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September 09 2013

“The Internet Must Go”: Weshalb die Abschaffung der Netzneutralität keine gute Idee ist

Netzneutralität ist nicht nur in Deutschland seit den Drosselplänen der Deutschen Telekom ein Thema. Auch in den USA gab es immer wieder Vorstöße der Internetprovider die Netzneutralität einzuschränken und ein Zwei-Klassen-Internet zu schaffen. Gena Konstantinakos hat zu diesem Thema den sehenwerten Kurzfilm “The Internet Must Go” gedreht, indem unter anderem Ricken Patel, Gründer und Geschäftsführer von Avaaz, Eli Pariser, Geschäftsführer von MoveOn.org, Alexis Ohanian, Mitgründer von Reddit und Tim Wu, Rechtsprofessor an der Columbia University und Erfinder des Begriffs “Netzneutralität” zu Wort kommen. Der Plot:

In 2012, market researcher John Wooley was dispatched to help the big ISPs figure out how to sell their vision for a “faster,” “cleaner” Internet. Six months later he produced this report — and shared it with the world.

Für alle denen das Video hier nicht angezeigt wird, hier noch ein Link zum Video auf Vimeo.

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August 21 2013

August 06 2013

USA: Internetprovider Comcast plant neue Anti-Piraterie Maßnahmen

Im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet haben sich die Internetprovider und Inhalteanbieter bereits eine Menge einfallen lassen. Vom Zusammenschluss der Werbewirtschaft um Filesharing Webseiten die Finanzierungsgrundlage zu nehmen über tief greifende Anti-Piraterietechniken der Provider bis zu der Forderung nach Computersperren bei Urheberrechtsverletzungen, war schon Einiges dabei. Der amerikanische Internetprovider Comcast hat sich nun ein neues System einfallen lassen: Beim illegalen Herunterladen von urheberrechtlich geschützten Inhalten aus dem Internet, sollen den Nutzern automatisch Links zu legalen Beschaffungsquellen angezeigt werden.

Comcast ist der größte Kabelnetzbetreiber und zweitgrößte Internetanbieter der USA. Wie Variety berichtet, führt Comcast bereits erste Gespräche mit Film- und TV-Studios sowie mit anderen Internetanbietern, um ihr Modell zu bewerben. Das von Comcast erdachte System sieht es vor, einem Nutzer, der urheberrechtlich geschützte Inhalte herunterlädt, sofort mit verschiedenen Angeboten aus legalen Quellen zu konfrontiert.

As sources described the new system, a consumer illegally downloading a film or movie from a peer-to-peer system would be quickly pushed a pop-up message with links to purchase or rent the same content, whether the title in question exists on the VOD library of a participating distributor’s own broadband network or on a third-party seller like Amazon.


Damit könnte das System eine Alternative oder aber eine Ergänzung zum derzeitigen System der Provider, dem Copyright Alert System (CAS), sein, an dem sich AT&T, Cablevision, Time Warner, Verizon und Comcast beteiligen. Dieses System, auch als “Six-Strikes” bekannt, ist angelehnt an das französische “Three-Strikes”-Modell. Dabei werden Nutzern bei Urheberrechtsverstößen Warnungen geschickt. Nach sechs dieser Warnungen können die Internetprovider Strafen vornehmen, unter anderem ein Drosseln der Bandbreite. CAS ist seit Februar 2013 im Einsatz, weshalb bisher noch keine genauen Daten über ausgestellte Warnungen und Strafen sowie den Erfolg des Systems vorliegen.

Comcast verspricht sich von seinem neuen Mechanismus vor allem einen erzieherischen Gewinn, der mit CAS nicht zu verzeichnen sei:

Comcast is also hoping the new approach has a more educational impact than CAS, which sources indicate has provided Comcast with subscriber feedback suggesting it is ineffective in that respect. Encouraging legal transactions could also be a better tack to take with the segment of consumers unknowingly pirating from illegal websites with design interfaces so slick they confuse users into thinking they are legitimate sources for content.

Wie arstechnica hingegen bemerkt, spielen für Comcast auch wirtschaftliche Gründe einen enormen Faktor bei der Entwicklung des neuen Modells:

Comcast, unlike most of its other ISP competitors, also owns vast media holdings. The company’s assets include Universal Pictures, NBC, and other cable TV channels—so Comcast could stand to directly benefit from pushing its customers to buy its own products.

Zu technischen Einzelheiten des neuen Ansatzes ist zur Zeit nichts bekannt. Comcast weigerte sich auf Anfragen von Variety und arstechnica zu antworten.

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June 20 2013

USA: Google, Microsoft und Facebook bezahlen Internetprovider für schnelleren Internetzugang

Das Thema Netzneutralität ist keineswegs neu und doch ist es in Deutschland zur Zeit heiß diskutiert. Grund sind die Ankündigungen der Deutschen Telekom ab dem Jahr 2016 die Internetgeschwindigkeit ab einem gewissen Volumen, das vom Kunden verbraucht wurde, zu drosseln, bestimmte Dienste gegen Zahlung aber von dieser Drosselung auszunehmen. Dieses Vorgehen verstößt gegen die Netzneutralität, da es den Unternehmen die zu einer Zahlung bereit sind einen Wettbewerbsvorteil gegen andere Unternehmen verschafft, welche keine Zahlungen an die Deutsche Telekom leisten (ein aktuelles Video zu dem Thema findet hier). Solche Zahlungen von Unternehmen an die Internetprovider scheinen jedoch in den USA schon seit Längerem bewährte Praxis zu sein, wie das Wall Street Journal berichtet.

Verschiedene große Internetunternehmen, darunter Google, Microsoft und Facebook, sollen demnach regelmäßig Zahlungen an die amerikanischen Internetprovider überweisen um einen schnellen Zugang zu ihren Internetdiensten zu gewährleisten. Unternehmen die schnelle Verbindungen zu ihren Diensten haben wollen sind scheinbar auf diese Zahlungen angewiesen, wie auch das Beispiel Netflix zeigt:

Netflix Inc.,though, has held out—so far. For a year it has been trying to directly connect specialized technology to the networks of broadband providers as a way to improve the quality of its video streaming, avoiding the stops and sputters common to Web video. But some of the biggest U.S. cable and phone companies have asked Netflix to pay for that access.


Nach Meinung der Federal Communications Commission (FCC) ist diese Praxis in den USA dabei keineswegs illegal. Wichtig hierfür sei, dass die “letzte Meile”, also das letzte Stück der Internetleitung von den Provider zu den Nutzern, durch jene Zahlung unangetastet bliebe. Die Unternehmen würde einzig für eine direkte Anbindung ihrer Server an die jeweiligen Provider zahlen, was nach Ansicht der FCC auch die Netzneutralität verstößt.

Once inside the broadband providers’ networks, however, all content faces the same traffic travails along the last miles of pipe connected to homes.

Dennoch scheint die FCC Bedenken zu haben, besonders kleinere Start-Ups zu benachteiligen:

If broadband access providers require payment from Web publishers, the FCC warned in a court filing last fall, it will “increase barriers to entry of new services and would make it more difficult to attract the necessary financing for startup Internet ventures. The next Google or Facebook might never begin,” the commission said in the filing, responding to a pending Verizon lawsuit that challenges the regulator’s “open Internet” rules.

Die großen Internetprovider in den USA sehen ebenfalls nicht anstößiges in den Zahlungen. Sie berufen sich darauf, dass sie die Einzigen seien die die Kosten für den Netzausbau tragen würden. Die Unternehmen daran zu beteiligen sei nur fair. Besonders da der gesamte Traffic im Internet immer weiter zunimmt, besonders durch das Streamen von Videos. So gibt einerseits Cisco an, dass sich bis zum Jahr 2017 die Übertragungsmenge von Videos verdoppeln werde. Und andererseits sagt der Internetprovider Comcast, dass sie jedes Jahr einen Zuwachs von 55% an Traffic in ihren Leitungen verzeichnen würden.

Über die Höhe der Zahlungen gibt es keine genauen Informationen. Comcast gibt lediglich an jährlich insgesamt 25 bis 30 Millionen US-Doller von den Unternehmen zu erhalten. Time Warner Cable spricht nur von einem zweistelligen Millionenbetrag. Keines der Unternehmen, weder Diensteanbieter noch Internetprovider, waren zu einer Stellungnahme bereit.

Ob diese Zahlungen tatsächlich notwendig sind um den Betrieb großer Internetdienste wie Youtube zu gewährleisten lässt sich von außen nicht beurteilen. Microsoft gibt jedoch an, auf die Zahlungen angewiesen zu sein:

If Microsoft stopped paying Comcast “tomorrow,” said a person familiar with the matter, its Web performance would “go downhill and the pages wouldn’t load as fast.”

Die Frage ist wie man aus diesem Dilemma herauskommt. Solange die großen Unternehmen bereit sind zu Zahlen und die Provider die Zahlungen dankend annehmend wird sich sicherlich nicht so schnell etwas ändern. Es sind einfach diese großen Unternehmen die den Markt beherrschen. Und solange auch kleinere Dienste nicht komplett vom Internet abgeschnitten werden oder schlicht nicht mehr nutzbar sind, werden auch diese sich nicht beschweren. Vielleicht muss es erst zum großen Knall kommen bis die Politik reagiert.

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