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August 27 2013

Finnland: lapsiporno.info kritisiert Blocklisten und steht nun selbst drauf

003Der höchste finnische Gerichtshof hatte am Montag das Urteil verkündet, dass es rechtmäßig sei, die Website lapsiporno.info (Kinderpornographie.info) des finnischen Software-Entwicklers und Internet Aktivisten Matti Nikki auf der nationalen Blockliste weiterhin eingetragen zu lassen. Finnland benutzt seit 2007 Blocklisten, die durch die Internet Service Provider mehr oder minder freiwillig implementiert werden müssen – technische Umsetzung ist dabei ähnlich der des deutschen ‘Zugangserschwerungsgesetzes‘. Nikki hatte angeprangert, dass die – durch die finnische Polizei verwaltete – Liste geheim sei. 2008 hatte er dann eine Liste von 1047 geblockten Websites veröffentlicht: 1% der Einträge waren explizit Kindesmissbrauchs-Dokumentation, bei 2-3% war es fraglich, 90% enthielten legale Pornographie oder waren Kinder-Modelseiten. Der Rest war völlig irrelevant oder tote Links.

Die Blocklisten wurden durch Bürgerrechtsorganisationen und auch durch Rechtswissenschaftler scharf kritisiert. So schreibt die Electronic Frontier Foundation Finland (EFFI), dass die Gesetzesänderung 2006 zur Einführung der Blocklisten gegen die finnische Verfassung verstoße – dies beruht auf Einschätzungen von Rechtswissenschaftlern der Universität Turku. Laut Aussage der finnischen Polizei wird eine Website geblockt, wenn sie Kindesmissbrauchs-Dokumentation selbst hosted, oder Links zu entsprechenden Seiten enthält. Somit landete Matti Nikkis Website etwa 2008 auch auf der Blacklist der Polizei, nachdem er die veröffentlichte Liste um klickbare Links erweitert hatte - dass Matti Nikki schon Jahre zuvor über die Gefahren von Zensur und der Gesetzesänderung geschrieben hatte und die Seite als Anlaufstelle zur Aufklärung der finnische Bevölkerung betrieb, interessierte dabei wenig.

Update 2008-02-06: According to the Finnish police, it’s enough to get on the censorship list if the page includes working links to child porn sites. Thus, I have enabled an option to view the list with clickable links. This means my page should now qualify for the criteria of censorship.

2011 wurde Matti Nikki vor dem Gericht in Helsinki Recht gegeben, dass es rechtswidrig sei, seine Seite zu blockieren – u.a. da das Gesetz ausschließlich ausländische Websites blockieren soll, da man gegen finnische Fälle von Kindesmissbrauchs-Dokumentation direkt vorgehen könne und solle. Wie erwähnt wurde diese Entscheidung nun durch den obersten Gerichtshof revidiert. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass die Notwendigkeit zum Schutz der Kinder schwerer wiegt, als das Recht auf Meinungsfreiheit. So bestünde die Gefahr, dass Seiten mit Kindesmissbrauchs-Dokumentation fortan auch legale Inhalte hosten, um so das Gesetz zu umgehen.

Der Fall demonstriert auf eindringliche Weise, wie grundsätzlich falsch die Ideologie von Blocklisten ist. Wenn die Polizei wirklich der Überzeugung wäre, dass Matti Nikkis Seite ein Portal für Kindesmissbrauchs-Dokumentation darstelle (was sie gegenüber der Presse mehrmals gesagt haben), hätten sie ihn deswegen anklagen und verhaften können, da dies eine Straftat ist. Das wurde allerdings nicht gemacht – seine Seite wurde gesperrt, lange bevor ihn die Polizei überhaupt kontaktiert hatte. Weiterhin wurde offensichtlich ein Gesetz, das eigentlich ausländische Seiten blockieren sollte, so verbogen, dass nun auch Nikkis in Finnland gehostete Seite gesperrt werden konnte. Weiterhin hat Nikkis Dokumentation vor allem dazu geführt, dass man mitverfolgen konnte, wie lange Webseiten auf der Blacklist sind, ohne dass gegen die Verantwortlichen irgendetwas unternommen wurde.

Update 2008-02-17: I found one link from the list which absolutely certainly contained child porn, and removed it from display. The removed link was something I’ve reported to authorities almost a year ago myself, and for some reason the domain name is still active and the business is going on. The domain seems to be known by the Internet Watch Foundation as well, so I’m wondering how can it take the over a year to get a domain name shut down or has anyone even tried?

Es ist sehr schade, dass der höchste finnische Gerichtshof nur darauf fokussiert hat, dass in der durch Nikki veröffentlichten Liste evtl. noch Links zu Websites mit Kindesmissbrauchs-Dokumentation enthalten sein könnte. Der validen Kritik, den aufgezeigten Gefahren und dem offensichtlichen Missbrauch und Fahrlässigkeiten im Umgang mit der Blacklist, die Nikki auf seiner Website beschreibt, wurde allerdings keinerlei Bedeutung beigemessen.

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July 23 2013

DNA und Tagesdecken im Kampf gegen Kindesmissbrauchs-Dokumentation Online

Twitter ist nun also auch dabei. Wie das Unternehmen nun bekanntgegeben hat, wird es bald Microsofts PhotoDNA System benutzen, um Bilder in Tweets auf Kindermissbrauchs-Dokumentation zu untersuchen. Neben Twitter benutzen auch Facebook, die Dänische und die Neuseeländische Polizei und natürlich Microsofts Bing, Skydrive und Hotmail Dienste das System. Was wird da gemacht?

Hany Farid, Professor am Dartmouth College und Entwickler von PhotoDNA, startete 2008 die Entwicklung mit der Idee, dass man sich darauf konzentrieren sollte, bereits bekannte Bilder von Kindermissbrauchs-Dokumentation wiederzuerkennen.

“My idea was, don’t try to go after things you haven’t seen before — go after the things you have seen before,” Farid said. “Go after the images that you know are child porn, that you know are horrible, that you know who the victims are and that you know people keep trafficking.”

flowchart_webUm ein Bild wiederzuerkennen erstellt PhotoDNA einen ‘digitalen Fingerabdruck’ des Photos. Hierzu wird das Bild in ein 12×12 Raster aufgeteilt und in Graustufen umgerechnet. Dann wird für jede Zelle der Hash (Prüfsumme) errechnet. Durch dieses ‘Robust Hashing’ kann PhotoDNA auch Bilder wiederkennen, selbst wenn diese skaliert oder anderweitig bearbeitet wurden. Von jedem Bild was zu Twitter hochgeladen oder verlinkt wird, wird auch selbiger Hash erstellt und gegen eine Hash-Datenbank abgegleicht. Hat das hochgeladene Bild denselben Hash, wie eines aus der Datenbank ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es sich um Kindermissbrauchs-Dokumentation handelt. Nach eigenen Aussagen ist die Chance auf einen False Positive (das System sagt, es ist Kindermissbrauchs-Dokumentation, obwohl es gar keine ist) 1/Milliarde. Außerdem erkenne es ein Bild zu 98%, wenn es in der Datenbank ist. Microsoft hat PhotoDNA dann vor einigen Jahren dem National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC) gespendet. Seitdem kooperieren rund 13 Unternehmen freiwillig mit NCMECs Datenbank um die Verbreitung von Kindermissbrauchs-Dokumentation zu verhindern.
Google hat ein ähnliches System, den ‘Bedspread Detector’ (Tagesdecken Aufspürer). Der Name spielt darauf an, dass eine NCMEC-Mitarbeiterin zwei Kindesmissbrauchs-Fälle auf denselben Täter zurückführen konnte, da auf verschiedensten Bildern immer dieselbe Tagesdecke zu sehen war. So ist Googles Ansatz auch, nach markanten Mustern und anderen Besonderheiten (Tattoos, Räumlichkeiten, etc.) zu suchen, um dasselbe Opfer oder denselben Täter in verschiedenen Bildern wiederzuerkennen.

Von der Idee her klingen beide Systeme zunächst sehr sinnvoll und unterstützenswert im Kampf gegen Kindesmissbrauchs-Dokumentation online. Vor allem, wenn man zum einen bedenkt, dass die ‘manuelle’ Analyse der Bilddaten schier unmöglich ist und emotional sehr strapaziös für die Beamten sein kann.

[NCMEC] found 17.3m images of abuse in 2011 – and since 2002 has reviewed more than 65m images and videos of child sexual exploitation reported by the authorities.

Und zum anderen, dass ‘Notice and Takedown’ – also das Benachrichtigen des Administrators oder Providers, dass auf einem bestimmten Server Bilder und Videos von Kindesmissbrauch liegt – alleine nicht mehr ausreicht, da nach kurzer Zeit die Inhalte einfach an einem neuen Standort hochgeladen werden.

A senior FBI agent described notice and take down as “wackamole”. A notice is issued, the hosting company removes the image then, sometimes within minutes, the same picture will pop up somewhere else. And so on ad infinitum.

Wenn man sich dazu vergegenwärtigt, dass NCMEC schon 2009 jede Woche 250.000 Bilder potentiellen Kindesmissbrauchs beurteilen musste, ist es verständlich, dass Ernie Allen (Präsident und CEO von NCMEC) diese graphischen Analyse-Systeme als wichtiges Mittel im Kampf gegen die Verbreitung von Kindermissbrauchs-Dokumentation sieht.

While there won’t be miraculous changes overnight, the bottom line is, because of these tools, we’re making headway.

Klingt gut, oder? Fast. Wodurch sich diese Systeme noch auszeichnen, ist die Tatsache, dass sie so wenig wie möglich über die internen Mechanismen preisgeben – aus Angst, dass Pädophile versuchen die Schwachstellen in den Algorithmen auszunutzen. So warnt European Digital Rights (EDRI) davor diese stark eingreifende Technik unkritische als ‘Best Practice’ zu übernehmen. Es gibt keine unabhängigen Analysen zur Effizienz dieser Systeme. Außerdem wurde bisher nicht untersucht, ob es nicht auch negative Auswirkungen geben könnte.

What happens when somebody tries to do this? [kinderpornographische Bilder hochladen] Nobody knows. What happens if a criminal tries to upload innocent parts of images as a way of filtering his/her own collection of illegal images to identify images unknown to the police? We don’t know. How big is the risk that this could lead to incentives to creating new illegal images and new abuse? We don’t know.

Diese Bedenken sind mehr als berechtigt, bei einem System bzw. einer Technik, die bei immer mehr Diensten und Ländern zum Einsatz kommt. Es ist verständlich, dass für die schiere Masse an Bilddaten heutzutage automatisierte Systeme zum Einsatz kommen müssen. Außerdem scheint der Ansatz, nach bekannten Bildern von Kindesmissbrauch zu suchen, sinnvoll, da so – im besten Falle – aktuelle Fälle schneller erkannt werden. Gleichzeitig muss man kritisch bleiben und Nachfragen dürfen nicht unterbunden werden, nur weil es “um unsere Kinder geht”. Bei Filtersystemen besteht immer die Gefahr, dass – einmal etabliert – der Fokus ausgeweitet wird und nicht mehr nur Kindermissbrauchs-Dokumentation blockiert wird. Gerade deswegen sollte es eine neutrale Instanz geben, die diese Systeme evaluiert, denn bisher handelt es sich lediglich um ‘Best Practice’ von Microsoft, Google und Co. Außerdem muss unterschieden werden, ob so ein System bei einem Dienst, wie Twitter oder Facebook eingesetzt wird, oder gar auf ISP-Ebene, wo es wesentlich eingreifender wäre.

Microsofts PhotoDNA und Googles Bedspread Detector sind gute und sinnvolle Systeme, die ein wichtiges Problem versuchen zu lösen. Nun sollte es aber auch darum gehen, diese Systeme nicht ‘im Dunkeln’ einzusetzen, sondern Effizienz, mögliche nachteilige Auswirkungen und sinnvolle Implementationen kritisch zu hinterfragen. Und wie EDRI verdeutlicht, sind uns NCMEC, Microsoft und Google vielleicht noch ein paar Antworten schuldig – es geht schließlich um unsere Kinder.

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August 22 2012

Australien: Senat beschließt Vorratsdatenspeicherung gegen Kinderpornographie und Urheberrechtsverletzungen (Update)

Das Australische Oberhaus hat das umstrittene Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung verabschiedet. Zwei Jahre lang sollen Verbindungsdaten gespeichert werden, darunter auch besuchte Webseiten und Aktivitäten in sozialen Netzwerken. Die Daten sollen auch zur Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen verwendet werden.

Über den Entwurf der Australischen Justizministerin hatten wir bereits im Juli berichtet. Heute ist das Gesetz im Senat angenommen worden.

Obwohl ursprünglich nur die Europäische Convention on Cybercrime umgesetzt werden sollte, hat man auch gleich noch eine Vorratsdatenspeicherung eingeführt. Weiterhin soll eine stärkere Zusammenarbeit von australischen und internationalen Behörden ermöglicht und die Definition von “Cybercrime” erweitert werden. Ob auch der ursprüngliche Zwang zur Entschlüsselung umgesetzt wird, war bisher noch nicht zu erfahren.

Justizministerin Nicola Roxon freut sich über die Verabschiedung:

Das wird dazu beitragen, Straftaten im Zusammenhang mit Fälschung, Betrug, Kinderpornographie sowie der Verletzung von Urheberrechten und geistigem Eigentum zu bekämpfen.

Die Grüne Partei Australiens kritisiert das Gesetz und befürchtet eine Unterwanderung des Datenschutzes. Dieses Argument lassen die Liberalen nicht gelten: Immerhin sei der Grüne Senator Ludlam ein Unterstützer von WikiLeaks, das durch die Veröffentlichung der Depeschen selbst den Datenschutz verletzt habe.

Der Senat hat noch ein Dutzend Änderungsanträge beschlossen, die aktuelle Version des Gesetzes geht noch einmal in das Repräsentantenhaus.

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August 17 2011

SH: Vorratsdatenspeicherung für 0,01% höhere Aufklärungsquote?

Patrick Breyer berichtet auf Daten-speicherung.de über Zahlen der schleswig-holsteinischen Landesregierung, wonach die “Vorratsdatenspeicherung für 0,01% höhere Aufklärungsquote” verantwortlich ist. Und fragt sich, ob diese Zahlen einen solchen Grundrechtseingriff rechtfertigen.

Die schleswig-holsteinische Landesregierung nennt auf Anfrage gerade 8 Fälle der Ver­brei­tung kin­der­por­no­gra­phi­scher Schrif­ten, in denen Strafverfolger 2010 mangels Vorratsdatenspeicherung nicht weiter gekommen seien. Gemessen an den 221.510 im Land geführten Ermittlungsverfahren handelt es sich um einen Anteil von unter 0,01%. Der Abgeordnete Dr. Kai Dolgner (SPD) hat die Antwort der Landesregierung auf seine Anfrage zusammen mit seinen Schlussfolgerungen veröffentlicht.

Patrick Breyer hat dazu eine Stellungnahme mit konkreten Fragen geschrieben:

Soweit in ganzen 8 von 221.510 Ermittlungsverfahren IP-​Adressen nicht mehr als Bestands­da­ten bei den Pro­vi­dern vor­rä­tig wa​ren, ist der Schluss der Landesregierung falsch, diese Verdachtsfälle hätten „des­halb nicht auf­ge­klärt“ wer­den können. Vielmehr hätten die Verfahren auch mit IP-Zuordnung aller Wahrscheinlichkeit nach eingestellt werden müssen, weil ernsthaften Straftaten oft die Nutzung eines internationalen Anonymisierungsdienstes, eines Internet-Cafes oder eines offenen Internetzugangs (WLAN) zugrunde liegt. Aus einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts im Auftrag des Bundesjustizministeriums ist bekannt, dass 72% der Ermittlungsverfahren mit erfolgreicher Verbindungsdatenabfrage gleichwohl eingestellt wurden.

Die Zahl von 8 Verfahren lässt auch weitere Fragen offen:

– Wie lange hätte gespeichert werden müssen, um die Anfragen zu beantworten? Bei lange zurück liegenden Taten nützt selbst eine sechsmonatige Vorratsdatenspeicherung nicht.

– Wie viele Auskunftersuchen konnten zu Zeiten der Vorratsdatenspeicherung nicht beantwortet werden? Wenn 2009 ebenfalls 8 Anfragen wegen solcher Verfahren erfolglos blieben, hätte sich durch das Ende der Vorratsdatenspeicherung nichts geändert.

Umgekehrt würde eine IP-Vorratsdatenspeicherung die Strafverfolgung im Internet in weitaus mehr als 8 Fällen vereiteln. Schon die Einführung der letzten Internet-Vorratsdatenspeicherung im Jahr 2009 führte dazu, dass 46,4% aller Internetnutzer Anonymisierungsdienste nutzten oder nutzen wollten und 24,6% öffentliche Internet-Cafés. Im Ergebnis war trotz sechsmonatiger IP-Vorratsdatenspeicherung bundesweit nur ein geringerer Teil der registrierten Internetdelikte (75,7%) aufzuklären als noch im Vorjahr 2008 ohne IP-Vorratsdatenspeicherung (79,8%)! Eine IP-Vorratsdatenspeicherung fördert Vermeidungsverhalten, welches die Verhinderung und Verfolgung selbst schwerer Straftaten erschwert. Denn Vermeidungsmaßnahmen können zugleich verdachtsabhängige Telekommunikationsüberwachungsmaßnahmen vereiteln, wie sie ohne Vorratsdatenspeicherung noch möglich sind. Dadurch entfaltet eine Vorratsdatenspeicherung auf Gefahrenabwehr und Strafverfolgung kontraproduktive Wirkungen und verkehrt den erhofften Nutzen der Maßnahme in sein Gegenteil.

Es kann insgesamt keine Rede davon sein, dass eine IP-Vorratsdatenspeicherung „einigermaßen nachweisbar den Fahndungserfolg erhöhen könnte“. Vielmehr stimme ich Ihnen zu, dass bislang der Nachweis aussteht, dass mit einer IP-Vorratsdatenspeicherung insgesamt (also unter Berücksichtigung aller erwünschten und kontraproduktiven Effekte) eine höhere Aufklärungsquote zu erreichen sei als ohne IP-Vorratsdatenspeicherung. Welche Anforderungen eine aussagekräftige Evaluierung genügen müsste, um Aufschluss über diese Frage zu geben, haben wir (auf englisch) auf den Seiten 11 ff. des folgenden Dokuments erläutert.

Ich stimme Ihnen auch zu, dass eine außerhalb der elektronischen Kommunikationsnetze undenkbare Totalprotokollierung menschlicher Information und Kommunikation im Internet solange nicht zu rechtfertigen ist, wie mittels TK begangene Straftaten auch ohne eine solche Totalerfassung deutlich häufiger aufgeklärt werden als außerhalb der Netze begangene Straftaten. Das Internet darf kein Fahndungsnetz werden. Es muss in erster Linie der freien Entfaltung der Persönlichkeit sowie der freien Information und Meinungsäußerung dienen.

Es würde mich daher freuen, wenn Sie jede anlasslose Vorratsspeicherung von Internet-Verbindungsdaten strikt ablehnen würden. Die Freiheit und Sicherheit von 51 Mio. Internetnutzern in Deutschland darf nicht verhandelbar sein. Einen „Kompromiss“ zulasten der Gesamtheit der Internetnutzer Deutschlands vorzuschlagen, ist weder sachlich sinnvoll noch politisch klug. Eine IP-Vorratsdatenspeicherung würde weit mehr Schaden anrichten als nutzen. Weitere Informationen finden Sie in unserem Brief „Intelligente Strategien für ein sicheres Netz – IP-Vorratsdatenspeicherung stoppen!“:

May 04 2011

Kinderpornographie in Tauschbörsen: Kein Zutritt zur geschlossenen Gesellschaft

Als Bitkom am Montag vorpreschte und im Namen des “White IT” verkündete, “unentgeltliche Tauschbörsen” seien der “größte Markt” für kinderpornographische Bilder, war die Verwunderung nicht nur bei uns groß.

Die Darstellung der Studie des Kriminalwissenschaftlichen Instituts der Uni Hannover in der Bitkom-Pressemeldung warf einfach die ein oder andere Frage auf.  Handelt es sich um frei verfügbares Material? Werden die Inhalte verschleiert?

Und welche p2p-Plattformen sind überhaupt betroffen? Oder sind vielleicht doch eher geschlossene Tauschzirkel gemeint? Glaubt man einem Artikel bei Silicon.de, reden wir über geschlossene Tauschzirkel:

Strafverfolger stünden hier vor einer Herausforderung, denn der Zugang werde nur bei persönlicher Bekanntschaft oder durch Lieferung von Bildern oder Filmen oder möglicherweise auch gegen Geld geöffnet. “Personen, die in diese hermetischen Bereich gelangen wollen, müssen die Keuschheitsprobe ablegen, das heißt neues kinderpornographisches Material liefern.”

“Wir sind in diesem besonders abgeschotteten, hochkriminellen Bereich größtenteils blind”, sagt Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann, der das Bündnis White IT ins Leben gerufen hat.

Tatsächlich ist die Sachlage aber deutlich komplexer, wie mir Arnd Hüneke vom Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie der Uni Hannover per Mail erklärt:

Sehr geehrter Herr Schäfers,

in erster Linie handelt es sich um tatsächlich frei verfügbares Material, das so gut wie nicht verschleiert wird. Ab und an werden Dateinamen mal verschleiert, nicht selten ist es aber recht einfach. In unserer – sehr kleinen – Stichprobe wurde vor allem eD2K genutzt. Allerdings sollte man daraus keine voreiligen Schlüsse ziehen. Da sich der Bezugszeitraum der Aktenstichprobe auf das Jahr 2008 konzentrierte, könnten Verschiebungen in andere Netzwerke durchaus denkbar sein. Allerdings dürfte – so zumindest die Bekundungen der Experten im Rahmen der Interviews – weiterhin der Bereich der Tauschbörsen und der Newsgroups führend sein.

Eine tiefgreifende Analyse des “Marktes” in geschlossenen Benutzergruppen war den Forschern schon allein aus rein rechtlichen Gründen nicht möglich. Um Zugang zu ihnen zu erhalten, hätten sie sich strafbar machen müsssen:

Geschlossene Tauschzirkel haben wir kaum identifiziert. Dafür war der Ansatz auch wenig geeignet. Das Problem ist hier wohl, dass es in Deutschland eigentlich keine Rechtsgrundlage gibt, in diese Zirkel zu gelangen. Die Keuschheitsprobe, also die Übersendung kinderpornographischen Materials zur Zutrittserlangung, kann von den Ermittlungsbeamten mangels Rechtsgrundlage wohl nicht abgelegt werden.

Lange Rede, kurzer Sinn (und man verzeihe mir die Verkürzung): Geschnappt werden, wie auch im WWW, vor allem die Idioten. Über das Dunkelfeld in den geschlossenen Benutzergruppen ist nach wie vor wenig bekannt. Und nein, das ist kein Vorwurf an die Forscher, die können auch nur mit den Daten arbeiten, die sie von den Behörden erhalten.

PS: Mit etwas Glück erhalten wir im Laufe des Tages noch die komplette Studie. Aus der “White IT”-Geschäftsstelle im niedersächsischen Innenministerium hieß es, dass das eigentlich kein Problem sei, schließlich sei sie ja auch auf der Pressekonferenz am Montag in Berlin verteilt worden.

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May 02 2011

White IT: Tauschbörsen größter Markt für Kinderpornographie

In der Argumentation für Websperren hieß es bisher, dass diese ein wirksames Mittel gegen den “Milliardenmarkt für Kinderpornographie” im Internet wären. Nachgewiesen werden konnte dieser Milliardenmarkt bisher nicht, die (wenigen) tatsächlich durchgeführten Studien zum Thema lassen vermuten, dass er in der behaupteten Form schlicht nicht existiert.

Das bestätigen erneut auch die heute in Berlin veröffentlichten Ergebnisse des “White IT”-Bündnisses aus Niedersachsen. Nicht etwa das WWW sei Hauptumschlagplatz für Kinderpornographie, sondern “Unentgeltliche Tauschbörsen”:

Unentgeltliche Tauschbörsen größter Markt für kinderpornographische Bilder
Berlin, 2. Mai 2011 – [...] „Es fehlte bislang an einer kriminologischen Grundlagenforschung über die Herkunft und Verbreitung sowie dem Umgang mit kinderpornographischem Material. Diese Grundlage ist aber eine entscheidende Voraussetzung, um unseren ganzheitlichen Bekämpfungsansatz und die damit verbundenen strategischen Ziele umzusetzen, z.B. die Nutzung kinderpornographischer Inhalte zu verhindern bzw. zumindest noch stärker zu erschweren“, so Schünemann.

Nach der Studie des Kriminalwissenschaftlichen Instituts der Leibniz Universität Hannover gibt es einen illegalen Markt ohne echte Preisbildung. „Ein digitales Kinderpornobild lässt sich leider beliebig oft kopieren. [...] Unentgeltliche Tauschbörsen sind nach unseren Erkenntnissen der größte Markt für kinderpornographisches Material“, sagte Prof. Meier.  [...]

„Wir sind in diesem besonders abgeschotteten, hochkriminellen Bereich größtenteils blind. Aus diesem Grund müssen wir die Einsatzmöglichkeit von verdeckten Ermittlern nach der Strafprozessordnung (§ 110a StPO) auf die Straftaten des sexuellen Missbrauchs von Kindern bzw. auch auf die Herstellung und Verbreitung dieser kinderpornographischen Inhalte erweitern“, sagte Innenminister Schünemann am Montag in Berlin.

Die komplette Pressemitteilung gibt es bei der Bitkom. Von “Deep Packet Inspection” und ähnlichen Überwachungtechnologien ist dort überraschenderweise noch nichts zu lesen. Das dürfte dann wohl der übernächste Schritt sein.

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March 29 2011

Bundesjustizministerium erklärt Löschen statt Sperren

Das Bundesjustizministerium erklärt in einem kurzen Imagefilm das Prinzip von “Löschen statt Sperren”:

In der ersten Folge beschäftigen wir uns mit dem Thema: “Warum Löschen statt Sperren?” Dass Internetseiten mit kinderpornographischen Inhalten aus dem Internet müssen, ist eine Selbstverständlichkeit – ob diese Seiten allerdings gelöscht oder gesperrt werden sollen, wird diskutiert.

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