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May 11 2011

Bundesregierung: Unwissenheit oder Angriff auf Freie Software?

Im Fall der Abkehr des Auswärtigen Amtes von Freier Software verwickelt sich die Bundesregierung in Widersprüche. Die Reaktion der Regierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.

Viele der Antworten zeigen, dass die Bundesregierung entweder wichitge Aspekte Freier Software nicht verstanden hat, oder dass die Regierung hier bewußt Freie Software im Allgemeinen und Freie Software-Unternehmen attackiert.

So bestreitet die Regierung, dass die Entwicklungen im Auswärtigen Amt eine “Abkehr von der bisherigen ausschließlich auf quelloffener Software basierenden IT-Strategie” darstellen. Gleichzeitig bestätigt sie jedoch, dass die Behörde auf Microsoft Windows 7 und Office 2010 migieren wird.

Die Antwort verbreitet alte Mythen wie z.B., dass Freie Software schlechter benutzbar sei, höhere Hardware-Kosten verursache und es an Gewährleistung mangelt.

Daneben wirft die Antwort der Regierung neue Fragen auf. So erwähnt die Regierung, dass 4,3 Millionen Euro für eine “quelloffene Bundesdistribution” ausgegeben wurde, die offenbar nie fertig gestellt wurde. Wer fragt sich hier nicht was mit diesem Projekt passiert ist, und wofür die Regierung das Geld eigentlich ausgegeben hat?

Mithelfen In der Antwort stecken viele falsche und verwirrende Aussagen drin, dass wir eure Mithilfe bei der Analyse benötigen. Fügt eure Kommentare auf der öffentlichen Plattform zur Kommentierung der Fragen ein. Bei vielen Antworten werden Freier Software Probleme angelastet, die auf Managementfehler zurückzuführen sind.

Hier schon mal ein paar erste Kommentare, den Rest füge ich ins Etherpad ein:

Support / Gewährleistung für Freie Software (Frage 21): Freie-Software-Lizenzen stellen zunächst klar, dass der Autor der Software keine Gewährleistung für die Software gibt. Dies ist der Fall, da der Autor nicht zwingend der Dienstleister ist.

Wenn ein Dienstleister mit der Erstellung von Software beauftragt und dafür bezahlt wird, dann gilt grundsätzlich die normale werkvertragliche Gewährleistung, egal ob Freie oder proprietäre Software eingesetzt wird.

Wenn man Freie Software kostenlos herunterlädt und benutzt, dann bekommt man auch keine Gewährleistung. Im deutschen Recht gelten die Gewährleistungs- und Haftungsregelungen wie bei anderen unentgeltlichen Verträgen (Schenkung, Leihe etc.).

Jedoch kann jeder Dienstleister für jede Software unter einer Freien-Software-Lizenz Gewährleistung anbieten. Dies geschieht im Service-Level-Agreement (SLA), in dem z.B. festgelegt wird, für was genau eine Gewährleistung gegeben wird, innerhalb welcher Zeit Fehler behoben werden, zu welchen Kosten etc. Diese Gewährleistungen lassen sich im Allgemeinen sehr genau auf die Bedürfnisse des Kunden anpassen und gehen nicht selten über das hinaus, was Dienstleister für proprietäre Produkte vieler Hersteller gewährleisten können, bzw. was die Hersteller proprietärer Produkte selbst gewährleisten. Das Auswärtige Amt hätte auf Dienleistungen von z.B. Redhat Enterprise Linux oder Suse Linux Enterprise Server zurückgreifen können.

Benutzbarkeit Freier Software: In Antwort 16 wird so getan, als ob Benutzbarkeitsprobleme bei Freier Software nicht behoben werden könnten und als ob Freie Software generell weniger benutzerfreundlich ist als unfreie Software. Die Benutzbarkeit einer Software hat nichts damit zu tun ob sie Freie Software oder unfreie Software ist. Es gibt schlecht bedienbare freie als auch unfreie Software. Das zeigt die aufgeführte Groupware (X-manage) die im Auswärtigen Amt verwendet wird. Diese ist aber unfreie Software und nicht wie die Antwort suggeriert Freie Software.

Anmerkung: Der Autor ist Deutschlandkoordinator der Free Software Foundation Europe.

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April 15 2011

Die zweite “Kleine” zur Rückmigration im Auswärtigen Amt

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat diese Woche im Bundestag eine kleine Anfrage zur Rückmigration des Auswärtigen Amts auf Microsoft Windows XP gestellt (PDF). Die Grünen bemängeln, dass die Haltung der Bundesregierung zum Einsatz Freier Software weiterhin unklar ist.

In den 39 Fragen geht es unter anderem um die Freie-Software-Strategie der Bundesregierung; die Verbreitung Offene Standards; Software-Monopole und Herstellerabhängigkeit; Fragen der IT-Sicherheit; und die Rolle des Innenministeriums, des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und des Open-Source-Kompetenzzentrum des Bundesverwaltungsamtes (CCOSS).

Nachdem die Bundesregierung auf die kleine Anfrage der SPD in ihrer Antwort keine klaren Aussagen gemacht hat, fragen die Grünen konkret nach:

  • seit wann der Bundesregierung die Rückmigration bekannt war (hier wird auf die geleakten Dokumente von netzpolitik verwiesen),
  • warum das Auswärtige Amt gegen die Empfehlungen der selbst in Auftrag gegebenen Studien handelt (das hatte ich in einem Interview mit der TAZ “Eine Studie nach der anderen” bemängelt)
  • Welche Anstregungen unternommen wurden um die genannten Interoperabilitätsprobleme zu beheben,
  • warum es diese Interoperabilitätsprobleme gab, obwohl die Bundesverwaltung nach dem IT-Rats-Beschluss Nr. 11/2008 Open Document Format-Dokumente (ODF) empfangen, bearbeiten und zurückschicken können müssen,
  • was getan wurde, um die Mitarbeiter besser bei der Migration einzubinden
  • wie hoch die erwarteten und später die tatsächlichen Kosten waren
  • wie das Auswärtige Amt es schafft, dass wie die Bundesregierung schrieb, bei der Rückmigration keinerlei Kosten auftreten werden

Die Free Software Foundation Europe (FSFE) hatte bereits in der Vergangenheit gefordert, den Prozess transparenter zu machen (siehe dazu Dradio-Wissen-Interview mit Bernhard Reiter) und begrüßt daher die kleine Anfrage der Grünen, wie damals auch die Anfrage der SPD.

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March 18 2011

Kontraste leakt AKW-Prüfkatalog der Bundesregierung (Update)

Die RBB-Sendung Kontraste hat gestern in ihrer Ausgabe über ein internes Papier der Bundesregierung berichtet: Geheimer Prüfkatalog – Alle AKW vor dem Aus?

Interne Unterlagen der Bundesregierung, die KONTRASTE exklusiv vorliegen, belegen: Allen deutschen Kernkraftwerken droht das AUS. Experten fordern neue Sicherheitsstandards, deren Umsetzung die Energiewirtschaft Milliarden kosten würde.

Leider immer noch etwas außergewöhnlich, aber sehr lobenswert: Die Redaktion hat das Papier gleich mit veröffentlicht. Einmal als Fließtext auf der Webseite, dann auf Dropbox und auf der eigenen Facebook-Seite:

Das Dokument kann unter http://tinyurl.com/6bp7j8w heruntergeladen werden. Zusätzlich ist es auch auf der KONTRASTE-Seite bei Facebook einsehbar.

Zur weiteren Ausfallsicherheit hab ich es nochmal auf unseren Server gepackt. Und hier ist die Sendung dazu:

Die erste Youtube-Version war wohl hinten abgeschnitten, hab den Beitrag durch eine jetzt vermutlich komplette Version ersetzt.

Update: Warum Kontraste in dem Beitrag das Papier mit dem Datum 14.3.2011 abfilmt, aber das veröffentlichte das Datum vom 16.3.2011 trägt, weiß wohl nur die Redaktion. Oder sie haben verschiedene Diffs bekommen.

Spannend ist ja auch immer die Frage, wer so etwas mit welchem Interesse leakt. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber vermutet auf Twitter, dass das Bundesumweltministerium den Bericht bewusst an Kontraste weitergegeben habe, um “Härte gegen Konzerne” vorzutäuschen. Nix davon würde bleiben. Da lassen wir uns mal überraschen, was passiert, wenn die nächsten Landtagswahlen um sind.

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