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May 29 2013

BSA-Piraterie-Studie: Leerstelle freie Software

Die Business Software Alliance (BSA) zählt zu den finanzstärksten und umtriebigsten Lobby-Verbänden im Urheberrechtsbereich. Ihr Hauptbetätigungsfeld ist der Kampf gegen Softwarepiraterie. Auf der deutschen Homepage werden derzeit beispielsweise Mitarbeiter/innen mittels Video aufgefordert, das eigene Unternehmen wegen des Einsatzes illegaler Software unter einer gebührenfreien Nummer zu verpfeifen. (Dass das ein Kündigungsgrund sein kann, wird nicht dazugesagt.)

Notorisch sind auch die zahlreichen “Studien”, die von der BSA in Auftrag gegeben werden, um vermeintliche volkswirtschaftliche Schäden von Softwarepiraterie zu belegen. In der deutschen Presseerklärung zur jüngsten Studie “Competitive Advantage: The Economic Impact of Properly Licensed Software” heißt es beispielsweise: Die “Deutsche Volkswirtschaft profitiert viermal mehr von lizenzierter Software als von Raubkopieren” weil “[f]ür jeden Euro, der in korrekt lizenzierte Software investiert wird, die Wirtschaft in Deutschland um 55 Euro [wächst], verglichen mit 19 Euro für unlizenzierte Software.” Für ärmere Länder werden noch höhere Zahlen kalkuliert, wonach die Investition von 1 Dollar in eine Microsoft-Lizenz zu 437 Dollar zusätzlichem BIP führen würde.

Die gewählten Berechnungsmethoden sind jedoch, trotz Kooperation mit der renommierten INSEAD Business School, haarsträubend. Glynn Moody hat das in einem Blogeintrag detailliert herausgearbeitet und kommt zu dem Schluss (meine Übersetzung):

Wie üblich basieren die Aussagen der BSA über Piraterie auf übertriebenen Behauptungen abgeleitet aus simplistischen Modellen mit beschränkter Datenbasis, deren wichtigste Teile von der BSA selbst bereitgestellt werden. Aber natürlich sind die Schwächen der Studie noch viel tiefgehender, weil sie komplett die Folgen – oder auch nur die Existenz – von freier Software übersieht.

Das “Übersehen” von freier Software ist alles andere als ein Zufall. Die BSA hat beispielsweise noch 2010 beim Handelsvertreter der Vereinigten Staaten (USTR) dafür lobbyiert, dass Entwicklungsländer mit Handelssanktionen bestraft werden, wenn sie verstärkt auf freie Software setzen (vgl. Bericht bei Keionline).

In der aktuellen Studie ist das Ausblenden von freier Software aber vor allem deshalb brisant, weil die angeführten Gründe für volkswirtschaftlich positive Effekte proprietär-lizenzierter Software in noch höherem Maße für freie Software gelten. Die Studie verweist auf versteckte Kosten illegaler Kopien und zitiert diesbezüglich eine Microsoft-Studie (PDF). Diese listet u.a. folgende Gründe für Produktivitätsvorteile proprietärer Software auf:

  • Sicherheit, vor allem wegen geringerer Anfälligkeit für Schadsoftware
  • Geringere Ladezeiten und schnelleres Hochfahren
  • Höhere Energie-Effizienz
  • Häufigere Updates

Wie Moody in seinem Blogeintrag ausbuchstabiert, treffen diese und andere Vorzüge in noch höherem Maße auf freie und Open Source Software zu. Für die Berechnung von fantastischen Zuwächsen im Bereich des BIP taugt freie Software aber dennoch weniger als proprietäre Software, wie ich in einem Rückblick auf die beiden Enquete-Kommissionen im deutschen Bundestag schon einmal ausgeführt habe:

Kaum ein Unternehmen, kaum eine digitale Innovation, die nicht auf irgendeine Weise Freie Software einsetzt. Im BIP scheinen aber nur begleitende Dienstleistungen oder bezahlte Open-Source-Programmierer auf; Beiträge der Open-Source-Community? Fehlanzeige.

Den gesellschaftlichen Wohlstandsgewinn freier Software deutlich zu machen, scheitert also nicht nur am Verzicht auf unseriöse Berechnungsmethoden, sondern auch weil das BIP ein denkbar schlechter Indikator zur Wohlstandsmessung ist.

 

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Schweinderl