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August 12 2013

Deutsche Telekom wertet Verbindungsdaten des gesamten Telefonverkehrs ihrer Kunden aus

Die Deutsche Telekom wertet den gesamten Telefonverkehr ihrer Kunden aus, sowohl im Festnetz aus auch im Mobilfunknetz. Das berichtet die Wirtschaftswoche in einem Bericht. Demnach liegen der Wirtschaftswoche interne Dokumente der Telekom-Arbeitsgruppe mit der Namen GBS-MIS vor, die im vergangenen Jahr Schäden in Höhe von 200 Millionen Euro verhindert haben soll.

Aus den Dokumenten gehe hervor, dass ein computergesteuertes Überwachungssystem den gesamten Telefonverkehr der Telekom überwacht und mit Hilfe der gesammelten Verbindungsdaten auswertet. In erster Linie sollen mit dem System starke Abweichungen in der Nutzung des Telefonanschlusses festgestellt werden, welche auf einen betrügerischen Missbrauch hindeuten würden. Als Beispiele nennt die Wirtschaftswoche häufige und lange Gespräche in Ländern wie Guinea oder São Tomé, bei denen die Telekom hohe Minutenpreise zahlen muss, die zum Teil wieder zu den Betrügern zurück fließen. Laut Bericht wurden alleine im letzten Jahr rund 160.000 Anschlüsse auf Grund von Missbrauch gesperrt.

Doch auch Hacker, welche in den Nachtstunden Telefonanlagen von Firmenkunden manipulieren um dann teure Servicenummern anzurufen, sollen von der GBS-MIS aufgespürt werden. Laut Wirtschaftswoche wurden im letzten Jahr 525 solche Fälle bekannt, die sich auf eine Schadenssumme von rund 2 Millionen Euro summierten.

Doch wie so oft, wenn die Technik erst einmal vorhanden und etabliert ist, kommen die Verantwortlichen auf die Idee die Technik auch auf andere Art und Weise einzusetzen. Wobei es missbrauchen wohl eher trifft:

Die Telekom ist so zufrieden mit der Arbeit ihrer Flatrate-Polizei, dass es nach Informationen der WirschaftsWoche Überlegungen gibt, dass System auch einzusetzen, um „unwirtschaftliche Kunden“ aufzuspüren. Die Telekom könnte dann künftig Kunden, die deutlich mehr telefonieren als sie für ihre Flatrate bezahlen, zu einem teureren Tarif drängen. Akzeptieren die Kunden den neuen Tarif nicht, könnte die Telekom Klauseln in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen so ändern, dass sie solchen Kunden dann kündigen kann.

Die Deutsche Telekom hat bereits eine Stellungnahme veröffentlicht.

“Wie jedes andere Telekommunikationsunternehmen nutzt die Telekom Missbrauchserkennungssysteme, die auch dem Schutz der Kunden dienen. Das System ist dem Bundesdatenschutzbeauftragten bekannt und wir haben es vor Jahren bereits öffentlich kommuniziert.

Die Unterstellung, es gäbe Überlegungen, diese Systeme gegen Kunden zu nutzen, die das Magazin als unwirtschaftlich bezeichnet, ist völliger Unsinn. Das hatten wir gegenüber dem Autor im Vorfeld eindeutig klar gestellt.”

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July 30 2013

Russland: Moskauer Metro soll mit Überwachungssystem ausgestattet werden

Nachdem Edward Snowden in Russland Asyl gewährt wurde, sollte man meinen, dass die Diskussion um die Überwachung der Bürger im Internet auch in Russland angekommen ist. Einigen Politiker und Verantwortlichen scheint diese Diskussion allerdings noch nicht weit genug zu gehen, weshalb gleich ein neues Überwachungsprojekt ins Leben gerufen wurde. Wie Radio Free Europe/Radio Liberty berichtet, soll in Moskauer Metrostationen ein System errichtet werden, mit dessen Hilfe sich Daten von Mobiltelefon auslesen lassen. Gleichzeitig soll es mit dem System aber auch möglich sein, die Handys durch das gesamte Metrosystem zu verfolgen.

Das System wird jedoch von den Behörden nicht als Überwachungssystem vermarktet. Der Chef der Polizeieinheit der Moskauer Metro, Andrei Mokhov, sagte gegenüber der russischen Zeitung Izvestia (Google Translate), dass System diene zum Aufspüren von gestohlenen Mobiltelefonen.

If the card is on the list of stolen phones, the system automatically sends information to the police.


Alexander Ivanchenko, Direktor der Russian Security Industry Association, äußerte gegenüber der Zeitung jedoch Zweifel, wie arstechnica berichtet:

“It is obvious that the cost of the system is not commensurate with the value of all the stolen phones,”[...] “Also, effective anti-theft technology is already known: in the US, for example, the owner of the stolen phone knows enough to call the operator—and the stolen device stops working, even if another SIM-card is inserted.”

Laut arstechnica vermuten Experten, dass es sich bei der eingesetzten Technik um sogenannte IMSI-Catcher handelt. Diese IMSI-Catcher simulieren ein Mobilfunknetzwerk, mit dem sich die Mobiltelefone in der Umgebung verbinden. So ist es möglich den Standort von Mobiltelefonen zu bestimmen. Gleichzeitig ist es aber auch möglich Telefonate mit zu hören und Nachrichten mitzulesen.

Wie Keir Giles vom Conflict Studies Research Centre sagt, behaupten die russischen Behörden mit diesem Vorgehen keine Gesetze zu verletzen, da die SIM-Karten Eigentum der Mobilfunkanbieter und nicht der Nutzer sind:

They are claiming that although they are legally prohibited from indiscriminate surveillance of people, the fact that they are following SIM cards which are the property of the mobile phone operators rather than the individuals carrying those SIM cards makes the tracking plans perfectly legal,” he said, adding that this reasoning is “weaselly and ridiculous.

BBC Russland (Google Translate) berichtet, dass das Überwachungssystem bereits Ende diesen Jahres oder Anfang 2014 an den Start gehen soll.

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August 15 2012

Privacy auf Mobiltelefonen: Amerikanische Bürger wollen mehr Datenschutz von Firmen und Behörden

Eine große Mehrheit der Amerikaner betrachtet die Informationen auf ihren Mobiltelefonen als mindestens so privat wie die Daten auf ihrem Rechner zu Hause. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Forschern der University of California, Berkeley. Diese Erwartung steht in krassen Widerspruch zu gängigen Praktiken von Firmen und Behörden.

Für die Erkenntnis, dass das Internet zunehmend auf mobilen Endgeräten genutzt wird, braucht es kein komisches Buzzword. Diese Entwicklung bringt ganz neue Auswirkungen und Gefahren für Datenschutz und Datensicherheit mit sich. Nicht nur kann das Gerät einfacher in fremde Hände fallen, es fallen auch neue Datentypen an, die auch einfacher mal eben unbemerkt ins Internet geschickt werden.

In ihrer Studie Mobile Phones and Privacy untersuchen jetzt Jennifer M. Urban, Chris Jay Hoofnagle und Su Li die Einstellung der Amerikaner zu privaten Daten auf Mobiltelefonen. In einer von Nokia bezahlten repräsentativen Umfrage führten sie über 1.200 Telefoninterviews zum Thema durch.

Smartphones weit verbreitet

Fast alle (91 %) der Befragten haben ein Mobiltelefon, die Hälfte sogar schon ein Smartphone. Diese werden zwar vorrangig für Telefonate, SMS und Fotos genutzt, aber auch für Web-Surfen, E-Mail, standortbezogene Dienste und soziale Netzwerke (in der Reihenfolge). Bei all diesen Anwendungen fallen private Daten an, die den Nutzern wichtig sind. Mehr als drei Viertel der Befragten sieht die Informationen auf ihren Mobiltelefonen als mindestens so privat wie die Daten auf ihren Heimcomputern, jeder fünfte sogar privater.

Die Bereitschaft, das eigene Mobiltelefon mit diesen Daten für ein paar Stunden ohne eigene Aufsicht auszuleihen, war dementsprechend begrenzt. Die überwältigende Mehrheit würde das Gerät weder Fremden, Arbeitskollegen noch Bekannten überlassen. Bei engen Freunden war die Bereitschaft aufgeteilter, engen Familienmitgliedern würden nur 16 Prozent das Mobiltelefon nicht geben.

Drei Viertel der Befragten gaben an, dass Polizisten einen Gerichtsbeschluss haben sollen, eh sie ein Mobiltelefon durchsuchen dürfen. 22 Prozent hielten das nicht für notwendig. 17 Prozent würden Polizisten sogar erlauben, ein mit Passwort geschütztes Telefon zu entsperren und zu benutzen, ohne dass ein Gericht das absegnet. Amerikanische Gerichte haben jüngst geurteilt, dass Polizisten weder für die Durchsuchung noch Benutzung von Mobiltelefonen Verdächtiger einen Gerichtsbeschluss benötigen.

Adressbuch und Ortsdaten sind privat

Abgefragt wurde auch, ob man Apps den Zugriff auf das eigene Adressbuch erlauben würde, zum Beispiel um in einem sozialen Netzwerk weitere Kontakte zu finden. 81 Prozent lehnten das definitiv (51 %) oder wahrscheinlich (30 %) ab, 14 Prozent waren “wahrscheinlich” und nur 4 % definitiv dafür. Für Apps, die Gutscheine an Freunde verteilen waren sogar 93 Prozent dagegen. Bleibt zu hoffen, dass die alle keine Apps von Facebook, Twitter, Instagram, Foursquare, Foodspotting, Yelp, Gowalla oder Path verwenden, die haben nämlich genau das getan.

Auch beim Thema Ortsdaten scheint eine gewisse Sensibilität zu existieren. Fast die Hälfte aller Befragten (46 %) gab an, dass Mobilfunkanbieter die eigenen Bewegungsdaten nicht speichern sollte, 28 Prozent sagten waren für eine Speicherfrist von unter einem Jahr. Das ähnelt dem Ergebnis einer neuen Umfrage in Deutschland, in der 65 Prozent aller Befragten die Vorratsdatenspeicherung grundsätzlich ablehnen und 23 % den Zeitraum begrenzen wollen.

Die Nutzung von Ortsdaten zum Erstellen von zielgenauer Werbung lehnen 92 Prozent der Umfrageteilnehmer ab. Auch das ist jedoch gängige Praxis.

Erwartung und Wirklichkeit

Die Studie zeigt, dass auch in den USA ein starkes Bewusstsein für die Sensibilität der eigenen Daten auf Mobiltelefonen vorhanden ist, auch bei der jungen und Internet-affinen Bevölkerung. Von wegen Post-Privacy. Diese Erwartungen werden jedoch sowohl von Wirtschaft als auch Staat verletzt.

[via]

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