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February 10 2014

Bundesinnenminister bauchpinselt US-Heimatschutzminister und US-Generalbundesanwalt bei informellem Treffen in Krakau

img_ministerAm 5. und 6. Februar 2014 haben sich die Innenminister der sechs einwohnerstärksten EU-Mitgliedsstaaten in Krakau getroffen. Wieder hat das deutsche Innenministerium diese informelle “Gruppe der Sechs” genutzt, um mit den USA Einigkeit über die NSA-Spionage herzustellen. Dies hatte die Pressestelle bereits vorab mitgeteilt. Demnach sollte in Polen der “Austausch mit den amerikanischen Kollegen über die Überwachungsprogramme der National Security Agency (NSA) fortgeführt werden”.

Über die G6 versuchen die einwohnerstärksten EU-Mitgliedstaaten mehr Einfluss auf sicherheitspolitische Entscheidungen in Europa zu nehmen. Zur heutigen Zusammensetzung gehören seit ihrer Gründung 2003 die Regierungen Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, Spaniens und mittlerweile auch Polens. Auch die EU-Kommissarin für die Digitale Agenda und Vizepräsidentin der EU-Kommission, Neelie Kroes, sowie die EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström sind gewöhnlich zugegen. Allerdings sind die EU-Kommissarinnen bislang nirgends durch Statements zum Treffen in Krakau aufgefallen.

Auf Initiative des damaligen deutschen Innenministers Wolfgang Schäuble nimmt seit 2007 auch das US-Ministerium für “Heimatschutz” sowie die US-Generalbundesanwaltschaft an den G6 teil. Die Zusammenkunft firmiert seitdem als “G6+1″. Die US-Behörden waren wieder hochrangig vertreten: Nach Krakau reisten der Generalbundesanwalt Eric Holder und der Heimatschutzminister Jeh Johnson.

Bundesinnenministerium unterstellte der NSA-Spionage bislang “edlen Zweck”

Schon der damalige Bundesinnenminister Hanns-Peter Friedrich hatte das G6-Treffen im September in Rom genutzt, um die Wogen der NSA-Spionage zu glätten. Auch die geplanten Abkommen zwischen der EU und den USA zum Datenschutz wurden damals thematisiert. Offiziell hieß es dazu, es seien “die Notwendigkeit der Entwicklung gemeinsamer Datenschutzstandards sowie Lösungsansätze zur Gefahrenabwehr im Zusammenhang mit der grenzüberschreitenden Nutzung von elektronischen Kommunikationssystemen” diskutiert worden:

[...] Der amerikanische Justizminister Eric Holder sagte zu, dass sich die amerikanische Regierung auch weiterhin für eine rasche und umfassende Aufklärung der Sachverhalte einsetze. Mehr Transparenz über die Arbeit der Nachrichtendienste sei nötig, ohne hierbei operative Maßnahmen zu gefährden.

Der Bundesminister des Innern stellte erneut klar, dass die Bundesregierung alles tun werde, um einen noch besseren Schutz der Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten.

Vom Bundesinnenminister war also bisher keine ernsthafte Kritik an der NSA zu erwarten gewesen. Denn Hanns-Peter Friedrich attestierte dem Spionageprogramm PRISM bereits zu Beginn der Enthüllungen einen “edlen Zweck”.

Deutschland knickte auch ein, als die EU-Kommission damit einverstanden war die US-Spionage nicht auf Ebene der Europäischen Union zu besprechen. Offiziell hieß es damals, die EU habe kein Mandat zur Geheimdienstzusammenarbeit ihrer Mitgliedstaaten. Hierüber hatten wir bereits im Juli 2013 berichtet. Als erstes EU-Mitglied war Großbritannien auf die Barrikaden gegangen: Die Regierung zeigte sich nur dann bereit Angaben zu ihren Geheimdiensten zu machen, wenn alle übrigen EU-Mitgliedstaaten hierzu berichten würden. Erich Moechel hat vor einigen Wochen ein entsprechendes EU-Dokument geleakt. Dort heißt es, EU-US-Unterredungen sollen die Gebaren der Geheimdienste aussparen. Allerdings ist darin die Rede von einem “Entwurf”. Über das endgültige Verhandlungsmandat sickerte nichts außen.

Inhalte unterliegen strenger Schweigepflicht

Wir werden wohl kaum erfahren, wie nun der neue Innenminister de Maizière den US-Delegierten den Bauch pinselte. Denn die Inhalte der halbjährlichen Kungelrunden unterliegen strenger Schweigepflicht. Lediglich einige der besprochenen Tagesordnungspunkte werden mittlerweile gegenüber der Presse kommentiert.

Die britische Bürgerrechtsorganisation Statewatch übt deshalb heftige Kritik an den im verborgenen tagenden G6: Es gebe keine Bestimmungen zur Veröffentlichung der Tagesordnung oder von Protokollen. Auch ParlamentarierInnen erhalten keinen Zugang zu den dort verteilten Dokumenten. Zu den Aufgaben der jeweils ausrichtenden Regierung gehört die Gestaltung der Tagesordnung. In diesem Falle war also Polen hierfür verantwortlich. Die G6 ist auch mit geheimdienstlichen Aktivitäten und der Telekommunikationsüberwachung befasst. Dies hatte das Bundesinnenministerium in einer früheren Antwort bestätigt.

Dort hatte die Bundesregierung den informellen Charakter der G6 sogar hervorgehoben: Demgemäß gehe es den Beteiligten darum, sich über “Problemlagen in ihren Ländern” auszutauschen. Über die Ergebnisse des Treffens wurde jedoch wie üblich nichts bekannt.

Weitere inhaltliche Schwerpunkte des jetzigen Treffens waren laut der knappen Mitteilung der Pressestelle des Bundesinnenministeriums “Fragen zur künftigen Entwicklung des Bereiches Inneres und Justiz in der Europäischen Union”. Als wichtige Themen, zu denen sich die G6 verständigen sollten, gelten demnach “Reisebewegungen jihadistischer Kämpfer” sowie die nur allgemein angegebene “organisierte Kriminalität”.

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January 07 2014

Bundesregierung beauskunftet Reiseverbote des US-Heimatschutz auf Basis der “No Fly List”, “Selectee List” und “Terrorist Watchlist”

logo_dhsUnter dem Titel “Aktivitäten von US-Sicherheitsbehörden in der Bundesrepublik Deutschland” hat sich die Linksfraktion nach Kenntnisen der Bundesregierung zu Berichten der Süddeutschen Zeitung und des Norddeutschen Rundfunks erkundigt. Dabei geht es unter anderem um Sicherheitspersonal von US-Behörden an See- und Flughäfen (Frankfurt, Hamburg, Bremerhaven) und deren Befugnisse.

Viel Neues ist der heute offiziell online gestellten Antwort nicht zu entnehmen. Dass etwa das US-Heimatschutzministerium am Frankfurter Flughafen mehrere Hundert Betroffene jährlich am Boarding hindert war schon 2011 Gegenstand einer anderen Anfrage. Die Bundesregierung weiß davon und behauptet, es handele sich dabei um das Rechtsverhältnis der Fluglinien und US-Behörden. Dass die “No Fly-Empfehlungen” aber versteckte polizeiliche Zwangsmaßnahmen auf deutschem Hoheitsgebiet darstellen, wird schlicht ignoriert.

Dennoch weiß man im Bundesinnenministerium einiges zur “Terrorist Watchlist” (420.000 Personen), “No Fly List” und “Selectee List” (16.000 Personen):

Das Terrorist Screening Center (TSC) des FBI führt seit 2003 die Terrorist Screening Database (TSDB), auch bekannt als “Terrorist Watch List”. Weitere Listen mit Personendaten, die unter den Bezeichnungen “Selectee List” und “No-Fly List” bekannt sind, werden auf Basis der TSDB generiert und sind eine Teilmenge dieser. Die “Selectee List” umfasst Daten von Personen, die bei Einreise in die USA einem intensiveren Überprüfungsverfahren unterzogen werden. Die “No Fly List” enthält Daten von Personen, die nicht in zivilen Flugzeugen, die die USA anfliegen bzw. in den USA starten, befördert werden dürfen. Weiterhin dürfen Flugzeuge, die Personen von der “No-Fly List” befördern, den Luftraum der USA nicht überfliegen [...].

Erst durch einen Vortrag von Mark Koumans, dem stellvertretenden Abteilungsleiter für Internationale Angelegenheiten des U.S. Department of Homeland Security (DHS) wurde 2011 offenkundig, dass das DHS mehrere hundert Mitarbeiter auch innerhalb der Europäischen Union beschäftigt: Demnach arbeiteten damals 394 Bedienstete verschiedener DHS-Dienststellen an sieben Flug- und 23 Seehäfen, erklärte Koumans vor dem Weißen Haus. Unter ihnen sind mehrere verschiedene Behörden, darunter Zoll, Einwanderung und Küstenwache.

Koumans umreißt deren Aufgabe mit der “Sicherung und Handhabung unserer Grenzen, Verstärken und Verwalten unserer Einwanderungsgesetze, Schutz und Sicherung des Cyberspace, und Gewährleistung von Widerstandsfähigkeit gegen Katastrophen aller Art”. In der nun vorliegenden Antwort des Bundesinnenministeriums werden die Zahlen für Deutschland aktualisiert und nach den verschiedenen Sicherheitsbehörden aufgeschlüsselt.

Die Bundesregierung weiß angeblich nicht, in welchem Umfang in Frankfurt Reiseverbote verhängt werden. Koumans berichtete damals, dass innerhalb der EU allein in den ersten fünf Monaten 2011 für 1.323 Reisende eine “No-Board-Empfehlung” ausgesprochen wurde.

Die US-Heimatschutzbehörde arbeitet auch mit deutschen Polizeien zusammen, etwa bei der Beobachtung von Operationen der Grenzschutzagentur Frontex am Flughafen Frankfurt. In den von Wikileaks veröffentlichten Cables firmiert die US-Behörde gar als “DHS Frankfurt”. Gelobt wird, dass Frontex sogar die Macht hätte Festnahmen durchzuführen:

The power to detain and question people considerably enhances FRONTEX’s effectiveness in assisting German border control.

Da hat das “DHS Frankfurt” allerdings etwas gehörig mißverstanden: Die Hoheit für polizeiliche Zwangsmaßnahmen obliegt nicht Frontex, sondern weiterhin den Behörden der jeweiligen EU-Mitgliedstaaten.

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