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January 20 2012

WDR beantwortet offenen Brief zu Depublikationspflicht und CC

Im Dezember hatte Blogger Peter Piksa sich per offenem Brief an den WDR gewandt. Ihm (wie vielen anderen) leuchtet nicht ein, warum öffentlich-rechtliche Medieninhalte – wenn sie schon vom jeweligen Sender selbst wieder depubliziert werden müssen – nicht vorher unter CC-Lizenzen gestellt werden. Das würde es den Hörern/Zuschauern gestatten, die Sendungen ihrerseits zu verbreiten und dadurch länger verfügbar zu halten, ohne dass die Depublikationspflicht verletzt werden würde. Inzwischen hat der WDR recht ausführlich geantwortet und man sieht der Antwort an, dass man sich dort mit dem Thema schwertut.

Grundaussage der Antwort ist, dass der WDR nur schwer die für eine CC-Lizenzierung erforderlichen Rechte einholen könne, weil CC-Lizenzen immer auch das Recht zur Bearbeitung mit umfassen würden. Das stimmt so nicht. Zwar können Bearbeitungen tatsächlich das Urheberpersönlichkeitsrecht beeinträchtigen und auch die Persönlichkeitsrechte von gefilmten/aufgezeichneten Personen können dann betroffen sein. Aber gerade dafür gibt es die CC-Lizenzvarianten mit “ND” für “no derivatives”, also die BY-ND und BY-NC-ND. Sie erlauben (nur) genau das, was Peter Piksa einfordert, nämlich die öffentliche Verbreitung durch jede/n.

Man kann sicherlich darüber streiten, ob die ND-Lizenzen noch eine “Freigabe” im eigentlichen Sinne sind, ein Mittel zur Behebung von “Depublikationsschäden” wären sie allemal. Den Hinweis auf die CC-lizenzierten Formate des NDR beantwortet der WDR damit, dass dort bewusst auf eine Freigabe hin in besonderer Weise produziert werde. Das aber heißt nur, dass eine CC-ND-Lizenzierung auf eigenes Material der jeweiligen Rundfunkanstalt beschränkt werden müsste. Damit dürfte noch immer der allergrößte Teil des Contents erfasst sein. Und dass es gar nicht so schwer ist, beim Online-Stellen “unfreies” Material rauszunehmen aus den Beiträgen, beweist Deutschlandradio Kultur mit seiner Sendung Breitband jede Woche.

(Crossposting von creativecommons.de)

June 21 2011

Jetzt sollen auch Apps depubliziert werden.

Es ist zum Verzweifeln. Dass die öffentlich-rechtlichen Online-Angebote seit dem letzten Jahr schon gezwungen sind, ihre Inhalte nach einer Woche zu löschen, obwohl es keinen nennenswerten Grund dazu gibt (ganz im Gegenteil), reicht wohl noch nicht.

Die Verlage der WAZ, M. Dumont Schauberg, Rheinische Post, Lensing Wolff, Axel Springer, die Medienholding Nord, die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” und die “Süddeutsche Zeitung” haben sich im Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) zusammengetan und klagen dagegen, dass in der “Tagesschau”-iOS-App auch Texte vorkommen

Wie fürchterlich! Hatten die Verlage sich doch gerade erst ein so attraktives Geschäftsfeld wie den App-Store für sich entdeckt, bei dem sie 1/3 der Einnahmen an Apple abdrücken müssen (was ihnen dann aber doch auch wieder nicht gefiel), kommt nun der öffentlich-rechtliche Rundfunk seiner Aufgabe nach, und wartet dort mit einem Gratis-Angebot auf. Dadurch verderbe er nun den Verlagen ihr geliebtes neu entdecktes Geschäftsmodell.

Klingt beknackt, ist aber die Argumentation. Laut SpOn drohte Jürgen Doetz (VPRT, das ist der, der der re:publica faschistoide Tendenzen diagnostiziert) der ARD sogar bereits 2009 mit einer EU-Klage wegen Wettbewerbsverzerrung. Ich BITTE euch!

Die weitgehende Demontage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zugunsten kommerzieller Anbieter ist eine wirklich zutiefst beunruhigende Entwicklung. Reicht es nicht, dass unsere Gesundheits- und Alters-Vorsorge, unsere Renten, unsere öffentlichen Verkehrs- und in absehbarer Zeit auch unsere weiterführenden Bildungssysteme privatisiert werden? In keinem dieser Bereiche konnten für die Bevölkerung nennenswerte Vorteile diagnostiziert werden – und es würde mich sehr wundern, wenn dies bei der Beschneidung der iPhone-App oder dem Ausfechten dieser Auseinandersetzung mit unseren GEZ-Gebühren der Fall wäre. Und Monika Piel sitzt inzwischen als ARD-Intendantin sogar in den Reihen der Deutschen Content-Allianz, die sich für das Leistungsschutzrecht einsetzt – was ist hier eigentlich los?

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