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February 25 2014

November 20 2013

Remixerin #25 Electric Indigo: “‘Recht auf Remix’ hört sich erfrischend an”

Logo von electric:indigo

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In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Electric Indigo.

Electric Indigo arbeitet seit 24 Jahren als DJ und macht seit 20 Jahren Musik. Als DJ spielt sie abstrakten, vielen Leuten eher düster erscheinenden Techno, dessen Strukturen von geradlinig über gebrochen bis zu beatfrei gehen. Als Musikerin und Komponistin verfolgt sie größtenteils eine experimentellere Richtung. Sie beschäftigte sich in den letzten Jahren sehr viel mit granularer Resynthese von gesprochener Sprache und der Dekonstruktion von Rhythmen und Klängen im Allgemeinen. Außerdem spielt die gezielte räumliche Verteilung von musikalischen Elementen eine sehr wichtige Rolle in ihren Werken.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Nur in Auftragsarbeiten. Ich mache gerne Remixes für Kolleginnen und Kollegen. Dabei versuche ich mit meist wenigen aber signifikanten Elementen des Originals eine für mich typische Version zu schaffen. Das gelingt mir in der Regel mittels (granularer) Dekonstruktion.

Du veröffentlichst teilweise auch Musik unter einer Creative-Commons-Lizenz und erlaubst damit anderen, sie zu remixen. Hast Du keine Angst, dass Leute damit Dinge tun, die Dir nicht gefallen?

Als GEMA-Mitglied darf ich das eigentlich nicht. Deshalb sollte man das nicht an die allzugroße Glocke hängen. Die CC-Lizenz setzt natürlich das Vertrauen voraus, dass sie auch eingehalten wird. Ich habe ein paar wenige Stücke und einige Sounds unter der Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported Lizenz der female:pressure Community zur Verfügung gestellt. Nein, ich habe keine Angst davor, dass deswegen jemand etwas ungutes damit macht. So was kann sowieso passieren. Auch wenn andere Leute meine Platten spielen, passiert das in einem von mir nicht kontrollierbaren Kontext und könnte völlig daneben sein. Sobald ein Werk veröffentlicht wird, entzieht es sich mehr oder weniger der Kontrolle und geht im besten Fall in eine Art Allgemeingut über.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein guter Remix ist eine überzeugende Neuinterpretation und kann dem Original oder der zugrunde liegenden Version zusätzliche Dimensionen verleihen. Er greift Ideen auf und führt sie auf originelle Art weiter.

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Nein. Ich arbeite nur mit Samples, wenn ich einen Remix machen soll – dann ist das natürlich erwünscht. Ich habe beim Musik Machen schon immer größte Freude bei der Suche nach Sounds empfunden.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit? 

Ein SoundCloud-Bot hat einmal eine Verwarnung geschickt, die völlig unbegründet war. Der einzige Zusammenhang zwischen meinem, angeblich ein Copyright-Infringement darstelltenden Track und dem “Original” war, dass beide auf der gleichen Compilation erschienen sind. Die SoundCloud-Admins haben auch sehr schnell auf meine Antwort und Klarstellung reagiert und gaben meinen Track gleich wieder frei. Das ganze Prozedere – von Verwarnung bis zur erneuten Freigabe – dauerte nur etwa 2 Stunden. Das war das einzige Erlebnis dieser Art.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ich finde, eine Vergütung sollte nur für kommerziellem Gebrauch gefordert werden. “Recht auf Remix” hört sich ganz erfrischend an. Die Frage ist aber natürlich, wie das gestaltet sein soll, wer soll wen vergüten, wie kann es exekutiert werden.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

“Queen In My Empire” von Rhythm & Sound with Jennifer Lara…

…das ist eine Neugestaltung von Cornell Campbell’s “King In My Empire”:

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet.

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October 01 2013

Nachschau: Panel zu C3S, GEMA und ‘Recht auf Remix’

Avatar_en_03 Beim diesjährigen Reeperbahn Festival Campus, dem Konferenzteil des Hamburger Musikfestivals, gab es unter anderem ein Panel mit dem Titel “Alles ist ein Remix? – Wird GEMA-freie Musik mit der C3S freier?“, bei dem neben Wolfgang Senges für die am Vortag gegründete C3S und GEMA-Justiziar Tobias Holzmüller auch ich für die Initiative “Recht auf Remix” eingeladen waren. Dass die Themen Remix und Verwertungsgesellschaften eher quer zueinander liegen, hat sich zwar gezeigt, gleichzeitig hat die Diskussion dennoch auch neues zu Tage gefördert.

Mittlerweile gibt es zwei Berichte, die die durchaus konstruktive und lösungsorientierte Stimmung der Veranstaltung ganz gut eingefangen haben. So schreibt das NDR-Online-Magazin N-Joy:

Ein Problem kann aber auch die C3S kaum aus der Welt schaffen: Den meisten Privatleuten, die einfach aus Spaß ein Video mit Musik bei Facebook oder einer Videoplattform hochladen, werden sich kaum mit den dafür notwendigen Rechten auseinanderzusetzen. “Das ist völlig lebensfremd”, sagt Leonard Dobusch vom Verein Digitale Gesellschaft. Die Nutzer können deshalb leicht urheberrechtliche Schwierigkeiten bekommen. Dobusch fordert, dass hier die Politik das Urheberrecht lockert, um Privatleuten ein “Recht auf Remix” zu geben.

Das Branchenportal Musikmarkt.de wiederum hat sich bemüht, auch widerstreitende Standpunkte möglichst akkurat wiederzugeben:

Sobald etwas im Netz auf YouTube auftauche, habe man es mit kommerzieller Nutzung zu tun – Internetkultur hin oder her. Dr. Holzmüller habe nicht den Eindruck, dass das Verständnis für eine solche Verwendung, auch wenn es sich um einen Remix handle, unter den GEMA-Künstlern sonderlich hoch sei.

Wolfgang Senges wies darauf hin, dass es unterschiedliche Urheber gebe und andere eben doch ein Verständnis dafür hegten. “Es gibt genauso gut die Urheber, die möchten, dass sie geremixt werden.” Doch warum brauche diese Kategorie von Urhebern – die, die ihre Werke möglichst weit verbreitet sehen will – überhaupt eine Verwertungsgesellschaft?”, wollte Dr. Holzmüller wissen. Für Dobusch war das offensichtlich: “Nur weil ich nichts dagegen habe, dass andere Leute meine Werke remixen, heißt das doch nicht, dass ich selbst kein Geld damit verdienen möchte.”

Für mich neu und sehr erfreulich war die Ansage von Tobias Holzmüller, dass es in der GEMA ernsthafte Überlegungen dahingehend gebe, zumindest die Nutzung einer Creative-Commons-Lizenz mit NonCommercial-Modul zu erlauben. Diese vorsichtige Ankündigung hat es aber leider in keinen der beiden Medienberichte geschafft.

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August 19 2013

Remixerin #14 DJ Aroma: “Recht auf Remix wäre ein Traum”

aroma

DJ Aroma

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: DJ Aroma.

DJ Aroma lebt momentan in Berlin und Portugal und bezeichnet sich selbst als Künstlerin, weil sie sich als Produzentin, Live Act und DJ nicht als Dienstleisterin versteht. Sie macht Musik mit unterschiedlichen Mitteln und einem sehr performativen Ansatz, der versucht aus der Beschäftigung mit dem Ort und der Art der Nutzung die beste Ästhetik zu entwickeln. Im normalen Cluballtag wird ihre Musik als „Deep House“ bezeichnet. Unter der Woche ist sie Labelmanagerin bei Aromamusic, WAAP und Audio Collective.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Die fieseste Verwertung von Werken Dritter findet ständig in meinem blonden Hinterkopf statt. Ich höre einen Track und er lässt mich nicht mehr los und dann lasse ich mich davon inspirieren. Das kann sein dass ich nur das Arrangement analysiere oder dass ich einen Sound besonders toll finde und den dann nachbaue. Ich bin auch ein großer Fan von Disco, da wird es dann allerdings schwieriger weil ich da bereits Loops im Kopf schneide , die ich dann nicht verwenden darf.

Wie geht es Dir damit, wenn Werke von Dir remixt werden? Hast Du keine Angst, dass Leute damit Dinge tun, die Dir nicht gefallen?

Ich bin da schmerzfrei, denn mein Track steht ja als Original im Raum.Wenn jemand anderes da etwas Ekelhaftes daraus macht, steht ja sein oder ihr Name drauf . Ich stelle mir gerade zum Beispiel vor, Guetta remixt DJ Aroma, da kommt bestimmt was ganz schlimmes raus – aber was soll’s, ich würde sicher viele neue tolle Geräte von dem Geld kaufen können, das mir so ein Remix einspielt, wenn das korrekt geregelt wäre.

Aber der Regelfall ist ja ein anderer, man macht Remixe mit Freunden und für Freunde oder Künstler die man mag und da ist das nur ein großer Spaß unter Musikschaffenden. Denn man kann beispielsweise seine Lieblingstracks von anderen so remixen, dass sie noch einmal die Dynamik eines anderen Produzenten oder einer anderen Produzentin bekommen. Ich habe in den letzten zwei Jahren so viele Remixes gemacht, dass ich gerade ein Remix-Album vorbereite, das im November erscheint.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein guter Remix ist auf jeden Fall eine eigene künstlerische Leistung in der Auseinandersetzung mit dem Werk. Die heute oft gängige Praxis ist: man nimmt einen sehr bekannten Track, legt einen Beat darunter und macht so den eignen Namen bekannter, aber Remix ist das keiner. Die Gründe hierfür liegen aber in einer anderen Problematik, denn heute regiert der Markt viel mehr als früher und den sogenannten Underground oder die Avantgarde gibt es kaum noch. Die meisten wollen heute mit Musik einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichen, denn nur so kommt man an Gigs. Das hat im Zuge des Überangebotes eine fiese Dynamik angenommen.

Wie ist Deine Herangehensweise an Remixes?

Es gibt viele Möglichkeiten, wie man an Remixe herangeht, ich mache das immer von dem Material abhängig, das ich habe. Manchmal gefallen mir nur ganz kleine Parts und manchmal bleiben große Reste von Vocals oder einer Hookline, da ist der Wiedererkennungswert höher. Das ist im Vorfeld schwer zu sagen. Heutzutage kann man kaum noch wirklich aufwendig produzieren, weil der Verkaufszyklus von Musik immer kürzer wird. Bei Vinyl konnte vor 10 Jahren ein Track durchaus ein Jahr verkauft werden, bei Mp3s ist das Zeitfenster im Normfall heute gerade mal 6 Wochen bis 3 Monate.

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Oh ja. Ich habe gerade mal wieder das aktuelle Problem weil ich mich an Disco vergriffen habe und genau weiß, wenn ich das herausbringe, dann bin ich auf der Flucht vor hungrigen Anwälten. Ich kann diesen Track nur live spielen, das ist legal. Aber bereits wenn ich den Liveact mitschneide und auf Soundcloud stelle, kann ich schnell ein Problem bekommen, also lasse ich es. Ich hätte kein Problem zu bezahlen, der Originalkünstler sollte ja auch seinen Anteil bekommen. Bei unserem Label regeln wir das immer 50% Original, 50% Remixer, das finden wir fair. Wenn man nicht solche „Unternehmen“ wie die GEMA hätte, die sich einfach weigern ein ordentliches Warenwirtschaftssystem bereit zu stellen, wäre auch die Abrechnung in einem größeren Rahmen kein Problem.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit? 

Ich habe bereits einen Prozess mit der GEMA geführt, weil ich keine Lust hatte für Dinge bei der GEMA zu bezahlen, die gar nicht aus deren Repertoire stammen. Das wird auch noch eine spannende Frage, wenn die GEMA einmal in einzelnen Tracks abrechnen muss, weil ich nämlich noch einen alten GEMA-Vertrag habe, indem die digitalen Rechte nicht enthalten sind. Mal sehen wie es auf dieser Tanzfläche weitergeht.

Was Abmahnungen betrifft bin ich sehr vorsichtig und halte mich da sehr genau an die Regeln. Für meine eigenen Werke mache ich von daher grundsätzlich keine Exklusivverträge, so dass ich das Recht an meinem Werk immer selbst behalte. Da gibt es dann vergleichsweise wenige Wege einen zu belangen. Ich habe zum Beispiel einmal einen Brief eines Anwaltes bekommen, der behauptete er würde die Rechteinhaber meiner Songs vertreten, da musste ich herzlich lachen.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ein vergütetes Recht wäre ein Traum und vor allem der Zeit angemessen. In absehbarer Zeit werden wir mit Samples und Loops wahrscheinlich gleich viel einspielen wie mit Tracks, da wäre es sinnvoll wenn man dann schon so weit wäre das zu vergüten. Die DJs werden aufgrund der neuen Technologien auch immer kreativer, was die Verwendung von Musik betrifft, da muss man Musik auch anders denken. Eine Grundforderung ist auch DJing als künstlerisch eigenständige Leistung zu honorieren, das verweigert die GEMA. Jeder Honk, der auf einem Klavier eine Taste trifft darf da als Künstler abrechnen, DJs aber nicht. Wenn man Tracks wie verlegte Werke betrachten würde könnte man ohne Probleme auch DJing als Kunstform anerkennen, dann gäbe es einen Anteil für die Aufführung bzw. Performance. Da ist wohl insgesamt ein grundsätzliches Neudenken erforderlich, da die letzten 30 Jahre technologisch und ästhetisch viel geändert haben. Bei Clubmusik ist das meiste Repertoire nicht GEMA-geschützt. Jetzt muss man sich nur mal vorstellen es würde im Clubkontext trackbasiert abgerechnet werden und nicht nach Gießkannen-Prinzip an die grossen Player verteilt, da würde viel mehr Geld an die Clubszene zurückfliessen.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Mein persönlicher Lieblingsremix ist momentan ein Track von Maurice Aymard aus Barcelona vom Galaktika Label. Der Track hat mich durch einen bösen Berliner Winter gerettet und da ich Maurice kenne habe ich ihn nach den Remix Files gefragt. Und dann waren wir uns einig dass wir kein Abrechnungskuddelmuddel wollen, sondern ihn verschenken. Freier Download auf meiner Soundcloudseite:

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet.

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August 17 2013

Breitband zum Thema “Wieviel Macht der GEMA?”

Heute um 14 Uhr widmet sich die Sendung Breitband auf Deutschlandradio Kultur dem Thema “Wieviel Macht der GEMA?“. Gründe diese Frage gerade jetzt zu stellen gibt es genug und sie reichen von Protesten gegen neue GEMA-Tarife über die fragwürdigen Äußerungen der GEMA zum Thema Creative Commons bis hin zur laufenden Crowdfunding-Kampagne für die GEMA-Alternative C3S.

Neben diesen Themen soll es bei Breitband aber auch um grundsätzlichere Fragen gehen:

Dahinter steht die größere Frage, wie sich die Verwertungsgesellschaften in der neuen digitalen Welt verändern müssen. Für wen sind sie da? Wessen Interessen vertreten sie? Und zuallererst: Warum gibt es überhaupt solche Verwertungsgesellschaften?

Zu Gast bei Philipp Banse sind zu diesen Fragen “Komponist, Sounddesigner, Technologieliebhaber und GEMA-Mitglied” Hans Hafner und der Journalist und Urheberrechtsexperte Ilja Braun

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August 05 2013

Remixer #12 Marcus Maack: “Zu einem großen Teil bekommen die Künstler Nichts”

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Marcus Maack (Foto: Anne Oschatz)

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Marcus Maack.

Marcus Maack ist als DJ unter dem Namen Der Vinylizer unterwegs. Auf ByteFM zeichnet er für Sendungen wie “BTTB – Back To The Basics” und “All Samples Cleared!?” verantwortlich. Außerdem ist er Mitveranstalter der Basspartyreihe “WobWob!” und Resident im Mojo Club.

In Deinen oder anderen Sendungen auf ByteFM werden bestimmt auch manchmal Remixes oder Mashups gespielt, die es so nirgends zu kaufen sondern nur im Netz als Download gibt. Wie werden in so einem Fall die Rechte geklärt?

Gute Frage. Wenn jemand Musik bei SoundCloud anbietet, muss er beim Upload bestätigen, dass er die Rechte an der Musik hält. Dementsprechend gehe ich beim Einsatz davon aus, dass ich das problemlos spielen darf. Ob wir als Radiosender überhaupt Rechte klären müssen, ist mir unklar. Immerhin gibt es ja die GEMA-Vermutung, die besagt, dass ich – wenn ich GEMA-freie Musik spielen möchte, der GEMA beweisen muss, dass die Musik GEMA-frei ist. Im Umkehrschluss würde ich vermuten, dass diese Vermutung auch für mich gilt, und ich mir keine Gedanken darüber machen muss, ob die Musik die ich spiele von der GEMA überhaupt abgedeckt wird oder nicht. Soweit ich weiß ist die GEMA dafür zuständig, dass die Künstler ihren Anteil bekommen. Dafür zahlen wir GEMA-Gebühren und geben entsprechende Tracklistings unserer Sendungen ab. Wobei ich mich seit Jahren frage, wieviel Geld die von mir gespielten Künstler letztendlich von den von uns gezahlten Gebühren bekommen. Ich würde wetten: Zu einem großen Teil bekommen die von mir gespielten Künstler Nichts.

Und wer bekommt dann die GEMA-Gebühren?

Wir geben Tracklistings ab, die rudimentäre Infos beinhalten (Artist, Titel, Label). Beim NDR enthalten die Tracklistings weitere Infos wie Autoren, Komponisten, Katalognummer und Labelcode. Seit Musik aber größtenteils als MP3 promotet und vertrieben wird, ist all das Kleingedruckte entfallen, das auf Plattencovern und in CD-Booklets unter den Titeln stand. Das heißt wir bekommen die wichtigen Infos wie Autor und Labelcode gar nicht mehr und können sie somit auch nicht weiter geben. Der GEMA scheint das egal zu sein – in 21 Jahren haben die noch nie nähere Infos zu irgendwelchen von mir gespielten Titeln angefordert. Da ich größtenteils britische Bassmusik spiele, denke ich, dass die GEMA-Gebühren für die von mir gespielte Musik zu 90% bei Dieter Bohlen, Phil Collins und Heino landen wird. Wohin der Rest geht ist mir unklar. Die von mir gespielten Künstler bekommen, wie oben bereits erwähnt, vermutlich nichts.

Wie sieht die Situation bei Mashups aus, die mehr als 2-3 verschiedene Stücke miteinander kombinieren?

Wo soll da der Unterschied sein? Ich gebe den Namen eines Künstlers an. Die GEMA hat diesen Namen noch nie gehört und wird das Geld halt irgendwohin überweisen. Ich würde mir sehr wünschen, dass das GEMA-System transparenter wäre. Aber um ehrlich zu sein glaube ich nicht, dass das in den nächsten 100 Jahren passieren wird.

Wie sind eigentliche die Rückmeldungen der Radio-HörerInnen auf Remixmusik, die es nicht bei iTunes zu kaufen gibt? 

Erstmal ärgert mich die Formulierung “die es nicht bei iTunes zu kaufen gibt”. Ich würde meine Musik nie bei iTunes kaufen. Es gibt auch andere Anbieter von Musik: Boomkat, Juno, Beatport usw. Außerdem spiele ich oft Musik, die es nur auf Vinyl gibt. Aber zur Frage: Wie sollen da schon die Reaktionen sein? Ich spiele fast ausschließlich Musik, die meine Hörer bei mir zum ersten Mal hören. Musik, die es “bei iTunes” nicht gibt. Das ist in meiner Sendung nicht wirklich etwas besonderes. Für freie Downloads von Soundcloud biete ich Playlisten an, so dass die Hörer sich die Musik selbst laden können. Darauf sind die Reaktionen ausgesprochen positiv.

Als DJ und Promoter bist Du auch in vielen Hamburger Cubs unterwegs und kennst die Szene. Was denkst Du: Welchen Stellenwert haben Remixes, Mashups und exklusive DJ-Versionen im Club?

Gerade für jüngere Musikrichtungen wie Trap haben solche Remixes einen sehr hohen Stellenwert. Es gibt unzählige Trap-Remixes bekannter Songs, die es so nie “bei iTunes” geben wird. Das ganze ist ungemein spannend und vielleicht vergleichbar mit den ganzen Maxis und Dubplates, die es in Hochzeiten der CD nie als CD sondern nur als Vinyl gegeben hat. Sie befruchten die musikalische Entwicklung ungemein und fordern sehr viel Einsatz vom DJ. Ähnlich wie man früher tagelang durch Plattenläden ziehen musste, um rare Remixes und Songs zu finden, muss man heutzutage stundenlang SoundCloud und YouTube durchforsten, um die besonderen Remixes und Songs zu finden.

Zum Abschluss: Was ist Dein persönlicher Lieblingsremix? Und warum? 

Osymyso’s Intro Inspection. 101 Popsongintros in 12 Minuten. Das Stück ist 2002 erschienen und das beste Mashup, das ich kenne.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Das Interview führte Georg Fischer.

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July 16 2013

C3S: faire Alternative zur GEMA per Crowdsourcing finanzieren

c3s_logo_iconDie “cultural commons collecting society” (C3S) ist eine 2010 gestartete Initiative, zur Gründung einer modernen Verwertungsgesellschaft für Musik. Dieser Schritt wurde als notwendig angesehen, da eine Vielzahl von Urhebern und Urheberinnen nicht oder nicht mehr von der GEMA vertreten werden wollen. Wer mit seinen Werken allerdings auch in der Öffentlichkeit stattfinden möchte, hat zur Zeit quasi keine Alternative zur GEMA. Aus diesem Grund wurde am vergangenen Sonntag eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, mit dem Ziel die C3S als feste Alternative zur GEMA etablieren zu können.

Die C3S unterscheidet sich in einigen Punkten wesentlich von der GEMA. So ist sie als Europäische Genossenschaft konzipiert und nicht als wirtschaftlicher Verein wie die GEMA. Darüber hinaus soll jedes Mitglied über gleiches Stimmrecht verfügen, unabhängig von finanziellen Umsätzen oder anderer Faktoren. Ein entscheidender Unterschied zur GEMA ist die Möglichkeit der Urheber und Urheberrinnen, der C3S nur die Vertretung einzelner Werke anzuvertrauen und nicht direkt den gesamten Werkkatalog. Und auch die Unterstützung alternativer Lizenzen als gleichberechtigtes Gegenstück zum klassischen Urheberrecht wird angestrebt. m.eik michalke, kulturpolitischer Sprecher der C3S dazu:

Unser Ziel ist eine Verwertungsgesellschaft, die sowohl für die herkömmlichen Lizenzierungsmodelle als auch für die Förderung neuer, verbraucherfreundlicher Modelle wie Creative Commons eintritt.


Mit der Crowdsourcing-Kampagne möchte die C3S mindestens 50.000 Euro einnehmen um die bisherige Arbeit fortsetzen zu können. Ziel der Kampagne ist es aber 200.000 Euro einzunehmen, die “eine gemeinschaftliche Investition in die Zukunft der Musik” erlauben. Die Kampagne auf startnext läuft noch bis zum 30. September. Dennoch steht der Gründungstermin für C3S schon fest: der Startschuss soll am 25. September während des Reeperbahn Festivals in Hamburg erfolgen.

Hier noch ein Video der Initiative, welches auch auf der Webseite des C3S und auf der Kampagnenenseite samt weiterer Informationen zu finden ist:

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August 24 2012

GEMA-Alternative: Cultural Commons Collecting Society C3S veranstaltet Barcamp in Berlin

Die Initiative zur Gründung der Cultural Commons Collecting Society veranstaltet am 2. September ein Barcamp im Berliner Supermarkt. Die C3S will eine Alternative zur GEMA ins Leben rufen und eine Verwertungsgesellschaft zum Anfassen sein. Kurz vor der Berlin Music Week will sich das Team vorstellen und mit allen Interessierten diskutieren.

Dazu gibt es eine Seite auf startnext:

Ihr sollt wissen, mit wem Ihr es zu tun habt. Wir möchten Euch kennenlernen. Die C3S braucht Euren Support – indem Ihr anderen davon erzählt, uns aktiv im Team oder finanziell unterstützt. Jede(r) Supporter(in) wird benötigt.

Dieses Barcamp ist der Anfang. Wir kommen zu Euch, auch in andere Städte – nur, es will finanziert sein. Derzeit hat die C3S keinen Sponsor und erhält keine finanzielle Unterstützung. Umso mehr freuen wir uns über Eure Unterstützung, denn Ihr macht das Projekt möglich.

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July 31 2012

Bundesregierung: Webseiten lahmlegen ist keine Online-Demonstration, lieber Massen-E-Mail-Proteste

Die Bundesregierung sieht im Lahmlegen von Webseiten keine Art der politischen Demonstration, da diese nur in der realen Welt stattfinden können. Das geht aus ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor. Proteste mit massenhaften E-Mails fallen ihrer Meinung nach aber unter das Grundrecht der Meinungsfreiheit.

Letzten August griff Anonymous die Webseite der Verwertungsgesellschaft GEMA an, um gegen die Sperrung von Videos mit Musik zu protestieren. Die GEMA stellte Strafanzeige wegen Computersabotage, woraufhin das Bundeskriminalamt zwischen Dezember und April die Anschlussinhaber von 106 IP-Adressen abfragte. Im Juni folgten dann Hausdurchsuchungen bei den Betroffenen.

Die Bundestagsfraktion der Partei Die Linke stellte 22 Fragen zur “Repression gegen Jugendliche wegen virtueller Proteste gegen die GEMA” an die Bundesregierung. Die vorläufige Antwort ist nun erhältlich. Da das Bundeskriminalamt jedoch nur eine koordinierende Funktion einnahm und die eigentlichen Ermittlungen und Durchsuchungen von den jeweiligen Landesbehörden vorgenommen wurden, sind die Antworten nicht so umfassend wie von den Fragestellerinnen erhofft.

Den eigentlichen Vorgang beschreibt die Regierung wie folgt:

Im Rahmen der Ermittlungen konnte festgestellt werden, dass ein webbasiertes LOIC (Low Orbit Ion Cannon) für den Angriff genutzt wurde. Dabei nutzen die Teilnehmer der Distributed Denial of Service Attack (DDoS-Attacke) die Pastehtml-Webseite. Um den Angriff auszulösen, ist die aktive Betätigung des in diesem Fall mit „Feuer Frei“ benannten Buttons erforderlich. Dadurch wird ein „Angriffsscript“ (Java-Script) an den anfragenden Computer des selbst aktiv handelnden Teilnehmers übertragen, das durch den Browser des Aufrufers interpretiert und ausgeführt wird. Daraufhin erfolgen die massenhaften Anfragen (DDoS-Attacke) durch den Computer des Teilnehmers (nicht durch die Pastehtml-Seite) auf die „anzugreifende Webseite“. Weitere für die DDoS-Attacke genutzte Tools wurden nicht festgestellt.

Ob Nutzung, Besitz oder Herstellung von Software wie LOIC strafbar ist, überlässt man den Strafverfolgungsbehörden und Gerichten:

Unabhängig von dem konkreten Fall kann darauf hingewiesen werden, dass bei einer Nutzung von Computerprogrammen zur Herbeiführung einer „Denial of Service-Attacke“ eine Strafbarkeit wegen Computersabotage nach § 303b StGB in Betracht kommen kann. Bei einer solchen Attacke werden die Dienste eines Servers durch eine Vielzahl von Anfragen derart belastet, dass dessen Aufnahme- und Verarbeitungskapazität nicht ausreicht und somit der Zugang für berechtigte Kontaktaufnahmen mit dem Server blockiert oder zumindest erschwert wird. Bei einem koordinierten Angriff, der von einer größeren Anzahl anderer Systeme ausgeht, wird von einer „verteilten Dienstblockade” gesprochen (DDoS-Attacke).

Ob eine DDoS-Attacke eine Straftat im Sinne des § 303b StGB (Computersabotage) darstellt, obliegt der Prüfung im Einzelfall durch die zuständigen Strafverfolgungsbehörden und Gerichte. Allgemeine Vorschriften zur Einschätzung gibt es bei Bundesbehörden nicht.

Als Demonstration möchte man diese Aktionsform nicht bezeichnen, da diese nicht virtuell gehen:

Was die Frage des Versammlungsrechts angeht, so ist darauf hinzuweisen, dass eine Versammlung im Sinne von Artikel 8 des Grundgesetzes die gleichzeitige körperliche Anwesenheit mehrerer Personen an einem Ort erfordert. Mangels Körperlichkeit sind virtuelle Versammlungen etwa im Internet daher im verfassungsrechtlichen Sinne keine “Versammlungen”. Aus dem angesprochenen Artikel ergibt sich keine andere Bewertung.

Statt Webseiten zu überlasten, solle man es doch lieber mit E-Mail probieren:

Unabhängig von dem konkreten Fall kann darauf hingewiesen werden, dass es für eine Strafbarkeit wegen Computersabotage nach § 303b Absatz 1 Nummer 1 StGB darauf ankommt, dass der Täter in der Absicht handelt, einem anderen einen Nachteil zuzufügen. Dazu muss der Täter mit dem Bewusstsein vergehen, dass eine nachteilige Folge oder Beeinträchtigung rechtmäßiger Interessen die notwendige Folge seiner Tat ist. Der Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages hat hierzu in seinem Bericht vom 23. Mai 2007 zu der entsprechenden Gesetzesänderung ausgeführt, dass er davon ausgehe, dass sogenannte Massen-E-Mail-Proteste ohne eine solche Nachteilszufügungsabsicht geschähen und nicht den Tatbestand der Computersabotage erfüllten, sondern von der Meinungsfreiheit nach Artikel 5 GG gedeckt seien (BT-Drs. 16/5449, Seite 5, vom 12. April 2011). Damit besteht aus Sicht der Bundesregierung bereits auf der Basis des geltenden Rechts ausreichend Spielraum für die Strafverfolgungsbehörden und Gerichte, um bei politisch motivierten Protestaktionen Aspekte der Meinungsfreiheit erforderlichenfalls zu berücksichtigen.

Das war zumindest die Auffassung des Rechtsausschusses zum Hackerparagraf-Gesetz.

Bundesbehörden haben im aktuellen Fall “keine verdeckten Ermittlungsmaßnahmen durchgeführt oder Informationen von verdeckten Ermittlern/Informanten verarbeitet.” Die Frage, ob es weitere Ermittlungsverfahren gegen Anonymous gibt, will man nicht beantworten, weil man zu laufenden Verfahren keine Auskunft geben kann. Die Webseite auf PasteHTML.com, mit der die ursprüngliche Aktion durchgeführt wurde, ist übrigens immer noch online, eine Löschung hat man nicht versucht.

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December 09 2011

Youtube: Geo-Sperrung leicht umgehen

Viele kennen das Problem: Man möchte auf Youtube ein (Musik-)Video anschauen und es ist in Deutschland aus (GEMA-Streit-)Gründen gesperrt. Eine sehr leichte Umgehungsmethode wurde mir gerade erzählt. Erstmal war es gar nicht so einfach, ein Video zu finden, was tatsächlich gesperrt ist, um das zu testen. Alle Anwesenden im Büro haben wohl den falschen Musikgeschmack. Eine kurze Anfrage bei Twitter brachte aber innerhalb der ersten zwei Minuten mehr Antworten als wir brauchten.

Auf jeden Fall ist die Umgehung ziemlich einfach: Einfach im Browserfenster ein “ss” vor youtube.com/… eingeben. Also statt http://www.youtube.com/… einfach http://www.ssyoutube.com/… eingeben und man wird weitergeleitet zu einer Plattform namens savefrom.net. Dort kann man zwar das Video nicht anschauen, dafür ein verschiedenen Formaten herunterladen. Auch praktisch. Wir haben das mal mit Justin Bieber ausprobiert, weil wir feststellten, dass niemand im Raum jemals Justin Bieber angehört hat (Alle Anwesende waren auch älter als 22) und der Kleine sicher gesperrt ist. War er auch.

Aber: don´t try this at home. Ist sicher nicht legal. Also der Service, weniger die Nutzung. Dafür praktisch ohne Brower-Extension. Wer letztere mag, kann gerne Proxytube für Chrome oder Firefox ausprobieren. Und dann gibt es noch unblockyoutube.us.

July 19 2011

Wieder auf Youtube zu sehen: Sita sings the blues

“Sita Sings the Blues”, der animierte Film von Nina Paley, ist wieder in Deutschland auf Youtube zu sehen. Wer genau schuld ist und warum der Film jetzt wieder sichtbar ist, ist immer noch unklar. Die Gema sagt, sie ist nicht schuldig und verweist auf Youtube. Und Youtube verweist auf die Gema.

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June 22 2011

Bundeswehr auf Youtube: Dieser Kanal ist in deinem Land nicht verfügbar

Die Bundeswehr hat einen eigenen Youtube-Kanal. Oder hatte? Das ist im Moment etwas unklar, wenn man auf youtube.com/bundeswehr klickt. Dort findet sich nur noch die Fehlermeldung “Dieser Kanal ist in deinem Land nicht verfügbar.”

Da bei der Bundeswehr gerade wohl auch niemand so genau weiß, wohin der Youtube-Kanal geflüchtet ist, bleibt nur die Frage: War es die GEMA oder ist der Kanal nur noch für Soldaten im Auslandseinsatz sichtbar?

Heute Nacht war der Kanal noch verfügbar, wie ein Blick in den Google-Cache zeigt.

(Ist der Kanal eigentlich außerhalb Deutschlands gerade verfügbar?) Lustigerweise scheint der Kanal überall außerhalb von Deutschland erreichbar zu sein. Insofern ist wohl die Message: Kein Einsatz der Bundeswehr im Inneren.

(Danke an Thomas Wiegold für den Hinweis)

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