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January 22 2014

Bundeswehr trainiert mit ihren Aufklärungsdrohnen “Luna” und “KZO” auf Truppenübungsplatz der US-Armee in Bayern

Der Presse- und Informations­stab des Ver­teidigungs­ministeriums hat gestern eine erneuerte Übersicht über “Drohnen und Drohnenverluste” veröffentlicht. Es geht um unbemannten Systeme “Kleinfluggerät für Zielortung” (KZO), die “Nahaufklärungs-Ausstattung Luna”, die Langstreckendrohne Heron sowie die Spionagedrohne “Euro Hawk”. Ebenfalls berücksichtigt sind die kleine Drohne “Aladin” sowie die als “Mikro-Aufklärungsdrohne im Ortsbereich” bezeichnete “Mikado”. Dankenswerterweise hat die Webseite Bundeswehr Monitoring eine Tabelle zu den aktuellen Totalverlusten veröffentlicht:

Verlustige_Drohnen

Daraus geht hervor, dass von den drei größten Drohnen des Typs “Heron” alle abgestürzt sind und ersetzt werden müssen. Von den “Luna” des deutschen Herstellers EMT sind bereits rund ein Drittel gecrasht. Dennoch will EMT die Zulassung nach “Kategorie 3″ beantragen. Dann könnte die Drohne der allgemeinen Luftfahrt gleichgestellt werden und von zivilen Flughäfen starten.

In der Vergangenheit hatte das Verteidigungsministerium widersprüchliche Angaben zu verlustig gegangenen Drohnen gemacht. Eine abgestürzte Drohne wird mittlerweile als “Absturz” geführt, wenn “durch einen unkontrollierbaren Flugzustand das Luftfahrzeug am Boden zerstört wurde”. Sofern das teilweise kommerzielle Bedienpersonal den Fallschirm auslösen konnte, aber dennoch ein Totalschaden eintritt, gilt die Kategorie “Zerstört” – jedenfalls dann, wenn das Luftfahrzeug “derart beschädigt [ist], dass es ausgesondert wird”. Ergänzend wird erklärt, Absturz sei nur die “Teilmenge von zerstört”.

Aktuell verfügt die Bundeswehr über 581 Drohnen. 114 sind laut der Aufstellung zerstört, abgestützt oder vermisst. Zuletzt war noch von 106 verlustig gegangenen Drohnen die Rede.

Seit letzter Woche ist auch bekannt, wo die Bundeswehr mit ihren unbemannten Luftfahrzeugen trainiert. Zwar hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung drei Flugbeschränkungsgebiete für Testflüge ausgewiesen (“Spatzenhausen”, “Manching”, “Schleswig”). Hiervon profitieren jedoch nur die deutschen Hersteller von Drohnen bzw. der noch nicht in Betrieb genommene, militärische Drohnen-Flugplatz im schleswig-holsteinischen Jagel.

Nun heißt es, dass deutsche militärische Drohnen der Typen “KZO” und “Luna” regelmäßig über dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr unterwegs sind. Der untersteht jedoch der US-Armee. Das dort verantwortliche “Joint Multinational Training Command” (JMTC) darf mit drei verschiedenen US-Drohnen seit 2005 über mehreren Basen in Nordbayern fliegen.

Nun wurde auch der Betrieb in einem Korridor beantragt. Die Genehmigung steht noch aus, da laut dem zuständigen Verteidigungsministerium entsprechende Unterlagen fehlen. Sollten die Flüge auch über bewohntem Gebiet gestattet werden, wäre dies bundesweit einmalig. Eine Entscheidung hierzu soll in diesen Tagen fallen.

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June 22 2013

Hersteller havarierter Aufklärungsdrohnen will Musterzulassung der “LUNA” zur Teilnahme am allgemeinen Luftverkehr

luna_kabul_beinahecrashWenige Stunden nachdem die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung über mehr als Hundert abgestürzte Bundeswehrdrohnen berichtete hat das Verteidigungsministerium reagiert. In einer Erklärung heisst, es habe tatsächlich 124 “Flugunfälle” gegeben.

Allerdings habe es sich teilweise um sogenannte “systemkonforme Landungen” gehandelt. Diese würden beispielsweise ausgelöst, wenn der Funkkontakt abbricht oder die steuernde Person die Kontrolle verliert:

In den genannten Zahlen waren nicht nur – wie bei Antworten auf vergangene Anfragen – Abstürze im engeren Sinne, sondern auch sogenannte “systemkonforme Landungen” enthalten, die aus Sicherheitsgründen ausgelöst werden, sobald eine Störung, wie zum Beispiel ein Bedienfehler oder Funkübertragungsfehler, auftritt. In solchen Fällen löst automatisch ein Fallschirm aus und das Fluggerät kommt kontrolliert zur Landung.

Das klingt konstruiert: Denn ein derart unkontrollierter Niedergang, beispielsweise über einer Millionenstadt wie dem afghanischen Kabul, könnte auch mit einem Fallschirm Sach- und Personenschäden anrichten. Das Verteidigungsministerium bestätigt, dass alle 124 “systemkonform” abgestürzten Drohnen Totalschaden erlitten und nicht mehr zu reparieren sind. Dennoch werden die in der Frankfurter Allgemeinen erhobenen Vorwürfe als “konstruiert und falsch” bezeichnet.

Laut Verteidigungsministerium beziehe sich die “überwiegende Anzahl der in der parlamentarischen Antwort genannten Fälle” auf “kleine Systeme”. Jedoch ist die in Rede stehende “LUNA” mit vier Metern Spannweite die größte, die bei der Bundeswehr geflogen wird – abgesehen von einem Exemplar der Riesendrohne “Euro Hawk” sowie drei hochfliegende “Heron” in Afghanistan.

In der Antwort auf die Kleine Anfrage hatte der zuständige Staatssekretär Christian Schmidt erstmals die Gesamtzahl von 871 Drohnen genannt. Hierzu gehören fliegende Kameras, die an Quadrokoptern (290) oder kleinen Seglern (184) montiert sind. Mit 160 Kilogramm maximales Startgewicht fliegt die Bundeswehr auch Drohnen des Typs “KZO”. Sie sind zwar schwerer als die “LUNA”, haben aber eine kleinere Spannweite. Zu den gecrashten “KZO” gibt es derzeit keine verläßlichen Zahlen. Vor einem Jahr hieß es dazu (in jener Antwort, in der die Zahl abgestürzter “LUNA” als nachweislich zu niedrig beziffert wurde):

Während des Ausbildungsflugbetriebes sind bisher zwei LUNA sowie drei KZO in Deutschland abgestürzt. Weiterhin sind im ISAF-Einsatz sechs LUNA und vier KZO abgestürzt. Informationen zu Schäden an Dritten liegen nicht vor.

Um die hohe Zahl “systemkonfomer Landungen” mit anschließendem Schrottwert zukünftig zu vermindern entwickelt der Hersteller der “LUNA” einen Ausweichsensor. Die Firma EMT erhielt dafür Gelder für entsprechende Forschungen zum “UAV-Einsatz in Bayern” von der Bundesregierung. Für Tests hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung ein sogenanntes “Flugbeschränkungsgebiet” im bayerischen Spatzenhausen ausgewiesen. EMT will für die “LUNA” perspektivisch eine pauschale Zulassung für den allgemeinen Luftraum:

Wir bei EMT und SPIES sind begeistert, die Sense & Avoid-Technologie durch LIDAR und Transponder voran zu treiben, um unseren unbemannten Luftfahrzeugen letztendlich die Teilnahme am allgemeinen Luftverkehr zu ermöglichen. Damit können Vorteile wie die günstigen Beschaffungs- und Betriebskosten von unbemannten Flugsystemen auch verstärkt den zivilen Nutzern eröffnet werden.

Letztes Jahr hieß es seitens Bundesregierung, EMT habe für die “LUNA” sieben “vorläufige stückbezogene Verkehrszulassungen” erhalten. Für den Betrieb bei der Bundeswehr wurden bis letztes Jahr 89 “LUNA” mit einer Musterzulassung ausgestattet. In der neueren Antwort wird jetzt von 145 Exemplaren gesprochen. Es geht dabei um die Zulassung nach “Kategorie 2″: Die unbemannten Luftfahrzeuge müssen auf gekennzeichneten militärischem Gelände oder “abgesperrtem Gelände mit darüberliegendem Gebiet mit Flugbeschränkungen” starten und landen.

In Afghanistan kommen die Drohnen der zivilen Luftfahrt bisweilen bedenklich zu nahe: Über Kabul hatte eine “LUNA” 2004 beinahe ein Passagierflugzeug gerammt. Angeblich sei der Jet im für die NATO teilweise reservierten Luftraum geflogen. Die “LUNA” kam ins Trudeln und stürzte “systemkonform” ab.

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124 Bundeswehrdrohnen sind bereits abgestürzt, die meisten mit Spionagetechnik zur “Bewegtzielerkennung”

ABULWieder hat das Verteidigungsministerium zum Einsatz von Bundeswehr-Drohnen gelogen: Es sind mit 124 Geräten unterschiedlicher Typen weitaus mehr unbemannte Luftfahrzeuge abgestürzt als bislang zugegeben. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor. Zur Zeit hat die Bundeswehr noch 871 Drohnen.
Die Abstürze betreffen vor allem die kleine Spionagedrohne “LUNA” (“Luftgestützte Unbemannte Nahaufklärungs-Ausstattung”), die in Afghanistan und im Kosovo geflogen wird. Wenige Wochen nach dem Amtsantritt des Verteidigungsministers Thomas de Mazière gab dessen Staatsekretär Thomas Kossendey dem MdB Paul Schäfer noch bekannt, lediglich vier “LUNA” seien bislang abgestürzt. Auf eine Kleine Anfrage der MdBs Ulla Jelpke und Andrej Hunko erklärte die Bundesregierung vor einem Jahr, seit 2007 seien zwei “Heron”, acht “LUNA” und vier “KZO” als Totalverluste zu bezeichnen. Auf eine spätere Nachfrage von Hunko wurde eine weitere “LUNA” als abgestürzt verzeichnet.

Nun kam durch eine weitere parlamentarische Initiative Schäfers heraus, dass insgesamt mindestens 52 “LUNA” vom Himmel fielen, die meisten davon im Kriegsgebiet. Abgeschossen wurde demnach keine, als Ursachen werden 26 technisch bedingte Unfälle und elf “Bedienungsfehler” gemeldet. Neun “LUNA” stürzten “umweltbedingt” vom Himmel, womöglich sind Wetterlagen gemeint. Es ist unklar, ob alle ausgefallen Drohnen ersetzt wurden; gegenwärtig verfügt die Bundeswehr wieder über 96 “LUNA”.

Die “LUNA” wird als “Motorsegler mit Verbrennungsmotor” bezeichnet und hat einen Einsatzradius von rund 40 Kilometern. Sie wird von der Bundeswehr seit 13 Jahren genutzt. Bei einem Gesamtgewicht bis zu 40 Kilogramm kann das Gerät miniaturisierte Aufklärungs- und Überwachungstechnik befördern. Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) hat für die “LUNA” eine sogenannte “generische Integrationsplattform” entwickelt, deren Funktionsweise dem vielfach kritisierten EU-Forschungsprojekt INDECT entspricht. Diese sogenannte “Automatisierte Bildauswertung am Beispiel UAV LUNA (ABUL) soll in “Roboterfahrzeugen” und Drohnen verbaut werden können. Es handelt sich um Verfahren der automatischen Bildauswertung, die auf Mustererkennung basieren. Das ISOB bewirbt das so:

  • Bewegtzielerkennung (Moving Target Indication – MTI):
    Bewegte Objekte werden trotz der Kamerabewegung erkannt und in der Darstellung hervorgehoben
  • Fahrzeugverfolgung (Vehicle Track­ing):
    Durch Mausklick im Bild markierte Fahrzeuge werden verfolgt und in der Darstellung hervorgehoben.
  • Verfolgung von ortsfesten Objekten:
    Verfolgung von interaktiv markierten Objekten aufgrund der Referenzie­rung des Bildes. D.h. markierte Bereiche können in der Sequenz zeitweise auch außerhalb des Sichtfeld wandern und bleiben aber trotzdem markiert.

Die “Integrationsplattform” wird laut Fraunhofer “gegenwärtig mit sehr gutem Erfolg bei der Bundeswehr getestet”, weitere Verfahren könnten “einfach integriert werden”. Hierzu gehört die sogenannte “Objektidentifikation”, das ebenfalls vom IOSB unter dem Namen “RecceMan” entwickelt und vermarktet wird. “Recce” steht für das englische “reconnaissance” und meint gewöhnlich die militärische “abbildende Aufklärung”.

“RecceMan” soll die menschliche Bildauswertung automatisieren, indem die festgestellten Objekte mit einem Katalog existierender “Land-, Luft- und Seefahrzeuge” abgeglichen werden. Die Analysesoftware wurde im Auftrag des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung realisiert und ist seit 2010 “als operationelles System auf allen Luftbildauswerteanlagen in der Bundeswehr eingesetzt”. Doch auch die Polizei könnte von dem System profitieren: Denkbar sei laut Fraunhofer ein Einsatz für “kriminaltechnische Methoden”. Die entsprechende Forschung soll fortgeführt werden, um “RecceMan” auch für “Flugplätze, Hafenanlagen und Industrieanlagen” zu verwenden.

EADS-Manager zur Spionagetechnik des “Euro Hawk”: “Sehr komplexe Software”

Zur Funktionsweise des Spionagesystems, das gegenwärtig mit der Langstreckendrohne “Euro Hawk” getestet wird, hat sich nun ein Entwickler der Plattform geäußert. Die vom Rüstungskonzern EADS Cassidian hergestellte militärische Aufklärungstechnik nennt sich “Integriertes SIGINT System” (ISIS) und besteht aus Sensoren sowie einer Bodenstation. Im Seminar “Kriege und Neue Kriege: Funktionswandel der Militärtechnik” an der TU Dresden hat der EADS-Manager Marc-Martin Schön aus dem Nähkästchen geplaudert. Netzpolitik liegt hiervon ein Mitschnitt vor.

Schön bewirbt das “ISIS” als “sehr komplexe Software”, um Aufklärungsdaten zu generieren. Sie gehe sogar über Funktionalitäten der AWACS-Flugzeuge hinaus, die von der NATO eingesetzt werden. Das “Missionsthema” des ISIS bezeichnet der Manager als “Information, Spionage, Überwachung, Identifizierung”. Die fliegende Plattform erhebt und kartiert demnach das gesamte elektromagnetische Spektrum im Zielgebiet. Weil in diesen “immensen Datenmengen” aber auch Mikrowellen oder startende Fahrzeuge erfasst sind, werden die Rohdaten noch vor der Weitergabe an die Bodenstation gefiltert und analysiert. Das “ISIS” könne sogar unterscheiden, ob es sich “um eine Mikrowelle im Haushalt und eine Mikrowelle auf dem Radarsystem” handelt.

Marc-Martin Schön war – zumindest phasenweise – an der “Euro Hawk GmbH” beteiligt, in der sich die beiden Hersteller Northrop Grumman und EADS zusammengeschlossen hatten um die Abwicklung des Vertrages zu gewährleisten. Laut Schön gehören ihr “15 Leute” an.

Ein beträchtlicher Teil der beim “Euro Hawk” in den Sand gesetzten Millionen geht auf das Konto dieser “Euro Hawk GmbH”: Denn der Zusammenschluss war auch zuständig für die vorläufige Zulassung der fliegenden Plattform, damit das ISIS überhaupt ausprobiert werden kann. Die Firmen hatten ursprünglich eine langfristig gültige Musterzulassung angestrebt. Allerdings wurde vergessen, dass derartige Zulassungsverfahren nur von luftfahrtlizenzierten Unternehmen durchgeführt werden dürfen. Das hat der Staatssekretär Christian Schmidt jetzt auf Nachfrage des MdB Wolfgang Hellmichh bestätigt:

Mit den Testflügen wurde – ich liefere Ihnen das genaue Datum gerne nach – nach meiner Kenntnis im Frühjahr dieses Jahres begonnen. Wieso? Weil die vorläufige Verkehrszulassung des Fluggerätes erst im Dezember letzten Jahres erteilt worden war; so lange war nach dem Überführungsflug Pause. Dann wurde das SIGINT-System eingebaut. Danach hat es – Sie mögen das auch den deutschen Zulassungsregelungen zuschreiben – über ein halbes Jahr gedauert, bis klar wurde, ob der Hersteller, die Euro Hawk GmbH, ein luftfahrtlizenziertes Unternehmen ist; das ist also nur der administrativen Seite und nicht der technischen oder fliegerischen Seite zuzurechnen.

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May 14 2013

Israelische Drohne stürzt ab, weitere Flüge ausgesetzt – Bundeswehr-Drohnen fliegen trotzdem.

Eine Drohne des israelischen Militärs fiel am Samstag ins Mittelmeer. Der Flugroboter wurde zuvor abgeschossen, um einen Absturz über dicht bewohntem Gebiet zu verhindern. Nach Zeitungsangaben sei auf dem Routineflug aus noch ungeklärten Gründen eine Störung aufgetreten. Es handelte sich um eine sogenannte MALE-Drohne des Typs Heron, Hersteller ist die Firma Israel Aerospace Industries. MALE steht für “Medium Altitude Long Endurance”, also mittlere Flughöhe und hohe Reichweite. Die Heron existiert neben der ursprünglichen Baureihe mittlerweile auch als fortentwickelte Heron TP. Beim Absturz handelte es sich um die frühere Version Heron-1

Ein Militärsprecher erklärte, dass zunächst alle Flüge von Drohnen des gleichen Typs gestoppt seien. Bereits letztes Jahr war eine israelische Heron abgestürzt. Die von deutschen Soldaten in Afghanistan geflogenen Heron-Drohnen würden angeblich weiter betrieben, heisst es im Blog eines Militärjournalisten. Die deutschen Flugroboter sind im Gegensatz zu den israelischen Typen unbewaffnet. Doch zwei von Deutschland geleaste Heron sind bereits früher havariert. Nach Auskunft der Bundesregierung habe es sich einmal “um einen Bodenunfall beim Rollen” gehandelt, eine andere habe wegen eines technischen Defektes am Triebwerk “eine autonome Landung in freiem Gelände” durchgeführt. Die Drohne musste demnach “aus operationellen Gründen zerstört werden”. Gemeint ist, dass die Technik von gegenerischen Kräften rekonstruiert werden kann.

Es könnte sich bei dem jüngsten Vorfall in Israel durchaus um ein gravierendes Sicherheitsproblem handeln, denn Details zur Navigationstechnik der Heron sind womöglich dem Geheimdienst Pakistans in die Hände gefallen. Ein Spezialkommando der Polizei nahm Ende März in Bremen einen Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) fest, der laut dem Nachrichtenmagazin Focus “geheime Studien über Steuerung und Navigation von Drohnen” einsehen konnte. Dabei geht es um Heron-Drohnen der Bundeswehr.

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen, das betroffene Unternehmen aber bislang nicht offiziell bestätigt. Focus schreibt, der Auftraggeber sei “nach Erkenntnissen der Ermittler” der pakistanische Geheimdienst ISI. Die Bundesregierung wollte dies auf Nachfrage im Bundestag erstmal nicht bestätigen und hüllt sich über weitere Ermittlungen in Schweigen. Zur Begründung heisst es, es handele sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren. Das Frage- und Informationsrecht des Deutschen Bundestages wird deshalb eingeschränkt.

Das DLR ist damit befasst, Studien für Genehmigungsverfahren für den Betrieb größerer Drohnen wie die Heron im allgemeinen zivilen Luftraum durchzuführen. Ab 2016 soll EU-weit ein “Single European Sky” (SES) eingerichtet werden, zuständig ist hierfür die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) mit Sitz in Köln. Dann könnten Drohnen wie die Heron oder die US-amerikanischen Predator auch von der Polizei geflogen werden, denn Starts und Landungen dürften von zivilen Flughäfen erfolgen.

Das DLR betreibt hierfür groß angelegte Forschungen in Spanien, an denen auch die Bundespolizei beteiligt ist. Das Projekt wird von der EU finanziert. Ein erster polizeilicher Testflug einer Heron-Drohne erfolgte erst kürzlich, weitere sind geplant. In einem anderen EU-Projekt wird auch eine Predator-Drohne des US-Herstellers General Atomics getestet.

Von den Ergebnissen der Forschungen würde auch die Bundeswehr profitieren, denn es geht um satellitengestützte Ausweichverfahren. Diese sind für die luftfahrtrechtliche Zulassung in Deutschland zwingend. Das deutsche Militär will sich zwischen Heron oder Predator entscheiden, weshalb die (eigentlich zivilen) EU-Forschungen für die Pläne des Verteidigungsministeriums von zentraler Bedeutung sind.

Die Bundeswehr nutzt neben den Heron-Drohnen die kleineren Typen KZO (“Kleinfluggeräte Zielortung”) und LUNA (“Luftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung”) der deutschen Hersteller Rheinmetall und EMT. Mindestens zwei LUNA sowie drei KZO sind bereits in Deutschland vom Himmel gefallen. Beim ISAF-Einsatz in Afghanistan stürzten gleich sechs LUNA und vier KZO ab. Laut dem Spiegel hatten zehn KZO damals 300 Millionen Euro gekostet. Eingerechnet sind allerdings auch die Bodenstation zur Flugkontrolle und Analyse der Überwachungsdaten. Mittlerweile verfügt die Bundeswehr über 37 KZO und 51 LUNA.

Auch andernorts sind die Flüge der Drohnen keineswegs sicher: Die britische Webseite Drone Wars UK hatte im Herbst eine Übersicht über Bruchlandungen von Drohnen mehrerer Länder veröffentlicht. 2012 sind allein in den USA bei 14 Unfällen von Drohnen mindestens 15 Geräte abgestürzt. Selbst die riesige Global Hawk, von denen die Bundeswehr als Euro Hawk zunächst einen Prototyp orderte, verzeichnete in Afghanistan und an der Heimatfront Totalverluste (Video).

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