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December 03 2013

“Singen im Advent” – Gemeinfreie Advents- und Weihnachtslieder zum Download

Coverbild Singen im AdventKopieren und Verbreiten erwünscht. Das ist das Motto für die vom Musikpiraten e.V. veröffentlichten gemeinfreien Notenblätter für die Advents- und Weihnachtszeit, die in diesem Jahr bereits in der dritten Auflage erscheinen.

Die Sammlung umfasst insgesamt über 50 populäre Lieder von “Alle Jahre wieder” über “Ihr Kinderlein kommet” bis hin zu “Zu Bethlehem geboren”.

Da die Urheber der Lieder bereits seit über 70 Jahren verstorben sind, dürfen alle Noten kostenfrei gesungen, kopiert und verbreitet werden. Und das ist ausdrücklick willkommen.

Die Notensammlung kann kostenlos heruntergeladen werden oder bei epubli.de in gedruckter Form zum Herstellungspreis von 6,67€ bestellt werden.

Die meisten der neu aufgenommenen Lieder sind der “Ebersberger Liedersammlung” entnommen, einige wurden aus alten Liederbüchern übertragen.
Enthaltene Stücke:

A B C, die Katze lief im Schnee
A, a, a, der Winter, der ist da
Aber heidschi, bumbeidschi, schlaf lange
Alle Jahre wieder
Als ich bei meinen Schafen wacht’
Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen
Auf, auf, ihr Hirten!
Der Christbaum ist der schönste Baum
Der Christbaum ist der schönste Baum (Mehrstimmig)
Der Heiland ist geboren
Ein sehr harter Winter ist
Empor zu Gott, mein Lobgesang
En gardant ma bergerie
Es ist ein Ros’ entsprungen
Es ist ein Ros’ entsprungen (Mehrstimmig)
Es kommt ein Schiff geladen
Es wird scho glei dumpa
Es ziehn aus weiter Ferne
Freut euch, ihr lieben Christen
Fröhliche Weihnacht überall
Herbei, o ihr Gläub’gen – Adeste Fideles
Herbei, o ihr Gläub’gen – Adeste Fideles (Mehrstimmig)
Ich lag und schlief, da träumte mir
Ich steh an deiner Krippe hier
Ich steh an deiner Krippe hier (Mehrstimmig)
Ihr Kinderlein kommet
In dulci jubilo
Jingle Bells
Joseph, lieber Joseph mein
Kling, Glöckchen, klingelingeling
Kommet, ihr Hirten
Lasst uns froh und munter sein
Leise rieselt der Schnee
Macht hoch die Tür
Maria durch ein Dornwald ging
Morgen kommt der Weihnachtsmann
Morgen, Kinder, wird’s was geben
O Tannenbaum
O du fröhliche
Schneeflöckchen
Sei uns willkommen
Still, still, still
Stille Nacht, heilige Nacht
Süßer die Glocken nie klingen
Tochter Zion, freue dich
Tochter Zion, freue dich (Mehrstimmig)
Vom Himmel hoch, da komm’ ich her
Vom Himmel hoch, ihr Englein kommt
Was soll das bedeuten
We Wish You A Merry Christmas
Winter ade
Zu Bethlehem geboren

Für etwaige weitere Projekte stehen auch die Rohdaten des Buches bei github zur freien Verfügung. Über eine Spende zur Finanzierung weiterer solcher Projekte freuen sich die Musikpiraten bestimmt.

(Coverbild cc-by-sa, Sven Scholz)

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Grundversorgung in einer konvergenten Medienwelt

Am Freitag findet in Lüneburg die spannende Konferenz “Grundversorgung in einer konvergenten Medienwelt” statt, die vom Forschungsprojekt Grundversorgung 2.0 am Zentrum Digitale Kulturen (CDC)der Leuphana Universität Lüneburg ausgerichtet wird.

Ich hab Freitag leider keine Zeit dafür, sonst wäre ich hingefahren. Ich bin aber auf die Dokumentation gespannt, weil eine interessante Auswahl an Menschen über wichtige Themen an der Schnittstelle zwischen Medien- und Netzpolitik diskutiert:

Inhalteplattformen auf digitalen Übertragungswegen wie T-Entertain, Zattoo und Google TV sind ein Schlüsselthema in der aktuellen Debatte um Medienregulierung. [...]Wie wandelt sich der öffentlich-rechtliche Funktionsauftrag in einer medienkonvergenten Welt? Welche Herausforderungen stellen sich dabei und mit welchen Instrumenten lässt sich ihnen begegnen? Welche Lösungen sind bereits vorgeschlagen, wo werden neue benötigt?

Ein Trailer gibt etwas Einblick in die Debatte:

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iRights-Jahresrückblick “Das Netz”

001_Titel_irights2013_opt-280x371Von iRights gibt es seit heute mit “Das Netz” wieder einen Jahresrückblick in gedruckter und digitaler Form.

Das Buchmagazin richtet sich an alle, die sich für die netzpolitischen Debatten des noch laufenden Jahres interessieren und wissen wollen, was in den nächsten Monaten wichtig ist. Denn spätestens seit diesem Jahr sind alle, die das Internet nutzen, egal ob privat oder bei der Arbeit, von netzpolitischen Fragen betroffen. „Das Netz 2013-2014“ versucht einen Einblick zu geben und Entwicklungen transparent zu machen – für alle, nicht nur Experten.

Das gedruckte Magazin hat 174 Seiten, ist bunt und kostet 14,90 Euro. Ein eBook gibt es für 4,99 Euro. Hier kann man das Buch online lesen. Die Inhalte stehen alle unter einer CC-BY-ND-Lizenz.

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December 02 2013

Metrolaut 20 – Nerdcore vs. Schlecky Silberstein

Metrolaut Folge 20 ist ein interessantes Gespräch zwischen den Bloggern hinter Nerdcore und Schlecky Silberstein. Ersteres lese ich täglich, letzteres kannte ich nur vom Namen (und bin auch nicht wirklich Zielgruppe). Interessant an dem rund zwei Stunden langen Gespräch ist das unterschiedliche Selbstverständnis, die Motivation und die Herangehensweise von (männlichen) Bloggern im Jahre 2013.

Hier ist die MP3.

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November 25 2013

Suggestion Generation Module: Google will dein Ghostwriter sein

ThoughtLeadershipGoogle hat ein neues Patent angemeldet, das den wohlklingenden Namen Automated generation of suggestions for personalized reactions in a social network trägt. Idee: Da man sowieso schon fast alles über den Nutzer weiß, kann Google auch direkt als Ghostwriter einspringen. Man schlägt Antworten vor, die am besten die Persönlichkeit des Nutzers widerspiegeln.

The suggestion generation module includes a plurality of collector modules, a credentials module, a suggestion analyzer module, a user interface module and a decision tree. The plurality of collector modules are coupled to respective systems to collect information accessible by the user and important to the user from other systems such as e-mail systems, SMS/MMS systems, micro blogging systems, social networks or other systems.

Ghostwriter für Twitter, Facebook & Co. sind nichts neues. Je berühmter die Persönlichkeit, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein oder mehrere Ghostwriter engagiert wurden. Bekanntes Beispiel ist hier Annie Colbert, die unter anderem für Guy Kawasaki twittert. Chris Romero schreibt in 140 Zeichen für Rapper 50 Cent. Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Auf den ersten Blick mag das befremdlich erscheinen, da man auf Twitter und Facebook davon ausgeht mit der jeweiligen Person zu kommunizieren und nicht mit einem Surrogat. Letztlich sollte man Stars, wie 50 Cent, Britney Spears oder Kanye West eher als Marken statt Personen verstehen. So macht es auch Sinn, dass Agenturen, wie ad.ly, sich einzig und allein darum kümmern, Unternehmen und Stars zusammen zu bringen. Die Agentur sorgte 2012 dafür, dass Charlie Sheen über Internships.com twittert – für 50.000USD pro Tweet. Guy Kawasaki erkannte schon Anfang 2009 das wahre Potenzial Twitters – als Marketing Plattform.

Basically, for 99.9 percent of people on Twitter, it is about updating friends and colleagues about how the cat rolled over. For a tenth of a percent it is a marketing tool.

Was für Stars und Sternchen schnell in Arbeit ausartet und daher dem Outsourcing zum Opfer fällt, kann auch für Normalsterbliche zur Last werden. Mit Facebook, Twitter, Instagram, Pinterest, Tumblr, LinkedIn und Google+ gibt es einige Seiten, die nach Aufmerksamkeit verlangen. Bei mehreren hundert Freunden auf Facebook und tausenden Followern auf Twitter hat immer irgendjemand Geburtstag, einen neuen Job, eine Beförderung, oder irgendetwas anderes auf das man reagieren sollte, so Google. Und hier soll der neue “Vorschlagsgenerator” ins Spiel kommen.

Many users use online social networking for both professional and personal uses. Each of these different types of use has its own unstated protocol for behavior. It is extremely important for the users to act in an adequate manner depending upon which social network on which they are operating. For example, it may be very important to say “congratulations” to a friend when that friend announces that she/he has gotten a new job. This is a particular problem as many users subscribe to many social different social networks. With an ever increasing online connectivity and growing list of online contacts and given the amount of information users put online, it is possible for a person to miss such an update.

Automatisierung wird meist als Chance gesehen, mehr Zeit für das “wirklich Wichtige” zu haben. Autovervollständigung erspart das Tippen. Autopiloten ersparen Aufmerksamkeit. GPS erspart das Nachdenken. Was aber passiert, wenn der Algorithmus nun auch “Wichtiges” übernimmt – wie zwischenmenschliche Kommunikation? Was passiert, wenn wir zunächst Glückwünsche, Gratulationen und Beileidsbekundungen automatisiert “erledigen” lassen und später immer mehr der unzähligen Interaktionen der Automatisierung zum Opfer fallen?

Schon jetzt unterscheiden viele zwischen “echten Freunden” und “Facebook Freunden”. Wird diese Unterscheidung im digitalen Alltag bald vielschichtiger? Personen oder Ereignisse, denen wir unsere “echte” Aufmerksamkeit schenken und all jene, die durch den Algorithmus abgespeist werden? Erstere kommen in den Genuss einer selbst geschriebenen Nachricht, Letztere müssen sich mit dem zufriedengeben, was Googles Algorithmus ausspuckt – ohne dies zu merken. Implizit wird dadurch Aktivität wichtiger als Inhalt. Und Reaktion wichtig als Authentizität. Man wahrt den Schein, da man ja – ganz der Netiquette entsprechend – seine Glückwünsche geäußert, sein Beileid bekundet und seine Grüße ausgerichtet hat. Ohne Google wäre es vielleicht zu gar keiner Reaktion gekommen. Dank der Automatisierung muss man sich darüber aber keine Gedanken mehr machen. Ganz gleich, wie unwichtig und rudimentär die soziale Bindung auch sein mag – der Algorithmus kann sie fortan am Leben halten, indem der Anschein gewahrt wird, dass man am Leben des Gegenübers teilnimmt. Dank berechneter, automatischer Reaktionen.

Robin Dunbar, Anthropologe an der Universität von Oxford, hat die Dunbar-Zahl aufgestellt. Seinen Untersuchungen zufolge ist der Mensch in der Lage lediglich 150 bedeutsame soziale Bindungen zu anderen Menschen zu haben.

This is the number of people you can have a relationship with involving trust and obligation – there’s some personal history, not just names and faces.

Nun könnte man Googles “Suggestion Generation Module” als Lösung des Problems sehen, dass man zwar hunderte “Freunde” auf Facebook und anderen Plattformen hat, aber unter der schieren Masse an möglichen und implizit geforderten Reaktionen versagt. Hier könnten automatisierte Antworten entlasten. Man kann weiter Freunde sammeln und muss sich keine Gedanken darum machen, dass diese “Freundschaften” auch gepflegt werden wollen. Dadurch stellt man sich jedoch nicht die eigentliche Frage: Was sagt es über die soziale Bindung und das eigene Verständnis von selbigen aus, wenn man die Kommunikation einem Algorithmus überlässt? Wo liegt der Sinn einer sozialen Beziehung, wenn nicht im Austausch und der Kommunikation?

Nicholas Carr, Autor von The Shallows, sieht, zugegeben etwas dystopisch, in Googles Automatisierung vor allem ein sich selbst bestätigendes, geschlossenes System.

A computer running personalization algorithms will generate your personal messages. These computer-generated messages, once posted or otherwise transmitted, will be collected online by other computers and used to refine your personal profile. Your refined personal profile will then feed back into the personalization algorithms used to generate your messages, resulting in a closer fit between your  computer-generated messages and your computer-generated persona. And around and around it goes until a perfect stasis between self and expression is achieved. The thing that you once called “you” will be entirely out of the loop at this point, of course, but that’s for the best. Face it: you were never really very good at any of this anyway.

Googles neues Patent sollte zumindest zum Innehalten und zum Nachdenken anregen. Natürlich ist es letztlich Predictive Search  (Apps, die den Nutzer mit Informationen versorgen, bevor dieser danach gesucht oder gefragt hat) angewandt auf Kommunikation. Was bei Wetterberichten und Tagesnachrichten interessant klingen mag, sollte bei zwischenmenschlicher Kommunikation zu Stirnrunzeln führen. Automatisierte, vertextete Reaktionen auf Ereignisse sind grundsätzlich bedeutungsleer. Was ist Kommunikation noch wert, wenn sie ohne jegliches eigenes zutun stattfindet? Scheinbare Anteilnahme, Freude oder Mitgefühl sind letztlich genau das – Schein. Leider ist automatisierte Kommunikation der nächste, logische Schritt in einer Gesellschaft, für die Aktivität wichtiger ist, als Reflexion.

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Sendung mit der Maus erklärt Computertastatur

Die Sendung mit der Maus hat gestern das “Geheimnis der Computertatstatur” erklärt. Die Folge gibt es noch in der Mediathek.

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3sat Pixelmacher: Remix

Heute Nacht sendet 3sat um 1:55 Uhr die Sendung “Pixelmacher” mit einem halbstündigen Special zum Thema “Remix”. Da in der Regel die wenigsten Menschen um die geplante Uhrzeit noch wach sind, steht die Sendung jetzt schon in der Mediathek.

Wo die Remix-Kultur herkommt soll uns jetzt einfach mal egal sein, wichtig ist: sie ist da und längst Teil unserer Alltagskultur. [...] Oder wie es der New Yorker Filmemacher Kirby Ferguson in „Everything is a Remix“ zeigte, dass eigentlich sowieso alles nur ein Remix ist. Die Pixelmacher remixen mit.

Porträtiert werden in der Sendung zwei Remixkünstler, die wir auch schon in unserer Serie “Remixer/in” interviewt hatten: Walter W. Wacht (“Habe mich weit aus dem Fenster gelehnt”) und DJY alias JY (“Account mit 99 Tracks gelöscht”).

Auch bei Youtube:

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November 22 2013

Selfie ist das Wort des Jahres laut Oxford Dictionaries

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Quelle:Yahoo

Das Oxford Dictionary hat nun das Wort Selfie, also das Selbst-Portrait (meist) mittels Handykamera, zum Wort des Jahres 2013 gekürt. Das erste Mal aufgetaucht ist das Wort angeblich 2002 in einem australischen Internetforum. Seit diesem Jahr widmet man sich nicht nur in Kolumnen und Feuilletons den psychologischen (Un)Tiefen von Selfies und den verbundenen tieferen Aussagen über unsere Gesellschaft. Selbst die Wissenschaft zeigt Interesse am Phänomen. Dabei ist die Idee schon recht alt – 1839 schoss Robert Cornelius das erste Selbstportrait, das man heute guten Gewissens als Selfie bezeichnen könnte. Auf die Idee, dass man auch auf einer Beerdigung einen Selfie machen muss, kam man allerdings erst 2013.

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November 20 2013

Wikipedia: Wikimedia Foundation geht juristisch gegen PR-Firma vor

wiki-prIm Oktober sorgte die Aufdeckung eines umfangreichen Netzwerks von Nutzer-Accounts für Aufsehen, mit denen die englische Wikipedia im Sinne der Kunden einer PR-Firma bearbeitet wurde. Nachdem der Fall bisher vor allem journalistisch und nach den Wikipedia-Regeln aufgeklärt und bearbeitet wurde, hat sich die Wikimedia Foundation nun entschlossen, auch zu juristischen Mitteln zu greifen: Mit einem cease-and-desist-letter der beauftragten Anwaltskanzlei wird der Firma Wiki-PR verboten, sich an dem Enzyklopädieprojekt zu beteiligen, bis sie die Bedingungen der Foundation und der Wikipedia-Community erfüllt hat. Letztere fordert von dem Unternehmen die Offenlegung aller Accounts und bearbeiteten Artikel sowie transparentes Arbeiten in der Zukunft.

Konsequenzen unklar

Was fehlt ist allerdings eine klare Ansage zu den Konsequenzen, die Wiki-PR bei Zuwiderhandlung drohen. Dass eine Firma mit angeblich über 20 Mitarbeitern, deren wohl einziges Geschäftsfeld die Auftragsbearbeitung von Wikipedia-Artikeln ist, mit dieser Tätigkeit vorerst aufhört, dürfte recht unwahrscheinlich sein. Dementsprechend kann man davon ausgehen, dass entweder tatsächlich für Transparenz gesorgt wird, oder der juristische Streit auf höherer Eskalationsstufe fortgeführt werden muss.

Auch in deutschsprachiger Wikipedia Probleme mit PR

Auch in der deutschen Wikipedia kommt es regelmäßig zum Aufeinandertreffen von PR-Menschen und eher altruistischen Schreibern. Das Spannungsverhältnis wird seit geraumer Zeit mit einigem Aufwand von dem Wikipedia-internen Projekt “Umgang mit bezahltem Schreiben” erforscht, das Grenzen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit auslotet. Dass dabei nach wie vor größerer Aufklärungsbedarf besteht konnte man unter anderem an mehreren in PR-Menschen-Filterblasen kursierenden Falschmeldungen bezüglich einer angeblichen “Erlaubnis” von PR in der deutschen Wikipedia sehen, die einiges an Verärgerung unter den dortigen Mitarbeitern hervorrief.

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November 18 2013

Universelle Rechtfertigung leicht gemacht

“The administration has conducted a review and they have looked at different ways of conducting a netzpolitik.org fundraising campaign. The White House review concluded they could not find a workable solution that gives them the same counter-terrorism efficacy other than conducting a netzpolitik.org fundraising campaign.”
— Darren Dick, Staff Director of the House Permanent Select Committee on Intelligence, who has been briefed on the review

“We’re open to consideration of a variety of possible reforms of the a netzpolitik.org fundraising campaign program so long as they don’t eliminate a netzpolitik.org fundraising campaign’s utility.”
— Robert Litt, general counsel of the Office of the Director of National Intelligence

“Any limitations on the FBI’s ability to conduct a netzpolitik.org fundraising campaign would hamper its ability to track terrorists. We’d be less agile, we’d be less informed, we’d be less focused. We think that as a result, we’d be a lot less effective at preventing the attacks that the American people would want us to prevent.”
— Patrick Kelley, acting general counsel of the FBI

“There have been classified instances where investigations into alleged plots have required a netzpolitik.org fundraising campaign and where it would have been too time-consuming to obtain a court order.”
— A senior intelligence official, speaking on condition of anonymity

Während in den letzten Monaten beinahe jeden Tag neue Überwachungsprogramme und -enthüllungen durch die Nachrichten geisterten, musste man sich langsam die Frage stellen, ob man angesichts dessen lieber verzweifeln oder sich in den Zynismus flüchten sollte.

Die Electronic Frontier Foundation hat nun anscheinend letzteres gewählt und einen Rechtfertigungs-Generator erstellt, der für jede Angelegenheit Statements von Regierungs- und Geheimdienstmitarbeitern ausspuckt. Einfach einsetzen und los gehts!

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November 05 2013

Sigmar Gabriel: “Sie kennen die Welt außerhalb des Internets nicht”

Sigmar Gabriel auf einer Podiumsdiskussion der Zeitschrift Stern.

Sigmar Gabriel: Ich würd’ Sie gerne mitnehmen in die Welt außerhalb des Internets.

Kathy Meßmer: Oh, ich glaube, die kenn’ ich.

Sigmar Gabriel: Ne, ich glaube, das kennen Sie nicht… Ich glaube wirklich, dass es zwei Welten gibt. Eine Berliner – eine intellektuelle, eine die sich in solchen Medien abspielt. Und eine bei der Menschen, verdammt, es hart haben durchs Leben zu kommen. Ich glaube nicht, dass es die eine und die andere Welt gibt, aber ich habe große Zweifel, ob sie in der Welt, die sie zu ihrer erklärt haben, diese Welt, über die ich rede, kennen.

Gabriel hatte schon in der Vergangenheit ähnlich, teils stärker und abwertender, auf netzpolitische Parteigenossinnen reagiert. Die fehlende Offenheit und mangelnde Wertschätzung führten dann schließlich auch zum Austritt von Yasmina Banaszczuk, die auch in der Podiumsdiskussion erwähnt wird.

Anscheinend sind dem Parteivorsitzenden diese Menschen im Internet so ominös, dass er sie persönlich runter machen muss.

Jonas Westphal, Sprecher Forum Netzpolitik Landesverband Berlin, erwiderte auf Sigmar Gabriels Aussage:

Sigmar Gabriel hat Recht: Tatsächlich gibt es unterschiedliche Lebensrealitäten. Dass die  junge, internetaffine Generation keine Ahnung von “einer verdammt harten” Lebensrealität hat, ist allerdings eine völlige Fehlannahme.

Das komplette Gegenteil ist der Fall: Noch nie stand eine Generation unter so viel Leistungsdruck. Noch nie gab es so viele prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Noch nie war eine Generation derart von Altersarmut bedroht.

All das verkennt Sigmar Gabriel mit seiner Aussage leider völlig. Es ist die Generation Praktikum, die es “verdammt hart” hat und sich politisch im Internet betätigt. Diese Generation trennt nicht zwischen “analog” und “digital”. Ich lade Sigmar ein, diese Lebensrealität kennen zu lernen.

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November 01 2013

Wir hatten Sex in den Trümmern und träumten: Die Wahrheit über die Popindustrie

pid13828827Wie funktioniert eigentlich die Popindustrie? Ein lesenswertes Buch darüber haben Tim Renner und Sarah Wächter mit “Wir hatten Sex in den Trümmern und träumten: Die Wahrheit über die Popindustrie” vorgelegt. In vielen kurzweiligen Geschichten werden die unterschiedlichen Akteure und ihre Aufgaben beschrieben, so dass man das Buch auch nicht am Stück lesen muss.

Was das jetzt alles mit Netzpolitik zu tun hat? Seitdem man ständig wegen der ungeklärten Urheberrechtssituation über Geschäftsmodelle diskutieren muss, hilft dieses Buch zumindest dabei, mehr Einblicke in die Musik-Branche zu erhalten, in das Gestern, aber auch die Gegenwart. Und popkulturell ist es lesenswert wegen der zahlreichen Anekdoten.

Das Buch gibt es gedruckt für 16,99 Euro im Buchhandel (Amazon) oder 12,99 Euro als eBook (Kindle)

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October 29 2013

Ein Päckchen für Herrn Rajab

Die !Mediengruppe Bitnik hat ein Päckchen auf die Reise geschickt. Es reist seit Montag nachmittag von Julian Assange in der ekuadorianischen Botschaft in London zu Nabeel Rajab in Bahrain. Im Päckchen steckt eine Kamera, die alle 15 Sekunden ein Bild sendet, damit die Reise des Päckchens live verfolgt werden kann. “Delivery for Mr. Rajab” ist ein Kunstprojekt und bereits das zweite nach “Delivery for Mr. Assange” im Januar 2013.

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Nabeel Rajab ist aktives Mitglied der Opposition in Bahrain und Präsident des Bahrain Centre for Human Rights (BCHR). Im Juli 2012 wurde er wegen eines Tweets festgenommen, mit dem er “Bahrainer beleidigt” haben soll. Im Dezember 2012 wurde er zu zwei Jahren Haft verurteilt.

Das Päckchen, das Dienstag abend am Flughafen Stansted (London) angekommen war, kann per LiveWebcam als auch über eine Karte verfolgt werden.

!Mediengruppe Bitnik twittert außerdem unter @bitnk die Stationen der Reise.

 

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October 23 2013

Wie bewahren wir das digitale Erbe?

Das Web ist im stetigen Wandel und die Binsenweisheit “Das Internet vergisst nichts” gilt jedoch schon lange nicht mehr.
Deine erste Homepage? Längst verloren.
Der entlarvende Tweet eines Politikers? Längst gelöscht.
Deine Liebling-Torrent-Seite? Längst aus dem Netz geklagt.

Was bedeutet die Echtzeit-Gesellschaft für die Dokumentation unserer Kultur? Es gibt viele Dienste, die versuchen, das digitale Erbe zu bewahren. Archive.org versucht, alte Versionen von Webseiten zu erhalten, und gelöschte Politiker-Tweets sammelt Politwoops für uns. Facebooks Datenbanken vergessen auch nichts, machen es aber nicht jedem zugänglich.

Der Informatiker Martin Klein hat sich in den letzten Jahren ausführlich mit digitaler Konservierung beschäftigt. Zu den Herausforderungen gehört nicht nur das Speicherplatz-, sondern auch das Speicherformat-Problem. Seine Erfahrungen hat er in Memento einfliessen lassen, ein Framework für das Web der Vergangenheit – und ein Browser-Plugin.

Mittwoch, 6. November 2013 ab 17 Uhr stellt er seine Überlegungen im “Spreeforum Informationsgesellschaft” vor.

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Wikipedia geht gegen Sockenpuppen und schwarze Hüte vor

Jeder darf zur Wikipedia beitragen, Artikel erstellen, ergänzen und sich an Diskussionen beteiligen. Das ist ein Konzept mit vielen Vorteilen, aber es kann auch für ganz konträre Zwecke missbraucht werden.

TheDailyDot veröffentlichte am Anfang des Monats einen Artikel, in dem über die Erfahrungen des Wikipedia-Autors DocTree berichtet wurde. Er entdeckte durch eine Routinekontrolle in der Diskussion eines Artikels Sockpuppets. Sockpuppets sind Mehrfachaccounts eines einzelnen Nutzers. Sie können, besonders in Diskussionsforen, dazu missbraucht werden, seine Meinung zu verstärken, indem unterschiedliche Gesprächsteilnehmer simuliert werden.

Ausgehend von den fünf Sockpuppets aus dem ursprünglichen Artikel wurde dann ein ganzes Sockpuppet-Netzwerk enthüllt, das auf den User Morning277 zurückgeht. Das Auffinden von mutmaßlichen Sockpuppets ist z.B. mittels Vergleich von IP-Adresse und Browsereigenschaften möglich. Da die Ermittlung der IP-Adressen aber einen Eingriff in die Anonymität der Nutzer darstellt, sind nur wenige Admins der Wikipedia in der Position, diese Untersuchungen durchzuführen – und damit stark belastet.

Dennis Brown, einer dieser Admins, der auch intensiv zu der Hilfeseite: “Dealing with Sockpuppets” beigetragen hat, beschrieb seine Arbeitsbelastung:

Gestern habe ich wörtlich 12 Stunden darin investiert, 199 Sockpuppets zu bestätigen/taggen/blocken und es sind noch etwa 100 übrig, zusätzlich zu den paar Dutzend ungelisteten, denen man noch nachgehen muss. Ich bin ein bisschen ausgelaugt im Moment und habe vielleicht höchstens 25% der Arbeit fertig.

Sockpuppets arbeiten oft nicht im persönlichen Interesse, sondern kommerziell, indem sie als Black Hat Wikipediaseiten für Firmen und Organisationen erstellen und warten – indem sie sie durch Manipulation der Diskussion beispielsweise vor der Löschung bewahren. Die Dienstleistung bezahlter Wikipedia-Autorschaft wird sogar offen beworben, unter anderem von den Unternehmen MyWikiBiz und WikiPR, die jedoch vorgeben, sich an die Wikipedia-Regeln zu halten. WikiPR verkündet in seiner Service-Beschreibung sogar, Wikipedia-Admins zu beschäftigen.

Am Montag hat nun Sue Gardner, Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation, auf dem Wikimedia Blog eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie die Praktiken von Sockpuppets und Black Hats verurteilt und auch Firmen dazu aufruft, verantwortungsvoll mit der Wikipedia umzugehen und die Nutzungsbedingungen zu respektieren, darunter Neutralität und Belegbarkeit der Artikel.

Bisher gibt es noch keine Meldung für Profilsperren in der deutschen Wikipedia. Viele Unternehmen, Organisationen und Personen öffentlichen Interesses sind auch hier aktiv. So lange sie jedoch registriert und verifiziert sind, ist eine Überprüfung der von ihnen editierten Artikel jedoch möglich. Eine Liste der bekannten Nutzer in Deutschland findet man hier.

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Bots sind schuld: Studie über Autorenschwund in Wikipedia

Seit 2007 verzeichnet die englischsprachige Wikipedia einen kontinuierlichen Rückgang an aktiven AutorInnen, also solchen die mehr als fünfmal pro Monat etwas zur Online-Enzyklopädie beitragen:

Aktive AutorInnen (>=5 Editierungen/Monat) in der englischsprachigen Wikipedia (Halfaker et al. 2013)

Aktive AutorInnen (>=5 Editierungen/Monat) in der englischsprachigen Wikipedia (Halfaker et al. 2013)

Ein Forschungsteam rund um Aaron Halfaker von der University of Minnesota hat nun in einer Schwerpunktausgabe der Zeitschrift American Behavioral Scientist zum Thema Wikis eine Studie veröffentlicht (PDF), die in automatisierten Qualitätssicherungsmaßnahmen den Hauptgrund für den Rückgang an AutorInnen ausmacht. Halfaker dazu (meine Übersetzung):

Um die Qualität der enzyklopädischen Inhalte trotz des exponentiellen Wachstums der Gemeinschaft an Beitragenden aufrecht zu erhalten, entwickelten die WikipedianerInnen automatisierte (Bots) und halb-automatisierte Werkzeuge (HuggleTwinkle, etc.) um die Aufgabe, unerwünschte Beiträge zurückzuweisen, so wenig aufwändig wie möglich zu gestalten. Diese Werkzeuge waren offensichtlich sehr effektiv.

Konkret stieg der Anteil an zurückgesetzten Änderungen von Neulingen ab 2007 an – und zwar vor allem auch in der Gruppe jener AutorInnen, die in dem guten Glauben (“good faith”) gehandelt hatten, einen echten Beitrag zu leisten:

Anteil von Zurückgesetzen  Beiträgen von Neulingen (Halfaker et al. 2013)

Anteil von Zurückgesetzen Beiträgen von Neulingen (Halfaker et al. 2013)

Neben einer kurzen Zusammenfassung der Ergebnisse von Halfaker selbst berichtet auch MIT Technology Review in einem längeren Beitrag über die Studie. Für die Zukunft wäre eine vergleichende Untersuchung verschiedener Sprachversionen interessant, weil sich die eingesetzten Bots durchaus unterscheiden – wenn auch in anderen Sprachversionen eine starke Zunahme an Bot-Editierungen zu beobachten ist (vgl. beispielsweise zur deutschen Wikipedia einen Aufsatz von Claudia Müller-Birn, Jim Herbsleb und mir mit dem Titel “Work-to-Rule“).

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October 18 2013

Wikileaks, iPredator und jetzt Rock aus Rügen – PayPal sperrt Crowdfunding-Konto

PayPal fiel schon öfters durch die Sperrung von Transaktionen auf. Bisher mussten dran glauben: Der crowdfinanzierte Maildienst Mailpile, der VPN-Anbieter iPredator, die Vereinigung Courage to resist, die Bradley Manning unterstützt, Wikileaks und Online-Händler, die Rum verkaufen wollen. Jetzt hat PayPal auch erklärt, keine Transaktionen mehr für die Rügener Trashrock-Band COR abzuwickeln. Die Musiker haben auf startnext.de eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Damit wollen sie eine Tour durch Kuba finanzieren, die kostenlos und von einem Filmteam begleitet sein wird. Ziel ist es, die kubanische Punk- und Metalszene zu unterstützen – mit öffentlicher Aufmerksamkeit wie auch mit Sachspenden in Form von Instrumenten und anderem Equipment.

 


 

Startnext musste den Musikern nun mitteilen, dass PayPal für das Projekt deaktiviert wurde. Grund dafür ist das US-Handelsembargo gegen Kuba, dass amerikanischen Unternehmen (wie PayPal eines ist) die Finanzierung kubanischer Bürger, Marken oder Produkte verbietet. Jetzt müssen die Musiker nachweisen, dass von den Crowdfunding-Geldern nur das Projekt direkt unterstützt wird und nichts davon in die kubanische Wirtschaft fließt.

Knapp 3.800 Euro wurden via PayPal bereits gespendet, berichtete der Bassist der Band in einem Interview mit der taz. Das ist bei einem Gesamtspendenziel von 8.307 Euro ein gewaltiger Anteil. Die Musiker lassen sich dadurch nicht entmutigen und wollen das Projekt fortführen, vorzugsweise mit Spenden aus anderen Bezahlmodellen wie Vorkasse oder Sofortüberweisung.

Im Moment beträgt die Gesamtspendensumme bereits 8.848 Euro, was mehr als die angestrebte Summe darstellt. Der Überschuss soll in weitere Unterstützung für Kubas Musikszene gesteckt werden. Es bleibt zu wünschen, dass den Musikern durch die Aufmerksamkeit, die durch die PayPal-Sperre entstanden ist, mehr Nutzen als Schaden zuteil wird.

Außerdem zeigt der Fall, dass es notwendig ist, alternative und sichere Bezahlmodelle zu entwickeln bzw. zu etablieren. Wenn auch eine der neuesten Ideen, Zahlen per E-Mail, durch Sicherheitsbedenken eher wie eine riskante Schnapsidee daherkommt.

 

 

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October 05 2013

Wert der Wikipedia: Zwischen 3,6 und 80 Milliarden Dollar?

Eine der Kernaufgaben des betriebswirtschaftlichen Rechnungswesens ist die monetäre Bewertung des betrieblichen Vermögens, sei es für die (interne) Kostenrechnung oder die (externe) Bilanzierung. Diese Bewertungsfragen sind keineswegs trivial und eine Reihe von Regeln (z.B. die “Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung“) sollen dabei anleiten. Besonders schwierig ist dabei die monetäre Bewertung von Gütern oder Dienstleistungen, die nicht oder nur begrenzt auf Märkten handelbar sind.

Dementsprechend groß ist die Unsicherheit, einem gemeinnützigen Projekt wie der Wikipedia einen monetären Wert zuzuweisen. Jonathan Band and Jonathan Gerafi haben sich dennoch für infojustice.org an einer Kalkulation versucht (PDF). Sie listen dabei u.a. die folgenden Ansätze für eine Schätzung des Werts der Wikipedia auf:

  • Wiederherstellungskosten in Höhe von $6,6 Milliarden, zzgl. $600 Millionen  Aktualisierungskosten pro Jahr. Die $6,6 Milliarden folgern sie aus $300 für einen Wikipedia-Artikel durchschnittlicher Länge bei einer Gesamtzahl von 22 Millionen Artikeln.
  • Konsumationswert  I (fiktive Abogebühren): In ihrem (leider nicht frei online zugänglichen) Aufsatz “Placing Value on Wikipedia” kalkulieren die zwei spanischen Betriebswirte Enrique Bonsón und Francisco Flores mit einer fiktiven jährlichen Nutzungsgebühr zwischen $33 (last.fm) und $170 (Encyclopedia Britannica), wobei sie mit einem Nutzungsrückgang von 75% im Falle einer Paywall rechnen. In diesem Fall würde der Wert bei 100 Millionen zahlenden Kunden zwischen $3,6 und $17 Milliarden liegen. Band und Gerafi wiederum argumentieren, dass ohne Bezahlschranke die entsprechenden Konsumationswerte aber bei allen über 470 Millionen NutzerInnen entstehen und deshalb ein Konsumationswert zwischen $16,9 und $80 Milliarden anzusetzen wäre.
  • Konsumationswert II (fiktive Bibliotheksabfragen): Ausgehend von (eher niedrig) kalkulierten Kosten von $2,25 für eine bibliothekarische Suchanfrage und 24 Milliarden geschätzten Suchanfragen im Jahr, kommen die Autoren so auf einen Wert von $54 Milliarden.
  • Marktwert (fiktive Anzeigenerlöse): In einer Masterarbeit an der HEC Paris schätzte Vincent Juhel die jährlich erzielbaren Anzeigenerlöse auf $1,6 Billionen, was mit Hilfe von Discounted Cash-Flow zu einem Wert von $8,8 Milliarden führen würde. Andere Berechnungen gehen von noch höheren erzielbaren Anzeigenerlösen und entsprechend höheren Gesamtwerten aus. Nicht berücksichtigt sind in diesen Schätzungen aber der potentielle Verlust von AutorInnen als Folge einer Monetarisierung mittels Anzeigen.

Noch einmal eine andere Frage ist jene nach dem volkswirtschaftlichen Wert von Wikipedia, der noch schwerer zu kalkulieren ist. Ein Problem, das ich bereits im Zusammenhang mit der zweiten Enquete Kommission zum Thema “Wohlstand, Wachstum, Lebensqualität” diskutiert habe:

Wikipedia, die freie Online-Enzyklopädie, hat zweifelsohne unseren gesellschaftlichen Wohlstand erhöht. Nie war derart hochwertiges enzyklopädisches Wissen für so viele Menschen de-facto zum Nulltarif verfügbar. Die Folgen für das BIP waren hingegen negativ – Umsätze mit Totbaum-Enzyklopädien scheinen dort kaum noch auf.

Fazit: Schätzungen den Wert der Wikipedia betreffend sind mit Vorsicht zu genießen – so seriös wie viele Studien zur Schätzung der Schäden von illegalen Downloads sind sie aber allemal.

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October 02 2013

Morgen werde ich Idiot. Kybernetik und Kontrollgesellschaft.

Dieser Gastbeitrag wurde von Oliver Leistert verfasst. Oliver ist Post-Doc am Graduiertenkolleg „Automatismen“ der Universität Paderborn und rezensiert hier das Buch “Morgen werde ich Idiot. Kybernetik und Kontrollgesellschaft.” von Hans-Christian Dany (Edition Nautilus, 2013, 12 Euro, 127 Seiten).

Ich erinnere mich an eine Anekdote aus dem frisch souverän gewordenen Slowenien. Dort errichtete Philips (oder eine andere Firma) eine neue Produktionsstätte, vielleicht für Elektrogeräte, und warb bei den Arbeitern mit Enthierarchisierung, Partizipation und Eigenverantwortlichkeit der Einzelnen. Damit wollten sie sagen, dass die Arbeiter bei Philips Mitarbeiter sind, deren Wünsche, Ideen, Bedürfnisse teil der Sorgen der Firma seien. Dies war schon damals ein recht konventionelles Managementsprech, vielleicht wirklich in den Niederlanden entwickelt. Neu war das Gegenüber, das aus einer damals bereits unwahrscheinlichen Zeit kam. Die Arbeiter in Jugoslawien waren ein wichtiges Element der Arbeiterrätedemokratie, die unter Tito, in unterschiedlichen Phasen, tatsächlich Akteure der politischen und ökonomischen Geschichte gewesen waren. Die Fabriken hatten noch vor kurzem ihnen gehört. Und damals war ihr Selbstbewusstsein, wenn auch im Wissen, dass ihre geschichtliche Zeit (zunächst) vorüber war, ungebrochen. Mitbestimmung, Teilhabe, schlanke Hierarchien gab es Jahrzehnte lang in Jugoslawien; allerdings mit dem feinen Unterschied, dass den Arbeitern die Fabriken gehörten.

Darum staunten die Philips-Manager nicht schlecht, so geht die Anekdote, als die Arbeiter sagten: Teilhabe, Partizipation kennen wir. Das ist von uns und das bekommt ihr nicht. Für Euch sind wir Arbeiter, die ihrer Produktionsmittel beraubt worden sind.

Hans-Christian Dany hat mal wieder ein Buch geschrieben. Das letzte des Hamburger Künstlers, das ich kenne, lautet “Speed” und war ein Beitrag zur Frage des Aushaltens und Produktivseins unter Stress. Sein neues, wesentlich schlankeres Buch ist nun ein Beitrag zur Frage des Beendens und Unproduktivseins unter Kontrolle. Gewissermaßen nun also das Gegenstück, wenn auch hier kein systematischer Plan erkennbar ist.

Was das Buch auszeichnet, ist der Bogen, den es spannt. Gleichzeitig ist dieser Bogen aber vielleicht sehr weit gespannt und droht, sich selbst zu ernst zu nehmen. Die These ist, dass die Kybernetik als Regulationsidee nach ihrem Ableben in den 70ern durch Managementdiskurse und der Vermassung von vernetzten Rechnern ab den 80er Jahren in der aufziehenden Kontrollgesellschaft zu sich selbst findet.

Dany geht hierzu recht chronologisch vor. Nach einer Einführung zu wichtigen Personen und Ideen der Kybernetik, die nach dem 2. Weltkrieg florierte (Wiener, Macy-Konferenzen), erfolgt mit der Verschiebung des Blicks nach England die Vorbereitung seiner These. Der Psychologe Ross Ashby und der Wirtschaftswissenschaftler Stafford Beer hatten in den 50er und 60er Jahren damit begonnen, sich mit Vorträgen vor Managern gute Gagen zu verdienen. Dieser Transfer kybernetischer Ideen der Selbstorganisation von Systemen war, folgt man Dany, die Einspeisung eines neuen Denkens in die Arbeitswelt, das dort fortan nicht mehr wegzudenken war. Der Sophist, Magier und Biologe Heinz von Förster, der die Kybernetik der Kybernetik aus den Ruinen der alten Kybernetik vorbereitete, lieferte die epistemologischen Beiklänge des radikalen Konstruktivismus, indem er die Blindheit des Systems über sich selbst als Variable in die Modelle damaliger Theorien einspeiste (und damit auch der Systemtheorie Luhmanns viel mit auf den Weg gab). Mit der Einführung des Beobachters der Beobachter in der Welt des Managements wurde die Idee der Partizipation und Teilhabe der Angestellten in Konzernen zur tragenden Säule des “postheroischen Managements”, jenes Elements, dass die post-jugoslawischen Arbeiter lachend zurückwiesen, solange ihnen die Fabrik nicht gehörte.

Sehr schön zeigt Dany, dass diese Form der Partizipation dem Systemerhalt dient, da das mehr an Kommunikation und Transparenz, das hieraus folgt, den blinden Fleck des Managements entschärft. Wenn die Arbeitnehmer darüber berichten, was sie denken, wünschen, wollen, entsteht ein Feedback, das ein offenes System, das keine eigene Bestimmung hat, außer sich zu erhalten, unterstützt. Selbst dann, wenn es sich um eine Störung handelt. Dies, so von Försters Idee, stimuliere das System.

Etwas groß fällt jedoch der nächste Schritt aus: wir befinden uns nun in einer Welt, in der wir Punkte eines Systems sind, das unsere Kommunikation abtastet, sammelt, aggregiert und quantitativ auswertet. Gerade LeserInnen von Netzpolitik werden wenig Probleme haben, sich solch eine Maschine vorzustellen, die Dany beschreibt. “Jeder kontrolliert jeden, zumindest diese Aufmerksamkeit hat man sich verdient” ist seine Diagnose, sowie “die größte Bedrohung scheint zu sein, ins Funkloch zu fallen”. Doch wie kamen wir soweit?
Dany schreibt, dass das Merkmal der Kontrollgesellschaft die größtmögliche Transparenz ist. Kommunikation ist das Zauberwort und es kann davon nicht genug geben, solange sie mit IT prozessierbar ist. Die große Maschine, die er auch „Weltmaschine für organisiertes Verhalten“ nennt, die also unsere Kommunikation abtastet, kann aber nicht auf uns persönlich eingehen. Dazu ist sie einfach nicht in der Lage. Lediglich mit der Errechnung von Normalitätskurven und Feststellung von Devianzen, die das System inkludieren muss, ist die Maschine betraut. Somit liegt der Kern der Problematik, könnte man folgern, im Menschen, der zulässt, dass seine Kommunikation zum regelhaften Regieren benutzt wird, ohne dass es ein würdiges Gegenüber gäbe.

Dany überspringt nonchalant dieses Kernproblem, indem er von vornherein davon ausgeht, dass wir in einer postpolitischen oder postdemokratischen Zeit leben. Ist dies einmal gesetzt, ist es recht einfach, eine Gesellschaft zu porträtieren, die keine Hoffnungen und Ziele mehr hat, und deshalb im ewig weiterlaufenden Kommunikationsparadigma des kybernetischen Kapitalismus gefangen ist.
Der argumentative Schlenker, den Dany anbietet, dies plausibel zu machen, ist die hegemoniale Diffundierung von Managementpraktiken wie Feedback, Kleingruppen, Open Places, die die Partizipation vom runden Tisch der Stadtteilentwicklung bis hin zur WG als kulturelle Praxis normalisierten und damit die Totalmobilmachung des Subjekts für den Kapitalismus in die Wege leitete: von nun an sind alle Manager ihrer Selbst, wollen mit den Managern mitarbeiten und sind Sonden des Managements. Damit komme die kybernetische Totalität zu ihrer Vollendung: Ein System, das offen ist, insofern es Störung integrieren können muss, und geschlossen, insofern es als Ziel nur seinen Erhalt kennt, hat sich ubiquitär in alle Poren des Sozialen eingenistet.

Ein etwas ähnliches Buch, das des Autorenkollektivs “tiqqun”, dessen Text “die kybernetische Hypothese” hierzulande geadelt durch den Diaphanes Verlag wohl eine andere Leserschaft fand, als die Originalfassung, die in aufwendig gestalteten Textsammlungen in linken autonomen Zentren Frankreichs verschenkt wurden, hatte vor wenigen Jahren einen ähnlichen Anlauf unternommen und versucht, eine Diagnose der Gegenwart im Lichte der Kybernetik zu stellen. Was beiden Büchern gemeinsam ist, ist die inhärente Affirmation einer Idee, die sich in dieser Reinheit nie in der Praxis durchsetzen konnte. Die Kybernetik war immer ein Feld der Bastler und Randfiguren. Sicherlich hallt sie wieder in den Schriften der Systemtheorie, des radikalen Konstruktivismus, der Managementliteratur, der Pädagogik, und gewiss der Informatik. Und es ist wichtig, diese Spuren nachzuzeichnen und ihre Wechselwirkungen kenntlich zu machen. Und ja, vielleicht lassen sich die ins Smartphone verwebten scheinselbstständigen Arbeitsnomaden als Symptome auch einer Kybernetik lesen. Nur allein ist dies zu wenig.

Am Ende des (Arbeits-)tages entscheidet der Chef. Top-down Strukturen erleben die Bottom-Up Kommunikation als Erfrischung, oder wahlweise als Stress, dem man standzuhalten hat. Die Kontrollgesellschaft, so richtig die These ihrer unheimlichen Offenlegung der Gedanken und Tätigkeiten ist, ist nur in der Verbindung mit Zwang, Disziplin, Bestrafung wirksam. Es ist dieses Geflecht aus falscher Teilhabe und ständiger Bedrohung der Existenz, das waltet und vor allem verwaltet. Wenn Dany schreibt, er könne sich nicht erinnern, wann ihn die Agenten der Autorität das letzte Mal erschreckt haben (S. 15) mag das für ihn ein Glück oder Unglück sein. Von hier allgemein zu werden, ist eine brüchige Brücke, die sich der Essay schreibende Künstler erlauben kann; als Diagnose trägt es aber nicht weit genug.

Idiot sein, so das Fazit des Buches, wäre ein Ausweg. Idiot im alten Sinne des Privatmenschen, der keine prozessierbare Kommunikation absetzt und somit unsichtbar wird, sich der Abtastmaschine entzieht. Aber es ist eben die Frage, ob die Verneinung der Kommunikation allein weit führt. Die ehemals jugoslawischen Arbeiter, die den Braten der falschen Teilhabe sofort gerochen hatten, wussten wohl, dass die Kommunikation allein gar nichts ist, sondern entscheidend ist, woran sie gebunden ist. Mit anderen Worten, was ihr Ziel ist. Darum ist der Kampf um Netzneutralität, Verschlüsselung und Open Source Software eben kein falscher Kampf, denn dies sind Elemente von Bedingungen einer künftigen Kommunikation, die einen Unterscheid machen will.

Danys Buch schlägt aufweckende Funken und wirft Schlaglichter auf eine interessante Idee der Geschichte der Kybernetik durch den Bogen von Kybernetik und Management. Gleichzeitig überhöht es seine Gegenstand und macht in dadurch mächtiger, als er vielleicht ist. Dennoch ist das Buch sehr empfehlenswert. Der Parcours durch Danys Geschichte der Kontrollgesellschaft ist gerahmt mit einem biographischen Narrativ über den Großvater, der als Leiter des ersten offenen Strafvollzugs ein Avantgardist der Kontrollgesellschaft im Auftrag des Humanismus war. Gleichzeitig bieten die Traumsequenzen, die Dany beschreibt, und allgemeiner die poetischen Strecken des Buches, eine verdichtende Entlastung, die kein akademisches Buch zum Thema bieten kann.

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September 16 2013

Bundestagswahl – Was ist das?

Youtuber manniac, unserem Publikum bekannt durch sein Video “Überwachungsstaat – Was ist das?“, hat ein neues selbst gezeichnetes Animationsvideo gemacht. In “Bundestagswahl – Was ist das?” erklärt er anschaulich das Wahlsystem:

Wie funktioniert die Bundestagswahl? Ich erklärs euch! Erststimme, Zweitstimme, Überhangmandat und am Ende noch Hangover? Wenn du den Durchblick noch nicht hast – hier bei mir findest du Antworten zur Bundestagswahl, wie der Kanzler gewählt wird, und welche Rolle Nilpferde und Nudeln in der Politik spielen! ;-)

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