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September 04 2013

Informationen aus dem Kanzleramt: Bundesnachrichtendienst übermittelt NSA noch mehr Daten als bisher bekannt

Baustelle der BND-Zentrale in Berlin. Lizenz: Creative Commons BY-SA 3.0 DE.

Baustelle der BND-Zentrale in Berlin. Lizenz: Creative Commons BY-SA 3.0 DE.

Der Bundesnachrichtendienst übermittelt der amerikanischen NSA jeden Monat drei Millionen Telekommunikations-Verkehrsdaten. Das geht aus Informationen des Bundeskanzleramts hervor, die netzpolitik.org über Umwege erfahren hat. Die enge Zusammenarbeit der Auslandsgeheimdienste ist nicht nur in Afghanistan ausgeprägt, in Bad Aibling nutzt der BND sogar Suchbegriffe der NSA.

Wenn nicht gerade ein neues Dokument aus dem Fundus von Edward Snowden von einem Medium verarbeitet wird, erfahren wir Details zum Spionageskandal immer nur tröpfchenweise. Jetzt konnte netzpolitik.org über Umwege ein paar neue Informationen aus dem Bundeskanzleramt erfahren.

Geheimdienst-Berichte von der NSA

Bereits bekannt ist, dass die amerikanische National Security Agency dem deutschen Bundesnachrichtendienst mehrfach Informationen gegeben hat. Dazu zählen unter anderem Informationen, die angeblich geholfen haben, den Aufenthaltsort entführter Deutscher im Ausland zu bestimmen. Die BILD berichtete im Juli, der BND habe “bei Geiselnahmen im Jemen und Afghanistan in den vergangenen Jahren mehrfach gezielt um die von der NSA gespeicherten Internetdaten der Entführten gebeten”.

Weitere von der NSA an den BND übermittelte Informationen betrafen angeblich verhinderte Terror-Anschläge. Wie viele genau dadurch verhindert wurden, konnte selbst unter Innenminister Friedrich nicht sagen: “Vielleicht waren es mehr Anschläge, vielleicht waren es weniger.” Laut offiziellen Darstellungen wurden Daten unter anderem über die jeweils vier Männer umfassenden Gruppen Sauerland-Gruppe und Düsseldorfer Zelle übermittelt.

Ein weiterer Fall soll die mutmaßlichen Islamisten Yusuf Ocak und Maqsood Lodin betreffen, die im Mai 2011 verhaftet und im Januar diesen Jahres zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Ein netzpolitisch interessantes Detail an dieser Geschichte beschreibt die CNN unter Berufung auf die Zeit:

Hundreds of documents were discovered by German cryptologists embedded inside a pornographic movie on a memory disk belonging to a suspected al Qaeda operative arrested in Berlin last year.

Meldungen von NSA und Partner-Diensten

In weiteren Anti-Terror-Fällen sollen die Informationen der NSA nur ein Baustein neben anderen Erkenntnissen gewesen sein.

Neben spezifischen Geheimdienst-Berichten und Informationen erhalten die deutschen Behörden von der NSA aber auch “Meldungen” zu bestimmten Bereichen. Dabei dürfte es sich um aufbereitete Erkenntnisse handeln, ohne Rohdaten mitzuschicken. Thematisch umfassen diese Meldungen unter anderem die Bereiche illegale Migration sowie Drogen- und Waffenhandel. Im Jahr 2012 hat die NSA laut unseren Informationen zwei solche Meldungen pro Tag an deutsche Dienste übermittelt.

Der BND ist darüber hinaus auch an einen internationalen “Verteiler” von Geheimdiensten angeschlossen. Dort erhielt er im selben Zeitraum ca. 2.000 Meldungen zu diversen Bereichen.

Die intensive Zusammenarbeit westlicher Geheimdienste in Afghanistan ist bekannt, 14 Organisationen haben sich dort zusammengeschlossen. Die NSA lobt den BND sogar als “fleißigsten Partner” am Hindukusch, der unter anderem afghanische Funkzellendaten an die NSA übermittelt. Das geht aber auch andersrum: Der BND soll in Afghanistan von der NSA auf Anfrage mehr als 200.000 Telekommunikationsdaten erhalten haben.

Daten des BND an die NSA

Die Zusammenarbeit zwischen deutschen und amerikanischen Diensten geht in beide Richtungen. Seit einem Monat ist offiziell bekannt, dass der BND “in großem Umfang Metadaten aus der eigenen Fernmeldeaufklärung an die NSA” übermittelt. Laut unseren Informationen hat der BND der NSA in den Jahren 2012 und 2013 jeden Monat mehr als drei Millionen Telekommunikations-Verkehre übermittelt. Diese wurden zuvor “g10-bereinigt”, also unter anderem von Einträgen mit .de-Domains und +49 Vorwahl gefiltert.

Auch “Erkenntnisse” aus der Auslandskommunikation schickt der BND an die NSA, nach einem Durchlauf durch die G 10-Kommission. Hier ist leider keine Zahl angegeben. Die Zahl der vom BND übermittelten “Meldungen” im Jahr 2012 sind mehr als 9.000 an Großbritannien und mehr als 4.000 an US-Dienste.

Der BND betätigt sich sogar als Helfershelfer für US-Geheimdienste: In der Abhörstation Bad Aibling nutzt der BND Suchkriterien der NSA, um diese in die eigene Aufklärung einfließen zu lassen. Ist hier XKeyScore gemeint?

Eins scheint sicher: Die Enthüllungen sind noch lange nicht am Ende, die Fakten müssen auf den Tisch. Ungeschwärzt.

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August 23 2013

Tempora: Großbritannien will alle Glasfasern der Welt abhören, tut das neben britischem Gebiet auch im Nahen Osten

Die Glasfaser-Kabel im Nahen Osten laut Greg's Cable Map

Die Glasfaser-Kabel im Nahen Osten laut Greg’s Cable Map

Großbritannien betreibt im Nahen Osten drei Abhörstationen, mit denen sie sämtliche Kommunikation als allen Glasfaserleitungen der Region abhören. Das berichtet der Independent unter Berufung auf Dokumente von Edward Snowden. Demnach werden die Informationen an die Zentrale des GCHQ geleitet und dort unter anderem der NSA zur Verfügung gestellt.

Vor zwei Monaten wurde bekannt, dass der britische Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ) sämtliche Kommunikation über die Glasfaser-Kabel auf seinem Gebiet abhört. Das Programm “Tempora” geht aber noch weiter, wie jetzt die britische Tageszeitung The Independent berichtet. Demnach betreibt Großbritannien im Nahem Osten drei Abhörstationen, mit denen sie sämtliche Kommunikation aus Glasfaserkabeln und Satelliten der Region überwachen.

Alle Daten, die durch die Unterseekabel der Region gehen, werden demnach komplett in Zwischenspeicher der Geheimdienste kopiert, dort gefiltert und aufbereitet und dann an die Zentrale des GCHQ im britischen Cheltenham geleitet. Dort hat auch die amerikanische National Security Agency (NSA) Zugriff darauf.

Dies ist ein weiterer Teil des Programms “Tempora”, dessen Ziel das “weltweite Abhören der digitalen Kommunikation” ist. Der GCHQ darf alle Menschen außerhalb Großbritanniens oder Kommunikation mit Menschen außerhalb Großbritanniens überwachen, ohne eigene neue Anordnung. Der ehemalige Außenminister David Miliband hat die Aktion schriftlich genehmigt.

Die offiziellen Ziele der Informationsgewinnung sind die Themenfelder Terrorismus, Proliferation, Söldner und private Militär-Unternehmen sowie schwerer Finanzbetrug. Aber auch die “politischen Absichten fremder Mächte”, also klassische Spionage für allgemeine politische Zwecke, wie das Abhören von Staats- und Regierungschefs bei internationalen Gipfeln.

Die Quelle für die Information sind wohl erneut Dokumente aus dem Fundus von Edward Snowden. Demnach hat er im letzten Jahr 50.000 Dokumente allein aus dem “GC-Wiki”, einem internen Wiki des GCHQ mit “Top Secret” oder höher eingestuften Dokumenten, kopiert. Den genauen Ort der Abhörstation veröffentlicht die Zeitung nicht.

Zum Schluss des Artikels gibt der Independent dem Guardian noch einen Seitenhieb. Demnach hat der Guardian einer Bitte der britischen Regierung entsprochen, Materialien aus Snowdens Sammlung nicht zu veröffentlichen, wenn diese die öffentliche Sicherheit gefährden könnten. Chef-Redakteur Alan Rusbridger soll dieser Einschränkung persönlich zugestimmt haben. Ob das tatsächlich zutrifft, oder nur eine Auseinandersetzung zwischen den rivalisierenden Blättern, ist von außen nicht nachvollziehbar.

Die wichtige Nachricht ist jedoch wieder einmal: Die westlichen Geheimdienste überwachen sämtliche digitale Kommunikation der gesamten Menschheit.

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August 23 2012

Total Information Awareness: National Security Agency betreibt eingestelltes Überwachungsprogramm weiter

Der amerikanische Nachrichtendienst National Security Agency betreibt das eingestellte Überwachungsprogramm “Total Information Awareness” weiter und erstellt aus allen Kommunikationsvorgängen ein riesiges Netzwerkdiagramm. Das berichtet die New York Times in einem Op-Ed. Mit zwei Änderungen: Auf die Daten kann jetzt auch ohne Gerichtsbeschluss zugegriffen werden und Zugriffe werden nicht mehr protokolliert.

Der Journalist Shane Harris beschreibt den Umfang der Überwachung:

The N.S.A. created what one senior Bush administration official later described as a “mirror” of AT&T’s databases, which allowed ready access to the personal communications moving over much of the country’s telecom infrastructure. The N.S.A. fed its bounty into software that created a dizzying social-network diagram of interconnected points and lines. The agency’s software geeks called it “the BAG,” which stood for “big ass graph.”

Und den Verzicht auf Datenschutz-Hindernisse:

What’s missing, however, is a reliable way of keeping track of who sees what, and who watches whom. After T.I.A. was officially shut down in 2003, the N.S.A. adopted many of Mr. Poindexter’s ideas except for two: an application that would “anonymize” data, so that information could be linked to a person only through a court order; and a set of audit logs, which would keep track of whether innocent Americans’ communications were getting caught in a digital net.

Das alles soll in dem neuen Spionage-Center in Utah gespeichert werden, über das auch Christiane Schulzki-Haddouti berichtete.

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