Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

November 11 2013

Stimmen zum Deutschlandnetz

Die Deutsche Telekom präsentiert heute in Bonn im Rahmen eines Cyber Summits die Idee eines Deutschlandnetzes, wahlweise erweitert über ein Schengen-Netz, was auch wiederum bei konservativen Politikern die Augen leuchten lässt. Wir haben verschiedene Experten angefragt, was von der Idee eines nationalen Routings zu halten ist und ob damit auch die eigentlichen Ziele erreicht werden, nämlich dass unsere Kommunikation weniger überwacht wird. Was man auch immer bedenken sollte, wenn man jetzt ein Schengen-Netz fordert: Wir wissen immer noch nicht, ob und wo GCHQ und NSA auf dem Kontinent mitlauschen, wahlweise durch gehackte Provider, angezapfte Backbones oder durch profane Kooperationen mit den nationalen Geheimdiensten. Wenn dem so ist und die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch, dann ist wiederum viel obsolet, was jetzt angedacht wird. Aber hier sind die Stimmen der angefragten Experten:

Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Club:

“Das Gerede vom ‘deutschen Internet’ und den nötigen großen Anstrengungen dafür ist etwas scheinheilig. Die Telekom will, entgegen der überall sonst üblichen Gepflogenheiten, Geld dafür, daß sich andere Internetanbieter mit ihrem Backbone-Netz verbinden. Normalerweise schliessen sich diese an Knotenpunkten wie dem DE-CIX ohne gegenseitige Rechnungsstellung zusammen, das nennt man “peering”. Da nun niemand der Telekom Geld bezahlen will, routen die meisten Anbieter ihren Verkehr Richtung Telekom über andere, meist US-amerikanische und britische Carrier, mit denen sie kostenfrei peeren können. Sobald die Telekom aufhört das Peering durch Geldforderungen zu behindern bleibt der allergrößte Teil des ‘innerdeutschen’ Internetverkehrs ohnehin in Deutschland und ist damit auch (zumindest in der juristischen Theorie) dem Zugriff des BND entzogen.”

Andreas Bogk, Hacker:

“Wäre der Telekom wirklich daran gelegen, Datentransfers zwischen Rechnern innerhalb Deutschlands abzuwickeln, hätte sie schon seit mehr als einem Jahrzehnt die Gelegenheit gehabt, mit anderen deutschen Providern Peering-Beziehungen aufzubauen. Ohne solche Peering-Vereinbarungen kann man den Vorstoß nur als substanzlose PR bezeichnen. Im übrigen ändert auch ein Deutschland-Netz nichts an der Überwachung, sei es heimlich durch ausländische Dienste, oder ganz offiziell durch deutsche Stellen.”

Dr. Rüdiger Weis, Professor für Informatik an der Beuth-Hochschule für Technik Berlin:

“Das Internet hat seine Innovationskraft gerade durch einen offenen Datenaustausch erlangt. Staatliche Eingriffe und “nationale Lösungen” gefährden das technische und organisatorische Funktionieren des Netzes. Trotzdem sollte man Verständnis haben, wenn die deutsche Industrie sich durch das Ausmass der Industriespionage gefährdet sieht und jetzt über Notwehrmassnahmen nachdenkt. Fragen muss sich die IT Industrie allerdings, warum sie nicht schon lange strategische Verbindungen durch starke Kryptographie schützt. Kryptographie ist ja gerade die Wissenschaft des sicheren Datentransportes über unsichere Leitungen. Wichtiger als ein “nationale Routing” ist sicherlich das Vermeiden von Hintertüren in US Produkten. Insbesondere die Zwangsaktivierung der Trusted Computing Architektur von Microsoft und Partnerfirmen bedarf einer gründlichen Neubewertung. Der Kontrollchip TPM soll in die gesamte IT Infrastruktur Anwendung finden. Hier droht ein tiefgreifender Kontrollverlust für Industrie und Anwender.”

John F. Nebel, Blogger bei metronaut.de:

“Das Gerede um die Einführung um ein Deutschlandnet – also der digitale Transport bestimmter Informationen nur über deutsche Server – ist für die Telekom ein Marketing-Gag und für die Bundesregierung eine willkommene Blendgranate. Für Grund- und Freiheitsrechte ist nichts gewonnen, wenn statt der NSA dann BND, BKA, Verfassungsschutz und deutsche Polizeien mit Vorratsdatenspeicherung und direkter Überwachung am Internetknoten ohne jeglichen Anfangsverdacht das Netz abschnorcheln. Wenn Politik und Wirtschaft wirklich etwas an der Privatsphäre der Bürger liegen würde, dann würden die Vorratsdatenspeicherung verhindert, Datenschutzbestimmungen verbessert, Geheimdienstbefugnisse beschnitten und Überwachung zurückgefahren. Gleichzeitig würde dann Ende-zu-Ende-Verschlüsselung finanziell gefördert werden, damit diese Technologie den Sprung in den Mainstream schafft. Doch daran hat die Bundesregierung kein Interesse. Das zeigen Projekte wie DE-Mail, die mit Pseudo-Verschlüsselung keinen Schutz vor der Überwachung des Staates bieten. Die Nationalisierung oder Europäisierung der NSA-Debatte lenkt nur ab vom Fakt, dass Deutschland und andere EU-Länder genauso abhören (wollen), wie es NSA und GHCQ schon heute tun.”

Alvar Freude:

“Dass die Provider in Deutschland mehr Peerings untereinander durchführen ist schon lange überfällig. Wenn das Vorhaben der Telekom also dazu führt, dass (innerdeutsche) Verbindungen über weniger Umwege wie zum Beispiel über (vermutlich) NSA-verseuchte Provider wie Level3 gehen, dann ist das ein richtiger Weg. Das darf aber natürlich nicht zur Abschottung und einem Deutschland-Net oder zur gesteigerten Überwachung durch andere Geheimdienste wie den BND oder den „Verfassungsschutz“ führen.”

Bereits Ende Oktober erklärte das deutsche Chapter der Internet Society: Balkanisierung des Internet kein geeignetes Konzept für mehr Datenschutz und Datensicherheit.

“In diesem Zusammenhang sieht ISOC.DE besonders solche Forderungen als kritisch an, die gesetzliche Regelungen erreichen wollen, die den freien und neutralen Fluss von Datenpaketen im Internet beispielsweise durch eine Pflicht zum „National Routing“ begrenzen sollen. Die Idee, dass sich IP-Pakete im Internet – egal ob sie E-Mails, Sprachnachrichten oder andere Inhalte transportieren – nicht mehr den schnellsten, technisch und ökonomisch besten Weg selbst suchen dürfen, sondern sich vielmehr an nationalen Grenzen zu orientieren hätten, steht im grundsätzlichen Widerspruch zu den fundamentalen Prinzipien des Internets, für deren Erhaltung und Fortentwicklung die Internet Society weltweit kämpft. Denn die Prinzipien der Offenheit, Transparenz und Neutralität sind es, wegen denen das Internet in seiner 45-jähriger Geschichte seine einzigartige gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung erlangen konnte. Vorschläge, die eine Re-Territorialisierung der Strukturen des Netzes und damit seine „Balkanisierung“ erzwingen wollen, würden dagegen das Ende eines freien Internets einleiten und so zugleich auch die gesellschaftliche Fortentwicklung einer offenen, freien und demokratischen Gesellschaft behindern.”

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

August 16 2013

Innenminister Friedrich glaubt der NSA

tumblr_mrgtwnEq2L1rav45eo1_1280Am Montag dieser Woche trat Kanzleramtschef Ronald Pofalla vor die Presse und er erzählte, dass die Geheimdienste der USA und Großbritanniens keine deutschen Bürger überwachen würden – er habe die schriftliche Zusicherung beider Staaten. Und auch unser Innenminister Hans-Peter Friedrich scheint den Aussagen der NSA Glaube zu schenken. In einem Interview mit der Rheinischen Post gab er an, dass keine Grundrechte deutscher Bürger verletzt wurden und er sehr stolz auf die deutschen Geheimdienst sei.

Alle Verdächtigungen, die erhoben wurden, sind ausgeräumt. Fest steht: Es gab keine “massenhaften Grundrechtsverletzungen” amerikanischer Geheimdienste auf deutschem Boden, wie behauptet wurde.

Wie auch schon Ronald Pofalla lenkt Friedrich durch seine Rhetorik gezielt von bestimmten Aspekten ab, indem er einzig von “amerikanischen Geheimdiensten auf deutschem Boden” spricht. Ob deutsche Geheimdienste auf deutschem Boden Grundrechtsverletzungen begehen, wäre eine viel spannendere Frage, die Friedrich aber nicht beantwortet. Ebenso verschweigt unser Innenminister, dass beispielsweise der britische Geheimdienst GCHQ systematisch Unterseekabel anzapft und so eine Totalüberwachung des Internetverkehrs möglich wird. Sicherlich hat unser Innenminister aber schriftlich, dass der GCHQ alle Emailadressen und Internetseiten mit der Endung .de herausfiltert, wie es ja auch der BND macht, damit die deutschen Bürger geschützt werden.

Fraglich ist auch immer noch, wieso denn überhaupt eine No-Spy-Abkommen zwischen den USA und Deutschland nötig ist, wenn doch eigentlich überhaupt nichts vorgefallen ist. Friedrich dazu:

Es wird eine Klarstellung der Amerikaner geben mit der deutlichen Aussage, dass sie uns als befreundete Nation nicht ausspionieren. Dies ist ein deutliches Zeichen, dass die USA unsere Sorgen ernst nehmen. Wir haben die Zusage, dass ein solches Abkommen bald geschlossen werden kann.

Solange unsere Daten in Deutschland bleiben, sind wir also alle absolut sicher. Was aber wenn wir amerikanische Dienste nutzen oder unser Datenverkehr über amerikanische Server geleitet werden?

Welche Daten die US-Behörden in den USA von dortigen Internet-Unternehmen bekommen, richtet sich nach amerikanischen Gesetzen. Das sollte jeder wissen, der seine Daten auf den Servern ausländischer Unternehmen ablegt.

Diese Aussage ist nicht nur ignorant, sie ist auch arrogant. Und das Innenministerium arbeitet keineswegs daran, das Wissen der Bürger zu diesem Thema zu vertiefen, es verstärkt sie geradezu noch. Das Innenministerium ist nämlich Schirmherr der Seite www.sicher-im-netz.de, einem “zentralen Ansprechpartner für Verbraucher und mittelständische Unternehmen” mit dem Ziel “einen praktischen Beitrag für mehr IT-Sicherheit” zu leisten. Auf dieser Seite wird aber nicht vor der Nutzung amerikanischer Dienste gewarnt. Im Gegenteil: Die Seite wird unter anderem von Google, Microsoft und eBay gesponsort.

Zum Glück haben wir ja aber einen technisch versierten Innenminister, der uns sofort deutsche Alternativen wie die de-Mail oder die letzte Woche vorgestellte “E-Mail made in Germany” von der Telekom, GMX und web.de zu präsentieren:

Wir haben De-Mail als Angebot für sichere, verschlüsselte E-Mails. Erst vergangene Woche haben wir einen weiteren, großen Schritt in Richtung sichere E-Mail getan, indem die Telekom, web.de und GMX sichere E-Mail-Verfahren anbieten. Bisher waren die E-Mails offen wie eine Postkarte, jetzt kommt die Karte in einen versiegelten Umschlag.

Dazu sagt ein Bild mehr als tausend Worte.

E-Mail-Made-In-Germany-edit-590

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

August 12 2013

Deutsche Telekom wertet Verbindungsdaten des gesamten Telefonverkehrs ihrer Kunden aus

Die Deutsche Telekom wertet den gesamten Telefonverkehr ihrer Kunden aus, sowohl im Festnetz aus auch im Mobilfunknetz. Das berichtet die Wirtschaftswoche in einem Bericht. Demnach liegen der Wirtschaftswoche interne Dokumente der Telekom-Arbeitsgruppe mit der Namen GBS-MIS vor, die im vergangenen Jahr Schäden in Höhe von 200 Millionen Euro verhindert haben soll.

Aus den Dokumenten gehe hervor, dass ein computergesteuertes Überwachungssystem den gesamten Telefonverkehr der Telekom überwacht und mit Hilfe der gesammelten Verbindungsdaten auswertet. In erster Linie sollen mit dem System starke Abweichungen in der Nutzung des Telefonanschlusses festgestellt werden, welche auf einen betrügerischen Missbrauch hindeuten würden. Als Beispiele nennt die Wirtschaftswoche häufige und lange Gespräche in Ländern wie Guinea oder São Tomé, bei denen die Telekom hohe Minutenpreise zahlen muss, die zum Teil wieder zu den Betrügern zurück fließen. Laut Bericht wurden alleine im letzten Jahr rund 160.000 Anschlüsse auf Grund von Missbrauch gesperrt.

Doch auch Hacker, welche in den Nachtstunden Telefonanlagen von Firmenkunden manipulieren um dann teure Servicenummern anzurufen, sollen von der GBS-MIS aufgespürt werden. Laut Wirtschaftswoche wurden im letzten Jahr 525 solche Fälle bekannt, die sich auf eine Schadenssumme von rund 2 Millionen Euro summierten.

Doch wie so oft, wenn die Technik erst einmal vorhanden und etabliert ist, kommen die Verantwortlichen auf die Idee die Technik auch auf andere Art und Weise einzusetzen. Wobei es missbrauchen wohl eher trifft:

Die Telekom ist so zufrieden mit der Arbeit ihrer Flatrate-Polizei, dass es nach Informationen der WirschaftsWoche Überlegungen gibt, dass System auch einzusetzen, um „unwirtschaftliche Kunden“ aufzuspüren. Die Telekom könnte dann künftig Kunden, die deutlich mehr telefonieren als sie für ihre Flatrate bezahlen, zu einem teureren Tarif drängen. Akzeptieren die Kunden den neuen Tarif nicht, könnte die Telekom Klauseln in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen so ändern, dass sie solchen Kunden dann kündigen kann.

Die Deutsche Telekom hat bereits eine Stellungnahme veröffentlicht.

“Wie jedes andere Telekommunikationsunternehmen nutzt die Telekom Missbrauchserkennungssysteme, die auch dem Schutz der Kunden dienen. Das System ist dem Bundesdatenschutzbeauftragten bekannt und wir haben es vor Jahren bereits öffentlich kommuniziert.

Die Unterstellung, es gäbe Überlegungen, diese Systeme gegen Kunden zu nutzen, die das Magazin als unwirtschaftlich bezeichnet, ist völliger Unsinn. Das hatten wir gegenüber dem Autor im Vorfeld eindeutig klar gestellt.”

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

August 09 2013

E-Mail made in Germany: Deutsche Telekom, Web.de und GMX machen SSL an und verkaufen das als “sicher”

e-mail-made-in-germany-teilnehmerDie Deutsche Telekom, WEB.DE und GMX wollen sich mit dem Label “E-Mail made in Germany” als “sichere” E-Mail-Anbieter verkaufen. An den Grundproblemen unsicherer E-Mails ändern sie jedoch überhaupt nichts, sondern schließen lediglich zwei existierende Sicherheitslücken. Die Initiative kann als reine Marketing-Aktion abgetan werden, wirkliche Sicherheit wird nicht gewährleistet.

Unter dem Namen E-Mail made in Germany starten die Deutsche Telekom, WEB.DE und GMX eine Initiative für “sichere” E-Mail. In der dazugehörigen Pressemitteilung werden folgende “Sicherheits-Features” versprochen:

  • Automatische Verschlüsselung von Daten auf allen Übertragungswegen
  • Sichere Speicherung am Datenstandort Deutschland
  • Kennzeichnung sicherer Mail-Adressen

Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich das als reine Marketing-Kampagne für eine längst überfällige Einstellung im Setup der Mail-Server ohne wirklich eine neue Stufe an “Sicherheit” zu erreichen.

Das einzige, was neu ist, ist die Verwendung von Verschlüsselung auf dem Transportweg (SSL/TLS) zwischen Sender und Mail-Server sowie zwischen den Mail-Servern der zwei Firmen untereinander. Dass das Versenden von Mails vom Client an den Server überhaupt noch auf unverschlüsselten Verbindungen möglich war, ist ein Unding im Jahr 2013. Dafür gibt es keinerlei technischen Grund und viele Mail-Anbieter erlauben seit Jahren nur noch verschlüsselte Verbindungen.

Die Verschlüsselung der Übertragung zwischen den Mail-Servern @t-online.de, @gmx.de und @web.de ist ein nettes Feature. Aber auch das hätten die beteiligten Firmen schon längst machen können. Das Problem ist bekannt seit es E-Mail gibt und wurde vor über einem Monat wieder öffentlich thematisiert. Gerade Web.de und GMX schnitten in einem Test von Golem schlecht ab. Das Anschalten des Features ist daher eher ein Fix einer verantwortungslosen Lücke als das Einführen richtiger “Sicherheit”. Auch das wird seit Jahren von seriösen Mail-Anbietern getan.

(Verpflichtendes SSL/TLS zwischen Mail-Servern ist ein Problem, da es in Standard und Implementierungen meist optional ist. Viele Beispiele aus der Praxis zeigen aber, dass kooperierende Mail-Server sehr wohl seit langem verpflichtende Transport-Verschlüsselung zwischen ihren Servern implementiert haben.)

Am Grundproblem von E-Mail als von jedem lesbarer Postkarte ändert all das nichts. Weder werden die Inhalte der Mail verschlüsselt, noch werden die Mails auf verschlüsselten Festplatten gespeichert (erst recht nicht mit Entschlüsselungs-Möglichkeit nur durch User, wie Lavabit das gemacht hat). Stattdessen wird die existierende verantwortungslose Praxis jetzt als “sicher” verkauft, weil die Rechenzentren ja in Deutschland stehen und “High-Tech-Rechenzentren mit moderner Sicherheitstechnik” sind. Mal abgesehen vom Marketing-Sprech: An Vorratsdatenspeicherung, Bestandsdatenauskunft, strategischer Fernmeldeaufklärung, G10-Gesetz und SINA-Boxen ändert das gar nichts.

Vollkommen zum Witz macht sich die PR-Maßnahme durch einen Vergleich, dass die De-Mail noch sicherer ist als die “E-Mail made in Germany”:

e-mail-made-in-germany-de-mail

Über die Unsicherheit von De-Mail haben wir ausführlich berichtet und Sascha Lobo hat das nochmal treffend zusammengefasst. Laut eigener Aussage ist “E-Mail made in Germany” also unsicherer als unsicher. Wird aber als “sicher” verkauft. Alles klar?

Fazit: Unbedingt meiden.

Sucht euch stattdessen einen kleinen, sympathischen Mail-Anbieter, der diese “Features” nicht als Neuigkeit mit Marketing-Kampagne verkauft, sondern nie auf die Idee käme, das je anders zu machen. Oder betreibt euren Mail-Server am besten gleich selbst oder zusammen mit ein paar Freund/innen. Zentralisierung ist ohnehin der Feind eines freien und offenen Internets. Und verschlüsselt eure Mails Ende-zu-Ende mit OpenPGP. Noch besser ist das Versenden und Empfangen von Mails über Tor.

Alles andere ist nur Marketing.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

July 11 2013

Durchsuchung der EU-Kommission: Hat die Telekom ihre marktbeherrschende Stellung missbraucht, um “Sender Pays” durchzusetzen? (Updates)

Die EU-Kommission hat mehrere Internet-Anbieter in Europa durchsucht, darunter auch die Deutsche Telekom. Den Anbietern wird vorgeworfen, Geld von einem amerikanischen Konkurrenten verlangt zu haben, weil der viele Daten gesendet hat. Wenn die Ermittlungen beweisen, dass die Unternehmen damit ihre marktbeherrschende Stellung missbraucht haben, könnte das “Sender Pays” Modell gestorben sein.

Die Europäische Kommission hat heute bestätigt, dass sie “unangemeldete Kontrollen” bei Internet-Providern durchgeführt hat. Die Deutsche Telekom bestätigte mittlerweile, dass auch sie durchsucht wurde – in Zusammenarbeit der Kommission mit dem Bundeskartellamt. Weitere Betroffene sind die Anbieter Orange aus Frankreich und Telefónica aus Spanien.

Die Pressemitteilung der Kommission spricht von “Bedenken, dass die Unternehmen das EU-Wettbewerbsrecht verletzt haben könnten, dass den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung verbietet”. Hier wird auf Artikel 102 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union verwiesen.

Zum Inhalt sagt die Kommission nur vague:

Internet players interconnect with each other through a combination of wholesale services to cover all possible Internet destinations. Internet connectivity allows market players (e.g. content providers) to connect to the Internet so as to be able to provide their services or products at the retail level. This service is crucial for the functioning of the Internet and for end users’ ability to reach Internet content with the necessary quality of service, irrespective of the location of the provider.

Laut der französischen Tageszeitung Le Figaro (NSA Translate) geht es um Peering-Abkommen (unsere Übersetzung):

Die Geschichte geht auf Mai 2011 zurück, als Cogent, ein amerikanischer Breitband-Anbieter, der in mehreren Ländern operiert, gegen [den französischen Provider] Orange Beschwerde einreichte. Cogent wirft Orange vor, Peering-Abkommen nicht zu respektieren, die im Internet vorherrschen und Betreibern ermöglichen, Daten-Traffic auszutauschen, ohne diesen in Rechnung zu stellen. Peering geht davon aus, dass man ungefähr so viele Daten empfängt wie man sendet. Cogent aber hat angefangen, 13 mal so viel an Orange zu senden, wie es empfangen hat. Der Grund: Ein großer Kunde von Cogent war Megaupload, der Sharehoster, der im Zuge von Ermittlungen des FBI abgeschaltet wurde. Angesichts dieses Ungleichgewichts hat Orange von Cogent finanzielle Gegenleistungen verlangt, um zusätzliche Peering-Kapazitäten bereitzustellen.

Cogent Communications ist einer der wenigen Tier 1 Provider, die für Internet-Traffic nur kostenlos peeren und nicht bezahlen. Kein Wunder also, dass sie das nicht mit sich machen lassen wollten. Also hat sich Cogent an die EU-Kommission gewendet. Gegen die Deutsche Telekom und Telefónica hat Cogent die selbe Beschwerde eingereicht.

Seit Jahren versuchen Internet-Anbieter, nicht nur aus Endkunden, sondern auch aus datenintensiven Netzübergängen Profit zu schlagen. Vor drei Jahren sagte Telekom-Chef René Obermann:

“Wir können nicht alles umsonst anbieten”, argumentiert der Telekom-Chef, “zahlen müssen diejenigen, die die Netze stark beanspruchen”. Wer besonders datenintensive Premiuminhalte anbietet, soll demnach eine Gebühr entrichten. Je mehr Bandbreite ein bestimmter Web-Dienst benötigt und je öfter er genutzt wird, so die Logik, desto mehr soll der jeweilige Anbieter bezahlen.

Hoffentlich geht die Kommission weit genug und verbietet dieses “Sender Pays” Modell gleich komplett. Der Netzneutralität zu liebe.

Update: Die Telekom hat unsere konkrete Frage “Hat die Telekom versucht, von Cogent Geld für einen erhöhten Traffic zu verlangen?” bisher nicht beantwortet. Ein Sprecher bestätigte aber, dass es um Traffic in Backbone-Netzen geht:

Untersucht wird, ob es bei der Zusammenschaltung der großen Internet-Backbone-Netze zu Verstößen gegen EU-Recht gekommen ist (möglicher Mißbrauch marktbeherrschender Stellung). Es geht also um die Frage, wie der Datenverkehr aus Drittländern in den EU-Netzen transportiert wird.

Update 2: Benedikt Fuest und Florian Eder haben auf welt.de weitere Details:

Cogent hatte sich laut einem internen Schriftsatz, der der “Welt” vorliegt, bereits 2009 bei der Bundesnetzagentur über das Peering-Verhalten der Telekom beschwert: Die Telekom weigere sich, ausreichende Kapazitäten an ihren Peering-Knotenpunkten parat zu halten. Die Anbindung der Cogent-Kunden ins Netz der Telekom sei zu langsam: Cogent benötige mindestens 100 Gigabit pro Sekunde, die Telekom halte weniger als die Hälfte dessen parat.

Der deutsche Konzern hält dagegen, dass Cogent bis zu zwölf Mal mehr Daten ins Netz der Telekom sende als diese ins Netz von Cogent. Cogent solle deswegen für den Ausbau und das große Datenvolumen zahlen.

Update 3: Jetzt bestätigt Philipp Blank, Sprecher der Telekom, gegenüber netzpolitik.org:

Geld von anderen Carriern zu verlangen, ist gerechtfertigt. Wir müssen zusätzliche Kapazitäten aufbauen, um den zunehmenden Datenstrom zu bewältigen und dafür kann nicht nur der Endkunde aufkommen.

Gleichzeitig droht uns die Telekom:

Wenn Sie zudem nicht die Behauptung entfernen, dass wir ein Kartell gebildet hätten, werden wir presserechtlich dagegen vorgehen, weil wir das als Rufschädigung werten.

Kann uns mal wer eine juristische Einschätzung dazu geben? Nach unserer Auffassung haben wir gar keine “Behauptung aufgestellt”. In der Überschrift wird das nur als Frage aufgeworfen. Wie ist das juristisch zu bewerten?

Update 4: Fünf Juristen, zehn Meinungen. Da wir unsere knappen Ressourcen lieber in den Kampf für echte Netzneutralität stecken als in juristische Auseinandersetzungen, haben wir in der Überschrift “Hat die Deutsche Telekom ein Kartell gebildet?” zu “Hat die Telekom ihre marktbeherrschende Stellung missbraucht?” geändert. Davon weichen wir aber nicht ab.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

June 26 2013

GMK: “Netzneutralität als Bedingung persönlicher, kultureller und demokratischer Teilhabe”

Die Debatte um die Netzneutralität zieht immer weitere Kreise. Nun hat sich auch die “Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur” (GMK) in einer Stellungnahme zum Thema Netzneutralität zu Wort. Die GMK beleuchtet das Thema in ihrer Stellungnahme nicht aus technischer Sicht, sondern liefert einige überzeugende Beispiele, wie die geplanten Drosselungspläne der Deutschen Telekom die Gesellschaft einschränken würde. Die GMK sieht besonders “das Potenzial für politische Teilhabe, internetgestützte Bildung und auch die Chancengerechtigkeit beim Zugang zu Informationen” gefährdet.

Die GMK sieht die Netzneutralität als “Grundlage für die gleichberechtige Teilhabe am Internet” und fordert daher ihre gesetzliche Festschreibung. Das Internet sei mittlerweile nicht nur ein “Ort der Kommunikation” sonder trage auch “erheblich zur Identitätsentwicklung” bei jüngeren Generationen bei.

Das Internet ist nicht nur ein maßgeblich prägender Teil des Lebensraums Jugendlicher, sondern zunehmend auch aller Generationen. Zugleich sind die digitalen Angebote des Internets in vielfältiger Weise bedeutsam für die Bildung in einer digital geprägten Kultur.


Das Internet ist nach Auffassung der GMK mittlerweile “zu einem zentralen Element der technischen, ökonomischen und sozialen Infrastruktur in diesem Land geworden”.

Die aktuelle Ankündigung der Telekom eines Netzmanagements der Anschlüsse ihrer Kunden in Verbindung mit einer Ungleichbehandlung der zugänglichen Internetdienste weist daher in eine falsche Richtung.

Die GMK listet außerdem eine Reihe verschiedenster Argumente auf, weshalb die Netzneutralität gesichtert werden muss. Die Argumente decken dabei die Lebensbereiche der politischen Teilhabe, der persönlichen und sozialen Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und Familien, von Bildungsinnovationen, gesellschaftlicher Teilhabe und einen Blick auf Massenmedien ab. Wir präsentieren an dieser Stelle nur eine kleine Auswahl:

Nur Netzneutralität kann dafür sorgen, dass der gleichberechtigte Zugang zum Netz gewährleistet ist und kein Unternehmen aufgrund kommerzieller Interessen willkürlich Entscheidungen treffen kann. Demokratische Kontrolle muss überdies dafür gewährleisten, dass die Netzneutralität nicht eingeschränkt wird.

Netzangeboten, wie sozialen Netzwerken und Videotelefonie, kommt überdies auch für Patchworkfamilien, jugendliche und erwachsene Pendler und generell zur Pflege von Beziehungen und Freundschaften bei zeitlich stark eingespannten oder räumlich getrennten Menschen aller Generationen eine herausragende Bedeutung zu. Beides kann durch die geplanten Beschränkungen gefährdet werden.

Die Flexibilisierung von Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten durch Blended Learning- Angebote ist mit gedrosselten Zugängen nicht realisierbar. Die Drosselung würde die Modernisierung und Reformierung von Ausbildung, Studium und Weiterbildung bremsen.

Menschen mit Behinderungen profitieren besonders von einem freien Internetzugang. Spezielle Anwendungen und Tools unterstützen sie in einer selbstständigen und selbstbestimmten Lebensführung. So stellt z.B. für gehörlose Nutzerinnen und Nutzer der Chat ein äußerst bedeutendes Kommunikationsmedium dar. Menschen mit Körperbehinderungen nutzen das Netz besonders intensiv und häufig, wenn der Zugang erst einmal erlangt wurde. Die geplanten Einschränkungen können zu einer enormen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen. Um das gegenwärtig intensiv diskutierte Leitziel der Inklusion voranzubringen, ist die Netzneutralität unverzichtbar.

Wichtiges Element für einen kritischen Umgang mit Medien ist der Blick hinter die Kulissen: Wie funktionieren Medien, z.B. Zeitungen, TV, Radio, Internet? Wie manipulativ können Fotos oder Zusammenschnitte im TV sein? Welchen Informationen im Internet kann man trauen? So schwer Informationen und Dienste im Netz zu durchschauen sind, so sicher kann sein: Nur wenn alle Dienste und Informationen technisch neutral sind, besteht die Chance einer kompetenten Bewertung und Einordnung für alle Bürger und Bürgerinnen Deutschlands, daraus folgt die Notwendigkeit einer gleichen Behandlung.

Der Beitrag der GMK zeigt deutlich auf, dass das Thema Netzneutralität eben nicht nur ein Nischenthema für junge Menschen ist, sondern die ganze Gesellschaft betrifft. Wir fordern daher ebenso wie die GMK die “Netzneutralität gesetzlich zu verankern und für einen diskriminierungsfreien Zugang aller Nutzerinnen und Nutzer sowie eine diskriminierungsfreie Durchleitung der Inhalte im Internet zu sorgen.”

Die vollständige Stellungnahme kann hier als pdf heruntergeladen werden.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

May 21 2013

Deutsche Telekom: Die Zukunft von Neubaugebieten liegt im funkbasierten Teilnehmeranschluss?

Die Saarbrücker Zeitung berichtete am vergangenen Samstag, dass die Deutsche Telekom künftig prüfen möchte, ob man Neubaugebiete noch ans Telefon-Festnetz anschließen wolle,

Wenn Städte und Gemeinden Baugebiete ausweisen oder Baulücken schließen, die aus Sicht der Telekom unrentabel sind, sollen keine Kupferkabel mehr verlegt werden. Das kann Bezirke am Stadtrand oder im ländlichen Raum treffen. Die Telekom will so Kosten reduzieren.

Geplant ist jetzt ein Pilotprojekt in Neubaugebieten, wo man parallel Kabel-Festnetz und einen „funkbasierten Teilnehmeranschluss“ testen möchte. Laut dpa soll der Test ein Jahr lang laufen und dabei “soll festgestellt werden, ob sich ein drahtloser Anschluss als gleichwertige Alternative eignet”.

Das sorgt natürlich noch für zusätzliche Kritik im Rahmen der aktuellen Drosselkom-Pläne. Denn ein „funkbasierter Teilnehmeranschluss“ über LTE macht auch nur Spaß, wenn man die Funkzelle nicht mit vielen teilen muss. Wenn man alleine drin surft, kann man eventuell noch viel von den “bis zu 100 MB/s” haben. mit jedem weiteren Nutzer teilt man sich diese. Darüber hinaus hat die Deutsche Telekom im Moment zwei “große” LTE-Verträge im Angebot. Den “Mobile Data L eco” gibts für 49,95 Euro mit ganzen 10 GB Transfervolumen und der “Mobile Data XL eco” beinhaltet 30 GB Transfervolumen bis zur Drosselung für 69.95 Euro. Soweit, so gut. Das ist nur ein weiterer Nachteil dieser Alternative.

Der richtige Teufel steckt am Detail. In diesem Fall in der AGB, die unscheinbar in hellem Grau ganz unten auf der Seite zu finden ist und wo ich diese auch erstmal überlesen habe. Und wo erstmal erklärt wird, wie man die Netzneutralität in diesen Tarifen verletzt:

Die Flatrate kann nicht für BlackBerry, Instant Messaging und Peer-to-peer Verkehre genutzt werden.

Einerseits wird hier Konsumententäuschung betrieben, weil man etwas als Flatrate deklariert, aber einen Volumentarif verkauft. (“Daten-Flatrate zum schnellen Surfen und E-Mailen”). Und dann verbietet man einfach die Nutzung von Jabber, Skype-Chat, Facebook-Chat, sowie “Peer-to-Peer Verkehre” auch. Und was die Deutsche Telekom unter “Peer-to-Peer-Verkehre” versteht, erklärt sie auf telekom-hilft.de:

Frage: Was versteht die Telekom unter Peer-to-peer, ist hiermit auch eine VPN Verbindung zwischen einen UMTS Gerät und einem anderen Rechner gemeint?

Antwort: Wenn du über UMTS das Endgerät mir deinem Rechner verbindest, dann nutzt du unser Netz und somit ist damit auch diese Verbindung gemeint. Sorry! Liebe Grüße, Annika

Mit anderen Worten: Da wird etwas als Internet verkauft, wo die Nutzung des Internets aber im Kleingedruckten untersagt wird. Denn der eigene Rechner darf sich nicht mit anderen Rechnern im Netz verbinden.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung, auch um weiterhin einen Full-RSS-Feed anbieten zu können. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

May 13 2013

Donnerstag in Köln: Vogelbeobachtung vor der Telekom-Hauptversammlung

Am kommenden Donnerstag, den 16. Mai, veranstaltet die Deutsche Telekom ihre jährliche Aktionärs-Hauptversammlung in Köln. Aufgrund der Drosselkom-Pläne der Deutschen Telekom sind wir natürlich dabei. Um 8:30 Uhr laden wir am Willi-Brandt-Platz 2 in Köln zur Vogelbeobachtung ein.

(Sachdienliche Hinweise, wo wir bis Mittwoch Abend im Kölner Umfeld noch Drosseln bekommen, nehmen wir gerne entgegen. Wir lassen diese vor Ort auch gerne frei. Alternativ stehen wir da auch ohne Vögel.)

Bunte Schilder und Transparente mit thematischem Bezug werden gerne gesehen, themenunspezifische Parteienpropaganda wie Fahhnen hingegen nicht.

telekom-remix-2372-medium

Unsere Forderungen: An die Telekom:

- Die Telekom muss komplett von ihren Drosselungs-Plänen abrücken!

Unsere Forderungen: An die Politik:

- Netzneutralität muss gesetzlich festgeschrieben und durch die Aufsichtsbehörden durchgesetzt werden. Aufsichtsbehörden müssen dementsprechend auch finanziell ausgestattet werden.*
- Jeder Mensch muss ein Anrecht auf einen Breitband-Internetzugang haben. Dieses Recht muss gesetzlich verankert werden, um der digitalen Spaltung unserer Gesellschaft entgegen zu wirken.
- Wo Flatrate draufsteht, muss auch Flatrate drinstecken!*

(* Dies gilt für alle Internetzugänge, also Festnetz, Mobilfunk und Satellit.)

Bisher rufen dazu auf: AK Vorrat OG Köln/Bonn, Anonymous Aktivisten, Bundesverband Initiative gegen digitale Spaltung – geteilt.de. e.V., Chaos Computer Club Düsseldorf / Chaosdorf e.V., Chaos Computer Club e.V., digitalcourage e.V., Digitale Gesellschaft e.V., fNordeingang e.V., Freifunk Rheinland e.V., netzpolitik.org, Piratenpartei Deutschland.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung, auch um weiterhin einen Full-RSS-Feed anbieten zu können. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

March 26 2013

Gesucht: Deutsche Telekom Unterlagen für Abschaffung der Flatrates

Vergangene Woche haben wir über Gerüchte gebloggt, dass die Deutsche Telekom eine Vertragsumstellung ihrer DSL-Tarife plant, um Flatrates abzuschaffen, wie wir sie kennen. Die Deutsche Telekom hat das so halbherzig dementiert, dass wir glauben, dass da was dran ist und es tatsächlich Dokumente gibt, die im Umlauf sind und das belegen. Daher unsere Bitte: Wir würden gerne dazu mehr recherchieren. Falls jemand diese oder ähnliche Unterlagen hat, freuen wir uns über eine Mail (gerne auch mit PGP) oder Post.

flattr this!

March 22 2013

Das Ende der Flatrates?

Der Fanboys-Podcast berichtete gestern über ihm zugesandte Dokumente der Deutschen Telekom, die einen nahenden Systemwechsel bei den Kabelgebundenen Tarifen ankündigten. Bisher ist es so, dass es bei DSL Flatrates gibt. Und zwar Flatrates im ursprünglichen Sinne und nicht wie bei mobilen Internettarifen, wo irreführend Flatrate drauf steht, aber nur ein bestimmtes Kontingent an schnellem Internet gemeint ist.

Im Haus-eigenen Telekom-Blog geht man noch im Konjunktiv auf die Gerüchte ein und erklärt, dass man sich darüber Gedanken mache. Das ist nichts Neues, wahrscheinlich haben alle Telekommunikationsunternehmen ähnliche Pläne in der Schublade.

Was bedeutet es eigentlich, wenn die Deutsche Telekom tatsächlich demnächst ihre (DSL-)Verträge ändert, bzw. das durchsetzt, was theoretisch schon in den VDSL-/Glasfaser-Tarifen versprochen wird? Darüber kann man derzeit nur spekulieren.

Netzneutralität ade?

Es kann gut sein, dass man sich durch eine solche Maßnahme zurücklehnt und nicht mit der benötigten Motivation und Energie weiter in den Ausbau investiert. Denn die Umstellung ist erstmal eine Sparmaßnahme. Die auch für die Internetnutzung einschränkend sein kann. Der Vorteil der Flatrates war, dass die Uhr nicht mehr mit tickte, die vor über einem Jahrzehnt noch eine exzessive Internetnutzung bei vielen verhinderte. Viele kennen es aus dem Mobilen Bereich: Man hält sich oft zurück, alles so zu nutzen, wie man es gerne würde – weil sonst das Kontingent schnell aufgebraucht ist.

Viel interessanter wird es bei der Deutschen Telekom aber sein, ob diese Beschränkung auch für die eigenen Angebote oder für Deals wie dem mit Spotify gilt. Wer im mobilen Internet-Tarif der Deutschen Telekom bereits Spotify dazu gebucht hat, bekommt diesen Internettraffic nicht ins Kontingent berechnet. Was ist, wenn man einen T-Entertain-Tarif gebucht hat und fleißig über Telekom-Angebote Fernsehen schaut? Wird das über das Kontingent berechnet oder auch bevorzugt?

Im mobilen Netz wird bereits mit dem Spotify-Deal ein Service gegenüber dem Rest bevorzugt und damit die Netzneutralität verletzt. Interessiert leider den Gesetzgeber und die Regulierungsbehörde nicht, weil man dort daran glaubt, dass das sicher vom Markt gelöst wird. Wenn die Deutsche Telekom dies genauso auch bei den Kabelgebundenen Verträgen einführt, dann erleben wir nicht nur das Ende der Flatrates. Sondern auch einen weiteren massiven Schritt in der Verletzung der Netzneutralität. Und spätestens dann muss der Gesetzgeber handeln und die Netzneutralität gesetzlich sichern.

vgwort pixel

flattr this!

Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl