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February 03 2014

Remixer #35 Ticklish: “Ein guter Remix bewahrt die Seele des Songs”

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Ticklish.

Ticklish

Ticklish

Ticklish produziert seit circa eineinhalb Jahren tanzbare elektronische Musik. Er ist Teil der Berliner Weboogie Crew based und arbeitet ständig an Songs und Kooperationen mit anderen Kunstschaffenden.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein guter Remix bewahrt die Seele des remixten Songs und gibt ihm einen neuen Körper, der in den neuen Kontext passt. Die Handschrift des Remixers sollte sich vom Original unterscheiden und kann die vorhergehende Idee überschreiben, wenn Du mich fragst.

Auf welche Weise verwendest Du Werke von Dritten?

Samples sind eine großartige Quelle der Inspiration für mich; bisweilen spiele ich nur mit einem Track oder einem Acapella das ich mag herum und es verwandelt sich auf magische Weise binnen kurzer Zeit in einen vollständigen Song. Manchmal entferne ich dann sogar das ursprüngliche Sample am Ende, weil es überflüssig geworden ist – auch, wenn das Sample der Ausgangspunkt für den ganzen Prozess war.

Was hältst Du von der Idee eines “Recht auf Remix”, inklusive Vergütung für die verwendeten Werke?

Wie man mit Sampling-”Piraterie” umgehen soll ist letztlich eine schwierige Frage. Auf der einen Seite ist Sampling ein großer Teil der Musikkultur geworden, es ist ein Weg etwas neues zu erstellen und auf seine Weise einzigartig. Es passiert soviel in Sachen Sampling, dass Du, selbst wenn Du es möchtest, kaum herausfinden kannst wer die Samples geklärt hat und wer nicht. Andererseits kann ich es aber auch verstehen, dass sich jemand angegriffen fühlt, wenn jemand anderes seine Arbeit ohne Zustimmung als Ausgangsbasis nimmt.

Und hinsichtlich der Vergütung?

Die Vergütung für die ursprünglichen Kunstschaffenden ist jedenfalls eine gute Sache und wäre eine nette Idee, sollte aber an die beschränkten Mitteln von Remixern und deren Labels angepasst werden, die in der Regel nicht das Geld dafür haben, Rechte zu klären.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix? 

Mein liebster Remix aller Zeiten könnte vielleicht Canblaster’s remix von French Fries’ Charlotte sein – es ist enorm detailliert und er spielt mit den (unglaublichen Vielen) Samples auf sehr musikalische Art und Weise:

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Das Interview führte Barbara Hallama, auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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January 27 2014

Remixerin #34 Elisa Kreisinger: “Nichts ist wirklich ursprünglich”

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Elise Kreisinger, die sich selbst als Pop Culture Pirate bezeichnet.

Elisa Kreisinger

Elisa Kreisinger

Elisa Kreisinger ist eine Video-Remixerin, die Mashups  von US-amerikanischen Popkultur-Fernsehshows wie Mad Men und Sex and the City erstellt um dabei neue, andere und subversivere Erzählungen zu generieren. Sie produziert diese Mashups sowohl für eine künstlerische als auch für eine Internet-Zielgruppe. Ihre Arbeit findet sich unter popculturepirate.com.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ich liebe Remix aber meine liebsten sind solche, die Hochkultur und Populärkultur mischen, zum Beispiel einen popkulturellen Text mit feministischer oder postmoderner Theorie verknüpfen. Die besten Remixes nutzen Popkultur als den Löffel voll Zucker der sozio-politische Kritik schmackhaft macht.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Ich berufe mich auf Fair Use, einer Klausel des US-Copyrights, die es erlaubt das jeder urheberrechtlich geschütztes Material ohne Zustimmung des Rechteinhabers verwenden darf, sofern es eine transformative Nutzung ist. Fair Use ist ein wichtiges Sicherheitsventil, das es neuer Kultur und Innovationen erlaubt, auf Vergangenem aufzubauen.

Haben Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet?

Nein, aber ich verzichte darauf Werke auf Seiten zu veröffentlichen, die Fair-Use-Rechte von Kunstschaffenden nicht respektieren, weil sie meine Arbeiten wiederholt unter der unzulässigen Annahme einer Urheberrechtsverletzung blockieren oder monetarisieren.

Hattest Du schon einmal rechtliche Probleme wegen Deiner Arbeit?

Ja, wie oben erwähnt, meine Arbeiten werden oft auf Video-Plattformen wie YouTube als urheberrechtsverletzend markiert, wodurch der Anspruchsteller über das Schicksal des Werkes entscheidet. Die gegenwärtige Situation auf YouTube in Sachen Remix zeigt, wie private Vereinbarungen zwischen Rechteinhabern und Hosting-Plattformen den gesetzlichen Schutz von Fair Use unterlaufen und damit das Recht von Kunstschaffenden ihre Werke online zu verbreiten behindern.

Was hältst Du von der Idee, ein Recht auf Remix mit Vergütung für den ursprünglichen Künstler einzuführen?

Das ist ein anderer Zugang als der in den USA, weshalb ich nicht sicher bin, wie sich das auswirken würde. Meiner Meinung nach sollte man nichts an den ursprünglichen Künstler zahlen müssen, um aus deren Material etwas neues zu erschaffen. Letztlich ist nichts wirklich ursprünglich und durch die Zahlung würde die Idee glorifiziert, dass Kunst einen einzelnen Autor hat und das widerspricht Remix- und Mashup-Kultur.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Mein Lieblingsremix ist “Mash It Up!” von Norwegian Recycling. Es ist sehr meta. Es ist auch ein großartiges Beispiel dafür, wie transformativ und innovativ ein Remix sein kann. Ich bevorzuge diesen Song im Vergleich mit den verwendeten Originalen.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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January 20 2014

Remixerinnen und Remixer des Jahres 2013: All together now!

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Die Remixer/innen 2013.

Avatar_en_03Ein guter Remix greift das Original auf, fügt eigene Gedanken hinzu, variiert und verfremdet, lässt aber das Ausgangsmaterial, die eigentlichen Künstler strahlen (#14), gelingt eine Balance zwischen der Wiedererkennung und neuen persönlichen Ausdrucksformen (#1). Ein guter Remix lässt in der Bearbeitung eine eigene kreative Leistung erkennen, die sich vom bloßen Zitat des Original klar unterscheidet (#20). Im Grunde nutzt bzw. abstrahiert ein guter Remix die Originalspuren so, dass das Original zu erkennen ist, der Remix aber gleichzeitig trotzdem wie ein neuer Track klingt, vom alten Charme vielleicht Teile beinhaltet, aber auch den (im besten Fall) unverwechselbaren Stil des Remixers unschwer erkennen lässt (#2). Und vor allem muss es grooven (#29).

Die gleichen Zutaten können unterschiedliche Ergebnisse produzieren (#23). Einige Remixes wollen auf rein visueller Ebene fesseln, andere mit Schenkelklopfer Humor unterhalten – und das ist gut so! (#5). Sobald ein Werk veröffentlicht wird, entzieht es sich mehr oder weniger der Kontrolle und geht im besten Fall in eine Art Allgemeingut über (#25). Musik materialisiert sich nicht mehr vorrangig in und mit der Produktion von abgeschlossenen Werken, sondern verkörpert Reflexionsweisen; es geht heute um Handlungen und Haltungen parallel zur Kunst. Dabei kann die Kunst (Remix) auch vom Werk (Original) distanziert, entkoppelt und/oder systematisch infrage gestellt werden (#7).

[Remixbürokratie]

Das Neue entsteht ausschließlich durch das Vorhandensein des Alten und der Kombination dessen. Die menschliche Neugierde ist dabei der Motor, der uns stets mit neuen Impulsen und Informationen versorgt, die uns als Werkzeuge und Grundlage für unser Denken und Handeln dienen (#1). Jedoch, damit das funktioniert, braucht es gegenseitigen Respekt für die Arbeit des jeweils anderen. Kein abwerten, kein verletzen. Remixes sollten mit kollegialem Geist und wechselseitiger Unterstützung zur Erschließung neuer Bereiche erstellt werden. (#31)

Das bestehende händischen System zur Lizenzklärung macht es so schwer, sample-basierte Musik legal zu veröffentlichen, dass die Mehrheit der Remixer ihre Arbeit kostenlos über das Internet verbreiten (#15). Oft werden die Lizenzkosten von den Gesampelten zu hoch angesetzt oder es kann auf einfachem Wege nicht eindeutig geklärt werden, wenn es mehrere Rechteinhaber an einem Stück gibt, wie zum Beispiel auf die Komposition (Urheberrecht) oder auf den wirtschaftlichen Ertrag des Tonträgers (Leistungsschutzrecht) (#9); natürlich in erster Linie aus rechtlichen Gründen und weil die Lizenz dafür zu erfragen einfach zu bürokratisch oder zu teuer sein kann (#17). Manchmal dauert das Procedere auch einfach zu lange, wenn es sich über mehrere Jahre zieht und ein Release deshalb nicht mehr finanziell tragbar wird usw. (#9). Das Ganze ist wirklich unlogisch und kontraproduktiv (#19).

Videos w[e]rden aus dem Netz gelöscht, weil die Rechte an den Originalen bei amerikanischen Filmstudios lagen (#6). Als Mashup Artist hat man große Probleme im Internet seine Tracks zu posten oder gar zu hosten. Soundcloud zum Beispiel erlaubt es normalerweise nicht (#19). Ein weiteres, kleineres Problem sind die Länder- und Mobilrestriktionen auf YouTube. Manchmal werden einige Videos in bestimmten Ländern blockiert und fast immer auf mobilen Geräten (#22).

[Recht auf Remix]

Ein anderes Beispiel ist der sehr tolle Sampling-Film “Sample: Not for sale” von Mike Redman, der leider nie öffentlich erscheinen oder aufgeführt werden kann, ohne dass rechtliche Schwierigkeiten zu befürchten sind. So zynisch das auch klingt, aber eine großartige Sampling-Doku wird wegen Sample-Clearing-Trouble niemals die Öffentlichkeit bekommen, die sie verdienen würde (#9). Dieser Rechtepoker findet seinen Höhepunkt, wenn die Erben ein Werk komplett vergraben und vergessen machen, die Aufführung und Bearbeitung untersagen (#13).

Ein „Recht auf Remix“ ist [dabei] in vielen Undergroundszenen ja schon lange wichtiger Motor für Neuerungen und Szene-legitim, wenn auch nicht legal. Man muss da nur nach Großbritannien blicken: Illegale Bootlegs, besondere, exklusive Remixes, Versionen von aktuellen Charthits – alles wird aufgenommen und in Form von Remixes in die eigenen musikalischen Codes übersetzt (#9). Im Club ist das egal, da wird es sowieso nicht aufgezeichnet oder verfolgt (#10).

Ein Recht auf Remix könnte [hier] ein Umdenken und eine Grunderneuerung unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft einleiten. Neue Technologie veränderte stets menschliches Verhalten und die Art und Weise unseres Zusammenlebens. Dies geschieht jedoch inzwischen in einem derart hohen Tempo, dass weder unsere politischen Institutionen, noch wir als Gesellschaft mithalten können. […] Eine Entkriminalisierung des natürlichen Kommunikationsverhaltens einer signifikanten Bevölkerungsgruppe, wäre die erste zu begrüßende Folge (#1).

Der Teufel schlummert wie immer im Detail. Fragen, wie weit die Vergütungskette geht, wie sich eine kommerzielle Nutzung definiert und ob eine Mindestgrenze Sinn macht, unter der keine Vergütung aufgrund von Irrelevanz stattfindet, müssen solide beantwortet werden. (#5). Wenn man nicht solche „Unternehmen“ wie die GEMA hätte, die sich einfach weigern ein ordentliches Warenwirtschaftssystem bereit zu stellen, wäre auch die Abrechnung in einem größeren Rahmen kein Problem (#14). Es wird Zeit, dass sich was ändert (#19).

[Der gesamte Text ist eine Collage von Auszügen aus Interviews mit Remixerinnen und Remixern, die 2013 für die Interviewserie im Rahmen der Initiative „Recht auf Remix“ befragt worden waren. Die Zahlen im Text verlinken die jeweilige Interviewquelle. Änderungen wurden durch eckige Klammern kenntlich gemacht. Die Interviews sind in voller Länge unter dem Stichwort „remixer/in“ verfügbar.]

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January 13 2014

Remixer #33 Johann Fanger: “Einblick in den Nukleus des Werkes”

Johann Fanger (Bild: © Einar Snorri / Snorricuts)

Johann Fanger (Bild: © Einar Snorri / Snorricuts)

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Johann Fanger, Mitinitiator des Remix-Wettbewerbs des DSO.

Johann Fanger ist seit 10 Jahren als Instrumentalist in verschiedenen Ensembles unterwegs, deckt stilistisch fast alles zwischen Jazz, Klassik, Rock und Pop ab, ist seit 15 Jahren als House DJ international unterwegs und seit 5 Jahren mit ersten (Solo-) Eigenproduktionen, momentan vor allem als Live-Act . Ausserdem arbeitet er als Kurator von Konzerten und Events und berät andere Künstler und Institutionen.

Inwieweit verfügen Sie selbst über Erfahrungen als Remixer?

Ich habe bereits diverse Remixe für Künstler aus dem Pop- und Elektronik-Sektor gemacht, aktuell für das Rivulet Label aus Leipzig und auch für den #DSOremix Wettbewerb werde ich wohl noch einen neuen Mix beisteuern.

Was macht für Sie einen guten Remix aus?

Für mich ist ein guter “Remix,” im eigentlichen Sinne des Wortes, wenn die im Original vorhandenen Elemente neu abgemischt und re-arrangiert werden und so anders oder auch überhaupt erst wahrnehmbar werden. Wenn dann noch auf intelligente Weise, die im Original angelegten musikalische Ideen weitergeführt werden und so vielleicht ein eigenständiges, neues Werk entsteht bin ich hin und Weg.

Haben Sie schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Nein, das ist bei mir noch nicht vorgekommen und ist auch bei Auflagen von 300 – 500 Stück rechtlich meist kein Problem.

Sie veranstalten gerade gemeinsam mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin (DSO) den Remix-Wettbewerb “Into a New World”. Wie entstand die Idee und was sind Ihre persönlichen Gründe für das Engagement dabei?

Die Idee einen Remix-Wettbewerb mit klassischem Material zu machen bestand schon seit längerer Zeit auf Seitens des Orchesters. Nachdem wir bereits seit 2011 erfolgreich an den Casual Concert & Lounge Events zusammengearbeitet hatten, haben wir dann im Frühjahr 2013 mit der Umsetzung der Idee begonnen.

Für mich persönlich ist das spannendste an unserem Wettbewerb das wir eine im Pop und Elektronikbereich gängige Produktions- und Recording-Praxis – also jedes Instrument einzeln aufzunehmen – auf ein Werk klassischer Musik angewendet haben und so erstmalig ein Teil eines Orchesterwerkes in öffentlich Einzelspuren vorliegt. Dieses ermöglicht unseren Teilnehmern einen Eingriff und Einblick in den Nukleus des Werkes und könnte vielleicht auch langfristig dazu führen, die Scheu vor scheinbar überkomplexer Orchestermusik zu nehmen – schließlich verwenden doch die meisten elektronischen Studioproduktionen mindestens genauso oder sogar mehr Spuren als so manches Orchesterwerk.

Was halten Sie von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ich finde das als theoretisches Gedankenexperiment durchaus reizvoll, aber es geht für alle, die von Kreation und Produktion musikalischer Werke leben, an der ökonomischer Realitität vorbei. Unweigerlich würde es für Musiker und Autoren wohl noch schwieriger  als bisher ihre Rechte durchzusetzen, wenn andere ohne Erlaubnis, Teile oder ganze Passagen aus bestehenden Werken, für ihre eigenen Produktionen verwenden. Nach der hier vorliegenden Definition wäre das ja einfach ein “REMIX”.

Wir sollten uns vielleicht erstmal mit der Umarbeitung bestehender Vergütungspraktiken – GEMA! - und dem völlig unzeitgemäßen Urheberrecht beschäftigen bevor wir darüber nachdenken, wie wir denn sogenannte “Mash-Up Produktionen” vergüten könnten. Dann sollten wir doch lieber die Autoren der Ableton Live Time Warp Funktion und den ErfinderInnen des Traktor “SYNC” Buttons an Lizenzgebühren beteiligen.

Zum Abschluss, was ist Ihr persönlicher Lieblingsremix?

Gar nicht so einfach sich hier zu entscheiden, momentan habe ich wieder alte PRINS THOMAS und DXON-Edits entdeckt, aber vielleicht so etwas wie ein persönlicher All-Time Favorite wäre der hier, vermutlich auf Ewig als Abgesang auf eine der besten Bands unserer Zeit:

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. 

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January 06 2014

Remixerin #32 Melissa Logan: “Remix erlaubt kulturelle Erneuerung”

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Melissa Logan, Mitgründerin von Chicks on Speed.

Melissa Logan

Melissa Logan

Melissa Logan gründete 1997 gemeinsam mit Alex Murray-Leslie Chicks on Speed an der Münchner Akademie der Künste mit der klaren Idee als multi-modales Kollektiv im Kulturbereich zu arbeiten und damit die Vorstellung des isolierten Künstlergenies zurückzuweisen. Chicks on Speed tourten auf der ganzen Welt als elktronische Popgruppe, waren mit Performance-Kunst in MOMA, Tate, Pompidou, MOMAK etc. präsent und haben tragbare Technologien entwickelt, die sie “Objektinstrumente” nennen. Zu diesen zählt auch eine Serie von Apps, de mit freundlicher Unterstützung des ZKM Karlsruhe und der Initiative Musik realisiert werden.

Zur Zeit arbeitet ihr an Musik- und Remix-App – wie wird diese App funktionieren?

Die App, die wir bauen, basiert auf einem klassischen DJ-Setup mit zwei Plattenspielern samt Mixer, enthält einige Effekte, Tonhöhenregelung und natürlich kann man scratchen. Ein zweites Fenster zeigt das “Plattenregal” an und wir suchen gerade nach Wegen, um Mixes mit anderen Nutzern austauschen und teilen zu können.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein großartiger Remix fügt einem Song Tiefenebenen hinzu und die Umarbeitung von musikalischen und textlichen Inhalten macht ihn präziser, schärfer oder aktueller. Musik ist eine Kunstform die stark mit dem Hier und Jetzt verknüpft ist, jede Zeit und jeder Ort braucht seine Musik, der Sommerhit, das Album des Jahres. Gute Songs können für Generationen überleben und der Remix erlaubt jene kulturelle Erneuerung eines Songs, die dafür notwendig ist.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Als Chicks on Speed arbeiten wir normalerweise mit Covern von großartigen Songs, bisweilen schreiben wir aber Texte um und das erfordert eine kompliziertere Aufteilung

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Manchmal verwenden wir andere Musik darauf Songs aufzubauen, aber wenn der Song fertig ist entfernen wir die Samples – ganz generell. Diese Nutzung von Samples ist für uns ein Arbeitswerkzeug.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit?

Ja, das ist ganz normal.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Natürlich klingt es gut, wenn Künstler großartige Remixes machen, gleichzeitig ist es schreckelich, wenn jemand Songs von Chicks on Speed nimmt, remixt und dann den Remix an BP oder sonst eine beschissene Firma verkauft und wir dann kein Recht dazu haben, unsere Texte und Stimmen auf diese Weise verwendet zu sehen.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Ich liebe es wirklich einen ganzen Haufen von Remixes eines Songs zu hören, zum Beispiel von Zager & Even “In the year 2525″:

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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December 30 2013

Remixer #31 Andreas Paleologos: “Wie bei einer Cover-Version”

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Andreas Paleologos aka CUCKOO.

Andreas Paleologos

Andreas Paleologos

Andreas Paleologos arbeitet als Computeranimator und Motion-Designer, hofft aber auch einmal mit seiner Musik Geld verdienen zu können. Sein erstes Konzert unter seinem Künstlernamen CUCKOO gab er 2009 und hat seither ein Album und einige Singles veröffentlicht. Seit 2012 veröffentlicht Paleologos seine Musik vor allem auf YouTube. Weitere Informationen finden sich unter cuckoo.no.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein großartiger Remix enthält ein Überraschungsmomment, eine gute Prise Verspieltheit und macht letztlich ein mattes Origianl fantastisch.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Nun, wenn ich bisweilen Remixes erstelle, dann bedeutet das meistens das Remixen eines Musikvideos, und zwar indem ich mich selbst oder andere in das Remix-Video integriere. Die meiste Zeit verwende ich Kleingkeiten aus dem Originalsong und erstelle eine Art von Coverversion. Dabei erwecke ich Emotionen zum Leben, die im Original fehlen und mache auf gewisse Weise meine eigene Cuckoo-Version daraus.

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Nicht wirklich.. Ich tauche einfach hinein und hoffe, dass es gut geht. Aber ich denke schon darüber nach, bevor ich eintauche. Wenn ich das Musikvideo von Michael Jacksons “Beat it” remixe, dann schaue davor nach, ob Michael-Jackson-Remixes gelöscht werden oder ob sie online bleiben etc. Da ein guter Teil der Michael-Jackson-Remixes offensichtlich online bleibt, machte ich weiter und erstellte meinen eigenen :-)

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit?

Seit ich meine Arbeiten auf YouTube hochlade werden alle Videos auf mögliche Urheberrechtsverletzungen hin untersucht und in den meisten Fällen werden sie auch erkannt, mit unterschiedliche Konsequenzen. Kein Video wurde jemals komplett gesperrt, aber einige laufen nun mit Werbeanzeigen und einige sind in bestimmten Regionen wie Deutschland oder den USA gesperrt.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ich halte das für eine gute Idee. Es ist wie wenn Du einen Cover-Song machst, wo der Komponist des Songs einen fairen Anteil erhält. Jedoch, damit das funktioniert, braucht es gegenseitigen Respekt für die Arbeit des jeweils anderen. Kein abwerten, kein verletzen. Remixes sollten mit kollegialem Geist und wechselseitiger Unterstützung zur Erschließung neuer Bereiche erstellt werden. Ich glaube dass der Künstler des Originals da Recht haben sollte, “Nein Danke” zu sagen, wenn er oder sie den Remix als zu pentrant empfindet.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Ich bin nicht sehr aktiv in der Remix-Szene, aber ich bin stolz auf meine eigenen Remixes und Covers, worunter auch mein jüngster Video-Remix des Songs “Wrecking Ball” von Miley Cyrus fällt:

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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December 23 2013

Remixer #30 René Walter: “Remix ist mehr als die Summe seiner Teile”

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: René Walter.

René Walter

René Walter

Der Graphiker René Walter wohnt in Berlin und betreibt das Blog Nerdcore.de, einem von Deutschlands meistgelesenen Blogs, das vor allem Links zu anderen Webinhalten liefert.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Dass er mehr als die Summe seiner Teile darstellt, die Elemente des Originals in einem eigenen Kontext zu einem neuen Werk zusammenfügt, so dass beide Seiten – das Neue und das Alte – zu halbwegs gleichen Teilen erkennbar sind.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Ich betreibe die Website Nerdcore.de, das ist so ein mittelbekanntes Blog, das vor allem Links zu Dingen veröffentlicht, die ich großartig finde. Das Spektrum reicht dabei von Katzenvideos über Anatomiestudien bis hin zu High Frequency Trading. Ich bediene mich dabei offen der Arbeiten anderer, die in 99% aller Fälle als Anreißer dienen.

Ich arbeite auch ab und zu mit Visuals – ich bin von Haus aus Grafiker –, in denen ich Fotos per Photoshop manipuliere. Recht bekannt geworden ist dabei mein Remix eines Plakats von Shepard Fairey, das ich für den NSA-PRISM-Skandal modernisiert habe und das so auf der ganzen Welt bei Protesten benutzt wurde und es mittlerweile sogar auf Acid-Blotter geschafft hat. Shepard Fairey selbst hat diesen Poster-Remix übrigens abgenickt, als er in einem Interview dazu befragt wurde.

Hast Du schon einmal nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und wenn ja, warum?

Nicht wirklich. Ich habe einmal das Posting über einen Fotografen verweigert, weil der horrende Lizenzforderungen stellte. Oder ich habe schon Dinge nicht gebracht, weil die Künstler selbst ihre Arbeiten mit hässlichen, übergroßen Wasserzeichen versahen. Und ich musste ein oder zwei Postings wegen juristischen Streitigkeiten depublizieren, aber prinzipiell verwende ich immer alles, was ich kriegen kann.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner publizistischen Tätigkeit? Und sonst?

Ja, ich wurde schonmal von einer Agentur wegen eines ollen Hendrix-Bildes abgemahnt. Ich hab’ denen 200 Euro überwiesen und geschrieben, dass die Sache damit für mich erledigt ist. Gehört habe ich von denen nie wieder. Ich habe auch mal eine Abmahnung bekommen, weil ich Linkdumps zu MP3-Dateien veröffentlichte und da waren zwei Tracks der Major-Labels
dabei.

Das sind allerdings bislang die einzigen Urheberrechts-Abmahnungen, die ich im Rahmen des Bloggings bekommen habe und das bei einer Website, die mit Fremdmaterial sehr großzügig umgeht. Ansonsten hatte ich auch schon Ärger mit Juristen, ja. Das ging mal so, mal so aus.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Die Idee finde ich richtig, ich bin aber nicht sicher, wie es in der Umsetzung aussehen sollte. Wieviel sollte der bis zur Veröffentlichung seins Albums „All Day“ relativ unbekannte Mashup-Künstler Girl Talk denn für die 372 Samples, aus denen das Album besteht, an Lizenzgebühren bezahlen? Die Samples sind sehr ausgiebig genutzt, wahrscheinlich hätte der Mann selbst bei moderaten Lizenzen zehntausende Dollar zahlen müssen, was die Veröffentlichung des Albums verhindert hätte und ob ein Label hier in Vorleistung gehen würde ist mehr als fraglich.

Letztenendes halte ich ein Modell aber für das einzig tragfähige, das sowohl den Remixern als auch den Produzenten der Originale gleichwertige Rechte einräumt, daher ist ein solches Recht in Zeiten, in denen Remixe immer leichter herzustellen sind und über Sharing-Plattformen veröffentlicht werden, unumgänglich.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Mein Lieblingsmashup-Album ist Mashed in Plastic, ein Remix von David Lynchs Filmen, gemixt mit jeder Menge Mucke und davon ist mein Lieblingsremix: I’ve Told Every Little Pumpkin aus Lynchs Mulholland Drive und „1977“ der Smashing Pumpkins.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Das Interview führte Barbara Hallama.

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December 16 2013

Remixer #29 Hartmut Gieselmann: “Vor allem muss es grooven!”

Hartmut Gieselmann aka Goat of Neptune

Hartmut Gieselmann aka Goat of Neptune

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Hartmut Gieselmann.

Hartmut Gieselmann arbeite tseit rund 13 Jahren für das Computermagazin c’t aus Hannover. Als Redakteur kümmert er sich im Ressort Audio/Video neben Musik-Soft- und -Hardware auch noch um die Entwicklung von Videospielen.

Inwieweit verfügen Sie selbst über Erfahrungen als Remixer?

In der Theorie über den Test von Geräten schon länger. Selbst als Remixer unter dem Namen “Goat of Neptune” bin ich erst Anfang des Jahres aktiv geworden. Gute Remixe kosten viel Zeit, und die wird bei mir erst jetzt langsam frei, wo meine Tochter aus dem Gröbsten raus ist.

Was macht für Sie einen guten Remix aus?

Er muss sich vom Original unterscheiden, aber trotzdem den Kern des Songs musikalisch unterstützen. Er muss von vorne bis hinten eine Spannungskurve halten, darf sich nicht wiederholen. Und vor allem muss es grooven.

Haben Sie schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Ich bediene mich der Einfachheit halber kommerzieller Loop-Sammlungen, die die Nutzungsrechte beim Kauf einräumen. Sie ersparen mir viel Zeit, von der ich viel zu wenig habe, die ich dann in den Remix stecken kann. Ich finde es auch wichtig, dass Musiker für ihre Loops entlohnt werden. Da steckt eine Menge Arbeit drin und ich als Remixer möchte auch morgen noch gutes Material bekommen.

Wurden Sie schon einmal abgemahnt oder hatten rechtliche Probleme wegen Ihrer künstlerischen Tätigkeit?

Ich achte streng darauf, nur Material zu verwenden, für das ich auch die Rechte habe. Natürlich würde ich auch gerne meine Remixe, die ich zu Wettbewerben einreiche, anderweitig veröffentlichen. Dazu kann man dann die Urheber direkt kontaktieren.

Sie betreuen für das Computermagazin c’t den Remix-Wettbewerb “Game Over”. Warum veranstaltet ein Computermagazin einen Musikremix-Wettbewerb?

Die Art wie Leute Musik machen hat sich in den letzten Jahren verändert. Was in den 80ern die Garage für den Punk-Rock war, ist heute der Laptop für den Dance-Track. Wir wollen unsere Leser animieren, selbst am Rechner kreativ zu werden und nicht bloß zu konsumieren. Die Gelegenheit bot sich, als ich Achim Kück traf und er gerade sein neues Album einspielte. Erst als mein Remix von “Game Over” fertig war, kamen wir auf die Idee des Wettbewerbs und er läuft den ersten Reaktionen nach zu urteilen hervorragend an.

Was halten Sie von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ich würde es begrüßen, wenn der Prozess vereinfacht würde. Davon würden Remixer wie Urheber profitieren. Letztlich geht es ja um Aufmerksamkeit, und je mehr Remixer einen Song bearbeiten, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt er. Aber die Vergütung muss geregelt sein, sonst gibt es bald keinen Nachschub an guten Songs mehr. Eine Möglichkeit wäre, wenn Musiker ihre Songs in einzelne Loops und Spuren zerteilen und mit den nötigen Rechten fertig als Remix-Material verkaufen würden. Da waren die Nine Inch Nails vor einigen Jahren echte Vorreiter.

Zum Abschluss, was ist Ihr persönlicher Lieblingsremix?

Ich selbst bin auf meinen Remix von “Stompa” von Serena Ryder besonders stolz, den ich damals bei Indaba eingereicht, aber leider nicht gewonnen habe. Aber das Feedback von den übrigen Musikern war phänomenal.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. 

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December 09 2013

Remixer #28 Eduardo Navas: “Wir müssen geistiges Eigentum neu denken”

Eduardo Navas

Eduardo Navas

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Eduardo Navas

Eduardo Navas ist der Autor des Bands Remix Theory: The Aesthetics of Sampling. Er bemüht sich vor allem um ein besseres Verständnis davon, wie wir Wissen und Ideen teilen und wiederverwerten, sowohl materiell als auch immateriell – deshalb auch seine Forschung zum Thema Remix. Er ausgebildeter Kunsthistoriker und als Künstler und Medientheoretiker tätig. Er war für rund 15 Jahre DJ in Los Angeles, bevor er ein Künstler und Dozent wurde. Vieles seiner Forschung ist transdisziplinär und betrifft u.a. Felder wie Musik, Kulturwissenschaften, Medienwissenschaften, neue Medien, digitale Geisteswissenschaften und Kunstgeschichte.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Verschiedene Dinge können ein Remix sein. Es kann ein Rearrangement eines Songs, eines Videos oder eines kulturellen Artefakts sein, das gestaltet wurde um die Verkäufe eines Künstlers oder eines Unternehmers anzukurbeln. Ein Remix kann auch eine kritische Produktionsform sein, die sich ansonsten kommerzielle Werke aneignet und zweckentfremdet, um die kulturellen Implikationen der politischen Agenda hinter solchen Werken sichtbar zu machen. In beiden Fällen sind die besten Remixes solche, die in ihre jeweiligen Zielsetzungen erfüllen und gleichzeitige eine autonom bleiben – in dem Sinne, dass ein Zuhörer oder Seher die einzigartige Interpretation der im Remix verwendeten Quellen wertschätzen kann.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Auf unterschiedliche Art und Weise. Es gibt verschiedene Wege um zu remixen. Die populärste Art zu remixen ist Selektivität, was man überall auf YouTube finden kann und zurückreicht in die frühen Tage von Popmusik-Remixes. Ein selektiver Remix nimmt sich Material heraus und lässt den Rest intakt. Manchmal kommt etwas Material hinzu. Diese Art von Selektivität kann sich in Richtung Megamixes von Inhalten sämtlicher Formen von Kommunikation weiterentwickeln. Ein Zusammenschnitt einer Serie von Video-Schnippsel um einen Song zu basteln oder einen bekannten Song nachzubauen ist eine von vielen Weisen, wie das passieren kann.

Ich tendiere dazu, Selektivität  in einigen meiner Projekte zu verwenden. Aber das meiste, was ich produziere, bewegt sich in kritischen Sphären, ist reflexiv, das heißt es kritisiert bzw. reflektiert kritisch über das angeeignete Werk.

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Nein. Normalerweise denke ich sorgfältig darüber nach, was ich ausprobieren möchte und eigene mir Werke an, die zu meinen Interessen passen.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit?

Nein. Ich folge der etablierten Kunstpraxis der Appropriation und ich glaube, dass das meiste was ich im Kunstkontext tue unter Fair Use fällt. Das bedeutet nicht, dass einzelne Verlage nicht trotzdem rechtlich gegen mich vorgehen könnten. Aber ich bin mir der diesbezüglichen Folgen meines Tuns bewusst und würde deshalb damit umgehen können, sollte es soweit kommen.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ich halte das für eine exzellente Idee. Das Konzept hinter dem Urheberrecht kämpft mit vielen ideologischen Konflikten und ist nicht zuletzt durch die je nach Land verschiedenen Gesetzeslagen komplex geworden. Die aktuelle Lage im Bereich der Remixrechte erfordert kulturübergreifende Aufklärung, die alle sozialen Klassen und ethnischen Gruppen erreichen würde. Wir müssen das Konzept von geistigem Eigentum wirklich neu denken. Wir müssen es zumindest so re-definieren, dass Werke ohne Angst vor ökonomischer Vergeltung wiederverwendet werden können.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Gut. Weil ich auf Remix in allen Arten von Medien und Kulturproduktion schaue, würde ich gerne zwei nennen. Der erst ist ein Musik-Remix “Rapture Riders” von Mark Vidler:

Diesen Musikvideo-Mashup habe ich ausgewählt, weil er entscheidend für die frühen Phasen von Mashups in den Medien ganz allgemein war und weil er rundherum gut gemacht ist.

Der andere Remix ist wirklich ein Kommentar zu Crowdsourcing und dem Kollaborationspotential in Netzwerkmedien. Es ist eine sich ständig weiterentwickelnde visuelle Collage: ”The Johnny Cash Project” von Chris Milk.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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November 25 2013

Remixer #26 Anders Ramsell: “Oft trifft man auf eine Wand des Schweigens”

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Anders Ramsell.

AndersRamsell

Anders Ramsell

Anders Ramsell lebt in Stockholm and hat diesen Herbst mit seinem Kunststudium an der Konstfack Universität begonnen. Unter seinen jüngsten Arbeiten findet sich “Blade Runner – Die Aquarell-Edition“, welche aus 12 597 handgemalten Aquarellmalereien besteht, die sämtliche rund 1,5*3cm groß sind. Zusammen bilden sie eine 35 Minuten lange Paraphrase des Films Blade Runner (1982) von Ridley Scott.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein großartiger Remix fügt ein neues Aroma hinzu und fördert etwas unerwartetes zu Tage.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Tatsächlich habe ich abgesehen von “Blade Runner – The Aquarelle Edition” noch nicht viel mit den Werken anderer gearbeitet. Ich habe ein paar Bilder nachgemalt (Tusche auf Leinwand), die man auf andersramsell.com findet. Der Grund dafür diese Bilder zu malen – wobei, da gab es eine Menge an Gründen – aber um einen zu nennn, war, dass ich etwas schaffen wollte das mir selbst gefällt. Nicht nur ein schönes Gemälde sondern auch etwas, das genauso faszinierend ist wie die originale Fotographie. Das ist sehr wichtig, weil wenn es Dir selbst nicht gefällt, wem soll es dann gefallen?

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Nein.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit? 

Nein, hatte ich nicht – bislang jedenfalls.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Nun, ich glaube, das könnte eine gute Idee sein. Vielleicht würde es einfacher werden mit den Urhebern der Originale in Kontakt zu treten anstatt auf eine Wand des Schweigens zu treffen.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix? 

Ich mach Videospiele! Also kann ich nicht widerstehen, diesen Remix vorzuschlagen…

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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November 20 2013

Remixerin #25 Electric Indigo: “‘Recht auf Remix’ hört sich erfrischend an”

Logo von electric:indigo

Logo von electric:indigo

In der Serie “Remixer/in” geht es um Menschen und ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Electric Indigo.

Electric Indigo arbeitet seit 24 Jahren als DJ und macht seit 20 Jahren Musik. Als DJ spielt sie abstrakten, vielen Leuten eher düster erscheinenden Techno, dessen Strukturen von geradlinig über gebrochen bis zu beatfrei gehen. Als Musikerin und Komponistin verfolgt sie größtenteils eine experimentellere Richtung. Sie beschäftigte sich in den letzten Jahren sehr viel mit granularer Resynthese von gesprochener Sprache und der Dekonstruktion von Rhythmen und Klängen im Allgemeinen. Außerdem spielt die gezielte räumliche Verteilung von musikalischen Elementen eine sehr wichtige Rolle in ihren Werken.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Nur in Auftragsarbeiten. Ich mache gerne Remixes für Kolleginnen und Kollegen. Dabei versuche ich mit meist wenigen aber signifikanten Elementen des Originals eine für mich typische Version zu schaffen. Das gelingt mir in der Regel mittels (granularer) Dekonstruktion.

Du veröffentlichst teilweise auch Musik unter einer Creative-Commons-Lizenz und erlaubst damit anderen, sie zu remixen. Hast Du keine Angst, dass Leute damit Dinge tun, die Dir nicht gefallen?

Als GEMA-Mitglied darf ich das eigentlich nicht. Deshalb sollte man das nicht an die allzugroße Glocke hängen. Die CC-Lizenz setzt natürlich das Vertrauen voraus, dass sie auch eingehalten wird. Ich habe ein paar wenige Stücke und einige Sounds unter der Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported Lizenz der female:pressure Community zur Verfügung gestellt. Nein, ich habe keine Angst davor, dass deswegen jemand etwas ungutes damit macht. So was kann sowieso passieren. Auch wenn andere Leute meine Platten spielen, passiert das in einem von mir nicht kontrollierbaren Kontext und könnte völlig daneben sein. Sobald ein Werk veröffentlicht wird, entzieht es sich mehr oder weniger der Kontrolle und geht im besten Fall in eine Art Allgemeingut über.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein guter Remix ist eine überzeugende Neuinterpretation und kann dem Original oder der zugrunde liegenden Version zusätzliche Dimensionen verleihen. Er greift Ideen auf und führt sie auf originelle Art weiter.

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Nein. Ich arbeite nur mit Samples, wenn ich einen Remix machen soll – dann ist das natürlich erwünscht. Ich habe beim Musik Machen schon immer größte Freude bei der Suche nach Sounds empfunden.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit? 

Ein SoundCloud-Bot hat einmal eine Verwarnung geschickt, die völlig unbegründet war. Der einzige Zusammenhang zwischen meinem, angeblich ein Copyright-Infringement darstelltenden Track und dem “Original” war, dass beide auf der gleichen Compilation erschienen sind. Die SoundCloud-Admins haben auch sehr schnell auf meine Antwort und Klarstellung reagiert und gaben meinen Track gleich wieder frei. Das ganze Prozedere – von Verwarnung bis zur erneuten Freigabe – dauerte nur etwa 2 Stunden. Das war das einzige Erlebnis dieser Art.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ich finde, eine Vergütung sollte nur für kommerziellem Gebrauch gefordert werden. “Recht auf Remix” hört sich ganz erfrischend an. Die Frage ist aber natürlich, wie das gestaltet sein soll, wer soll wen vergüten, wie kann es exekutiert werden.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

“Queen In My Empire” von Rhythm & Sound with Jennifer Lara…

…das ist eine Neugestaltung von Cornell Campbell’s “King In My Empire”:

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October 28 2013

Remixer #23 Robin Skouteris: “Dinge zu kombinieren ist eine Kunst”

Robin Skouteris

Robin Skouteris

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Robin Skouteris.

Robin Skouteris ist ein griechischer Video- und Musikproduzent sowie DJ. Er führt bisweilen auch Regie und arbeitet als Cutter, aber in der Regel nur wenn es musikalische Bezüge aufweist. Zahlreiche aktuelle Mashups finden sich in seinem YouTube-Kanal.

Wie würdest Du selbst Deine künstlerische Arbeit beschreiben?

Film oder Video und Musik waren schon immer meine zwei großen Leidenschaften. Als Kind wollte ich viele Jahre lang Filmregisseur werden, aber die Musik war mein bester Gefährte. Ich habe beim Fernsehen gearbeitet, bei ein paar Dokumentarfilmen Regie geführt und Musikvideos für griechische Independent-Künstler gedreht; ich habe das aber dann sein lassen, weil es mir sozial zu anstrengend wurde. Da ich mehr auf eigene Faust arbeiten wollte, habe ich damit begonnen, meine Lieblingstracks zu remixen, bis daraus meine hauptsächliche Tätigkeit geworden ist. Nachdem ich meine ersten Mixes ins Netz gestellt und großartige Rückmeldungen erhalten hatte, wurde ich eingeladen meine Arbeit in Clubs vorzustellen. Und das war die Zeit als ich ernsthafter über DJing nachzudenken begann. Davor mochte ich die Idee nicht besonders, weil ich nie die Musik anderer Leute spielen wollte, solange ich ich sie nicht mit meiner persönlichen Handschrift versehen hatte. Das hätte mich nicht von den meisten DJs dort draußen unterschieden und ich wollte meinen eigenen Sound kreieren. DJing und das Produzieren von Remixes und Mashups ist nun seit einigen Jahren meine hauptsächliche Beschäftigung – und damit ist ein Traum wahr geworden.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ich glaube ein toller Remix ist ein Remix, der für sich alleine stehen kann. Du musst ihn nicht mit dem Original vergleichen. Eigentlich solltest Du in der Lage sein, über dem Remix das Original zu vergessen. Mir war es dabei immer egal, ob es sehr der Unterschied zum Original sehr groß ist, weil, zum Beispiel, ein toller Remix auch einfach nur ein Extended Mix sein kann. Aber der Remixer sollte es schaffen herauszufinden, was das Original gut gemacht hat und das noch weiter auszubauen. Alles was zählt ist die Melodie. Ein großartiger Mix muss dabei nicht immer ein Dance-Mix sein; er kann auch langsamer sein als das Original, was selten ist, weil die Mehrheit von uns bei Remix an einen Club-Mix denken. Aber in meinem Kopf sollte der Remix für sich sehr für sich alleine stehen können, dass man beim ersten Mal hören glaubt, es würde sich um das Original handeln. Es muss sich authentisch und gut strukturiert anfühlen.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Ich habe ein paar ursprüngliche Kompositionen erstellt, an denen ich immer noch arbeite, um Sie irgendwann einmal zu veröffentlichen, aber Sampling ist immer ein großer Teil meiner Arbeit gewesen. Meine bekanntesten Arbeiten sind Mashups. Ich habe immer die Idee von Mashups gemocht, weil Du dabei etwas nimmst, das Du bereits liebst – und das bereits auf der ganzen Welt geliebt wird – und präsentierst es auf eine neue Art und Weise, deine Art und Weise. Du kriegst die Möglichkeit mit Deinen Lieblingsliedern zu arbeiten. Du kombinierst Dinge, von denen jemand anderes vielleicht niemals gedacht hätte, dass sie zusammenpassen. Viele Menschen glauben, dass das keine große Sache ist, aber Dinge zu kombinieren ist eine Kunst, sofern Gedanken dahinter stecken. Es ist auch ein kreativer Prozess. Ich meine, Eier sind toll. Aber Du kannst Eier in einem Omelett verwenden und Du kannst Eier für einen Kuchen verwenden. Es kommt darauf an, wie Du die Dinge verwendest, damit etwas anderes und einzigartiges dabei herauskommt, das Deine Handschrift trägt. Die gleichen Zutaten können unterschiedliche Ergebnisse produzieren. Manchmal ist es mir nicht wichtig ob es gut oder schlecht ist, entscheidend ist nur dass klar als von “MIR” erkennbar ist. Das ist es doch, was Du dort draußen darstellst, oder?

Hast Du schon einmal ein Werk aus rechtlichen Gründen nicht verwendet?

Ich persönlich nicht, nein. Ich mache meine Mixes und stelle sie online und dann liegt es an der Plattform nachzusehen, ob sie glaubt, dass es ihre Regeln verletzt. Manchmal nehmen sie es wegen des Urheberrechts wieder runter. Aber diese Sache mit dem Urheberrecht auf YouTube und ähnlichen Seiten ist wirklich verwirrend. Manchmal glaube ich, sie wissen selbst nicht, was sie wollen. Mashup-Künstler und Bootleg-Remixer sind auch Kreative und Kunstschaffende im Bezug auf ihr Endergebnis, weshalb eine solche Industrie ihre Arbeit und ihren Input nicht ignorieren sollte. YouTube mag meinen Video-Mix runternehmen, weil es Material von Michael Jackson enthält. Aber das bedeutet nicht, dass ich nicht daran gearbeitet habe und dass meine Arbeit nicht auch dort draußen und für andere Menschen einsehbar sein sollte. Abgesehen davon, wenn korrekt zitiert wird, gibt es keinen Schaden. Ich habe nie behauptet, der Komponist zu sein, ich behaupte der Remixer zu sein und das ist die Art und Weise, wie meine Arbeit dort präsentiert werden soll. Wer stellen uns und unsere Fähigkeiten als Remixer durch Projekte wie diese in die Auslage, weil es das ist, was Remixer machen: sie schaffen neue Sounds durch das Verwenden existierenden Materials.

Stört es Dich, dass ein großer Teil Deiner Arbeit illegal ist?

Genauso wie ein Film-Cutter kein illegaler Beruf ist – er oder sie arbeitet auch mit existierendem Material das er oder sie nicht selbst gefilmt oder angeleitet hat. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum ein Bootleg-Remixer seine Arbeiten nicht legal veröffentlichen kann. Vor allem weil Remixing in den meisten Fällen mehr ist als etwas neu zusammenschneiden, sondern bedeutet auch das Produzieren und Komponieren neuer Elemente für den Mix. Aber es fühlt sich derzeit wie eine Übergangsphase an. Das Zeitalter digitaler Musik ist unglaublich schnell explodiert und alle diese Remixangelegenheiten werden spätestens dann gelöst werden, wenn die Plattenfirmen erkennen, dass es für alle das beste ist. Im übrigen bekommen Mashup-Künstler kein Geld für ihre Mixes und ein Remix ist vor allem auch Werbung für das Original, sodass es deren Urheber sind die eigentlich von den Mixes profitieren.

Hattest Du schon einmal rechtliche Probleme wegen künstlerischer Praktiken?

Ich hatte bislang keine rechtlichen Probleme weil ich nie einen meiner Remixes verkauft habe, der Arbeiten von anderen beinhaltete, ohne dass das offiziell geklärt war. Zumindest ist das derzeit der Stand. Das Internet ist für mich jene Plattform, die mir dabei geholfen hat meine Werke international auszustellen und so die Aufmerksamkeit vieler großartiger Leute zu bekommen, mit denen ich letztlich zusammengearbeitet habe. Manchmal nehmen Webseiten Deine Remixes offline und Du akzeptierst das. Es mag sich manchmal unfair anfühlen, aber das ist zumindest derzeit die Rechtslage. Und ja, wir alle wünschen uns, dass sich das ändert, weil auch der Remixer eine Menge harte Arbeit reinsteckt, die er auch Anerkennung verdient. Derzeit sind Mashups und gesampelte Werke nur eine Demo von dem was ich mache, und Du kannst die Welt nicht darum bitten, für Deine Demo zu zahlen. Aber ja, ich sähe es sehr gerne wenn meine Mashups eines Tages offiziell bei iTunes erhältlich wären.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Natürlich würde mir diese Idee gefallen. Es würde darauf hinauslaufen, das zu machen was ich ohnehin tue, aber auch die entsprechende ideelle und finanzielle Anerkennung dafür zu bekommen. Das wäre eine faire Angelegenheit. Remixer sollten bezahlt werden und die ursprünglichen Künstler ebenso. Beide sind Bestandteil des Tracks, wenn auch auf verschiedene Art und Weise. Genauso wie es für den DJ legal ist, am Abend Musik in einem Club  aufzulegen und dafür Geld zu bekommen, sollte es mir erlaubt sein ähnliche Dinge auf meinem Computer zu tun. Es ist schließlich auch Arbeit. Die rechtlichen Probleme damit sind aber natürlich verständlich, weil wer entscheidet wann ein Remix ein Remix ist? Jemand könnte einfach die Reihenfolge der Strophen ändern und es einen Remix nennen. Sollte er dafür auch belohnt werden? Das ist eine schwierige Frage und klingt chaotisch, denn wer würde entscheiden wie viel ein Song geändert werden muss, damit man tatsächlich als Remixer bezeichnet werden kann? Das ist sicher nicht einfach, aber hoffen wir dass in den nächsten Jahre Lösungen dafür gefunden werden, mit denen alle zufrieden sind und auch Jobs wie meiner für ihre Kreativität und ihre harte Arbeit anerkannt werden.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Mein liebster offizieller Remix könnte  Enigma – Mea Culpa (Orthodox Remix) sein. Mein liebster unoffizieller Remix wäre wohl Depeche Mode – Enjoy The Silence (Dans54 Reinvention Remix, siehe Embed) – ich überlege bald einen Mashup mit diesem Remix zu machen.

Wenn Du mich nach meinen liebsten eigenen Arbeiten fragst, dann würde ich wahrscheinlich sagen The Moonlight Hotel,

und PopLove:

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative Recht auf Remix, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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October 22 2013

Remix hilft Originalen: Studie zu ökonomischen Folgen von Sampling

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Eine Studie zum ökonomischen Verhältnis von Remix und Original.

Bislang gibt es kaum empirische Studien darüber, welche Folgen ein Remix für das Original hat – und zwar weder was die (möglicherweise: veränderte) Rezeption eines Werkes noch was die ökonomischen Auswirkungen betrifft. Nur anekdotisch lässt sich auf bekannte Beispiele verweisen, in denen erst der Remix eines Werkes auch dem Original und damit dessen Urheber zum Durchbruch verholfen hat. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist mit Sicherheit der Song “Thank You” der britischen Sängern Dido. Nachdem “Thank You” bereits 1998 erstmals veröffentlicht worden war, avancierte er erst 2000 zu Didos bislang größtem Hit, nachdem Eminem die erste Strophe in seinem Song “Stan” gesampelt hatte.

Während in diesem Fall die Rechte geklärt waren und Dido teilweise sogar gemeinsam mit Eminem bei Konzerten auftrat, war das bei einem anderen prominenten Beispiel nicht der Fall. Wie DIE ZEIT im April diesen Jahres in einem ausführlichen Porträt berichtete, war Asaf Avidan ursprünglich überhaupt nicht von dem Wankelmut-Remix (siehe auch Embed-Video) seines Songs “One Day” begeistert, der ihm letztlich zu weltweitem Erfolg verhelfen sollte:

Reckoning Song, so heißt das Lied in seiner Originalversion von 2008, es war eigentlich ein Stück mit schlichter Akustikgitarrenbegleitung, das Avidan und seine alte Band The Mojos in ihrem ersten Repertoire hatten, mit dem sie durch Israel und kleine Bars in Europa tourten. Bis ein Fan, der bis dahin unbekannte Berliner DJ Wankelmut, sich das Stück nahm und elektronisch daran herumexperimentierte. Wankelmut unterlegte Avidans melancholisch-markante Stimme mit House-Musik, Beats, die tanzbar waren. One Day, wie er den Remix nannte, verbreitete sich online wie ein Virus. Von unten stürmte er innerhalb weniger Wochen die internationale Clubszene und, als er schließlich offiziell bei Sony herausgebracht wurde, auch die Charts – ein kometenhafter, ein unfreiwilliger Erfolg.

[…]

“Das war einfach nicht mein Stil”, sagt Avidan über den Wankelmut-Remix, der ihm noch immer nicht gefällt und dessen Veröffentlichung er zunächst verhindern wollte.

Neben solchen (Sonder-)Fällen, in denen ein Remix maßgeblich für den kommerziellen Erfolg des Originals verantwortlich ist, hat der US-Juristen Michael Schuster jetzt auch systematisch die kommerziellen Folgen von Sampling für die Originale an Hand des Albums “All Day” des Künstlers Girl Talk untersucht. In seinem bei SSRN als PDF verfügbaren Beitrag “Fair Use, Girl Talk, and Digital Sampling: An Empirical Study of Music Sampling’s Effect on the Market for Copyrighted Works” analysiert er die Verkaufszahlen von über 350 von Girl Talk gesampelten Werken und kommt zu dem statistisch signifikanten Ergebnis, dass

“sich die urheberrechtlich geschützten Songs in dem Jahr, nachdem sie gesampelt worden waren, besser verkauft haben, als im Jahr davor.” (meine Übersetzung)

Die Ergebnisse sind für die USA relevant, weil Sampling nach verschiedenen richterlichen Entscheidungen nicht unter die dortige Fair-Use-Klausel des Copyrights fällt. Das Album von Girl Talk eignet sich nicht nur wegen der großen Zahl an Samples besonders für die Untersuchung, sondern auch weil der Künstler hinter Girl Talk, Gregg Gillis, sich unter Berufung auf Fair Use bewusst einer Lizenzierung der Samples verweigert (vgl. Artikel bei Torrentfreak).

In Deutschland ist Sampling zwar auch eine “weitverbreitete Schattenpraktik“, schon die Übernahme kleinster Teile erfordert aber auf Grund von Leistungsschutzrechten der Tonträgerhersteller aufwändige Rechteklärung (vgl. „Zwei Takte Leistungsschutzrecht“). Dass damit Remix-Künstler/innen das Leben schwer gemacht wird, ist klar. Die Studie von Schuster liefert aber erste Indizien dafür, dass diese Rechtsprechung auch den Plattenfirmen selbst einen Bärendienst erweisen könnte.

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October 07 2013

Remixer #21 Ilan Katin: “Ich weiß nicht, wie ein rechtliches Debakel überstehen”

katin

Ilan Katin

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Ilan Katin.

Ilan Katin verfügt über einen Hintegrund im Bereich der bildenden Künste und arbeitet im Bereich Video und Live-Video-Produktion. In seinen eigenen Worten: “Im Grunde genommen arbeite ich mit Bildern.”

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Wenn die ursprüngliche Inhalt auf humorvolle oder poetische Weise re-kontextualisiert wird.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Ich verwende aus dem Internet heruntergeladene Bilder, die ich für spezielle Ideen suche, um etwas mitzuteilen. Im Falle eines erzählerischen Werks, das ich kürzlich gemacht habe, brauchte ich ein Bild das die Phrase “my car is my ego” transportiert. Ich wollte das nicht einfach mit einem fantastisch aussehenden Auto machen. Das wäre zu einfach. Ein Auto in Form eines High Heels zu finden war perfekt. Ich kännte es umgestalten oder nachzeichnen, aber dann wäre das Bild nicht mehr überzeugend. Ich weiß nicht, wer das Bild gemacht hat. Aber ich habe das Bild weitgehend re-kontextualisiert.

Abgesehen davon, hattest Du schon einmal rechtliche Probleme wegen künstlerischer Praktiken?

Ich habe ein Video zu ein Musik gestaltet und es auf YouTube hochgelaen. Es wurde entfernt aber sie informierten mich, dass es “strittig” sei und am Ende zogen sie die Sperre zurück, weil sie das Gefühl haten, dass es tatsächlich für die Bekanntheit der Musik förderlich ist. Das Video handelt von einem obdachlosen Pärchen, das zu “it’s Not Unusual” ihr Lager zusammenpackt. Es war ein sehr spontanes Ding und die Musik passte perfekt, wenn ich den Song einstellte. Ich vermute mal, dass ich es gut erwischt habe. Ich weiß nicht wie ich ein rechtliches Debakel überstehen würde.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Wenn es Kunstschaffende direkt profitieren und die Preise vernünftig sind?

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Dieser hier:

M3M3M3 from ilan katin on Vimeo.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Das Interview führte Barbara Hallama, Übersetzung von Leonhard Dobusch. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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September 30 2013

Remixer #20 Walter W. Wacht: “Habe mich weit aus dem Fenster gelehnt”

Walter W. Wacht (Foto: © Elena Klein)

Walter W. Wacht (Foto: © Elena Klein)

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Walter W. Wacht.

Walter W. Wacht ist seit rund sieben Jahren als Musikjournalist, Online-Redakteur und Community Manager für verschiedene Popkultur-Medien tätig und entwickelt Digitalstrategien für Labels, Musiker und angeschlossene Häuser. Zuletzt hat er das Kunstprojekt »This Duck is Tocotronic« auf Tumblr initiiert, das Comic-Strips aus Entenhausen mit Textzeilen der Gruppe Tocotronic zusammendenkt.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein guter Remix greift das Original auf, fügt eigene Gedanken hinzu, variiert und verfremdet, lässt aber das Ausgangsmaterial, die eigentlichen Künstler strahlen. Im besten Fall überrascht ein Remix. Im schlimmsten Fall besteht der Remix aus dem Hinzufügen einer Vierviertel-Bassdrum. Manchmal ist stumpf aber auch Trumpf, siehe unten.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Wenn sie im redaktionellen Alltag passen und einen Beitrag bereichern, verwende ich gemeinfreie oder CC BY-SA- bzw. CC BY-lizenzierte Bilder. Alle anderen Creative-Commons-Lizenzen verbitten sich eigentlich im redaktionellen Umfeld: ob eine nichtkommerzielle Webseite zu einem späteren Zeitpunkt monetarisiert wird, lässt sich nie vorhersagen. Und ein veränderter Bildzuschnitt stellt bereits eine Veränderung dar, was oft genug alleine schon durch Vorgaben des Content-Management-Systems umumgänglich ist. Im Zweifelsfall lizenziere ich lieber ein richtiges Bild, oder schicke Fotografen. Ich streame und kaufe digitale Musik, zum gelegentlichen Auflegen verwende ich aber nur Vinyl.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit?

Nein. Für »This Duck is Tocotronic« habe ich mich weit aus dem Fenster gelehnt, eine Abmahnung erfolgte nicht. Aber ich bin mir bewusst, dass sich das jederzeit ändern könnte. Glücklicherweise wird das Projekt so rezipiert, wie ich es selbst verstehe: als Kunstprojekt, als Collage, als nicht-kommerzielle Arbeit ohne Interesse der Bereicherung.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Die Idee ist schnell gedacht und plausibel untermauert. Aber ich sehe und verstehe auch die Positionen der Künstlerinnen. Und wie würde ich persönlich damit umgehen, wenn es sich um eine meiner Reportagen handelt, in der jedes Wort, jeder Satz dort steht, wo er stehen soll. Oder schreibt meine jeweilige Redakteurin hier den Remix? Ein Recht auf Remix ist wünschenswert, ich persönlich bin aber noch in der Findung.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Warum ich diesen Remix liebe? Er steht exemplarisch für das, was aus der Remix-Kultur wachsen kann. Ein unautorisierter Remix, eigentlich ein Mash-Up zweier Künstler – Pantha Du Prince und Tocotronic – die sich nicht nur künstlerisch, sondern auch persönlich nah stehen. Ein Acapella trifft ein Instrumental. Das Tempo bleibt vollkommen unverändert. Dennoch entsteht ein völlig neues Stück. Wir haben diesen Remix von hal bei Spex 2007 zum wichtigsten Song des Jahres erklärt. Ich wüsste auch heute keinen wirklich herausragenderen Remix.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Das Interview führte Barbara Hallama.

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September 16 2013

Remixer #18 Alexander Støver aka Binärpilot: “Dafür fehlt mir das Geld”

Alexander Støver

Alexander Støver

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Alexander Støver.

Alexander Støver aka binärpilot beschreibt sich selbst als “Roboter, der aus der Zukunft entsendet wurde, um Popverschmutzung (‘Popollution’) zu zerstören.” Seine Arbeiten sind prinzipiell frei verfügbar und verstehen sich als Kritik am gegenwärtigen Status der Popmusik.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

The same story being told from a different perspective. A great remix pays homage to the original while at the same time bringing something new to the equation.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Unterbewusst verwende ich die Arbeit von anderen in jedem Aspekt meiner Produktionen. Wenn ich einen Remix mache, versuche ich zu identifizieren, was das Original vermitteln wollte, and arbeit von dort aus weiter.

Hast Du schon einmal Werke aus rechtlichen Gründen nicht verwendet?

Ja, weil mir für so etwas das Geld fehlt.

Abgesehen davon, hattest Du schon einmal rechtliche Probleme wegen künstlerischer oder musikalischer Praktiken?

Nicht wirklich. Verwertungsgesellschaften machen mich jedoch wütend. Ihre Ziele mögen ehrenwert sein, aber in meiner Erfahrung sind sie vor allem ein Störfaktor.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Auf der einen Seite finde ich, Kunstschaffende sollten in der Lage sein, ihre Arbeit zu schützen, aber ich glaube auch nicht an das Ersticken von Kreativität. Es ist eine schwierige Frage auf die ich keine einfache Antwort habe. Abgesehen davon würde ich keine Gesetzgebung unterstützen, die Kunstschaffende zwingt ausbeuterische Abwandlungen ihrer Werke hinzunehmen.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Da gibt es zuviele, um sie aufzählen zu können. In der jüngeren Vergangenheit fand ich aber Justices Remix “Electric Feel” wundervoll.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Auf right2remix.org findet sich auch das englische Originalinterview.

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September 09 2013

Remixerin #17 DJ Ipek: “Musikindustrie ist immer mehr auf Remixer/innen angewiesen”

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DJ Ipek (Foto: Luis Cobelo)

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: DJ Ipek.

Ipek Ipekcioglu aka DJ Ipek bezeichnet ihren Zugang als „Eklektik BerlinIstan“, einem Wortspiel aus Berlin und Istanbul, der sehr traditionelle bis hin zu sehr elektronischen Tunes miteinander mischt, teilweise auch in Form von Live-Remixes. Sie produziert für Film und Theater (z.B. für die Wiener Kammeroper) und arbeitet mit verschiedenen MusikerInnen als Komponistin, Remixerin oder bei Live-Auftritten zusammen, z.B. mit Olivinn Ensemble Classical Fusion, Musiqa Sequenza oder Electro-Acoustic-Classik, und hat eine eigene Band namens DeliBrass (siehe YouTube-Embed).

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Während ich auflege mache ich zum Beispiel Live-Remixes, wenn ich Compilations bei Trikont herausgebe benutze ich selbstverständlich lizensierte Werke Dritter. Und natürlich erstelle ich eigene Remixes von Tracks, die mir besonders gut gefallen, für nicht-kommerzielle Zwecke. Für meine veröffentlichten Remixes habe ich immer eine Lizenz.

Wie stehst Du dazu, wenn andere Leute Deine Werke remixen? Hast Du keine Angst, dass Leute damit Dinge tun, die Dir nicht gefallen?

Ich finde, wenn DJs oder Producer meine Musik so gut finden, dass sie sich hinsetzen, Zeit und Ideen investieren und etwas anderes daraus machen , egal ob es jetzt ein guter oder ein schlechter Remix ist, finde ich das grundsätzlich sehr gut. Und es ist auch eine gute Werbung für mich, weil Zuhörer auch das Original im Vergleich ebenso hören wollen. Klar ist, nicht alle Remixes sind toll, aber grundsätzlich bin ich sehr offen dafür, dass meine Werke geremixt werden.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein Remix ist dann gut, wenn die Essenz des Originalwerkes beibehalten oder sogar gesteigert werden kann und nicht umgekehrt. Eine völlige Veränderung des Werkes kann sehr spannend aber auch befremdlich sein. Ein guter Remix sollte auf jeden Fall keine Kopie des Originals sein, in dem man darunter nur ein paar Beats eingefügt und den Track nur schneller gemacht hat. Das wäre für mich lediglich ein Re-Edit aber kein Remix.

Dennoch heißt ein Remix nicht, dass es sich um einen total anderen Track handelt. Der Originaltrack sollte dennoch erkennbar sein. Es gibt leider genug Remixe, wo ich denke, das braucht die Welt nicht. Ergo Orginal ist besser als der Remix.

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Ja Ja Ja. Natürlich in erster Linie aus rechtlichen Gründen und weil die Lizenz dafür zu erfragen einfach zu Bürokratisch oder zu teuer sein kann, oder weil ich nicht die richtigen Connections zu dem Rechtinhaber habe. Natürlich geht es darum, das Werk des Künstlers zu respektieren. Ich verändere den Track zwar nach meinen Gedanken, sofern ich aber namentlich angebe, wen oder was ich geremixt habe, klaue ich de facto nichts, sondern interpretiere das Original lediglich anders.

Es gibt tatsächlich viele Tracks, die ich toll finde und aus denen ich gerne etwas machen würde, aber ich könnte es ohne die Genehmigung eigentlich nicht herausgeben, weil ich mich damit strafbar machen würde, was ich ein Unding finde. Unter anderem werden Unsummen für ein Sample verlangt, was ich unverhältnismäßig finde und das zu zahlen ich nicht bereit wäre, zumal ich über CD-Verkäufe das Geld nicht wieder hereinbekomme und mir keine GEMA-Gebühren zustehen, da ich nur Bearbeiterin wäre.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Wenn den Besitzern des Originalwerkes damit zu Gute kommt und ich mir damit mir das Recht alles zu Remixen hole, und wenn das keine horende Summe ist, bin ich sehr gerne dabei und unterstütze diesen Gedanken. Letzten Endes kommen die GEMA-Gebühren dem Komponisten zu Gute und nicht dem oder der BearbeiterIn, damit verdient der Rechteinhaber des Orginalwerks zusätzlich Geld. Damit hätte der oder die KünstlerIn auch etwas. Der oder die RemixerIn hat hoffentlich etwas Neues und Gutes geschafft, und kann damit etwas bekannter werden.

In Anbetracht dessen, dass die Musikindustrie sich im Leerlauf befindet und immer mehr auf Retromusik zurückgegriffen wird in Form von Covern und Remixes (Swing, Remixes der 60er , 70er, 80er etc.) wird immer klarer , dass die Musikindustrie eigentlich immer mehr auf RemixerInnen angewiesen ist.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Baris Manco – Dönence DiskoFunk Remix by me.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet.

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August 26 2013

Remixer #15 Omid McDonald: “Horror-Geschichten über Klärung von Samples”

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Logo von legitmix.com

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Omid McDonald.

Omid McDonald ist Softwareentwickler und Unternehmer. Zur Zeit arbeitet er für Legitmix, einem Marktplatz für Kunstschaffende, die mit Samples arbeiten.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein guter Remix oder Mashup haucht alten Songs neues Leben auf eine Weise ein, die Freude bereitet und überrascht.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Für einen Softwareentwickler ist es normal auf bestehender Software aufzubauen. Wie ein Remixer sampelt ein Entwickler bestehenden Code um damit etwas neues zu erschaffen.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Als Softwareentwickler macht es für mich Sinn, auf einem originalen Song aufzubauen, den ein Konsument erworben hat. Auf diese Weise wird der Remixer für seinen kreativen Beitrag bezahlt und auch der ursprüngliche Künstler wird entlohnt, wenn jemand die Werke des Remixkünstlers genießt.

Was ist die Idee hinter legitmix.com? Was war Eure Motivation es zu gründen?

Mir kam die Idee für Legitmix als ein Jugendfreund, Booker Sim, mir über seine Probleme bei der Lizenzierung von Musik für eine Dokumentation erzählt hat, an der er jahrlang gearbeitet hatte. Er erklärte mir die Probleme des Lizenzierens von Samples und ich dachte, vielleicht gibt es eine technologische Lösung.

Abgesehen davon, hattest Du schon einmal rechtliche Probleme wegen künstlerischer oder musikalischer Praktiken? 

I habe Horror-Geschichten über die Klärung von Samples von hunderten Künstlern gehört. Das bestehende händischen System zur Lizenzklärung macht es so schwer, sample-basierte Musik legal zu veröffentlichen, dass die Mehrheit der Remixer ihre Arbeit kostenlos über das Internet verbreiten. Das erzeugt eine “Kostenloskultur”, die sowohl die Remixer als auch die Autoren der Originale um ihr Einkommen bringt.

Wie funktioniert legitmix.com und warum ist es notwendig?

Legitmix erlaubt einem Remixer Anweisungen zu erzeugen, die ein Konsument nutzen kann, um das Werk des Remixers auf Basis seiner eigenen Kopie der gesampelten Werke zu reproduzieren. Wenn der Konsument die Originaltracks nicht hat, machen wir es ihm einfach, diese von iTunes zu kaufen. Das erlaubt dem Remixer den Verkauf seines geistigen Eigentums und stellt sicher, dass auch der ursprüngliche Künstler vergütet wird.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Mir gefällt das Sleeper Mashup von Michael Jacksons “Remember the Time” und “Breathe” von Télépopmusik. Es kombinierte auf perfekte Weise zwei tolle Songs um etwas wunderschönes zu erschaffen.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Das englische Originalinterview führte Georg Fischer, Übersetzung von Leonhard Dobusch.

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August 19 2013

Remixerin #14 DJ Aroma: “Recht auf Remix wäre ein Traum”

aroma

DJ Aroma

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: DJ Aroma.

DJ Aroma lebt momentan in Berlin und Portugal und bezeichnet sich selbst als Künstlerin, weil sie sich als Produzentin, Live Act und DJ nicht als Dienstleisterin versteht. Sie macht Musik mit unterschiedlichen Mitteln und einem sehr performativen Ansatz, der versucht aus der Beschäftigung mit dem Ort und der Art der Nutzung die beste Ästhetik zu entwickeln. Im normalen Cluballtag wird ihre Musik als „Deep House“ bezeichnet. Unter der Woche ist sie Labelmanagerin bei Aromamusic, WAAP und Audio Collective.

Auf welche Weise verwendest Du selbst Werke Dritter?

Die fieseste Verwertung von Werken Dritter findet ständig in meinem blonden Hinterkopf statt. Ich höre einen Track und er lässt mich nicht mehr los und dann lasse ich mich davon inspirieren. Das kann sein dass ich nur das Arrangement analysiere oder dass ich einen Sound besonders toll finde und den dann nachbaue. Ich bin auch ein großer Fan von Disco, da wird es dann allerdings schwieriger weil ich da bereits Loops im Kopf schneide , die ich dann nicht verwenden darf.

Wie geht es Dir damit, wenn Werke von Dir remixt werden? Hast Du keine Angst, dass Leute damit Dinge tun, die Dir nicht gefallen?

Ich bin da schmerzfrei, denn mein Track steht ja als Original im Raum.Wenn jemand anderes da etwas Ekelhaftes daraus macht, steht ja sein oder ihr Name drauf . Ich stelle mir gerade zum Beispiel vor, Guetta remixt DJ Aroma, da kommt bestimmt was ganz schlimmes raus – aber was soll’s, ich würde sicher viele neue tolle Geräte von dem Geld kaufen können, das mir so ein Remix einspielt, wenn das korrekt geregelt wäre.

Aber der Regelfall ist ja ein anderer, man macht Remixe mit Freunden und für Freunde oder Künstler die man mag und da ist das nur ein großer Spaß unter Musikschaffenden. Denn man kann beispielsweise seine Lieblingstracks von anderen so remixen, dass sie noch einmal die Dynamik eines anderen Produzenten oder einer anderen Produzentin bekommen. Ich habe in den letzten zwei Jahren so viele Remixes gemacht, dass ich gerade ein Remix-Album vorbereite, das im November erscheint.

Was macht für Dich einen guten Remix aus?

Ein guter Remix ist auf jeden Fall eine eigene künstlerische Leistung in der Auseinandersetzung mit dem Werk. Die heute oft gängige Praxis ist: man nimmt einen sehr bekannten Track, legt einen Beat darunter und macht so den eignen Namen bekannter, aber Remix ist das keiner. Die Gründe hierfür liegen aber in einer anderen Problematik, denn heute regiert der Markt viel mehr als früher und den sogenannten Underground oder die Avantgarde gibt es kaum noch. Die meisten wollen heute mit Musik einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichen, denn nur so kommt man an Gigs. Das hat im Zuge des Überangebotes eine fiese Dynamik angenommen.

Wie ist Deine Herangehensweise an Remixes?

Es gibt viele Möglichkeiten, wie man an Remixe herangeht, ich mache das immer von dem Material abhängig, das ich habe. Manchmal gefallen mir nur ganz kleine Parts und manchmal bleiben große Reste von Vocals oder einer Hookline, da ist der Wiedererkennungswert höher. Das ist im Vorfeld schwer zu sagen. Heutzutage kann man kaum noch wirklich aufwendig produzieren, weil der Verkaufszyklus von Musik immer kürzer wird. Bei Vinyl konnte vor 10 Jahren ein Track durchaus ein Jahr verkauft werden, bei Mp3s ist das Zeitfenster im Normfall heute gerade mal 6 Wochen bis 3 Monate.

Hast Du schon einmal aus nur aus rechtlichen Gründen ein Sample oder ähnliches nicht verwendet und warum?

Oh ja. Ich habe gerade mal wieder das aktuelle Problem weil ich mich an Disco vergriffen habe und genau weiß, wenn ich das herausbringe, dann bin ich auf der Flucht vor hungrigen Anwälten. Ich kann diesen Track nur live spielen, das ist legal. Aber bereits wenn ich den Liveact mitschneide und auf Soundcloud stelle, kann ich schnell ein Problem bekommen, also lasse ich es. Ich hätte kein Problem zu bezahlen, der Originalkünstler sollte ja auch seinen Anteil bekommen. Bei unserem Label regeln wir das immer 50% Original, 50% Remixer, das finden wir fair. Wenn man nicht solche „Unternehmen“ wie die GEMA hätte, die sich einfach weigern ein ordentliches Warenwirtschaftssystem bereit zu stellen, wäre auch die Abrechnung in einem größeren Rahmen kein Problem.

Wurdest Du schon einmal abgemahnt oder hattest rechtliche Probleme wegen Deiner künstlerischen Tätigkeit? 

Ich habe bereits einen Prozess mit der GEMA geführt, weil ich keine Lust hatte für Dinge bei der GEMA zu bezahlen, die gar nicht aus deren Repertoire stammen. Das wird auch noch eine spannende Frage, wenn die GEMA einmal in einzelnen Tracks abrechnen muss, weil ich nämlich noch einen alten GEMA-Vertrag habe, indem die digitalen Rechte nicht enthalten sind. Mal sehen wie es auf dieser Tanzfläche weitergeht.

Was Abmahnungen betrifft bin ich sehr vorsichtig und halte mich da sehr genau an die Regeln. Für meine eigenen Werke mache ich von daher grundsätzlich keine Exklusivverträge, so dass ich das Recht an meinem Werk immer selbst behalte. Da gibt es dann vergleichsweise wenige Wege einen zu belangen. Ich habe zum Beispiel einmal einen Brief eines Anwaltes bekommen, der behauptete er würde die Rechteinhaber meiner Songs vertreten, da musste ich herzlich lachen.

Was hältst Du von der Idee, ein vergütetes Recht auf Remix einzuführen?

Ein vergütetes Recht wäre ein Traum und vor allem der Zeit angemessen. In absehbarer Zeit werden wir mit Samples und Loops wahrscheinlich gleich viel einspielen wie mit Tracks, da wäre es sinnvoll wenn man dann schon so weit wäre das zu vergüten. Die DJs werden aufgrund der neuen Technologien auch immer kreativer, was die Verwendung von Musik betrifft, da muss man Musik auch anders denken. Eine Grundforderung ist auch DJing als künstlerisch eigenständige Leistung zu honorieren, das verweigert die GEMA. Jeder Honk, der auf einem Klavier eine Taste trifft darf da als Künstler abrechnen, DJs aber nicht. Wenn man Tracks wie verlegte Werke betrachten würde könnte man ohne Probleme auch DJing als Kunstform anerkennen, dann gäbe es einen Anteil für die Aufführung bzw. Performance. Da ist wohl insgesamt ein grundsätzliches Neudenken erforderlich, da die letzten 30 Jahre technologisch und ästhetisch viel geändert haben. Bei Clubmusik ist das meiste Repertoire nicht GEMA-geschützt. Jetzt muss man sich nur mal vorstellen es würde im Clubkontext trackbasiert abgerechnet werden und nicht nach Gießkannen-Prinzip an die grossen Player verteilt, da würde viel mehr Geld an die Clubszene zurückfliessen.

Zum Abschluss, was ist Dein persönlicher Lieblingsremix?

Mein persönlicher Lieblingsremix ist momentan ein Track von Maurice Aymard aus Barcelona vom Galaktika Label. Der Track hat mich durch einen bösen Berliner Winter gerettet und da ich Maurice kenne habe ich ihn nach den Remix Files gefragt. Und dann waren wir uns einig dass wir kein Abrechnungskuddelmuddel wollen, sondern ihn verschenken. Freier Download auf meiner Soundcloudseite:

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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August 05 2013

Remixer #12 Marcus Maack: “Zu einem großen Teil bekommen die Künstler Nichts”

Marcus_Maack-Foto_by_Anne_Oschatz

Marcus Maack (Foto: Anne Oschatz)

In der Serie “Remixer/in” erzählen Menschen über ihre Erfahrungen und Einstellungen zum Thema Remix und Remix-Kultur. Dieses Mal: Marcus Maack.

Marcus Maack ist als DJ unter dem Namen Der Vinylizer unterwegs. Auf ByteFM zeichnet er für Sendungen wie “BTTB – Back To The Basics” und “All Samples Cleared!?” verantwortlich. Außerdem ist er Mitveranstalter der Basspartyreihe “WobWob!” und Resident im Mojo Club.

In Deinen oder anderen Sendungen auf ByteFM werden bestimmt auch manchmal Remixes oder Mashups gespielt, die es so nirgends zu kaufen sondern nur im Netz als Download gibt. Wie werden in so einem Fall die Rechte geklärt?

Gute Frage. Wenn jemand Musik bei SoundCloud anbietet, muss er beim Upload bestätigen, dass er die Rechte an der Musik hält. Dementsprechend gehe ich beim Einsatz davon aus, dass ich das problemlos spielen darf. Ob wir als Radiosender überhaupt Rechte klären müssen, ist mir unklar. Immerhin gibt es ja die GEMA-Vermutung, die besagt, dass ich – wenn ich GEMA-freie Musik spielen möchte, der GEMA beweisen muss, dass die Musik GEMA-frei ist. Im Umkehrschluss würde ich vermuten, dass diese Vermutung auch für mich gilt, und ich mir keine Gedanken darüber machen muss, ob die Musik die ich spiele von der GEMA überhaupt abgedeckt wird oder nicht. Soweit ich weiß ist die GEMA dafür zuständig, dass die Künstler ihren Anteil bekommen. Dafür zahlen wir GEMA-Gebühren und geben entsprechende Tracklistings unserer Sendungen ab. Wobei ich mich seit Jahren frage, wieviel Geld die von mir gespielten Künstler letztendlich von den von uns gezahlten Gebühren bekommen. Ich würde wetten: Zu einem großen Teil bekommen die von mir gespielten Künstler Nichts.

Und wer bekommt dann die GEMA-Gebühren?

Wir geben Tracklistings ab, die rudimentäre Infos beinhalten (Artist, Titel, Label). Beim NDR enthalten die Tracklistings weitere Infos wie Autoren, Komponisten, Katalognummer und Labelcode. Seit Musik aber größtenteils als MP3 promotet und vertrieben wird, ist all das Kleingedruckte entfallen, das auf Plattencovern und in CD-Booklets unter den Titeln stand. Das heißt wir bekommen die wichtigen Infos wie Autor und Labelcode gar nicht mehr und können sie somit auch nicht weiter geben. Der GEMA scheint das egal zu sein – in 21 Jahren haben die noch nie nähere Infos zu irgendwelchen von mir gespielten Titeln angefordert. Da ich größtenteils britische Bassmusik spiele, denke ich, dass die GEMA-Gebühren für die von mir gespielte Musik zu 90% bei Dieter Bohlen, Phil Collins und Heino landen wird. Wohin der Rest geht ist mir unklar. Die von mir gespielten Künstler bekommen, wie oben bereits erwähnt, vermutlich nichts.

Wie sieht die Situation bei Mashups aus, die mehr als 2-3 verschiedene Stücke miteinander kombinieren?

Wo soll da der Unterschied sein? Ich gebe den Namen eines Künstlers an. Die GEMA hat diesen Namen noch nie gehört und wird das Geld halt irgendwohin überweisen. Ich würde mir sehr wünschen, dass das GEMA-System transparenter wäre. Aber um ehrlich zu sein glaube ich nicht, dass das in den nächsten 100 Jahren passieren wird.

Wie sind eigentliche die Rückmeldungen der Radio-HörerInnen auf Remixmusik, die es nicht bei iTunes zu kaufen gibt? 

Erstmal ärgert mich die Formulierung “die es nicht bei iTunes zu kaufen gibt”. Ich würde meine Musik nie bei iTunes kaufen. Es gibt auch andere Anbieter von Musik: Boomkat, Juno, Beatport usw. Außerdem spiele ich oft Musik, die es nur auf Vinyl gibt. Aber zur Frage: Wie sollen da schon die Reaktionen sein? Ich spiele fast ausschließlich Musik, die meine Hörer bei mir zum ersten Mal hören. Musik, die es “bei iTunes” nicht gibt. Das ist in meiner Sendung nicht wirklich etwas besonderes. Für freie Downloads von Soundcloud biete ich Playlisten an, so dass die Hörer sich die Musik selbst laden können. Darauf sind die Reaktionen ausgesprochen positiv.

Als DJ und Promoter bist Du auch in vielen Hamburger Cubs unterwegs und kennst die Szene. Was denkst Du: Welchen Stellenwert haben Remixes, Mashups und exklusive DJ-Versionen im Club?

Gerade für jüngere Musikrichtungen wie Trap haben solche Remixes einen sehr hohen Stellenwert. Es gibt unzählige Trap-Remixes bekannter Songs, die es so nie “bei iTunes” geben wird. Das ganze ist ungemein spannend und vielleicht vergleichbar mit den ganzen Maxis und Dubplates, die es in Hochzeiten der CD nie als CD sondern nur als Vinyl gegeben hat. Sie befruchten die musikalische Entwicklung ungemein und fordern sehr viel Einsatz vom DJ. Ähnlich wie man früher tagelang durch Plattenläden ziehen musste, um rare Remixes und Songs zu finden, muss man heutzutage stundenlang SoundCloud und YouTube durchforsten, um die besonderen Remixes und Songs zu finden.

Zum Abschluss: Was ist Dein persönlicher Lieblingsremix? Und warum? 

Osymyso’s Intro Inspection. 101 Popsongintros in 12 Minuten. Das Stück ist 2002 erschienen und das beste Mashup, das ich kenne.

Das ist ein Crosspost vom Blog der Initiative ‘Recht auf Remix‘, die in einer Petition um Unterstützung samt Link zum persönlichen Lieblingsremix bittet. Das Interview führte Georg Fischer.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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