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September 11 2011

Die Razzia bei Pfarrer Lothar König

Lothar König war gestern einer der Redner bei der Demonstration Freiheit statt Angst. Er hatte sich im Februar mit seiner Jungen Gemeinde Jena an den Demonstrationen gegen den Dresdner Naziaufmarsch beteiligt. Nun wird dem Pfarrer (!) vorgewurfen dort zu Gewalt aufgerufen zu haben. Das allein ist ja schon lächerlich genug, vor allem wenn man das “Beweis-Video” (s.u.) anschaut .

Nicht mehr so lustig war dann, was am 10. August passierte:

Gegen 06:15 Uhr am Morgen des 10. August 2011 drangen etwa 25 bewaffnete Polizeibeamte einer sächsischen Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) in die Dienstwohnung des Stadtjugendpfarrers Lothar König ein. [...]

Bei der etwa fünfstündigen Aktion durchsuchte die Polizei neben Räumlichkeiten, die nicht von Lothar genutzt werden,  auch die Amtsstube des Seelsorgers – obwohl die Polizei über das besondere Schutzbedürfnis solcher Räume informiert war. Aus diesem Zimmer wurden Gegenstände konfisziert.

Neben der Schamlosigkeit und Rücksichtslosigkeit, mit der die sächsischen Behörden gegen Lothar König und seine Funktion als Stadtjugendpfarrer, Seelsorger und Geheimnisträger vorgegangen sind, empört uns im Besonderen das Beschlagnahmen des JG-Dienstwagens.

Dass man in Sachsen – vor allem wenn es um Nazi-Gegner geht – Probleme hat, sich  an den Rechtsstaat zu gewöhnen und von alten, tradierten Ermittlungsmethoden zu lösen, ist nichts neues mehr. Dass aber sogar das Gefühl für den historischen Sarkasmus fehlt, ausgerechnet einen Pfarrer zu gängeln, ist echt erschreckend. Wir erinnern uns: Als am gleichen Tag ein Wohnhaus von einer Horde randalierender Nazis angegriffen wurde, wusste die Polizei sich zurückzuhalten. Das wurde dann aber kurze Zeit später nachgeholt und das angegriffene Haus – na? Was wohl? – von 150 Polizisten durchsucht und die Bewohner mit Kabelbindern gefesselt.

Unter JG-Stadtmitte.de wird über den Verlauf des Verfahrens gegen Lothar König berichtet. Anne Roth hat zu dem schon von ein paar Tagen diese sehenswerte Reportage von Frontal 21 verlinkt:

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl