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September 12 2013

Indien: Überwachung des Internets ist weitreichender als bisher bekannt

Die Überwachung des Internets in Indien ist weitreichender als bisher angenommen. Nach neuesten Informationen werden mindestens 160 Millionen Inder bereits jetzt im Internet überwacht. Ein Großteil dieser Überwachung verstößt dabei gegen Gesetze und die eigens von der indischen Regierung erlassenen Regeln zur “Privatsphäre in der Kommunikation”.

Bereits Anfang Juni berichteten wir, dass sich Indien ein riesiges Überwachungsprogramm mit dem Namen Central Monitoring System (CMS) aufbaut. Wie die indische Tageszeitung The Economic Times letzte Woche berichtete, scheint der Start des Programms nun kurz bevor zu stehen. Mit Hilfe von CMS soll es möglich sein Onlineaktivitäten, Telefongespräche, Textnachrichten und Aktivitäten in sozialen Netzwerken in Echtzeit zu überwachen, wie die Zeitung schreibt.

Am Montag dieser Woche veröffentlichte die indische Zeitung Hindu Times jedoch einen Artikel, der beschreibt wie weitreichend die Überwachung auch ohne CMS bereits ist.

While the CMS is in early stages of launch, investigation shows that there already exists — without much public knowledge — Lawful Intercept and Monitoring (LIM) systems, which have been deployed by the Centre for Development of Telematics (C-DoT) for monitoring Internet traffic, emails, web-browsing, Skype and any other Internet activity of Indian users.


Die Hindu Times berichtet, dass die indische Regierung an Schnittstellen zum internationalen Internet “einer handvoll indischer Internetprovider” Überwachungssysteme installiert habe. Diese seien außerhalb der Kontrolle der Internetprovider installiert, weshalb die Provider keine Informationen zu den genauen Funktionen und Möglichkeiten der Systeme hätten. Im Mobilfunkbereich hingegen sei es üblich, dass die Unternehmen ihre eigene Überwachungssysteme installieren. Die Regierung würde der Zugang zu den Daten nur gewährt, wenn sie eine “notwendige Genehmigung” nach Abschnitt 5(2) des Telekommunikationsgesetzes sowie nach Regel 419(A) der IT-Richtlinien hätten.

Weiter schreibt die Hindu Times, dass im Jahr 2006 zwar “Sicherheitsmaßnahmen” eingeführt wurden um die Einhaltung dieser Richtlinien auch zu gewährleisten, diese aber nahezu nutzlos seien. Demnach wurde beschlossen, dass jeder Internetprovider sogenannte “Nodal Officer” ernennen müsse. Diese würden Anfrage der Regierung entgegennehmen und bearbeiten und seien Ansprechpartner der Regierung. In der Praxis jedoch hätte der Großteil der Unternehmen überhaupt keine “Nodal Officer”, da die Regierung offizielle keine Überwachungssysteme installiert habe oder die “Nodal Officer“ einfach ignoriert würden.

[...] as a result, the ISP-level mandatory check for authenticating government’s monitoring orders to protect user privacy is absent. In effect, all Internet traffic of any user is open to interception at the international gateway of the bigger ISP from whom the smaller ISPs buy bandwidth.

Und weiter:

Since the government controls the LIMs, it directly sends software commands and sucks out whatever information it needs from the Internet pipe without any intimation or information to anyone, except to those within the government who send the Internet traffic monitoring commands. No ISP confirmed as to whether they had ever received an “authorization” letter for interception or monitoring of Internet content. [...] in the case of Internet traffic, the government’s monitoring system, which is installed between the ISPs Internet Edge Router (PE) and the core network, has an “always live” link to the entire traffic. The LIM system, in effect, has access to 100% of all Internet activity, with broad surveillance capability, based not just on IP or email addresses, URLs, fttps, https, telenet, or webmail, but even through a broad and blind search across all traffic in the Internet pipe using “key words” and “key phrases”.

Insgesamt seien diese Überwachungsmöglichkeiten für neun indische Behörden verfügbar, darunter die Nachrichtendienste Intelligence Bureau (IB) und Research and Analysis Wing (RAW) sowie das Innenministerium (MHA).

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September 10 2013

“FCC vs. Verizon”: Die Zukunft der Netzneutralität in den USA wird vor Gericht entschieden

Gestern haben sich die amerikanische Federal Communications Commission (FCC) und das amerikanische Telekommunikationsunternehmen Verizon vor Gericht zur ersten mündlichen Verhandlung getroffen, in der es um nicht weniger als die Zukunft der Netzneutralität in den USA geht. Im Jahr 2010 hatte die FCC Regeln zur Netzneutralität beschlossen, an die sich die Provider zu halten haben. Das Gericht soll in dem Verfahren, das von Verizon gegen die FCC geführt wird, nun klären, ob die FCC überhaupt die rechtliche Grundlage besitzt Regeln zur Netzneutralität zu erlassen.

Die 2010 von der FCC vorgestellte “Open Internet Order” enthält nur drei Regeln. mit denen die Netzneutralität gesichert werden soll. Erstens sollen die Internetprovider transparent angeben, wie sie mit dem Datenverkehr in ihren Netzen umgehen, damit Kunden besser informiert werden. Zweitens wird es den Internetprovidern verboten bestimmte Daten in ihren Netzen zu blockieren. Alle Daten sollen gleich behandelt werden. Und drittens sollen die Internetprovider keine “unangemessen” Diskriminierungen bestimmter Dienste vornehmen, um eigene Dienste zu bevorzugen.

Am 30. September 2011 legte jedoch der amerikanische Telekommunikationskonzern Verizon bei einem Bezirksgericht in Washington Einspruch gegen die “Open Internet Order” ein. Die Begründung: Die FCC, und damit die Regierung der USA, habe nicht die Autorität, Regeln für das Internet zu erstellen. Zusätzlich gibt Verizon an, dass die “Open Internet Order” gegen den 1. und 5. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten verstoße. The Verge dazu:

The Fifth Amendment, it says, protects against having to give other companies a “permanent easement” on its network, claiming a kind of unfair digital eminent domain. And it argues that the First Amendment says the FCC can’t force it to distribute others’ “speech” (like video or calling services) without the chance to decide how it’s transmitted.

Susan Crawford, Professorin an der Benjamin N. Cardozo School of Law und ehemalige Beraterin von Barack Obama in Fragen der Wissenschaft, Technologie und Innovationen, erklärt dem Time Magazin die Bedeutung des Verfahrens:

Verizon vs. FCC presents a very significant historical moment. The question presented by the case is: Does the U.S. government have any role in ensuring ubiquitous, open, world-class, interconnected, reasonably priced Internet access?

Wie das Gericht in seinem Grundsatzurteil entscheiden wird, ist zur Zeit nicht absehbar. Die FCC scheint aber 2002 einen entscheidenden Fehler gemacht zu haben, der ihr nun nach zu hängen scheint. Damals entschied sie nämlich, Internetprovider anders als “normale” Telekommunikationsanbieter zu behandeln, womit sie entscheidenden Einfluss auf die Internetprovider verlor. Jennifer Yeh von Free Press sagte gegenüber The Verge:

The FCC would have been on stronger footing if it had exercised its direct authority over telecommunications services.

Zwei der drei Richter scheinen dieses nun ähnlich zu sehen, wie die New York Times berichtet. Demnach würden die beiden Richter Laurence H. Silberman und David S. Tatel der Meinung sein, dass die FCC Regeln für Telefonverbindungen, nämlich dass alle Daten gleichwertig behandelt werden müssen, illegal auf die Infrastruktur des Internets anwenden würde. Die dritte Richterin, Judith W. Rogers, schien sich hingegen zu der Position der FCC zu bekennen.

The Verge hingegen berichtet von einem Urteil aus dem April diesen Jahres, welches der FCC wiederum “Munition” in die Hand gebe:

In particular, they point to City of Arlington v. FCC, a 2013 case that could give the FCC the ammunition it needs. City of Arlington essentially holds that when Congress has made an ambiguous law, the agency is allowed to make a call on its own, and courts must defer to it when it does. The ruling arguably doesn’t apply to all kinds of authority, and it’s possible it won’t be used to determine the Verizon case — but if it does, David Sohn of the pro-net neutrality Center for Democracy and Technology says it “certainly cuts in favor of the FCC.”

Das Urteil im Fall „Verizon vs. FCC“ wird gegen Ende diesen Jahres oder Anfang des nächsten Jahres erwartet, wie die New York Times schreibt.

Zur Zeit laufen eine Reihe verschiedener Kampagnen in den USA, um das Thema Netzneutralität wieder in die Öffentlichkeit zu holen. Bereits gestern berichteten wir über die Mockumentary “The Internet Must Go”, die das Thema Netzneutralität auf lustige Art und Weise beschreibt. Susan Crawford, Larry Lessig und Tim Wu, die allesamt auch an dem Film mitgearbeitet haben, haben sich gestern zu einer Fragestunde auf reddit eingefunden. Und Public Knowledge hat eine Timeline mit den wichtigsten Ereignissen rund um das Thema Netzneutralität in den USA erstellt, die wir hier mit bestem Dank einbinden. Die Timeline steht unter der Lizenz Creative Commons BY-SA.

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August 06 2013

CSU-Poltiker Geis fordert “Porno-Filter” auch für Deutschland

Es war wohl nur eine Frage der Zeit. Nachdem David Cameron vor rund zwei Wochen den “Porno-Filter” für Großbritannien ankündigte, hat die Idee bereits erste Nachahmer gefunden – nun auch in Deutschland. Der CSU-Poltiker Norbert Geis (74) foderte in der Bild, dass der Zugang zu Online-Pornografie in Deutschland stark eingeschränkt werden müsse.

Kinder und Jugendliche müssen vor der Pornografie im Internet besser geschützt werden. Dafür brauchen wir jetzt dringend spezielle Filter und verbindliche Altersbeschränkungen, sodass man sich für die Nutzung von pornografischen Inhalten im Netz persönlich anmelden muss.

Genau wie David Cameron versucht Geis seinen Vorstoß mit einem besseren Schutz der Jugend zu begründen. Nach Informationen von Golem distanziert sich die Pressestelle der CSU jedoch bereits von den Aussagen von Herrn Geis:

Ich gehe davon aus, dass die Zitate so stimmen, das lief nicht über die Pressestelle der Landesgruppe, das ist über Herrn Geis direkt gelaufen. Er ist eher ein Rechtspolitiker. Es ist ein Vorschlag von Cameron, ich nehme an, die Bild-Zeitung hat sich gedacht, wer sagt uns etwas dazu, und dann hat sich Herr Geis angeboten.


Was vom Einsatz jeglicher Filtertechnologien im Internet zu halten ist, zeigte sich bereits eine Woche nach Bekanntwerden der britische Pläne. Damals deckte die Open Rights Group auf, dass es bereits Pläne gibt, den “Porno-Filter” auch auf andere Inhalte im Internet auszuweiten, darunter Esoterik, Alkohol, Rauchen und Web-Foren.

Das der Zugang zu Pornografie durch das Internet erleichtert wird und so auch Jugendliche bereits früh mit Pornografie in Kontakt kommen können, ist sicherlich ein Fakt. Eine Zensur des Internets ist aber sicherlich nicht der Weg, dieses Problem zu lösen. Cindy Gallop beispielsweise möchte mir ihrer Webseite MakeLoveNotPorn.com (sie stellte das Projekt auch auf der re:publica 2012 vor) sensibilisieren und aufzeigen, dass Pornos kein “real world sex” sind. Sie möchte dafür sorgen, dass wieder über Sex geredet wird und so auch Jugendlichen ein anderen Verständnis für Pornografie und Sex geben, wie sie der Huffington Post sagte:

My entire message with MakeLoveNotPorn boils down to one thing: talk about it. Talk about sex. Talk about it generally, openly, publicly, but also personally, intimately.

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USA: Internetprovider Comcast plant neue Anti-Piraterie Maßnahmen

Im Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet haben sich die Internetprovider und Inhalteanbieter bereits eine Menge einfallen lassen. Vom Zusammenschluss der Werbewirtschaft um Filesharing Webseiten die Finanzierungsgrundlage zu nehmen über tief greifende Anti-Piraterietechniken der Provider bis zu der Forderung nach Computersperren bei Urheberrechtsverletzungen, war schon Einiges dabei. Der amerikanische Internetprovider Comcast hat sich nun ein neues System einfallen lassen: Beim illegalen Herunterladen von urheberrechtlich geschützten Inhalten aus dem Internet, sollen den Nutzern automatisch Links zu legalen Beschaffungsquellen angezeigt werden.

Comcast ist der größte Kabelnetzbetreiber und zweitgrößte Internetanbieter der USA. Wie Variety berichtet, führt Comcast bereits erste Gespräche mit Film- und TV-Studios sowie mit anderen Internetanbietern, um ihr Modell zu bewerben. Das von Comcast erdachte System sieht es vor, einem Nutzer, der urheberrechtlich geschützte Inhalte herunterlädt, sofort mit verschiedenen Angeboten aus legalen Quellen zu konfrontiert.

As sources described the new system, a consumer illegally downloading a film or movie from a peer-to-peer system would be quickly pushed a pop-up message with links to purchase or rent the same content, whether the title in question exists on the VOD library of a participating distributor’s own broadband network or on a third-party seller like Amazon.


Damit könnte das System eine Alternative oder aber eine Ergänzung zum derzeitigen System der Provider, dem Copyright Alert System (CAS), sein, an dem sich AT&T, Cablevision, Time Warner, Verizon und Comcast beteiligen. Dieses System, auch als “Six-Strikes” bekannt, ist angelehnt an das französische “Three-Strikes”-Modell. Dabei werden Nutzern bei Urheberrechtsverstößen Warnungen geschickt. Nach sechs dieser Warnungen können die Internetprovider Strafen vornehmen, unter anderem ein Drosseln der Bandbreite. CAS ist seit Februar 2013 im Einsatz, weshalb bisher noch keine genauen Daten über ausgestellte Warnungen und Strafen sowie den Erfolg des Systems vorliegen.

Comcast verspricht sich von seinem neuen Mechanismus vor allem einen erzieherischen Gewinn, der mit CAS nicht zu verzeichnen sei:

Comcast is also hoping the new approach has a more educational impact than CAS, which sources indicate has provided Comcast with subscriber feedback suggesting it is ineffective in that respect. Encouraging legal transactions could also be a better tack to take with the segment of consumers unknowingly pirating from illegal websites with design interfaces so slick they confuse users into thinking they are legitimate sources for content.

Wie arstechnica hingegen bemerkt, spielen für Comcast auch wirtschaftliche Gründe einen enormen Faktor bei der Entwicklung des neuen Modells:

Comcast, unlike most of its other ISP competitors, also owns vast media holdings. The company’s assets include Universal Pictures, NBC, and other cable TV channels—so Comcast could stand to directly benefit from pushing its customers to buy its own products.

Zu technischen Einzelheiten des neuen Ansatzes ist zur Zeit nichts bekannt. Comcast weigerte sich auf Anfragen von Variety und arstechnica zu antworten.

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July 15 2013

AT&T ließ sich tiefgreifendes Anti-Piraterie-System patentieren

Ende Juni berichtete Torrentfreak, dass sich AT&T ein System hat patentieren lassen, mit dem das Unternehmen den gesamten p2p-Verkehr in den eigenen Leitungen überwachen und verfolgen kann. Ziel ist es dabei die Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Inhalten zu erkennen und einzudämmen, insbesondere über Bittorrent. Wie Torrentfreak nun am Wochenende berichtete, hat AT&T dieses System noch weiter ausgebaut und hat sich ein neues System patentieren lassen, mit dem der gesamte Datenverkehr in ihren Leitungen in Echtzeit auf Urheberrechtsverstöße hin geprüft werden kann.

Das von AT&T entwickelte System hört auf den Namen “Real-time content detection in ISP transmissions” und wurde bereits am 29. Mai 2012 als Patent angemeldet. Es soll vorrangig dazu dienen, Urheberrechtsverstöße im Internet zu erkennen und zu bekämpfen. Zu diesem Zweck wird jeglicher Datenverkehr in Echtzeit überwacht und mit einer Datenbank verglichen. In dieser Datenbank liegen Dateien, welche als “illegal” markiert worden sind. Sollten die versendeten Dateien mit den Dateien in der Datenbank übereinstimmen, werden daraus entsprechende Aktionen von Seiten AT&Ts eingeleitet. In einer dem Patentantrag beigefügten Grafik sieht das System wie folgt aus:

att-piratebuster

Im Patentantrag wird darüber hinaus auch aufgeführt, wie die Reaktionen von AT&T auf das Erkennen von Urheberrechtsverletzungen aussehen können:

The responsive action, for example, might be to terminate the data transmission, to suspend the customer’s account, or to report the existence of the match to an interested party, such as a copyright owner or a law enforcement or security official, or to store the positive match to compare to later matches that are detected in subsequent transmissions to the same user or from the same sender.

Wie Torrentfreak berichtet, ist das System nach Angabe von AT&T nicht an einen Anbieter gebunden, sondern kann in einem Zusammenschluss mehrerer Internetanbieter betrieben werden. In diesem Fall würden einfach gemeinsame Datenbanken zum Abgleich des jeweiligen Datenverkehrs genutzt werden.

Auch wenn bisher keine Pläne von Seiten AT&Ts bekannt sind, das System in naher Zukunft einsetzen zu wollen, wirft es doch kein gutes Licht auf die Zukunft des Internets. Nachdem die NSA, aber auch andere Geheimdienste, das Internet nahezu lückenlos überwachen, scheinen nun also auch Privatunternehmen auf diesen Zug auf zu springen . Das Nachsehen dabei haben immer die Internetnutzer, welche unter einen Generalverdacht gestellt werden und große Teile ihrer Privatsphäre im Internet einbüßen – sei als vermeintliche Terroristen oder aber als Urheberrechtsverletzer.

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