Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

February 24 2014

Abschaffung der Netzneutralität – Netflix zahlt für Streaming-Qualität

Nachdem Verizon den Gerichtsstreit gegen die Federal Communications Commission in erster Instanz gewonnen hatte, war und ist die Netzneutralität in den USA vorerst außer Kraft gesetzt. Das schadet den Kunden und den Content Providern. Aber nicht nur kleinere Anbieter sind betroffen, sondern auch der Video-Streaming-Dienst Netflix, der von den ISPs gedrosselt wird, um ihn zu Zahlungen zu bewegen, damit die Dienstqualität nicht soweit abnimmt, dass die Kunden sich abwenden.

Netflix verursacht circa ein Drittel des nordamerikanischen Internetverkehrs, was den Dienst zu einem attraktiven Drosselungsziel macht. Daher haben ISPs wie Verizon und Comcast von Netflix Zahlungen verlangt, um deren Streams nicht weiter zu verlangsamen. Gegenüber Comcast, dem größten Kabelnetzbetreiber Amerikas, ist Netflix eingeknickt und wird Zahlungen leisten. Es hatte seit Monaten Verhandlungen gegeben, da Netflix von Comcast die kostenlose Bereitstellung seines Streamingangebots an deren Kunden forderte, damit wäre auch verbunden gewesen, dass Netflix seine Server in Comcasts Datencentern betreiben wollte.

Die Situation hat sich mit dem Ergebnis der Verhandlung ins Gegenteil vergekehrt. Nachdem seit Oktober die Geschwindigkeit der Netflix-Streams für Kunden von Comcast um durchschnittlich 27% abgenommen hatte, willigte Netflix in die Zahlungen ein und darin, seine Server selbst in Datencentern von Drittanbietern zu hosten, auf die Comcast jedoch immerhin direkt zugreifen wird. Das umgeht die Nutzung von externen Content Delivery Networks, deren Nutzung mit zusätzlichen Kosten und Unsicherheiten für die Servicequalität verbunden ist.

Der Ausgang der Verhandlungen dürfte dazu führen, dass andere ISPs wie AT&T, Verizon und Time Warner – die im Übrigen vorraussichtlich bald mit Comcast fusionieren werden – den Druck auf Netflix erhöhen werden, ihrerseits bezahlt zu werden. Vor Netflix hatten Mitte letzten Jahres auch schon Google, Facebook und Microsoft in ähnliche Verträge eingewilligt.

Der genaue Betrag der Zahlungen ist nicht bekannt, die New York Times berichtet von mehreren Millionen Dollar pro Jahr. Auch wenn die FCC es schaffen sollte, ihre Regeln für ein offenes Internet so neuzugestalten, dass auch ISPs davon betroffen sind und ein gewisses Maß an Netzneutralität bieten müssen, ist fraglich, ob solches “Paid Peering” unter diese Regelung fällt. Denn im Gegensatz zu Sponsored Content und Premium-Diensten wird die Verletzung der Netzneutralität nicht direkt am Kunden ausgetragen, sondern hinter den Kulissen. Was am Effekt nichts ändert, denn die Mehrkosten werden sicher weitergegeben.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

June 26 2013

GMK: “Netzneutralität als Bedingung persönlicher, kultureller und demokratischer Teilhabe”

Die Debatte um die Netzneutralität zieht immer weitere Kreise. Nun hat sich auch die “Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur” (GMK) in einer Stellungnahme zum Thema Netzneutralität zu Wort. Die GMK beleuchtet das Thema in ihrer Stellungnahme nicht aus technischer Sicht, sondern liefert einige überzeugende Beispiele, wie die geplanten Drosselungspläne der Deutschen Telekom die Gesellschaft einschränken würde. Die GMK sieht besonders “das Potenzial für politische Teilhabe, internetgestützte Bildung und auch die Chancengerechtigkeit beim Zugang zu Informationen” gefährdet.

Die GMK sieht die Netzneutralität als “Grundlage für die gleichberechtige Teilhabe am Internet” und fordert daher ihre gesetzliche Festschreibung. Das Internet sei mittlerweile nicht nur ein “Ort der Kommunikation” sonder trage auch “erheblich zur Identitätsentwicklung” bei jüngeren Generationen bei.

Das Internet ist nicht nur ein maßgeblich prägender Teil des Lebensraums Jugendlicher, sondern zunehmend auch aller Generationen. Zugleich sind die digitalen Angebote des Internets in vielfältiger Weise bedeutsam für die Bildung in einer digital geprägten Kultur.


Das Internet ist nach Auffassung der GMK mittlerweile “zu einem zentralen Element der technischen, ökonomischen und sozialen Infrastruktur in diesem Land geworden”.

Die aktuelle Ankündigung der Telekom eines Netzmanagements der Anschlüsse ihrer Kunden in Verbindung mit einer Ungleichbehandlung der zugänglichen Internetdienste weist daher in eine falsche Richtung.

Die GMK listet außerdem eine Reihe verschiedenster Argumente auf, weshalb die Netzneutralität gesichtert werden muss. Die Argumente decken dabei die Lebensbereiche der politischen Teilhabe, der persönlichen und sozialen Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und Familien, von Bildungsinnovationen, gesellschaftlicher Teilhabe und einen Blick auf Massenmedien ab. Wir präsentieren an dieser Stelle nur eine kleine Auswahl:

Nur Netzneutralität kann dafür sorgen, dass der gleichberechtigte Zugang zum Netz gewährleistet ist und kein Unternehmen aufgrund kommerzieller Interessen willkürlich Entscheidungen treffen kann. Demokratische Kontrolle muss überdies dafür gewährleisten, dass die Netzneutralität nicht eingeschränkt wird.

Netzangeboten, wie sozialen Netzwerken und Videotelefonie, kommt überdies auch für Patchworkfamilien, jugendliche und erwachsene Pendler und generell zur Pflege von Beziehungen und Freundschaften bei zeitlich stark eingespannten oder räumlich getrennten Menschen aller Generationen eine herausragende Bedeutung zu. Beides kann durch die geplanten Beschränkungen gefährdet werden.

Die Flexibilisierung von Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten durch Blended Learning- Angebote ist mit gedrosselten Zugängen nicht realisierbar. Die Drosselung würde die Modernisierung und Reformierung von Ausbildung, Studium und Weiterbildung bremsen.

Menschen mit Behinderungen profitieren besonders von einem freien Internetzugang. Spezielle Anwendungen und Tools unterstützen sie in einer selbstständigen und selbstbestimmten Lebensführung. So stellt z.B. für gehörlose Nutzerinnen und Nutzer der Chat ein äußerst bedeutendes Kommunikationsmedium dar. Menschen mit Körperbehinderungen nutzen das Netz besonders intensiv und häufig, wenn der Zugang erst einmal erlangt wurde. Die geplanten Einschränkungen können zu einer enormen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen. Um das gegenwärtig intensiv diskutierte Leitziel der Inklusion voranzubringen, ist die Netzneutralität unverzichtbar.

Wichtiges Element für einen kritischen Umgang mit Medien ist der Blick hinter die Kulissen: Wie funktionieren Medien, z.B. Zeitungen, TV, Radio, Internet? Wie manipulativ können Fotos oder Zusammenschnitte im TV sein? Welchen Informationen im Internet kann man trauen? So schwer Informationen und Dienste im Netz zu durchschauen sind, so sicher kann sein: Nur wenn alle Dienste und Informationen technisch neutral sind, besteht die Chance einer kompetenten Bewertung und Einordnung für alle Bürger und Bürgerinnen Deutschlands, daraus folgt die Notwendigkeit einer gleichen Behandlung.

Der Beitrag der GMK zeigt deutlich auf, dass das Thema Netzneutralität eben nicht nur ein Nischenthema für junge Menschen ist, sondern die ganze Gesellschaft betrifft. Wir fordern daher ebenso wie die GMK die “Netzneutralität gesetzlich zu verankern und für einen diskriminierungsfreien Zugang aller Nutzerinnen und Nutzer sowie eine diskriminierungsfreie Durchleitung der Inhalte im Internet zu sorgen.”

Die vollständige Stellungnahme kann hier als pdf heruntergeladen werden.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl