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January 16 2014

Kaum sechs Wochen nach der Anschaffung ist eine Aufklärungsdrohne der UNO im Kongo gecrasht

Schlechte Publicity für den italienischen Rüstungskonzern SELEX: Eine ihrer beiden Drohnen des Typs “Falco” ist nach Presseberichten gestern in der Demokratischen Republik Kongo abgestürzt. Sie war im Auftrag der UNO unterwegs und erst im Dezember letzten Jahres von Organisation beschafft worden.

Bei einer öffentlichen Präsentation vor Journalisten hatte die UNO damals die Fähigkeiten der “Falco” gezeigt:

Ihr Einsatz sollte die UN-Mission MONUSCO unterstützen, die sich gegen Rebellen der “M23″ richtet. Laut der UNO würden diese von Ruanda und Uganda mit Waffen und Truppen unterstützt. Die etwa fünf Meter langen, unbemannten Aufklärungsdrohnen dürfen jedoch nur über kongolesischem Territorium fliegen.

Die nun verunfallte Drohne sei laut einem MONUSCO-Sprecher von der Landebahn abgekommen, der Vorfall habe sich auf dem Flughafen von Goma in der Provinz Nordkivu ereignet. Niemand sei dabei zu Schaden gekommen, allerdings habe das Fluggerät Totalschaden erlitten.

Andere Meldungen behaupten, der Vorfall habe sich beim Start ereignet. Auch sei die Überwachungsausrüstung unbeschädigt geblieben. Der Sprecher der UNO-Mission kündigte die Aufklärung der Ursache des Crashs an.

Der Hersteller der “Falco” gehört zum Rüstungskonzern Finmeccanica. Die SELEX-Drohnen können zwischen acht und 14 Stunden in der Luft bleiben und dabei bis zu 200 Kilometer zurücklegen. Sie fliegen beispielsweise in Pakistan, geplant sind weitere Verkäufe nach Nordafrika. So will das libysche Militär womöglich “Falco”-Drohnen zur Grenzüberwachung beschaffen.

Zur Zeit operiert das italienische Militär mit seinen “Predator”-Drohnen bis tief ins Landesinnere Libyens. Der Einsatz geht auf bilaterale Vereinbarungen zurück und dient dem Aufspüren von Schmuggel und unerwünschter Migration. SELEX errichtet zudem zwei Grenzüberwachungssysteme für die Land- und Seegrenzen.

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July 26 2013

Euro-Hawk: NSA hat die Kontrolle über Funkschlüssel zur Kommunikation mit der Drohne

eurohawkGestern berichteten wir über einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, in dem berichtet wurde, dass die NSA an der Konstruktion der Aufklärungsdrohne Euro-Hawk der deutschen Bundeswehr beteiligt war und Komponenten für die Drohne lieferte. Wie nun heise berichtet, handelt es sich bei den gelieferten Komponenten um die Sende- und Empfangsanlage, mit der das Bodenpersonal mit der Drohne kommuniziert.

Demnach werden beim Start, der Landung und beim Streckenflug der Drohne Kryptoschlüssel benötigt, um mit der Drohne kommunizieren zu können. Diese Schlüssel werden vom Operator am Boden an die Drohne gesendet und von dieser in der Luft bestätigt. Wie heise nun berichtet, werden diese Schlüssel von der NSA generiert. Doch nicht nur die Kryptoschlüssel stammen von der NSA, auch die gesamte Sende- und Empfangsanlage zur Kommunikation stammt von der NSA. Die Begründung dafür:

So soll beim Euro Hawk wie bei den Global Hawks sichergestellt werden, dass die Drohnen nicht von Terroristen gekapert werden können.


In einer Sprechererklärung des Bundesverteidigungsministeriums heißt es, dass, zusätzlich zum Entwicklungsvertrag, “ergänzende „Foreign Military Sales“ (FMS)-Verträge mit der US Air Force und der National Security Agency geschlossen” wurden.

Als Lieferumfang wurden selektive Einzelkomponenten der Trägerplattform (z.B. Kommunikations-/Kryptogeräte) und selektive Unterstützungsleistungen, wie Beistellung von Erprobungseinrichtungen und -personal, vereinbart.

Ob noch weitere Komponenten des Euro-Hawk von der NSA stammen ist nicht klar. Sicher ist aber alleine durch diese Enthüllungen, dass die NSA zu jedem Zeitpunkt weiß, wann und wo sich die Drohne aufhält.

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June 22 2013

Hersteller havarierter Aufklärungsdrohnen will Musterzulassung der “LUNA” zur Teilnahme am allgemeinen Luftverkehr

luna_kabul_beinahecrashWenige Stunden nachdem die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung über mehr als Hundert abgestürzte Bundeswehrdrohnen berichtete hat das Verteidigungsministerium reagiert. In einer Erklärung heisst, es habe tatsächlich 124 “Flugunfälle” gegeben.

Allerdings habe es sich teilweise um sogenannte “systemkonforme Landungen” gehandelt. Diese würden beispielsweise ausgelöst, wenn der Funkkontakt abbricht oder die steuernde Person die Kontrolle verliert:

In den genannten Zahlen waren nicht nur – wie bei Antworten auf vergangene Anfragen – Abstürze im engeren Sinne, sondern auch sogenannte “systemkonforme Landungen” enthalten, die aus Sicherheitsgründen ausgelöst werden, sobald eine Störung, wie zum Beispiel ein Bedienfehler oder Funkübertragungsfehler, auftritt. In solchen Fällen löst automatisch ein Fallschirm aus und das Fluggerät kommt kontrolliert zur Landung.

Das klingt konstruiert: Denn ein derart unkontrollierter Niedergang, beispielsweise über einer Millionenstadt wie dem afghanischen Kabul, könnte auch mit einem Fallschirm Sach- und Personenschäden anrichten. Das Verteidigungsministerium bestätigt, dass alle 124 “systemkonform” abgestürzten Drohnen Totalschaden erlitten und nicht mehr zu reparieren sind. Dennoch werden die in der Frankfurter Allgemeinen erhobenen Vorwürfe als “konstruiert und falsch” bezeichnet.

Laut Verteidigungsministerium beziehe sich die “überwiegende Anzahl der in der parlamentarischen Antwort genannten Fälle” auf “kleine Systeme”. Jedoch ist die in Rede stehende “LUNA” mit vier Metern Spannweite die größte, die bei der Bundeswehr geflogen wird – abgesehen von einem Exemplar der Riesendrohne “Euro Hawk” sowie drei hochfliegende “Heron” in Afghanistan.

In der Antwort auf die Kleine Anfrage hatte der zuständige Staatssekretär Christian Schmidt erstmals die Gesamtzahl von 871 Drohnen genannt. Hierzu gehören fliegende Kameras, die an Quadrokoptern (290) oder kleinen Seglern (184) montiert sind. Mit 160 Kilogramm maximales Startgewicht fliegt die Bundeswehr auch Drohnen des Typs “KZO”. Sie sind zwar schwerer als die “LUNA”, haben aber eine kleinere Spannweite. Zu den gecrashten “KZO” gibt es derzeit keine verläßlichen Zahlen. Vor einem Jahr hieß es dazu (in jener Antwort, in der die Zahl abgestürzter “LUNA” als nachweislich zu niedrig beziffert wurde):

Während des Ausbildungsflugbetriebes sind bisher zwei LUNA sowie drei KZO in Deutschland abgestürzt. Weiterhin sind im ISAF-Einsatz sechs LUNA und vier KZO abgestürzt. Informationen zu Schäden an Dritten liegen nicht vor.

Um die hohe Zahl “systemkonfomer Landungen” mit anschließendem Schrottwert zukünftig zu vermindern entwickelt der Hersteller der “LUNA” einen Ausweichsensor. Die Firma EMT erhielt dafür Gelder für entsprechende Forschungen zum “UAV-Einsatz in Bayern” von der Bundesregierung. Für Tests hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung ein sogenanntes “Flugbeschränkungsgebiet” im bayerischen Spatzenhausen ausgewiesen. EMT will für die “LUNA” perspektivisch eine pauschale Zulassung für den allgemeinen Luftraum:

Wir bei EMT und SPIES sind begeistert, die Sense & Avoid-Technologie durch LIDAR und Transponder voran zu treiben, um unseren unbemannten Luftfahrzeugen letztendlich die Teilnahme am allgemeinen Luftverkehr zu ermöglichen. Damit können Vorteile wie die günstigen Beschaffungs- und Betriebskosten von unbemannten Flugsystemen auch verstärkt den zivilen Nutzern eröffnet werden.

Letztes Jahr hieß es seitens Bundesregierung, EMT habe für die “LUNA” sieben “vorläufige stückbezogene Verkehrszulassungen” erhalten. Für den Betrieb bei der Bundeswehr wurden bis letztes Jahr 89 “LUNA” mit einer Musterzulassung ausgestattet. In der neueren Antwort wird jetzt von 145 Exemplaren gesprochen. Es geht dabei um die Zulassung nach “Kategorie 2″: Die unbemannten Luftfahrzeuge müssen auf gekennzeichneten militärischem Gelände oder “abgesperrtem Gelände mit darüberliegendem Gebiet mit Flugbeschränkungen” starten und landen.

In Afghanistan kommen die Drohnen der zivilen Luftfahrt bisweilen bedenklich zu nahe: Über Kabul hatte eine “LUNA” 2004 beinahe ein Passagierflugzeug gerammt. Angeblich sei der Jet im für die NATO teilweise reservierten Luftraum geflogen. Die “LUNA” kam ins Trudeln und stürzte “systemkonform” ab.

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May 23 2013

NATO-Drohnen: Neue Arbeitsgruppe prüft “flugbetriebliche, operationelle und technische Details” vor “Reißleine”

Text_2012_06_19_EuroHawk_Flight_TestingMittlerweile werden die Forderungen zum Rücktritt des Verteidigungsministers oder wenigstens seiner zuständigen Staatssekretäre lauter. Hintergrund ist die Affäre um die Beschaffung der Spionagedrohne “Global Hawk” für die NATO sowie deren deutsches Derivat “Euro Hawk”, von denen die Bundeswehr ursprünglich fünf Flugzeuge kaufen wollte. De Mazière redet sich heraus, man habe die Problematik des Betriebs der Drohnen im zivilen europäischen Luftraum unterschätzt. Nun kam heraus, dass sogar der Bundesrechnungshof getäuscht wurde: Entsprechende Dokumente, die auf teure Nachweise zur luftfahrtrechtlichen Zulassung hinwiesen, wurden geschwärzt. Gestern ruderte er zurück und verspricht, die Finanzkontrolleure mit allen Unterlagen zu versorgen.

Dass der Betrieb einer derart großen Drohne mit der Flugsicherheit und dem Verkehrsministerium abgestimmt werden muss, dürfte im Verteidigungsministerium seit 10 Jahren bekannt sein. Das Gleiche gilt für Dokumente der Hersteller, die dafür benötigt werden. Denn bereits 2003 schickte Northrop Grumman eine “Global Hawk” der ersten Baureihe zum Probeflug an die Nordsee. An Bord war ein Sensorpaket zur Erfassung und Identifikation elektromagnetischer Signale von EADS.

Die luftfahrtrechtliche Zulassung für Deutschland schien damals problemlos. EADS beschwichtigte, die “Global Hawk” habe kurz zuvor als erstes unbemanntes Luftfahrzeug von der US-Luftfahrtbehörde eine “nationale Zulassung für den Einsatz als luftgestütztes Aufklärungssystem im US-amerikanischen Luftraum erhalten”. Die “Airworthiness” (Lufttüchtigkeit) wurde 2006 untermauert, als der US-Luftwaffe ein Zertifikat für den sicheren Betrieb unter militärischen wie zivilen Bedingungen ausgestellt wurde. Die Bescheinigung bezog sich auf die drei Baureihen “Block 10″, “Block 20″ und “Block 30″; mittlerweile fertigt Northrop Grumman den neuen Typ “Block 40″.

Studien zur Kollisionsvermeidung in Europa

Seit zehn Jahren laufen in Europa diverse Studien zum Betrieb großer Drohnen im allgemeinen zivilen Luftraum (“non-segregated airspace”). Zentral ist das Prinzip “See & Avoid” (auch “Detect & Avoid”), das ein Ausweichen vor Kollisionen vorschreibt. Ziel ist die Integration größerer Drohnen in den zivilen Luftraum, der bislang für jeden Flug gesperrt werden muss. Die Europäische Union finanziert hierzu die Studie “Unmanned Aircraft System Mid-air Collision Avoidance Function” (MIDCAS), die bis 2014 eine erfolgreiche Demonstration abliefern will. Beteiligt sind die großen europäischen Militärausrüster aus Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien unter Führung der schwedischen Firma Saab. MIDCAS wird auch von der Europäischen Verteidigungsagentur gefördert. Das Vorhaben will Ausweichverfahren entwickeln, um etwa beim Ausfall der Funkverbindung programmierte Manöver zu fliegen. Ziel ist die Gleichstellung mit der bemannten Luftfahrt:

The aim of the MIDCAS program is to contribute to the UAS integration in civilian airspace by proposing a baseline of solutions for the “Unmanned Aircraft System Mid-air Collision Avoidance Function” acceptable by the manned aviation.

Die Deutsche Flugsicherung betreibt ebenfalls ein Projekt “Validierung von UAS zur Integration in den Luftraum”, das sich mit “Sense & Avoid”-Verfahren befasst. Wirklich zufrieden ist man dort aber nicht:

Eine Integration von UAS auf Basis der Radardarstellung des Verkehrs und des verwendeten “Detect and Avoid”-Systems scheint demnach prinzipiell möglich. Für eine endgültige Entscheidung sind aber noch weitere Arbeiten notwendig.

In Deutschland gehören der Rüstungskonzern EADS, dessen Tochtergesellschaft Cassidian, die ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt zu weiteren Begünstigten entsprechender Forschungen. Geld gibt es auch für die Überwachungstechnik: Für die Ausrüstung und den Betrieb des “Euro Hawk” als Fernaufklärer hatten Northrop Grumman und EADS eine eigene GmbH gegründet. Die beiden Firmen behaupteten, der “Euro Hawk” könne “nachgewiesenermaßen von denselben Flugplätzen wie bemannte Systeme operieren, was seinen Betrieb erleichtert”. Gegenstand des Joint Ventures war die Bereitstellung eines Systems zur “Signals Intelligence” (SIGINT), das als Nutzlast transportiert wird.

EADS ein “Schlüsselpartner” für NATO-Programm

Auch beim NATO-Programm “Alliance Ground Surveillance” (AGS) profitiert EADS von den Investitionen in Überwachungstechnik und bezeichnet sich als “Schlüsselpartner”. Im Joint Venture “Alliance Ground Surveillance Industries GmbH” hat sich EADS mit mit europäischen Rüstungskonzernen zusammengetan, um die “Erstellung und Abgabe von Angeboten im Hinblick auf Angebotsaufforderungen der NATO in Zusammenhang mit dem NATO AGS Programm” zu erleichtern.

Im Konsortium mit fünf weiteren europäischen Rüstungskonzernen gründete die Firma zudem das Gemeinschaftsunternehmen “TCAR Industries GmbH”, um ein hochauflösendes Radarsystem für die NATO zu entwickeln. Zu Einsatzmöglichkeiten erklärte die Bundesregierung, diese könnten auch “Military Operations in Urban Terrain”, also Aufstandsbekämpfung in Städten beinhalten. Während unbemannte Luftfahrzeuge der Luftwaffe per Laserstrahl “Ziele am Boden beleuchten”, würden die “Euro Hawk” die Operationen durch “Gewinnung von Daten im Rahmen der signalerfassenden Aufklärung” unterstützen. Die Notwendigkeit des neuen Radars war jedoch von Anfang an umstritten, zumal andere europäische Firmen ähnliche Systeme angeblich billiger produzieren würden.

Die Drohnen des NATO-Programms werden seit Jahren mit der Entwicklung von Zulassungsverfahren begleitet. Nicht weniger als fünf Arbeitsgruppen widmen sich der Integration größerer Drohnen in die NATO-Verbände. Deutschland hat zusammen mit den USA und Frankreich den Vorsitz der “Joint Capability Group on Unmanned Aerial Vehicles” (JCGUAV) inne, die wiederum aus drei früheren Gruppen gebildet wurde.

Bereits 2004 hatte die NATO die “Flight in Non-Segregated Airspace Working Group” (FINAS) gegründet, um grenzüberschreitende Flüge im zivilen Luftraum zu vereinfachen. Zu den Aufgaben von FINAS gehören die Ausarbeitung von Standards und Trainings, aber auch die Untersuchung aller für ein “Sense & Avoid” notwendigen Funktionalitäten. 2007 hieß es dazu vom vom “Joint Air Power Competence Centre” der NATO:

UAS are not routinely allowed to fly outside segregated airspace, since they cannot safely integrate with other airspace users. This integration will require the development of suitable technology (such as sense-and-avoid) and will apply regardless of whether airspace is controlled or not. The NATO Flight in Non-Segregated Airspace (FINAS) Working Group is developing guidelines to allow the cross-border operation of UAS in non-segregated airspace. European civil authorities, through EUROCONTROL’s UAV Certification and Qualification Working Group, have developed a ‘five-step’ approach to UAVs operating in controlled airspace. The five-step approach would gradually allow commercial or government UAV operations in European airspace. Additionally in Europe, UAVs are expected to be part of the Single European Sky (SESAR) programme. SESAR is the expected future air traffic management system in Europe and could be implemented around 2020.

Als Ziel wurde ausgegeben, einen für alle NATO-Staaten gültigen “UAV airworthiness code” bereit zu stellen. Die Empfehlung wurde 2007 veröffentlicht, jedoch unter Auslassung der “Sense & Avoid”-Problematik. Einen ähnlichen Standard hatte die NATO bereits 2002 für Kontrollsysteme der Drohnen publiziert und zuletzt 2012 überarbeitet. Wichtiger sind aber die Empfehlungen zur Entwicklung von “Sense and Avoid”-Technologie, die von der NATO vor fünf Jahren in Kalkar veröffentlicht wurden.

Arbeitsgruppe zu “flugbetrieblichen, operationellen und technischen Details” künftiger Beschaffungsvorhaben

Es ist also kaum glaubhaft, dass die Studien und Dokumente im Verteidigungsministerium nicht bekannt waren. Das hat wohl gestern auch der Sprecher von de Mazière eingesehen. Stefan Paris erklärte gestern auf der Bundespressekonferenz, das Kollisionsvermeidungssystem “Sense & Avoid” sei gar nicht das Kernproblem des “Euro Hawk”. Vielmehr gehe es um den hohen Geheimhaltungsgrad der US-Regierung und des Herstellers Northrop Grumman, wenn diese die deutschen Luftfahrtbehörden nicht mit den notwendigen Papieren versorgen:

Es reicht nicht aus, dass Sie ein Fluggerät wie den “Euro Hawk” nach Manching stellen, die Truppe der Prüfer dann darum stellen und sagen: “So bitte, hier sind Schraubenzieher, guckt euch das alles einmal an.” Die gucken zwar einmal, aber sie brauchen für das, was sie sehen insbesondere die Teile, in die man nicht hineingucken kann, weil sie technisch so verbaut sind, und vor allem auch, weil sie zusammenwirken, auch eine Papierlage. Das ist schlicht und ergreifend deshalb so, damit man ich sage das einmal ein bisschen flapsig dem deutschen Prüfwesen nachkommen und sagen kann: Das ist das Papier, das ist technisch nachvollziehbar, das garantiert ganz bestimmte technische Dinge, und deshalb bekommt das einen Stempel, dass es so in Ordnung ist. Eine Vielzahl dieser Papiere das hängt nicht mit dem Kollisionsvermeidungssystem zusammen, sondern das hängt letztendlich mit sämtlichen Teilen, die darin verbaut sind, zusammen sind von der Herstellerseite aber nicht in der ausreichenden Form zur Verfügung gestellt worden.

Klarheit gibt es vielleicht Ende der Woche, wenn die Bundesregierung eine Kleine Anfrage der Linksfraktion zum “Euro Hawk” der Bundeswehr und dem “Global Hawk” der NATO beantworten muss. Gut möglich aber auch, dass de Mazière kneift, die Beantwortung verschiebt und die abgefragten Fakten zunächst in seiner Erklärung am 5. Juni vor dem Verteidigungsausschuss verlesen möchte. Laut Paris hat die Bundesregierung eine Arbeitsgruppe eingesetzt, deren Leiter zwar nicht bekannt ist, die aber ressortübergreifend arbeitet:

Diese Arbeitsgruppe setzt sich nicht aus einer einzigen Abteilung oder gar einer einzige Person zusammen. Sie ist in ihrem Kern in der Abteilung AIN das war vor der Reform die sogenannte Rüstungsabteilung; heute heißt diese Abteilung “Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung” aufgehängt. [...] In diesen verschiedenen Arbeitssträngen sind sicherlich Mitarbeiter der zuständigen Abteilung AIN, aber auch Vertreter aus den Bereichen Haushalt, Führung Streitkräfte und Politik vertreten. [...] Letztendlich sind dem Ganzen auch noch Mitarbeiter aus dem Bereich Organisation und Revision beigestellt.

Die Gruppe soll Vorschläge erarbeiten, wie die Bundesregierung ihre “Beschaffungsobjekte im Bereich der unbemannten Fluggeräte” weiter betreiben soll. Neben den Spionagedrohnen will die Bundeswehr auch Kampfdrohnen besorgen, was kürzlich ebenfalls für Furore sorgte. Deshalb soll die Arbeitsgruppe ausloten, welche “flugbetrieblichen, operationellen und technischen Details” für den Betrieb notwendig wären: “Dabei ist es natürlich auch wichtig, Schlussfolgerungen in Bezug darauf zu ziehen, wie wir jetzt mit der Durchführung weiter vorgehen”. Es klingt durch, dass für die “Global Hawk” des NATO-Programms AGS noch keine “Reißleine” gezogen wurde.

Wer noch vor dem 5. Juni Informationen zum Stand des NATO-Drohnen-Programms sucht, sei auf die Tagung “Unmanned Vehicles IV Land Luft See” der Rüstungslobby verwiesen. Am Mittwoch berichtet dort Dietmar Thelen von EADS Cassidian über seine Perspektive auf das Projekt “Alliance Ground Surveillance”. Im Anschluß referiert ein Vertreter des Raketenherstellers MBDA zur Bewaffnung von Kampfdrohnen (oder polizeilichen Drohnen?).

Zum Schluss werden die Ergebnisse des EU-Projekts “Demonstrations of Satellites Enabling the Insertion of Remotely Piloted Aircraft Systems in Europe” vorgestellt. Dort wird als Erfolg gefeiert, dass kürzlich der erste Testflug im zivil genutzten Luftraum stattfand und von der spanischen Flugsicherung wie ein bemanntes Flugzeug begleitet wurde.

[Bildquelle: http://www.raes-hamburg.de/Downloads/Text_2012_06_19_EuroHawk_Flight_Testing.pdf]

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May 14 2013

Israelische Drohne stürzt ab, weitere Flüge ausgesetzt – Bundeswehr-Drohnen fliegen trotzdem.

Eine Drohne des israelischen Militärs fiel am Samstag ins Mittelmeer. Der Flugroboter wurde zuvor abgeschossen, um einen Absturz über dicht bewohntem Gebiet zu verhindern. Nach Zeitungsangaben sei auf dem Routineflug aus noch ungeklärten Gründen eine Störung aufgetreten. Es handelte sich um eine sogenannte MALE-Drohne des Typs Heron, Hersteller ist die Firma Israel Aerospace Industries. MALE steht für “Medium Altitude Long Endurance”, also mittlere Flughöhe und hohe Reichweite. Die Heron existiert neben der ursprünglichen Baureihe mittlerweile auch als fortentwickelte Heron TP. Beim Absturz handelte es sich um die frühere Version Heron-1

Ein Militärsprecher erklärte, dass zunächst alle Flüge von Drohnen des gleichen Typs gestoppt seien. Bereits letztes Jahr war eine israelische Heron abgestürzt. Die von deutschen Soldaten in Afghanistan geflogenen Heron-Drohnen würden angeblich weiter betrieben, heisst es im Blog eines Militärjournalisten. Die deutschen Flugroboter sind im Gegensatz zu den israelischen Typen unbewaffnet. Doch zwei von Deutschland geleaste Heron sind bereits früher havariert. Nach Auskunft der Bundesregierung habe es sich einmal “um einen Bodenunfall beim Rollen” gehandelt, eine andere habe wegen eines technischen Defektes am Triebwerk “eine autonome Landung in freiem Gelände” durchgeführt. Die Drohne musste demnach “aus operationellen Gründen zerstört werden”. Gemeint ist, dass die Technik von gegenerischen Kräften rekonstruiert werden kann.

Es könnte sich bei dem jüngsten Vorfall in Israel durchaus um ein gravierendes Sicherheitsproblem handeln, denn Details zur Navigationstechnik der Heron sind womöglich dem Geheimdienst Pakistans in die Hände gefallen. Ein Spezialkommando der Polizei nahm Ende März in Bremen einen Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) fest, der laut dem Nachrichtenmagazin Focus “geheime Studien über Steuerung und Navigation von Drohnen” einsehen konnte. Dabei geht es um Heron-Drohnen der Bundeswehr.

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen, das betroffene Unternehmen aber bislang nicht offiziell bestätigt. Focus schreibt, der Auftraggeber sei “nach Erkenntnissen der Ermittler” der pakistanische Geheimdienst ISI. Die Bundesregierung wollte dies auf Nachfrage im Bundestag erstmal nicht bestätigen und hüllt sich über weitere Ermittlungen in Schweigen. Zur Begründung heisst es, es handele sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren. Das Frage- und Informationsrecht des Deutschen Bundestages wird deshalb eingeschränkt.

Das DLR ist damit befasst, Studien für Genehmigungsverfahren für den Betrieb größerer Drohnen wie die Heron im allgemeinen zivilen Luftraum durchzuführen. Ab 2016 soll EU-weit ein “Single European Sky” (SES) eingerichtet werden, zuständig ist hierfür die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) mit Sitz in Köln. Dann könnten Drohnen wie die Heron oder die US-amerikanischen Predator auch von der Polizei geflogen werden, denn Starts und Landungen dürften von zivilen Flughäfen erfolgen.

Das DLR betreibt hierfür groß angelegte Forschungen in Spanien, an denen auch die Bundespolizei beteiligt ist. Das Projekt wird von der EU finanziert. Ein erster polizeilicher Testflug einer Heron-Drohne erfolgte erst kürzlich, weitere sind geplant. In einem anderen EU-Projekt wird auch eine Predator-Drohne des US-Herstellers General Atomics getestet.

Von den Ergebnissen der Forschungen würde auch die Bundeswehr profitieren, denn es geht um satellitengestützte Ausweichverfahren. Diese sind für die luftfahrtrechtliche Zulassung in Deutschland zwingend. Das deutsche Militär will sich zwischen Heron oder Predator entscheiden, weshalb die (eigentlich zivilen) EU-Forschungen für die Pläne des Verteidigungsministeriums von zentraler Bedeutung sind.

Die Bundeswehr nutzt neben den Heron-Drohnen die kleineren Typen KZO (“Kleinfluggeräte Zielortung”) und LUNA (“Luftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung”) der deutschen Hersteller Rheinmetall und EMT. Mindestens zwei LUNA sowie drei KZO sind bereits in Deutschland vom Himmel gefallen. Beim ISAF-Einsatz in Afghanistan stürzten gleich sechs LUNA und vier KZO ab. Laut dem Spiegel hatten zehn KZO damals 300 Millionen Euro gekostet. Eingerechnet sind allerdings auch die Bodenstation zur Flugkontrolle und Analyse der Überwachungsdaten. Mittlerweile verfügt die Bundeswehr über 37 KZO und 51 LUNA.

Auch andernorts sind die Flüge der Drohnen keineswegs sicher: Die britische Webseite Drone Wars UK hatte im Herbst eine Übersicht über Bruchlandungen von Drohnen mehrerer Länder veröffentlicht. 2012 sind allein in den USA bei 14 Unfällen von Drohnen mindestens 15 Geräte abgestürzt. Selbst die riesige Global Hawk, von denen die Bundeswehr als Euro Hawk zunächst einen Prototyp orderte, verzeichnete in Afghanistan und an der Heimatfront Totalverluste (Video).

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