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January 14 2014

Happy Copyright Week!

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Letztes Jahr im Oktober hatten wir schon auf die Open Access Week hingewiesen, diese Woche wird die Copyright Week unter dem Motto “Taking Copyright Back” begangen. Das bedeutet: Eine Woche vor dem Jahrestag des SOPA-Blackouts am 18. Januar darauf aufmerksam machen, was bei den momentanen Copyrightbestimmungen im Argen liegt und Lösungswege vorschlagen und erklären.

Die Electronic Frontier Foundation hat dafür eine Seite erstellt, auf der sie Prinzipien von Copyright erklärt, die für die Etablierung eines fairen und innovativen Copyrights bedacht werden müssen. Das sind: Transparenz, eine Stärkung des Gemeinguts, Open Access, die vollständigen Nutzungsrechte an erworbenen Gütern, Fair Use und ein freies und offenes Internet. Auf dem Deeplinks Blog der EFF wird jeden Tag eines dieser Prinzipien näher erläutert.

Und zu dieser Gelegenheit nochmal der Hinweis: Ihr könnt noch bis zum 5. Februar an der öffentlichen Konsultation der EU zum Urheberrecht teilnehmen und eure Meinung sagen, was bei der Modernisierung des Urheberrechts wichtig ist. Also nutzt die Chance!

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January 13 2014

Ein Jahr nach dem Tod von Aaron Swartz

CC-BY-2.0 via Flickr/quinnums

CC-BY-2.0 via Flickr/quinnums

Heute vor einem Jahr haben wir über den Selbstmord von Aaron Swartz am 11. Januar 2013 berichtet. Aaron war ein bekannter Aktivist und gehörte zu den Mitgründern von Reddit und Demand Progress. Er hatte bereits mit 14 Jahren an der Entwicklung des RSS-Standards mitgewirkt und war Stipendiat an der Harvard-Universität. Später hat er sich von der Firma hinter Reddit ausbezahlen lassen und sich vollständig dem Aktivismus gewidmet – gegen SOPA und PIPA und für Open Access und Open Goverment.

2011 kamen Probleme auf und Aaron  wurde vom MIT angeklagt – er habe sich illegal über das MIT Zugang zur Journal-Datenbank JSTOR verschafft und dort 4,8 Millionen Dokumente heruntergeladen. Ihm drohten, obwohl JSTOR keine Ansprüche mehr stellen wollte, 35 Jahre Haft und eine enorme Geldstrafe, da die Staatsanwaltschaft den Fall weiterverfolgte. Das Urteil wurde im April 2013 erwartet und es wird angenommen, dass sein Selbstmord eine Konsequenz der Anklage war.

Es gab in Folge der Ereignisse viele Nachrufe, einer der bekanntesten stammte von Cory Doctorow auf boingboing.net, der ihn nur eine Stunde nach Eintreffen der Todesnachricht bei ihm verfasste. Doch sein Tod rief auch Proteste hervor – gegen eine Welt, in der man angeklagt wird, weil man Wissen befreien und mit der Welt teilen will. Als Zeichen der Missachtung des Verhaltens des MIT, das von Aarons Eltern für seinen Tod mitverantwortlich gemacht wurde, legte Anonymous deren Netzwerk für beinahe drei Stunden lahm und ersetzte bei einer zweiten Aktion eine Instituts-Webseite durch einen Nachruf auf Aaron.

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In der Zeit nach seinem Selbstmord wurde Aarons Gesicht zu einer Verkörperung des Internetaktivisten, der versucht hat, gegen ein ungerechtes System zu kämpfen – bis ans Ende seiner Kräfte. Er wurde zum Opfer absurd restriktiver Gesetze gegen die sogenannte ‘Computerkriminalität’. Das hat viele motiviert, seinen Kampf weiterzukämpfen. Als dann im Juni die Überwachungsenthüllungen an die Öffentlichkeit kamen, verschwand seine Präsenz fast vollständig und Edward Snowden trat an die Stelle des Verfolgten und Verurteilten. Die beiden waren in ihrem Streben vereint, Informationen und Wissen zu befreien – wenn auch anderer Art. Umso wichtiger, dass wir uns ein Jahr nach seinem Tod wieder an ihn erinnern.

Die Electronic Frontier Foundation hat einen sehr schönen Erinnerungsnachruf verfasst, der uns zur Nachfolge seiner Bemühungen aufruft:

Man braucht einen gewaltigen menschlichen Geist, um sich das Scheitern der Institutionen um uns herum anzusehen – vom Zusammenbruch von angemessenen Kontrollmechanismen gegenüber der Regierung über deren Krieg gegen Whistleblower bis zu dem gewaltigen Einfluss von Unternehmen bei der Umsetzung von nutzerfeindlichen Praktiken – und dabei nicht zu verzweifeln. Aaron hat uns gezeigt, dass wir nicht verzweifeln müssen. Er hat Menschen nicht aus grenzenlosem Optimismus dazu inspiriert, große Herausforderungen anzunehmen, sondern weil er geglaubt hat, dass wir, wenn wir den ersehnten Wandel in der Welt vor Augen haben, auch mächtig genug sind, ihn wahr zu machen.

Am 11. Februar wurde von verschiedenen Organisationen, darunter auch EFF, reddit und boingboing.net, zu einem Protesttag unter dem Motto ‘The Day We Fight Back‘ gegen Massenüberwachung aufgerufen. Am Freitag davor hackte Anonymous eine Seite des MIT und ersetzte deren Inhalt mit einer Referenz auf den obigen Protest.

Um an das Wirken und die Ziele von Aaron zu erinnern wird Brian Knappenberger vermutlich noch in diesem Jahr die Dokumentation The Internet’s Own Boy veröffentlichen. Hoffentlich lässt sich damit das Andenken an Aaron Swartz erhalten. Wir haben es bitter nötig, denn erst letzte Woche wurde in den USA ein Vorschlag zur Änderung des Personal Data Privacy And Security Act eingebracht, der nicht nur die Strafen für “Hacking” erhöhen, sondern auch Hackversuche mit erfolgreichen Hacks strafrechtlich auf eine Stufe stellen würde.

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October 23 2013

Happy Open Access Week!

Bisher ganz untergegangen: Diese Woche ist Open Access Week. Außerdem ist gestern die Berliner Erklärung über offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen 10 Jahre alt geworden. Gratulation auch dazu!

Open Access

Da die Woche ja noch nicht ganz vorbei ist, zumindest noch eine Veranstaltungsempfehlung: Unter dem Titel Open Access – Publizieren im 21. Jahrhundert findet morgen, am 24.10. um 18:00 Uhr eine Podiumsdiskussion in der Bibliothek der TU Berlin statt.

Weitere deutsche und internationale Veranstaltungen (zum Teil mit Livestreams) findet ihr hier.

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August 14 2013

Sunil Abraham: Moralische Komponente der “Open” Debatte

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Sunil Abraham ist Direktor des indischen Centre for Internet & Soceity in Bangalore. Seine bisherige Forschung beschäftigte sich mit Open Data und Open Access Themen, Urheberrecht und Datenschutz. Nun hat er in einem Gespräch mit Tech Presidents David Eaves über seine Sicht auf die “Open” Debatte gesprochen. Dabei bezieht er eine interessante Position. So liegt Abrahams Fokus nicht primär auf der Frage oder Unterscheidung zwischen Legal und Illegal, sondern er sieht die ‘Zuschreibung’ eines Werkes als wichtiges Element.

Auf der ersten Achse wird zwischen den Rechten des Urhebers bzw. Freiheiten des Benutzers unterschieden und inwieweit Letzterer die Rechte des Urhebers achtet. Von links nach rechts wird es immer weniger restriktiv. In Verbindung mit der dritten Achse (Legal vs. Illegal) gibt es dann eine Trennung zwischen freier Verfügbarkeit eines Werkes und der Nichtanerkennung der Rechte des Urhebers durch den Benutzer. Als Beispiel wären hier Lawrence Lessig und Aaron Swartz zu nennen. Lessig setzt sich für offene Lizenzierungsmodelle, wie Creative Commons ein – ähnlich zu Aaron Swartz. Allerdings bleibt Lessig innerhalb des rechtlichen Rahmens während Swartz urheberrechtlich geschützte wissenschaftliche Artikel aus Protest frei zugänglich gemacht hat. Lessig respektiert die Rechte der Urheber, während Aaron Swartz – nach Sunil Abrahams Kategorisierung – seine eigene Freiheit über die Rechte des Urhebers gestellt hatte.

Schaut man sich allerdings die ‘Attribution Axis’ an (Zuschreibung eines Werkes), sind Lessig und Swartz im selben Bereich, da beide es dem Benutzer ermöglichen das Werk dem Urheber zuzuschreiben. Gleiches gilt z.B. für Abraham auch bei investigativen Journalisten, die ein geheimes Regierungspapier veröffentlichen. Sie handeln zwar illegal, wenn man lediglich die rechtliche Perspektive betrachtet. Allerdings handeln sie aus moralischer Überzeugung und das Papier lässt sich eindeutig dem Urheber – der Regierung – zuordnen. Auch beim File-Sharing bleibt diese Zuschreibung des Werkes erhalten.

One of the most telling facts about unauthorized sharing online is that people preserve attribution — there’s no attempt to hide who made the song or film. That’s probably why survey after survey shows that sharing materials online increases their sales — something that would be unlikely if attribution were stripped from files.

Diese Möglichkeit der Zuschreibung eines Werkes wird natürlich am offensichtlichsten bei gefälschten Produkten oder z.B. Identitätsklau gebrochen. Daher fallen Yes Men und Anonymous in diese Kategorie – Die Yes Men geben sich als Konzern-Mitarbeiter aus und geben so augenscheinlich offizielle Pressemitteilungen. Anonymous wiederum übernimmt zwar als Kollektiv Verantwortung für eine Tat, allerdings ist der einzelne selten identifizierbar. Nach Abraham “spielen” diese Akteure mit der ‘Attribution Axis’ um auf etwas aufmerksam zu machen.

All the modern day regulation over IP is trying to pin an individual against their actions and then trying to attach responsibility so as to prosecute them. All that is circumvented when you play with the attribution layer. The more you move to the right the more radical you are. Because everywhere on the left you actually have to educate people about the law, which is currently unfair to the user, before you even introduce them to the alternatives. You aren’t even challenging the injustice in the law! On the right you are operating at a level that is liberated from identity and accountability. You are hacking identity.

So sieht Abraham hier auch eine Verbindung zum zivilen Ungehorsam: Obwohl man aus rechtlicher Perspektive etwas ‘illegales’ macht, kann dies trotzdem moralisch vertretbar sein.

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August 13 2013

Aaron Swartz: erster Teil geheimer Ermittlungsdokumente veröffentlicht

Quelle: Wikipedia (cc-by-2.0)

Quelle: Wikipedia (cc-by-2.0)

Der amerikanische Geheimdienst Secret Service hat die ersten Seiten ihrer Ermittlungsdokumente im Fall Aaron Swartz veröffentlicht, nachdem Richterin Colleen Kollar-Kotelly die Regierung zu einer sofortigen Veröffentlichung der Daten aufgefordert hatte. Vorausgegangen war ein mehr als ein Jahr andauernder Rechtsstreit zwischen Kevin Poulsen, der die Herausgabe der Dokumente forderte, und dem Department of Homeland Security, welchem der Secret Service unterstellt ist. Der erste Teil der nun öffentlich gemachten Dokumente umfasst 104 Seiten. Insgesamt umfassen die Ermittlungsdokumente rund 14.500 Seiten, die über die nächsten 6 Monate veröffentlicht werden sollen.

Die veröffentlichten Ermittlungsdokumente, welche zum Teil stark zensiert sind, belegen das Interesse des Secret Services am sogenannten “Guerilla Open Access Manifesto“, welches von Aaron Swartz im Jahr 2008 veröffentlicht wurde. In dem Manifest ruft Swartz dazu auf, auch urheberrechtlich geschützte akademische Papiere frei verfügbar zu machen, um Wissen allen Menschen verfügbar zu machen. Hintergrund Bereits im Februar vermutete Wired, dass das Manifest vom Secret Service gegen Swartz eingesetzt werden sollte. Die Ermittlungsunterlagen scheinen dieses nun zu belegen.

Auch ein kurzes Memo nach Aaron Swartzs Selbstmord ist in den Unterlagen zu finden, wie Wired berichtet:

“On 1/11/13, Aaron Swartz was found dead in his apartment in Brooklyn, as a result of an apparent suicide,” reads a January 17, 2013 Secret Service memo. “A suppression hearing in this had been scheduled for 1/25/13 with a trial date of 4/1/13, in U.S. District Court of the District of Massachusetts.”

Aaron Swartz wurde im Jahr 2011 festgenommen, nachdem er über das öffentliche Netzwerk der MIT rund 4 Millionen akademische Dokumente aus dem JSTOR-Archiv geladen hatte. Hintergrund waren jedoch keine finanziellen sondern Swartzes Einsatz für die Open-Access-Bewegung. Ihm wurde jedoch Überweisungsbetrug und Manipulation von Computern vorgeworfen. Zu diesem Zeitpunkt drohten im 35 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 1 Millionen US-Dollar. Im Januar diesen Jahres beging Aaron Swartz Suizid. In einem vor rund zwei Wochen veröffentlichen Untersuchungsbericht der MIT, gibt diese an keine Fehler im Umgang mit Aaron Swartz gemacht zu haben. Die nun vom Secret Service veröffentlichten Dokumente sind hier einsehbar.

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August 07 2013

Aaron Swartz: MIT hat nach eigener Einschätzung keine Fehler gemacht

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Quelle: Wikipedia (cc-by-2.0)

Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) hatte Ende letzten Monats seinen offiziellen Untersuchungsbericht zur Aaron Swartz Tragödie veröffentlicht: Report to the President MIT and the Prosecution of Aaron Swartz. Die Untersuchungen wurden ‘generalstabsmäßig’ geplant und angelegt. So hatten drei unparteiischen, nicht-involvierte Professoren die Aufsicht über die Erstellung des Bericht – Leiter war Prof. Hal Abelson. Das ganze hat ein gutes halbes Jahr gedauert, umfasst 180 Seiten, 10.000 Seiten Text wurden analysiert, rund 50 Leute befragt. So war das Ziel des Reports, drei Fragen zu beantworten. 1. Aktivitäten und Entscheidungen des MIT über den Zeitverlauf beschreiben. 2. Den Kontext dieser Entscheidungen bewerten. 3. Kritische Punkte beleuchten, die weiterer Diskussion bedürfen. Ergebnis: Fragen werden aufgeworfen, aber letztlich habe sich das MIT in seiner “neutralen Haltung” keines Fehlverhaltens schuldig gemacht.

Aaron Swartz, der zwar selbst kein Student oder Mitarbeiter am MIT war, aber enge (u.a. familiäre) Kontakte zu verschiedenen Fakultäten des MIT hatte, lud zwischen September und Dezember 2010 rund 500.000 wissenschaftliche Artikel von der JSTOR Datenbank herunter. Dazu benutzte er ein Notebook, das an MITs Campus-Netzwerk angeschlossen war. Als langjähriger und bekannter Open Access Aktivist hatte er hier keine monetären Ambitionen, sondern folgte vor allem seiner Überzeugung, dass akademisches Wissen frei verfügbar sein sollte. Im Januar 2011 wurde er festgenommen und angeklagt – zu diesem Zeitpunkt drohten ihm bis zu 35 Jahre haft und 1Mio USD Strafe. Die Verhandlungen zogen sich hin und Aaron Swartz hatte diesen Januar dann Suizid begangen.

Während den Verhandlungen gab es viel Kritik an dem Vorgehen der Staatsanwaltschaft, den überaus harten Anklagen und dem Verdacht, dass an Aaron Swartz – seitens der Verlags-Industrie und Regierung – eher ein Exempel statuiert werden sollte. JSTOR stellte schon zu Beginn offiziell klar, dass es kein Interesse an einer weiteren Anklage oder gar Verurteilung Aaron Swartz hat, nachdem die wissenschaftlichen Artikel auf Swartzs Computer sichergestellt waren.

The criminal investigation and today’s indictment of Mr. Swartz has been directed by the United States Attorney’s Office. It was the government’s decision whether to prosecute, not JSTOR’s. As noted previously, our interest was in securing the content. Once this was achieved, we had no interest in this becoming an ongoing legal matter.

Das MIT machte zu diesem Zeitpunkt keine Aussage und so haben viele gehofft, dass der Report, den das MIT nun veröffentlichte, hierzu Stellung bezieht und – vor allem – Fehler eingesteht. Letzteres ist, leider, nicht der Fall. So ist es verständlich, dass viele den Bericht und MITs Aussagen sehr kritisch betrachten. So schreibt der US Amerikanische Jura-Professor Lawrence Lessig, dass ein großer Fehler und grobe Fahrlässigkeit des MIT war, dass es niemals gegenüber der Staatsanwaltschaft klarstellte, ob Aaron Swartz sich überhaupt unberechtigt Zugang zum Campus-Netzwerk verschafft hatte – was ein entscheidender Anklagepunkt war. Der Untersuchungsbericht argumentiert, dass das MIT nicht eingeschritten ist, da Aaron Swartz kein Student des Institutes war – und rechtfertigt dies mit einer “neutralen Haltung”. Lessig weist aber auf die Fadenscheinigkeit dieser Argumentation hin:

MIT has justified intervening in the LaMacchia case and defended not intervening in the Swartz case on the basis that LaMacchia was a student and Aaron was not. But that defense is absurd: If MIT knows that a human is being prosecuted on the basis of a false interpretation of MIT’s rules, what possible difference does it make whether that human is a student or not?

Taren Stinebrickner-Kauffman, Partnerin von Aaron Swartz, sagt außerdem, dass das MIT stärker mit der Staatsanwaltschaft zusammengearbeitet hatte, als mit der Verteidigung (Zugang zu Dokumenten wurde Letzterem nicht gewährt) und allein dadurch nicht von einer “neutralen Haltung” reden kann.

Here are the facts: This report claims that MIT was “neutral” — but MIT’s lawyers gave prosecutors total access to witnesses and evidence, while refusing access to Aaron’s lawyers to the exact same witnesses and evidence. That’s not neutral. The fact is that all MIT had to do was say publicly, “We don’t want this prosecution to go forward” – and Steve Heymann and Carmen Ortiz would have had no case. We have an institution to contrast MIT with – JSTOR, who came out immediately and publicly against the prosecution. Aaron would be alive today if MIT had acted as JSTOR did. MIT had a moral imperative to do so.

Ethan Zuckerman, Leiter des MIT Center for Civic Media, argumentiert ähnlich und sagt, dass das MIT sich zwar “neutral” verhalten habe – dies aber nicht ethisch richtig war.

I think the report presents MIT with two equally serious charges: a failure to act ethically, and a failure to show compassion.

Letztlich ist es unendlich traurig, dass Aaron Swartz, aus welchen Gründen auch immer, erst sterben musste, um eine Diskussion über die Rechtmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit des US Amerikanischen Computer Fraud and Abuse Act anzustoßen. Man kann Ethan mit seiner Einschätzung nur Recht geben, dass in Aarons Fall sicher einiges hätte abgewendet werden können, wenn man mit mehr gesundem Menschenverstand vorgegangen wäre. Nicht zuletzt hat Aarons Fall gezeigt, wie sehr die Open Access Diskussion noch in den Kinderschuhen steckt. Der MIT Report hätte an dieser Stelle viel weiter gehen können und Verhaltensfehler eingestehen können und sollen. So endet der Bericht auch lediglich mit 8 Fragen und nicht mit Handlungsempfehlungen.

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June 20 2013

Sammlung Wissenschaftlicher Paper zu Zensur und Kontrolle im Internet

Die Wissenschaftler Steven Murdoch (University of Cambridge) und Hal Roberts (Harvard University) haben eine kleine Sammlung wissenschaftlicher Paper zu “Internet Censorship and Control” zusammengestellt, die sie frei zugänglich veröffentlichten. Die Themen der Paper reichen von Zensurmaßnahmen in China über die Machtverteilung in Internet Governance bis hin zur Sicherheit und Kompromittierung von Zertifizierungsstellen.

Zu jedem der fünf Paper wird es auf Netzpolitik.org einen gesonderten Artikel geben. Dies sind die Themen:

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August 23 2012

Buch “Generation Facebook”: Crowdfunding für englische Open Access Version

Das Buch Generation Facebook: Über das Leben im Social Net will “eine medien- und kulturkritische Perspektive auf das Phänomen Facebook” entwickeln. Linus hatte das bereits rezensiert. Jetzt soll das Buch auch auf englisch herausgegeben werden – gedruckt und als kostenloses PDF. Dafür gibt es eine Crowdfunding-Aktion auf Indiegogo:

Facebook’s success poses a lot of controversial questions – economically, socially, politically – which are far from answered yet. This book provides insights into these questions at an as yet unprecedented level of theoretical depth. Which is why it deserves to become available to an international audience.

The book has also proven to be an invaluable resource for a critical theoretical grounding of discussions about Facebook. Given the enormous user base of Facebook, it is vital to spread this kind of knowledge as widely as possible. Putting the texts under an Open Access license and making them freely accessible for everyone is the best way to achieve this goal.

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January 10 2012

Open Access unter Beschuss

Dieselbe Person, die sich gerade als entschiedenster Gegner des Stop Online Piracy Acts (SOPA) im House Judiciary Committee profiliert, fällt gerade bei einem anderen Gesetzesvorhaben der Open-Access-Bewegung in den Rücken. Die Rede ist von Darrell Issa (D), der im Dezember den Research Works Act vor dem Repräsentantenhaus vorgestellt hat, mit dem die Interessen der Privatwirtschaft gegenüber der Öffentlichkeit geschützt werden sollen. Konkret sieht das so aus:

No Federal agency may adopt, implement, maintain, continue, or otherwise engage in any policy, program, or other activity that — (1) causes, permits, or authorizes network dissemination of any private-sector research work without the prior consent of the publisher of such work; or (2) requires that any actual or prospective author, or the employer of such an actual or prospective author, assent to network dissemination of a private-sector research work.

Damit wäre auch der Zugang zu Forschungsergebnissen, in denen öffentliche Forschungsgelder stecken, in vielen Fällen erschwert.

Was man auch von Europa aus tun kann, um auf Vorgänge in den USA Einfluss zu nehmen, die das Vorankommen beim Thema Open Access gefährden, zeigt Adrian Pohl auf:

Aus Europa lässt sich wenig gegen diesen Gesetzentwurf machen außer die Nachricht über Blogs und Twitter zu verbreiten, auf dass die Proteste in den USA noch verstärkt werden. Allerdings gibt es die Möglichkeit, auf ein parallel laufendes Auskunftsersuchen des Office of Science and Technology Policy (OSTP) zu antworten, wo es um die Frage des öffentlichen Zugangs 1.) zu Dokumenten und 2.) zu Daten aus öffentlicher Forschung geht. Die Deadline wurde kürzlich bis zum 12. Januar verlängert und bisher überwiegen Open-Access-feindliche Antworten aus dem Verlagslager. Wer nicht die Zeit hat, seine Antworten komplett selbst zu verfassen, kann sich Inspiration bei anderen holen, siehe z.B. Björn Brembs’ Antworten oder die Antworten von Kitware (zu Dokumenten und zu Daten) , die jedeR mitschreiben und unterzeichnen kann. Wir sollten das Weiße Haus wissen lassen, wie wichtig Open Access für die gesamte Welt ist!

July 31 2011

Nur langsam mehr Freiheit des Wissens

Der Tagesspiegel berichtet über den Aaron Swartz – Fall: Nur langsam mehr Freiheit des Wissens.

Ein Hacker lädt eine große digitale Bibliothek herunter. Ist das Diebstahl oder die Befreiung des Wissens? Auf jeden Fall eine Reaktion darauf, dass die Open-Access-Bewegung zehn Jahre nach ihren Anfängen nur langsam vorankommt.

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July 22 2011

Aus Protest: Torrent mit 18.592 wissenschaftlichen Artikeln

Aus Protest gegen die das juristische Vorgehen gegen Aaron Swartz hat jemand, der sich als “Greg Maxwell” ausgibt, einen Torrent mit 33GB wissenschaftlicher Publikationen der Royal Society veröffentlicht. Dazu gibt es eine ausgiebige & lesenswerte Erklärung.

[... Sie stammen alle] aus alle aus der Zeitschrift Philosophical Transactions of the Royal Society, die für alle frei verfügbar sein sollte, bisher aber größtenteils durch paywall-Wächter wie JSTOR nur zu hohen Preisen verfügbar waren.

Ein bisschen Ironie zeigt das Vorgehen – Greg Maxwell macht genau das, was Aaron Swartz nicht getan hat: Er veröffentlicht die Daten. Der Einzelpreis pro Artikel liegt je nach Alter zwischen 8 und 19$. Man kann da einerseits von einem großen Verlust für die Lizenzinhaber sprechen – ich jedoch empfinde den bisherigen Verlust der Weltöffentlichkeit, durch enorme Kosten von diesem Wissen ausgeschlossen zu sein als sehr viel herber.

Die Taktik, juristisch verbriefte Rechte anderer zu “verletzen” ist ein Weg. Gleichzeitig sollte aber gerade bei Wissenschaftlern dafür geworben werden, dass sie sich nicht länger in ihrer Wirkungsbreite beschränken lassen: Im Directory of OpenAccess Journals finden sich viele Zeitschriften, die heute schon ohne Zugriffsbeschränkungen Wissen frei verfügbar machen.

Dass und wie das funktioniert, nimmt dem die Wissenschaft einschränkenden Verlagswesen den Wind aus den Segeln.

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July 20 2011

Ausleihen zu vieler Bücher aus der Bibliothek: Haftbefehl für Aaron Swartz

Aaron Swartz, Programmierer und Aktivist bei Demand Progress wurde gestern verhaftet, weil er zu viele Artikel aus der wissenschaftlichen Datenbank JSTOR heruntergeladen hat.

Um es auch Nicht-Akademikern kurz zu erklären: Wer als Wissenschaftler einen Artikel publizieren möchte, tut das üblicherweise in einer Zeitschrift (“Journal”) – und gibt dabei die Rechte am Artikel an den Verlag ab. Der Verlag vertreibt dann die Zeitschrift, üblicherweise im Abo, natürlich kostenpflichtig, vor allem auch für die Universität, die schon den Wissenschaftler und die Studie finanziert hat. Die Uni muss dafür bezahlen, ihre eigenen Forschungsergebnisse den eigenen Studenten zugänglich zu machen.

JSTOR als Non-Profit-Organisation bietet solche Abo-Modelle im Bündel an, und erlaubt den Nutzern freien Zugriff auf über 1.000 wissenschaftliche Zeitschriften. Üblicherweise handelt eine Uni Bündel-Konditionen für Lehrende und Studierende aus, die dann als Universitätsangehörige freien Zugriff auf die Artikel haben.

Das war auch am MIT der Fall, dem Aaron angehört.
Er hatte das Recht dazu, all diese Artikel kostenlos zu bekommen. Also bastelte er sich einen Crawler, der über 4 Mio. Artikel aus der Datenbank herunterlud. Dafür musste er natürlich mit einigen einfachen Methoden den Crawler-Schutz, mit dem sich JSTOR gegen Datenlecks schützen muss, umgehen. Es ist nicht das erste Mal, dass Swartz so etwas im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit gemacht hat: Für einen Artikel in der Stanford Law Review untersuchte er 441.170 Artikel auf ihre Finanzierung.

Die US-Staatsanwaltschaft machte jetzt aus dem Herunterladen von JSTOR die Absicht, das urheber-lizenzrechtlich geschützte Material in p2p-Netzwerken anzubieten, den unerlaubten Einbruch in das MIT-Netzwerk (in dem sich Swartz’ Computer befand) und noch ein paar weitere witzige Anschuldigungen wie ‘rücksichtslose Beschädigung eines geschützten Computers’

Die Höchststrafe im Falle eines Verurteilung beliefe sich auf 35 Jahre Knast und 1 Million Dollar Geldstrafe. In einer Pressemitteilung redet der Staatsanwalt auch permantent von Diebstahl, Computer-Betrug und ähnlichen abstrusen Vorwürfen.

JSTOR selbst erhält eine Zeugenvorladung, ist also in dem Fall noch nicht einmal Kläger, und äußert sich sehr verhalten zu der Angelegenheit. David Segalin von Demand Progress kommentierte ziemlich korrekt:

Das ist, als wenn man jemanden dafür verurteilt, zu viele Bücher aus der Bibliothek ausgeliehen zu haben.

Bei Demand Progress gibt es eine Petition für Aaron Swartz.
Als OpenAccess-Verfechter, also Freund der Idee, dass durch öffentliche Universitäten geschaffenes Wissen allen Menschen frei verfügbar sein sollte, halte ich diesen Fall für in seiner Absurdität nicht zu überbieten: Swartz hatte das Recht, die Artikel zu herunterzuladen. Es war dafür nicht allzu knapp bezahlt worden.

Das Handeln der Verlage dient in keiner Form der Wissenschaft oder ihrem Vorankommen – im Gegenteil: Wenn, dann behindert es die Wissenschaft in ihrer Freiheit und der Entfaltung ihrer Wirkung. Es wird Zeit, dass im Bereich wissenschaftlicher Publikationen eine ähnliche Revolution wie im Film-, Musik- und Journalismus-Geschäft stattfindet. Gerade in der Wissenschaft haben lizenzrechtliche Krosetts überhaupt nichts verloren.

Der Fall Aaron Swartz wird durch seine mediale Aufmerksamkeit hoffentlich der lang erwartete Auslöser dafür werden. Wenn nur das US-Rechtssystem nicht für seine psychotischen Anmutungen bekannt wäre.

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