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May 31 2013

Volkszählung: Ergebnisse des Zensus 2011 als Rohdaten veröffentlicht – und schon visualisiert

zensus-logoIn Deutschland leben 1,5 Millionen Einwohner weniger als bislang angenommen. Das wird als zentrale Erkenntnis der aktuellen Volkszählung präsentiert, deren Ergebnisse heute veröffentlicht wurden. Open Data-Aktivisten haben in Rekordzeit eine Visualisierung der Daten erstellt. Kritik von Datenschützern gibt es nur wenig – im Gegensatz zu früher.

Vor zwei Jahren fand, auf Vorgaben der Europäischen Union, die neue Volkszählung statt. In Deutschland unter dem Label Zensus 2011 bekannt, wurden Gebäude- und Wohnungszählungen sowie Haushaltebefragungen durchgeführt. Führte die geplante Volkszählung in den 1980er Jahren noch zu massiven Protesten, Boykott, dem Randale-Ritual am Ersten Mai in Berlin und dem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, mahnte diesmal nur eine kleine Gruppe von Datenschützern Kritik an. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz fordert, dass die Volkszählung “datenschutzgerecht” ausgestaltet wird.

Heute hat das Statistische Bundesamt die Ergebnisse des Zensus vorgestellt. Die wichtigsten Daten werden gerade von allen Medien zitiert und aufbereitet. Spannender für netzpolitik.org sind Daten “in der jeweils kleinstmöglichen Gliederung als Datei zum Download“, die erstmalig veröffentlicht werden. Vier Daten-Typen gibt es als CSV:

Die Open-Data-Spezialexterten von OpenDataCity haben daraus in Rekordzeit interaktive Karten erstellt. Auf zensuskarte.de finden sich Visualisierungen der Daten zum Rumklicken und Einbetten:

Wir haben den Macher/innen ein paar Fragen gestellt:

netzpolitik.org: Welche Daten wollten die von sich aus in welchen Formaten veröffentlichen? Welche gibt es jetzt wirklich und wie viel Überzeugungsarbeit steckt dahinter?

OpenDataCity: Wir hatten, wie andere Kollegen auch, ein paarmal vorher mit dem Statistischen Bundesamt telefoniert. Unsere Ansprechpartner dort waren sehr hilfsbereit. Erst hieß es, die Veröffentlichung der Daten in einer gesamten Datei (als CSV/XLS) im Sinne von Open Data sei nicht möglich. Nicht zuletzt wegen Kompetenzgerangel zwischen Bund und Ländern. Erfreulicherweise kam dann aber die Nachricht, dass heute dann die gesamten Daten auch komplett zum Download veröffentlicht werden – und nicht nur über deren etwas umständliche Webtool.

netzpolitik.org: Wie gut ist der Datensatz, inhaltlich und strukturell?

OpenDataCity: Wenige Stunden nach Veröffentlichung ist das schwer zu bewerten. Wir können davon ausgehen, dass das handwerklich von den Statistischen Ämtern korrekt gemacht wurde. Die Veröffentlichung als CSV/XLS-Dateien inklusive Erläuterungen ist hilfreich. Die politische Dimension einer Volkszählung ist eine andere Debatte. Entgegen 1987 gab es ja diesmal so gut wie keine kritische und wiederständische Begleitung. Und über Begrifflichkeiten wie “Migrationshintergrund” könnte man unendlich lang streiten.

netzpolitik.org: Warum könnt ihr in wenigen Stunden so coolen Scheiß machen, den die in Jahren nicht hinbekommen?

OpenDataCity: Naja, die setzen auf andere Prioritäten. Und wir sind mittlerweile darauf eingespielt, interaktive Anwendungen zu bauen. Jetzt gerade sitzen wir zu siebt daran: Jemand für den Kartenserver, ein anderer für den Server, zwei Leute am Frontend und drei Datenredakteure/-programmierer.

OpenDataCity: Was ist die interessanteste Erkenntnis, die ihr bisher rausziehen konntet?

OpenDataCity: Unsere Idee war, ein Tool anzubieten, dass jeder verwenden kann und einbetten darf. Deswegen war super, dass die Bundeszentrale für politische Bildung das sponsert. Die setzt eh auf die freie Creative Commons Lizenz Namensnennung. Die Analyse kann jeder selber vornehmen; wir kümmern uns erst einmal um die Veröffentlichung und dann um die Auswertung.

Michael Ebeling, Aktivist im Arbeitskreis Zensus, kommentierte gegenüber netzpolitik.org:

Ich hätte mir gewünscht, dass bei diesem für die Statistikbegeisterten so großen Tag nicht vergessen wird, unter welchen Umständen diese Ergebnisse zustandegekommen sind. Und die mit der Volkszählung 2011 verbundene heikle, die ganze Bevölkerung umfassende Sammlung von Daten von Menschen aus Flüchtlingsheimen, Frauenhäusern, Behindertenwohnheimen und von allen mit einer Auskunftssperre versehenen Menschen bleiben leider unerwähnt. Diese Datenerfassung stellt die Frage: hat das abstrakte Gebilde eines Staates abseits aller gutgemeinten Datenschutzbedinungen das Recht, solche Informationen derart und unter Anwendung von Zwang zu erfassen und – angeblich und vermeintlich sicher – zu speichern? Mit Rückblick auf unsere Vergangenheit bin ich gegen dieses Milliarden-Euro-Projekt.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung, auch um weiterhin einen Full-RSS-Feed anbieten zu können. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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April 27 2011

Was tun gegen die Volkszählung? Aufruf zum Aktionstag am 8. Mai

Der AK Zensus, in dem sich ein Großteil des Protestes gegen die Volkszählung 2011 organisiert, ruft für den 8. Mai zu einem bundesweiten Aktionstag auf. Am Tag vor dem Stichtag des Zensus11, an dem auch die Haushaltebefragung startet, soll im ganzen Land mit einer Postwurf-Aktion Aufklärungsarbeit über die Gefahren der Volkszählung geleistet werden.

Die Idee ist es, sich zum sonntäglichen Informationsspaziergang (“Walk-of-information”) zu verabreden und die 60.000 Flyer, die extra für diesen Tag gespendet wurden, zu verteilen. Wer Interesse hat mitzumachen, kann sich einfach per Mail direkt beim AK Zensus melden und die Flyer von dort kostenlos beziehen (kontakt (at) zensus11 (punkt) de). Die Motive der Flyer-Vorderseite sind das Ergebnis eines Fake-Wettbewerbs zu dem vor Ostern aufgerufen worden war.

Der Aktionstag ist als offenes Mitmachevent angedacht, d.h. auch zu eigenen Ideen für weitere Aufklärungsarbeit wird aufgerufen. Infostände, Demos oder kreative, dezentrale Informationspunkte werden vorgeschlagen. Bereits im Vorfeld am 30. April findet in Koblenz eine Demonstration gegen die Volkszählung statt.

Foto: CC-BY, Michael Ebeling (AK Zensus)

 

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“(Auf) uns könnt ihr nicht zählen!” Demo gegen die Volkszählung am Samstag in Koblenz

Für den kommenden Samstag, den 30. April 2011, ruft ein Bündnis aus Grüner Jugend, Linksjugend ['solid], LandesschülerInnenvertretung (LSV), Piratenpartei, Bündnis’90/Die Grünen, Attac und Pax Christi zur Demonstration gegen die Volkszählung in Koblenz auf.

Kritisiert werden vor allem die massive Einschränkung des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung durch die Erhebung, Übermittlung und Verknüpfung vieler sensibler Daten sowie die Tatsache, dass die Daten der Betroffenen nicht anonym verarbeitet werden, sondern über mehrere Jahre hinweg im  Klartext gespeichert werden. Bis zu vier Jahre ist die Identität des Befragten eindeutig zurückverfolgbar. Auskunftszwang und mögliche Strafen bei Verweigerung stehen ebenso in der Kritik wie die mangelnde Transparenz und Aufklärung, die das Bundesverfassungsgericht eigentlich zur Auflage für die Verfassungskonformität einer Volkszählung gemacht hatte.

Niemand sollte dazu gezwungen werden können, sensible persönliche Informationen, wie z.B. Religionszugehörigkeit oder Familienstand, an andere weiterzugeben, sei es an den Staat oder die Industrie

Vielen Bürgerinnen und Bürgern scheine die Sensibilität im Umgang mit ihren privatesten Daten verloren gegangen zu sein, “das ist eine gesellschaftliche Entwicklung, die uns sehr erschreckt” heißt es auf der Bündnis-Webseite. Die millionenschwere und breit angelegte Werbekampagne des statistischen Bundesamtes dagegen nutze diese Haltung aus, zeige nur sehr einseitig angebliche Vorzüge der Volkszählung auf und beschönige jede kritische Stimme. Die Organisatoren wollen das Thema daher ins öffentliche Bewusstsein zurückholen.

Auch wenn wir die Volkszählung nicht verhindern können, so wäre es doch ein Erfolg, ein Bewusstsein für die Problematik dieser staatlichen wie auch aller industriellen, wirtschaftlichen Datenerhebungen zu schaffen.

Die Demo startet am 30. April um 14 Uhr am Koblenzer Hauptbahnhof.

Weitere Informationen auf der Bündnis-Homepage: http://aufunskoenntihrnichtzaehlen.wordpress.com

Für den 8. Mai, den Tag vor dem Zensus-Stichtag ruft außerdem der AK Zensus zu einem bundesweiten Aktionstag gegen die Volkszählung auf.

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