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February 14 2014

I ❤ Free Software

I love Free Software!

2010 hat  Matthias Kirschner, Vizepräsident der Free Software Foundation Europe, den “I love Free Software”-Tag ins Leben gerufen. Es geht darum, am Valentinstag nicht nur dem Blumen- und Pralinenkommerz nachzugehen, sondern an die Free Software Community zu denken und ihnen für ihre unermüdliche Arbeit zu danken. Jeder kann beim #ilovefs-Tag mitmachen und die FSFE und gibt Tipps, wie man den Entwicklern seine Dankbarkeit zeigen kann:

  • Schicke Entwicklern Freier Software einen Dankesbrief oder eine Mail
  • Verbreite unter dem Hashtag #ilovefs, warum du Freie Software liebst
  • Schreibe über den #ilovefs-Tag und platziere ein Banner auf deiner Homepage
  • Umarme einen Entwickler oder kaufe ihm ein Getränk
  • Erzähl deinen Kollegen von Freier Software
  • Sende ein Buch an Deinen Lieblingsentwickler
  • Schick der FSFE ein Bild, dass Deine Gefühle für Freie Software ausdrückt. 
  • Spende an die FSFE oder eine andere Freie Software-Initiative.

Und wenn dir das noch nicht genug ist, hör dir den Free Software Song an.

Join us now and share the software;
You’ll be free, hackers, you’ll be free.
Join us now and share the software;
You’ll be free, hackers, you’ll be free.

Hoarders can get piles of money,
That is true, hackers, that is true.
But they cannot help their neighbors;
That’s not good, hackers, that’s not good.

When we have enough free software
At our call, hackers, at our call,
We’ll kick out those dirty licenses
Ever more, hackers, ever more.

Join us now and share the software;
You’ll be free, hackers, you’ll be free.
Join us now and share the software;
You’ll be free, hackers, you’ll be free.

Wir wollen netzpolitik weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

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December 23 2013

Kampagne sammelt Geld für iOS7-Open-Source-Jailbreak

Die Plattform isios7jailbrokenyet.com sammelt Geld für den ersten erfolgreichen Jailbreak von iOS7, der in einer Open-Source-Version verfügbar ist. Die Idee dahinter ist, dass die Macher der Meinung sind, dass Menschen die Freiheit haben sollten, ihre eigenen Devices auch kontrollieren zu können. Bisher kamen mehr als 10.000 Dollar zusammen und warten auf einen Gewinner.

Ein zusätzlicher Punkt der Kampagne ist, darauf hinzuweisen, dass z.B. viele Menschen mit Behinderung bestimmte Tools nicht verwenden können, weil Apple diese Werkzeuge nicht zulässt. Einer der Macher beschreibt seine eigene Motivation:

I have Stargardt’s Macular Degeneration, which is a genetic condition affecting ~1/10,000 people. There is no cure and it will leave me legally blind (it only affects my central vision). I found out about 3 years ago when I had 20/20 vision. Now I’m ~20/60 and can no longer drive. Reading is pretty difficult as well. This is when I started researching accessibility and working on my current project Conversant Labs, which is building iPhone apps for the blind. I decided to launch this campaign because jailbreaking iOS7 is a critical stopgap toward ensuring the disabled can best use the devices they own.

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December 19 2013

Crowdfunding-Kampagne für besseres GNUPG

logo_gnupgDie freie Verschlüsselungssoftware GNUPG startet eine Crowdfunding-Kampagne, um eine neue Version zu finanzieren und außerdem die eigene Webseite sowie das Weiterbildungsangebot ausbauen zu können. GNUPG ist die Mailverschlüsselung meiner Wahl und ich unterstütze das freie Projekt gerne.

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November 11 2013

FixUbuntu: Ubuntu datenschutzfreundlicher nutzen

Seit der Version 12.10 aus dem vergangenen Jahr sucht Ubuntunicht nur lokal, sondern schickt die Suchanfragen auch raus ins Netz, um wiederum Amazon-Inhalte einzubinden und das Projekt mit zu refinanzieren. Nicht jeder findet das toll und deshalb hat der EFF-Mitarbeiter Micah Flee die Seite fixubuntu.com ins Netz gestellt. Auf der Seite findet sich Code, der in ein Temrinal kopiert die Suchanfragen nach draußen unterbindet und die Privatsphäre der Nutzer schützt.

Soweit so gut. Die Seite hatte relativ wenig Aufmerksamkeit, bis sich Canonical, die Firma hinter Ubuntu meldete und ihren Juristen mit dem Markenrecht wedeln ließ. Ihr könnt Euch vorstellen, wie das nach hinten los ging. Canonical-Gründer Mark Shuttleworth entschuldigte sich im Firmen-Blog, Micah Flee hat einen Disclaimer dazu geschrieben und immer mehr Ubuntu-Nutzer sind dadurch auf diese Möglichkeit aufmerksam geworden, diese externe Suche zu unterbinden. Wenn Ihr das noch nicht gemacht habt, kopiert einfach den Code von der fixubuntu-Startseite in ein Terminal.

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September 27 2013

Happy birthday! Das GNU-Projekt feiert 30. Geburtstag

Happy birthday GNU! Vor 30 Jahren startete Richard Stallman die Entwicklung des GNU-Projektes, was später dann u.a. zu Linux führte und die Grundlage dessen ist, was wir heute Freie Software nennen. Und mit dafür verantwortlich ist, dass das Internet so geworden ist, wie wir es nutzen. Und noch vieles mehr.

Glyn Moody hat den ersten Beitrag von Richard Stallmann in der net.unix-wizards newsgroup rausgekramt: The Birth of a GNU Era.

Und auch die Free Software Foundation Europe gratuliert und feiert, dass es sie gibt: Changing the world: The GNU project turns 30.

“Without the GNU project and the Free Software movement that it inspired, our everyday lives – and the Internet – would be a very different place right now,” says Karsten Gerloff, President of the Free Software Foundation Europe. [...] “The GNU project has acted as the starting point of a movement that makes sure we can control technology, and not technology controlling us,” says Matthias Kirschner, FSFE’s head of Public Awareness.

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September 25 2013

Routerzwang: FSFEs Schreiben zur Konsultation der Bundesnetzagentur

Immer mehr Provider untersagen, beliebigen Router verwenden zu dürfen. Nach einem Workshop im Juni bittet die Bundesnetzagentur nun um Stellungnahme. Die Free Software Foundation Europe hat zusammen mit Mirko Vogt von OpenWrt schon mal vorab folgendes Schreiben an die Bundesnetzagentur geschickt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Ziel der FSFE ist es, sicherzustellen, dass Benutzer selbstbestimmt Computer einsetzen können. Dieses grundlegende Prinzip wird von den Maßnahmen der ISPs in Frage gestellt.

ISPs bündeln Router mit ihren Angeboten und streben danach, dauerhaft diese IT-Geräte zu kontrollieren. Daher sind die Router dafür ausgerichtet das zu machen was der ISP möchte, aber nicht zwangsläufig an den Interessen der Benutzer. Durch die Kontrolle der Router haben ISPs und Hersteller die Möglichkeit auf die privaten Netzwerke hinter den Routern zuzugreifen. Dies ist kein theoretisches Problem: Die Router sind meist so konfiguriert, dass nur noch der Hersteller/ISP diese konfigurieren kann. Damit hat dieser auch uneingeschränkten Zugriff in das eigentlich private Heimnetzwerk (LAN) des Kunden.

Die derzeitige Rechtsprechung nimmt den Kunden in die Pflicht, seinen Internetanschluss abzusichern. Der Kunde haftet an seinem Anschluss für alle Aktivitäten, die über seinen Anschluss passieren (Prinzip der Störerhaftung, siehe BGH-Urteil “Sommer unseres Lebens”). Kontrolle kann effektiv nur am Router erfolgen. Durch die Zwangsverwaltung und Vorschrift der zu verwendenden Hardware der ISPs verliert der Kunde jedoch die volle Kontrolle über seinen Internetanschluss.

Daher müsste der Provider auch im Fall einer unerlaubten Handlung nachweisen, dass der Router – beispielsweise durch unbemerkten Einbruch von außerhalb in die Firmware – nicht Teil des Problems war: Dem Kunden soll dieser Beweis ja in Zukunft verwehrt werden. Ohne die volle und alleinige Verfügungsgewalt über den Router, kann der Anschlussinhaber nicht verantwortlich gemacht werden. Die Haftung für eventuelle Schäden kann daher nur noch der ISP verantworten.

Auf Grund von sich deckenden Interessen der ISPs, beziehen diese Hard- und Software von identischen Herstellern. Die dadurch entstehende Monokultur ist ein Problem: Das Beispiel der im Juni 2012 bekannt gewordene WLAN-Sicherheitslücke bei von Arcadyan gerfertigen Geräten, welche unter anderem als “Telekom Speedport” oder “Vodafone Easybox” von den jeweiligen ISPs vertrieben werden, zeigt, dass diese Problematik real existiert. Der Zugang zum Internet sowie zum privaten Heimnetzwerk stand jedem offen. Benutzer waren hilflos und mussten auf ein Update hoffen (siehe dazu Heise “Wlan Hintertür in Telekom Routern” und “Wlan Lücke – Weitere Speedport Modelle betroffen”.) Ähnliche Vorfälle gab es auch bei anderen Herstellern wie z.B. Asus und D-Link.

Naturbedingt liegt der Angriffsvektor auf der breiten Masse. Nicht zuletzt aus diesem Grund besteht eines der größten Botnetze aus Routern. Router stellen das Tor zum Internet dar, da sie die Interneteinwahl vornehmen und entsprechend die einzige öffentliche, von außen erreichbare IP-Adresser erhalten, und müssen dementsprechend abgesichert und gepflegt werden.

Die Situation verschärft sich durch die bisherige Updatepolitik der Provider bei Ihren ausgelieferten Routern. Bedingt durch interne Prozesse sowie maßiven Einsparungen bei Einkauf und Entwicklung werden neue Revisionen der Routerfirmware zumindest mit erheblicher zeitlicher Verzögerung an den Endkunden ausgliefert. Dadurch besteht ein bekanntes und ausnutzbares Sicherheitsloch mehrere Monate, bis ein entsprechende Fehler am Router durch Aufspielen neuer Firmware geschlossen werden. Der Kunde ist in dieser Zeit schutzlos. Durch die Zwangshardware bleibt ihm keine Möglichkeit, das Problem selbsttätig oder mit Hilfe Dritter zu beheben.

Die Anforderungen der ISPs an einen Router unterscheiden sich stark von denen der Nutzer: Der ISP versucht ein möglichst günstiges Gerät zu produzieren, welches ein möglichst an das Angebot vom ISP angepasstes und beschränktes Funktionsset enthält.

Des Weiteren schränken ISPs durch die Bündelung von Routern mit ihren Angeboten den Wettbewerb für den Markt von Routern ein. Schon heute werden Router, welche mittlerweile vollwertige Computer sind, für mehr Aufgaben als das Routing verwendet. So können diese Geräte zusätzlich Dateien im Heimnetzwerk oder im Internet bereitstellen, Musik abspielen, als Druckerserver dienen oder Haushaltsgeräte steuern. Wenn jedoch der ISP bestimmt, welche Funktionen diese Geräte haben und welche verboten sind, schränken sie zukünftige Entwicklungen in diesen Bereichen ein. Da der ISP, aus Kosten- und Supportgründen, das Funktionsset bewusst so klein wie möglich hält, wird der Nutzer stark limitiert. Genannte, bei anderen Herstellern seit Jahren gängige Zusatzfunktionen, findet man bei den Routern der ISPs vergeblich. Nutzer müssen sich Zusatzgeräte kaufen und anschließen — sofern diese überhaupt kompatibel erstellt werden können.

Die Free Software Foundation Europe sieht durch das Bundling die Gefahr, dass Wettbewerber von Router-Hardware und -Software aus dem Markt verdrängt werden, die Preise für Router-Hardware stark steigen und nur wenige Anbieter verbleiben werden.

Prinzipiell kann aber jeder Computer mit Netzwerkschnittstelle die Funktion eines Routers übernehmen. Das Zurückhalten der Nutzerdaten durch den ISP hat schädliche Auswirkungen:

  • Verbraucher können keine Geräte mehr von Herrstellern kaufen, denen sie mehr Vertrauen entgegenbringen. Durch die Presseberichte der letzten Wochen werden Verbraucher ein starkes Bedürfnis haben sich abzusichern und ihre Privatsphäre zu schützen. Dazu zählt vor allem die Verwendung von Hardware und Software von entsprechend erfahrenen und spezialisierten Unternehmen. In den Wahlumfragen der FSFE fordern viele Parteien Privacy by Default bzw. Privacy by Design. Wenn die Internet-Zugangs-Passwörter oder auch die Passwörter für Internettelefonie nicht herausgegeben werden, können Verbraucher keine Geräte von Drittanbietern verwenden.
  • Verbraucher müssen viele unterschiedliche Geräte betreiben, obwohl Hersteller Funktionen, wie oben beschrieben, von Media-Center, über Druckserver bis zum Wlan-Access-Point, etc., mit der Router-Funktion kombinieren könnten. Verbraucher sollten selbst entscheiden können, welche Funktionen und welchen Stromverbrauch sie bei Computer in ihrem Haushalt haben wollen.
  • Verbraucher werden bei Anbieterwechsel zu einem Hardwarewechsel gezwungen während die alte Hardware für sie nutzlos wird und entsorgt werden muss.

Aus diesen Gründen fordert die FSFE, dass ISPs den Verbrauchern die Zugangsdaten standardmäßig zur Verfügung stellen müssen. Es muss für den Verbraucher möglich sein, die alleinige Kontrolle über alle Computer nach der TAE-Dose zu haben.

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September 18 2013

Landtagswahl Hessen: SPD und CDU enttäuschen, Grüne und Piraten punkten

Die Free Software Foundation Europe veröffentlicht heute ihre Freie-Software-Wahlprüfsteine für die Landtagswahl in Hessen am 22. September 2013. Mit den Fragen will die FSFE prüfen, inwieweit sich die Landesverbände mit den Themen auseinandergesetzt haben. Das Ergebnis davon:

Die Hessen CDU relativiert schon vor der Wahl alle ihrer Aussagen. Nach diesen Antworten braucht man sich keine Unterstützung der Landespartei für Freie Software erhoffen. Trotz wiederholter Nachfrage beantwortete die SPD keine der Fragen. Die FDP und Die Linke zeigen, dass sie Copy&Paste beherrschen: Sie haben die Antworten ihrer Bundesverbände 1:1 übernommen, was zwar eine generelle Zustimmung zur Bundesebene zeigt, allerdings eine Bewertung über den Kenntnisstand im Landesverband erschwert. Dagegen antworten Grüne und Piraten positive für die Verbreitung Freier Software, die Förderung von Freien-Software-Unternehmen in Deutschland und die Kontrolle über die eigene IT.

So sehen die hessischen Grünen in Freier Software die Möglichkeit zur Vermeidung der digitalen Spaltung. Sie wollen Freie Software und Offene Standards vorantreiben, da diese in vielen Bereichen des landespolitischen Handeln fördern. Von öffentlichen Geldern finanzierte Software soll als Freie Software veröffentlicht werden. Werbung für unfreie Software halten sie für unangebracht und technisch unnötig und wollen die öffentliche Verwaltung dazu aufklären. Festlegung auf einen Software-Hersteller soll in der Bildung vermieden werden. Weiterhin regen sie ein Gütesiegel für Freie Software an, um die irreführende Vermarktung mit dem Begriff zu unterbinden.

Dagegen relativiert die hessische CDU viele ihrer Antworten. Öffentlich finanzierte Software soll grundsätzlich der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden, außer wenn sie aus “lizenzrechtlichen oder hoheitlichen Gründen” entwickelt wurde. Sie ist für die Veröffentlichung von Elster-Formular als Freie Software, allerdings nur, wenn “keine sicherheitspolitischen oder wirtschaftlichen Gründe dagegen sprechen”. Sie trifft keine Aussage darüber ob öffentliche Einrichtungen bei beauftragter Softwareentwicklung die sämtliche Nutzungsrechte bekommen sollen. Betont aber, dass Software, die von der öffentlichen Verwaltung beauftragt wird, Gegenstand individueller Vereinbarungen ist.

Weiterhin will die CDU Werbung für “lizenzpflichtige Software” ausschließen. Daraufhin bezeichnet sie den Adobe Reader fälschlicherweise als “lizenzfrei” und vertritt die Position, dass es der Behörde obliegt, welches der “lizenzfreien Produkte als Service für das Lesen bereitgestellt wird”. Allerdings soll der Hinweis im Migrationsleitfaden umgesetzt werden. Dort steht auf Seite 172:

Werden PDF-Dokumente öffentlich bereitgestellt, sollten Behörden fairerweise zu deren Betrachtung nicht mehr ausschließlich den Adobe Acrobat Reader empfehlen, sondern beispielsweise die von der FSFE bereitgestellten HTML-Bausteine zum Download alternativer PDF-Betrachter in ihre Seiten aufnehmen.

Als bisheriger Koalitionspartner fordert die FDP die gebührenfreie Lizenzierung von Standards und will für plattformunabhängige Lehrmittel eintreten. Die CDU wiederum umgeht die Frage nach der Lizenzierung von Standards. Offene Standards sollen nach Ansicht der CDU Hessen in der Bildung nur dort verwendet “wo es sinnvoll” ist. Weiterhin unterstützt die CDU den Einsatz von unfreier Software in der Bildung, wenn die Privatwirtschaft dies benötigt.

Bei Softwarepatenten sieht die CDU Hessen nur in Einzelfällen Probleme und diese primär rechtlich und nicht politisch. Nur zur Verhinderung von Trivialpatenten kann sie sich durchsetzen. Im Gegensatz dazu hat die Bundes-CDU, sowie alle anderen im Bundestag bisher vertretenen Parteien, den interfraktionellen Antrag gegen Softwarepatente unterstützt und begründet.

Klare Aussagen wieder von den hessischen Piraten. Sie wollen öffentlich finanzierte Software dem Steuerzahler wieder zur Verfügung stellen. Grundbedingung dafür ist, dass die Verwaltung stets selbst den Quellcode bekommt. Die Öffentliche Verwaltung soll keine Werbung für unfreie Software machen, keine Nutzung von unfreier Software verlangen. Die Verwaltung und insbesondere Bildungseinrichtungen sollen schrittweise ihre gesamte technische Infrastruktur auf Freie Software umzustellen.

Während alle Parteien bis auf die CDU klar fordern, dass Nutzerinnen freier Betriebssysteme ihre Steuerdaten online übermitteln können sollen, gehen die Piraten weiter: Die Schnittstellen des Elster-Servers soll offen gelegt werden, damit alle Anbieter eigene Lösungen entwickeln können. Dann soll die Weiterentwicklung der bestehenden Software eingestellt werden und stattdessen als Freie Software veröffentlicht werden. Generell wollen sie sich für eine Bevorzugung von Freier Software in der Verwaltung einsetzen. Weiterhin wollen sie sich für die vollständige Kontrolle der Computer-Eigentümer sowohl im Bundestag als auch in gemeinschaftlichen Arbeitsgruppen von Bund und Ländern stark machen.

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September 09 2013

Podiumsdiskussion “Netzpolitik – Nur mit Freier Software?”

(Gastbeitrag von Erik Albers von der Free Software Foundation Europe.)

Kurz vor der Wahl zum 18. Deutschen Bundestag üben sich alle beteiligten Parteien mit Hochdruck im Wahlkampf und Stimmungsfang. Wie die Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2013 der Free Software Foundation Europe (FSFE) zeigen, wird dabei auch dem Thema Freier Software, Datenschutz und Autonomie der Verwaltung mehr und mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Doch wie sieht es eigentlich bei den Jungparteien, den Politikern von morgen, aus? Denkt die Junge Union eigentlich auch noch dass das Internet für uns alle Neuland ist?

Um das herauszufinden veranstaltet die FSFE an diesem Donnerstag, 12. September, eine Podiumsdiskussion zum Thema “Netzpolitik – Nur mit Freier Software?” mit namhaften Vertretern der Jugendorganisationen aller aktuell im Bundestag vertretenen Parteien sowie der Piratenpartei. Moderiert wird die Veranstaltung von der FSFE. Die Veranstaltung ist öffentlich, die Teilnahme kostenlos. Nach einer einführenden Vorstellung und anschließender Debatte wird die Diskussionrunde geöffnet und das Publikum hat die Möglichkeit eigene Fragen zu stellen.

Im Anschluss gibt es einen kleinen Stehempfang und damit Raum für weitere, persönlichere Gespräche.

Gäste des Podiums sind:

  • Anton Eplinus (Grüne Jugend) aus Hamburg, stellvertretender Koordinator Fachforum Netzpolitik und Kultur
  • Florian Häber (‘solid), Mitglied im Bundessprecher_innenrat
  • Kateryna Kremkova (Jungsozialisten), Arbeitsbereich Netzpolitik im Landesvorstand Berlin
  • Thomas Möhle (Junge Liberale) – Bundesarbeitskreis Netzpolitik und Medien, Stv. Landesvorsitzender der Jungen Liberalen Niedersachsen e.V.
  • Christian Wohlrabe (Junge Union), Referent für Netzpolitik und Digitalisierung bei der JU Deutschland
  • Florian Zumkeller-Quast (Junge Piraten), Vorsitzender der Jungen Piraten

Moderation: Free Software Foundation Europe Veranstaltungsort: Büro 2.0, Weigandufer 45, 12059 Berlin

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August 05 2013

Mailpile: Crowdfunding Kampagne für sicheren Webmail-Client gestartet

mailpile-logoSeit den Veröffentlichungen rund um die Spionagetätigkeiten der NSA, des GCHQ und auch des BND ist das Thema der sicheren Kommunikation im Internet populär wie kaum zuvor. Das meist genutzte Kommunikationsmittel, privat wie auch beruflich, ist dabei die E-Mail. Viele Menschen greifen dabei auf einen der großen Mailanbieter, wie Google, Microsoft oder GMX, zurück. Das Problem daran ist, dass die verschickten und empfangenen Nachrichten auf den Servern jener Konzerne liegen, teilweise gar in den USA, was den Zugriff amerikanischer Behörden auf die eigene Kommunikation erleichtert. Um wieder die Kontrolle über seine eigenen Mails zu erlangen, wurde nun das Projekt Mailpile gestartet. Ziel ist es, einen freien und offenen Webmail-Client zu entwickeln, der auf dem eigenen Computer oder Server läuft und mit dem ohne Zusätze per OpenPGP verschlüsselt kommuniziert werden kann.
 

Mailpile_0_1_Interface_Compose

Erster Entwurf des Interfaces von Mailpile



Vorangetrieben wird das Projekt von Bjarni Einarsson, Gewinner des Nordic Free Software 2010, Smári McCarthy, Direktor des International Modern Media Institute und Mitglied der isländischen Piratenpartei, sowie Brennan Novak. Damit Mailpile ein Erfolg wird und möglichst schnell fertig gestellt werden kann, benötigen die Entwickler allerdings finanzielle Unterstützung. Aus diesem Grund wurde nun eine Crowdfunding Kampagne auf Indiegogo gestartet. Ziel ist es bis zum 10. September 100.000 Euro einzunehmen, um bis zum Januar 2014 eine erste funktionsfähige Alpha-Version veröffentlichen zu können. Diese soll sowohl auf einem Server sowie auf dem eigenen Rechner laufen können und ein intuitives Interface bieten. Großes Augenmerk wird darüber hinaus in die Suchfunktion und die integrierten Verschlüsselungsmöglichkeiten von Mailpile gelegt. So sollen beispielsweise nicht nur die Mails an sich, sondern auch die Suchanfragen und die Einstellungen verschlüsselt werden können.

Sollten mehr als 100.000 Euro eingenommen werden, soll nach Aussagen der Entwickler auch eine Mehrbenutzerversion für Familien, Freunde oder kleine Unternehmen entwickelt werden. Auch eine eingebaute Unterstützung von XMPP (Jabber) soll folgen. Die Veröffentlichung einer ersten stabilen Version ist nach jetzigem Stand für den Sommer 2014 geplant. Ausführliche Informationen zu Mailpile findet ihr auf der Homepage des Projekts sowie direkt auf der Kampagnenseite bei Indiegogo. Wer sich den Quellcode ein wenig genauer ansehen möchte, findet diesen auf github.

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July 26 2013

FSF: Spendenkampagne für freies Android Replicant gestartet

replicant_bannerDas Mobilfunkbetriebssystem Android, das von Google entwickelt wird, gilt allgemein als freies Betriebssystem. Auch wenn das Betriebssystem Open Source ist, ist es aber nicht frei von proprietärer, also unfreier, Software. Aus diesem Grund versucht das Projekt Replicant seit Mitte 2010 Android von seinen proprietären Teilen zu befreien und eine komplett freie Version von Android bereit zu stellen. Um die Arbeit an Replicant voranzutreiben hat die Free Software Foundation (FSF) nun eine Spendenkampagne gestartet.

Der derzeit aktuelle Version 4 des freien Betriebssystems Replicant unterstützt nach eigenen Angaben 10 Geräte, größtenteils Geräte des Herstellers Samsung. Um Replicant auf weitere Geräte portieren zu können und somit die Verbreitung des freien Android Systems verbessern zu können, wurde nun die Spendenkampagne der FSF ins Leben gerufen. Mit dem in der Spendenaktion gesammelten Geld sollen in erster Linie weitere Smartphones und Tablets für die Entwickler beschafft werden.

Wondering how much to donate? Any amount will help with Replicant’s infrastructure and promotion. $400-600 will allow the Replicant team to buy one new device and make the OS compatible with it.

Die Nutzung von Replicant anstelle von Android ermöglicht es dem Nutzer nicht nur, vollständig auf propritäre Software zu verzichten. Die Entwickler von Replicant betonen, dass ihr Betriebssystem frei von Googles sonst vorinstallierten Systemen zum Benutzertracking sei und so im, Gegensatz zu Android, den bestmöglichen Schutz der Privatsphäre biete.

Replicant ist dabei zur Zeit nicht das einstige Projekt, das versucht Alternativen zu den etablierten mobilen Betriebssystemen wie Android, iOS oder Windows Phone aufzubauen. So hat Canonical, der Sponsor der Linux-Distribution Ubuntu, erst vor einigen Tagen eine Crowdfunding-Kamapgne auf Indiegogo gestartet. Ziel der Kampagne ist es die Produktion und Vermarktung des Smartphones Ubuntu Edge zu finanzieren. Das Ubuntu Edge soll dabei mit Ubuntus mobilem Betriebssystem Ubuntu Touch laufen. Schließt man das Gerät jedoch an einem Monitor an, soll der Nutzer die normale Ubuntu Desktopumgebung erhalten. Canonical erhofft sich durch die Crowdfunding-Kampagne enorme 32 Millionen Dollar von denen bisher, nach knapp 3 Tagen, rund 6,4 Millionen Dollar eingenommen wurden.

Und erst am gestrigen Tag gab der spanische Hersteller Geeksphone bekannt, erste Vorbestellungen zu seinem Smartphone Peak+ entgegen zu nehmen. Das Peak+ ist damit das erste Smartphone mit Mozillas freiem Betriebssystem Firefox OS, dass sich an den Endkunden richtet. Das Peak+ kostet 149€ ohne Steuern und soll ab Mitte September ausgeliefert werden.

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July 12 2013

Neuer Snowden-Leak: Wer Microsoft seine Daten anvertraut, handelt fahrlässig

Wie bereits berichtet, kooperiert Microsoft aktiv mit der NSA. Microsoft bietet der NSA weitreichenden Zugriff auf die Kommunikationsdaten der Microsoft-Dienste Hotmail, Live.com, Outlook.com, SkyDrive und Skype. Was können wir daraus lernen?

1. Wer seine Daten Microsoft anvertraut, handelt fahrlässig. Wie FSFEs Präsident Karsten Gerloff schrieb: “Diese Enthüllungen machen deutlich: Wer seine Daten bei Microsoft lagert, handelt fahrlässig. Die Verantwortlichen für IT-Sicherheit und Datenschutz, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor, müssen jetzt dringend tätig werden und Maßnahmen zum Schutz ihrer eigenen Organisationen, ihrer Kunden und Klienten treffen.” Dies gilt natürlich nicht nur für Microsoft, sondern auch für andere “Klaut”-Dienste.

2. Bezüglich des Staatstrojaners: Entweder lügt das BMI, oder es lässt sich erfolgreich von Microsoft täuschen. Das Bundesministerium des Inneren (BMI) stritt ab, dass Microsofts “Voice-over-IP-Anbieter Skype bereits von sich aus die technische Möglichkeit biete, Gespräche auf Anforderung von Sicherheitsbehörden mitzuschneiden und einen Trojanereinsatz so unnötig zu machen.” (siehe Heise). Benötigen wir den Staatstrojaner jetzt eigentlich noch? Oder genügt die Kooperation der Nachrichtendienste, um an alle “relevanten” Daten zu kommen?

3. Unsere Daten streuen und dort speichern, wo wir den Menschen hinter den Diensten vertrauen! Wir sollten usere Daten enger bei uns behalten und nur mit Anbietern arbeiten, denen wir vertrauen. Wir sollten Anbieter wählen, die starke Verschlüsselung nutzen und die Daten, die gespeichert werden, minimieren (z.B. Konzepte wie “Wir Speichern Nicht!”). Große Anbieter wie Google Mail oder DE-Mail werden uns hier nicht weiterhelfen. Wir benötigen eine Vielzahl unterschiedlicher Anbieter, denen wir persönlich vertrauen können. Je höher die Anzahl der Anbieter, desto schwerer wird es für die NSA, direkten Zugriff auf die Daten aller Nutzer und die jedes und jeder Einzelnen zu kommen.

4. Wir können nur Freien-Software-Lösungen trauen. Wir benötigen Freie-Software-Lösungen für Groupware, Büroanwendungen und Betriebssysteme, welche von vielen Menschen öffentlich eingesehen und überprüft werden können. Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass ein Unternehmen “schon das Richtige für uns machen” wird. Wir benötigen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf Basis Freier Software, wie zum Beispiel GnuPG und Off-The-Record-Messaging (OTR). Des Weiteren erlauben jetzt schon Lösungen wie beispielsweise Jitsi sicherere Audio-, Video-, und Chat-Kommunikation als Skype.

5. Wir müssen auch bereit sein, für die Dienstleistungen zu bezahlen, die wir in Anspruch nehmen. Privatsphäre hat zwar ihren Preis, ist aber unbezahlbar für die Integrität unseres Lebens und unserer Gesellschaft. Wie bereits berichtet, hatte das Europäische Parlament nach den Enthüllungen zu Echelon die EU-Kommission zu konkretem Handeln aufgefordert. Was auch immer nach den aktuellen Enthüllungen als Handlungsempfehlungen herauskommt: Wollen wir weitere zwölf Jahre vergeblich warten? Oder besser die Entwicklung der Werkzeuge selbst fördern und fordern?

Wenn ja, müssen wir diejenigen Menschen und Unternehmen finanziell unterstützen, die freie Verschlüsselungssoftware für uns entwickeln. Genau jetzt ist der ideale Zeitpunkt, Programmierer freier Verschlüsselungssoftware wie z.B. die freie PGP-Implementation GnuPG mit einer Spende zu unterstützen!

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July 10 2013

Frankreich: Priorisierung von freier Software in Hochschulen gesetzlich festgeschrieben

Zum ersten Mal wurde in Frankreich ein Gesetz verabschiedet, welches die Priorisierung von freier Software festlegt. Wie April, eine französische Organisation zur Förderung von freier Software und offenen Standards, in einer Pressemitteilung erklärt, hat das französische Parlament ein Gesetz verabschiedet, welches den Einsatz von freier Software an Hochschulen fördern soll. Ziel des Gesetzes ist es, allen Personen einen gleichwertigen Zugang zu Bildungsangeboten anzubieten.

Der Gesetzestext in einer englischen Übersetzung, welcher am 3. Juli vom französischen Senat beschlossen wurde, lautet:

II. – In the aforementioned Education Code, Article L. 123-4-1 is reinstated and reads as follows:

“Art. L. 123-4-1. – The Public Service for Higher Education provides digital services and educational resources to its users.”

“Free Software is used as a priority.”


Dabei sah es lange so aus, als ob verschiedene Interessengruppen einen Vorstoß der französischen Regierung hätten blockieren können. So sprach Frankreichs Bildungsminister Vincent Peillon zwischenzeitlich von “rechtlichen Schwierigkeiten”, bei der Nutzung von freier Software im Hochschulbereich. Doch durch den Einsatz von Organisationen wie April konnte die Priorisierung von freier Software dennoch gesetzlich festgeschrieben werden. Dazu Jeanne Tadeusz, Aprils Öffentlichkeitsbeauftragte:

During the discussion of the bill on school reorganisation, the Government and MPs had clearly been manipulated by lobbies, which claimed that giving priority to Free Software was not possible. We welcome the positive move of the Government and MPs, who went back to rating general interest higher than the private interest of a few companies. Free Software is a way to make sure that everyone has access to information, and that students aren’t just consumers of digital products.

Das Gesetz muss nun nur noch vom französischen Präsidenten unterschrieben werden.

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July 03 2013

Bundestagswahl: Positionen der Parteien zu Freier Software

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Webseite der Free Software Foundation Europe (FSFE).

Die Free Software Foundation Europe veröffentlicht heute ihre Freie-Software-Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl am 22. September 2013. Alle darin aufgeführten Parteien bezogen Stellung zu den Fragen ob öffentlich finanzierte Software als Freie Software bereitgestellt werden muss, zur ElsterFormular Software, Kontrolle von Mobilen Geräten, Secure Boot, gebührenfreier Lizenzierung von Standards, Werbung für unfreie Software auf Webseiten der öffentlichen Verwaltung und Softwarepatenten. Erfreulicherweise haben die Parteien ihr Wissen seit der letzten Bundestagswahl bezüglich Freier Software klar verbessert.

Im Folgenden findet sich eine Zusammenfassung und Bewertung der vollständigen Antworten durch die FSFE. Des Weiteren ermutigt die FSFE Freie-Software-Aktivisten, diese Fragen und Antworten als Inspiration für eigene Fragen an weitere Kandidaten auf Bundes- wie auch auf Landesebene zu nehmen.

Erfreulich zunächst: SPD, Grüne, Piraten, Linke und die Freien Wähler wollen, dass von öffentlicher Hand beauftragte und finanzierte Software als Freie Software veröffentlicht wird. Die SPD schreibt „von der öffentlichen Hand finanzierte Software soll, soweit es geht, als Freie Software auch wieder der Allgemeinheit zur Verfügung stehen.“ Die Grünen fordern die Veröffentlichung als Freie Software bereits in ihrem Wahlprogramm (siehe FSFEs Übersichtsseite zu Wahl- und Parteiprogrammen in Deutschland) und begründen in ihrer Antwort die Forderung nach Veröffentlichung mit Vorteilen „wie größere und nachhaltigere Innovationspotentiale, Verbreiterung der Kompetenz im Umgang mit Software, aber auch sicherheitsrelevante Vorteile.“ Weiterhin kritisieren sie den Rückschritt weg von Freier Software im Auswärtigen Amt. Die Piraten und die Linke befürworten beide die generelle Veröffentlichung aller öffentlich finanzierten Inhalte. Die FDP geht nicht direkt auf die Frage ein sondern fordert generell „sowohl proprietäre, als auch Freie Software“ bei Ausschreibungen zu berücksichtigen.

Dagegen sieht die CDU „haushaltsrechtliche Hürden“ für die Veröffentlichung und Weiterentwicklung Freier Software durch die öffentliche Verwaltung. Dazu verweist sie auf einen Absatz der Bundeshaushaltsordnung (BHO § 63 Abs. 2). Die Bundesregierung schreibt jedoch im rechtlichen Begleitdokuments zum Migrationsleitfaden: Dieser Absatz „stellt also keine Begrenzung für die Weitergabe von Software dar“ (S. 41) und „[i]m praktisch wichtigsten Fall, der Fortentwicklung von GPL-Software, darf die Behörde die eigenen Entwicklungsanteile ohne Erhebung von Lizenzgebühren an Private weitergeben“ (S. 43). Dagegen sieht der Migrationsleitfaden das Problem der kostenlosen Weitergabe an Private bei vollständiger Neuentwicklungen sowie bei Fortentwicklungen von Non-Copyleft-Programmen. Unverständlich ist, warum die Union die BHO in 8 Jahren Regierungsbeteiligung nicht geändert hat, wenn sie dieses als Problem sieht. Des Weiteren soll laut CDU/CSU in jedem Einzelfall geprüft werden, ob die Software „mit naheliegenden Veränderungen so abgewandelt werden kann, dass sie zu gesetzlich verbotenen Zwecken eingesetzt werden kann”, und wenn dies zutrifft, soll diese nicht veröffentlicht werden.

Die Zurückhaltung der ElsterFormular-Software stößt bei den Parteien auf Unverständnis, Bedauern und Kritik. Die FDP macht auf die Plattformunabhängigkeit von der geplanten Version von Elsteronline aufmerksam, die auf Java verzichten soll. Sie bedauert jedoch, dass das ElsterFormular nicht plattformunabhängig zugänglich ist. Die Freien Wähler empfinden die gegebene Plattformabhängigkeit im Hinblick auf die Systemsicherheit unverständlich. Für die SPD ist die Bindung an einen Betriebssystemhersteller inakzeptabel, und sie will sich dafür einsetzen, „entsprechende Software auch für alternative Betriebssysteme bereitzustellen.“ Die Grünen wollen sich dafür einsetzen, dass auch Nutzerinnen und Nutzer freier Betriebssysteme das ElsterFormular nutzen können. Deutliche Kritik kommt von den Linken: „Die Bereitstellung des Elster-Formulars lediglich für Microsoft Windows und das Zurückhalten von GNU-Linux- und Mac OS X-Versionen durch das für die Entwicklung von Elster federführende Bayerische Landesamt für Steuern aus vermeintlich wirtschaftlichen Erwägungen ist inakzeptabel.“ Die Piraten sprechen sich außerdem für eine Veröffentlichung der Software und Dokumentation unter einer Freien Lizenz aus, auch wenn diese qualitativ schlecht wäre, um zumindest anderen die Möglichkeit einzuräumen, die Software weiterzuentwicklen.

Alle Parteien sind sich einig: Öffentliche Einrichtungen sollten sich bei der Beauftragung von Softwareentwicklungen sämtliche Nutzungsrechte (Zugriff auf den Quellcode, das Recht, die Software selbst oder durch Dritte weitzuentwickeln, das Recht die Software an andere weiterzugeben) einräumen lassen. Dazu die FDP: „Das macht unabhängig vom Hersteller und bietet Planungssicherheit und Freiheit bei der Dienstleisterwahl.“ Die SPD und die Grünen begründen ihre Forderungen vor allem aus Sicht der IT-Sicherheit. Laut der Linken soll der Staat „seine Verfügungshoheit sicherstellen und im Sinne der Allgemeinheit nutzen“. Die CDU will „einen besonderen Wert darauf legen, dass zukünftig Weiterentwicklungsmöglichkeiten der Software von Beginn an berücksichtigt werden.“ Piraten und Grüne verweisen darauf, dass staatliche Nutzungsrechte Bedingung sind, um – wie von beiden Parteien gefordert – Software der öffentlichen Verwaltung unter Freien Lizenzen zu veröffentlichen. Weiterhin wollen die Freien Wähler über eine Bestrafung für Beamte und Angestellte nachdenken, die für den Staat Verträge ohne diesen Nutzungsrechte unterschreiben.

Zur Kontrolle mobiler Geräte befragt, gehen die Parteien primär auf Datenschutzaspekte ein. Die SPD sieht „insbesondere das Recht auf informationelle Selbstbestimmung vor besonderen Herausforderungen.“ Grüne, Linke, Piraten und SPD fordern datenschutzfreundliche Technik als Grundeinstellung („Datenschutz durch Technik“), wohingegen CDU/CSU, FDP und Freie Wähler auf eine bessere Aufklärung der Bürger abzielen. Zu der Frage welche Rechte die Anwender über die Software auf diesen Geräten haben sollten – eine Frage, die von der FSFE z.B. mit ihrer FreeYourAndroid.org-Kampagne aufgeworfen wird – treffen die Parteien jedoch keine Aussagen.

Beim Thema “Secure Boot” sind sich zunächst alle Parteien einig: das Eckpunktepapier der Bundesregierung enthält wichtige Forderungen, die sie unterstützen und umsetzen wollen. „Mit der Implementierung von Secure Boot werden die Eigentümer von IT-Geräten in der Möglichkeit beschränkt, unabhängig und vollständig die Kontrolle über Inhalte und Anwendungen auszuüben”, so die Linke zur Problembeschreibung. Die FDP will „sicherstellen dass Nutzer eine informierte Entscheidung über ihre Geräte treffen können“ und die CDU möchte die Arbeit zu dem Thema auf nationaler und internationaler Ebene weiter verfolgen. In ihrer ausführlichen Antwort schreiben die Piraten: „Systeme, die den Nutzer daran hindern, bestimmte Software zu installieren, sind wirtschaftspolitisch nicht akzeptabel. Dies führt zwangsläufig zur Förderung von Oligopolen oder Monopolen im Softwaremarkt. Wichtiger noch ist aber die gesellschaftspolitische Bedeutung der Kontrolle über IT-Systeme [....]“ Die Grünen bezweifeln, wie die Bundesregierung „mit der großflächigen Bindung an Microsoftdienste“ das Eckpunktepapier umsetzen will und die SPD fordert eine „Initiative auf europäischer Ebene [...], damit diese Vorgaben nicht nur eine politische Willenserklärung bleiben, sondern tatsächlich eingehalten werden.”

Bis auf die CDU und die Freien Wähler befürworten alle Parteien explizit die gebührenfreie Lizenzierung von Standards. Die Grünen verweisen auf ihre Forderung aus der Enquete Kommission „Internet und Digitale Gesellschaft“ (EIDG), bei der sie die öffentliche Verwaltung zur Förderung der Interoperabilität und Zukunftsfähigkeit ihrer IT-Systeme konsequent auf den Einsatz offener Standards verpflichtet will, „um bei der Weiterentwicklung der Systeme nicht von den Interessen einzelner Marktteilnehmer abhängig zu sein.“ Kritik an SAGA kommt von den Linken und den Piraten. Die Linken sehen in restriktions- und lizenzkostenfreien Spezifikationen keinen Automatismus zur vermehrten Implementierung in Freier Software. „Hierzu sind der aktive politische Wille und ein initiatives Handeln der Bundesregierung erforderlich“ so die Linken. Die Piraten kritisieren, dass ODF in SAGA nur ein empfohlenes Format sei, was dazu führe, „dass in der Verwaltungspraxis immer noch unfreie Software und nicht-offene Formate eingesetzt werden können.“ SAGA verkomme so zu einem „Papiertiger“.

Bedauerlicherweise sieht die CDU kein Problem mit Werbung auf Webseiten der öffentlichen Verwaltung für unfreie Software, solange diese der Benutzerfreundlichkeit dienen. Die anderen Parteien lehnen diese Art der Werbung klar ab und wollen diese in der Zukunft unterbinden. Die Grünen verweisen in ihrer Antwort auf ihre Anfrage „Werbung für proprietäre Software auf Seiten von Bundesministerien und der öffentlichen Verwaltung“ (Drucksache 17/8951) in der sie dieses Thema aufgegriffen hatten und auf die darauf folgende Besprechung des Themas im IT-Planungsrats. Die Freien Wähler bieten ihre Mithilfe für Lösungen im Kommunalbereich an.

Die jahrelange Arbeit gegen Softwarepatente zeigt Wirkung: Inzwischen sind sich alle Parteien auf Bundesebene beim Thema Softwarepatente einig, dass die Patentierung von Software effektiv begrenzt werden soll. Dazu verweisen sie auch auf den interfraktionellen Antrag „Wettbewerb und Innovationsdynamik im Softwarebereich sichern – Patentierung von Computerprogrammen effektiv begrenzen”.

Allgemein ist die CDU/CSU dafür, „Serious Games“ (Lernspiele, deren primäres Ziel es ist, Wissen auf unterhaltsame Weise zu vermitteln) in Schulen und Universitäten einzusetzen, und überlegt, diese unter freie Lizenzen zu stellen. Auch die FDP hat Vorhaben im Bildungsbereich: Sie wollen mehr Kinder an das Programmieren heranführen und bei der „Anschaffung von neuen Lernmitteln darauf [achten], dass diese plattformunabhängig eingesetzt werden können.“ Die Freien Wähler wollen Freie Software im kommunalen Bereich fördern. Die Grünen wollen vor allem eine konsequente Ausschreibepraxis für von öffentlichen Geldern finanzierte Software, kritisieren weiterhin Rückschritte wie z.B. im Auswärtigen Amt und wollen durch Veröffentlichung eigener Software („betatext“) mit gutem Beispiel vorrangehen. Die Linke sieht Freie Software im Kontext der Gemeingüterwirtschaft und denkt z.B. daran, diese mit einem Teil der Rundfunkbeiträge zu fördern. Die SPD will primär Freie Software in der Verwaltung fördern und, wie bereits bei den Sondervoten in der EIDG gefordert, „Födermittel für Usability-Analysen und die Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit bei ausgewählten Projekten bereit [...] stellen.”

Die unveränderte Wiedergabe und Verteilung dieses gesamten Textes in beliebiger Form ist gestattet, sofern dieser Hinweis erhalten bleibt.

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June 26 2013

EU-Parlament bezieht Stellung gegen Überwachung

Das Europäische Parlament hat die EU-Kommission und alle Organisationen des öffentlichen Sektors in Europa aufgerufen, die Bürger – und auch sich selbst – besser gegen Überwachung zu schützen. Dabei spielt Freie Software eine wichtige Rolle:

Das Europäische Parlament [...]:
29. ersucht die Kommission und die Mitgliedstaaten, geeignete Maflnahmen für die Förderung,Entwicklung und Herstellung von europäischer Verschl ̧sselungstechnologie und -software auszuarbeiten und vor allem Projekte zu unterstützen, die darauf abzielen, benutzerfreundliche Kryptosoftware, deren Quelltext offengelegt ist, zu entwickeln;
30. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, Softwareprojekte zu fördern, deren Quelltext offengelegt wird, da nur so garantiert werden kann, dass keine   “backdoors”eingebaut sind (sog. “open-source Software”);
31. fordert die Kommission auf, eine Qualifikation festzulegen für die Sicherheit von Software, die für den Austausch von Nachrichten auf elektronischem Wege bestimmt ist, nach der Software, deren Quellcode nicht offengelegt ist, in die Kategorie “am wenigsten vertrauenswürdig” eingestuft wird;
32. appelliert an die europäischen Institutionen sowie an die öffentlichen Verwaltungen der Mitgliedstaaten, Verschlüsselung von E-mails systematisch einzusetzen, um so langfristig Verschlüsselung zum Normalfall werden zu lassen;
33. fordert die gemeinschaftlichen Organe und die öffentlichen Verwaltungen der Mitgliedstaaten auf, dafür zu sorgen, dass ihre Bediensteten ausgebildet und in entsprechenden Praktika und Ausbildungskursen mit den neuen Technologien und Techniken zur Verschlüsselung vertraut gemacht werden;
All diese Forderungen sind gut und richtig. Schade, daß sie schon zwölf Jahre alt sind. [pdf]
Leider sind diese Forderungen nie in nennenswertem Umfang umgesetzt worden. Bei der FSFE sehen wir nicht viel von einer öffentlichen Unterstützung für nutzerfreundliche Verschlüsselungssysteme auf Basis Freier Software. Wenn die EU-Kommission jemals ein Einstufungssystem für Email-Software erstellt hat, entzieht sich das meiner Kenntnis. Der systematische Einsatz von verschlüsselten Emails im öffentlichen Sektor ist etwa auf dem gleichen Stand wie vor zwölf Jahren: Nahe null. Ich treffe auch nicht viele Beamte, die mir von ihren Schulungen in Verschlüsselungstechnologie erzählen.
Trotz alledem: Falls sich das Europäische Parlament und/oder der Bundestag dazu aufraffen, gegen die allgegenwärtige Schnüffelei Stellung zu beziehen, wäre der ECHELON-Beschluss von 2001 nicht die schlechteste Vorlage.

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Landgericht Hamburg: Unternehmen muss selbst sicherstellen, dass Freiheiten weitergeben werden

Immer wieder müssen wir unsere Freiheit verteidigen. Insbesondere bei unser wichtigstes Werkzeug — der Software — versuchen Unternehmen uns unsere Freiheiten zu nehmen. Um das zu erschweren hat die Freie-Software-Bewegung unter anderem Copyleft-Lizenzen erfunden. Freie Copyleft-Lizenzen wie die GNU GPL gewähren allen die Freiheit, die Software für jeden Zweck zu verwenden, ihre Funktionsweise zu verstehen, sie weiter zu verbreiten und an eigene Bedürfnisse anzupassen. Daneben versuchen Copyleft-Lizenzen die Freiheiten zu erhalten: Die Lizenz nimmt denjenigen dazu in Verantwortung, der die Software wieder weitergibt. In der Präambel der GNU GPL ist das so beschrieben:

To protect your rights, we need to prevent others from denying you these rights or asking you to surrender the rights. Therefore, you have certain responsibilities if you distribute copies of the software, or if you modify it: responsibilities to respect the freedom of others.

Leider gibt es immer wieder Unternehmen die sicher dieser Verantwortung entziehen. Sie wollen von Freier Software profitieren, ohne sich die simplen und grundlegenden Regeln einhalten. Damit nehmen sie uns und anderen die Freiheiten, selbstbestimmt Computer nutzen zu können.

Jedoch gibt es in den meisten Fällen durch die Lizenz die Möglichkeit, rechtlich dagegen vorzugehen. Dies macht Harald Welte, Gründer von gpl-violationsl.org, Urheber an Teilen des Linuxkernels sowie der Firewall-Software netfilter/iptables für GNU/Linux, schon seit über zehn Jahren.

Nun gab es erneut einen solchen Verstoß, der von Ehrenamtlichen bei einem "Hacking for Compliance"-Workshop der Free Software Foundation Europe (FSFE) festgestellt wurde und dann an gpl-violations.org und deren Anwälte übergeben wurde:

Die FANTEC GmbH verwendete die netfilter/iptables Software in einer der online zur Verfügung gestellten Firmwares für das FANTEC 3DFHDL. Diese Firmware wurde jedoch ohne den dazugehörigen Quellcode verteilt. Das ist allerdings von der GNU General Public License Version 2 (GPLv2) vorgesehen, unter welcher netfilter/iptables veröffentlicht wurde. Versuche, diese Problematik außergerichtlich zu lösen, schlugen fehl. Deshalb ging Harald Welte vor Gericht.

Das Gericht entschied (PDF), dass FANTEC fahrlässig gehandelt habe: Sie hätten dafür Sorge tragen müssen, dass sie sich bei der Verbreitung der Software an die Bedingungen der GNU GPLv2 halten. Außerdem hat es explizit darauf hingewiesen, dass es seitens FANTEC ungenügend ist, auf die Zusicherung seiner Zulieferer bezüglich der Lizenzeinhaltung zu vertrauen. Hingegen ist FANTEC selbst dafür verantwortlich, nachzuprüfen, dass keine Rechte Dritter verletzt werden. Weiterhin muss FANTEC eine Strafzahlung begleichen, für zusätzliche Kosten der Anwälte aufkommen und außerdem exakte Auskunft über die Vertriebswege des FANTEC 3DFHDL Media Player erteilen.

Um solche Arbeit weiterhin fortzusetzen, ist die FSFE auf Spenden und Mithilfe angewiesen.

(Crosspost vom Blog "I love IT here".)

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June 11 2013

PRISM: Überwachung, Freiheit und die Grenzen des Versteckens

Wer bisher noch Zweifel hatte, ob wir in einem Überwachungsstaat leben, darf sie seit den PRISM-Enthüllungen vom vergangenen Freitag getrost ad acta legen.

Wie nahe sind wir eigentlich schon an einer Situation wie der, die Ai Weiwei uns aus China beschreibt?

During my detention in China I was watched 24 hours a day. The light was always on. There were two guards on two-hour shifts standing next to me – even watching when I swallowed a pill; I had to open mouth so they could see my throat. You have to take a shower in front of them; they watch you while you brush your teeth, in the name of making sure you’re not hurting yourself. They had three surveillance cameras to make sure the guards would not communicate with me.

Das Internet funktioniert als Verstärker für Macht. Wer nur wenig Macht hat, dem gibt es eine lautere Stimme. Das hat Einzelpersonen und der Zivilgesellschaft einen zeitweiligen Vorteil verschafft.

Aber auch Institutionen, die viel Macht haben, gibt es noch mehr davon. Diese Institutionen haben einige Zeit gebraucht, um zu lernen, die Möglichkeiten des Internets für sich zu nutzen. Spätestens seit vergangener Woche wissen wir, daß dieser Vorsprung nun aufgebraucht ist.

Wir haben es der NSA und all den anderen Geheimdiensten zu einfach gemacht. Wir haben bereitwillig unsere Daten auf den zentralen Servern von Facebook, Google, Yahoo, Microsoft und all den anderen abgelegt.  Die Schlapphüte mußten sie dort nur noch abholen. Legal, illegal – wer Staatsmacht und Geheimhaltung hinter sich weiß, dem kann das scheißegal sein.

Ohne Not haben wir uns in die Rolle der Leibeigenen in einem quasi-feudalen System begeben. Nun ist klar, daß unsere Feudalherrscher uns verraten haben. Ob sie es freiwillig getan haben oder unter Zwang, ist letztendlich gleichgültig.

Zentrale Server sind Schwachpunkte in unserer Privatsphäre. Zum Glück gibt es Alternativen, die ohne diese Schwachstelle auskommen: Verteilte soziale Netzwerke, P2P-Suchmaschinen wie YaCy, und Verschlüsselungs-Software wie GnuPG. Weil es sich hier um Freie Software handelt, können wir sicher sein, daß diese Programme keine Hintertüren enthalten. Sie geben uns die Kontrolle darüber, welche Daten wir veröffentlichen.

Die Grenzen des Versteckens

Diese Werkzeuge können uns helfen, der Überwachung zu entgehen. Zumindest teilweise, zumindest für eine begrenzte Zeit. Doch das kann nicht unser Ziel sein. Wir leben online, und produzieren ständig Daten. Schon mit wenigen Datenpunkten läßt sich ein nahezu vollständiges Bild einer Person zeichnen. Verschlüsselung hilft nicht viel, wenn die Überwacher sich vor allem dafür interessieren, wer mit wem redet, wann, und wie lange. Das kann z.B. bedeuten, daß der Staat weiß, wer an einer bestimmten psychischen Krankheit leidet.

Was bedeutet es eigentlich für eine Gesellschaft, umfassend überwacht zu werden? Ai Weiwei sagt über China:

In our experience in China, basically there is no privacy at all – that is why China is far behind the world in important respects: even though it has become so rich, it trails behind in terms of passion, imagination and creativity.

Hier in Deutschland sind wir davon nur einen Schäuble oder Schily im Kanzleramt entfernt. Die Infrastruktur für die totale Überwachung steht, oder ist einfach aufzubauen. Mit ein paar Klicks kann sie sich auf jeden richten, der dem Staat nicht genehm ist.

Überwachung ist ein politisches Problem, kein technisches. Also braucht es eine politische Lösung. Wir haben die Politiker gewählt, die den Geheimdiensten den Zugriff auf Daten erlauben, die in den USA abgesaugt wurden; die die “Strategische Fernmeldeaufklärung” genehmigt haben; und die am liebsten auf jedem Klo eine Überwachungskamera anbringen würden. Wir können sie auch wieder abwählen.

Die Frage ist, womit wir sie ersetzen. Für ambitionierte Politiker ist es oft einfacher, aus den Ängsten der Bürger Kapital zu schlagen, als auf ihre Hoffnungen zu bauen. Es ist einfacher, Sicherheit zu versprechen als Freiheit. Sicherheit läßt sich durch Überwachung simulieren. Freiheit macht Arbeit.

Diese Arbeit wird niemand für uns tun; wir werden sie selbst übernehmen müssen. Wir müssen politische Macht erlangen. Und wir müssen den Menschen um uns herum Mut machen, auf Freiheit statt Sicherheit zu setzen.

Was wir brauchen, sind nicht bessere Verstecke. Was wir brauchen, ist eine Gesellschaft, in der wir uns nicht verstecken müssen.

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PRISM-Break: Mit dieser Software der NSA-Spionage entgehen

Im Rahmen des PRISM-Programms hat der amerikanische Militärnachrichtendienst NSA direkten Zugriff auf die Server bestimmter Firmen, darunter Google, Facebook, Skype und Apple. Aber auch ohne direkten Zugriff auf Server lässt sich sagen, dass proprietäre Software generell anfälliger für Spionage ist als freie Software, da der Blick auf den exakten Code meist nicht möglich ist und so geheime Hintertüren im Code im Verborgenen bleiben. Aus diesem Grund wurde auf der Seite prism-break.org eine Liste beliebter proprietärer Software samt seiner freien Alternativen erstellt.

So wird beispielsweise dazu geraten anstelle von Windows oder Mac OS das freie Betriebssystem Linux zu nutzen.os

Und auch bei der Browserwahl ist PRISM-Break behilflich.browser

Diese Vorschläge müssen aber sicherlich mit einem Augenzwinkern zur Kenntnis genommen werden. Die absolute Sicherheit vor Spionage im Internet scheint einfach nicht mehr möglich, auch nicht durch das Nutzen freier Software. Dennoch bietet die Auflistung eine schöne Übersicht die zeigt, dass es mittlerweile zu nahezu jedem Softwareprodukt eine freie Alternative gibt.

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May 29 2013

BSA-Piraterie-Studie: Leerstelle freie Software

Die Business Software Alliance (BSA) zählt zu den finanzstärksten und umtriebigsten Lobby-Verbänden im Urheberrechtsbereich. Ihr Hauptbetätigungsfeld ist der Kampf gegen Softwarepiraterie. Auf der deutschen Homepage werden derzeit beispielsweise Mitarbeiter/innen mittels Video aufgefordert, das eigene Unternehmen wegen des Einsatzes illegaler Software unter einer gebührenfreien Nummer zu verpfeifen. (Dass das ein Kündigungsgrund sein kann, wird nicht dazugesagt.)

Notorisch sind auch die zahlreichen “Studien”, die von der BSA in Auftrag gegeben werden, um vermeintliche volkswirtschaftliche Schäden von Softwarepiraterie zu belegen. In der deutschen Presseerklärung zur jüngsten Studie “Competitive Advantage: The Economic Impact of Properly Licensed Software” heißt es beispielsweise: Die “Deutsche Volkswirtschaft profitiert viermal mehr von lizenzierter Software als von Raubkopieren” weil “[f]ür jeden Euro, der in korrekt lizenzierte Software investiert wird, die Wirtschaft in Deutschland um 55 Euro [wächst], verglichen mit 19 Euro für unlizenzierte Software.” Für ärmere Länder werden noch höhere Zahlen kalkuliert, wonach die Investition von 1 Dollar in eine Microsoft-Lizenz zu 437 Dollar zusätzlichem BIP führen würde.

Die gewählten Berechnungsmethoden sind jedoch, trotz Kooperation mit der renommierten INSEAD Business School, haarsträubend. Glynn Moody hat das in einem Blogeintrag detailliert herausgearbeitet und kommt zu dem Schluss (meine Übersetzung):

Wie üblich basieren die Aussagen der BSA über Piraterie auf übertriebenen Behauptungen abgeleitet aus simplistischen Modellen mit beschränkter Datenbasis, deren wichtigste Teile von der BSA selbst bereitgestellt werden. Aber natürlich sind die Schwächen der Studie noch viel tiefgehender, weil sie komplett die Folgen – oder auch nur die Existenz – von freier Software übersieht.

Das “Übersehen” von freier Software ist alles andere als ein Zufall. Die BSA hat beispielsweise noch 2010 beim Handelsvertreter der Vereinigten Staaten (USTR) dafür lobbyiert, dass Entwicklungsländer mit Handelssanktionen bestraft werden, wenn sie verstärkt auf freie Software setzen (vgl. Bericht bei Keionline).

In der aktuellen Studie ist das Ausblenden von freier Software aber vor allem deshalb brisant, weil die angeführten Gründe für volkswirtschaftlich positive Effekte proprietär-lizenzierter Software in noch höherem Maße für freie Software gelten. Die Studie verweist auf versteckte Kosten illegaler Kopien und zitiert diesbezüglich eine Microsoft-Studie (PDF). Diese listet u.a. folgende Gründe für Produktivitätsvorteile proprietärer Software auf:

  • Sicherheit, vor allem wegen geringerer Anfälligkeit für Schadsoftware
  • Geringere Ladezeiten und schnelleres Hochfahren
  • Höhere Energie-Effizienz
  • Häufigere Updates

Wie Moody in seinem Blogeintrag ausbuchstabiert, treffen diese und andere Vorzüge in noch höherem Maße auf freie und Open Source Software zu. Für die Berechnung von fantastischen Zuwächsen im Bereich des BIP taugt freie Software aber dennoch weniger als proprietäre Software, wie ich in einem Rückblick auf die beiden Enquete-Kommissionen im deutschen Bundestag schon einmal ausgeführt habe:

Kaum ein Unternehmen, kaum eine digitale Innovation, die nicht auf irgendeine Weise Freie Software einsetzt. Im BIP scheinen aber nur begleitende Dienstleistungen oder bezahlte Open-Source-Programmierer auf; Beiträge der Open-Source-Community? Fehlanzeige.

Den gesellschaftlichen Wohlstandsgewinn freier Software deutlich zu machen, scheitert also nicht nur am Verzicht auf unseriöse Berechnungsmethoden, sondern auch weil das BIP ein denkbar schlechter Indikator zur Wohlstandsmessung ist.

 

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May 22 2013

LinuxTag: Deutschland hinkt bei eGovernment hinterher

Heute wurde auf dem Berliner Messegelände der LinuxTag eröffnet, eine Konferenz rund um Linux und freie Software mit Ständen und mehr als 200 Vorträgen und Workshops. Gleichzeitig gibt es seit diesem Jahr einen Open-IT Summit im Rahmen des LinuxTag, ein Businessformat mit Firmenpräsentationen und Workshops.

Bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der Konferenz wurde besonders betont, dass Open Source sowohl bei Privatanwendern als auch bei Unternehmen und Behörden eine immer größere Rolle spielt. So gibt es einen “Politik Track” beim Open-IT Summit, der u.a. offene Standards in Behörden und Verwaltung thematisiert. Karl-Heinz Löper sprach im ersten Politik-Slot des Tages über Spielregeln von Open Source und Open IT in Behörden: Der frühere Hochschullehrer und IT-Manager der Berliner Verwaltung engagiert sich heute im Verein Kommune 2.0, um neue Lösungen für mehr Beteiligung, Zusammenarbeit und Transparenz im kommunalen Leben zu entwickeln. Laut Löper haben Behörden den politischen Auftrag, Bürgerinnen und Bürgern eine gute und effiziente Verwaltung anzubieten.

Löper sieht in der EU-Ministererklärung zu eGovernment von 2009 einen guten ersten Schritt dorthin: Die Ausrichtung an den Bedürfnissen von Bürgerinnen und Bürgern, eine Zusammenarbeit mit Dritten wie der Open Source Community und das Ziel, den Menschen das Leben zu vereinfachen, seien eine Vision, an der viele Jahre gearbeitet werden muss. Dabei seien die politischen Bedingungen schwieriger umzugestalten als die technischen – die passen sich eher schnell an neue Entwicklungen an.

Laut dem E-Government Development Index der UN lag Deutschland 2012 europaweit auf Platz 10, weltweit auf Platz 17. Das liegt nach Löper daran, dass Deutschlands eGovernment eher genehmigungsorientiert ist und nicht dienstorientiert wie in anderen Ländern wie zum Beispiel Südkorea, das weltweit den ersten Platz belegt. Um dies zu veranschaulichen wählt Löper folgendes Bild: Während in Deutschland der Fokus darauf läge, die Zulassung eines Autos elektronisch zu regeln und möchlichst einfach zu gestalten, ist es in Südkorea wichtiger, den Verkehr möglichst intelligent zu gestalten. Doch der Erfolg von eGovernment messe sich nicht daran, welches Land nun besser als andere sei, es ginge vor allem darum, voneinander zu lernen.

Auf die Frage aus dem Publikum, warum nun Deutschlands eGovernment nicht so fortschrittlich sei wie in anderen Staaten und ob dies an der Bürokratie oder gesetzlichen Schwierigkeiten wie beispielsweise der Störerhaftung läge, greift Löber wieder auf das Bild des genehmigungs- statt serviceorientierten eGovernments in Deutschland. Dazu gehöre auch, dass Deutschland erst spät angefangen hat, sich überhaupt mit eGovernment zu beschäftigen. So liege das Augenmerk hier eher auf dem formalen Teil von eGovernment, der elektronischen Unterschrift z.B., und nicht auf umfassenderen Visionen.

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August 28 2012

Apple vs Samsung: Meilenstein oder Schlagloch?

 

Button "Apple, keep your lawyers off my computer"

Aus dem Flickr-Stream von maryhodder. CC-BY-NC

Vergangene Woche hat ein Gericht in Kalifornien Samsung dazu verurteilt, Apple 1,05 Milliarden US-Dollar Schadensersatz zu zahlen. Unter Schlagzeilen wie “Apple crushes Samsung in quest for global tech domination” diskutieren diverse Kommentatoren einen Umbruch im Smartphone-Markt. Spiegel Online hat atemlose Zitateüber “eines der größte[n] Patent-Urteile aller Zeiten”, das “historisch” und “ein Meilenstein” sei.

Wie wichtig ist das Urteil vom Freitag wirklich?

Mehr als eine Milliarde Dollar als Schadensersatz ist natürlich erst mal eine Menge Geld. Aber es ist jetzt schon klar, dass Samsung in Berufung gehen wird. Das Verfahren, das jetzt zu Ende ging, bietet reichlich Ansatzpunkte für fähige Samsung-Anwälte: So liess etwa die Richterin Beweismaterial von Samsung nicht zur Verhandlung zu, und der Jury-Vorsteher könnte parteiisch gewesen sein.

Apples Patente sind dazu offenbar nicht wasserdicht. Die meisten sind trivial (“Rechteck mit abgerundeten Ecken”, “pinch to zoom”), und einige waren schon zum Zeitpunkt ihrer Erteilung nicht originell. Mit der Höhe des Schadensersatzes ist es ausserdem so eine Sache. Bei seiner Klage gegen Google hatte Oracle ursprünglich sechs Milliarden Dollar gefordert. Bekommen haben sie… nichts.

Kurzfristig verschafft das Urteil Apple tatsächlich eine starke Position. Die Firma hat bereits US-Verkaufsverbote für diverse Samsung-Geräte beantragt. Bis die Berufung durch ist, dürften andere grosse Hersteller von Android-Geräten empfänglicher für Apples Drohungen mit der Patentkeule sein.

Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass das Urteil die Ausbreitung von Android stoppen kann. Selbst wenn sich Firmen wie HTC oder Asus dem Druck aus Cupertino beugen, warten in der zweiten Reihe schon diverse hungrige Hersteller aus China, die jeden Fussbreit an frei werdenden Marktanteilen dankbar besetzen werden.

Der Prozess hat aber noch einen weiteren interessanten Effekt. Die öffentliche Wahrnehmung von Apple wandelt sich. Bisher hatte es die Firma aus Kalifornien in bewundernswerter Weise geschafft, überteuerte Massenware mit dem Image des Exklusiven zu verkaufen. Apple galt vielen, ob nun berechtigterweise oder nicht, als ein besonderes Unternehmen, dass seinen Konkurrenten immer mindestens zwei Schritte voraus war.

Der Prozess hat Apples Nimbus auf zweierlei Weise beschädigt. Zum einen haben das Gericht und die Welt nun monatelang vorgeführt bekommen, wie ähnlich die Geräte von Samsung denen von Apple sind. Warum soll die kluge Nutzerin also den Apple-Aufschlag zahlen?

Zum anderen hat sich Apple im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit von einem innovativen Unternehmen in eines verwandelt, das sich zunehmend auf seinen Lorbeeren ausruht. Wer keine Ideen mehr hat, nutzt eben seine finanziellen Muskeln dazu, die Mitbewerber an den Knöcheln hochzuheben und ihnen die Münzen aus den Taschen zu schütteln. Microsoft hat vor grob zehn Jahren eine ähnliche Wandlung durchgemacht.

Wer wirklich bessere Produkte anbietet, hat es nicht nötig, Konkurrenten zu verklagen. Wer mehr wissen will, sollte Glyn Moodys exzellente Einschätzung des Urteils lesen.

Samsung wird Apple übrigens auch weiterhin iPhone-Komponenten verkaufen, die mehr als ein Viertel des Herstellungspreises pro Gerät ausmachen.

Der Fall sagt also nicht allzu viel über die Zukunft der Smartphone-Industrie aus. Nach der Berufung kann schon sehr vieles anders sein. Hauptsächlich lenkt das Verfahren aber die Aufmerksamkeit darauf, wie kaputt das US-Patentsystem ist.

In Europa sind wir übrigens gerade eifrig dabei, unser eigenes Patentsystem auf einen ähnlich fragwürdigen Standard herunter zu schrauben. Das geplante europäische Einheitspatent würde das Europäische Patentamt vollständig der politischen Aufsicht entziehen und unkontrollierbar machen. Eine Abstimmung im Europaparlament zu dem Thema war für Anfang Juli geplant, wurde aber auf später verschoben.

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