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August 13 2013

Aaron Swartz: erster Teil geheimer Ermittlungsdokumente veröffentlicht

Quelle: Wikipedia (cc-by-2.0)

Quelle: Wikipedia (cc-by-2.0)

Der amerikanische Geheimdienst Secret Service hat die ersten Seiten ihrer Ermittlungsdokumente im Fall Aaron Swartz veröffentlicht, nachdem Richterin Colleen Kollar-Kotelly die Regierung zu einer sofortigen Veröffentlichung der Daten aufgefordert hatte. Vorausgegangen war ein mehr als ein Jahr andauernder Rechtsstreit zwischen Kevin Poulsen, der die Herausgabe der Dokumente forderte, und dem Department of Homeland Security, welchem der Secret Service unterstellt ist. Der erste Teil der nun öffentlich gemachten Dokumente umfasst 104 Seiten. Insgesamt umfassen die Ermittlungsdokumente rund 14.500 Seiten, die über die nächsten 6 Monate veröffentlicht werden sollen.

Die veröffentlichten Ermittlungsdokumente, welche zum Teil stark zensiert sind, belegen das Interesse des Secret Services am sogenannten “Guerilla Open Access Manifesto“, welches von Aaron Swartz im Jahr 2008 veröffentlicht wurde. In dem Manifest ruft Swartz dazu auf, auch urheberrechtlich geschützte akademische Papiere frei verfügbar zu machen, um Wissen allen Menschen verfügbar zu machen. Hintergrund Bereits im Februar vermutete Wired, dass das Manifest vom Secret Service gegen Swartz eingesetzt werden sollte. Die Ermittlungsunterlagen scheinen dieses nun zu belegen.

Auch ein kurzes Memo nach Aaron Swartzs Selbstmord ist in den Unterlagen zu finden, wie Wired berichtet:

“On 1/11/13, Aaron Swartz was found dead in his apartment in Brooklyn, as a result of an apparent suicide,” reads a January 17, 2013 Secret Service memo. “A suppression hearing in this had been scheduled for 1/25/13 with a trial date of 4/1/13, in U.S. District Court of the District of Massachusetts.”

Aaron Swartz wurde im Jahr 2011 festgenommen, nachdem er über das öffentliche Netzwerk der MIT rund 4 Millionen akademische Dokumente aus dem JSTOR-Archiv geladen hatte. Hintergrund waren jedoch keine finanziellen sondern Swartzes Einsatz für die Open-Access-Bewegung. Ihm wurde jedoch Überweisungsbetrug und Manipulation von Computern vorgeworfen. Zu diesem Zeitpunkt drohten im 35 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 1 Millionen US-Dollar. Im Januar diesen Jahres beging Aaron Swartz Suizid. In einem vor rund zwei Wochen veröffentlichen Untersuchungsbericht der MIT, gibt diese an keine Fehler im Umgang mit Aaron Swartz gemacht zu haben. Die nun vom Secret Service veröffentlichten Dokumente sind hier einsehbar.

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August 07 2013

Aaron Swartz: MIT hat nach eigener Einschätzung keine Fehler gemacht

Aaron_Swartz_-_Freedom_to_Connect_conference

Quelle: Wikipedia (cc-by-2.0)

Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) hatte Ende letzten Monats seinen offiziellen Untersuchungsbericht zur Aaron Swartz Tragödie veröffentlicht: Report to the President MIT and the Prosecution of Aaron Swartz. Die Untersuchungen wurden ‘generalstabsmäßig’ geplant und angelegt. So hatten drei unparteiischen, nicht-involvierte Professoren die Aufsicht über die Erstellung des Bericht – Leiter war Prof. Hal Abelson. Das ganze hat ein gutes halbes Jahr gedauert, umfasst 180 Seiten, 10.000 Seiten Text wurden analysiert, rund 50 Leute befragt. So war das Ziel des Reports, drei Fragen zu beantworten. 1. Aktivitäten und Entscheidungen des MIT über den Zeitverlauf beschreiben. 2. Den Kontext dieser Entscheidungen bewerten. 3. Kritische Punkte beleuchten, die weiterer Diskussion bedürfen. Ergebnis: Fragen werden aufgeworfen, aber letztlich habe sich das MIT in seiner “neutralen Haltung” keines Fehlverhaltens schuldig gemacht.

Aaron Swartz, der zwar selbst kein Student oder Mitarbeiter am MIT war, aber enge (u.a. familiäre) Kontakte zu verschiedenen Fakultäten des MIT hatte, lud zwischen September und Dezember 2010 rund 500.000 wissenschaftliche Artikel von der JSTOR Datenbank herunter. Dazu benutzte er ein Notebook, das an MITs Campus-Netzwerk angeschlossen war. Als langjähriger und bekannter Open Access Aktivist hatte er hier keine monetären Ambitionen, sondern folgte vor allem seiner Überzeugung, dass akademisches Wissen frei verfügbar sein sollte. Im Januar 2011 wurde er festgenommen und angeklagt – zu diesem Zeitpunkt drohten ihm bis zu 35 Jahre haft und 1Mio USD Strafe. Die Verhandlungen zogen sich hin und Aaron Swartz hatte diesen Januar dann Suizid begangen.

Während den Verhandlungen gab es viel Kritik an dem Vorgehen der Staatsanwaltschaft, den überaus harten Anklagen und dem Verdacht, dass an Aaron Swartz – seitens der Verlags-Industrie und Regierung – eher ein Exempel statuiert werden sollte. JSTOR stellte schon zu Beginn offiziell klar, dass es kein Interesse an einer weiteren Anklage oder gar Verurteilung Aaron Swartz hat, nachdem die wissenschaftlichen Artikel auf Swartzs Computer sichergestellt waren.

The criminal investigation and today’s indictment of Mr. Swartz has been directed by the United States Attorney’s Office. It was the government’s decision whether to prosecute, not JSTOR’s. As noted previously, our interest was in securing the content. Once this was achieved, we had no interest in this becoming an ongoing legal matter.

Das MIT machte zu diesem Zeitpunkt keine Aussage und so haben viele gehofft, dass der Report, den das MIT nun veröffentlichte, hierzu Stellung bezieht und – vor allem – Fehler eingesteht. Letzteres ist, leider, nicht der Fall. So ist es verständlich, dass viele den Bericht und MITs Aussagen sehr kritisch betrachten. So schreibt der US Amerikanische Jura-Professor Lawrence Lessig, dass ein großer Fehler und grobe Fahrlässigkeit des MIT war, dass es niemals gegenüber der Staatsanwaltschaft klarstellte, ob Aaron Swartz sich überhaupt unberechtigt Zugang zum Campus-Netzwerk verschafft hatte – was ein entscheidender Anklagepunkt war. Der Untersuchungsbericht argumentiert, dass das MIT nicht eingeschritten ist, da Aaron Swartz kein Student des Institutes war – und rechtfertigt dies mit einer “neutralen Haltung”. Lessig weist aber auf die Fadenscheinigkeit dieser Argumentation hin:

MIT has justified intervening in the LaMacchia case and defended not intervening in the Swartz case on the basis that LaMacchia was a student and Aaron was not. But that defense is absurd: If MIT knows that a human is being prosecuted on the basis of a false interpretation of MIT’s rules, what possible difference does it make whether that human is a student or not?

Taren Stinebrickner-Kauffman, Partnerin von Aaron Swartz, sagt außerdem, dass das MIT stärker mit der Staatsanwaltschaft zusammengearbeitet hatte, als mit der Verteidigung (Zugang zu Dokumenten wurde Letzterem nicht gewährt) und allein dadurch nicht von einer “neutralen Haltung” reden kann.

Here are the facts: This report claims that MIT was “neutral” — but MIT’s lawyers gave prosecutors total access to witnesses and evidence, while refusing access to Aaron’s lawyers to the exact same witnesses and evidence. That’s not neutral. The fact is that all MIT had to do was say publicly, “We don’t want this prosecution to go forward” – and Steve Heymann and Carmen Ortiz would have had no case. We have an institution to contrast MIT with – JSTOR, who came out immediately and publicly against the prosecution. Aaron would be alive today if MIT had acted as JSTOR did. MIT had a moral imperative to do so.

Ethan Zuckerman, Leiter des MIT Center for Civic Media, argumentiert ähnlich und sagt, dass das MIT sich zwar “neutral” verhalten habe – dies aber nicht ethisch richtig war.

I think the report presents MIT with two equally serious charges: a failure to act ethically, and a failure to show compassion.

Letztlich ist es unendlich traurig, dass Aaron Swartz, aus welchen Gründen auch immer, erst sterben musste, um eine Diskussion über die Rechtmäßigkeit und Verhältnismäßigkeit des US Amerikanischen Computer Fraud and Abuse Act anzustoßen. Man kann Ethan mit seiner Einschätzung nur Recht geben, dass in Aarons Fall sicher einiges hätte abgewendet werden können, wenn man mit mehr gesundem Menschenverstand vorgegangen wäre. Nicht zuletzt hat Aarons Fall gezeigt, wie sehr die Open Access Diskussion noch in den Kinderschuhen steckt. Der MIT Report hätte an dieser Stelle viel weiter gehen können und Verhaltensfehler eingestehen können und sollen. So endet der Bericht auch lediglich mit 8 Fragen und nicht mit Handlungsempfehlungen.

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July 22 2011

Aus Protest: Torrent mit 18.592 wissenschaftlichen Artikeln

Aus Protest gegen die das juristische Vorgehen gegen Aaron Swartz hat jemand, der sich als “Greg Maxwell” ausgibt, einen Torrent mit 33GB wissenschaftlicher Publikationen der Royal Society veröffentlicht. Dazu gibt es eine ausgiebige & lesenswerte Erklärung.

[... Sie stammen alle] aus alle aus der Zeitschrift Philosophical Transactions of the Royal Society, die für alle frei verfügbar sein sollte, bisher aber größtenteils durch paywall-Wächter wie JSTOR nur zu hohen Preisen verfügbar waren.

Ein bisschen Ironie zeigt das Vorgehen – Greg Maxwell macht genau das, was Aaron Swartz nicht getan hat: Er veröffentlicht die Daten. Der Einzelpreis pro Artikel liegt je nach Alter zwischen 8 und 19$. Man kann da einerseits von einem großen Verlust für die Lizenzinhaber sprechen – ich jedoch empfinde den bisherigen Verlust der Weltöffentlichkeit, durch enorme Kosten von diesem Wissen ausgeschlossen zu sein als sehr viel herber.

Die Taktik, juristisch verbriefte Rechte anderer zu “verletzen” ist ein Weg. Gleichzeitig sollte aber gerade bei Wissenschaftlern dafür geworben werden, dass sie sich nicht länger in ihrer Wirkungsbreite beschränken lassen: Im Directory of OpenAccess Journals finden sich viele Zeitschriften, die heute schon ohne Zugriffsbeschränkungen Wissen frei verfügbar machen.

Dass und wie das funktioniert, nimmt dem die Wissenschaft einschränkenden Verlagswesen den Wind aus den Segeln.

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July 20 2011

Ausleihen zu vieler Bücher aus der Bibliothek: Haftbefehl für Aaron Swartz

Aaron Swartz, Programmierer und Aktivist bei Demand Progress wurde gestern verhaftet, weil er zu viele Artikel aus der wissenschaftlichen Datenbank JSTOR heruntergeladen hat.

Um es auch Nicht-Akademikern kurz zu erklären: Wer als Wissenschaftler einen Artikel publizieren möchte, tut das üblicherweise in einer Zeitschrift (“Journal”) – und gibt dabei die Rechte am Artikel an den Verlag ab. Der Verlag vertreibt dann die Zeitschrift, üblicherweise im Abo, natürlich kostenpflichtig, vor allem auch für die Universität, die schon den Wissenschaftler und die Studie finanziert hat. Die Uni muss dafür bezahlen, ihre eigenen Forschungsergebnisse den eigenen Studenten zugänglich zu machen.

JSTOR als Non-Profit-Organisation bietet solche Abo-Modelle im Bündel an, und erlaubt den Nutzern freien Zugriff auf über 1.000 wissenschaftliche Zeitschriften. Üblicherweise handelt eine Uni Bündel-Konditionen für Lehrende und Studierende aus, die dann als Universitätsangehörige freien Zugriff auf die Artikel haben.

Das war auch am MIT der Fall, dem Aaron angehört.
Er hatte das Recht dazu, all diese Artikel kostenlos zu bekommen. Also bastelte er sich einen Crawler, der über 4 Mio. Artikel aus der Datenbank herunterlud. Dafür musste er natürlich mit einigen einfachen Methoden den Crawler-Schutz, mit dem sich JSTOR gegen Datenlecks schützen muss, umgehen. Es ist nicht das erste Mal, dass Swartz so etwas im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit gemacht hat: Für einen Artikel in der Stanford Law Review untersuchte er 441.170 Artikel auf ihre Finanzierung.

Die US-Staatsanwaltschaft machte jetzt aus dem Herunterladen von JSTOR die Absicht, das urheber-lizenzrechtlich geschützte Material in p2p-Netzwerken anzubieten, den unerlaubten Einbruch in das MIT-Netzwerk (in dem sich Swartz’ Computer befand) und noch ein paar weitere witzige Anschuldigungen wie ‘rücksichtslose Beschädigung eines geschützten Computers’

Die Höchststrafe im Falle eines Verurteilung beliefe sich auf 35 Jahre Knast und 1 Million Dollar Geldstrafe. In einer Pressemitteilung redet der Staatsanwalt auch permantent von Diebstahl, Computer-Betrug und ähnlichen abstrusen Vorwürfen.

JSTOR selbst erhält eine Zeugenvorladung, ist also in dem Fall noch nicht einmal Kläger, und äußert sich sehr verhalten zu der Angelegenheit. David Segalin von Demand Progress kommentierte ziemlich korrekt:

Das ist, als wenn man jemanden dafür verurteilt, zu viele Bücher aus der Bibliothek ausgeliehen zu haben.

Bei Demand Progress gibt es eine Petition für Aaron Swartz.
Als OpenAccess-Verfechter, also Freund der Idee, dass durch öffentliche Universitäten geschaffenes Wissen allen Menschen frei verfügbar sein sollte, halte ich diesen Fall für in seiner Absurdität nicht zu überbieten: Swartz hatte das Recht, die Artikel zu herunterzuladen. Es war dafür nicht allzu knapp bezahlt worden.

Das Handeln der Verlage dient in keiner Form der Wissenschaft oder ihrem Vorankommen – im Gegenteil: Wenn, dann behindert es die Wissenschaft in ihrer Freiheit und der Entfaltung ihrer Wirkung. Es wird Zeit, dass im Bereich wissenschaftlicher Publikationen eine ähnliche Revolution wie im Film-, Musik- und Journalismus-Geschäft stattfindet. Gerade in der Wissenschaft haben lizenzrechtliche Krosetts überhaupt nichts verloren.

Der Fall Aaron Swartz wird durch seine mediale Aufmerksamkeit hoffentlich der lang erwartete Auslöser dafür werden. Wenn nur das US-Rechtssystem nicht für seine psychotischen Anmutungen bekannt wäre.

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