Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

December 12 2013

DIY-Netzausbau in Indonesien

Keinen Handyempfang zu haben ist in Deutschland mittlerweile zur Seltenheit geworden – aber das ist längst nicht auf der ganzen Welt der Fall. In vielen dünn besiedelten oder schwer zugänglichen Regionen ist es für Telkos einfach nicht rentabel, Netze auszubauen. GSM ist der am weitesten verbreitete Mobilfunkstandard, aber die GSM-Weltkarte zeigt immer noch viele weiße Flecken.

GSM-Netzabdeckung 2009 (via http://www.globaltelesat.co.uk)

GSM-Netzabdeckung 2009 (via http://www.globaltelesat.co.uk)

In Papua, einer Provinz von Indonesien, hat ein Team der Universität Berkeley ein System installiert, das GSM-Basisstationen auf Baumwipfeln nutzt, um Mobilfunk in Regionen bereitzustellen, die sonst mehrere Kilometer vom nächsten offiziellen Mobilfunkmast entfernt wären. Ihr System hat die Forschergruppe um Kurtis Heimerl letzte Woche auf der ICDT-Konferenz für Informations- und Kommunikationstechnologie und Entwicklung in Kapstadt vorgestellt.

Die Basisstation operiert als “Telco-in-a-box” und wird von den Menschen in der Region selbst betrieben. Eine NGO, die auch die örtliche Schule betreibt, und der ISP WamenaCom kümmern sich um die Abrechnungen, die Satellitenverbindung, um die Stationen mit dem Rest der Welt zu verbinden und die Vergabe von SIM-Karten. Da kein indonesischer Telko das Projekt unterstützt, werden Nummern des schwedischen Betreibers Nexmo verwendet.

Die Station nutzt zum Teil einen bereits existierenden Wasserkraft-Generator und eine Satellitenschüssel, die vorher schon dazu diente, die örtliche Schule mit einer Internetverbindung zu versorgen. Um die Energieressourcen möglichst schonend einzusetzen, wird das Netz nachts in eine Art Stand-by-Modus versetzt. Will man dennoch SMS verschicken oder telefonieren – bisher werden nur lokale Anrufe unterstützt – muss man einen Knopf drücken. Auch eingehende Kommunikation weckt das Netzwerk aus seinem Schlaf. Dadurch lässt sich in etwa die Hälfte der Energie sparen, verglichen mit einem 24h-System.

Noch bestehende Probleme sind die für die Einwohner relativ hohen Kosten von 0,09 US$ für eine globale SMS und 0,02 US$ pro Minute Lokalgespräch. Das liegt an den noch nicht amortisierten Investitionen des lokalen Betreibers, außerdem soll das System einen angemessenen Profit generieren, damit Arbeitsplätze erhalten und geschaffen werden können. Ein weiterer Punkt ist die Verbindungsqualität, die durch die Kapazität der Satellitenverbindung beschränkt ist und daher noch keine weltweiten Anrufe zulässt.

no_of_usersAber bereits jetzt wird das System gut angenommen. Das nebenstehende Diagramm aus dem Paper der Entwickler zeigt, dass die Nutzeranzahl nach 180 Tagen Operation bereits auf fast 200 angestiegen war.

Meiner Meinung nach ein sehr schönes Projekt, dessen Entwicklung man auf dem Blog von Kurtis Heimerl weiterverfolgen kann.

 

 

http://www.ictd2013.info/

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

November 18 2013

Forschen, nicht Ausspähen – Australien hört indonesischen Präsidenten ab

Aus dem Fundus von Edward Snowden wurde eine weitere schmucklose Powerpoint-Präsentation geleakt. Die stammt diesmal von der Geheimdienstabteilung des australischen Verteidigungsministeriums zusammen mit dem Nachrichtendienst Defense Signals Directorate  und belegt, dass Australien 2009 den indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono, dessen Frau und acht weitere Regierungsmitglieder abgehört hat.

Die Abhörung von Regierungschefs stellt nun nicht mehr den größten Neuigkeitswert dar. Auch war im Oktober und Anfang November bereits bekanntgeworden, dass Australien den USA diverse Botschaftsgebäude in asiatischen Ländern für ihre Abhörprogramme zur Verfügung gestellt hatte und während des Weltklimagipfels in Indonesien 2007 versucht hat, die Telefonnummern von Sicherheitsbeamten zu ermitteln.

Was aber wirklich überrascht – beziehungsweise zum Kopfschütteln anregt – ist die Rechtfertigung des konservativen australischen Premierministers Tony Abbott für die Nutzung der Botschaften als Spähposten in einem ABC-Interview vor fünf Tagen:

Wir nutzen die gesammelten Informationen für das Gute, auch um eine engere Beziehung zu Indonesien aufzubauen. Eines der Dinge, die ich dem indonesischen Vizepräsidenten in unserer heutigen Diskussion angeboten habe, ist, unser Level von Informationsaustausch anzuheben. Denn ich will, dass die Menschen in Indonesien wissen, dass wir all das tun, um sowohl Indonesien als auch Australien zu helfen. Indonesien ist ein Land, das ich durch meine eigene Zeit in Indonesien sehr respektiere und das mir sehr am Herzen liegt.

Eine Nominierung für den Euphemismus des Tages hat sich Abbott auch in einem Interview mit dem australischen Radiosender 3AW (Transkript hier) verdient. Ausspähen ist ein sehr hässliches Wort, gibt es da nicht ein Schöneres?

Forschen, vielleicht. Mit Leuten reden. Verstehen, was vor sich geht. Ich meine, wir tun das ständig. Jeder tut das, aber was australische Minister nie getan haben ist, über die Details von Geheimdienstoperationen zu sprechen.

Eine Rechtfertigung für die heutigen Leaks steht noch aus. Aber vielleicht kann man da ja einfach eine generieren.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

July 26 2013

Internet Governance Forum 2013 fällt wegen Geldmangel aus

2013IGFlogoDas Internet Governance Forum hat sich auf UN-Ebene als Diskussionsort über netzpolitische Themen als Nachfolger des Weltgipfel zur Informationsgesellschaft ab 2006 etabliert. In diesem Jahr sollte es im Oktober auf Bali in Indonesien stattfinden. Ich war schon etwas neidisch, weil ich sowohl gerne zum IGF als auch nach Bali wollte, aber wir für so teure Reisen kein Budget haben. Das kann ich mir jetzt aber sparen, weil das Internet Governance Forum dieses Jahr nicht stattfinden wird: Kein Geld. Von den veranschlagten 1,6 Millionen Euro Kosten (22 Milliarden Rupiah) sind nur knapp die Hälfte über Sponsoren und indonesische Gelder reingekommen. Man hat jetzt die Reißleine gezogen.

Das ist schade, weil der internationalen Debatte fehlt ein solcher Diskussionsraum wie das Internet Governance Forum.

Update: Kann natürlich auch sein, dass die Absage strategisch ist, um mehr Geldgeber zu finden und es noch eine Restwahrscheinlichkeit gibt, dass das IGF stattfindet. Immerhin haben viele schon ihre Flüge gebucht.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Tags: UN IGF Indonesien
Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl