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February 11 2014

Edward Snowden auf der Berlinale

Der rote Teppich ist ausgerollt auf der Berlinale, nicht nur für George Clooney, sondern auch für Edward Snowden. Ganz kurzfristig wurde das Interview von Hubert Seipel mit Edward Snowden als offizieller Programmpunkt für die Berlinale aufgenommen. Super eigentlich, aber warum denn so kurzfristig und warum überhaupt Berlinale, wenn es denn schon im Fernsehen gelaufen ist?

Dazu sagte uns Dieter Kosslick, der Berlinale-Chef:

Wir möchten einem internationalen Publikum die Möglichkeit geben, dieses umfangreiche Interview zu sehen, denn bisher lief es ja ausschließlich im deutschen Fernsehen. Die Berlinale ist ein guter Ort für dieses Screening.

Hintergrund ist die schwierige rechtliche Situation dieses Interviews. Laut FAZ sei das Interview mit Snowden im Zusammenhang mit einer geplanten Dokumentation “Abgehört und abgenickt” für den NDR entstanden, die am 5. Mai 2014 in der ARD laufen solle und im Widerspruch zur Ankündigung des weltweit ersten Interviews mit Edward Snowden nur im deuschen Fernsehen zu sehen war.

Die am Sonntag gezeigte Fassung ziele „auf die Verbreitung einer deutschen Version – entsprechend des Auftrags des NDR“. Daraus ergebe sich auch das „Geoblocking“ im Internet. [...] Auslandsrechte dürfe der NDR „prinzipiell nicht selbst verwerten“.

Insofern ist die Berlinale, schon immer als politisches Filmfestival bekannt, genau der richtige Ort, um das Interview einem internationalen Publikum in einem offiziellen Rahmen zu zeigen.

Allerdings war der Saal bei der Vorstellung nicht gerade bis auf den letzten Platz gefüllt. In der anschließenden Fragerunde mit Hubert Seipel lag der Schwerpunkt des Interesses auf der Person Edward Snowdens und den Umständen des Interviews, wie er wirke, ob er in Russland sicher sei. Dazu hatte Seipel bereits im Vorfeld ausführlich Auskunft gegeben. Snowden sei sehr präzise und konzentriert, für seine Sicherheit sei Sorge getragen. Neu war die Information, dass Seipel das Interview, das Ende Januar durchgeführt wurde, bereits seit Juli geplant hatte. Er vermutete: “Die Konkurrenz war sehr groß”.

Angesichts der Überwachungsaffäre waren Seipels Kommentare zu seinem eigenen Kommunikationsverhalten amüsant. Er sei “ein hoffnungsloser Fall”, was verschlüsselte Kommunikation angehe und stamme noch aus der “analogen Welt”. Dafür habe er andere, die dafür sorgen, dass er als investigativer Journalist sicher mit seinen Quellen in Kontakt treten könne.

Falls im nächsten Jahr Filme zum Thema Snowden, Hacker, Geheimdienste und Überwachung fertig gestellt würden, wäre ein thematischer Schwerpunkt auf der Berlinale wünschenswert. Das könnte sich Dieter Kosslick auch gut vorstellen:

Sollten sich solche Inhalte herauskristallisieren, spräche nichts gegen diese thematische Ausrichtung.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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January 26 2014

Erst auf Twitter, dann im Fernsehen: Snowden kommuniziert zunehmend mit der Öffentlichkeit

Am Donnerstag fand das hier angekündigte Twitter-Interview mit Edward Snowden statt. Unter dem Hashtag #AskSnowden konnten Fragen gestellt werden, die dann – mit viel Glück – beantwortet wurden. Aufgrund der Masse an Beiträgen war es wohl sehr schwer, eine Auswahl zu treffen. Diese findet man, mit den zugehörigen Antworten, auf http://freesnowden.is/asksnowden.html.

Nochmal in kurzer Zusammenfassung für euch: Snowden würde gern in die USA zurückkehren, das sei für ihn, die Allgemeinheit und die Regierung die beste Lösung. Doch unter den jetzigen Whistleblower-Schutzgesetzen sei das nicht möglich – denn diese beträfen Auftragnehmer [korrigiert: vorher "Angestellte"] der nationalen Geheimdienste nichteinmal. Außerdem sei kein fairer Prozess für ihn möglich, da der Espionage Act, unter dem er angeklagt ist, öffentliches Interesse nicht als legitimen Grund sehe, mit Geheimnissen an die Öffentlichkeit zu gehen.

Dabei habe er alles versucht, Kollegen und Vorgesetzte auf die Missstände aufmerksam zu machen. Auch habe er sich niemals, wie ihm manchmal vorgeworfen werden, Zugang zu deren Passwörtern verschafft. Er erkennt an, dass diejenigen Angestellten, die bei den Geheimdiensten arbeiteten, im Grunde beste Absichten hätten und sieht auch Geheimdienstarbeit an sich als notwendig an. Es sei der Umfang der stattfindenden Massenüberwachung, der zu weit ginge und auf internationaler Ebene reguliert werden müsse.

Doch Snowden gibt sich trotz der schwierigen Umstände optimistisch. Starke Kryptographie sei weiterhin ein wirkames Mittel, Kommunikation selbst gegenüber der NSA zu schützen; die Regierung stehe unter öffentlichem Druck und könne nicht mehr alles so lassen wie es derzeit sei und zuletzt vertraue er darauf, dass die Demokratie sich von dem Schaden, den sie genommen hat, wieder zu erholen:

Was unser Land stark macht, ist unser Wertesystem und nicht eine Momentaufnahme unserer Behördenstruktur oder Gesetzgebung. Wir können die Gesetze reformieren, die Ausuferung der Behörden eindämmen und die hochrangigen Beamten für die missbräuchlichen Programme zur Rechenschaft ziehen.

Ein interaktiver Dialog mit Snowden war bisher selten. Die meisten seiner Botschaften wurden durch Dritte überbracht – wie beim Besuch von Christian Ströbele, John Goetz und Georg Mascolo. Nun ist wieder ein deutscher Journalist, Hubert Seipel vom NDR, nach Moskau gereist und hatte die Gelegenheit, das weltweit erste Interview mit Snowden zu führen und aufzuzeichnen. Auszüge davon werden heute Abend ab 21:45 Uhr bei Günther Jauch ausgestrahlt. Diskutieren werden darüber, neben dem Journalisten Seipel selbst, John Kornblum, US-Diplomat und ehemaliger Botschafter, Hans-Christian Ströbele, Marina Weisband und Julian Reichelt von bild.de.

Das volle 30-minütige Interview wird anschließend um 23:05 Uhr ausgestrahlt, bis zur zugehörigen Dokumentation werden wir uns jedoch noch bis zum Frühjahr gedulden müssen. Uns erwartet also ein spannender Abend und ich bin gespannt, ob der vorher gezeigte Tatort es damit aufnehmen werden kann.

Was auffällt: Deutsche Medien stehen in der Berichterstattung über Snowden und den Bemühungen, mit ihm in Dialog zu treten, anderen voran. Das generiert zwar auf der einen Seite große mediale Aufmerksamkeit, auf der anderen Seite führt es zu noch viel Wichtigerem: Druck auf die Regierung und das EU-Parlament, endlich selbst eine Befragung Snowdens zustande zu bekommen. Letzteres hat zumindest am 9. Januar im LIBE-Ausschuss mit großer Mehrheit für eine Anhörung abgestimmt. Unklar bleibt noch, ob im Livechat oder aus Sicherheitsgründen mit vorher gesammelten Fragen mittels Videoaufzeichnung.

In Deutschland ist man noch nicht so weit. Zwar scheint mittlerweile zumindest ein Untersuchungsausschuss zur NSA-Affäre hochwahrscheinlich, aber zur Causa Snowdenbefragung werden wohl noch einige Diskussionen nötig sein. Da können journalistische Vorreiter nur nützlich sein, die Regierung mahnend auf ihre eigene Langsamkeit aufmerksam zu machen.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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