Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

February 24 2014

Abschaffung der Netzneutralität – Netflix zahlt für Streaming-Qualität

Nachdem Verizon den Gerichtsstreit gegen die Federal Communications Commission in erster Instanz gewonnen hatte, war und ist die Netzneutralität in den USA vorerst außer Kraft gesetzt. Das schadet den Kunden und den Content Providern. Aber nicht nur kleinere Anbieter sind betroffen, sondern auch der Video-Streaming-Dienst Netflix, der von den ISPs gedrosselt wird, um ihn zu Zahlungen zu bewegen, damit die Dienstqualität nicht soweit abnimmt, dass die Kunden sich abwenden.

Netflix verursacht circa ein Drittel des nordamerikanischen Internetverkehrs, was den Dienst zu einem attraktiven Drosselungsziel macht. Daher haben ISPs wie Verizon und Comcast von Netflix Zahlungen verlangt, um deren Streams nicht weiter zu verlangsamen. Gegenüber Comcast, dem größten Kabelnetzbetreiber Amerikas, ist Netflix eingeknickt und wird Zahlungen leisten. Es hatte seit Monaten Verhandlungen gegeben, da Netflix von Comcast die kostenlose Bereitstellung seines Streamingangebots an deren Kunden forderte, damit wäre auch verbunden gewesen, dass Netflix seine Server in Comcasts Datencentern betreiben wollte.

Die Situation hat sich mit dem Ergebnis der Verhandlung ins Gegenteil vergekehrt. Nachdem seit Oktober die Geschwindigkeit der Netflix-Streams für Kunden von Comcast um durchschnittlich 27% abgenommen hatte, willigte Netflix in die Zahlungen ein und darin, seine Server selbst in Datencentern von Drittanbietern zu hosten, auf die Comcast jedoch immerhin direkt zugreifen wird. Das umgeht die Nutzung von externen Content Delivery Networks, deren Nutzung mit zusätzlichen Kosten und Unsicherheiten für die Servicequalität verbunden ist.

Der Ausgang der Verhandlungen dürfte dazu führen, dass andere ISPs wie AT&T, Verizon und Time Warner – die im Übrigen vorraussichtlich bald mit Comcast fusionieren werden – den Druck auf Netflix erhöhen werden, ihrerseits bezahlt zu werden. Vor Netflix hatten Mitte letzten Jahres auch schon Google, Facebook und Microsoft in ähnliche Verträge eingewilligt.

Der genaue Betrag der Zahlungen ist nicht bekannt, die New York Times berichtet von mehreren Millionen Dollar pro Jahr. Auch wenn die FCC es schaffen sollte, ihre Regeln für ein offenes Internet so neuzugestalten, dass auch ISPs davon betroffen sind und ein gewisses Maß an Netzneutralität bieten müssen, ist fraglich, ob solches “Paid Peering” unter diese Regelung fällt. Denn im Gegensatz zu Sponsored Content und Premium-Diensten wird die Verletzung der Netzneutralität nicht direkt am Kunden ausgetragen, sondern hinter den Kulissen. Was am Effekt nichts ändert, denn die Mehrkosten werden sicher weitergegeben.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

February 20 2014

FCC hat neuen Plan zur Rettung der Netzneutralität in den USA

Anfang des Jahres hatten wir die Netzneutralität in den USA für beerdigt erklärt. Der ISP Verizon hatte gegen die amerikanische Federal Communications Commission geklagt. Die FCC hatte 2010 in der Open Internet Order - immer noch recht schwammige  -Richtlinien gegen das Blockieren und Filtern und für mehr Transparenz erlassen. Regeln zur Netzneutralität für Internetanbieter festzulegen, befände sich aber außerhalb des Kompetenzbereiches der FCC und stelle damit einen illegitimen Eingriff dar, behauptete Verizon und bekam damit vor dem Bezirksgericht Washington Recht.

Die FCC hat nun, entgegen ihrem Statement nach der Urteilsverkündung, bekanntgegeben, sie werde keinen Einspruch gegen das Urteil einlegen. Stattdessen wolle sie die 2010 erlassenen Richtlinien neu auflegen, denn die Probleme entstanden primär daraus, dass die alten Richtlinien sich durch ein Definitionsproblem nicht explizit auf Internet- sondern nur auf normale Telekommunikationsanbieter bezogen und Verizon diese Lücke für seine Argumentation ausgenutzt hat. Eine neue Aufstellung der Regeln könnte die Regulierungskompetenz der FCC auf Internetanbieter ausdehnen, indem Abschnitt 706 des Telecommunications Act herangezogen wird, der Breitbandinternet als “Advanced Communications Ability” in den Regulierungsbereich der FCC einschließt.

Zuvor hatte es auch eine Petition gegeben, die Obama aufforderte, die FCC anzuweisen, ISPs in die Definition der Telekommunikationsanbieter mitaufzunehmen. Das Weiße Haus antwortete, es unterstütze die Petition und führte aus, weshalb Netzneutralität wichtig sei. Es merkte aber an, dass die FCC eine unabhängige Institution sei. Überdies habe sich der Vorsitzende der FCC bereits geäußert, die Netzneutralität auf jeden Fall retten zu wollen. Doch auch wenn es neue Regeln geben wird, heißt das noch nicht, dass die Netzneutralität gesichert ist. Gefahren bestehen außerdem dadurch, dass sich der Markt immer weiter monopolisiert, wie zuletzt durch den angekündigten Zusammenschluss der beiden größten amerikanischen Kabelanbieter Comcast und Time Warner Cable. Auch wenn der stellvertretende Geschäftsführer von Comcast, David Cohen, genau das Gegenteil behauptet, denn immerhin gälten FCCs Regeln nach dem Zusammenschluss auch für den früheren Wirkungsbereich von Time Warner. Diese galten früher als ISP, denn auch die angebotenen Telefondienste basieren auf Internettelefonie.

Aber trotz der Ereignisse in Amerika: Auch die europäische Netzneutralität sollte nicht vergessen werden. Denn zur Rettung der Netzneutralität ist nur noch bis nächste Woche Zeit, dann stimmt der Industrieausschuss des EU-Parlaments ab. Zeit, aktiv zu werden!

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

January 14 2014

Verizon gewinnt in erster Instanz gegen FCC – Keine Netzneutralität mehr in den USA

Heute hat das Bezirksgericht Washington der Klage des amerikanischen Internetserviceproviders Verizon gegen die Federal Communications Commission (FCC) statt gegeben. Damit hat Netzneutralität in Amerika keine rechtliche Grundlage mehr.

2010 stellte die FCC drei Regeln zur Netzneutralität im sogenannten “Open Internet Order” auf. Darüber wurde fest gelegt, dass Internetprovider jederzeit transparent über ihre Verwaltung des Datenverkehrs informieren müssen, keine Inhalte blockieren und Datenpakete nicht “unangemessen” diskriminieren dürfen. Verständlicherweise (wir kennen das ja nur zu gut aus Deutschland) waren die ISPs nicht erfreut über diese Regelung und Verizon legte im Bezirksgericht Washington im September 2011 Klage gegen den FCC. Der Vorwurf: Die Regeln zur Netzneutralität festzulegen, befindet sich außerhalb des Kompetenzbereiches der FCC und stellt damit einen illegitimen Eingriff dar.

Nun hat das Gericht die “no blocking” und “no discrimination” Bestandteile des Open Internet Orders für nichtig erklärt. Ein Grund dafür ist der wackelige rechtliche Boden, auf dem die FCC damals den Open Internet Order formuliert hatte. 2002 entschied die FCC, Internetprovider explizit nicht als “common carriers”, per FCC Definition die übrigen Telekommunikationsanbieter, aufzufassen. Diese Entscheidung hatte auf das heutige Urteil weitreichende Konsequenzen, denn damit habe der Open Internet Order, der Argumentation von Verizon und dem Gericht zufolge, die Internetprovider unrechtsmäßig reguliert.

Given that the Commission has chosen to classify broadband providers in a manner that exempts them from treatment as common carriers, the Communications Act expressly prohibits the Commission from nonetheless regulating them as such. Because the Commission has failed to establish that the anti-discrimination and anti-blocking rules do not impose per se common carrier obligations, we vacate those portions of the Open Internet Order.

Der CEO von Free Press, Craig Aaron , machte deshalb die FCC, respektive ihren ehemaligen Vorsitzendens Julius Genachowski, deshalb für das Urteil mitverantwortlich:

“[Julius Genachowski] made a grave mistake when [the FCC] failed to ground its open Internet rules on solid legal footing. Internet users will pay dearly for the previous chairman’s lack of political will.”

Die FCC und NGOs wie Public Knowledge behalten sich vor, den Fall zur Not auch bis zum Supreme Court zu tragen, wobei der aktuelle FCC-Vorsitzende Tom Wheeler zuletzt eher zweideutige Aussagen über die Netzneutralität getätigt hat. Es ist zwar noch kein endgültiges Wort gesprochen, aber das Prinzip der Netzneutralität existiert in Amerika erst einmal nicht mehr.  

Und natürlich ist das kein reines amerikanisches Problem. Content-Anbieter werden sich so oder so mit dem neuen amerikanischen Standard auseinander setzen und der aktuelle Kommissionsvorschlag für eine europäische Netzneutralitätsverordnung ist eine Mogelpackung. Aus diesem Grunde hat die Digitale Gesellschaft als Teil eines europäischen Bündnisses verschiedenster Bürgerrechtsorganisationen die Kampagne Save the Internet ins Leben gerufen. Wir haben jetzt die Chance, echte Netzneutralität auf europäischer Ebene zu verankern. 

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

January 07 2014

AT&T will ‘sponsored data’ und Netzneutralität über Bord werfen

Gestern kündigte das amerikanische Telekommunikationsunternehmen AT&T im Rahmen der Elektronikmesse CES den Service “Sponsored Data” für Mobiltelefone an. Künftig können damit Unternehmen als Sponsoren für Webinhalte auftreten. Die Verbindungskosten, die AT&T KundInnen beim Aufrufen dieser Inhalte hätten, würden durch die Sponsoren übernommen werden. Das Unternehmen stellte im gleichen Atemzug klar, dass gesponsorte Inhalte bei der Datenübertragung nicht gegenüber anderen priorisiert werden sollen. Der AT&T CEO Randall Stephenson hatte schon im Mai 2013 die Vision eines von Unternehmen subventionierten Internetzuganges auf einer Investorenkonferenz an die Wand gemalt.

Offiziell will AT&T damit Unternehmen Anreize für Werbeangebote schaffen. Es wäre jedoch naiv zu glauben, dass es dabei bleiben würde. Selbst wenn die Datenübertragung und die Geschwindigkeit der Pakete von diesem Service unangetastet bleibt, können Aussichten auf erheblich reduzierte Telefonrechnungen das Nutzungsverhalten der KundInnen massiv beeinflussen. Der Deal der Telekom mit Spotify ist ein Beispiel dafür, wie ein künstlicher Wettbewerbsvorteil durch den Wegfall von Verbindungskosten zu bestimmten Diensten erzeugt werden kann. Start-Ups und kleinere Unternehmen, die aus finanziellen Gründen keine “managed services” werden können, werden durch diese Regelung benachteiligt. Die Grundidee hinter Netzneutralität wird verletzt.

The company that connects you to the internet should not be in a position to control what you do on the internet. AT&T’s announcement positions itself to do just that.

Die NGO Public Knowledge appellierte sofort an die amerikanische Federal Communications Commission (FCC), die VerbraucherInnen gegenüber Internet Service Provider AT&T zu verteidigen. Aktuell befindet sich die FCC in einem Verfahren um die rechtliche Grundlage für Netzneutralität gegen AT&Ts größten Mitbewerber Verizon, welches demnächst entschieden werden sollte. Verizon selbst scheint laut Quellen der New York Times an einem ähnlichen Service zu arbeiten. 

 

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

September 10 2013

“FCC vs. Verizon”: Die Zukunft der Netzneutralität in den USA wird vor Gericht entschieden

Gestern haben sich die amerikanische Federal Communications Commission (FCC) und das amerikanische Telekommunikationsunternehmen Verizon vor Gericht zur ersten mündlichen Verhandlung getroffen, in der es um nicht weniger als die Zukunft der Netzneutralität in den USA geht. Im Jahr 2010 hatte die FCC Regeln zur Netzneutralität beschlossen, an die sich die Provider zu halten haben. Das Gericht soll in dem Verfahren, das von Verizon gegen die FCC geführt wird, nun klären, ob die FCC überhaupt die rechtliche Grundlage besitzt Regeln zur Netzneutralität zu erlassen.

Die 2010 von der FCC vorgestellte “Open Internet Order” enthält nur drei Regeln. mit denen die Netzneutralität gesichert werden soll. Erstens sollen die Internetprovider transparent angeben, wie sie mit dem Datenverkehr in ihren Netzen umgehen, damit Kunden besser informiert werden. Zweitens wird es den Internetprovidern verboten bestimmte Daten in ihren Netzen zu blockieren. Alle Daten sollen gleich behandelt werden. Und drittens sollen die Internetprovider keine “unangemessen” Diskriminierungen bestimmter Dienste vornehmen, um eigene Dienste zu bevorzugen.

Am 30. September 2011 legte jedoch der amerikanische Telekommunikationskonzern Verizon bei einem Bezirksgericht in Washington Einspruch gegen die “Open Internet Order” ein. Die Begründung: Die FCC, und damit die Regierung der USA, habe nicht die Autorität, Regeln für das Internet zu erstellen. Zusätzlich gibt Verizon an, dass die “Open Internet Order” gegen den 1. und 5. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten verstoße. The Verge dazu:

The Fifth Amendment, it says, protects against having to give other companies a “permanent easement” on its network, claiming a kind of unfair digital eminent domain. And it argues that the First Amendment says the FCC can’t force it to distribute others’ “speech” (like video or calling services) without the chance to decide how it’s transmitted.

Susan Crawford, Professorin an der Benjamin N. Cardozo School of Law und ehemalige Beraterin von Barack Obama in Fragen der Wissenschaft, Technologie und Innovationen, erklärt dem Time Magazin die Bedeutung des Verfahrens:

Verizon vs. FCC presents a very significant historical moment. The question presented by the case is: Does the U.S. government have any role in ensuring ubiquitous, open, world-class, interconnected, reasonably priced Internet access?

Wie das Gericht in seinem Grundsatzurteil entscheiden wird, ist zur Zeit nicht absehbar. Die FCC scheint aber 2002 einen entscheidenden Fehler gemacht zu haben, der ihr nun nach zu hängen scheint. Damals entschied sie nämlich, Internetprovider anders als “normale” Telekommunikationsanbieter zu behandeln, womit sie entscheidenden Einfluss auf die Internetprovider verlor. Jennifer Yeh von Free Press sagte gegenüber The Verge:

The FCC would have been on stronger footing if it had exercised its direct authority over telecommunications services.

Zwei der drei Richter scheinen dieses nun ähnlich zu sehen, wie die New York Times berichtet. Demnach würden die beiden Richter Laurence H. Silberman und David S. Tatel der Meinung sein, dass die FCC Regeln für Telefonverbindungen, nämlich dass alle Daten gleichwertig behandelt werden müssen, illegal auf die Infrastruktur des Internets anwenden würde. Die dritte Richterin, Judith W. Rogers, schien sich hingegen zu der Position der FCC zu bekennen.

The Verge hingegen berichtet von einem Urteil aus dem April diesen Jahres, welches der FCC wiederum “Munition” in die Hand gebe:

In particular, they point to City of Arlington v. FCC, a 2013 case that could give the FCC the ammunition it needs. City of Arlington essentially holds that when Congress has made an ambiguous law, the agency is allowed to make a call on its own, and courts must defer to it when it does. The ruling arguably doesn’t apply to all kinds of authority, and it’s possible it won’t be used to determine the Verizon case — but if it does, David Sohn of the pro-net neutrality Center for Democracy and Technology says it “certainly cuts in favor of the FCC.”

Das Urteil im Fall „Verizon vs. FCC“ wird gegen Ende diesen Jahres oder Anfang des nächsten Jahres erwartet, wie die New York Times schreibt.

Zur Zeit laufen eine Reihe verschiedener Kampagnen in den USA, um das Thema Netzneutralität wieder in die Öffentlichkeit zu holen. Bereits gestern berichteten wir über die Mockumentary “The Internet Must Go”, die das Thema Netzneutralität auf lustige Art und Weise beschreibt. Susan Crawford, Larry Lessig und Tim Wu, die allesamt auch an dem Film mitgearbeitet haben, haben sich gestern zu einer Fragestunde auf reddit eingefunden. Und Public Knowledge hat eine Timeline mit den wichtigsten Ereignissen rund um das Thema Netzneutralität in den USA erstellt, die wir hier mit bestem Dank einbinden. Die Timeline steht unter der Lizenz Creative Commons BY-SA.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

July 23 2013

FCC Studie: ‘Letzte Meile’ nicht zwangsläufig Flaschenhals für Datenverkehr

In einer US Amerikanischen Studie, die den Datenverkehr in 16 ISP-Netzwerken von rund 10.000 Routern untersucht hat, wird dargelegt, dass die berühmte ‘letzte Meile’ vom ISP zum Kunden nicht notwendigerweise der Flaschenhals und somit die Ursache für ‘Datenstau’ (hohe Latenzen und langsame Übertragungsgeschwindigkeiten) sein muss.

 

2010 hat die amerikanische Federal Communications Commission (FCC) eine 4-jährige Langzeitstudie gestartet, mit dem Ziel, ein besseres Verständnis bzgl. Ausbau, Geschwindigkeit und ‘Datenstau’ auf der ‘letzten Meile’ zu bekommen. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen SamKnows wurden dazu 10.000 Router in Unternehmen und privaten Haushalten installiert, die sich insgesamt auf 16 ISP-Netze verteilen. Die Router sind mit einer speziellen Firmware ausgestattet, die in regelmäßigen Abständen Latenz- und Datendurchsatz-Tests durchführt.

Nun haben Daniel Genin und Jolene Splett vom National Institute of Standards and Technology einen ersten ‘Zwischenbericht’ verfasst und die bisherigen Daten analysiert. Dabei kamen ein paar interessante Erkenntnisse zutage.

  • Netzwerküberlastungen sind unterschiedlich zwischen Kabel- und DSL-Prodivdern
  • Etwa 1/3 der Netzwerküberlastungen bei DSL-Providern treten nicht in der ‘letzten Meile’ auf.
  • Nur ein Bruchteil der Netzwerküberlastungen bei Kabel-Providern liegen in der ‘letzten Meile’.
  • Die Ursache für die meisten Netzwerküberlastungen, unabhängig ob Kabel- oder DSL-Anschluss, scheint nicht in der ‘letzten Meile’ zu liegen.

Taken at face value these numbers seem to suggest that a significant amount of congestion, especially for cable connections, occurs deeper in the network, perhaps, in the “middle mile” or even farther, where the ISP connects to the “public Internet”. This is somewhat contrary to the popular belief that the edge is more congested than the core. (Quelle: Studie S. 6)

Wie jede Studie, hat auch die der FCC Limitationen. Zusätzlich muss man bedenken, dass man die Erkenntnisse aus den US amerikanischen Netzwerken nicht 1:1 auf die deutsche Infrastruktur übertragen kann. Ein Indiz dafür ist schon in den erreichten ‘realen’ Bandbreiten zu finden. Während in der amerikanischen Studie die DSL-Provider die realistischere Einschätzung bzgl. ‘realer’ Geschwindigkeit gegeben haben, ist in Deutschland genau das Gegenteil der Fall:

In this data set, DSL broadband provided connections on average delivering download speeds above 80% of the assigned speed tier more than 80% of the time. By contrast, a significant fraction of cable connections received less than 80% of their assigned speed tier more than 20% of the time. (Quelle: Studie S. 5)

So schreibt die Bundesnetzagentur in ihrer diesjährigen Studie, in der sie die “bis zu”-Taktik der Internetprovider kritisierte, dass nur ein Bruchteil der DSL-Kunden die vermarktete “bis zu”-Geschwindigkeit wirklich erreicht hatten. (Wir berichteten)

Die geringsten Abweichungen von der vermarkteten Download-Datenübertragungsrate traten bei Kabelanschlüssen auf.

Und das Wirtschaftsministerium merkte an:

Die Unternehmen stehen nun in der Pflicht, die Versorgung ihrer Kunden ihren vertraglichen Zusagen entsprechend zu verbessern oder zumindest im Vertrag deutlich zu machen, welche Bandbreiten tatsächlich erreicht werden können.

Hier scheint es also zunächst einen systemischen Unterschied in der Infrastruktur zwischen Deutschland und den USA zu geben, wodurch die (vorläufigen) Ergebnisse nicht direkt Rückschlüsse auf Deutschland zulassen. Warum ist es also dann so interessant? ISPs argumentieren immer wieder, dass aktives Netzwerkmanagement nötig ist, um Netzwerküberlastungen der ‘letzten Meile’ zu verhindern. Gleichzeitig veröffentlicht kein Provider Netzwerkdaten bzgl. Auslastung, Latenz, etc. für sein eigenes Netzwerk mit der Begründung, dass es entweder ein Dienstgeheimnis sei, oder dies aus Datenschutzgründen nicht möglich sei. Somit weiß man schlichtweg nicht, ob das Problem wirklich an der ‘letzten Meile’ liegt.

Genau hier setzt die FCC Studie an und bringt zumindest ein erstes, kleines Licht ins Dunkel. (Die amerikanische Cooperative Association for Internet Data Analysis fordert seit Jahren mehr Offenlegung der Nutzungsdaten seitens der ISPs) Und unter diesem Licht sind die ersten Erkenntnisse der Studie interessant, da sie die stoische Aussage der Provider, die letzte Meile sei der Flaschenhals und deswegen braucht es aktives Netzwerkmanagement, nicht bestätigt.

In the meantime, the results from Genin and Splett should give ISPs something to think about. At the very least, they might want to consider making their traffic data public so that everyone, including the ISP’s themselves, can benefit from the greater insight this should produce.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

June 20 2013

USA: Google, Microsoft und Facebook bezahlen Internetprovider für schnelleren Internetzugang

Das Thema Netzneutralität ist keineswegs neu und doch ist es in Deutschland zur Zeit heiß diskutiert. Grund sind die Ankündigungen der Deutschen Telekom ab dem Jahr 2016 die Internetgeschwindigkeit ab einem gewissen Volumen, das vom Kunden verbraucht wurde, zu drosseln, bestimmte Dienste gegen Zahlung aber von dieser Drosselung auszunehmen. Dieses Vorgehen verstößt gegen die Netzneutralität, da es den Unternehmen die zu einer Zahlung bereit sind einen Wettbewerbsvorteil gegen andere Unternehmen verschafft, welche keine Zahlungen an die Deutsche Telekom leisten (ein aktuelles Video zu dem Thema findet hier). Solche Zahlungen von Unternehmen an die Internetprovider scheinen jedoch in den USA schon seit Längerem bewährte Praxis zu sein, wie das Wall Street Journal berichtet.

Verschiedene große Internetunternehmen, darunter Google, Microsoft und Facebook, sollen demnach regelmäßig Zahlungen an die amerikanischen Internetprovider überweisen um einen schnellen Zugang zu ihren Internetdiensten zu gewährleisten. Unternehmen die schnelle Verbindungen zu ihren Diensten haben wollen sind scheinbar auf diese Zahlungen angewiesen, wie auch das Beispiel Netflix zeigt:

Netflix Inc.,though, has held out—so far. For a year it has been trying to directly connect specialized technology to the networks of broadband providers as a way to improve the quality of its video streaming, avoiding the stops and sputters common to Web video. But some of the biggest U.S. cable and phone companies have asked Netflix to pay for that access.


Nach Meinung der Federal Communications Commission (FCC) ist diese Praxis in den USA dabei keineswegs illegal. Wichtig hierfür sei, dass die “letzte Meile”, also das letzte Stück der Internetleitung von den Provider zu den Nutzern, durch jene Zahlung unangetastet bliebe. Die Unternehmen würde einzig für eine direkte Anbindung ihrer Server an die jeweiligen Provider zahlen, was nach Ansicht der FCC auch die Netzneutralität verstößt.

Once inside the broadband providers’ networks, however, all content faces the same traffic travails along the last miles of pipe connected to homes.

Dennoch scheint die FCC Bedenken zu haben, besonders kleinere Start-Ups zu benachteiligen:

If broadband access providers require payment from Web publishers, the FCC warned in a court filing last fall, it will “increase barriers to entry of new services and would make it more difficult to attract the necessary financing for startup Internet ventures. The next Google or Facebook might never begin,” the commission said in the filing, responding to a pending Verizon lawsuit that challenges the regulator’s “open Internet” rules.

Die großen Internetprovider in den USA sehen ebenfalls nicht anstößiges in den Zahlungen. Sie berufen sich darauf, dass sie die Einzigen seien die die Kosten für den Netzausbau tragen würden. Die Unternehmen daran zu beteiligen sei nur fair. Besonders da der gesamte Traffic im Internet immer weiter zunimmt, besonders durch das Streamen von Videos. So gibt einerseits Cisco an, dass sich bis zum Jahr 2017 die Übertragungsmenge von Videos verdoppeln werde. Und andererseits sagt der Internetprovider Comcast, dass sie jedes Jahr einen Zuwachs von 55% an Traffic in ihren Leitungen verzeichnen würden.

Über die Höhe der Zahlungen gibt es keine genauen Informationen. Comcast gibt lediglich an jährlich insgesamt 25 bis 30 Millionen US-Doller von den Unternehmen zu erhalten. Time Warner Cable spricht nur von einem zweistelligen Millionenbetrag. Keines der Unternehmen, weder Diensteanbieter noch Internetprovider, waren zu einer Stellungnahme bereit.

Ob diese Zahlungen tatsächlich notwendig sind um den Betrieb großer Internetdienste wie Youtube zu gewährleisten lässt sich von außen nicht beurteilen. Microsoft gibt jedoch an, auf die Zahlungen angewiesen zu sein:

If Microsoft stopped paying Comcast “tomorrow,” said a person familiar with the matter, its Web performance would “go downhill and the pages wouldn’t load as fast.”

Die Frage ist wie man aus diesem Dilemma herauskommt. Solange die großen Unternehmen bereit sind zu Zahlen und die Provider die Zahlungen dankend annehmend wird sich sicherlich nicht so schnell etwas ändern. Es sind einfach diese großen Unternehmen die den Markt beherrschen. Und solange auch kleinere Dienste nicht komplett vom Internet abgeschnitten werden oder schlicht nicht mehr nutzbar sind, werden auch diese sich nicht beschweren. Vielleicht muss es erst zum großen Knall kommen bis die Politik reagiert.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl