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February 11 2012

Wie die BamS eine Guttenberg-Party inszenierte

Am Freitag, den 10.02. besuchte ich zusammen mit einem Freund den auf Zeit Online angekündigten “Guttenberg Carnival in der ‘Wohngemeinschaft.’” Wenige Tage zuvor war Karl-Theodor von und zu Guttenberg in dieser kleinen Kneipe des Berliner Stadtteils Friedrichshain von Anonymous und den “digitalen Konditioren” bei seinem Versuch, als EU-Berater für Netzfreiheit ein politisches Comeback vorzubereiten, getortet worden.

Die Reaktion der Betreiber, aus dem Medien-Event, das sich in ihren Gemäuern ereignet hatte, einen kleinen PR-Gag zu machen, empfand ich eigentlich als nachvollziehbar und recht sympathisch. Sie hatten sowohl Anonymous- als auch Guttenberg-Masken vorbereitet und auch an kleinen Törtchen bestand kein Mangel. Sogar einen DJ hatte man für den Abend engagiert.

Als wir die kleine Bar gegen 21 Uhr betraten, hatten bereits einige Gäste die verteilten Masken vor sich liegen und machten in kleineren Gruppen vereinzelt Scherze über den Plagiator und seine Bloßstellung. Ansonsten aber schienen sie sich auf ihre Gespräche zu konzentrieren, wenn sie gerade nicht vom Personal belästigt wurden, das sie immer wieder aufforderte, mit den Masken für Photos zu posieren.

Die dominierenden Sprachen waren Französisch und Spanisch, was uns dann doch sehr verwunderte. Hatte der Betrug des Herrn Guttenberg etwa sogar europaweit Wellen geschlagen, so dass sogar Erasmus-Studenten und Touristen seine Tortung feiern wollten? Ein junger Mann mit einer professionellen Foto-Ausrüstung erhärtete aber bald meinen Verdacht, dass hier mehr als nur eine kleines gemütliches Zusammensein bei Kaffe und Kuchen geplant war.

Gegen 22:00h füllte sich die Kneipe schlagartig und der Fotograf begann, die Anwesenden zum Aufsetzen der Masken aufzufordern. Das Personal verteilte kleine Törtchen und auf Kommando des Fotografen, der inzwischen auf einem Hocker stand, positionierte sich das maskierte Publikum vor dem Tresen. Spätestens jetzt bemerkte ich, dass hier etwas inszeniert werden sollte und begann, aus meiner entfernten Perspektive das Geschehen zu fotografieren.

Dass die Gäste größtenteils nicht deutsch sprachen, hatte bereits meine Zweifel daran genährt, dass sie mit den Hintergründen, geschweige denn der Bedeutung der Aktion, überhaupt vertraut waren. Die Aufforderungen des Fotografen, näher zusammen zu rücken, um für ein Bild zu posieren, sollte mich bestätigen.
Das Publikum begann, sich wahllos gegenseitig zu torten – natürlich jeweils nur auf Kommando des Fotogragen. Dabei war es egal, ob das ‘Opfer’ nun eine Guttenberg- oder Anonymous-Maske trug, was auf eine weitgehende Unkenntnis sowohl des Vorgangs, als auch der Randbedingungen schließen ließ.
Dem Fotografen schienen solche Details ziemlich egal zu sein. Hauptsache, alle standen eng beieinander und machten viel “Action”.

Nach wenigen Minuten war das Foto-shooting beendet und man widmete sich wieder seinen Getränken und Gesprächsrunden. Der Fotograf verließ kurz danach die Kneipe. Ich folgte ihm, um ihn nach seinem Auftraggeber zu fragen.

Es war –natürlich – die Bild am Sonntag.

Nach allem, was ich beobachtet hatte, überraschte mich das überhaupt nicht mehr. Es war viel mehr die Bestätigung des faden Beigeschmacks, den ich nicht erst seit dem Betreten der Kneipe, sondern schon beim Lesen der Ankündigung “des Events” verspürt hatte. Von der Bild am Sonntag ist wohl nichts anderes zu erwarten – von den Kneipiers und war ich aber mehr als enttäuscht.

Auf die morgige Ausgabe der BamS bin ich aber mehr als gespannt. Die Inszenierung der Bilder lässt auf eine noch weitreichendere Verzerrung der inszenierten Tatsachen hoffen.

Die BamS mal bei der “Recherche” zu sehen, war auf jeden Fall eine erhellende Erfahrung.

February 05 2012

Zu Guttenbergs Homepage gehackt

Offenbar in Bezug auf die in der Netzgemeinde umstrittene Tortung Karl Theodor zu Guttenbergs am vergangenen Donnerstag wurde am Sonntagmorgen die Homepage des Ex-Wirtschafts- und Verteidigungsminister verunstaltet.

So erklärt sich der designierte Berater der EU-Kommisarin für die digitale Agenda Neelie Kroes zum neuen Bundeskuchenminister. Der im Quelltext der gehacketen Seite als Urheber genannte IT-Sicherheitexperte Stefan Esser streitet auf Twitter eine Beteiligung an dem Defacement ab.

Hier der auf der gehackten Homepage veröffentlichte Text:

Mit Freude geben wir bekannt, dass Karl-Theodor zu Guttenberg am heutigen Tag zum Bundeskuchenminister ernannt wurde.
In seiner Antrittsrede betonte er: “Ich werde dies mit all meinem Wissen und Gewissen ausüben und stehe den neuen Aufgaben positiv gegenüber welche mich begleiten werden. Als Bundeskuchenminister ist es meine Aufgabe, die Kuchengesetze der Bundesrepublik Deutschland zu wahren und dafür zu sorgen, dass wir auch weiterhin in Frieden essen können.”

March 05 2011

Bilder von Pro-Guttenberg Demonstration in Berlin (Update)

Schafft es eine Facebook-Gruppe mit mehr als 570.000 Unterstützern, den Protest auf die Straße zu bringen? Und wieviele werden da kommen? Das war die spannende Frage der vergangenen Tage, als die rasant wachsende “Wir wollen Guttenberg”-Facebook-Gruppe der Öffentlichkeit zeigen wollte, dass man wirklich hinter dem zurückgetretenen Verteididigungsminister steht. Die Antwort ist recht einfach: Nein.

In Berlin waren mehr Spaßdemonstranten und Journalisten als tatsächliche Guttenberg-Fans auf dem Pariser Platz vor em Brandenburger Tor erschienen. Sie forderten “Monarchie – jetzt oder nie”, “Wir wollen Gutenberg zurück”, “Guttenberg muss Kaiser werden”, “Back for Gutt” oder “Wir sind Dein Volk”.

Vereinzelt waren auch Thor Steinar – Fans unter den tatsächlichen knapp 30 Pro-Guttenberg-Fans erschienen. Andere Fans trugen Schilder wie “Aufstand gegen die Meinungsmacher”, “Doktor der Herzen” und “Köpfe ab bei ZDF und ARD”.

Hier ist ein Interview mit dem Demoanmelder:

Update: Es gibt jetzt ein Bekennerschreiben der Hedonistischen Internationalen zur Berliner Demo: Hedonistische Internationale meldete Berliner Pro-Guttenberg-Demonstration an.

Berlin/Hamburg, 5. März 2011 – 500.000 Fans aufs Facebook – und keiner in der Lage eine Demonstration rechtmäßig anzumelden. Aufgrund dieser haltlosen Situation sah sich sich die „Monarchohedonistische Front“ der Hedonistischen Internationale gezwungen, dies als “Initiative Pro Guttenberg” selbst zu tun. Eine weitere angemeldete Pro-Guttenberg-Demonstration verzichtete daraufhin auf die Durchführung und schloss sich mit ihren erwarten 1000 Teilnehmern der Demonstration der „Initiative Pro Guttenberg“ an.

Der Anmelder Alexander Müller zeigte sich über diesen Schritt zufrieden: „Wir freuen uns sehr über die dadurch gewonnenen zusätzlichen 14 Demonstranten christdemokratischen Hintergrunds.“

Als Zeichen der Freundschaft zu Guttenberg hatte die Initiative Demonstrationsschilder mit Forderungen wie “Jetzt oder nie – Monarchie!”, “Wir sind dein Volk” , „Back for Gutt“ oder „Guttenberg von Gott gesandt, für unser Deutsches Land“ vorbereitet. Die Christdemonstranten und Guttenberg-Anhänger nahmen diese Schilder dankbar entgegen und gliederten sich in die monarchohedonistischen Reihen ein. Unter ihnen die Junge Union Wuhletal, die mit einem Transparent “Wir sind die Gutten!” angereist war.

In einer Rede wurde uneingeschränkte Solidarität mit Guttenberg gefordert und klargestellt, dass ein Delikt eines Kavaliers, nur ein
Kavalisiersdelikt sein können. Besonderes Lob galt der Kanzlerin, die über dem vorläufigen politischen Tod Guttenbergs hinaus selbigem die Treue halte.

Anmelder Müller weiter: „Ich bin beeindruckt, dass das ganze Volk – von Kommunisten bis Monarchisten – hinter Guttenberg steht. Der 5. März wird als Auftakt und Sternstunde der Kommenden Deutschen Monarchie in die Geschichte eingehen.“

Auch in Hamburg konnten sich Monarchohedonisten in der von der Jungen Union angemeldeten Demonstration Ausdruck verschaffen. Sie wurden von gewaltbereiten Guttenberg-Gegnern, die sich als Junge Union-Anhänger ausgaben, tätlich angegriffen.

Viele schöne Bilder hat auch @fotografiona auf Flickr gepostet. Die Fotos stehten unter der CC-BY-Lizenz und können unter Quellenangabe “Fiona Krakenbürger” nach den Bedingungen der CC-Lizenz gerne verwendet werden.

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Sascha Lobos Guttenfake-Crowdsourcing (Update)

Update: Sascha Lobo hat eine Auswertung der eingegangenen Daten & Hinweise gepostet. Kurzfazit, wie bereits von Marcus Schwarz und mir “befürchtet”: Die Guttenberg-Fans sind wohl “weitgehend echt”. /Update

Wow, Sascha* hat mit seinem Aufruf “Betrügt die Guttenberg-Seite auf Facebook mit den Fan-Zahlen?” seit gestern bereits über 700 Kommentare eingesammelt. Klar, das Thema bewegt und lesenswert sind seine Gedanken auch:

Schummelt irgendjemand (muss ja nicht der Seiten-Admin sein) mit der Facebook-Page “Wir wollen Guttenberg zurück”? Lasst uns versuchen, es gemeinsam herauszufinden – wie, das steht in diesem Artikel.

Nachtrag, Freitag, 20:15 – ich habe ein Google Doc publiziert namens “Facebook Fake Finding Force”, kurz: #4F, in dem die bisherigen Erkenntnisse gesammelt werden, die in den Kommentaren und auch per Mail an mich eingetroffen sind. Kurzlink ist http://1.ly/FakeFindingForce

Falls jemand sein Wochenende am Taschenrechner verbringen will: Viel Spaß.

Marcus Schwarz hat sich in seinem Blog für die Rhein-Zeitung ebenfalls mit dem Thema beschäftigt:

Ich konnte einen Teil der Guttenberg-bei-Facebook-Mechanik überprüfen, einen Blick in den Maschinenraum der Seite werfen. Der Betreiber hat mir vertrauensvoll einen Adminzugang zu der Seite und damit zur Facebook-Statistik eingeräumt. [...]

Wie groß der Anteil dieser manipulierenden Nutzer und Fake-Accounts ist, lässt sich aus dieser Statistik nicht herauslesen. Ich halte ihren Anteil aber für geringer als befürchtet: Keine Partei scheint mir in der Lage, das Fachwissen zum Ankaufen oder Selbst-Erstellen von Facebook-Fake-Accounts gezielt für eine Ad-Hoc-Nummer wie nach Guttenbergs Rücktritt in diesem Ausmaß zusammenzustellen und so gezielt und heimlich zu nutzen.

Auch wenn ich Marcus Schwarz Befürchtung teile, bzgl. des Fachwissens bin ich deutlich anderer Meinung. Das dürfte in Unterstützerkreisen entspannt vorhanden sein. Die Frage ist eher, ob jemand bereit ist, eine solche Kampagne zu finanzieren. Bevor ich mich da nun ins juristische Abseits spekuliere, verweise ich aber lieber auf  tatsächlich unterstützenswerte “Pro Gutenberg”-Aktionen bei Facebook.

Schönes Wochenende!

*Da kommt zusammen, was zusammen gehört … Sorry, nein, ich werde keinen doofen Witz auf Saschas Kosten machen, nur um einen fluffigen Einstieg zu haben. Auch wenn das an dieser Stelle evtl. erwartet wird. Tatsächlich schätze ich Sascha sogar für seine klugen Gedanken jenseits der Eigen-PR, die für manche wie Trommeln zum Handwerk gehört.

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March 04 2011

Guttenberg-Rücktritt und das Netz

Stern.de hat anhand des Guttenplag-Wiki und in Verbindung mit Ägypten & Co etwas zum Erstehen der fünften Gewalt durch das Netz veröffentlicht: Guttenberg-Rücktritt und das Netz: In den Fängen der digitalen Bürger.

Neu ist, dass sich dieser Raum erweitert hat, dass eine neue Ebene, eine neue Plattform entstanden ist, auf der politisch gehandelt werden kann. Dieser neue Raum, das “Netz”, war zunächst vor allem von Freaks mit dicken Brillengläsern bevölkert, dann von ein paar progressiven Graswurzel-Aktivisten. Spätestens seitdem ein Facebook- oder ein Twitter-Konto genügt, um sich im Netz einzumischen, ist das Internet ein Jedermann-Forum geworden, ein Bürgermedium. “Die sozialen Medien – Facebook, Twitter – haben sich in den letzten Jahren sehr stark weiterentwickelt, was ihre Nutzerfreundlichkeit betrifft, aber auch was die Möglichkeiten der Nutzer anbelangt, Informationen mit anderen zu teilen”, so Markus Beckedahl, Netzaktivist und Betreiber des Blogs Netzpolitik.org. “Gleichzeitig hat sich eine Kulturpraxis der Offenheit entwickelt: Für viele Internetnutzer ist es selbstverständlich, offen zusammenzuarbeiten. Neue politische Player entstehen so und bilden Netzwerke um sich herum.”

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