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June 03 2013

Datenverbindung für US-Drohneneinsätze läuft über Ramstein, dort ansässiger Geheimdienst wertet Aufklärung aus

Drohne RQ-4, "Stolz der Bundeswehr". Bild: Jim Gordon. Quelle: Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY 2.0.

Drohne RQ-4, “Stolz der Bundeswehr”. Bild: Jim Gordon. Quelle: Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY 2.0.

Das US-Militär greift für seine Drohnen-Einsätze auf Infrastruktur in Deutschland zurück. Das förderte eine Recherche der Journalisten Christian Fuchs und John Goetz zutage, die sie letzte Woche im Magazin “Panorama” und in der Süddeutschen Zeitung öffentlich machten.

Demnach nutzt das Oberkommando des US-Militärs AFRICOM in Stuttgart ein “Air Operations Center” der US-Air Force in Ramstein als Relaisstation. Über die Einrichtung wird die Funkverbindung nach Nevada überbrückt, von wo aus die US-Drohnen gesteuert werden. Lediglich Starts und Landungen werden von einer “Ground Control Station” übernommen, die sich in der Nähe des Geschehens befindet. Die Verbindung dieser Station vor Ort nach Ramstein erfolgt vermutlich über Satellit, die Weiterleitung der Daten in die USA dann über ein Glasfaserkabel.

Die Journalisten gründen ihre Recherche auf eine Ausschreibung des US-Militärs, die wir hier gespiegelt haben. Darin werden neue Baumaßnahmen für die Basis in Ramstein aufgelistet. Eine bereits vorhandene Relaisstation soll demnach erweitert werden, um sowohl Flüge der Kampfdrohnen “Predator” und “Reaper” als auch der Spionagedrohnen “Global Hawk” zu steuern.

Goetz und Fuchs schreiben, Ramstein diene lediglich für Operationen in Afrika. Eine Durchsicht des Dokuments zeigt aber, dass der Stützpunkt auch den Regionalkommandos EUCOM und CENTCOM zugute kommen soll. Sie sind zuständig für Osteuropa sowie den Nahen Osten, Ost-Afrika und Zentral-Asien:

Predator (MQ-1), Reaper (MQ-9) and Global Hawk (RQ-4) aircraft will use this site to conduct operations within EUCOM, AFRICOM and CENTCOM Areas of Responsibility (AOR) in support of Overseas Contingency Operations. Because of multi-theater-wide operations, the respective SATCOM Relay Station must be located at Ramstein Air Base to provide most current information to the war-fighting commander at any time demanded. Currently, Ramstein lacks adequate facilities to conduct squadron level operations for the vital UAS mission. [...] Without these facilities, the aircraft will not be able to perform their essential UAS missions within the EUCOM, AFRICOM adn CENTCOM AOR, UAS weapon strikes cannot be supported and necessary intelligence information cannot be obtained.

Damit stehen der Bundesregierung mehrere Probleme ins Haus – denn sie könnte der Beihilfe zu einem völkerrechtswidrigen Kampfeinsatz nicht nur in Somalia, sondern auch in Pakistan oder Afghanistan bezichtigt werden. Andersherum werden die US-Basen in Deutschland im Sinne des Völkerrechts zu legitimen Zielen von Vergeltungsmaßnahmen pakistanischer oder afghanischer Gruppen. Hierfür müsste allerdings die Definition eines “internationalen bewaffneten Konflikts” erfüllt sein, was für Afghanistan unbestritten ist. Ob dies auch für Pakistan gilt, lässt die Bundesregierung derzeit in zwei Gutachten prüfen.

Vor vier Wochen hatte die Bundesregierung noch erklärt, keine Kenntnis von in Deutschland ansässigen US-Einrichtungen zu haben, die für den Drohnenkrieg grundlegend sind. Dabei wäre dies gerade hochaktuell: Denn am Wochenende ist eine Drohne abgestürzt, die vermutlich von einem US-Stützpunkt auf den Seychellen gestartet war und über Somalia niederging. Es ist bereits der zweite Absturz einer Drohne in Somalia innerhalb von einer Woche. Ein Provinzgouverneur erklärte, eine Helikopter-Drohne der österreichischen Firma Schiebel sei am Dienstag abgeschossen worden. Die islamistische al-Shabaab-Miliz hatte Bilder der Trümmer ins Netz gestellt.

Die Erkenntnisse von “Panorama” und “Tagesschau” waren am Freitag Thema in der Bundespressekonferenz, allerdings lavierte die Bundesregierung wieder um eine Antwort herum. Die Bundesregierung sei mit den “US-amerikanischen Partnern” in einem “kontinuierlichen und sehr vertrauensvollen Dialog”. Deshalb möchte man jetzt lieber nochmal nachfragen, was eigentlich in Ramstein passiert. Dass der US-Drohnenkrieg gegen das Völkerrecht verstößt, wird zwar nicht verneint, aber auch nicht ausgeschlossen:

Es ist aus Sicht der Bundesregierung völlig unmöglich, ein pauschales, allgemeines Urteil über militärische Drohnenangriffe zu fällen, und das tun wir deshalb hier auch nicht. Vielmehr kommt es darauf an, was in einem konkreten Einzelfall wo, wie, wann, gegen wen, unter welchen Bedingungen geschehen oder nicht geschehen ist. Da der Bundesregierung keine Informationen über solche Einzelfälle vorliegen, ist es gar nicht möglich, eine völkerrechtliche oder politische Bewertung abzugeben.

In mindestens zwei Fällen hatte die Bundeswehr in Afghanistan selbst Einsätze bewaffnete US-Drohnen angefragt, deren Datenverbindung dann womöglich auch über Ramstein lief. Beide Male ging es nicht darum, deutschen Soldaten in einer vermeintlich bedrohlichen Situation zu helfen. Einer der Luftschläge richtete sich offensichtlich gegen Personen, die in aller Ruhe Sprengfallen verlegten. In der Antwort auf eine Kleine Anfrage erklärte die Bundesregierung, es habe sich um “positiv identifizierte regierungsfeindliche Kräfte” gehandelt, die demnach als “militärische Ziele” einzustufen seien.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Drohneneinsätze nicht nur über Ramstein gesteuert, sondern deren Aufklärungstätigkeit von einem dort ansässigen US-Geheimdienst verarbeitet werden sollen. In dem Dokument heißt es dazu:

Additionally, the nature of the operation requires a site location near an existing intelligence facility on Ramstein Air Base in order to prepare and provide adequate data to the demanding battle-staff agencies.

Derzeit ist es unmöglich, von der Bundesregierung mehr zu militärisch genutzten Drohnen zu erfahren. Das Verteidigungsministerium hat die parlamentarische Kontrolle faktisch aufgehoben und zwei Kleine Anfragen der Linksfraktion zu Spionagedrohnen sowie zu Kampfdrohnen werden schlicht unbeantwortet gelassen. Dort erkundigen sich die FragestellerInnen unter anderem zum Beinahe-Zusammenstoß einer Bundeswehr-Drohne mit einem afghanischen Passagierflugzeug, auf den jetzt der “Spiegel” aufmerksam wurde. Auch mehrere schriftliche Fragen anderer Fraktionen, die eigentlich innerhalb von einer Woche bearbeitet werden müssen, sollen erst am 14. Juni beantwortet werden. Am Mittwoch will der Verteidigungsminister immerhin im Verteidigungsausschuss einen Bericht zur Spionagedrohne “Euro Hawk” vorstellen.

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May 28 2013

FRONTEX interessiert sich für Einsatz des “Euro Hawk” zur polizeilichen zur Überwachung von Land- und Seegrenzen

BW_EuroHawkDie EU-Grenzschutzagentur FRONTEX veranstaltet Workshops, die sich mit der Nutzung größerer Drohnen “zur Überwachung von Land- und Seegrenzen” befassen. In einer der Präsentationen wurde auch die Spionagedrohne “Euro Hawk” vorgestellt. Dies teilte das Bundesinnenministerium jetzt in der Antwort auf eine Kleine Anfrage zur polizeilichen Drohnen-Strategie mit. Demnach finden die Workshops seit 2009 statt, bis auf einmal war die Bundespolizei jedes Mal dabei. Beinahe alle größeren Drohnen europäischer Hersteller wurden präsentiert. FRONTEX interessierte sich aber auch für die israelische “Heron” und die amerikanische “Predator”.

Eine ähnliche Vorführung hatte Frontex 2010 in Finnland abgehalten, damals allerdings mit kleineren “Mini-UAV”. Zudem lag der damalige Fokus auf Landgrenzen. Die Frontex-Workshops richten sich vor allem an Mitglieder von Grenztruppen der Mitgliedstaaten sowie andere “key stakeholders”.

In der Antwort heisst es:

Es wurden folgende Geräte präsentiert:

  • “Patroller”, Safran/Sagem,
  • „DA42 MPP Guardian”, Diamond Aircraft,
  • „Heron”, IAI — Malat,
  • „Blue Horizon”, Uvision,
  • „Sparrow”, Uvision,
  • „Butterfly”, Uvision,
  • „A3ISR”, Lockheed Martin,
  • „Eurohawk”, Northrop und EADS,
  • „Predator”, General Atomics und Diehl,
  • „Firebird”, Northrop Grumman
  • „Condor”, OHB System AG.

Einer der Workshops der EU-Grenzschutzagentur FRONTEX fand im Oktober 2011 in der griechischen Hafenstadt Aktio statt. Dabei ging es unbemannte Flugzeuge der Klasse “Medium Altitude Long Endurance” (MALE), die mehrere Kilometer hoch fliegen können. Ausdrücklich erwünscht waren aber auch kleinere Drohnen, sofern sie über eine längere Flugzeit verfügen. FRONTEX hatte vorher einen Aufruf veröffentlicht, wonach die Einbindung der gezeigten Drohnen in das EU-Grenzüberwachungssystem EUROSUR untersucht werden soll.

Die Veranstaltungen dienen laut der Bundesregierung der “Vorstellung am Markt befindlicher unbemannter Luftfahrtsysteme und der Definition von grenzpolizeilichen Anforderungs- und Leistungskriterien”. Welche der Drohnen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch vorgeführt wurden ist nicht klar. Der Rüstungskonzern Thales spricht anläßlich einer Präsentation 2011 von “mehreren internationalen Herstellern”. Demnach seien die teilnehmenden Hersteller aus den USA und Israel dominiert gewesen. Dass die deutsche “Euro Hawk” dort gezeigt wurde, ist aber unwahrscheinlich. Von einer Fluggenehmigung istz bislang nichts bekannt.

Allerdings ist die nun vorliegende Antwort der Bundesregierung unvollständig: Denn bekanntermassen hat auch Thales sein System “Fulmar” bei FRONTEX live präsentiert. In einem Werbefilm wird dessen ausdrückliche Verwendung gegen unerwünschte MigrantInnen vorgeführt:

Die “Fulmar” fliegt bis zu 3.000 Meter hoch und rund 150 Kilometer pro Stunde. Nach acht Stunden bzw. 800 Kilometern muss die Drohne gelandet werden. Die leichten Drohnen von Thales wären somit gut geeignet, nach in Deutschland auch für polizeiliche Belange eingesetzt zu werden: Die “Fulmar” könnte in einem Rutsch unbemerkt von der Nordsee bis zum Bodensee fliegen. “Fulmar”-Drohnen operieren zur Kontrolle von Migration bereits in Malaysia.

Thales hatte das EU-Forschungsprojekt “Wide Maritime Area Surveillance” (WIMAAS) angeführt und untersuchte dort mit der spanischen Guardia Civil die grenzpolizeiliche Nutzung von Drohnen. Die Guardia Civil ist mit weiteren Drohnen-Forschungen der EU befasst, darunter CLOSEYE und DeSIRE. geflogen werden dort Drohnen der Typen “Heron” und “Predator”.

Auch EADS empfiehlt übrigens den Einsatz des “Euro Hawk” sowie anderer größerer Drohnen für Zwecke einer “Homeland Security”. Ein Sprecher des Konzerns zählt hierzu die Observation polizeilicher Großereignisse, die Überwachung von Atomanlagen und Grenzkontrolle, aber auch Demonstrationen und “Unruhen in Vorstädten”.

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May 14 2013

Israelische Drohne stürzt ab, weitere Flüge ausgesetzt – Bundeswehr-Drohnen fliegen trotzdem.

Eine Drohne des israelischen Militärs fiel am Samstag ins Mittelmeer. Der Flugroboter wurde zuvor abgeschossen, um einen Absturz über dicht bewohntem Gebiet zu verhindern. Nach Zeitungsangaben sei auf dem Routineflug aus noch ungeklärten Gründen eine Störung aufgetreten. Es handelte sich um eine sogenannte MALE-Drohne des Typs Heron, Hersteller ist die Firma Israel Aerospace Industries. MALE steht für “Medium Altitude Long Endurance”, also mittlere Flughöhe und hohe Reichweite. Die Heron existiert neben der ursprünglichen Baureihe mittlerweile auch als fortentwickelte Heron TP. Beim Absturz handelte es sich um die frühere Version Heron-1

Ein Militärsprecher erklärte, dass zunächst alle Flüge von Drohnen des gleichen Typs gestoppt seien. Bereits letztes Jahr war eine israelische Heron abgestürzt. Die von deutschen Soldaten in Afghanistan geflogenen Heron-Drohnen würden angeblich weiter betrieben, heisst es im Blog eines Militärjournalisten. Die deutschen Flugroboter sind im Gegensatz zu den israelischen Typen unbewaffnet. Doch zwei von Deutschland geleaste Heron sind bereits früher havariert. Nach Auskunft der Bundesregierung habe es sich einmal “um einen Bodenunfall beim Rollen” gehandelt, eine andere habe wegen eines technischen Defektes am Triebwerk “eine autonome Landung in freiem Gelände” durchgeführt. Die Drohne musste demnach “aus operationellen Gründen zerstört werden”. Gemeint ist, dass die Technik von gegenerischen Kräften rekonstruiert werden kann.

Es könnte sich bei dem jüngsten Vorfall in Israel durchaus um ein gravierendes Sicherheitsproblem handeln, denn Details zur Navigationstechnik der Heron sind womöglich dem Geheimdienst Pakistans in die Hände gefallen. Ein Spezialkommando der Polizei nahm Ende März in Bremen einen Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) fest, der laut dem Nachrichtenmagazin Focus “geheime Studien über Steuerung und Navigation von Drohnen” einsehen konnte. Dabei geht es um Heron-Drohnen der Bundeswehr.

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen, das betroffene Unternehmen aber bislang nicht offiziell bestätigt. Focus schreibt, der Auftraggeber sei “nach Erkenntnissen der Ermittler” der pakistanische Geheimdienst ISI. Die Bundesregierung wollte dies auf Nachfrage im Bundestag erstmal nicht bestätigen und hüllt sich über weitere Ermittlungen in Schweigen. Zur Begründung heisst es, es handele sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren. Das Frage- und Informationsrecht des Deutschen Bundestages wird deshalb eingeschränkt.

Das DLR ist damit befasst, Studien für Genehmigungsverfahren für den Betrieb größerer Drohnen wie die Heron im allgemeinen zivilen Luftraum durchzuführen. Ab 2016 soll EU-weit ein “Single European Sky” (SES) eingerichtet werden, zuständig ist hierfür die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) mit Sitz in Köln. Dann könnten Drohnen wie die Heron oder die US-amerikanischen Predator auch von der Polizei geflogen werden, denn Starts und Landungen dürften von zivilen Flughäfen erfolgen.

Das DLR betreibt hierfür groß angelegte Forschungen in Spanien, an denen auch die Bundespolizei beteiligt ist. Das Projekt wird von der EU finanziert. Ein erster polizeilicher Testflug einer Heron-Drohne erfolgte erst kürzlich, weitere sind geplant. In einem anderen EU-Projekt wird auch eine Predator-Drohne des US-Herstellers General Atomics getestet.

Von den Ergebnissen der Forschungen würde auch die Bundeswehr profitieren, denn es geht um satellitengestützte Ausweichverfahren. Diese sind für die luftfahrtrechtliche Zulassung in Deutschland zwingend. Das deutsche Militär will sich zwischen Heron oder Predator entscheiden, weshalb die (eigentlich zivilen) EU-Forschungen für die Pläne des Verteidigungsministeriums von zentraler Bedeutung sind.

Die Bundeswehr nutzt neben den Heron-Drohnen die kleineren Typen KZO (“Kleinfluggeräte Zielortung”) und LUNA (“Luftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung”) der deutschen Hersteller Rheinmetall und EMT. Mindestens zwei LUNA sowie drei KZO sind bereits in Deutschland vom Himmel gefallen. Beim ISAF-Einsatz in Afghanistan stürzten gleich sechs LUNA und vier KZO ab. Laut dem Spiegel hatten zehn KZO damals 300 Millionen Euro gekostet. Eingerechnet sind allerdings auch die Bodenstation zur Flugkontrolle und Analyse der Überwachungsdaten. Mittlerweile verfügt die Bundeswehr über 37 KZO und 51 LUNA.

Auch andernorts sind die Flüge der Drohnen keineswegs sicher: Die britische Webseite Drone Wars UK hatte im Herbst eine Übersicht über Bruchlandungen von Drohnen mehrerer Länder veröffentlicht. 2012 sind allein in den USA bei 14 Unfällen von Drohnen mindestens 15 Geräte abgestürzt. Selbst die riesige Global Hawk, von denen die Bundeswehr als Euro Hawk zunächst einen Prototyp orderte, verzeichnete in Afghanistan und an der Heimatfront Totalverluste (Video).

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May 07 2013

EU-Kommission lobt Entwicklung von großen Drohnen zur Förderung von Wirtschaft und Wettbewerb

rpasDie zur EU-Kommission gehörende Generaldirektion Unternehmen und Industrie hat eine neue Broschüre veröffentlicht, in der Drohnen als Faktor für Wachstum und Wohlstand in den Mittelpunkt gerückt werden. Demnach werden rund 400 Drohnen-Projekte in 20 EU-Mitgliedstaaten entwickelt. Diese teilten sich auf in Größenordnungen zwischen einem Airbus 320 bis hin zu wenige Gramm schweren Mikrodrohnen. Jedoch bildeten Drohnen mit einem Abfluggewicht von über 150 Kilo der am dynamischsten wachsende Sektor. Bestätigt wird dies durch eine Meldung aus der Türkei, die nach erfolgreichen Tests in die Serienproduktion der hochfliegenden Drohne ANKA einsteigt. Investititonen winken laut der EU-Kommission aber auch für Zulieferer. Als Beispiele gelten Anwendungen für Flugkontrolle, Kommunikation, Antrieb, Energieversorgung, Aufklärungssensoren oder Fernmesstechnik.

Die Kommission lobt sich dafür, bereits seit 1998 Gelder in entsprechende Forschungen zu verausgaben. Gegenwärtig werden 20 Vorhaben im 7. Forschungsrahmenprogramm gefördert, die im weitesten Sinne mit Drohnen zu tun haben. Auch Großprojekte wie das Satellitennavigationssystem GALILEO oder das ebenfalls satellitengestützte Überwachungssystem Copernicus (früher GMES) binden Flugroboter ein.

Erneut wird gefordert, dass auch die großen Drohnen regulären Zugang zum allgemeinen, zivil genutzten Luftraum erhalten sollen. Für Geräte über 150 Kilogramm ist hierfür die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) mit Sitz in Köln zuständig. Die Nutzung militärischer Drohnen fällt indes in die Zuständigkeit der nationalen Regierungen.

Starten Drohnen bald an Zivilflughäfen?

Bereits in einem ausführlichen Arbeitsdokument mit dem Titel “Towards a European strategy for the development of civil applications of Remotely Piloted Aircraft Systems” hatte die EU-Kommission ihre Anstrengungen erklärt, den zivilen Luftraum über den 27 EU-Mitgliedstaaten für schwere Drohnen zu öffnen und einheitliche Standards zu definieren. Dies würde bedeuten, dass die Drohnen auch an regulären Zivilflughäfen anzutreffen wären.

Seit Januar führt die Bundeswehr Testflüge mit der weltweit größten Aufklärungsdrohne “Euro Hawk” durch. Der Flugroboter mit langer Flugdauer und mittlerer Flughöhe wird von der US-Firma Northrop Grumman gefertigt. Das in Deutschland genutzte Modell basiert auf dem “Global Hawk”, der vom US-Militär sowie für Belange innerer Sicherheit genutzt wird und bereits mehrere Abstürze mit Totalverlust verzeichnete. Der Rüstungskonzern EADS Cassidian erhielt den Auftrag, einen Prototyp mit Navigations- und Spionagetechnik auszurüsten.

Ursprünglich hatte die Bundeswehr als “Serienbeschaffung” mehrere solcher Systeme anvisiert. Die ARD zitiert den Parlamentarischen Staatssekretär Thomas Kossendey mit den Worten, das Projekt sei mit “nicht unerheblichen Mehrkosten” verbunden, weshalb die luftverkehrsrechtliche Zulassung für den Betrieb der Spionage-Drohne fraglich ist. Womöglich würde der Kauf also nicht durchgeführt.

Die Anstrengungen der Europäischen Agentur für Flugsicherheit könnten aber helfen, Gelder einzusparen und das Projekt wie geplant umzusetzen: Denn die EU führt ebenfalls Forschungen und Studien zur Vermeidung von Kollisionen durch, die für die erfolgreiche Zulassung der Flugroboter vorgeschrieben sind.

Vielleicht rudert die Bundesregierung auch nur aus Angst vor Imageverlust zurück. Angesichts der Bundestagswahl wird laut mehrerer Medien versucht, das Thema aus dem Bundestagswahlkampf herauszuhalten. Spiegel Online berichtete, “einige ausgewählte Top-Politiker” seien vom Verteidigungsminister zu einem Briefing zum Kauf eigener Kampdrohnen eingeladen worden. Die Bundesregierung hat dies letzte Woche dementiert.

Beschaffung von Kampfdrohnen wird doch vor der Bundestagswahl eingefädelt

Entgegen anderslautenden Presseberichten trifft das Militär aber hinter den Kulissen noch vor der Sommerpause eine Beschaffungsentscheidung für die Kampfdrohnen. Dies räumte sogar das Verteidigungsministerium ein. Noch im Sommer will das Verteidigungsministerium seinen Bedarf zum Kauf von Kampfdrohnen festlegen. Diese sogenannte “Auswahlentscheidung” soll spätestens im dritten Quartal erfolgen, auf jeden Fall vor der Bundestagswahl.

Neben dem Kauf von Drohnen aus den USA oder Israel ist eine der Optionen, eigene bzw. europäische Kampfdrohnen zu entwickeln und zu bauen. Die infrage kommenden Rüstungskonzerne machen nun mit Hochdruck Lobbyarbeit. In einem Gespräch mit dem EADS-Konzernchef beteuerte der Bundeswirtschaftsminister laut einer Lokalzeitung das Bestreben, dass “Deutschland in der Rüstungstechnologie international nicht den Anschluss verliert”.

Die EADS-Tochter Cassidian wittere laut der Zeitung “ein Milliardengeschäft”, es hingen “einige tausend Arbeitsplätze an dem Projekt” der europäischen Kampfdrohne. Der Besuch des Ministers sei ein “Lichtblick”. Denn wenn jetzt eine Zusage käme, könnte die Firma bis 2020 liefern. Entwicklungskosten lägen dann bei rund einer Milliarde Euro.

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