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June 28 2013

Türkischer Kommunikationsminister lobt Facebook für Zusammenarbeit während der Proteste

Wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajansı berichtet, sagte der Verkehrs- und Kommunikationsminister Binali Yildrim am Mittwoch, dass die türkische Regierung verschiedene soziale Netzwerke, darunter Facebook und Twitter, in Zusammenhang mit den Protesten kontaktiert hat.

We did not see a positive attitude [from Twitter] but Facebook has been working in harmony with the Turkish authorities for a long time. [...] We don’t have any problem with them.

Diese Aussage führte zu Spekulationen darüber, ob Facebook den Regierungsbehörden Daten von Demonstrierenden ausgehändigt hat. Facebook dementierte dies noch am selben Tag:

Facebook has not provided user data to Turkish authorities in response to government requests relating to the protests. More generally, we reject all government data requests from Turkish authorities and push them to formal legal channels unless it appears that there is an immediate threat to life or a child, which has been the case in only a small fraction of the requests we have received. We are concerned about legislative proposals that might purport to require Internet companies to provide user information to Turkish law enforcement authorities more frequently. We will be meeting with representatives of the Turkish government when they visit Silicon Valley this week, and we intend to communicate our strong concerns about these proposals directly at that time.

Laut Reuters forderte Yildirim am Mittwoch ebenfalls, dass Twitter ein Büro in der Türkei eröffnen soll – es müsse direkte Ansprechpartner geben. Twitter antwortete nicht auf diese Aussage.

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June 19 2013

Türkei: Justiz durchsucht rückwirkend soziale Netzwerke nach Straftaten

In den letzten Tagen kam es immer wieder zu landesweiten Razzien in der Türkei bei denen mehr als 100 Personen festgenommen wurden, wie beispielsweise die tageschau berichtet. Bei den Festgenommenen handelt es sich vornehmlich um mutmaßliche Unterstützer der Proteste. Grundlage dieser Razzien ist die rückwirkende Durchsuchung von Twitter- und Facebook-Einträgen der letzten drei Wochen, wie Innenminister Muammer Güler sagte. Gleichzeitig kündigte das türkische Justizministerium an, ein Gesetz zur strikteren Überwachung sozialer Netzwerke ausarbeiten zu wollen.

Erschreckend ist, dass bereits der Aufruf zu den Protesten rund um den Istanbuler Taksim-Platz von den Behörden als Straftat gewertet wird. Wenn nun die Twitter- und Facebook-Einträge der letzten drei Wochen nach Straftaten und der Anstiftung zu Straftaten durchsucht werden, ist davon auszugehen, dass eine enorme Zahl an “Tätern” entdeckt wird.

Der türkische Präsident Abdullah Gül befürwortete ein neues Gesetz zur Regulierung und Überwachung sozialer Netzwerke. Er warnte aber gleichzeitig den demokratischen Rahmen nicht zu sprengen und sich an der Rechtslage in der EU zu orientieren. So wird er von Hürriyet Daily News wie folgt zitiert:

For sure, these [regulations] should never lag behind the jurisdiction of European law in developed democracies, which we are aspiring to. Our criteria, our standards on this issue, our democratic legal standards; we are still making a lot of reforms. I’m sure that it [launching of reforms] will be restarted

Im weiteren Verlauf des Artikels wird allerdings klar, dass es Gül vorrangig nur um das Bild der Türkei in der Welt und weniger um die Recht der türkischen Bürger geht. Mit Blick auf die Protestanten der letzten Woche und seine Sorge diesen könnten das Ansehen der Türkei beschädigen, sagte Gül:

You make efforts to create this image [of Turkey] over 10 years, but you can destroy it in a week

Die Frage ist, ob es dafür nicht schon längst zu spät ist. Die Bilder der Proteste im Gezi-Park und auf dem Taksim-Platz gingen um die Welt und stellten die türkischen Sicherheits nicht unbedingt in ein gutes Licht. Und auch Ministerpräsident Erdogan hat mit einigen seiner Aussagen für mehr als nur Verwunderung gesorgt. Fraglich ist ebenso, wie die nachträgliche Durchsuchung von Social Media Einträgen oder die generelle Einführung eines schärferen Gesetzes zur Überwachung und Regulierung dieser Platformen das Ansehen der Türkei heben sollen.

Wer sich rückwirkend noch ein paar Impressionen der Proteste aus der Luft anschauen möchte, dem sei dieses Video ans Herz gelegt. Die Bilder wurden von einer Drohne aufgenommen, welche kurze Zeit später von der türkischen Polizei abgeschossen wurde, welche einen guten Überblick über das Ausmaß der Proteste ermöglicht.

Footage from the RC drone that was shot down by police [HD] from Jenk K on Vimeo.

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June 03 2013

#occupygezi: ‘Mapping a Revolution’

Benedikt Köhler ist Director für Data & Innovation bei einer Forschungsagentur in München und betreibt gemeinsam mit Jörg Blumtritt das Blog “Beautiful Data“. Unter dem Namen “Mapping a Revolution” veröffentlichte er gestern seine Auswertung von ca. 6000 Tweets zu den derzeit stattfindenden Demonstrationen in Istanbul. Dabei geht es nicht nur um die Verteilung von Tweets in der Türkei, sondern auch um die internationale Aufmerksamkeit, die die Demonstrationen auf Twitter erfahren. Alle vier Karten finden sich bei Beautiful Data.

map_gezi_international

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May 24 2013

Türkische Regierung verhaftet Soldaten wegen angeblichem Whistleblowing zu Autobomben in Reyhanlı

Die türkische Regierung hat einen Angehörigen der Gendarmerie (Jandarma) verhaftet, der angeblich brisante Dokumente fotografiert und an die türkische Hackergruppe RedHack weitergegeben haben soll. Dies meldet gestern die türkische Tageszeitung Hürriyet. Der Fall hat Parallelen zu Bradley Manning, denn es geht um einen politisch brisanten Anschlag mit möglicherweise weitreichenden geopolitischen Folgen.
redhack_twitter
Hintergrund sind zwei Anschläge mit Autobomben vom 11. Mai in Reyhanlı, einer kleinen Grenzstadt zu Syrien. Vor zwei Wochen waren dabei 51 Menschen getötet und mehr als 150 verletzt worden. Sofort nach den Anschlägen behauptete die Regierung, der Anschlag ginge auf das Konto von linksradikalen Gruppen. Diese hätten Verbindungen mit dem syrischen Geheimdienst. Konkret genannt wurde die DHKP-C, obwohl diese sich eilig davon distanzierte. Mehrere vermeintliche Mitglieder wurden dennoch verhaftet. 12 bleiben in Haft, während sechs weitere ebenfalls Verfahren erwarten.

Die offensichtlich der DHKP-C nahestehende Gruppe RedHack hatte kurz darauf bei Twitter auf geleakte Dokumente verlinkt, die den Geheimdienst arg in Bedrängnis bringen. Denn daraus geht hervor, dass die Jandarma am 25. April, also mehr als zwei Wochen vorher über Fahrzeuge informiert wurde, die in der syrischen Stadt Rakka mit Bomben versehen wurden. Neben Details über die verwendeten Autos inklusive ihrer Kennzeichen wurde sogar ein vermutlicher Urheber genannt: Die Al Quaida nahestehende Al-Nusra-Front, die mit anderen Oppositionsgruppen gegen den sysrischen Präsidenten Assad kämpft.

Mit der Verhaftung des Soldaten übt sich die Regierung nun in Schadensbegrenzung. Ein Sprecher der regierenden AKP-Partei kommentierte, die Dokumente seien nicht durch einen Hack öffentlich geworden. Vielmehr hätte der nun verhaftete Soldat die Fotos mit seinem Mobiltelefon gemacht und weiter verschickt. Der Innenminister bestätigt das laut der türkischen Tageszeitung Hürriyet:

It was determined that an identified officer at the provincial Gendarmerie command has taken a picture of these papers, which were due to be sent to the subordinate troops, and transmitted to the hackers via email.

Er verneinte, dass die geleakten Dokumente irgendeinen Bezug zu den Anschlägen hätten. Auch Premierminister Erdoğan verhielt sich zu dem Vorfall: Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem EU-Präsidenten Rompuy in Ankara erklärte er, das Veröffentlichen der Namen von Organisationen würde deren Propaganda nutzen. Vermutlich meint er die Al-Nusra-Front; jedoch hatte die Regierung nach Explosion der Bomben selbst als angebliche Urheber die DHKP-C benannt.

Der Leak lässt die Anschläge in einem anderen Licht erscheinen. Denn ist es absolut unklar, welchen Zweck die verhafteten Mitglieder der DHKP-C mit einem solchen Anschlag verfolgen sollten. RedHack vermutet nun, dass die türkische Regierung die Täter gewähren ließ, um einen Kriegsgrund gegen Syrien in der Tasche zu haben:

Turkish government is persistently telling lies to the people of Turkey. They clearly knew about the plans of Al-Qaeda to bomb Turkey. They clearly let this happen to use it in their own advantage in order to wage war on Syria with the backing of NATO and US. PM Erdogan was in USA shortly after the bombings. He chose to go to US instead of visiting Reyhanli.

Auf ihrer Tumblr-Website publizierte RedHack überdies Fotos die belegen sollen, dass der Distriktgouverneur von Reyhanli bereits ausländische Kämpfer empfing. Konkret geht es um zwei libysche Staatsangehörige, die auf einem anderen Bild mit Waffen zu sehen sind. Ob das zweite Bild in Syrien aufgenommen wurde bleibt aber unklar.

Als Motto von RedHack gilt “Halk için hack” (“Hacking for the people”). Über sich selbst wird auf der Webseite erklärt:

RedHack bedeutet: Unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Sprache, Religion und Einstellung, ausnahmslos für und miteinander zu kämpfen.
RedHack hat nie lobende oder beglückwünschende Worte erwartet. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Die einzige Erwartung ist, dass alle Mitmenschen aufwachen, verstehen und auch im tiefsten Innerem spüren, dass dieser Kampf für uns alle ist.

Die Gruppe macht in der Türkei schon länger mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam. So hatte die RedHack die Polizei in Ankara um geheime Dokumente von deren Servern erleichtert, die teilweise geheime Informationen enthielten. Dabei ging es unter anderem um Ermittlungen wegen Korruption. Eine Webseite des Innenministeriums wurde ebenfalls gehackt und zum Bild des Ministers eines von Guy Fawkes montiert. Nach studentischen Unruhen wurden Server der Middle East Technical University in Ankara geknackt und ebenfalls Dokumente geleakt. Ein weiterer Coup konnte nachweisen, dass der Rektor einer anderen Universität von einer Bank ein Auto überlassen bekam und diese sogar die Versicherung bezahlte. Zur Zeit stehen vermeintliche Mitglieder von RedHack vor Gericht, das mögliche Strafmaß beträgt bis zu 24 Jahre.

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May 11 2013

Bundeskriminalamt führte in Kroatien und Türkei Schulungen zur “Ortung von Mobiltelefonen” durch

Das Bundeskriminalamt hat Behörden in Kroatien und der Türkei in der “Ortung von Mobiltelefonen” ausgebildet. Dies geht aus der Antwort auf eine Schriftliche Frage hervor, die vom Bundesinnenministerium am Freitag beantwortet wurde. Unklar bleibt, welche Polizeieinheiten in den Genuss der Maßnahmen kamen. Die Technik dürfte beispielsweise in der Türkei auch gegen kurdische AktivistInnen oder andere oppositionelle Gruppen eingesetzt werden.

Es wird ebenfalls nicht spezifiert, um welche Technologie es sich bei den Schulungen handelte. Möglich ist die Funkzellenabfrage zur Identifizierung der InhaberInnen von Mobiltelefonen oder der Einsatz von IMSI-Catchern, um deren Aufenthaltsort in Echtzeit einzugrenzen. Mit IMSI-Catchern können Gespräche mitgehört werden; deutsche Behörden praktizieren dies aber angeblich nicht. Das BKA und die Bundespolizei nutzen auch das massenhafte Versenden sogenannter “Stiller SMS”, um die Telefone zu einem unsichtbaren Kommunikationsvorgang zu zwingen. Dadurch werden Daten in der genutzten Funkzelle hinterlassen, die dann über den Provider abgefragt werden können. Die Polizei ist damit in der Lage, ein Bewegungsprofil der Betroffenen zu erstellen.

Hintergrund der Frage des MdB Andrej Hunko war ein Bericht des Spiegel, wonach das BKA Überwachungstechnik nach Kirgisien lieferte und entsprechende Schulungen zu ihrer Anwendung abhielt. Laut dem BKA habe es sich dabei um “Ortung von Mobiltelefonen, den Einsatz der stillen SMS, die Funkzellenauswertung und auch die Online-Durchsuchung” gehandelt. Drei derartige Maßnahmen hätten zwischen 2008 und 2012 stattgefunden, Adressaten waren demnach das Staatskomitee für Nationale Sicherheit und das Innenministerium. Die Behörden sind für Misshandlungen und Folter von Oppositionellen bekannt.

Die Ausbildung in Kirgisien wird in der jetzigen Antwort nicht bestätigt. Der Spiegel berief sich in seinem Bericht aber auf eine Quelle aus dem BKA.

Die Aussagekraft der Antwort kann auch aus anderen Gründen bezweifelt werden. Denn es ist bekannt, dass das BKA im Ausland Veranstaltungen zur Nutzung von Trojanern organisierte. Das Amt tingelte hierfür durch Nachbarländer, aber auch in die USA, nach Kanada und Israel. Mehrmals waren die Trojaner-Hersteller Gamma International und DigiTask selbst mitgereist, anfangs firmierte eine eigens hierfür eingerichtete Arbeitsgruppe sogar als “DigiTask User Group”. Das Bundesinnenministerium bezeichnete die Trojaner-Tupperparties aber nicht als “Ausbildung”, sondern als “Austausch”.

Kürzlich wurde auch öffentlich, dass Sicherheitsbehörden in Marokko vom Bundeskriminalamt die IBM-Anwendung Analyst’s Notebook überlassen wurde. Die Analysesoftware kann zur Auswerung polizeilicher Datenbanken genutzt werden. Bei der Schenkung handelte sich vermutlich um Lizenzen, denn die Software ist frei verfügbar.

Das BKA ist auch Mitglied der informellen Arbeitsgruppe “International Specialist Law Enforcement” (ISLE). Ziel des 2009 von der Europäischen Kommission gestarteten Vorhabens ist die Vermittlung von Kenntnissen zum heimlichen, verdeckten Eindringen in Räume, Fahrzeuge und elektronische Geräte.

Die jetzt vorliegende Antwort dürfte also nur die Spitze des Eisbergs zur Ausbildung an Überwachungstechnologie darstellen. Überdies tauchen dort nur Maßnahmen der Bundesregierung auf. Denn Schulungen oder ein wie auch immer gearteter “Austausch”, durchgeführt etwa von Landeskriminalämtern, werden gegenüber Bundestagsabgeordneten nicht beauskunftet.

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July 19 2011

DLF über Netzzensur in der Türkei

Die Deutschlandfunk-Sendung “Kultur-Heute” hat gestern über die Internetzensur-Pläne in der Türkei berichtet: “Nackt” und “schwul” auf dem Index

Die türkischen Behörden haben Wörterverbotslisten für Webadressen und Internetportale erlassen. Vordergründig sollen so Kinder vor pornografischen Inhalten geschützt werden. Doch Journalisten und Webdesigner vermuten statt Jugendschutz Zensur hinter den Maßnahmen.

Hier ist die MP3.

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