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January 22 2014

Bundeswehr trainiert mit ihren Aufklärungsdrohnen “Luna” und “KZO” auf Truppenübungsplatz der US-Armee in Bayern

Der Presse- und Informations­stab des Ver­teidigungs­ministeriums hat gestern eine erneuerte Übersicht über “Drohnen und Drohnenverluste” veröffentlicht. Es geht um unbemannten Systeme “Kleinfluggerät für Zielortung” (KZO), die “Nahaufklärungs-Ausstattung Luna”, die Langstreckendrohne Heron sowie die Spionagedrohne “Euro Hawk”. Ebenfalls berücksichtigt sind die kleine Drohne “Aladin” sowie die als “Mikro-Aufklärungsdrohne im Ortsbereich” bezeichnete “Mikado”. Dankenswerterweise hat die Webseite Bundeswehr Monitoring eine Tabelle zu den aktuellen Totalverlusten veröffentlicht:

Verlustige_Drohnen

Daraus geht hervor, dass von den drei größten Drohnen des Typs “Heron” alle abgestürzt sind und ersetzt werden müssen. Von den “Luna” des deutschen Herstellers EMT sind bereits rund ein Drittel gecrasht. Dennoch will EMT die Zulassung nach “Kategorie 3″ beantragen. Dann könnte die Drohne der allgemeinen Luftfahrt gleichgestellt werden und von zivilen Flughäfen starten.

In der Vergangenheit hatte das Verteidigungsministerium widersprüchliche Angaben zu verlustig gegangenen Drohnen gemacht. Eine abgestürzte Drohne wird mittlerweile als “Absturz” geführt, wenn “durch einen unkontrollierbaren Flugzustand das Luftfahrzeug am Boden zerstört wurde”. Sofern das teilweise kommerzielle Bedienpersonal den Fallschirm auslösen konnte, aber dennoch ein Totalschaden eintritt, gilt die Kategorie “Zerstört” – jedenfalls dann, wenn das Luftfahrzeug “derart beschädigt [ist], dass es ausgesondert wird”. Ergänzend wird erklärt, Absturz sei nur die “Teilmenge von zerstört”.

Aktuell verfügt die Bundeswehr über 581 Drohnen. 114 sind laut der Aufstellung zerstört, abgestützt oder vermisst. Zuletzt war noch von 106 verlustig gegangenen Drohnen die Rede.

Seit letzter Woche ist auch bekannt, wo die Bundeswehr mit ihren unbemannten Luftfahrzeugen trainiert. Zwar hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung drei Flugbeschränkungsgebiete für Testflüge ausgewiesen (“Spatzenhausen”, “Manching”, “Schleswig”). Hiervon profitieren jedoch nur die deutschen Hersteller von Drohnen bzw. der noch nicht in Betrieb genommene, militärische Drohnen-Flugplatz im schleswig-holsteinischen Jagel.

Nun heißt es, dass deutsche militärische Drohnen der Typen “KZO” und “Luna” regelmäßig über dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr unterwegs sind. Der untersteht jedoch der US-Armee. Das dort verantwortliche “Joint Multinational Training Command” (JMTC) darf mit drei verschiedenen US-Drohnen seit 2005 über mehreren Basen in Nordbayern fliegen.

Nun wurde auch der Betrieb in einem Korridor beantragt. Die Genehmigung steht noch aus, da laut dem zuständigen Verteidigungsministerium entsprechende Unterlagen fehlen. Sollten die Flüge auch über bewohntem Gebiet gestattet werden, wäre dies bundesweit einmalig. Eine Entscheidung hierzu soll in diesen Tagen fallen.

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September 12 2013

Aufklärungsdrohnen der Bundeswehr werden im Kriegsgebiet von EADS gestartet und gelandet – Regierung nennt das “automatisch”

Dass im März 2010 eine Drohne des Typs “Heron” nach der Landung in eine Transportmaschine der Bundeswehr krachte ist, wurde ja bereits mehrfach berichtet. Das unbemannte Flugzeug setzte sich nach dem Stillstand plötzlich wieder in Bewegung und machte sich daran, zwei Soldaten zu überrollen. Auf Youtube ist ein Video der BILD-Zeitung befreit worden (die Zeitung veröffentlichte hierzu weitere Bilder von dem Crash):

Der Unfall ereignete sich in Mazar-i-Sharif in Afghanistan, wo die Bundeswehr drei “Heron” zur Aufklärung nutzt. Die Systeme liefern Echtzeitvideos an Bodenstationen, seit 2010 verfügen sie über eine Vorläufige Verkehrszulassung des Militärs.

Die Drohnen werden vom israelischen Hersteller Israel Aeronautics Industries gefertigt. Vertragsnehmer gegenüber dem Militär ist aber der Rüstungskonzern EADS, das Ganze nennt sich “Betreibermodell auf Leasingbasis”. Für Wartungsarbeiten ist stets ein “Instandsetzungsteam” EADS vor Ort. Im Juli meldete eine Presseerklärung vom EADS-Ableger Cassisidan, die “Heron” habe inzwischen 15.000 Flugstunden (mehr als 1.300 Flüge) absolviert. Pro Flugstunde kostet die “Heron” (ohne Steuer) 8.675 Euro.

Die Bundesregierung hatte erklärt, die Drohnen der Luftwaffe würden “automatisch von einem Flugplatz mit Start- und Landebahn” in die Luft steigen. Erst nach zweimaligen Lesen stolperte ich aber in der EADS-Pressemitteilung über den Hinweis, dass die Drohnen in Afghanistan gar nicht von der Bundeswehr gestartet und gelandet werden – den Job übernimmt die Firma selbst:

Der Vertrag beinhaltet auch, dass die Starts und Landungen in Mazar-e-Sharif von Cassidian-”Piloten” gesteuert werden und das Flugzeug dann in der Luft an das Bundeswehrpersonal übergeben wird. Die Bundeswehr kann sich somit voll auf die Erfüllung ihrer Mission konzentrieren und wird personell nicht durch unterstützende Aufgaben (Start, Landung, Wartung, Instandsetzung) belastet.

Die EADS-Techniker in Afghanistan kommen von Cassidian Airborne Solutions mit Sitz in Bremen. Im Frühjahr hatte in Bremen ein angeblicher Agent des pakistanischen Geheimdienstes versucht, Kenntnisse zur Steuerung von “Heron”-Drohnen abzugreifen. Die Affäre wird aber beschwiegen. Medien hatten berichtet, die Spionage habe sich in Räumen des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt (DLR) ereignet. Das DLR ist selbst in Forschungsvorhaben zur teil-autonomen Steuerung der “Heron” eingebunden.

Womöglich geht der Crash also auf das Konto von EADS – oder bei der “Übergabe” an die Bundeswehr ging etwas schief. Ein ähnliches Problem ergab sich auch bei der Überführung der Spionagedrohne “Euro Hawk” aus den USA. Der an die Bundeswehr gelieferte Prototyp geriet kurz außer Kontrolle, als die Steuerung von US-Bediensteten an deutsche Militärs übergeben werden sollte. Offensichtlich war die Satellitenverbindung für mehrere Minuten unterbrochen, die Drohne kam vom Kurs ab und verlor an Höhe.

Eine weitere “Heron” stürzte ebenfalls in Afghanistan ab und wurde danach sicherheitshalber aus der Ferne zerstört. Insgesamt werden die Kosten für beide Crashs mit rund 9,3 Millionen Euro angegeben.

Bei anderen Drohnen haben Luftwaffe und Bodentruppen die ulkige Kategorie “systemkonforme Landung” eingeführt: Gemeint ist, wenn die Drohne außer Kontrolle gerät und abstürzt, aber der Fall beispielsweise mit einem Fallschirm gebremst werden kann. Trotzdem verzeichnet das Gerät aber einen wirtschaftlichen Totalschaden und muss ersetzt werden.

Die berühmteste “systemkonforme Landung” ereignete sich ebenfalls in Afghanistan, als eine LUNA-Drohne beinahe eine Verkehrsmaschine rammte und anschließend das Dach einer Lagerhalle durchschlug:

Im Rahmen des Untersuchungsausschusses zum “Euro Hawk” hatten PolitikerInnen aller Parteien die Intransparenz des Verteidigungsministers hinsichtlich seiner Drohnenpolitik kritisiert. Schließlich wurde von manchen auch für de Maizière die “systemkonforme Landung” gefordert.

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September 04 2013

Laut Snowden wappnet sich Al-Qaeda gegen den Drohnenkrieg – Mit Laserpointern und Modellflugzeugen?

Simulation des DLR vor dem Flug einer

Simulation des DLR vor dem Flug einer “Heron” im spanischen zivilen Luftraum

Die Washington Post berichtet über Dokumente aus dem Füllhorn des Whistleblowers Edward Snowden, wonach Al-Qaeda sich gegen Einsätze von US-Kampfdrohnen zur Wehr setzen will. Mehrere “Experten” seien damit befasst, entsprechende Techniken zu entwickeln. Zwar spricht die WP von “abschießen” (“shoot down”). Die genannten Beispiele sind aber eher belanglos, ähnliche Aussagen finden sich auch in linken Internetportalen oder auf Diskussionsforen zu fliegenden Kameras: Die Rede ist von Störsendern, um die Steuerung per GPS oder Infrarot zu verwirren. Al-Qaeda überlege demnach auch, selbst ferngesteuerte Modellflugzeuge in die Luft zu schicken, um Drohnenangriffe früher zu erkennen.

Die Zeitung verweist auf ein Papier der US-Luftwaffe, das vor ähnlichen Gefahren bereits 2011 gewarnt hatte. Dort heißt es z.B.:

  • Small, simple GPS noise jammers can be easily constructed and employed by an unsophisticated adversary and would be effective over a limited RPA operating area.
  • GPS repeaters are also available for corrupting navigation capabilities of RPAs. Cyber threats represent a major challenge for future RPA operations. Cyber attacks can affect both on-board and ground systems, and exploits may range from asymmetric CNO attacks to highly sophisticated electronic systems and software attacks.

Tatsächlich ist es technisch möglich, GPS-Signale zu verfälschen und Drohnen dadurch vom Kurs abzubringen. Das türkische Militar habe laut WP 2010 ein Mitglied von Al-Quaeda festgenommen, das geplant habe kleine NATO-Drohnen zum Absturz zu bringen. Um welchen Typ es sich dabei handelte meldet die Zeitung nicht – im Falle eines Quadrokopters gelang dies mittlerweile sogar Kindern.

Aber auch kommerzielle Satellitenverbindungen (SATCOM-Links) könnten gestört werden, um Drohnen vom Kurs abzubringen oder übertragene Daten unbrauchbar zu machen. Davor wird auch in dem US-Papier gewarnt. Jedoch dürfte sich die Luftwaffe kaum auf zugekaufte Bandbreiten verlassen, wenn es um die Steuerung der Drohnen geht, sondern hierfür vielmehr eigene Kapazitäten nutzen.

Probleme bereitet auch immer noch die unverschlüsselte Übetragung von Daten, wie es 2009 vom Wall Street Journal berichtet wurde.
Damals war es Aufständischen wohl möglich, Videodaten abzugreifen und hierfür eine einfache Software (SkyGrabber von der russischen Firma SkySoftware) zu nutzen. Das US-Militär versprach, die Sache aus der Welt schaffen, dies würde aber mehrere Jahre dauern. Im oben zitierten US-Papier heißt es aber, diese offene Versendung würde sogar militärisch benötigt:

Operational needs may require the use of unencrypted data links to provide broadcast services to ground troops without security clearances. Eavesdropping on these links is a known exploit that is available to adversaries for extremely low cost.

Neues zur Spionage beim DLR in Bremen?

Interessant wäre, wenn die Bundesregierung nochmal Neues zum Spionagefall in Bremen herausrücken würde, der sich scheinbar ebenfalls um eine Störung von Militärdrohnen drehte. Laut dem Nachrichtenmagazin FOCUS hatte die Polizei im April einen Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen festgenommen, der demnach “geheime Studien über Steuerung und Navigation von Drohnen” einsehen konnte.

Das DLR ist in Dutzende Forschungen eingebunden und kooperiert hierfür mit seinen Pendants in Spanien, Italien, den Niederlanden und Frankreich. Viele Gelder für entsprechende Projekte kommen aus der EU, Ergebnisse können sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden. Im Frühjahr fand nach vorherigen Simulationen durch das DLR erstmals ein Flug einer “Heron”-Drohne im spanischen zivilen Luftraum statt.

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen, das geschädigte Unternehmen aber bislang nicht offiziell benannt. Auch zu den Auftraggebern der angeblichen Spionage wird wenig verlautbart. Der FOCUS schrieb, es handele sich “nach Erkenntnissen der Ermittler” um den pakistanischen Geheimdienst ISI.

Die Bundesregierung ließ mitteilen, gegen den Beschuldigten werde wegen des “Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit nach § 99 des Strafgesetzbuches (StGB) ermittelt”. Demnach befinde er sich in Untersuchungshaft “in einer Justizvollzugsanstalt in der Bundesrepublik Deutschland”. Weitere Angaben bleiben geheim.

Es liegt aber nahe, dass es um pikante Details aus einem der größten deutschen Sicherheitsforschungsprojekte geht. Denn das DLR Bremen ist im Verbund mit sieben anderen DLR-Instituten im selbst geleiteten Vorhaben “Forschung und Entwicklung für die Maritime Sicherheit und entsprechende Echtzeitdienste” beteiligt. Dort bringt das Institut seine Erfahrungen aus dem EU-Projekt zur Steuerung der israelischen “Heron”-Drohnen ein, die auch in Afghanistan geflogen werden. Zu den weiteren Partnern gehören die EADS-Ableger ASTRIUM und Cassidian sowie die Deutsche Flugsicherung (DFS).

Pullach übernimmt

Laut DLR sei eine enge Kooperation mit dem Bremer Netzwerk “MARISSA” angestrebt, einem Technologiecluster von Sicherheits- und Rüstungsunternehmen. Als zukünftige Endnutzer gelten z.B. das Technische Hilfswerk und die Bundespolizei. Auf eine parlamentarische Nachfrage antwortete die Bundesregierung allerdings, die Spionage habe sich nicht bei MARISSA ereignet.

Die Angelegenheit beschäftigt nun den Bundesnachrichtendienst (BND): Ein “von pakistanischer Seite initiierter Kontakt” mit dem BND sei mit dem Verweis auf die zuständige Behörde, also die Bundesanwaltschaft, beantwortet worden.

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May 28 2013

FRONTEX interessiert sich für Einsatz des “Euro Hawk” zur polizeilichen zur Überwachung von Land- und Seegrenzen

BW_EuroHawkDie EU-Grenzschutzagentur FRONTEX veranstaltet Workshops, die sich mit der Nutzung größerer Drohnen “zur Überwachung von Land- und Seegrenzen” befassen. In einer der Präsentationen wurde auch die Spionagedrohne “Euro Hawk” vorgestellt. Dies teilte das Bundesinnenministerium jetzt in der Antwort auf eine Kleine Anfrage zur polizeilichen Drohnen-Strategie mit. Demnach finden die Workshops seit 2009 statt, bis auf einmal war die Bundespolizei jedes Mal dabei. Beinahe alle größeren Drohnen europäischer Hersteller wurden präsentiert. FRONTEX interessierte sich aber auch für die israelische “Heron” und die amerikanische “Predator”.

Eine ähnliche Vorführung hatte Frontex 2010 in Finnland abgehalten, damals allerdings mit kleineren “Mini-UAV”. Zudem lag der damalige Fokus auf Landgrenzen. Die Frontex-Workshops richten sich vor allem an Mitglieder von Grenztruppen der Mitgliedstaaten sowie andere “key stakeholders”.

In der Antwort heisst es:

Es wurden folgende Geräte präsentiert:

  • “Patroller”, Safran/Sagem,
  • „DA42 MPP Guardian”, Diamond Aircraft,
  • „Heron”, IAI — Malat,
  • „Blue Horizon”, Uvision,
  • „Sparrow”, Uvision,
  • „Butterfly”, Uvision,
  • „A3ISR”, Lockheed Martin,
  • „Eurohawk”, Northrop und EADS,
  • „Predator”, General Atomics und Diehl,
  • „Firebird”, Northrop Grumman
  • „Condor”, OHB System AG.

Einer der Workshops der EU-Grenzschutzagentur FRONTEX fand im Oktober 2011 in der griechischen Hafenstadt Aktio statt. Dabei ging es unbemannte Flugzeuge der Klasse “Medium Altitude Long Endurance” (MALE), die mehrere Kilometer hoch fliegen können. Ausdrücklich erwünscht waren aber auch kleinere Drohnen, sofern sie über eine längere Flugzeit verfügen. FRONTEX hatte vorher einen Aufruf veröffentlicht, wonach die Einbindung der gezeigten Drohnen in das EU-Grenzüberwachungssystem EUROSUR untersucht werden soll.

Die Veranstaltungen dienen laut der Bundesregierung der “Vorstellung am Markt befindlicher unbemannter Luftfahrtsysteme und der Definition von grenzpolizeilichen Anforderungs- und Leistungskriterien”. Welche der Drohnen nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch vorgeführt wurden ist nicht klar. Der Rüstungskonzern Thales spricht anläßlich einer Präsentation 2011 von “mehreren internationalen Herstellern”. Demnach seien die teilnehmenden Hersteller aus den USA und Israel dominiert gewesen. Dass die deutsche “Euro Hawk” dort gezeigt wurde, ist aber unwahrscheinlich. Von einer Fluggenehmigung istz bislang nichts bekannt.

Allerdings ist die nun vorliegende Antwort der Bundesregierung unvollständig: Denn bekanntermassen hat auch Thales sein System “Fulmar” bei FRONTEX live präsentiert. In einem Werbefilm wird dessen ausdrückliche Verwendung gegen unerwünschte MigrantInnen vorgeführt:

Die “Fulmar” fliegt bis zu 3.000 Meter hoch und rund 150 Kilometer pro Stunde. Nach acht Stunden bzw. 800 Kilometern muss die Drohne gelandet werden. Die leichten Drohnen von Thales wären somit gut geeignet, nach in Deutschland auch für polizeiliche Belange eingesetzt zu werden: Die “Fulmar” könnte in einem Rutsch unbemerkt von der Nordsee bis zum Bodensee fliegen. “Fulmar”-Drohnen operieren zur Kontrolle von Migration bereits in Malaysia.

Thales hatte das EU-Forschungsprojekt “Wide Maritime Area Surveillance” (WIMAAS) angeführt und untersuchte dort mit der spanischen Guardia Civil die grenzpolizeiliche Nutzung von Drohnen. Die Guardia Civil ist mit weiteren Drohnen-Forschungen der EU befasst, darunter CLOSEYE und DeSIRE. geflogen werden dort Drohnen der Typen “Heron” und “Predator”.

Auch EADS empfiehlt übrigens den Einsatz des “Euro Hawk” sowie anderer größerer Drohnen für Zwecke einer “Homeland Security”. Ein Sprecher des Konzerns zählt hierzu die Observation polizeilicher Großereignisse, die Überwachung von Atomanlagen und Grenzkontrolle, aber auch Demonstrationen und “Unruhen in Vorstädten”.

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May 14 2013

Israelische Drohne stürzt ab, weitere Flüge ausgesetzt – Bundeswehr-Drohnen fliegen trotzdem.

Eine Drohne des israelischen Militärs fiel am Samstag ins Mittelmeer. Der Flugroboter wurde zuvor abgeschossen, um einen Absturz über dicht bewohntem Gebiet zu verhindern. Nach Zeitungsangaben sei auf dem Routineflug aus noch ungeklärten Gründen eine Störung aufgetreten. Es handelte sich um eine sogenannte MALE-Drohne des Typs Heron, Hersteller ist die Firma Israel Aerospace Industries. MALE steht für “Medium Altitude Long Endurance”, also mittlere Flughöhe und hohe Reichweite. Die Heron existiert neben der ursprünglichen Baureihe mittlerweile auch als fortentwickelte Heron TP. Beim Absturz handelte es sich um die frühere Version Heron-1

Ein Militärsprecher erklärte, dass zunächst alle Flüge von Drohnen des gleichen Typs gestoppt seien. Bereits letztes Jahr war eine israelische Heron abgestürzt. Die von deutschen Soldaten in Afghanistan geflogenen Heron-Drohnen würden angeblich weiter betrieben, heisst es im Blog eines Militärjournalisten. Die deutschen Flugroboter sind im Gegensatz zu den israelischen Typen unbewaffnet. Doch zwei von Deutschland geleaste Heron sind bereits früher havariert. Nach Auskunft der Bundesregierung habe es sich einmal “um einen Bodenunfall beim Rollen” gehandelt, eine andere habe wegen eines technischen Defektes am Triebwerk “eine autonome Landung in freiem Gelände” durchgeführt. Die Drohne musste demnach “aus operationellen Gründen zerstört werden”. Gemeint ist, dass die Technik von gegenerischen Kräften rekonstruiert werden kann.

Es könnte sich bei dem jüngsten Vorfall in Israel durchaus um ein gravierendes Sicherheitsproblem handeln, denn Details zur Navigationstechnik der Heron sind womöglich dem Geheimdienst Pakistans in die Hände gefallen. Ein Spezialkommando der Polizei nahm Ende März in Bremen einen Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) fest, der laut dem Nachrichtenmagazin Focus “geheime Studien über Steuerung und Navigation von Drohnen” einsehen konnte. Dabei geht es um Heron-Drohnen der Bundeswehr.

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen, das betroffene Unternehmen aber bislang nicht offiziell bestätigt. Focus schreibt, der Auftraggeber sei “nach Erkenntnissen der Ermittler” der pakistanische Geheimdienst ISI. Die Bundesregierung wollte dies auf Nachfrage im Bundestag erstmal nicht bestätigen und hüllt sich über weitere Ermittlungen in Schweigen. Zur Begründung heisst es, es handele sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren. Das Frage- und Informationsrecht des Deutschen Bundestages wird deshalb eingeschränkt.

Das DLR ist damit befasst, Studien für Genehmigungsverfahren für den Betrieb größerer Drohnen wie die Heron im allgemeinen zivilen Luftraum durchzuführen. Ab 2016 soll EU-weit ein “Single European Sky” (SES) eingerichtet werden, zuständig ist hierfür die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) mit Sitz in Köln. Dann könnten Drohnen wie die Heron oder die US-amerikanischen Predator auch von der Polizei geflogen werden, denn Starts und Landungen dürften von zivilen Flughäfen erfolgen.

Das DLR betreibt hierfür groß angelegte Forschungen in Spanien, an denen auch die Bundespolizei beteiligt ist. Das Projekt wird von der EU finanziert. Ein erster polizeilicher Testflug einer Heron-Drohne erfolgte erst kürzlich, weitere sind geplant. In einem anderen EU-Projekt wird auch eine Predator-Drohne des US-Herstellers General Atomics getestet.

Von den Ergebnissen der Forschungen würde auch die Bundeswehr profitieren, denn es geht um satellitengestützte Ausweichverfahren. Diese sind für die luftfahrtrechtliche Zulassung in Deutschland zwingend. Das deutsche Militär will sich zwischen Heron oder Predator entscheiden, weshalb die (eigentlich zivilen) EU-Forschungen für die Pläne des Verteidigungsministeriums von zentraler Bedeutung sind.

Die Bundeswehr nutzt neben den Heron-Drohnen die kleineren Typen KZO (“Kleinfluggeräte Zielortung”) und LUNA (“Luftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung”) der deutschen Hersteller Rheinmetall und EMT. Mindestens zwei LUNA sowie drei KZO sind bereits in Deutschland vom Himmel gefallen. Beim ISAF-Einsatz in Afghanistan stürzten gleich sechs LUNA und vier KZO ab. Laut dem Spiegel hatten zehn KZO damals 300 Millionen Euro gekostet. Eingerechnet sind allerdings auch die Bodenstation zur Flugkontrolle und Analyse der Überwachungsdaten. Mittlerweile verfügt die Bundeswehr über 37 KZO und 51 LUNA.

Auch andernorts sind die Flüge der Drohnen keineswegs sicher: Die britische Webseite Drone Wars UK hatte im Herbst eine Übersicht über Bruchlandungen von Drohnen mehrerer Länder veröffentlicht. 2012 sind allein in den USA bei 14 Unfällen von Drohnen mindestens 15 Geräte abgestürzt. Selbst die riesige Global Hawk, von denen die Bundeswehr als Euro Hawk zunächst einen Prototyp orderte, verzeichnete in Afghanistan und an der Heimatfront Totalverluste (Video).

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May 07 2013

EU-Kommission lobt Entwicklung von großen Drohnen zur Förderung von Wirtschaft und Wettbewerb

rpasDie zur EU-Kommission gehörende Generaldirektion Unternehmen und Industrie hat eine neue Broschüre veröffentlicht, in der Drohnen als Faktor für Wachstum und Wohlstand in den Mittelpunkt gerückt werden. Demnach werden rund 400 Drohnen-Projekte in 20 EU-Mitgliedstaaten entwickelt. Diese teilten sich auf in Größenordnungen zwischen einem Airbus 320 bis hin zu wenige Gramm schweren Mikrodrohnen. Jedoch bildeten Drohnen mit einem Abfluggewicht von über 150 Kilo der am dynamischsten wachsende Sektor. Bestätigt wird dies durch eine Meldung aus der Türkei, die nach erfolgreichen Tests in die Serienproduktion der hochfliegenden Drohne ANKA einsteigt. Investititonen winken laut der EU-Kommission aber auch für Zulieferer. Als Beispiele gelten Anwendungen für Flugkontrolle, Kommunikation, Antrieb, Energieversorgung, Aufklärungssensoren oder Fernmesstechnik.

Die Kommission lobt sich dafür, bereits seit 1998 Gelder in entsprechende Forschungen zu verausgaben. Gegenwärtig werden 20 Vorhaben im 7. Forschungsrahmenprogramm gefördert, die im weitesten Sinne mit Drohnen zu tun haben. Auch Großprojekte wie das Satellitennavigationssystem GALILEO oder das ebenfalls satellitengestützte Überwachungssystem Copernicus (früher GMES) binden Flugroboter ein.

Erneut wird gefordert, dass auch die großen Drohnen regulären Zugang zum allgemeinen, zivil genutzten Luftraum erhalten sollen. Für Geräte über 150 Kilogramm ist hierfür die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) mit Sitz in Köln zuständig. Die Nutzung militärischer Drohnen fällt indes in die Zuständigkeit der nationalen Regierungen.

Starten Drohnen bald an Zivilflughäfen?

Bereits in einem ausführlichen Arbeitsdokument mit dem Titel “Towards a European strategy for the development of civil applications of Remotely Piloted Aircraft Systems” hatte die EU-Kommission ihre Anstrengungen erklärt, den zivilen Luftraum über den 27 EU-Mitgliedstaaten für schwere Drohnen zu öffnen und einheitliche Standards zu definieren. Dies würde bedeuten, dass die Drohnen auch an regulären Zivilflughäfen anzutreffen wären.

Seit Januar führt die Bundeswehr Testflüge mit der weltweit größten Aufklärungsdrohne “Euro Hawk” durch. Der Flugroboter mit langer Flugdauer und mittlerer Flughöhe wird von der US-Firma Northrop Grumman gefertigt. Das in Deutschland genutzte Modell basiert auf dem “Global Hawk”, der vom US-Militär sowie für Belange innerer Sicherheit genutzt wird und bereits mehrere Abstürze mit Totalverlust verzeichnete. Der Rüstungskonzern EADS Cassidian erhielt den Auftrag, einen Prototyp mit Navigations- und Spionagetechnik auszurüsten.

Ursprünglich hatte die Bundeswehr als “Serienbeschaffung” mehrere solcher Systeme anvisiert. Die ARD zitiert den Parlamentarischen Staatssekretär Thomas Kossendey mit den Worten, das Projekt sei mit “nicht unerheblichen Mehrkosten” verbunden, weshalb die luftverkehrsrechtliche Zulassung für den Betrieb der Spionage-Drohne fraglich ist. Womöglich würde der Kauf also nicht durchgeführt.

Die Anstrengungen der Europäischen Agentur für Flugsicherheit könnten aber helfen, Gelder einzusparen und das Projekt wie geplant umzusetzen: Denn die EU führt ebenfalls Forschungen und Studien zur Vermeidung von Kollisionen durch, die für die erfolgreiche Zulassung der Flugroboter vorgeschrieben sind.

Vielleicht rudert die Bundesregierung auch nur aus Angst vor Imageverlust zurück. Angesichts der Bundestagswahl wird laut mehrerer Medien versucht, das Thema aus dem Bundestagswahlkampf herauszuhalten. Spiegel Online berichtete, “einige ausgewählte Top-Politiker” seien vom Verteidigungsminister zu einem Briefing zum Kauf eigener Kampdrohnen eingeladen worden. Die Bundesregierung hat dies letzte Woche dementiert.

Beschaffung von Kampfdrohnen wird doch vor der Bundestagswahl eingefädelt

Entgegen anderslautenden Presseberichten trifft das Militär aber hinter den Kulissen noch vor der Sommerpause eine Beschaffungsentscheidung für die Kampfdrohnen. Dies räumte sogar das Verteidigungsministerium ein. Noch im Sommer will das Verteidigungsministerium seinen Bedarf zum Kauf von Kampfdrohnen festlegen. Diese sogenannte “Auswahlentscheidung” soll spätestens im dritten Quartal erfolgen, auf jeden Fall vor der Bundestagswahl.

Neben dem Kauf von Drohnen aus den USA oder Israel ist eine der Optionen, eigene bzw. europäische Kampfdrohnen zu entwickeln und zu bauen. Die infrage kommenden Rüstungskonzerne machen nun mit Hochdruck Lobbyarbeit. In einem Gespräch mit dem EADS-Konzernchef beteuerte der Bundeswirtschaftsminister laut einer Lokalzeitung das Bestreben, dass “Deutschland in der Rüstungstechnologie international nicht den Anschluss verliert”.

Die EADS-Tochter Cassidian wittere laut der Zeitung “ein Milliardengeschäft”, es hingen “einige tausend Arbeitsplätze an dem Projekt” der europäischen Kampfdrohne. Der Besuch des Ministers sei ein “Lichtblick”. Denn wenn jetzt eine Zusage käme, könnte die Firma bis 2020 liefern. Entwicklungskosten lägen dann bei rund einer Milliarde Euro.

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