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February 03 2014

Im Ernst: Polizeien der EU-Mitgliedstaaten sollen Vorratsdaten des belgischen Finanzdienstleisters SWIFT beim US-Finanzministerium abfragen

SWIFT-Bank3Im vergangenen Herbst hatte die EU-Kommission ihre Berichte zum “Terrorist Finance Tracking System” (TFTS) bzw. dem “Terrorist Finance Tracking Program” (TFTP) vorgelegt. Das TFTP ist eher bekannt unter dem Begriff “SWIFT-Abkommen”: Seit 2010 existiert der erneuerte Vertrag zum transatlantischen Datentausch von Finanzdaten des belgischen Finanzdienstleisters SWIFT. Das US-Finanzministerium erhält auf Anfrage Informationen über internationale Finanztransaktionen, Stammdaten, Post- oder Mailadressen der KontoinhaberInnen oder deren Telefonnummern. Diese können dann zur Suche in weitere Vorratsdatenspeicherungen genutzt werden.

Reformistische GegnerInnen des EU-US-Abkommens forderten damals als Alternative die Errichtung eines gleichlautenden EU-Systems, das TFTS. Nach dem NSA-Skandal hatten andere KritikerInnen gefordert, das bestehende TFTP aufzukündigen. Auch das EU-Parlament stellte sich monatelang quer, linke und grüne Abgeordnete konnten immerhin einige Firewalls hineinverhandeln. Beschlossen wurde, nach drei Jahren Laufzeit zu prüfen, ob die EU eine eigene Finanzdatensammlung einrichten könnte. Dies allerdings mit dem klaren Ziel, dass US-Behörden weiterhin auf die Daten zugreifen können.

Die EU-Kommission kommt nun zu dem Schluss, dass ein neues, europäisches System zur Analyse von Finanzdaten keinen Mehrwert habe. Auch der Datenschutz könne nicht ohne größere Anstrengungen gewährleistet werden. Außerdem sei es in den USA gar nicht so schlecht darum bestellt. Allen Ernstes heißt es:

The extraction of the data on European soil instead of in the U.S. would not guarantee better protection of personal data per se.

Also sollen die Polizeien der EU-Mitgliedstaaten ihre Abfragen von Finanzdaten der belgischen Firma SWIFT lieber weiterhin über die USA ausführen. Über die Notwendigkeit der einzelnen US-Anfragen entscheidet übrigens die EU-Polizeiagentur Europol, die dafür eine eigene Abteilung eingerichtet hat. Pikant: Ein anderes Department von Europol fragt selbst immer häufiger Finanzdaten beim US-Finanzministerium ab.

Im Frühjahr soll das SWIFT-Abkommen erneut geprüft werden. Ende Februar wird über die Notwendigkeit des EU-Finanzdatensystems TFTS weiter beraten.

Zeitgleich zu den Papieren über das TFTP bzw. ein mögliches europäisches TFTS hatte die Kommission die Mitteilung “Wiederherstellung des Vertrauens beim Datenaustausch zwischen der EU und den USA” herausgegeben. Der “Datenaustausch zu Zwecken der Strafverfolgung” wurde dort ausgesprochen gelobt, die bestehenden Abkommen mit den USA als “wertvolle Instrumente im Umgang mit gemeinsamen Sicherheitsbedrohungen durch schwere grenzüberschreitende Kriminalität und Terrorismus” bezeichnet.

Weder das Abkommen zum Tausch von Passagierdaten noch zum Tausch von Finanzdaten sei laut der Kommission von US-Geheimdiensten missbraucht worden – jedenfalls hätten sich hierzu “keinerlei Hinweise” ergeben. Die Kommission gab sich brav mit der Zusicherung der USA zufrieden, dass “keine direkte Datensammlung, mit der gegen das Abkommen verstoßen worden wäre, erfolgt sei”.

Die Mitteilung enthält auch einen Passus, der die Begehrlichkeiten einer europäischen Schengen-Cloud nochmal ganz neu erklärt. Es geht um Big Data im Kapitalismus:

Der Wert personenbezogener Daten hat zugenommen: Im Jahr 2011 wurden die Daten von EU-Bürgern auf einen Wert von 315 Mrd. EUR geschätzt, und es ist von einem jährlichen Anstieg auf nahezu 1 Bio. EUR bis 2020 auszugehen. Der Markt für die Analyse sehr großer Datensätze steigt jährlich weltweit um 40%. Gleichzeitig ist mit der technologischen Entwicklung beispielsweise im Bereich des Cloud-Computings der internationale Datentransfer in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt, weil grenzüberschreitende Datenströme aus der alltäglichen Realität nicht mehr wegzudenken sind.

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October 23 2013

Nach NSA-Skandal: Europaparlament fordert offiziell Aussetzung des SWIFT-Abkommens

Gerade eben hat das Europäische Parlament bei der Plenarsitzung in Straßburg darüber abgestimmt, was seiner Meinung nach jetzt, wo klar ist, dass die NSA das SWIFT-Netzwerk ausspioniert, mit dem SWIFT-Abkommen über den Transfer von Finanztransaktionsdaten in die USA passieren soll. Die gemeinsame Forderung von Sozialdemokraten, Grünen und Liberalen, das Abkommen auszusetzen und damit die Übermittlung der Daten an die USA zu stoppen, wurde mit 280:254 Stimmen angenommen. Bindend ist die Forderung nicht, es wurde allerdings wiederholt darauf hingewiesen, dass das Parlament in Zukunft ähnliche Abkommen blockieren werde, wenn sich die Kommission der Forderung widersetzt.

Die umgangssprachlich auch

Abkommen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika über die Verarbeitung von Zahlungsverkehrsdaten und deren Übermittlung aus der Europäischen Union an die Vereinigten Staaten von Amerika für die Zwecke des Programms zum Aufspüren der Finanzierung des Terrorismus

genannte Vereinbarung wurde bei der letzten Plenarsitzung vor zwei Wochen diskutiert. Dabei waren die Fronten schon deutlich: Während konservative Politiker wie üblich den Wert der Terrorismusbekämpfung beschworen, waren sich Redner der anderen Fraktionen weitgehend einig, dass die vorliegenden Indizien mindestens eine Aussetzung, wenn nicht gar eine Aufkündigung des Abkommens erfordern.

Der Textvorschlag der Europäischen Volkspartei, der aus Deutschland CDU und CSU sowie aus Österreich die ÖVP angehören, liest sich dementsprechend unter anderem so:

[Das Europäische Parlament,] dankt den entsprechenden Stellen in den USA für ihr Engagement und ihre Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Bekämpfung des Terrorismus und des groß angelegten Verbrechens;

Ausserdem wird die Kommission aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen um zu verhindern, dass das Abkommen ab 2015 gefährdet werden könnte.

Im gemeinsamen Vorschlag von Sozialdemokraten, Grünen und Liberalen heisst es dagegen:

[Das Europäische Parlament] fordert angesichts dieser Überlegungen, dass die Kommission das Abkommen vorübergehend aussetzt, bis die folgenden Bedingungen für die Aufnahme von Verhandlungen über seine Wiederinkraftsetzung erfüllt sind:

(a) vollständige und umfassende Klärung des tatsächlichen Sachverhalts im Hinblick auf den nicht genehmigten Zugang zu den durch dieses Abkommen geregelten Finanzdaten durch eine US-amerikanische Regierungsstelle oder eine gleichwertige Stelle außerhalb des Abkommens oder unter Verstoß gegen das Abkommen;

(b) erforderlichenfalls vollständige Entschärfung der Situation;

(c) umfassende Analyse der Umsetzung von Artikel 1, 4, 12, 13, 15 und 16 des Abkommens und Festlegung einer Lösung für eine korrekte Umsetzung, was unter Umständen eine Überarbeitung der betreffenden Artikel zur Folge haben kann;

Die Fraktion der Linken schließlich forderte kurz und schmerzlos

die Kommission auf, unverzüglich die für eine Beendigung des Abkommens notwendigen Schritte einzuleiten

Posse am Rande: Die EVP wollte die Abstimmung unter anderem wegen des Mittagessens und wegen des laufenden LIBE-Untersuchungsausschusses verschieben, der Antrag wurde aber abgelehnt.

Das Abkommen ist auch unabhängig von der NSA-Überwachung hochgradig umstritten. Unter anderem gehen selbst aus den Kontrollberichten der Europäischen Kommission erhebliche Mängel hervor.

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July 07 2013

Transatlantische Arbeitsgruppe zu PRISM kriegt Maulkorb

Die vor kurzem von der Europäischen Kommission versprochene transatlantische Arbeitsgruppe zur Untersuchung von PRISM bleibt an der kurzen Leine der EU-US-Geheimdienstkoalition. Das Vereinigte Königreich und Schweden machten deutlich: Angelegenheiten der nationalen Sicherheit sowie Geheimdienstarbeit liegen nicht in der Zuständigkeit der EU.

Die Gruppe wird sich “in erster Linie mit Angelegenheiten des Datenschutzes befassen”, sagt ein Vertreter der litauischen Ratspräsidentschaft gegenüber dem Guardian im Anschluss an diplomatische Verhandlungen über das Gesprächsmandat. Bei den morgen in Washington stattfindenden Vorgesprächen zur Arbeitsgruppe wollen sich die Vertreter*innen der EU-Kommission und der USA zunächst auf die Zusammensetzung der gemaulkorbten Arbeitsgruppe einigen, schreibt der EU-Observer.

Es ist also schon jetzt klar, dass diese noch nicht konstituierte Arbeitsgruppe nicht über PRISM und den Rest (den wohl größten Überwachungsskandal der Geschichte) reden wird.

Und: EU-Kommissarin Cecilia Malmstrom will sich in Washington auch noch versichern lassen, dass die USA beim Abgreifen von Fluggastdaten (US-PNR) und Finanzdaten alles richtig machen.

Zeitgleich beginnen die Verhandlungen über das transatlantische Acta 2.0 namens TAFTA.

An dieser Stelle drei brandheiße Politikempfehlungen an die Verantwortlichen in Europa:

Vorschlag 1: Tut was für die CO2-Bilanz und spart euch den Flug nach DC.

Vorschlag 2: Wenn ihr so gerne (EU-)Recht lest, legt euch mal die Grundrechtecharta auf den Nachtisch. Fortgeschrittene Advokaten können es auch gleich mit dem Völkerrecht probieren:

Artikel 17

(1) Niemand darf willkürlichen oder rechtswidrigen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder rechtswidrigen Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden.

(2) Jedermann hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.

Vorschlag 3: Wendet das mal politisch an, was ihr da gelesen habt.  Macht ihr ja beim Überwachen auch.

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