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July 03 2013

Operation Delikatesse: Auch der Bundesnachrichtendienst zapft Unterseekabel an

Angeblicher Standort des angezapften Seekabels von "Operation Delikatesse" in Spanien.

Angeblicher Standort des angezapften Seekabels von “Operation Delikatesse” in Spanien.

Der Bundesnachrichtendienst hört ebenfalls Unterseekabel ab. Mehrere Journalisten berichten, dass der Dienst bis in die Neunziger Jahre einen der weltweit wichtigsten Telefonknotenpunkte angezapft hat. Bei mehreren solcher Abhörstationen kooperiert der BND mit Partnerdiensten wie aus Spanien, Italien, China und den USA.

Das Anzapfen von Unterseekabeln ist nicht nur Domäne von USA und UK, auch der deutsche Auslandsgeheimdienst Bundesnachrichtendienst tut das. Bereits 1996 berichteten Hans Leyendecker und Georg Mascolo im Spiegel:

In der 20 Jahre laufenden Operation “Delikatesse” hört der BND mit Hilfe der Spanier einen der weltweit wichtigsten Telefonknotenpunkte zwischen Europa und dem Nahen Osten und Nordafrika ab.

Auf dem angesehenen Blog PrivacySurgeon.com von Simon Davies bestätigt das auch der umstrittene, aber Geheimdienst-erfahrene Wayne Madsen:

Der Bundesnachrichtendienst (BND) und die spanische Oberste Zentrale für Verteidigungsinformationen (CESID) haben gemeinsam die Operation “Delikatesse” durchgeführt, mit der sie ein Unterseekabel im spanischen Conil de la Frontera angezapft haben. Die Abhör-Station hat die Kabel angezapft, die das spanische Festland mit den Kanarischen Inseln, anderen Mittelmeer-Staaten und Afrika verbunden hat. Der BND hat den Betrieb der Station im Jahr 1992 an den CESID übergeben, aber wie in all diesen Vereinbarungen sind deutsche Geheimdienstler wahrscheinlich für weitere Unterstützung vor Ort geblieben.

Die Abhör-Station befindet sich auf der “Militärstraße” in Conil de la Frontera in der Nähe der Satelliten-Bodenstation von Telefónica.


Im (uneinschätzbaren, per Google gefundenen) Forum SigInt-Group.org wurden Satellitenbilder des vermeintlichen Standorts gepostet.

Auch im italienischen Lecce soll der BND eine solche Abhör-Kooperation haben.

Das WDR-Magazin “Monitor” berichtete 2000 von einer weiteren Anlage im Pamir-Gebirge, das zusammen mit dem chinesischen Geheimdienst betrieben worden sein soll:

Das Magazin berichtete, dass der BND unter anderem Aufklärungsergebnisse seiner Abhörstation im Pamir-Gebirge an den russischen Geheimdienst liefere. Der BND beobachte von dort vor allem Ausbildungslager islamischer Soldaten, die im Tschetschenien-Krieg kämpften. Außerdem könnten mit der Abhörstation im Drei-Länder-Eck China, Pakistan, Afghanistan tschetschenische Militäroperationen im 2500 Kilometer entfernten Kaukasus beobachtet werden. Der BND habe außerdem Informationen über Flüchtlingslager in Inguschien und Georgien an den FSB weiter gegeben.

Der Leyendecker/Mascolo-Artikel weiter:

BND weltweit: In mehr als hundert Ländern spähen Geheime für Deutschland. Meistens in Botschaften getarnt, fast immer unter der Deck-Adresse “zweites Politikreferat”. Rund tausend “Horchfunker” durchforsten täglich den Äther, zeichnen Telefonate, Funkgespräche, Telexverkehr und Telefaxe auf. Aussiedler und Asylanten werden systematisch abgehorcht. An jedem Grenzübergang sollen Grenzer für die Geheimen nach “Fundsachen von nachrichtendienstlichem Interesse” Ausschau halten, Pässe und Dokumente fotografieren. […]

Nach Amerikanern und Engländern ist der BND die Nummer drei in der elektronischen Aufklärung. Ob beim Telexverkehr arabischer Universitäten oder beim serbischen Militärfunk – der BND hört mit.

Sogenannte Wortbanken, die mit rund 25000 Kombinationen von Wörtern (“Hit-Words”) gespeist sind, selektieren täglich Zehntausende interessanter Telexe und Telefonate. […]

Mathematiker knacken weltweit die schwierigsten Codes, hochmoderne Computer übersetzen automatisch abgefangene Telexe und Telefonate.

Madsen berichtete Davies über eine weitergehende Zusammenarbeit von Deutschland mit den amerikanischen Diensten:

Madsen nannte sieben EU-Staaten, die beträchtliche Kommunikationsüberwachung zusammen mit den USA durchführen. Das sind Großbritannien, Dänemark, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien. Diese sieben Staaten sind offiziell Partner zweiter und dritter Klasse unter den SIGINT-Abkommen der USA und sind vertraglich an die USA gebunden.

Wie gesagt: Madsen ist als Verschwörungstheoretiker umstritten, weswegen Guardian und Welt Veröffentlichungen mit manchen seiner Aussagen zurückgezogen haben. Davies steht aber zu diesen seiner Aussagen.

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June 24 2013

TAT-14: Britischer Geheimdienst zapft auch deutsches Glasfaser-Kabel an

tat-14Unter den mehr als 200 Glasfaser-Kabeln, die der britische Geheimdienst GCHQ anzapft und abhört, ist auch das Kabel TAT-14. Das berichtet sueddeutsche.de unter Berufung auf Dokumente des Whistleblowers Edward Snowden. Über dieses Kabel wird “ein großer Teil der deutschen Übersee-Kommunikation abgewickelt”.

John Goetz, Hans Leyendecker und Frederik Obermaier berichten:

Wie aus geheimen Dokumenten hervorgeht, über die der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden verfügt, hat nach Recherchen des NDR und der Süddeutschen Zeitung der britische Nachrichtendienst Government Communications Headquarters (GCHQ) unter anderem das Glasfaserkabel TAT-14 ausgespäht, über das ein großer Teil der deutschen Übersee-Kommunikation abgewickelt wird.

(Woher kommt eigentlich die Unsitte, die Original-Quelle nicht mit zu veröffentlichen? Falls die jemand hat: wir tun das gerne.)

Die Wikipedia:

TAT-14 ist die Abkürzung für Transatlantisches Telefonkabel Nr. 14, ein leistungsfähiges Unterwasserkabel, das Nordamerika über zwei Strecken mit Europa verbindet.

Süddeutsche weiter:

Beim Ausspähen sollen dem britischen Geheimdienst zwei Telefongesellschaften behilflich gewesen sein. Angeblich handelt es sich dabei um Vodafone und British Telecommunications (BT).

Deutscher Teilhaber der Datenleitung ist die Deutsche Telekom. Dem Unternehmen liegen nach eigenen Angaben “keine Erkenntnisse” zum britischen Lauschprogramm vor.

Vorhin im Bundestag sagte Ulrich Weinbrenner aus den Innenministerium noch:

Wir wussten nur von PRISM nichts. Von der grundsätzlichen Überwachung waren wir nicht überrascht. Das kann niemand behaupten, der sich damit beschäftigt. Was Angela Merkel gesagt hat, weiss ich auch nur aus der Presse.

Bereits letzten Donnerstag haben wir berichtet, wie die NSA Glasfaserkabel anzapft.

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