieht es sich mehr oder weniger der Kontrolle und geht im besten Fall in eine Art Allgemeingut über (#25). Musik materialisiert sich nicht mehr vorrangig in und mit der Produktion von abgeschlossenen Werken, sondern verkörpert Reflexionsweisen; es geht heute um Handlungen und Haltungen parallel zur Kunst. Dabei kann die Kunst (Remix) auch vom Werk (Original) distanziert, entkoppelt und/oder systematisch infrage gestellt werden (#7).

[Remixbürokratie]

Das Neue entsteht ausschließlich durch das Vorhandensein des Alten und der Kombination dessen. Die menschliche Neugierde ist dabei der Motor, der uns stets mit neuen Impulsen und Informationen versorgt, die uns als Werkzeuge und Grundlage für unser Denken und Handeln dienen (#1). Jedoch, damit das funktioniert, braucht es gegenseitigen Respekt für die Arbeit des jeweils anderen. Kein abwerten, kein verletzen. Remixes sollten mit kollegialem Geist und wechselseitiger Unterstützung zur Erschließung neuer Bereiche erstellt werden. (#31)

Das bestehende händischen System zur Lizenzklärung macht es so schwer, sample-basierte Musik legal zu veröffentlichen, dass die Mehrheit der Remixer ihre Arbeit kostenlos über das Internet verbreiten (#15). Oft werden die Lizenzkosten von den Gesampelten zu hoch angesetzt oder es kann auf einfachem Wege nicht eindeutig geklärt werden, wenn es mehrere Rechteinhaber an einem Stück gibt, wie zum Beispiel auf die Komposition (Urheberrecht) oder auf den wirtschaftlichen Ertrag des Tonträgers (Leistungsschutzrecht) (#9); natürlich in erster Linie aus rechtlichen Gründen und weil die Lizenz dafür zu erfragen einfach zu bürokratisch oder zu teuer sein kann (#17). Manchmal dauert das Procedere auch einfach zu lange, wenn es sich über mehrere Jahre zieht und ein Release deshalb nicht mehr finanziell tragbar wird usw. (#9). Das Ganze ist wirklich unlogisch und kontraproduktiv (#19).

Videos w[e]rden aus dem Netz gelöscht, weil die Rechte an den Originalen bei amerikanischen Filmstudios lagen (#6). Als Mashup Artist hat man große Probleme im Internet seine Tracks zu posten oder gar zu hosten. Soundcloud zum Beispiel erlaubt es normalerweise nicht (#19). Ein weiteres, kleineres Problem sind die Länder- und Mobilrestriktionen auf YouTube. Manchmal werden einige Videos in bestimmten Ländern blockiert und fast immer auf mobilen Geräten (#22).

[Recht auf Remix]

Ein anderes Beispiel ist der sehr tolle Sampling-Film “Sample: Not for sale” von Mike Redman, der leider nie öffentlich erscheinen oder aufgeführt werden kann, ohne dass rechtliche Schwierigkeiten zu befürchten sind. So zynisch das auch klingt, aber eine großartige Sampling-Doku wird wegen Sample-Clearing-Trouble niemals die Öffentlichkeit bekommen, die sie verdienen würde (#9). Dieser Rechtepoker findet seinen Höhepunkt, wenn die Erben ein Werk komplett vergraben und vergessen machen, die Aufführung und Bearbeitung untersagen (#13).

Ein „Recht auf Remix“ ist [dabei] in vielen Undergroundszenen ja schon lange wichtiger Motor für Neuerungen und Szene-legitim, wenn auch nicht legal. Man muss da nur nach Großbritannien blicken: Illegale Bootlegs, besondere, exklusive Remixes, Versionen von aktuellen Charthits – alles wird aufgenommen und in Form von Remixes in die eigenen musikalischen Codes übersetzt (#9). Im Club ist das egal, da wird es sowieso nicht aufgezeichnet oder verfolgt (#10).

Ein Recht auf Remix könnte [hier] ein Umdenken und eine Grunderneuerung unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft einleiten. Neue Technologie veränderte stets menschliches Verhalten und die Art und Weise unseres Zusammenlebens. Dies geschieht jedoch inzwischen in einem derart hohen Tempo, dass weder unsere politischen Institutionen, noch wir als Gesellschaft mithalten können. […] Eine Entkriminalisierung des natürlichen Kommunikationsverhaltens einer signifikanten Bevölkerungsgruppe, wäre die erste zu begrüßende Folge (#1).

Der Teufel schlummert wie immer im Detail. Fragen, wie weit die Vergütungskette geht, wie sich eine kommerzielle Nutzung definiert und ob eine Mindestgrenze Sinn macht, unter der keine Vergütung aufgrund von Irrelevanz stattfindet, müssen solide beantwortet werden. (#5). Wenn man nicht solche „Unternehmen“ wie die GEMA hätte, die sich einfach weigern ein ordentliches Warenwirtschaftssystem bereit zu stellen, wäre auch die Abrechnung in einem größeren Rahmen kein Problem (#14). Es wird Zeit, dass sich was ändert (#19).

[Der gesamte Text ist eine Collage von Auszügen aus Interviews mit Remixerinnen und Remixern, die 2013 für die Interviewserie im Rahmen der Initiative „Recht auf Remix“ befragt worden waren. Die Zahlen im Text verlinken die jeweilige Interviewquelle. Änderungen wurden durch eckige Klammern kenntlich gemacht. Die Interviews sind in voller Länge unter dem Stichwort „remixer/in“ verfügbar.]

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October 28 2013

Remixer #23 Robin Skouteris: “Dinge zu kombinieren ist eine Kunst”

Robin Skouteris

Robin Skouteris

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Robin Skouteris.

Robin Skouteris ist ein griechischer Video- und Musikproduzent sowie DJ. Er führt bisweilen auch Regie und arbeitet als Cutter, aber in der Regel nur wenn es musikalische Bezüge aufweist. Zahlreiche aktuelle Mashups finden sich in seinem YouTube-Kanal.

Wie würdest Du selbst Deine künstlerische Arbeit beschreiben?

Film oder Video und Musik waren schon immer meine zwei großen Leidenschaften. Als Kind wollte ich viele Jahre lang Filmregisseur werden, aber die Musik war mein bester Gefährte. Ich habe beim Fernsehen gearbeitet, bei ein paar Dokumentarfilmen Regie geführt und Musikvideos für griechische Independent-Künstler gedreht; ich habe das aber dann sein lassen, weil es mir sozial zu anstrengend wurde. Da ich mehr auf eigene Faust arbeiten wollte, habe ich damit begonnen, meine Lieblingstracks zu remixen, bis daraus meine hauptsächliche Tätigkeit geworden ist. Nachdem ich meine ersten Mixes ins Netz gestellt und großartige Rückmeldungen erhalten hatte, wurde ich eingeladen meine Arbeit in Clubs vorzustellen. Und das war die Zeit als ich ernsthafter über DJing nachzudenken begann. Davor mochte ich die Idee nicht besonders, weil ich nie die Musik anderer Leute spielen wollte, solange ich ich sie nicht mit meiner persönlichen Handschrift versehen hatte. Das hätte mich nicht von den meisten DJs dort draußen unterschieden und ich wollte meinen eigenen Sound kreieren. DJing und das Produzieren von Remixes und Mashups ist nun seit einigen Jahren meine hauptsächliche Beschäftigung – und damit ist ein Traum wahr geworden.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ich glaube ein toller Remix ist ein Remix, der für sich alleine stehen kann. Du musst ihn nicht mit dem Original vergleichen. Eigentlich solltest Du in der Lage sein, über dem Remix das Original zu vergessen. Mir war es dabei immer egal, ob es sehr der Unterschied zum Original sehr groß ist, weil, zum Beispiel, ein toller Remix auch einfach nur ein Extended Mix sein kann. Aber der Remixer sollte es schaffen herauszufinden, was das Original gut gemacht hat und das noch weiter auszubauen. Alles was zählt ist die Melodie. Ein großartiger Mix muss dabei nicht immer ein Dance-Mix sein; er kann auch langsamer sein als das Original, was selten ist, weil die Mehrheit von uns bei Remix an einen Club-Mix denken. Aber in meinem Kopf sollte der Remix für sich sehr für sich alleine stehen können, dass man beim ersten Mal hören glaubt, es würde sich um das Original handeln. Es muss sich authentisch und gut strukturiert anfühlen.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Ich habe ein paar ursprüngliche Kompositionen erstellt, an denen ich immer noch arbeite, um Sie irgendwann einmal zu veröffentlichen, aber Sampling ist immer ein großer Teil meiner Arbeit gewesen. Meine bekanntesten Arbeiten sind Mashups. Ich habe immer die Idee von Mashups gemocht, weil Du dabei etwas nimmst, das Du bereits liebst – und das bereits auf der ganzen Welt geliebt wird – und präsentierst es auf eine neue Art und Weise, deine Art und Weise. Du kriegst die Möglichkeit mit Deinen Lieblingsliedern zu arbeiten. Du kombinierst Dinge, von denen jemand anderes vielleicht niemals gedacht hätte, dass sie zusammenpassen. Viele Menschen glauben, dass das keine große Sache ist, aber Dinge zu kombinieren ist eine Kunst, sofern Gedanken dahinter stecken. Es ist auch ein kreativer Prozess. Ich meine, Eier sind toll. Aber Du kannst Eier in einem Omelett verwenden und Du kannst Eier für einen Kuchen verwenden. Es kommt darauf an, wie Du die Dinge verwendest, damit etwas anderes und einzigartiges dabei herauskommt, das Deine Handschrift trägt. Die gleichen Zutaten können unterschiedliche Ergebnisse produzieren. Manchmal ist es mir nicht wichtig ob es gut oder schlecht ist, entscheidend ist nur dass klar als von “MIR” erkennbar ist. Das ist es doch, was Du dort draußen darstellst, oder?

Hast Du schon einmal ein Werk aus rechtlichen Gründen nicht verwendet?

Ich persönlich nicht, nein. Ich mache meine Mixes und stelle sie online und dann liegt es an der Plattform nachzusehen, ob sie glaubt, dass es ihre Regeln verletzt. Manchmal nehmen sie es wegen des Urheberrechts wieder runter. Aber diese Sache mit dem Urheberrecht auf YouTube und ähnlichen Seiten ist wirklich verwirrend. Manchmal glaube ich, sie wissen selbst nicht, was sie wollen. Mashup-Künstler und Bootleg-Remixer sind auch Kreative und Kunstschaffende im Bezug auf ihr Endergebnis, weshalb eine solche Industrie ihre Arbeit und ihren Input nicht ignorieren sollte. YouTube mag meinen Video-Mix runternehmen, weil es Material von Michael Jackson enthält. Aber das bedeutet nicht, dass ich nicht daran gearbeitet habe und dass meine Arbeit nicht auch dort draußen und für andere Menschen einsehbar sein sollte. Abgesehen davon, wenn korrekt zitiert wird, gibt es keinen Schaden. Ich habe nie behauptet, der Komponist zu sein, ich behaupte der Remixer zu sein und das ist die Art und Weise, wie meine Arbeit dort präsentiert werden soll. Wer stellen uns und unsere Fähigkeiten als Remixer durch Projekte wie diese in die Auslage, weil es das ist, was Remixer machen: sie schaffen neue Sounds durch das Verwenden existierenden Materials.

Stört es Dich, dass ein großer Teil Deiner Arbeit illegal ist?

Genauso wie ein Film-Cutter kein illegaler Beruf ist – er oder sie arbeitet auch mit existierendem Material das er oder sie nicht selbst gefilmt oder angeleitet hat. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum ein Bootleg-Remixer seine Arbeiten nicht legal veröffentlichen kann. Vor allem weil Remixing in den meisten Fällen mehr ist als etwas neu zusammenschneiden, sondern bedeutet auch das Produzieren und Komponieren neuer Elemente für den Mix. Aber es fühlt sich derzeit wie eine Übergangsphase an. Das Zeitalter digitaler Musik ist unglaublich schnell explodiert und alle diese Remixangelegenheiten werden spätestens dann gelöst werden, wenn die Plattenfirmen erkennen, dass es für alle das beste ist. Im übrigen bekommen Mashup-Künstler kein Geld für ihre Mixes und ein Remix ist vor allem auch Werbung für das Original, sodass es deren Urheber sind die eigentlich von den Mixes profitieren.

Hattest Du schon einmal rechtliche Probleme wegen künstlerischer Praktiken?

Ich hatte bislang keine rechtlichen Probleme weil ich nie einen meiner Remixes verkauft habe, der Arbeiten von anderen beinhaltete, ohne dass das offiziell geklärt war. Zumindest ist das derzeit der Stand. Das Internet ist für mich jene Plattform, die mir dabei geholfen hat meine Werke international auszustellen und so die Aufmerksamkeit vieler großartiger Leute zu bekommen, mit denen ich letztlich zusammengearbeitet habe. Manchmal nehmen Webseiten Deine Remixes offline und Du akzeptierst das. Es mag sich manchmal unfair anfühlen, aber das ist zumindest derzeit die Rechtslage. Und ja, wir alle wünschen uns, dass sich das ändert, weil auch der Remixer eine Menge harte Arbeit reinsteckt, die er auch Anerkennung verdient. Derzeit sind Mashups und gesampelte Werke nur eine Demo von dem was ich mache, und Du kannst die Welt nicht darum bitten, für Deine Demo zu zahlen. Aber ja, ich sähe es sehr gerne wenn meine Mashups eines Tages offiziell bei iTunes erhältlich wären.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Natürlich würde mir diese Idee gefallen. Es würde darauf hinauslaufen, das zu machen was ich ohnehin tue, aber auch die entsprechende ideelle und finanzielle Anerkennung dafür zu bekommen. Das wäre eine faire Angelegenheit. Remixer sollten bezahlt werden und die ursprünglichen Künstler ebenso. Beide sind Bestandteil des Tracks, wenn auch auf verschiedene Art und Weise. Genauso wie es für den DJ legal ist, am Abend Musik in einem Club  aufzulegen und dafür Geld zu bekommen, sollte es mir erlaubt sein ähnliche Dinge auf meinem Computer zu tun. Es ist schließlich auch Arbeit. Die rechtlichen Probleme damit sind aber natürlich verständlich, weil wer entscheidet wann ein Remix ein Remix ist? Jemand könnte einfach die Reihenfolge der Strophen ändern und es einen Remix nennen. Sollte er dafür auch belohnt werden? Das ist eine schwierige Frage und klingt chaotisch, denn wer würde entscheiden wie viel ein Song geändert werden muss, damit man tatsächlich als Remixer bezeichnet werden kann? Das ist sicher nicht einfach, aber hoffen wir dass in den nächsten Jahre Lösungen dafür gefunden werden, mit denen alle zufrieden sind und auch Jobs wie meiner für ihre Kreativität und ihre harte Arbeit anerkannt werden.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Mein liebster offizieller Remix könnte  Enigma – Mea Culpa (Orthodox Remix) sein. Mein liebster unoffizieller Remix wäre wohl Depeche Mode – Enjoy The Silence (Dans54 Reinvention Remix, siehe Embed) – ich überlege bald einen Mashup mit diesem Remix zu machen.

Wenn Du mich nach meinen liebsten eigenen Arbeiten fragst, dann würde ich wahrscheinlich sagen The Moonlight Hotel,

und PopLove:

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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August 22 2013

‘Right 2 Remix’: Englische Seite der Initiative für ein Recht auf Remix

Avatar_en_03Im Rahmen der re:publica 2013 startete der Digitale Gesellschaft e. V. eine Initiative für ein “Recht auf Remix“. Seither gibt es nicht nur wöchentlich ein Interview mit einem bzw. einer Remixer/in, sondern auch via Twitter und Facebook einen Remix des Tages.

Weil die Anliegen der Initiative zum Teil am besten auf europäischer Ebene umsetzbar sind, ist es nur logisch, die Initiative auch auf ebendiese Ebene zu bringen. Mitten im Sommerloch startet deshalb heute die englische Version der Seite unter right2remix.org. In der Pressemeldung dazu heißt es:

Markus Beckedahl, spokesperson of Digitale Gesellschaft e. V., demands legal changes to adapt to these technological and social developments: “The right to remix has become a fundamental requirement for freedom of expression and free speech in a digital society.”

Um Weiterleitung dieser Information an die englischsprachigen Menschen in der jeweiligen Timeline wird gebeten.

Disclaimer: Ich bin in die Konzeption der Initiative involviert.

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