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January 10 2014

Neue Probleme mit bezahlten Artikeln in der Wikipedia

Die Wikimedia Foundation hat eine Mitarbeiterin entlassen, die ihre Dienste kommerziell angeboten hat: 44,44$ pro Stunde Editierarbeit oder 300$ pro Artikel auf Wikipedia musste man zahlen, um Inhalte von Sarah Stierch verfasst zu bekommen.

Wer ist Sarah Stierch?

Sarah Stierch war ein öffentlich sehr sichtbares und aktives Mitglied der Wikimedia Foundation als “Program Evaluation & Design Community Coordinator” und hat sich vor allem darin engagiert, Frauen zur Teilnahme an der Wikipedia zu motivieren. Auch in der Ada Initiative, die Frauen bei der Mitarbeit in Open Source und Open Culture fördert, war sie Vorstandsmitglied. 2011 hat sie eine Umfrage zum Gender Gap in der Wikipedia durchgeführt, die auch andere interessante Erkenntnisse über die Zusammensetzung der Wikipedia-Autoren zu Tage gefördert hat. Außerdem war sie Wikipedian-in Residence für die Archives of American Art und die Smithsonian Institution Archives.  2012 bekam sie ein Stipendium der Wikimedia Community.

Verlauf der Diskussion

Am Anfang stand ein Blogpost, der am 5. Januar auf den oben verlinkten Screenshot von Stierchs Profil auf oDesk verwies. Daraufhin entstand eine Diskussion, die zunächst auf der Wikimedia-Mailingliste und der Usertalk-Page von Jimmy “Jimbo” Wales, dem Hauptgründer der Wikipedia, stattfand. Hauptkritik neben dem Interessenskonflikt, der potentiell besteht, wenn ein Autor Artikel gegen Bezahlung schreibt, war die ausbleibende Reaktion von Stierch, auch nachdem die Diskussion auf ihrer eigenen Seite weitergeführt wurde. Gestern erfolgte dann die Mitteilung über die Entlassung Stierchs bei der Wikimedia Foundation.

Ich schreibe hier, um euch mitzuteilen, dass Sarah Stierch nicht mehr Mitarbeiterin der Wikimedia Foundation ist.

Die Wikimedia Foundation hat kürzlich erfahren, dass Sarah für zahlende Kunden Wikipedia editiert hat, zuletzt vor wenigen Wochen. Sie hat das getan, obwohl allgemein bekannt ist, dass bezahltes Editieren unter vielen in der Community und der Wikimedia Foundation verurteilt wird.

Nicht das erste Problem mit bezahlten Artikeln

Im September 2012 gab es Anschuldigungen, dass gegen Zahlung Artikel auffällig häufig auf der Frontseite erschienen und im letzten Oktober und November haben wir darüber berichtet, dass eine PR-Agentur im großen Stil Dienstleistungen zum Erstellen und Pflegen von Artikeln angeboten hat. Im November erfolgte dann ein Unterlassungsschreiben an die beteiligte PR-Agentur, die das weitere Editieren verbot.

Und nun?

Zu glauben, man könne die komplette Wikipedia frei von bezahlten Schreiberlingen halten, ist unrealistisch. Dafür ist die Arbeitslast zu hoch für die Freiwilligen. Und dann kommt noch die Frage, was als bezahltes Schreiben und Interessenskonflikt angesehen wird. Ein Schreiber, der von einer PR-Agentur beauftragt wird, um eine Firma oder Person gut dastehen zu lassen, ist sicherlich in einem inakzeptablen Abhängigkeitsverhältnis. Betrachtet man jedoch als Beispiel einen Mitarbeiter einer Forschungseinrichtung, der einen Artikel mit dem neuesten Forschungsverfahren erstellt (was man als indirekte Bezahlung und Interessenskonflikt werten kann), um die Welt daran teilhaben zu lassen, kann eine direkte Bereicherung für die Wikipedia entstehen.

Außerdem besteht bereits die Möglichkeit, einen “Disclaimer” zu erstellen, um selbst zu kennzeichnen, dass man parteiisch sein könnte – so wie hier.

Mich würde eure Meinung interessieren: Wo liegt die Grenze bei bezahltem oder potentiell parteiischem Editieren, (wie) lässt sich so ein Problem lösen?

Was meiner Meinung nach immer hilft: Meldet euch in der Wikipedia an, wenn ihr es nicht sowieso schon getan habt und helft mit, Artikel kritisch unter die Lupe zu nehmen. Ihr müsst keine ganzen Artikel verfassen, aber wenn ihr sowieso die Wikipedia benutzt, ist es leicht, zur Diskussion und Verbesserung beizutragen, wenn euch etwas auffällt.

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Schweinderl