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February 26 2014

February 14 2014

February 13 2014

Bundestag: Ältestenrat fordert Kriterienkatalog für Presseakkreditierungen

Der Ältestenrat im Deutschen Bundestag hat heute über die Frage diskutiert, welchen Kriterien bei der Vergabe von Presseakkreditierungen durch die Pressestelle angewendet werden. Mein Antrag auf eine Jahresakkreditierung war abgelehnt worden (wogegen ich Widerspruch eingelegt habe, weil ich hauptberuflich parlamentarische Berichterstattung betreibe und einen Presseausweis besitze) und Anna Bieselli war trotz Einladung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion eine Tagesakkreditierung mit Verweis auf einen fehlenden Presseausweis verweigert worden.

Nach Angaben von Teilnehmern der Sitzung wurde der Programmpunkt von Bundestagspräsident Norbert Lammert eingebracht und Anna’s Fall wurde von Michael Grosse-Brömer, dem ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion geschildert und mein Fall von Petra Sitte, der ersten Parlamentarischen Geschäftsführerin der Linken.

Der Bundestagsverwaltung wurde die Aufgabe zur nächsten Sitzung mitgegeben, einen nachvollziehbaren Kriterienkatalog für die Vergabe von Presseakkreditierungen zu formulieren, der nach Angaben von Teilnehmern unsere beiden Fälle, aber auch z.B. dem von Tilo Jung mit seinem Format “Jung&Naiv” einschließen soll. Es scheint im Ältestenrat Konsens zu sein, dass journalistisch arbeitende Blogger nicht gegenüber Journalisten anderer Medienformen benachteiligt werden dürfen. Alles andere wäre ja auch mehr als merkwürdig.

Die nächste Sitzung des Ältestenrates ist kommende Woche. Wir sind gespannt, ob die Bundestagsverwaltung bis dahin diesen Kriterienkatalog formuliert bekommt, so dass wir demnächst endlich mal diese leicht kafkaeske Diskussion beenden können. Und dann einfacher für Euch direkt aus dem Bundestag über die parlamentarische Arbeit berichten zu können.

Bleibt nur noch eine kleine andere Hürde: Die Große Koalition scheint Gefallen daran zu finden, gewöhnliche Ausschusssitzungen unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfinden lassen zu wollen. Wenn sich das durchsetzt, bringt uns auch eine Jahresakkreditierung nicht soviel, aber wir werden auch nicht weiter gegenüber anderen Journalisten benachteiligt.

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February 10 2014

Jetzt neu: The Intercept von Firstlook

Als erstes Medium aus dem neuen Verlage Firstlook um Glenn Greenwald, Laura Poitras & Co gibt es jetzt “The Intercept” zu lesen (Falls der Server gerade mal nicht offline ist). In der ersten Titelgeschichte von Glenn Greenwald und Jeremy Scahill geht es um Drohnenangriffe der USA und wie diese auf Basis von Mobilfunküberwachung funktionieren.

NSA-photo-by-Trevor-Paglen

Trevor Paglen geht fotografisch der Frage nach: Wie sieht ein Überwachungsstaat aus?
New Photos of the NSA and Other Top Intelligence Agencies Revealed for First Time Die Fotos stehen alle unter der Public Domain.

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February 03 2014

Pressestelle des Bundestages erklärt: Wir machen hier keine parlamentarische Berichterstattung

Nach zehn Jahren Berichterstattung über die netzpolitischen Debatten im Deutschen Bundestag wollte ich diese Legislaturperiode eine Jahresakkreditierung beantragen. Das Thema Netzpolitik wird ja mittlerweile höher gehängt und es vergeht keine Sitzungswoche, wo nicht über ein Internet-relevantes Thema in diversen Ausschüssen oder im Plenum debattiert wird. Dazu gibt es jetzt einen Hauptausschuss für Internet und digitale Agenda sowie den geplanten NSA-Untersuchungsauschuss. Gesagt getan, habe ich endlich mal eine Presse-Akkreditierung beantragt. Die schriftliche Ablehnung kam vergangene mit dem Hinweis, dass man mir keine Jahresakkreditierung geben wolle, und ich ja immer eine Tagesakkreditierung beantragen könne. Da ich mich gerade noch einige Zeitzonen entfernt im Urlaub befinde, habe ich eine Kollegin in der Pressestelle anrufen lassen, um eine Begründung zu bekommen. Die hat sie in dreifacher Form erhalten.

1. Herr Beckedahl sei bislang noch nie zuvor tagesakkreditiert gewesen.

In den vergangenen vier Jahren brauchte ich keine Akkreditierung, weil ich als Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft einen besonderen Hausausweis von der Verwaltung des Deutschen Bundestages erhalten hatte mit der ich rein und rauslaufen konnte. In der Regel hat das auch gereicht, um von Ausschüssen zu berichten, aber einige Male kam es vor, dass mir die Nutzung eines Notebooks oder Smartphones vom Saaldiener untersagt wurde, weil ich keine Presseakkreditierung hatte. In der Regel hab ich mich dann einfach mit meinem Hausausweis einen Stock weiter runter hinter die Abgeordneten setzen können, wo moderne Hilfsmittel nicht störten. Blatt und Papier sind übrigens auf der Bühne erlaubt. Warum auch immer. Vorher habe ich mich öfters, wenn ich Zeit und Lust hatte, denn da habe ich das hier noch nebenbei gemacht, als normaler Besucher akkreditiert und damals wurde noch nicht besonders darauf geachtet, ob man auf der Bühne mit einem Notebook sass.

2. Herr Beckedahl würde nicht parlamentarisch Bericht erstatten.

Ich weiß ja nicht, was die Pressestelle des Deutschen Bundestages unter parlamentarischer Berichterstattung versteht. Natürlich können und wollen wir keine unkritische Hofberichterstattung versprechen, aber es gibt kaum Medien in Deutschland, die so intensiv wie wir in den vergangenen Jahren über netzpolitische Debatten im Parlament berichtet haben, darunter waren auch ausführliche Berichte über fast alle relevanten Ausschussanhörungen zu allen möglichen Themen. Wir erklären hier ausführlicher als andere journalistische Medien Abläufe in der Arbeit des Deutschen Bundestages, bewerten Prozesse und Debatten und ordnen diese ein. Aber vielleicht habe ich auch eine falsche Vorstellung davon, was die Pressestelle für parlamentarische Berichterstattung hält?

3. Herr Beckedahl wäre Blogger und kein Journalist.

Sind wir wieder im Jahre 2004 angelangt, als die Debatte Blogger vs. Journalisten entbrannte? Ein Blog ist ein Medium, mit dem man journalistisch arbeiten kann, oder auch nicht. Wir gehen davon aus, dass wir hier journalistisch arbeiten, zudem mache ich das hauptberuflich. Und das sehen andere offensichtlich auch so: Sonst hätte mir der Deutsche Journalistenverband keinen Presseausweis ausgestellt und wir hätten auch keine journalistischen Auszeichnungen wie eine Nominierung für den Grimme Online Award in der Kategorie Information erhalten. Andere Journalisten haben mich zweimal (2009/2012) für das Medium-Magazin zu den Top 10 der Politikjournalisten in Deutschland gewählt. Ich habe in den vergangenen Jahren auch für viele namhafte journalistische Medien Beiträge für Print und Radio verfasst, deren Journalisten selbstverständlich nur aufgrund ihres Mediums eine Jahresakkreditierung erhalten, auch wenn sie nicht soviel über die Arbeit des Deutschen Bundestages berichten wie wir.

Warum will ich eine Jahresakkreditierung und keine Tagesakkreditierung?

Eine Tagesakkreditierung muss man immer bei der Pressestelle im Voraus beantragen (Fristen beachten) und anschließend stellt man sich in die Schlange bei der Abgabe, bevor man überhaupt den Deutschen Bundestag betreten kann. Das kostet Zeit und Aufwand. Außerdem besteht immer die Gefahr einer Ablehnung und dann kommt man nicht rein. Und kurzfristig mal zu einer Ausschusssitzung oder Pressekonferenzen von Bundestagsabgeordneten (die manchmal auch kurzfristig einberaumt werden) gehen ist auch nicht drin. Mein Büro ist 15 Minuten mit dem Fahrrad vom Bundestag entfernt, ich kann da spontan hinfahren, wenn was ansteht. Mit einer Jahresakkreditierung spare ich mir und der Verwaltung Arbeit, die Verwaltung hat ihre Ruhe und ich habe mehr Zeit für die parlamentarische Berichterstattung.

Einschränkung von Pressefreiheit

Die Verweigerung einer Jahresakkreditierung benachteiligt mich in unserer Arbeit gegenüber anderen Journalisten, und man kann das auch als Einschränkung von Pressefreiheit und als einen Versuch, kritische Berichterstattung zu erschweren, sehen. Ich bin mal gespannt, wie die Pressestelle auf unseren Einspruch reagiert. Die Fraktionen von Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen haben uns schon Unterstützung zugesagt.

Apropos lieber Deutsche Bundestag: Wie passt es denn zusammen, dass wir hier keine parlamentarische Berichterstattung machen, aber von der Verwaltung die Erlaubnis angefragt wurde, unseren RSS-Feed in das Hauseigene System einzupflegen, damit Bundestagsabgeordnete und Mitarbeiter sich besser über unsere Inhalte informieren können?

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November 22 2013

Exposing the Invisible: Investigativer Journalismus im Digitalen Zeitalter

ExpDas Exposing the Invisible Projekt des Tactical Technology Collectives ist weit mehr als nur eine Sammlung dreier Kurzfilme über Paradebeispiele investigativen Journalismus. Die Website ist gleichzeitig eine gute erste Anlaufstelle und Informationsplattform für Aktivisten, Journalisten und Interessierte, die investigativ tätig sind. So werden Hilfestellungen zur Beweismittelsuche, dem sicheren Umgang mit und kommunizieren von Informationen, der Visualisierung der Erkenntnisse und dem eigenen Schutz bei der Arbeit gegeben.

Through a series of short films, Exposing the Invisible tells the personal stories of those working at the new frontiers of investigation. We explore their tools and methods and learn how they manage the risks of information activism. The project also offers a range of resources to help activists protect themselves and their work.

Anschauen, nicht nur der Filme, lohnt sich.

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November 01 2013

NSA Files decoded: What the revelations mean for you.

Der Guardian hat mit “NSA Files decoded: What the revelations mean for you” eine tolle journalistische Erzählung darüber vorgelegt, was die Enthüllungen über den NSA-Überwachungsskandal bedeuten.

NSA files decoded: Edward Snowden's surveillance revelations explained | World news | theguardian.com 2013-11-01 18-31-13

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October 25 2013

Schutz der Medien ist Schutz der Demokratie

Heute fand die Jahrestagung der Datenschutzbeauftragten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten statt. Natürlich stand auch diese Tagung unter dem Einfluss der Ausspähungen und Überwachung durch verschiedene Geheimdienste. Die Datenschutzbeauftragten veröffentlichten in Reaktion auf die Ereignisse eine Pressemitteilung und forderten Bund und Länder auf, gegen die Unterwanderung vertraulicher Kommunikation vorzugehen und so die Pressefreiheit zu schützen:

Die bekannt gewordenen Ausspähungen gefährden alle Bürger. Wenn aber Journalisten betroffen sind, gefährdet das zusätzlich die Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bei der Informationsvermittlung und Meinungsbildung in unserer Gesellschaft.

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September 11 2013

August 13 2013

Greenwald und Poitras – seltene Einblicke in die Arbeit und den ‘Alltag’ der Reporter

Laura Poitras

Quelle: Sean Gallup

Peter Maass der New York Times hat einen exzellenten Artikel über die Arbeit und Tätigkeit des Journalisten  Glenn Greenwald und der Reporterin / Dokumentar-Filmemacherin Laura Poitras geschrieben. Greenwald und Poitras wurden von Edward Snowden kontaktiert und arbeiten seitdem eng mit dem Whistleblower zusammen, um gemeinsam den Überwachungsapparat der NSA aufzudecken. Während meistens Snowdens Person im Mittelpunkt steht und man stellenweise das Gefühl hatte, dass sich Journalisten auf ihn fixieren, statt auf sein Thema, gewährt uns Maass Artikel einen unglaublich interessanten Einblick in das Schaffen Greenwalds und Poitras: Warum Snowden beide ausgewählt hatte und die Schwierigkeiten der ersten Kommunikationsversuche. Der Druck der Verantwortung, der auf Poitras und Greenwald lastet. Die Hürden der sicheren Kommunikation, Aufbereitung, Archivierung und Berichterstattung. Die Verschriebenheit beider die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Poitras arbeitet seit einigen Jahren an einer Dokumentar-Trilogie über Post 9/11 Amerika. Dafür drehte sie mehrfach ausgezeichnete Dokumentation über Guantanamo, Abu Gharib und das Leben im Irak. Durch ihr Engagement und kritische Berichterstattung ist sie den US-Behörden ein Dorn im Auge und wurde schon unzählige Male an Flughäfen festgehalten, verhört und untersucht. Als sie vor einigen Jahren in Wien festgehalten wurde, sagte ihr der Polizei-Beamte, dass dies auf Anweisung der USA geschehe, da sie 400/400 auf der Gefährdungsskala hat.

They took my bags and checked them. They asked me what I was doing, and I said I was showing a movie in Sarajevo about the Iraq war. And then I sort of befriended the security guy. I asked what was going on. He said: ‘You’re flagged. You have a threat score that is off the Richter scale. You are at 400 out of 400.’ I said, ‘Is this a scoring system that works throughout all of Europe, or is this an American scoring system?’ He said. ‘No, this is your government that has this and has told us to stop you.’

In 2011 fing Laura Poitras mit den Arbeiten an einem neuen Dokumentarfilm über den US Überwachungsstaat und die NSA an. Da sie hierfür u.a. mit Jacob Applbaum oder William Binney Gespräche führte, aber auch wegen ihrer früheren Erfahrungen mit den US-Geheimdiensten, tut sie mittlerweile alles dafür, sowohl sich als auch ihre Gesprächspartner abzusichern. Mobilfunk wird auf ein Minimum reduziert und Handys nicht zu Interviews mitgebracht. Mails werden verschlüsselt und extrem sensible Daten auf unterschiedlichen rechnern gespeichert.

After she was contacted by Snowden in 2013, she tightened her security yet another notch. In addition to encrypting any sensitive e-mails, she began using different computers for editing film, for communicating and for reading sensitive documents (the one for sensitive documents is air-gapped, meaning it has never been connected to the Internet).

Snowden kontaktierte zunächst Glenn Greenwald per Mail, der diese allerdings ignorierte – u.a. wegen Snowdens gefordertem Level an Kommunikations-Sicherheit. Als sich dann auch Poitras mit Greenwald in Kontakt setzte, um über Snowden und seine Enthüllungen zu sprechen, verstand Greenwald, warum es so wichtig war sichere Kommunikationswege zwischen den dreien aufzubauen.

Which computers I used, how I communicated, how I safeguarded the information, where copies were kept, with whom they were kept, in which places. She has this complete expert level of understanding of how to do a story like this with total technical and operational safety. None of this would have happened with anything near the efficacy and impact it did, had she not been working with me in every sense and really taking the lead in coordinating most of it.

Bis sich Greenwald, Poitras und Snowden dann in Hong Kong trafen, um ein erstes Interview zu drehen und – vor allem – das erste Mal den anderen zu sehen, verging nochmals einige Zeit. Die Anbahnung des Treffens in Hong Kong gleicht einschlägigen Szenen aus Hollywood-Filmen. Es gibt geheime Plätze, Challenge-Response Phrasen und Erkennungsmerkmale.

Snowden had instructed them that once they were in Hong Kong, they were to go at an appointed time to the Kowloon distsrict and stand outside a restaurant that was in a mall connected to the Mira Hotel. There, they were to wait until they saw a man carrying a Rubik’s Cube, then ask him when the restaurant would open. The man would answer their question, but then warn that the food was bad.

Letztlich ist diese Vorsicht aber nicht grundlos, sondern sehr berechtigt.

It’s an incredible emotional experience to be contacted by a complete stranger saying that he was going to risk his life to expose things the public should know. He was putting his life on the line and trusting me with that burden. My experience and relationship to that is something that I want to retain an emotional relation to. I am sympathetic to what he sees as the horror of the world [and] what he imagines could come. I want to communicate that with as much resonance as possible. If I were to sit and do endless cable interviews — all those things alienate me from what I need to stay connected to. It’s not just a scoop. It’s someone’s life.

Maass Artikel lässt den Leser zumindest erahnen, um wie viel es für alle drei – Gleen Greenwald, Laura Poitras und Edward Snowden – wirklich geht. Wie ernst es ihnen ist. Man deckt nicht den größten Überwachungsskandal der Menschheit auf, indem man eine verschlüsselte Mail mit 20.000 Dateien an einen Reporter des Guardian schickt und dann im Moskauer Flughafen auf Reporter wartet. Man vertraut nicht jemandem und setzt seine journalistische Karriere aufs Spiel, wenn man nicht die Tragweite und Auswirkungen abschätzen kann. Maass veranschaulicht, dass es viel mehr von diesen drei Menschen abverlangt, als Artikel zu schreiben, Interviews zu drehen und Dateien zu verschlüsseln. Lesen.

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June 02 2013

DRadio Wissen: Der Journalist der Zukunft

Im “Digitalen Salon” diskutiert Marlis Schaum mit dem Pulizisten Michael Praetorius, dem Redaktionsleiter der dpa-Netzwelt Christoph Dernbach, der Redaktionsleitern Online und Social Media von DRadio Wissen Anja Stöcker und mit Medienforscherin Nele Heise über die Zukunft des Journalismus.

Informationsbeschaffung und -filterung sind nicht länger alleinige Domäne von Journalistinnen und Journalisten. Hackerinnen recherchieren, Programmierer bereiten Daten auf. Der Markt der Informationen ist größer und Professionen, die diese einzuordnen versuchen, sind zahlreicher geworden. Der Journalismus muss sich diesen Entwicklungen stellen.

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May 23 2013

Obamas “Change” im Umgang mit Whistleblowern

Im Jahr 2009 wurde Barack Obama zum amerikanischen Präsidenten gewählten, im Gepäck die große Verheißung des “Change”. Es ging um den großen Wandel in der Politik. Hin zu einer Politik mit mehr Gefühl, mehr Demokratie und einem sozialeren Menschenbild. Ob dieser “Change” in Washington und der amerikanischen Politik angekommen ist darf bezweifelt werden. Und doch ist in einigen Bereich sehr wohl ein “Change” zu erkennen – wenn auch nicht zum Guten. Wie zum Beispiel im Umgang der Regierung mit vermeintlichen Whistleblowern, also Regierungsmitarbeitern die interne Dokumente an die Öffentlichkeit bringen. Die amerikanische Organisation ProPublica, die sich mit der Fördung von investigativem Journalismus beschäftigt, hat eine interessante Timeline zum Thema Umgang der amerikanischen Regierung mit Whistleblowern erstellt.

Die Timeline zeigt die Strafverfolgung von vermeintlichen Whistleblowern durch die Regierung auf. Auffällig ist die enorme Zunahme an Anklagen gegen Whistleblower, seit Barack Obama amerikanischer Präsident ist. Gab es von 1945 bis zum Jahr 2009 gerade einmal drei Anklagen gegen Whistleblower (von denen zwei schuldig gesprochen wurden), sind alleine in den letzten vier Jahren sechs ehemalige Mitarbeiter der Regierung oder amerikanischer Behörden, wie CIA oder FBI, angeklagt worden – darunter auch der populäre Fall um Bradley Manning und Wikileaks. Die Auflistung zeigt also sehr gut, wie der Kampf gegen Whistleblower unter Obamas Regierung enorm verstärkt wurde.

Neuester Fall im Kampf um Datenlecks innerhalb der eigenen Regierung war dabei die Bespitzelung von Journalisten der Nachrichtenagentur AP, wie auch wir berichteten. Auch in diesem Fall ging es möglicherweise darum, über die Kontaktdaten der jeweiligen Journalisten Verbindungen zu Regierungsmitarbeitern aufzudecken, welche die Journalisten unerlaubt mit internen Dokumenten versorgten.

Am vergangenen Mittwoch gab die Regierung daraufhin bekannt, den Whistleblower-Schutz zu intensivieren indem ein “Schutzschild für Journalisten” eingeführt werden solle. Bürgerrechtsorganisationen begrüßen diesen Schritt, bremsen jedoch auch gleich die Euphorie:

Journalism advocacy groups said they welcomed the renewed interest in protecting journalists, though the effectiveness of a shield law would depend on how it is written and how easily the Justice Department could override the protections, citing national-security concerns.

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August 24 2012

Medien müssen akzeptieren, dass auch Nutzer einen Mehrwert bringen

Ulrike Langer hat mich mal vor einem Jahr für eine Studie über Journalismus interviewt und eine verkürzte Version des Gespräches ist jetzt bei Vocer.org als Interview erschienen: “Medien müssen akzeptieren, dass auch Nutzer einen Mehrwert bringen”.

Und von der Nutzerseite aus, welche Informationsangebote werden künftig für die Bevölkerung wichtiger werden?

Viele fluchen über die sogenannte Informationsflut und wünschen sich eine einfachere Navigierbarkeit und bessere Übersichten. Das wäre eine klassische Kuratierungs- und Filterarbeit von klassischen Redaktionen, wenn die ein bisschen mehr individualisiert werden würden. Dann gibt es noch die Nutzer wie mich, die sich von der Informationsflut nicht überfordert fühlen, sondern glücklich darüber sind. Aber ich hätte gerne mehr Filtermöglichkeiten, die ich selber unter Kontrolle habe, um das alles noch effektiver verwalten zu können.

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August 09 2012

Auskunftsrechte kennen und nutzen – So kommt man an Aktenschätze

Der TAZ-Journalist Sebastian Heiser hat auf 13 Seiten beschrieben, wie man an Aktenschätze gelangen kann: “Auskunftsrechte kennen und nutzen”. (PDF)

Das Portal newsroom.de hat Heiser zu einem aktuellen Fall interviewt, wie er mittels dieser Auskunftsrechte die Offenlegung von Sommerfest-Sponsoren eines Hoffestes des regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, vor Gericht durchsetzen konnte. Dabei konnte Heiser dem Bürgermeister im Nachhinein eine Falschaussage belegen.

Der Fall ist bei “Journalismus & Recherche” dokumentiert: Verwaltungsgericht Berlin stärkt Auskunftsanspruch.

[via]

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February 09 2012

Buch: Soziale Netzwerke für Nachrichtenjournalisten

In den vergangenen Wochen gab es einen kleinen Shitstorm um die Neuauflage von “Das Handbuch des Journalismus”. Grund: Wolf Schneider und Paul-Josef Raue haben ihr Standardwerk überarbeitet und nennen es jetzt “Handbuch des Journalismus und des Onlinejournalismus“; der Teil zu Onlinejournalismus scheint ein bißchen mißraten zu sein. Wobei sich Stefan Niggemeier mit der Kritik an dem Buch ausführlich auseinander gesetzt hat.

Ein guter Grund, an dieser Stelle mal auf das Buch “Soziale Netzwerke für Nachrichtenjournalisten” (Partnerlink) einzugehen. Daniel Bouhs, der ein paar Jahre jünger als die beiden Grandseigneurs ist und hauptberuflich für die Nachrichtenagentur dapd die Netzwelt erklärt, hat auf rund 100 Seiten zusammengefasst, wie sich die Nachrichtenwelt durch die neuen Medien verändert hat. Das Ergebnis kann vor allem netzferneren Journalisten empfohlen werden, weil es in leicht verständlicher Sprache wesentliche Begriffe klärt. Zum Einstieg wirkt ein Rundgang durch die Twitter-, YouTube- und Facebook-beeinflussten Nachrichten der letzten Monate, von Utøya über das Loveparadeunglück bis zum Wechsel von Nationaltorwart Manuel Neuer, als Plädoyer für die Beachtung der sozialen Netzwerke als Nachrichtenquelle.

Anschließend stellt Bouhs den Wandel in den Redaktionen von Tagesschau, BBC News, ZDF und Rhein-Zeitung dar. An dieser Stelle wäre auch ein weniger klassisches Medium als weiteres Beispiel interessant gewesen, Twitter hat ja beispielsweise durchaus auch das Bloggen verändert. Blogs kommen auch als Informationsquelle ein bißchen kurz (aber vielleicht ist diese Einschätzung auch dem Medium geschuldet, in das ich sie gerade eintippe).

Es folgen Erklärungen zu “Social Media” im Allgemeinen sowie einigen großen Netzwerken im Speziellen und einige handwerkliche Tipps zum Zitieren, Netzwerken und Überprüfen von Informationen. Den Abschluss bilden Glossar und Tool-Empfehlungen für Anwendungen wie TweetDeck, ifttt und bit.ly.

Interessant wird sein, die erste Ausgabe des Buchs (das übrigens “on demand” verlegt wird und bei dem laut Bouhs “eine Aktualisierung eine Frage von wenigen Tagen” ist) in ein paar Jahren in die Hand zu nehmen und mit dem dann existierenden Kräfteverhältnis zwischen den Netzwerken und der Arbeit von Journalisten abzugleichen.

January 12 2012

Polit-Neulinge: Erfahrungen mit Journalisten

NDR-Zapp hat gestern einen Bericht von Daniel Bröckerhoff über “Polit-Neulinge: Erfahrungen mit Journalisten” gesendet.

Politiker und die Presse – von jeher ein nicht ganz unkompliziertes Verhältnis. Das, was Journalisten berichten, gefällt vielleicht nicht immer. Manch einer glaubt, er könne Berichterstattung beeinflussen, was ihm aber kräftig auf die Füße fallen wird. Bundespräsident Wulff bekommt das gerade deutlich zu spüren. Aber es gibt natürlich genauso Journalisten, die sich im Umgang mit Politikern nicht ganz fair verhalten. ZAPP hat drei junge Abgeordnete besucht, die ganz neu und frisch in der Politik sind, und mit ihnen über ihre Erfahrungen mit den Medien gesprochen. Ein einseitiger Bericht – nämlich rein aus Sicht dieser Politiker.

Das Interview mit Marina Weisband, der politischen Geschäftsführerin der Piratenpartei, gibt es auch in vollen 26 Minuten auf der Webseite und auf Youtube:

January 11 2012

Das neue Handbuch des Journalismus und des Online-Journalismus

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat das Buch “Das neue Handbuch des Journalismus und des Online-Journalismus” lizenziert und als Nummer 1198 in ihre Schriftenreihe aufgenommen. Für 4,50 Euro erhält man dort das 462 Seiten dicke Buch von Wolf Schneider und Paul-Josef Raue, im Buchhandel ist es teurer.

Journalist – für viele ein Traumberuf. Texten, interviewen, recherchieren, immer am Puls der Zeit und nah dran am Geschehen. Aber was müssen Journalisten eigentlich können? Wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? Und wie gelingt der Einstieg in den Job? Die erfahrenen Journalisten Wolf Schneider und Paul-Josef Raue stellen Arbeitstechniken, Formate und Redaktionsalltag vor. Anhand anschaulicher Beispiele zeigen sie, wie es richtig geht – und wie auf gar keinen Fall. Sogar auf die für Journalisten zentrale Frage “Wie gewinne ich den Leser?” haben sie die Antwort parat. Dieses Standardwerk dient Berufseinsteigenden, Volontären und Jungredakteuren seit Langem als ideale Orientierung. Die überarbeitete und erweiterte Neuausgabe ergänzt das Handbuch um alles Wissenswerte zum Online-Journalismus sowie zur Arbeit in und mit PR und Pressestellen.

January 04 2012

#Wulffleaks – Die Sache mit den Sperrfristen

Vor wenigen Stunden hatten wir hier im Blog das vollständige ARD/ZDF-Interview mit Bundespräsident Christian Wulff veröffentlicht, was bis dahin noch nicht in der Öffentlichkeit war. Die vollständige Ausstrahlung war für 20:15 Uhr bei der ARD eingeplant, das ZDF sendete wohl kurz vorher. Auf Twitter und per Mail kam die Frage auf, warum wir die Sperrfrist umgehen und in unserem Blogbeitrag hatte ich darauf schon kurz geantwortet:

Wir haben kurz überlegt, ob es Konsequenzen geben würde. Wir haben uns trotzdem dafür entschieden, diese zu riskieren. Unser Anliegen war, mit der Aktion auf die Absurdität von Sperrfristen und den privilegierten Vorab-Zugang zu Informationen für Journalisten in einer veränderten Medienlandschaft hinzuweisen.

Das meine ich immer noch, aber möchte das nochmal gesondert ausführen. Ich habe nichts gegen Sperrfristen, ich halte sie nur in vielen Fällen für überholt. (Wenn man in diesem Fall überhaupt von einer Sperrfrist für die Audioversion reden kann). Ich habe mich in der Vergangenheit an Sperrfristen gehalten und werde dies auch zukünftig tun. Wenngleich nicht in allen Fällen, denn es kommt immer darauf an, mit wem man eine Sperrfrist vereinbart, die ja letztendlich nur ein nicht-bindendes Gentlemen´s Agreement ist, wenn man den Pressekodex beachtet. In diesem Fall bin ich aber kein Vertrauensverhältnis eingegangen, weil ich keinerlei Zugang zu der Originalquelle hatte, die ARD und ZDF nur ausgewählten Medien bereitstellten. Dazu zählt wohl die Bundespressekonferenz, wo ich nicht Mitglied bin und laut tagesschau.de Agenturjournalisten und andere Medien:

Auf Initative des Bundespräsidialamtes wurde diese Sperrfrist im Nachhinein verändert, um andere Medienvertreter nicht zu benachteiligen: Ab 18:00 Uhr konnten Agenturjournalisten das Interview ansehen und daraus zitieren. Die Aufzeichnung wurde zu diesem Zeitpunkt auch an andere Medien gegeben, die dann bis zu drei Minuten Material aus dem Gespräch verwenden durften.

Viele Journalisten waren also in der Lage, die Originalquelle mehr als zwei Stunden vor der Öffentlichkeit zu sehen und konnten auch darüber berichten, durch Liveblogs, Twitter und anschließende Artikel, die noch vor der Ausstrahlung online kamen. Ich habe von der ARD und dem ZDF nicht exklusiv in Verbindung mit dem Gentlemen´s Agreement Sperrfrist das Interview erhalten, sondern es wurde mir von einer anderen Quelle zugeschickt. Und ich habe mich geärgert, dass man in diesem Fall immer noch in alten medialen Mustern denkt, wo es Gatekeeper gibt, die exklusiv Zugang zu Informationen haben, die viele Menschen auch interessieren, diese aber zurück in die Zuschauer-Position gedrängt werden. Oder wie Johannes Kuhn es bei süddeutsche.de formulierte: “Wer glaubt, ein solch wichtiges Ereignis im digitalen Zeitalter scheibchenweise präsentieren zu können, hat nicht viel von Auftrag und Medienwandel verstanden.”

December 10 2011

Fliegende Autos gibt es erst 2077

Die New York Times hat eine schöne Visualisierung in Form einer Zeitleiste über die Geschichte und Zukunft unseres Lebens mit Computern. Bargeld haben wir noch bis ins Jahr 2056, dann wird es illegal, ein Jahr später kommt es zu den Robot Wars, aber alles wird gut: Bereits zwanzig Jahre nach den Robot Wars gibt es endlich Fliegende Autos!

Das spannende an dem Projekt: Leser können Vorhersagen machen und andere Leser können dabei helfen, die richtige Zeiteinordnung für die Vorhersage zu bestimmen. Wer möchte, dass die Robot Wars früher beginnen, klickt einfach auf “5 Years earlier”. Tolle Idee und Ausführung. Der universelle Übersetzer für Echtzeit-Kommunikation kommt übrigens in zehn Jahren.

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