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September 12 2013

Russland: Rechteinhaber fordern die Einführung einer Whitelist für urheberrechtlich geschützte Inhalte

russsopaRechteinhaber in Russland haben einen weiteren Vorstoß zur Bekämpfung von Urheberrechtsverletzung gewagt. Sie fordern die Einführung einer Whitelist auf der alle in Russland legal erhältlichen Inhalte aufgeführt werden. Suchmaschinen, aber auch alle anderen Webseiten, müssten diese Whitelist bei Suchanfragen berücksichtigen und die Inhalte bevorzugt behandeln. Der Vorschlag soll dabei helfen, die illegale Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem einzudämmen. Die Suchmaschinen Google und Yandex zeigten sich von dem Vorschlag sehr besorgt.

Vor rund einem Monat ist das “russische SOPA” in Kraft getreten. Das neue Gesetz räumt Rechteinhabern die Möglichkeit ein, beim Moskauer Gericht Beschwerde gegen Content Provider und Plattformen einzureichen, wenn diese urheberrechtlich geschütztes Material bereitstellen. Sollten die Rechteinhaber nachweisen können, dass sie die Rechte an den Inhalten besitzen, fordert das Gericht die Internetprovider auf den Zugang zu den Webseiten zu sperren. Hierzu wird eine nationale Blacklist geführt.

Bislang ist das “russische SOPA” nur für Filme und TV-Serien gültig, es gibt aber bereits erste Bemühungen das Gesetz auch auf die Bereiche Musik, Fotos, “andere Bilder” sowie textbasierte Inhalte auszuweiten. Und erst in der letzten Woche wurde bekannt, dass die russische Regierung die Einführung von Strafzahlungen einführen will, wenn die Internetprovider den Sperrungen zu spät oder gar nicht nachkommen.

Wie Torrentfreak nun berichtet gehen diese Schritte den Rechteinhabern aber scheinbar noch nicht weit genug. Nach Informationen der russischen Tageszeitung Wedomosti, fordern die Rechteinhaber nun die Einführung von Whitelists. Torrentfreak fasst zusammen:

The proposed amendments center around the creation of a national registry listing all music, software and books. This database will then be made available to search engines and site owners who will be required to consult it before servicing their users with links or content.

For example, if a user searches for a particular song using Google, in the background the search engine would be required to carry out a search on the national database to see if the song is listed. If the track is present then Google would be obliged to list official sources for the content in the first pages of results while automatically relegating other sites.

Zusätzlich fordern die Rechteinhaber, dass die Inhalte auf der Blacklist, die durch das “russische SOPA” eingeführt wurde, komplett aus den Suchergebnissen entfernt werden sollen. Die großen Suchmaschinen in Russland, allen voran Google und Yandex, zeigen sich von diesen Vorstößen sehr besorgt. Eine Sprecher von Google sagte:

The company can not take on the role of the courts to determine whether someone’s rights have been violated. A proposal to artificially rank links in search results does not take into account the technical characteristics of search engines and would lower the quality of the search.

Auch Yandex zeigt sei von dem Vorschlag nicht begeistert, wie ein Sprecher gegenüber Wedomosti sagte:

First, in itself the assignment of resources to legal or illegal is extremely controversial. Secondly, items affected by copyright and related rights can be used in some circumstances without gaining permission from copyright holders, there is a wide range of exceptions. For example, if you thoroughly follow the amendments, a search engine will not be able to provide links to works containing the quotes that users type into the query string.

Yandex hebt außerdem hevor, dass die Einführung einer Whitelist nicht nur enorme Folgen für die Nutzer und Anbieter im Internet hätte (Stichwort: Chilling-Effects), sondern die Umsetzung auch schlicht unmöglich sei:

[If the amendments go through], rightsholders will switch the entire Internet into pre-moderation mode, because sites can not accommodate any comment without full verification of all the materials located on the link in this comment. For the bulk of services, this task is impossible.

Bereits im Februar diesen Jahres berichtete Techdirt über die Einführung einer Whitelist in einer Region in Russland. Der Vorschlag ist also keineswegs neu. Dennoch ist der Vorschlag besorgniserregend, besonders da die russische Regierung empfänglich für solche extremen Maßnahmen scheint.

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July 10 2013

Halalgoogling: Internetzensur im Namen der Religion

halalgooglingAm 7. Juli ging eine erste Beta-Version der Suchmaschine Halalgoogling ans Netz. Halalgoogling ist als Alternative zu bekannten Suchmaschinen wie Google oder Bing entstanden und soll Muslimen in der ganzen Welt ein sicheres Surfen im Internet ermöglichen. Halalgoogling versucht die Suchanfragen zu filtern und jegliche Inhalte zu blockieren, die nach der Scharia verboten sind (haram). Die Suchmaschine ist jedoch keineswegs selbstständig sondern baut auf Suchergebnisse von Google und Bing auf.

Wie TechPresident berichtet sind davon unter anderem Themen wie Pornografie, Glücksspiel, Homosexualität und Islamkritik betroffen. Auf dem eigenen Blog von Halalgoogling heißt es zu den Motiven hinter dem Projekt:

Everyone has the right to enjoy the possibilities that the internet offers, to learn or to use it for work, to share the fruits of scientific achievements, different literature, technical information, to trade products or offer different services etc. However, we have the right to preserve our faith, our moral and the interest of our brothers and sister worldwide. We are here to ensure that such content is not contrary to the principles of Islamic religion.


Wie erste Berichte nahelegen, scheint die Filterfunktion allerdings nur sehr dürftig zu funktionieren – beziehungsweise sie ist sehr leicht zu umgehen. Teilweise reicht es scheinbar schon die Formulierung der Suchanfrage zu ändern:

Simply by changing my key words from ‘gay and lesbian rights’ to ‘gay rights,’ I was able to access news and definitions.

Die Betreiber von Halagoogling fordern daher die Nutzer auf, Inhalte zu melden welche nach der Scharia verboten sind, um diese dann effektiv sperren zu können.

Halalgoogling ist keineswegs das erste Projekt, bei dem Muslime versuchen populäre westliche Webseiten nach ihren religiösen Vorstellungen nach zu bauen, wie TechPresident weiter berichtet. So sei bereits 2010 der Facebook-Nachbau MillatFacebook entwickelt worden, um ein sozialen Netzwerk “von Muslimen für Muslime” zu schaffen.

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July 27 2012

Neuer Referentenentwurf: Leistungsschutzrecht für Presseverleger wird zur Suchmaschinen-Steuer

Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger soll nur noch Suchmaschinen betreffen. Das geht aus einem neuen Entwurf des Justizministeriums hervor, über den heise online berichtet. Blogger sollen nicht mehr betroffen sein, das Gesetz trotzdem zeitnah verabschiedet werden.

Da wir das Dokument derzeit leider nicht selbst haben, sind alle relevanten Informationen bei Stefan Krempl:

Neu ist die deutliche Einschränkung des Schutzbereichs in Absatz 4 von Paragraph 87g. Demnach soll die “öffentliche Zugänglichmachung von Presseerzeugnissen” weiter zulässig sein, “soweit sie nicht durch die Anbieter von Suchmaschinen” erfolgt. Zur Begründung heißt es nun, dass das skizzierte Leistungsschutzrecht angesichts neuer Rahmenbedingungen für Verleger und Nutzer “nur in dem begrenzten Umfang gewährleistet werden soll, wie dies zum Schutz berechtigter verlegerischer Interessen erforderlich ist”. Dies betreffe allein “systematische Zugriffe” auf die Leistungen der Journalherausgeber durch Suchdienste im Netz. Deren Geschäftsmodell sei nämlich “in besonderer Weise” auf Rückgriffe auf Arbeiten der Verleger angewiesen.

Thomas Knüwer kommentiert:

Und deshalb, liebe Verantwortliche bei Google, beugen Sie sich dem Leistungsschutzrecht vorab – und listen Sie sämtliche deutsche Verlage aus. Angesichts der traurigen Qualität vieler Online-Angebote von Verlagen wäre dies ein hinnehmbarer Schaden – und ohnehin glauben die Verantwortlichen ja, die Menschen strömten in Paid-Content-Modelle. Also, liebe Googler: Just do it!

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March 07 2011

Dieses neumodische Zeug. Heute: Suchmaschinen

Die beiden Doktorväter von zu Guttenberg haben mit einer beeindruckenden Erklärung ihren Ruf als kompetente Wissenschaftler etwas weiter beschädigt: Tenor ist: 2006 konnte man nicht mit Suchmaschinen nach Plagiaten suchen, deswegen sind sie reingefallen.

In der Diskussion über die Arbeit sollte man sich stets vor Augen halten, dass die Überprüfung von Dissertationen mit technischen Mitteln 2006 nicht üblich war und bis heute verbreitet (noch) nicht üblich ist. Zudem war die Erkennung von Plagiaten 2006 mit den seinerzeit vorhandenen technischen Mitteln kaum möglich. Plagiatsoftware sowie auch andere Methoden waren damals keineswegs so weit entwickelt wie heute. Selbst Google wies noch nicht die fein justierte Suchmethode wie heute auf. Speziell juristische Arbeiten einbeziehende Programme bedürfen noch heute der Weiterentwicklung. Im Interesse aller Beteiligten dürften künftig entsprechende technische Vorprüfungen auch bei Dissertationen vorzuschalten sein.

Hat Niemand die Erklärung gegengelesen, der/die 2006 schon Internet genutzt hat?

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