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November 17 2013

Gesetzesinitiative für offene Lehrbücher im US-Kongress

Die beiden demokratischen Senatoren Dick Durbin und Al Franken haben in der vergangenen Woche im US Senat mit dem “Affordable College Textbook Act” eine Gesetzesinitiative für offene Lehrbücher gestartet. Oberstes Ziel ist dabei eine geringere finanzielle Belastung von Studierenden, die in den USA im vergangen Studienjahr im Durchschnitt 1.200 Dollar für Lehrbücher ausgegeben haben. Aus dem Gesetzesvorschlag (PDF, meine Übersetzung):

Der Aufstieg des Internets ermöglicht die Erstellung und das Teilen von digitalen Inhalten, darunter auch offene Lehr- und Lernmaterialien, die von Studierenden, Lehrenden und der Öffentlichkeit frei verwendet werden können. […] Investitionen auf Bundesebene in die Ausweitung der Verwendung offener Lehr- und Lernmaterialien könnte die Lehrbuchkosten substantiell verringern und die finanziellen Hürden für universitäre Ausbildung reduzieren, während gleichzeitig Steuermittel effizient eingesetzt werden.

Unter offenen Lehrbüchern im Sinne des Gesetzesvorschlags werden nur solche verstanden, die unter einer sehr offenen Lizenz stehen, die wie beispielsweise die Creative-Commons-Namensnennungslizenz auch eine kommerzielle Nutzung der Inhalte erlaubt.

Umgesetzt werden soll der Vorschlag zunächst in Form eines Förderprogramms für Pilotprojekte, mit der nicht nur offene Lehr- und Lernmaterialien sondern auch Forschung zum Thema sowie entsprechende Weiterbildungsangebote finanziert werden können. Koordiniert wird die Vergabe der Förderungen sowie die Zugänglichmachung der Ergebnisse vom US-Bildungsministerium.

Für Deutschland ist dieser Gesetzesvorschlag auch deshalb besonders interessant, weil er quasi eine Blaupause für ein ähnliches Förderprogramm auf Ebene des Bildungsministeriums liefert. Nachmachen bitte.

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September 16 2013

Broschüre: Offene Bildungsressourcen in der Praxis

oerDie Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) hat eine Broschüre zum Thema „Offene Bildungsressourcen (OER) in der Praxis“ herausgegeben. Die 64 Seiten lange Broschüre dienst als Ratgeber zu freien Bildungsmaterialien für Multiplikatoren der schulischen und außerschulischen Bildung.

Und darum gehts:

Die Broschüre befasst sich mit theoretischen und juristischen Fragen zu offenen Bildungsressourcen. Neben den aktuellen Entwicklungen im Bereich OER stehen auch praktische Anwendungen im Fokus der Broschüre: Praktiker, u.a. aus Schule und Universität, berichten von ihrer Arbeit mit freien Bildungsmaterialien. So lernen die Leser praktische Beispiele aus ihrem Bildungskontext kennen und werden womöglich zur Nutzung und Erstellung von OER für die eigene Arbeit angeregt.

Die Broschüre (PDF) steht unter einer Creative Commons Namensnennungs-Lizenz (CC-BY) und kann gerne weiterkopiert und geremixt werden.

Ich bin Medienrat der MABB und mein Name steht unter dem Grußwort.

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September 14 2013

OER – Konferenz zu freien Bildungsmaterialien dieses Wochenende in Berlin

300px-OER_Programm_web-TitelDieses Wochenende findet in Berlin die OER (Open Educational Resources) Konferenz statt. Idee des ganzen ist, die verschiedensten Akteure aus dem Feld zusammenzubringen – ganz gleich, ob Akademikerin, Lehrerin, Aktivistin oder einfach nur interessierte Bürgerin. Veranstaltet und unterstützt wird das ganze durch die deutsche UNESCO-Kommission (Schirmherrschaft), mabb, creative commons, Co:llaboratory und werkstatt.bpb.de.

Zu den Themenbereichen gehören: OER in Gesellschaft, Politik und in anderen Ländern. OER in Praxis, Projekten und Forschung. Anleitungen, Tipps & Tricks zu OER. Natürlich auch Qualität und Zugänglichkeit von OER. Und letztlich die leidige Frage der Finanzierung und Rahmenbedingungen.

Hier gehts zum Livestream. Hier findet ihr das Programm.

Wir sind für euch vor Ort und werden ein bisschen berichten, was sich so tut.

 

Diskussionsrunde: “Brauchen wir die Hochschule noch, wenn alle Bildung ‘open’ ist?”

Mit Philipp Schmidt, Martin Lindner und Claudia Bremer.

Link zum Protokoll auf Etherpad.

Vortrag: CC, freies Wissen und kommerzielle Nutzung – Folgen, Risiken und Nebenwirkungen der Bedingung “nicht-kommerziell – NC”

Von Dr. Paul Klimpel (iRights.Lab)

Link zum Protokoll auf Etherpad.

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September 11 2013

“Dermaßen selbstverständlich” – Wie die zur Bundestagswahl antretenden Parteien auf Wikimedia Deutschlands Fragen antworten

Dies ist eine leicht veränderte Version eines an anderer Stelle publizierten Blogpostings.

Auf dem Schreibtisch von Wikimedia Deutschland liegen zehn an der Grenze zur Lesbarkeit eng bedruckte Seiten mit 80.000 Zeichen Wahlprüfsteinantworten. Das Format, das Wikimedia erstmals vor vier Jahren erprobte, wird mittlerweile recht routiniert gehandhabt. Insgesamt haben 11 zur Wahl zugelassene Parteien geantwortet, eine sehr erfreuliche Rücklaufquote.

Die Lektüre der kompletten Antworttexte ist im Meta-Wiki für jede/n möglich. Mit Hilfe der Wikimedia-Leserschaft war im Juli eine Prioritätenliste für Themen erstellt worden, daraus wurden dann 11 Fragen, die dann an alle zur Wahl zugelassenen Parteien verschickt wurden.

Allgemeine Eindrücke

Viele Parteien haben unterschiedlich ausgeprägte Hemmungen, auf spezifische Fragen eine konkrete Antwort zu geben. Dabei geht es nicht darum, eine Frage in einen (selbst gewählten) Kontext zu setzen oder Einschränkungen, Ausnahmen oder Rahmenbedingungen zu nennen. Es herrscht offenbar das Missverständnis vor, es sei unzulässig, auf eine konkret gestellte Antwort auch einfach einmal mit “Wir haben dazu keine Beschlusslage, können diese Frage zum aktuellen Zeitpunkt nicht beantworten und danken für Hinweise, warum es hier einen Regelungsbedarf gibt” zu antworten. Statt dessen wird über lange Absätze hinweg Selbstverständliches referiert. Beispielsweise, dass man sich für die Weiterentwicklung des Rechts einsetzen, einen Änderungsbedarf prüfen und eigene Erfahrungen einbringen werde. Tja nun: Anderes kann von den Parteien und Fraktionen auch nicht erwartet werden.

Ein Beispiel, das das Dilemma illustrieren mag: In der Frage zur Netzneutralität hatte Wikimedia bewusst nicht danach gefragt, ob die Partei nun für oder gegen Netzneutralität ist. Gefragt war nach einer Einschätzung der Partei, ob das bisherige Telekommunikationsgesetz es der Bundesregierung erlaube, durch eine Verordnung Regeln zur Sicherung der Netzneutralität aufzustellen. Während SPD, Linke und Grüne die Frage nicht nur beantworten, sondern darüber hinaus ihre Vorstellungen zu Netzneutralität allgemein mitteilen, fehlen bei CDU/CSU und FDP jegliche Ansätze einer Beantwortung. Ohne jeden Tiefgang liest sich die Antwort der Piratenpartei. Apropos Piraten: In der Frage zur Panoramafreiheit schießt die Partei den Vogel ab, die Panoramafreiheit zur ureigensten Forderung der Partei zu erheben. Sie sei für die Piraten “dermaßen selbstverständlich, dass sie nicht mal Erwähnung in Programmen” fände. (Es wurde zweimal geprüft, ob hier nicht aus Versehen die Antwort der Partei “DIE PARTEI” hineingerutscht ist, die sich, anders als bei den Landtagswahlen in NRW im vergangenen Jahr, dieses Mal aber nicht sprachkünstlerisch betätigen wollte).

Ebensoviele Parteien haben zudem bei einigen Fragen echte Verständnisprobleme. Dabei geht es nicht um unterschiedliche weltanschauliche Beurteilungen, sondern um Grundsätze, beispielsweise des Urheberrechts. So fordert die CDU/CSU in ihrer gemeinsamen Antwort zur Frage der Amtlichen Werke (§5 UrhG), dass Behörden Nutzungsrechte an solchen Werken gewähren sollen, die vom jetzigen §5 UrhG erfasst und gemeinfrei sind. Wenn ein Werk gemeinfrei ist, bedarf es jedoch grundsätzlich keiner spezifischen Nutzungsrechte für Dritte, um ein solches Werk nachnutzen zu können. Unklar ist, wo die FDP aus §5 UrhG eine Regelung herausliest, die den Zugang zu amtlichen Werken sicherstellt, denn genau dafür ist dieser Paragraph in seiner jetzigen Fassung ungeeignet. In unserer zweiten Frage, die auf die beliebte Copyfraud-Praxis bei 2D-Reproduktionen gemeinfreier Werke abzielt, verwechseln CDU/CSU Reproduktionen mit Schutzfristen für Tonträgerhersteller, zwei miteinander nicht verwandte Themen.

Erfreulich ist die breite Ablehnung von Netzsperren. Eine ausdrückliche Forderung nach Netzsperren für bestimmte Inhalte enthalten die Antworten der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD), das Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit (BIG) und die Partei Mensch-Umwelt-Tierschutz (Tierschutzpartei). Es bedarf einer sehr kritischen Lektüre der Antworten von CDU/CSU, SPD, FDP, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen, um aus dem Fehlen einer Antwort zu Teil 2 der Frage (“Fallen Ihnen Arten von strafbaren oder unerwünschten Inhalten ein, deren Zugang Ihrer Ansicht nach durch technische Hürden erschwert werden soll?”) abzuleiten, dass das Thema Netzsperren in Zukunft wieder bei beliebigen Themen wie Glücksspielmonopolverstößen, Torrent-Suchmaschinen oder Pro-Ana-Blogs von Grund auf neu verhandelt werden muss.

Beobachtungen bei einzelnen Parteien

CDU/CSU: Die beiden Schwesterparteien haben eine gemeinsame Antwort auf die Wikimedia-Wahlprüfsteine verfasst, in der sie mit bemerkenswerter Konsequenz eine skeptische bis feindliche Haltung gegenüber Freien Lizenzen, Transparenz und Zugang zu Informationen einnehmen – sofern sie sich überhaupt positionieren. Bei vielen Antworten bleibt es bei der Bereitschaft zum generellen Prüfauftrag (Fragen 2, 3, 8, 9, 10 und 11). Ausgenommen davon ist der Bereich Open Government Data, der es übrigens in Form von frei verfügbaren Verkehrsinformationen (Fahrpläne, Positionsangaben) sogar ins Wahlprogramm geschafft hat. Konsequenterweise wird die Frage nach der Zukunft von govdata.de dann mit Beispielen aus diesem Bereich unterlegt.

SPD: Die Antworten der SPD zeigen, dass die Partei sich mit vielen der von uns angesprochenen Themen in den letzten vier Jahren zum Teil intensiv befasst und als Oppositionspartei eigene Vorstellungen formuliert hat. Deutlich wird dies an den Fragen zur Informationsfreiheit und zu Open Government Data. Zum Teil ist in den Antworten der SPD bereits der Kompromiss zu bestimmten Interessengruppen inbegriffen, sehr gut ersichtlich an den Antworten, in denen die SPD das Thema Zweitveröffentlichungsrecht unterbringen konnte. Mehr noch als andere Parteien stellt die SPD in ihren Antworten nicht nur die eigenen Ziele, sondern die ihrer Ansicht nach fehlerhafte Politik der Regierungskoalition dar.

FDP:  Solide präsentieren sich die Antworten der FDP, lassen aber jede Langfristperspektive auf Reformvorhaben vermissen. Dies mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass Wikimedias Fragetechnik präziser geworden ist und nicht mehr ausdrücklich “Besinnungsaufsätze” herausfordert. Aber auch bei Fragen, die andere Parteien zielsicher zum Ausbreiten einer größeren Strategie mit Kontext genutzt haben (sehr anschaulich bei Frage 11 zu Freien Bildungsmaterialien), zeigt sich die Partei schmallippig. Dabei könnte man eigentlich denken, dass eine Dynamisierung des Bildungsmarktes ein duchaus anschlussfähiges liberales Thema sein sollte. Über weite Strecken hin lässt sich ihre Position mit “so wie bisher und etwas besser” beschreiben: etwas mehr govdata, etwas mehr Open Access, etwas mehr Deutsche Digitale Bibliothek, etwas mehr Informationsfreiheit.

Die Linke:  Gäbe es in der Politik Fleißkärtchen, so läge bei der Linken ein kleiner Stapel davon. Als eine der wenigen Parteien gibt sie auf konkrete Fragen konkrete Antworten, dazu einen einordnenden Kontext und, wo möglich, einen Beleg bisheriger parlamentarischer Arbeit dazu. In den meisten Sachfragen gibt es keine elementaren Widersprüche zu den Vorstellungen von SPD und Grünen, der Unterschied liegt mehr in der vorhandenen Bereitschaft, sich auf eine bestimmte Position festzulegen. Hinzu kommt, dass die Linke in der Lage ist, über die vielen Einzelfallfragen hinaus das übergreifende Problem eines urheberrechtlichen Klein-Klein zu benennen. So konstatiert sie zurecht den Umstand, dass “die ständige Ausdehnung des Schutzbereichs auf immer neue Gegenstände wie etwa Datenbanken oder Tonschnipsel … dazu geführt [hat], dass solche Fehlentwicklungen kaum noch isoliert zu korrigieren sind.” Mit anderen Worten: Es brauche einen systematischen Eingriff in das System der Urheber- und Leistungsschutzrechte statt immer neuer “Korbflechterei”.

Bündnis 90/Die Grünen: Bei keiner anderen Partei schimmert so sehr der Wunsch durch, auf der Seite des Fortschritts zu stehen, ohne dabei irgendjemandem wehzutun. Modernisierungen des Urheberrechts sollen niemals auf Kosten von Urheberinnen und Urhebern gehen, Ende der Fahnenstange bei der Zugänglichmachung von Publikationen aus staatlich geförderter Forschung ist das Zweitveröffentlichungsrecht. Ansonsten liefert die Partei ein sehr stimmiges Bild zu den Fragen Informationsfreiheit, Open Data und Open Educational Resources ab. Auch die Grünen können bei vielen Fragen auf konkrete Tätigkeiten in der abgelaufenen Legislaturperiode verweisen, es besteht die berechtigte Hoffnung darauf, dass es auch in Zukunft zu solchen Initiativen kommen wird.

Piratenpartei: Das Gute vorweg – Im Großen und Ganzen ist die Piratenpartei in der Lage, auf eine konkret gestellte Frage auch eine formal gültige Antwort zu geben. Die Piraten liefern bei diesen Wahlprüfsteinen von all jenen Parteien mit auch nur entfernten Chancen auf Einzug in den Deutschen Bundestag das Paradebeispiel einer Punktlandung bei den Wahlprüfsteinen ab. Die Antworten selbst sind inhaltlich wenig überraschend und mit den Antworten von Parteien aus dem eher linken Parteienspektrum überschneidend, aber über weite Strecken völlig substanzlos. Als Hilfsmittel zum Verständnis dafür, wie die Partei zu dieser Aussage gekommen ist sind sie unbrauchbar. Möglicherweise sollten künftige Wahlprüfsteinen deutlicher zu verstehen geben, dass wir sowohl an einer formalen Antwort als auch an einer politischen Einordnung interessiert sind – so, wie es andere Parteien bereits von sich aus handhaben.

Sonstige: Zusätzlich zu den Parteien mit reellen Chancen auf Einzug in den deutschen Bundestag haben die MLPD, BIG, Tierschutzpartei und ÖDP geantwortet. Sie sind vom Umfang her deutlich knapper gehalten, streckenweise besteht die Antwort nur aus einem “Ja.” – immerhin auch bei einer formalen Ja/Nein-Frage.

Fazit

Urheberrecht wird niemals das A-Thema eines bundesdeutschen Wahlkampfes sein, ein komfortabler Platz irgendwo in der zweiten oder dritten Reihe ist ihm inzwischen aber sicher. Das erfreut; so zählt Urheberrecht doch zum Lieblingsthema vieler Wikipedia-Projektseiten und Länder-Organisationen. Dass nach langen Vorbereitungen frei von großen Querelen im Bundestag quasi im Schlussspurt noch einzelne Schönheitskorrekturen wie z.B. ein Minimalst-Zweitveröffentlichungsrecht durchgebracht werden konnten, lässt eigentlich hoffen: Wikimedia geht für die kommende Legislaturperiode davon aus, dass es eine Vielzahl von kleineren Urheberrechtsfragen gibt, für die sich parlamentarische Mehrheiten für ihre Beantwortung finden lassen. Es wird es daher auch künftig darauf ankommen, für Themen wie Panoramafreiheit, Schutzrechte bei Reproduktionen und gemeinfreier Status bei Werken im staatlichen Auftrag zu werben, damit Freies Wissen leichter gesammelt, verbreitet und genutzt werden kann.

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January 03 2012

Learning Freedom and the Web

Die Mozilla-Foundation hat in Zusammenarbeit mit der MacArthur-Foundation das Buch Learning Freedom and the Web herausgegeben. Auf 245 Seiten geht es um Projekte und Personen, die sich mit der Zukunft des Lernens und Open Educational Resources befassen. Das Ganze basiert auf den Beiträgen beim Mozilla Drumbeat Festival 2010 und kann hier heruntergeladen werden: http://learningfreedomandtheweb.org/Mozilla_LFW.pdf

Ein Zitat aus Cathy Davidsons Keynote gibt dabei die Richtung vor:

“Virtually every feature of traditional formal education was created between 1850 and 1919 to support the Industrial Age. The whole basis of assessment is the standard deviation, the invention of Francis Galton! A eugenicist who believed the English poor should be sterilized! We’re stuck with Henry Ford’s assembly line from kindergarten through grad school! But our world has changed! With the Internet we don’t need the same kind of hierarchical structures.”

Angeschnitten werden dabei sowohl bereits breit diskutierte wie auch vergleichsweise neue Themen, von Wikipedia im Unterricht über freie Lizenzen bis zum Zusammenhang zwischen Hacking und Lernen. Ingesamt bietet das Dokument ein Kompendium an Ideen und Möglichkeiten, mit dem Internet neue, unkonventionelle Lernformen zu erschließen.

Viele Akteure äußern sich außerdem zur Zukunft des Lernens. Philipp Schmidt von Peer 2 Peer University beschreibt diese beispielsweise folgendermaßen:

The idea that one monolithic institution will provide everything — teaching, testing, accreditation, research — that idea is already an idea of the past. It seems like the institutions themselves are the last people clinging to that concept and everyone else is already innovating around them.

December 08 2011

Podiumsdiskussion zum Schultrojaner

Gestern fand im Gebäude der Heinrich-Boell-Stiftung eine Podiumsdiskussion zum Schultrojaner statt.

Der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, Udo Michallik, stellte sich dabei der Kritik von Claudia Dalbert (Fraktionsvorsitzende der Grünen in Sachsen-Anhalt), “Bildungshacker” Guido Brombach und André J. Spang, Lehrer aus Köln und e-Learning-Spezialist. Vertreter der Schulbuchverlage waren angefragt worden, hatten allerdings laut Moderator und Pisa-Versteher Christian Füller keine Lust, “auf die Fresse zu bekommen”.

Die Rollenverteilung in der Diskussion war eindeutig: Brombach ordnete das Lobbying der Schulbuchverlage in eine Reihe mit den Bemühungen der Lexikonverlage, trotz Wikipedia noch ein bißchen Geld zu verdienen ein und zeichnete das Zukunftsbild von obsoleten Schulbüchern, an deren Stelle ein Markt kleiner Wissensbausteine trete. Spann beschrieb die Aufregung im Kollegium um das Thema Schultrojaner, die dazu führte, dass Kollegen, die mühsam vom Internet und den Möglichkeiten des e-Learning überzeugt werden mussten wieder Abstand davon nähmen. Dalbert merkte an, dass bereits während der Verhandlungen zwischen KMK und Verlagen Datenschutzbeauftragte einbezogen hätten werden müssen.

Michallik hatte die undankbare Aufgabe, zu erklären, was sich die Kultusministerkonferenz beim Unterzeichnen der Verträge gedacht hatte. Die Distanzierung vom Thema – die Software sei Wunsch der Verlage gewesen und er könne hier nicht für diese sprechen – geriet dabei ein wenig unglücklich. Er nannte das Ganze eine Phantomdebatte, die frühestens geführt werden könne, wenn die Software tatsächlich existiere. Nachverhandlungen könne es dementsprechend nicht geben, denn der Anlass für diese existiere ja noch nicht. Es müsse im übrigen sichergestellt werden, dass die Software auch wirklich nur für die Verlage Relevantes überprüfe.

Aus dem Publikum kam noch ein interessanter Beitrag zur Problematik der Barrierefreiheit von Schulbüchern, bei der die Verlage bisher wohl einen ziemlich miesen Job machen und integratives Lernen mit Sehbehinderten durch lange Lieferfristen erschweren. Die Publikumsfrage, warum Schulbücher nicht als von Beamten verfasste Werke amtliche Werke sein könnten, wurde leider vom selbsterklärten Nicht-Urheberrechts-Spezialisten Michallik mit dem Hinweis beantwortet, dass Lehrer, die an Schulbüchern arbeiten, doch oftmals bereits Beamte seien.

Dank Einwürfen von Malte Spitz und Jan Engelmann wurde dann noch ein wenig über Open Educational Resources (OER) diskutiert. Engelmann berichtete von den Problemen von Wikimedia, einen Kooperationspartner unter den Schulbuchverlagen zu finden.

Das Video der Veranstaltung wird demnächst in der Mediathek der Boell-Stiftung verfügbar sein.

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