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January 09 2014

Boykott der RSA-Konferenz: Weitere Signale aus der Wissenschaft gegen NSA und Massenüberwachung

 

Sprechblasen-Aktion von Tripwire Inc aus der RSA-Konferenz 2013. CC-BY-NC-ND 2.0 via Flickr/tripwireinc

Sprechblasen-Aktion von Tripwire Inc auf der RSA-Konferenz 2013. Wie würden die Antworten dieses Jahr wohl aussehen? CC-BY-NC-ND 2.0 via Flickr/tripwireinc

Anfang der Woche hatten wir über den offenen Brief von anfänglich 207 Wissenschaftlern gegen Massenüberwachung berichtet. Aber nicht nur durch Briefe, sondern auch durch Boykotts kann man klar Stellung beziehen. Das geschieht jetzt vermehrt in Bezug auf die RSA-Konferenz, die Ende Februar in San Francisco stattfinden wird.

Grund ist ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom 20. Dezember. In diesem wurde über einen 10 Millionen US-Dollar schweren Vertrag zwischen der NSA und RSA Security berichtet. RSA Security ist ein 1982 von Rivest, Shamir und Adleman gegründetes IT-Sicherheitsunternehmen, zu dessen bekanntesten Produkten die Programmbibliothek BSAFE zählt. Die soll eigentlich für Sicherheit sorgen, wurde aber durch die NSA kompromittiert. Das deutete sich schon im September an – da warnte RSA bereits vor ihrem eigenen Produkt, oder besser gesagt vor einem darin als Standardeinstellung enthaltenen Zufallsgenerator. Das zugrunde liegende Verfahren wurde damals auch von der Standardisierungsbehörde NIST als potentiell unsicher deklariert.

Dass RSA Security sich in Kooperation mit der NSA daran beteiligten, dieses kompromittierte Verfahren als Standard zu setzen, war damals jedoch noch nicht bekannt. Und selbstverständlich bestreitet RSA auch heute noch eine geheime Abmachung zur wissentlichen Schwächung der Sicherheitsbibliothek. Natürlich habe es eine Zusammenarbeit mit der NSA gegeben, aber immer in transparenter Form und um bestmögliche Kryptoverfahren zu entwickeln.

Viele Wissenschaftler halten dieses Dementi für scheinheilig und ziehen nun Konsequenzen, indem sie die kommende RSA-Konferenz boykottieren. Auch eingeladene Sprecher haben bereits abgesagt, darunter Sicherheitsexperten von Google, der Datenschutzbeauftragte von Mozilla und  der Forschungsleiter von F-Secure, Mikko Hypponen, der mit seinem offenen Brief vom 23. Dezember der erste war, der diese Konsequenz öffentlich gezogen hat.

Spannend ist in diesem Zusammenhang auch eine Abstimmung bei OWASP, ob ein von ihnen geplanter Workshop angeboten werden soll oder nicht. Die laufenden Abstimmungsergebnisse sind leider nicht öffentlich sichtbar, aber wir warten gespannt auf die Endergebnisse am 14. Januar – vor allem, da OWASP auch (noch) zu den Sponsoren der Konferenz gehört.

Es ist zu begrüßen, dass sich immer mehr Gruppen öffentlich positionieren. Und auch wenn damit noch lange nicht die Geheimaktivitäten der NSA gestoppt werden, kann man vielleicht den öffentlichen Druck auf die aktiven Kollaborateure erhöhen. Denn wer weiß, über welche Zusammenarbeit wir im Laufe der nächsten Veröffentlichungen von Snowden-Dokumenten als nächstes erfahren.

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October 23 2013

Bots sind schuld: Studie über Autorenschwund in Wikipedia

Seit 2007 verzeichnet die englischsprachige Wikipedia einen kontinuierlichen Rückgang an aktiven AutorInnen, also solchen die mehr als fünfmal pro Monat etwas zur Online-Enzyklopädie beitragen:

Aktive AutorInnen (>=5 Editierungen/Monat) in der englischsprachigen Wikipedia (Halfaker et al. 2013)

Aktive AutorInnen (>=5 Editierungen/Monat) in der englischsprachigen Wikipedia (Halfaker et al. 2013)

Ein Forschungsteam rund um Aaron Halfaker von der University of Minnesota hat nun in einer Schwerpunktausgabe der Zeitschrift American Behavioral Scientist zum Thema Wikis eine Studie veröffentlicht (PDF), die in automatisierten Qualitätssicherungsmaßnahmen den Hauptgrund für den Rückgang an AutorInnen ausmacht. Halfaker dazu (meine Übersetzung):

Um die Qualität der enzyklopädischen Inhalte trotz des exponentiellen Wachstums der Gemeinschaft an Beitragenden aufrecht zu erhalten, entwickelten die WikipedianerInnen automatisierte (Bots) und halb-automatisierte Werkzeuge (HuggleTwinkle, etc.) um die Aufgabe, unerwünschte Beiträge zurückzuweisen, so wenig aufwändig wie möglich zu gestalten. Diese Werkzeuge waren offensichtlich sehr effektiv.

Konkret stieg der Anteil an zurückgesetzten Änderungen von Neulingen ab 2007 an – und zwar vor allem auch in der Gruppe jener AutorInnen, die in dem guten Glauben (“good faith”) gehandelt hatten, einen echten Beitrag zu leisten:

Anteil von Zurückgesetzen  Beiträgen von Neulingen (Halfaker et al. 2013)

Anteil von Zurückgesetzen Beiträgen von Neulingen (Halfaker et al. 2013)

Neben einer kurzen Zusammenfassung der Ergebnisse von Halfaker selbst berichtet auch MIT Technology Review in einem längeren Beitrag über die Studie. Für die Zukunft wäre eine vergleichende Untersuchung verschiedener Sprachversionen interessant, weil sich die eingesetzten Bots durchaus unterscheiden – wenn auch in anderen Sprachversionen eine starke Zunahme an Bot-Editierungen zu beobachten ist (vgl. beispielsweise zur deutschen Wikipedia einen Aufsatz von Claudia Müller-Birn, Jim Herbsleb und mir mit dem Titel “Work-to-Rule“).

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July 13 2011

Gibt es eine Filter-Blase?

Das Buch „The Filter Bubble: What the Internet is Hiding from You“ (Amazon-Link) liegt seit einigen Wochen auf meinem Schreibtisch und ich komme leider immer nur sporadisch zum überfliegen. Eli Pariser beschreibt darin die mögliche Gefahr einer “Filter-Blase”.

Im Hyperland-Blog kommentiert Peter Glaser das Buch und zweifelt, ob die Kernthese neu ist und die Gefahr überhaupt besteht: Von wegen Filterblase.

Aber ist es nicht seit jeher so, dass Menschen in einer Sphäre aus Sichtweisen befangen sind, die von den eigenen Interessen und von Vorurteilen bestimmt ist? – wobei „Vorurteil“ auch erst einmal einfach nur bedeuten kann, dass man zu einer Sache zu wenig Informationen hat und es, statt mit gar keiner, mit einer provisorischen Meinungs- oder Gesprächsgrundlage versucht.[....] Aber dass wir nun alle durch das Internet in den Echokammern unserer eigenen, beschränkten Ansichten und Neigungen isoliert würden, ist eine geradezu klassisch kulturpessimistische Sicht. Wobei mich an dem Konzept der Filterblase am meisten stört, dass es ein längst abgelegtes Menschenbild, nämlich das des wehrlosen, manipulierbaren Medienopfers, aus der Mottenkiste holt.

Dirk von Gehlen antwortet auf Peter Glaser in seinem Blog und kommt zu einer ganz anderen Meinung: Filterblase – die hinteren Kapitel.

Ich habe das Buch eher als Hinweis auf die Frage verstanden: Taugen unsere überkommenen Vorstellungen von Relevanz eigentlich noch, wenn im Netz sich neue Interpretationen dessen entwickeln? Denn wenn sich die Zuckerbergsche Variante durchsetzt, heißt das, dass relevant nur noch das ist, worauf ich reagiere. Das bedeutet aber eben, dass womöglich gerade keine unterschiedlichen Zugänge und Auffassungen angezeigt werden. Und das verändert die Wahrnehmung. Selbst wenn man die anderen Zugänge und Auffassungen finden könnte, sie sind nicht mehr präsent. Die Frage nach den Folgen einer solchen Entwicklung zu stellen, halte ich für sehr wegweisend. Denn sie ist nicht von Kulturpessimismus getrieben, sondern von der Sorge, die Gestaltung von gesellschaftlicher Relevanz und Öffentlichkeit nicht allein den Geschäftsinteressen von Google und Facebook zu überlassen.

Nach dem, was ich bisher gelesen habe, tendiere ich eher zu Dirk von Gehlen, muss mir aber für eine abschließende Meinung nochmal Zeit nehmen und den Rest durchlesen.

Hier beschreibt Eli Pariser in einem Ted-Talk seine Grundthese:

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