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November 05 2013

Sigmar Gabriel: “Sie kennen die Welt außerhalb des Internets nicht”

Sigmar Gabriel auf einer Podiumsdiskussion der Zeitschrift Stern.

Sigmar Gabriel: Ich würd’ Sie gerne mitnehmen in die Welt außerhalb des Internets.

Kathy Meßmer: Oh, ich glaube, die kenn’ ich.

Sigmar Gabriel: Ne, ich glaube, das kennen Sie nicht… Ich glaube wirklich, dass es zwei Welten gibt. Eine Berliner – eine intellektuelle, eine die sich in solchen Medien abspielt. Und eine bei der Menschen, verdammt, es hart haben durchs Leben zu kommen. Ich glaube nicht, dass es die eine und die andere Welt gibt, aber ich habe große Zweifel, ob sie in der Welt, die sie zu ihrer erklärt haben, diese Welt, über die ich rede, kennen.

Gabriel hatte schon in der Vergangenheit ähnlich, teils stärker und abwertender, auf netzpolitische Parteigenossinnen reagiert. Die fehlende Offenheit und mangelnde Wertschätzung führten dann schließlich auch zum Austritt von Yasmina Banaszczuk, die auch in der Podiumsdiskussion erwähnt wird.

Anscheinend sind dem Parteivorsitzenden diese Menschen im Internet so ominös, dass er sie persönlich runter machen muss.

Jonas Westphal, Sprecher Forum Netzpolitik Landesverband Berlin, erwiderte auf Sigmar Gabriels Aussage:

Sigmar Gabriel hat Recht: Tatsächlich gibt es unterschiedliche Lebensrealitäten. Dass die  junge, internetaffine Generation keine Ahnung von “einer verdammt harten” Lebensrealität hat, ist allerdings eine völlige Fehlannahme.

Das komplette Gegenteil ist der Fall: Noch nie stand eine Generation unter so viel Leistungsdruck. Noch nie gab es so viele prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Noch nie war eine Generation derart von Altersarmut bedroht.

All das verkennt Sigmar Gabriel mit seiner Aussage leider völlig. Es ist die Generation Praktikum, die es “verdammt hart” hat und sich politisch im Internet betätigt. Diese Generation trennt nicht zwischen “analog” und “digital”. Ich lade Sigmar ein, diese Lebensrealität kennen zu lernen.

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September 25 2013

Sudan vom Internet abgeschnitten – vermutlich auf Anordnung der Regierung

BVA0BxmCQAATivhSowohl Renesys, als auch Arbor Networks, berichten, dass Sudan vom Internet abgeschnitten wurde – vermutlich aufgrund von Unruhen und Straßenkämpfen im Land. Renesys sagte gegenüber der Washington Post, dass vieles auf einen Blackout hindeutet, der durch die Regierung angeordnet wurde. Falls dem wirklich so ist, wäre es der größte Blackout seit dem vom Januar 2011 in Ägypten. Renesys hatte dem Sudan letzten Winter ein “erhebliches Risiko” für einen Internet-Blackout attestiert. Die jetzigen Unruhen, die Auslöser für das Abschalten des Internets im Sudan sein könnten, beruhen u.a. auf drastisch gestiegenen Benzin-Preisen, da die Regierung die Subvention von Benzin eingestellt hat. In den seit drei Tagen anhaltenden Unruhen und Auseinandersetzungen mit der Polizei, im nördlichen Khartoum, sind bisher zwei Menschen ums Leben gekommen.

Seit etwa einer Woche wird der Präsident Sudans Omar al-Bashir vom Internationalen Strafgerichtshof wegen des Genozids in Darfur gesucht.

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August 14 2013

“Internet der Dinge”: Hacker verschafft sich Zugriff auf Babykamera und beobachtet schlafendes Kleinkind

In Houston, im Bundesstaat Texas in den USA, wurden die Eltern einer zweijährigen Tochter aus dem Schlaf gerissen, als sie hörten wie jemand über die im Zimmer der Tochter installierten Babykamera mit ihre sprach. Ein Hacker hatte sich nach einem Bericht des regionalen Fernsehsenders WBTV Zugriff zu der am Internet angeschlossenen Babykamera verschafft, sodass er sie steuern konnte und über den eingebauten Lautsprecher kommunizieren konnte. So dramatisch dieses Erlebnis für die Eltern auch gewesen war (die Tochter schlief und bekam von der Aktion nichts mit), zeigt es doch ein Problem auf: Es werden immer mehr technische Geräte ans Internet angeschlossen, welche diesen Zugang gar nicht zwangsläufig benötigen und setzen sich damit selbst dem Risiko aus, Ziel eines Angriffs zu werden.

Ein weiteres Beispiel hierfür lieferte der Wissenschaftler Nitesh Dhanjani auf seinem Blog. Er beschreibt wie mit Hilfe von Malware das Lichtsystem Philips Hue gehackt werden kann. Philips Hue ist ein Lichtsystem welcher per App gesteuert werden kann, wozu die LED-Lampen mit einer „Bridge“ verbunden werden muss, welche ihrerseits ans Internet angeschlossen werden muss. Sicherlich ist Philips Hue zweifellos ein innovatives Produkt. Doch muss sich der Nutzer bewusst sein, welchen Preis er, abgesehen vom Kaufpreis, hierfür zahlt. Und das “Internet der Dinge” wächst stetig, auch mit Gegenständen wie Türschlössern, welche bei einem möglichen Missbrauch größeren Schaden anrichten können als Lampen.

Das Angriffe auf verwundbare Systeme zunehmen werden, je mehr dieser Systeme es gibt, liegt auf der Hand. Im März dieses Jahres berichtete arstechnica ausführlich über junge Hacker, welche sich mit Hilfe von Fernwartungssoftware Zugang zu Webcams verschafften und die Nutzer dieser Webcams als “Sklaven” hielten. Arstechnica berichtete damals von einem über 134 Seiten langen Thread im Hack Forums, indem die Hacker mit ihren “Ergebnissen” prahlten. Wie auch bei der gehackten Babykamera geht es den Eindringlingen nicht darum materiellen Schaden anzurichten oder sich selbst zu bereichern. Es geht ihnen einzig um den Spaß den sie dabei anscheinend empfinden. Doch macht das die Situation nicht unkomplizierter.

Spätestens dieses Beispiel zeigt auf, dass es eben nicht immer die Nutzer sind, welche die Verantwortung für solche Angriffe tragen. Der Nutzer einer Webcam kann diese, außer durch zukleben der Linse, nur schwer schützen. Vielmehr scheint man bei der Suche nach Verantwortung auf ein Henne-Ei-Problem zu stoßen. Einerseits bieten die Hersteller technische Geräte an, welche Funktionen zum Anschluss an das Internet bereitstellen. Als Nutzer geht man also davon aus, dass diese auch sicher sind. Andererseits wird niemand gezwungen diese Funktionen zu nutzen. Die Entscheidung liegt beim Nutzer. Ob das Anschließen einer Babykamera oder einer LED-Lampe ans Internet sinnvoll ist, ist dabei noch eine ganz andere Frage und wird vermutlich sehr unterschiedliche Antworten zu Tage fördern.

Dazu kommt in Zeiten von PRISM, Tempora, XKeyscore und Co. noch eine ganz andere Sorge: Was Hobbyhacker von zu Hause können, dass können die Geheimdienste schon lange. Je mehr technische Geräte ans Internet angeschlossen werden, seien es Kameras, Lampen oder Waschmaschinen, umso mehr Informationen sind potentiell abzugreifen. Hierbei geht es dann nicht um die spätere Analyse von Metadaten, sondern um die Informationsgewinn in Echtzeit. Ein Blick durch die Webcam verrät ob eine Person zu Hause. Ist sie nicht im Zimmer und die Waschmaschine läuft dennoch, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich die Person dennoch in der Wohnung aufhält. Und so weiter.

Es sei noch einmal deutlich gesagt. Für diese Entwicklung ist nicht der Nutzer alleine verantwortlich, sondern ebenso die Hersteller, welche ihre Geräte teilweise nicht genug gegen Hackerangriffe absichern. Mehrere Berichte aus diesem Jahr zeigen allerdings auf, wie angreifbar teilweise sogar kritische Infrastrukturen im Internet sind, indem sie nicht sorgfältig installiert werden. In 9 Monaten haben zwei Forscher alleine in den USA eine Liste mit 7200 Geräten und Servern erstellt, von denen die meisten einen Login mit Standardpasswort über ein Webinterface erlaubten. Im April diesen Jahres veröffentlichte Technology Revieweinen Bericht, wonach HD Moore, Forschungsleiter bei Rapid7, in einem Experiment in seinem eigenen Keller über 114.000 unsichere Geräte im Internet fand, welche ebenfalls durch Standardpasswörter gesichert waren (13.000 erlaubten den Login ganz ohne Passwort). Und auf der diesjährigen OHM wurde eine Druckauftrag gestartet, welcher von rund 100.000 Druckern rund um die Welt verarbeitet wurde. Die Drucker waren in der Regeln nicht über einen Router, sondern direkt mit dem Internet verbunden.

Was muss hieraus folgen? Einerseits müssen die Nutzer sensibilisiert werden. Ihnen müssen die Konsequenzen ihres Handelns, also des Anschlusses ihrer Geräte ans Internet, aufgezeigt werden. Wie bereits gesagt sind die Entwicklungen an sich nichts Negatives. Sie sind innovativ und können das Leben in einigen Bereichen sicherlich bereichern. Die Nutzern muss aber bewusst sein, worauf sie sich einlassen. Gleichzeitig müssen aber auch die Unternehmen die Verantwortung anerkennen, welche sie mit der Produktion solcher Geräte tragen. Sie müssen dafür Sorge tragen, dass sie ausreichend gegen Angriffe gesichert sind und somit nicht die Privatsphäre der Nutzer gefährden. Die Entscheidung zur Nutzung solcher technische Geräte bleibt letztlich jedem selbst überlassen. Einige freuen sich ihr Arsenal an technischen Spielzeugen weiter ausbauen zu können, während andere so langsam anfangen sich vor lauter Überwachungspotential zu gruseln.

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August 05 2013

Mailpile: Crowdfunding Kampagne für sicheren Webmail-Client gestartet

mailpile-logoSeit den Veröffentlichungen rund um die Spionagetätigkeiten der NSA, des GCHQ und auch des BND ist das Thema der sicheren Kommunikation im Internet populär wie kaum zuvor. Das meist genutzte Kommunikationsmittel, privat wie auch beruflich, ist dabei die E-Mail. Viele Menschen greifen dabei auf einen der großen Mailanbieter, wie Google, Microsoft oder GMX, zurück. Das Problem daran ist, dass die verschickten und empfangenen Nachrichten auf den Servern jener Konzerne liegen, teilweise gar in den USA, was den Zugriff amerikanischer Behörden auf die eigene Kommunikation erleichtert. Um wieder die Kontrolle über seine eigenen Mails zu erlangen, wurde nun das Projekt Mailpile gestartet. Ziel ist es, einen freien und offenen Webmail-Client zu entwickeln, der auf dem eigenen Computer oder Server läuft und mit dem ohne Zusätze per OpenPGP verschlüsselt kommuniziert werden kann.
 

Mailpile_0_1_Interface_Compose

Erster Entwurf des Interfaces von Mailpile



Vorangetrieben wird das Projekt von Bjarni Einarsson, Gewinner des Nordic Free Software 2010, Smári McCarthy, Direktor des International Modern Media Institute und Mitglied der isländischen Piratenpartei, sowie Brennan Novak. Damit Mailpile ein Erfolg wird und möglichst schnell fertig gestellt werden kann, benötigen die Entwickler allerdings finanzielle Unterstützung. Aus diesem Grund wurde nun eine Crowdfunding Kampagne auf Indiegogo gestartet. Ziel ist es bis zum 10. September 100.000 Euro einzunehmen, um bis zum Januar 2014 eine erste funktionsfähige Alpha-Version veröffentlichen zu können. Diese soll sowohl auf einem Server sowie auf dem eigenen Rechner laufen können und ein intuitives Interface bieten. Großes Augenmerk wird darüber hinaus in die Suchfunktion und die integrierten Verschlüsselungsmöglichkeiten von Mailpile gelegt. So sollen beispielsweise nicht nur die Mails an sich, sondern auch die Suchanfragen und die Einstellungen verschlüsselt werden können.

Sollten mehr als 100.000 Euro eingenommen werden, soll nach Aussagen der Entwickler auch eine Mehrbenutzerversion für Familien, Freunde oder kleine Unternehmen entwickelt werden. Auch eine eingebaute Unterstützung von XMPP (Jabber) soll folgen. Die Veröffentlichung einer ersten stabilen Version ist nach jetzigem Stand für den Sommer 2014 geplant. Ausführliche Informationen zu Mailpile findet ihr auf der Homepage des Projekts sowie direkt auf der Kampagnenseite bei Indiegogo. Wer sich den Quellcode ein wenig genauer ansehen möchte, findet diesen auf github.

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July 19 2013

UN-Sonderberichterstatter: Menschenrechte im Internet müssen geschützt werden

Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung, Frank la Rue, war in dieser Woche zu Gast bei der “New America Foundation”. Er stellte sich dort rund eineinhalb Stunden Fragen rund um Meinungsfreiheit und Menschenrechte im Internet. Dabei spielte auch die Spionageprogamme der amerikanischen und britischen Regierung eine Rolle, bei der Bürger und ihre Aktivitäten rund um die Welt im Internet ausgespäht werden.

La Rue betonte dabei in seiner anfänglichen Rede, dass die Freiheit des Internets ein Wert ist, von dem Nutzer auf aller Welt profitieren würden. Aus diesem Grund sprach er sich auch vehement gegen Zensur im Internet und das Einschränken der Meinungsfreiheit aus und verteidigte aus diesem Grund beispielsweise die Mohammed-Karikaturen von 2005. Er betonte, dass Menschenrechte auf der ganzen Welt Gültigkeit haben müssen.

“Human Rights have to be equal around the world, because they are a minimum standard, not a maximum.”


Man könne die Menschenrechte nicht mit Verweis auf unterschiedliche Kulturen oder Traditionen außer acht lassen. Aus diesem Grund sagte La Rue auch in Richtung der amerikanischen und britischen Regierung und in Bezug auf ihre Spionageaktivitäten:

“An illegal breach [of human rights] is not acceptable anywhere in the world.”

Hier eine Aufzeichnung der gesamten Veranstaltung. Der Vortrag von La Rue beginnt nach ungefähr 8 Minuten Einleitung, die getrost übersprungen werden können.

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July 09 2013

Yochai Benkler im Video-Interview über die Entwicklung von Internet, Gesellschaft und freien Gütern

Am 11. Juni war Yochai Benkler zu Gast beim WZB Berlin Colloquium und sprach über seine neueste Arbeit “Practical Anarchism: Peer Mutualism, Market Power,
and the Fallible State” (hier als pdf). Benkler ist Juraprofessor an der Harvard Law School und befasst sich unter anderem mit Fragen des Urheberrechts und freien Gütern. Sein Buch “The Wealth of the Network” veröffentlichte er unter Creative Commens Lizenz und ist hier als pdf zu beziehen. Im Anschluss an das Kolloquium hatte Katja Scheliga die Gelegenheit ein Interview mit Yochai Benkler zu führen, welches nun, in Form eines Videos, seinen Weg auf den Blog des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft gefunden hat.

Die Themen des Interview reichen dabei von Fragen zur aktuellen Entwicklung des Internets und den daraus resultierenden Folgen für die Gesellschaft bis zu der Frage inwieweit uns Open Data und Open Sciences eine neue gesellschaftliche Freiheit bescheren. Einige Zitate aus dem Interview:

„That increased sophistication of firms and the state and the combination of the two of them presents a significant and deep threat to the possibility to shared social life on the net.“

„We had essentially two platforms. One was the Personal Computer which was largely build on an open environment. […] On the other hand the phone was a very limited platform. What happened with the rise of the smartphone and the shift of computation to the handheld, is that the history of the handheld, the connection between the carrier, the non-open IP-stack, the business models that ties to the handheld device […] have mend that the move to the smartphone has created substantial risk that the range of freedom, the degrees of freedom and the platform will be substantial constraint“

„We’ve initially seen with ACTA then with SOPA/PIPA in the US with TTP in the Pacific […] a whole knew set of effort to clamp down on intellectual properties and constrain the commons in a way that really threatens open commons based productions.“

Hier nun aber auch das Interview in voller Länge:

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June 20 2013

Sammlung Wissenschaftlicher Paper zu Zensur und Kontrolle im Internet

Die Wissenschaftler Steven Murdoch (University of Cambridge) und Hal Roberts (Harvard University) haben eine kleine Sammlung wissenschaftlicher Paper zu “Internet Censorship and Control” zusammengestellt, die sie frei zugänglich veröffentlichten. Die Themen der Paper reichen von Zensurmaßnahmen in China über die Machtverteilung in Internet Governance bis hin zur Sicherheit und Kompromittierung von Zertifizierungsstellen.

Zu jedem der fünf Paper wird es auf Netzpolitik.org einen gesonderten Artikel geben. Dies sind die Themen:

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May 16 2013

Deutsche Akademie der Technikwissenschaften: Empfehlungen für eine Kultur der Privatheit im Internet

Gestern veröffentlichte eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projektgruppe unter Leitung von Johannes Buchmann ein Positionspapier zur „Privatheit im Internet“ (PDF). Eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erarbeiteten darin Vorschläge für die Bereiche Bildung, Recht, Wirtschaft und Technik, die einen Beitrag zur “Etablierung einer Kultur der Privatheit im Internet” leisten sollen. Zudem entwickelten sie den Prototyp eines Privacy-Agenten, der Bürgerinnen und Bürger beim Schutz ihrer Privatsphäre unterstützen soll.

Da das “Vertrauensverhältnis zwischen Nutzern und Diensteanbietern die Grundvoraussetzung” dafür sei, das Potenzial des Internets “zum Wohle und Fortschritt der Gesellschaft voll auszuschöpfen”, erarbeitete die Projektgruppe Empfehlungen für Politik, Öffentlichkeit, Wirtschaft und Wissenschaft und will dazu beitragen, das Spannungsverhältnis zwischen dem “großen Wert des Internets für seine Nutzerinnen und Nutzer einerseits und der Sorge um die Beeinträchtigung ihrer Privatheit andererseits” aufzulösen. Laut Projektleiter Johannes Buchmann habe sich die Zusammenarbeit der interdisziplinären Arbeitsgruppe als sehr fruchtbar erwiesen.

Wir hoffen, dass unsere gemeinsam erarbeiteten Handlungsempfehlungen national und international von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aufgegriffen werden. Gleichzeitig sehen wir erheblichen weiteren Forschungsbedarf, zum Beispiel bei der Weiterentwicklung unseres Privacy-Agenten.

Bei dem Privacy-Agenten handelt es sich um einen Software-Prototypen, der Nutzerinnen und Nutzern zeigt welche Informationen aus ihren Statusdaten in sozialen Netzwerken abgeleitet werden können, ihnen unverständliche AGBs zugänglich macht und Dienste identifiziert, die die Privatheitsvorstellungen der Nutzer missachten. Dienstanbieter sollen den Privacy-Agenten unterstützen und zum Beispiel Schnittstellen anbieten – Nutzerinnen und Nutzern würde damit beim Schutz ihrer Privatheit geholfen.

Die Empfelungen der Projektgruppe beinhalten weiterhin die Förderung von Internetkompetenz in Schulen, Berufsausbildung und durch öffentliche Kampagnen, Privacy by Design und die Erarbeitung verlässlicher rechtlicher Rahmenbedingungen. Basieren sollte die Entwicklung einer Kultur der Privatheit im Internet der Projektgruppe zufolge auf “europäischen Grundwerten”: Freie Selbstbestimmung, demokratische Partizipation und wirtschaftliches Wohlergehen.

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Dokumentarfilm “Die wilden Wurzeln des World Wide Web” in der arte-Mediathek

Am vergangen Dienstag lief um 22:05 Uhr auf arte die sehenswerte Dokumentation “Die wilden Wurzeln des World Wide Web”. Der Film bietet einen interessanten Überblick über die Anfänge des Internets, ohne dabei aktuellen Entwicklungen außen vor zu lassen. So kommen genauso Richard Stallman, der Gründer des GNU-Projekts, wie auch Julian Assange oder Rick Falkvinge, der Gründer der schwedischen Piratenpartei, zu Wort. Bis Dienstag ist die Dokumentation noch in der arte-Mediathek zu sehen: http://videos.arte.tv/de/videos/die-wilden-wurzeln-des-world-wide-web–7495632.html. Ansonsten läuft der Film am Freitag, den 31. Mai, um 02:40 Uhr auch nochmal auf arte.

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