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January 28 2014

Squeaky Dolphin – Facebook, YouTube und Blogs im Visier des britischen Geheimdiensts

squeakydolphinDass der britische Geheimdienst GCHQ an verschiedenen Stellen der Erde auf den Internettraffic zugreift, indem er alle wichtigen Glasfaserkabel, an die er rankommt, anzapft, ist seit längerem bekannt. Glenn Greenwald hat für NBC News mit einigen Kollegen aufgeschrieben, was damit beispielsweise gemacht werden kann. Im Jahr 2012 sei den amerikanischen Überwachungs-Freunden ein Pilotprogramm vorgestellt worden, mit dem die Briten YouTube-Nutzung in Echtzeit überwachten und auch Dienste wie Facebook und Twitter ausforschten:

Called “Psychology A New Kind of SIGDEV” (Signals Development), the presentation includes a section that spells out “Broad real-time monitoring of online activity” of YouTube videos, URLs “liked” on Facebook, and Blogspot/Blogger visits. The monitoring program is called “Squeaky Dolphin.”


Mit diesem Programm sei man nicht an einzelnen Personen, sondern an Trends interessiert. So habe man einen Tag vor Protesten in Bahrain Trends bei YouTube, Facebook und in Blogposts beobachtet. Bei der Analyse hilft das Big-Data-Tool Splunk, das sich auch explizit an Regierungen wendet. Dass man aus den gesammelten Informationen keine Rückschlüsse auf einzelne Personen ziehen kann, dürfte unwahrscheinlich sein, wobei es dafür bekanntlich auch andere Programme gibt. Aber trotzdem gut zu wissen, dass die Five-Eyes-Geheimdienste vorher wissen, wenn irgendwo auf der Welt Proteste drohen. Freut einen vor allem, wenn die Geheimdienste des eigenen Landes mit diesen Diensten kooperieren und das auch noch vertiefen wollen, da macht die nächste Anti-Geheimdienst-Demo sicherlich doppelt Spaß.

Wie immer betont GCHQ, dass alles im Rahmen von Gesetzen passiert und nur ausländische Ziele beobachtet werden. Abgesehen davon, dass dann die Gesetze untauglich sind, sollte man sich das als Brite vielleicht mal genauer anschauen. In der Präsentation ist auch eine Folie enthalten, in der “Cricket Related Activities in London, England” ausgewertet werden und man sich Facebook-Likes von Artikeln reinzieht, die Liam Fox zum Thema haben, einen Abgeordneten des politischen Arms von GCHQ. Auf einer anderen Folie ist ein von einem Briten durchgeführter Turing-Test bei Twitter zu sehen (hier beschrieben, komischer Weise hat NBC News auch den Bot anonymisiert).

Der Artikel geht auch darauf ein, wie leicht es die Konzerne dem Geheimdienst gemacht haben:

Encryption would prevent simple collection of the data by an outside entity like the government. Google has not yet encrypted YouTube or Blogger. Facebook and Twitter have now fully encrypted all their data. Facebook confirmed to NBC News that while its “like” data was unencrypted, the company never gave it to the U.K. government and was unaware that GCHQ might have been siphoning the data.

In der Präsentation ist übrigens auch sehr viel hochklassige Psychologie enthalten. Unter anderem wurde an Hand eines Katzenbilds erklärt, dass es einen Unterschied zwischen extrovertierten und introvertierten Individuen gibt. Auf einer weiteren Folie wird Pilotenheld Chesley Sullenberger dem Costa-Concordia-Kapitän gegenübergestellt, vermutlich um verständlich zu machen, was der Begriff “Verlässlichkeit” bedeutet. Ausserdem werden Erkenntnisse zu unterschiedlichen Charaktereigenschaften von Nutzern verschiedener Browser vermittelt. Internet-Explorer-Nutzer sind demnach weniger offen für Neues als Nutzer von Chrome, Safari oder Firefox, dafür aber am liebenswertesten verträglichsten [Korr., siehe Diskussion]. Diese Folien sorgen definitiv für Beruhigung, wenn man sich bisher Sorgen machte, durchgeknallte Geheimdienste mit Monsterbudgets könnten mit den gesammelten Daten Quatsch machen und bei der Einschätzung von Personen zu willkürlichen Ergebnissen kommen.

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Schweinderl