Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

June 20 2013

Bradley Manning: Prozess unterbrochen, Probleme mit Beweismitteln

Wie Detlef Borchers und Alexander Spier bei Heise Online berichten, wurde der Prozess gegen den Whistleblower Bradley Manning gestern nach acht Verhandlungstagen unterbrochen. Die Verteidigung hatte etliche Widersprüche gegen die Beweismittel der Anklage eingelegt, bis zum 26. Juni sollen beide Parteien sich nun auf eine Befragung über die Aktenlage vorbereiten.

Bradley Manning ist seit Mai 2010 in Militärgewahrsam. 22 Anklagepunkte wurden ihm im Februar 2012 verlesen, darunter Geheimnisverrat und “Kollaboration mit dem Feind”. Ihm wird vorgeworfen, geheime Dokumente an WikiLeaks weitergegeben zu haben, unter anderem das “Collateral Murder” Video und mehr als 250.000 Depeschen, die als “Cablegate” weltweit für Aufsehen sorgten. Ende April legte Bradley Manning ein Teilgeständnis ab und bekannte sich in 10 der 22 Anklagepunkte für schuldig. Er habe geheime Dokumente an unautorisierte Personen weitergegeben, wehrt sich jedoch gegen den Vorwurf, “dem Feind” geholfen zu haben.

Doch genau darauf will die Anklage hinaus und versucht zu beweisen, dass Manning dem “Feind” WikiLeaks auf Kommando zugearbeitet hat. Sie legte den Screenshot einer Liste der “Most Wanted Leaks of 2009″ vor, die WikiLeaks 2009 initiiert hatte und behauptete, Manning habe die Liste gekannt und wollte sie quasi abarbeiten. Laut Verteidigung habe Manning jedoch selbst entschieden, was er weitergeben wollte. Die Verteidigung argumentierte weiter, dass es sich bei der Liste um ein Wiki handele, das von vielen zusammengestellt wurde.

Im Verhör musste die Anklage zugeben, ihre Version der Leaks-Liste von der Wayback Machine des “Internet Archive” bezogen zu haben. Damit ist die Liste als Beweismittel im Sinne eines forensischen Beweises problematisch: die Verteidigung legte die eidesstattliche Versicherung eines Wayback-Admins vor, nach der die an das Archiv geschickten Webseiten nicht darauf geprüft werden, ob sie tatsächlich der Seite an einem bestimmten Tag entsprechen. Auch würden keine Hashwerte der Webseiten gespeichert, um eine nachträgliche Änderung der Inhalte bemerken zu können. Captain Joshua Tooman, der Militär-Verteidiger von Bradley Manning, nannte die Beweisführung ein “vierfaches Hörensagen”.

Laut Huffington Post nannte die Anklage wiederholt den Namen des bekanntesten WikiLeaks-Initiators Julian Assange, insgesamt 22 Mal in den ersten acht Verhandlungstagen. Assanges Anwalt in den USA, Michael Ratner, hält dies für den Versuch eine Verschwörung zwischen Manning und Assange zu konstruieren – auch wenn Manning offiziell nicht wegen Verschwörung angeklagt ist. Joshua Tooman, einer von Mannings Anwälten, sagte ebenfalls dass die Pläne von WikiLeaks nichts mit Bradley Manning zu tun haben: “They can plan and do whatever they want. That doesn’t affect Pfc. Manning”.

Dass Manning WikiLeaks auf Kommando zugearbeitet hat, wollte die Anklage auch mit einem Tweet von WikiLeaks beweisen.

Dieser Tweet passe laut Anklage zu gelöschten Dateien voller Mail-Adressen, die auf einem von Manning benutzten Computer gefunden worden waren. Die Verteidigung zweifelte an der Authentizität des Screenshots, der nach Aussage der Anklage aus dem Google Cache kopiert wurde. Es gibt ebenfalls keinen Beweis dafür, dass Manning Tweets von WikiLeaks gesehen hat. Bei seinem Teilgeständnis im April sagte er, dass er erst versucht hatte die Informationen an die Washington Post, New York Times und das Portal Politico weiterzugeben, wo er jedoch niemanden erreichte oder das Gefühl hatte, nicht ernstgenommen zu werden. WikiLeaks war dann die vierte Wahl der Veröffentlichung.

Die Militärrichterin Denise Lind verkündete gestern nicht, ob sie die Tweets und die “Most Wanted” Webseite als Beweise zulassen wird. Alle Mitschrift der öffentlichen Teile des Prozesses gibt es bei der Freedom of the Press Foundation.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

September 02 2011

Flucht nach vorn: Wikileaks veröffentlicht alle Cables

Update 2: Über das Thema spreche ich morgen um 18:30 Uhr mit Anne Roth ausführlich im Rahmen der Konferenz “Netz für alle!” im Betahaus, Berlin.

Wikileaks hat nun die gesamten vermeintlich unredigierten Cables veröffentlicht. Sie stehen hier als torrent bereit. Zur Veröffentlichung wurde nochmals auf die Pläne, die Auswertung zu crowdsourcen, hingewiesen. Auch im Webinterface sind nun alle Cables zu durchstöbern.

Dieser Schritt war zu erwarten und (für Wikilekas) notwendig geworden, nachdem bereits vor einer Woche an die Öffentlichkeit geriet, dass das von David Leigh im Buch “Wikileaks – Julian Assange’s War on Secrecy” anekdotisch wiedergegebene Passwort zu einer Datei gehört, die dummerweise weit verbreitet wurde und sich auch noch in Umlauf befindet.

Dadurch war klar geworden, dass sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch in den ‘falschen’ Händen befinden würde, und Wikileaks’ Ruf war ernsthaft bedroht. Nur durch die vollständige Veröffentlichung kann Wikileaks nun dem Vorwurf der Gefährdung von Informanten oder Betroffenen durch ein Sicherheits-, oder besser: Vertrauensleck entgegentreten (wenn durch die Veröffentlichung kein Schaden entsteht)

Gegen David Leigh und eine nicht genannte deutsche Person (zur Auswahl stehen Jakob Augstein, Steffen Kraft und Daniel Domscheit-Berg) wurden rechtliche Schritte angekündigt – wir werden sehen, wie weit man damit kommt. Eine gerichtliche Auseinandersetzung mit vermeintlichen Verrätern möchte man als Institution, die um uneingeschränktes Vertrauen wirbt, eigentlich nicht haben.

PR-technisch scheint dieser Schritt bisher auch entsprechend nicht so zu zünden: Die Berichterstattung fokussiert auf Wikileaks, und nicht auf den Deppen Leigh, der das Passwort veröffentlicht hat, und sich nun mit der Behauptung aus der Affäre ziehen möchte, er habe das Passwort für temporär gehalten. Das ist natürlich kappes - und selbst wenn es das gewesen wäre: Passwörter zu verraten ist nie eine gute Idee.

Merkt euch das. Und jetzt: Weitermachen. Nachdem keine Cables mehr redigiert werden müssen, hat man bei Wikileaks ja jetzt vielleicht Zeit, das Submission System zu fixen.

Update: In den Kommentaren stelle ich fest, dass der Artikel so interpretiert wird, als hielte ich Wikileaks’ Schritt für besonders begrüßenswert. Wie ich aber im Titel schon schreibe: Es handelt sich um eine Flucht nach vorn [Versuch, sich durch aktives Handeln aus einer Notlage zu befreien] Dieser Schritt war das beste, was Wikileaks (1.) jetzt noch & (2.) für sich selbst tun konnte – jetzt, nach all den Fehlern, über ich hier in der letzten Woche geschrieben habe, hatten sie keine andere Wahl mehr.

August 29 2011

Leck bei Wikileaks bestätigt

Am Donnerstag habe ich ja schon mal über den Artikel im Freitag geschrieben, in dem Steffen Kraft berichtet, dass alle Wikileaks-Cables frei im Netz verfügbar sind – und das zum Entschlüsseln notwendige Passwort auch.

Wikileaks reagierte mit einer Riesenwelle an neu veröffentlichten Cables – wohl um Schadensbegrenzung bemüht – und der Behauptung, der Bericht des Freitag sei falsch – und außerdem habe wohl Daniel Domscheit-Berg dem Freitag die Dateien gegeben. Das konnte der Freitag natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Man bat Markus und mich um eine unabhängige Bestätigung und bot an, uns unter Verschwiegenheitsverpflichtung einen Beweis zu liefern.

Aus verschiedenen Gründen war das jedoch nicht mehr notwendig, denn auch der Spiegel bestätigt nun, im Besitz der Dateien zu sein, und verrät sogar mehr über deren Herkunft, als vielleicht unbedingt notwendig gewesen wäre.

Mit Bradley Manning im Knast, den Cables dort draußen, also mit Sicherheit auch schon in den Händen diverser Geheimdienste kann man von einem ziemlichen Desaster für das Vertrauen in Leaking-Plattformen generell sprechen – quasi ein Cablegate^2.

August 25 2011

Leck bei Wikileaks?

Es bleibt spannend: Der Freitag berichtet heute von einer im Internet kursierenden Datei, die unredigierte und unveröffentlichte Cables enthalte, und spekuliert, es könnte sogar der vollständige Wikileaks-Cablegate-Datensatz sein.

Die Datei mit dem Namen „cables.csv“ ist 1,73 Gigabyte groß und enthält schon veröffentlichte Botschaftsdepeschen sowie zahlreiche unveröffentlichte Berichte, unter anderem über Gespräche von US-Botschaftsmitarbeitern mit namentlich oder anderweitig identifizierbaren „Informanten“ sowie „mutmaßlichen Geheimdienstmitarbeitern“, etwa aus Israel, Jordanien, dem Iran und Afghanistan.

Julian Assange ist wegen dieser Datei anscheinend beunruhigt, und und rief aus Sorge um die Sicherheit der Informanten bei Freitag-Herausgeber Jakob Augstein an, der ihm versicherte, daraus nicht zu veröffentlichen. Die Datei sei zwar mit einem Passwort geschützt, aber… 

Das geheimnisvolle Passwort, das zur Entschlüsselung der Daten notwendig ist, soll von Assange selber weitergegeben worden sein. Die Person, die das Passwort von Assange erhalten haben will und es inzwischen veröffentlicht hat, gibt an, keine Kenntnis von der Datei im Besitz des Freitag zu haben. Sie sei davon ausgegangen, dass es sich bei der von Assange übergebenen Phrase um ein temporäres Passwort gehandelt habe, das nach einer Zeit seine Gültigkeit verliere.

Bereits vor einiger Zeit hörte ich aus vertrauenswürdiger Quelle erste Gerüchte über diese Datei, die erwähnte Person und das (veröffentlichte) Passwort, hielt es aber trotzdem zunächst für eine Schauergeschichte. Bisher waren alle Cables bekanntlich nur redigiert veröffentlicht worden, um Gefahr für Betroffene (Kollaborateure etc.) auszuschließen. Wenn dieses Wissen nun also tatsächlich in die Hände der falschen gelangt ist, war all diese Arbeit umsonst und das Ansehen Wikileaks’ nimmt erheblichen Schaden.

So etwas darf ganz einfach nicht passieren. Der Freitag spekuliert dass dieses Leck ein möglicher Grund sein könnte, weshalb Daniel Domscheit-Berg sich geweigert hat, Julian die berühmten Daten auszuhändigen. Daniels Verhalten könnte man dann fast schon als edelmütig bezeichnen: Lieber den Shitstorm durchstehen und der Buhmann sein, weil man die Platte gelöscht hat, als durch einen Hinweis auf das Leck, oder gar durch das Aushändigen der Platte die Betroffenen und Wikileaks noch mehr in Gefahr zu bringen.

Sicherlich aber wird eine Version der Geschichte, dass Daniel selbst diese Datei in Umlauf gebracht haben soll, auch nicht lange auf sich warten lassen, sonst wäre es ja langweilig.

Der Freitag betont einen wichtigen Punkt: Es ist der menschliche, und nicht der technische Faktor, der Whistleblower und Leaking-Plattformen in Gefahr bringt, sei es im vorliegenden, oder im Fall von Bradley Manning.

Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl