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January 14 2012

Druck auf Wikipedia für Teilnahme an SOPA-Blackout via Spendenaufruf

Es klingt wie Satire, ist aber offensichtlich ernst gemeint. Weil sich die Entscheidung innerhalb der Wikipedia-Community (vgl. die diesbezügliche Wikiseite) weiter hinzieht, ob und in welcher Form man sich an den Anti-SOPA-Protesten beteiligen soll, hat Demand Progress die Seite www.wikipediablackout.com gestartet. Dort werden Internetnutzer aufgefordert, Wikimedia die Entscheidung mit Spendendollars leichter zu machen und zumindest einen Dollar an Wikipedia zu spenden. (Ein Schelm wer hier nur an den damit verbundenen perversen Anreiz denkt, sich jetzt erst Recht mit der Entscheidung Zeit zu lassen.)

Die Diskussion zieht sich vor allem auch deshalb so lange hin, weil es nicht nur um ein simples Ja oder Nein zur Teilnahme am für den 18. Januar geplanten Protest-Blackout geht, sondern auch um Ausmaß und Begleitmaßnahmen des Blackouts. Diskutiert wird beispielsweise, Wikipedia nur in den USA abzuschalten und im Rest der Welt über Banner darüber zu informieren.

Auch ist umstritten, was unter “Blackout” zu verstehen ist: Soll die Wikipedia tatsächlich für einen Tag nicht erreichbar sein oder sollen Besucher sich nur durch Informationen zu SOPA durchklicken müssen, um zu den Wikipedia-Inhalten zu gelangen. Dem derzeitigen Stimmungsbild nach zu urteilen dürfte zweitere Option in den USA, kombiniert mit Bannern für den Rest der Welt, voraussichtlich das Rennen machen – zumindest, wenn es überhaupt zu einer Entscheidung kommt.

July 20 2011

Ausleihen zu vieler Bücher aus der Bibliothek: Haftbefehl für Aaron Swartz

Aaron Swartz, Programmierer und Aktivist bei Demand Progress wurde gestern verhaftet, weil er zu viele Artikel aus der wissenschaftlichen Datenbank JSTOR heruntergeladen hat.

Um es auch Nicht-Akademikern kurz zu erklären: Wer als Wissenschaftler einen Artikel publizieren möchte, tut das üblicherweise in einer Zeitschrift (“Journal”) – und gibt dabei die Rechte am Artikel an den Verlag ab. Der Verlag vertreibt dann die Zeitschrift, üblicherweise im Abo, natürlich kostenpflichtig, vor allem auch für die Universität, die schon den Wissenschaftler und die Studie finanziert hat. Die Uni muss dafür bezahlen, ihre eigenen Forschungsergebnisse den eigenen Studenten zugänglich zu machen.

JSTOR als Non-Profit-Organisation bietet solche Abo-Modelle im Bündel an, und erlaubt den Nutzern freien Zugriff auf über 1.000 wissenschaftliche Zeitschriften. Üblicherweise handelt eine Uni Bündel-Konditionen für Lehrende und Studierende aus, die dann als Universitätsangehörige freien Zugriff auf die Artikel haben.

Das war auch am MIT der Fall, dem Aaron angehört.
Er hatte das Recht dazu, all diese Artikel kostenlos zu bekommen. Also bastelte er sich einen Crawler, der über 4 Mio. Artikel aus der Datenbank herunterlud. Dafür musste er natürlich mit einigen einfachen Methoden den Crawler-Schutz, mit dem sich JSTOR gegen Datenlecks schützen muss, umgehen. Es ist nicht das erste Mal, dass Swartz so etwas im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit gemacht hat: Für einen Artikel in der Stanford Law Review untersuchte er 441.170 Artikel auf ihre Finanzierung.

Die US-Staatsanwaltschaft machte jetzt aus dem Herunterladen von JSTOR die Absicht, das urheber-lizenzrechtlich geschützte Material in p2p-Netzwerken anzubieten, den unerlaubten Einbruch in das MIT-Netzwerk (in dem sich Swartz’ Computer befand) und noch ein paar weitere witzige Anschuldigungen wie ‘rücksichtslose Beschädigung eines geschützten Computers’

Die Höchststrafe im Falle eines Verurteilung beliefe sich auf 35 Jahre Knast und 1 Million Dollar Geldstrafe. In einer Pressemitteilung redet der Staatsanwalt auch permantent von Diebstahl, Computer-Betrug und ähnlichen abstrusen Vorwürfen.

JSTOR selbst erhält eine Zeugenvorladung, ist also in dem Fall noch nicht einmal Kläger, und äußert sich sehr verhalten zu der Angelegenheit. David Segalin von Demand Progress kommentierte ziemlich korrekt:

Das ist, als wenn man jemanden dafür verurteilt, zu viele Bücher aus der Bibliothek ausgeliehen zu haben.

Bei Demand Progress gibt es eine Petition für Aaron Swartz.
Als OpenAccess-Verfechter, also Freund der Idee, dass durch öffentliche Universitäten geschaffenes Wissen allen Menschen frei verfügbar sein sollte, halte ich diesen Fall für in seiner Absurdität nicht zu überbieten: Swartz hatte das Recht, die Artikel zu herunterzuladen. Es war dafür nicht allzu knapp bezahlt worden.

Das Handeln der Verlage dient in keiner Form der Wissenschaft oder ihrem Vorankommen – im Gegenteil: Wenn, dann behindert es die Wissenschaft in ihrer Freiheit und der Entfaltung ihrer Wirkung. Es wird Zeit, dass im Bereich wissenschaftlicher Publikationen eine ähnliche Revolution wie im Film-, Musik- und Journalismus-Geschäft stattfindet. Gerade in der Wissenschaft haben lizenzrechtliche Krosetts überhaupt nichts verloren.

Der Fall Aaron Swartz wird durch seine mediale Aufmerksamkeit hoffentlich der lang erwartete Auslöser dafür werden. Wenn nur das US-Rechtssystem nicht für seine psychotischen Anmutungen bekannt wäre.

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