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June 21 2011

Jetzt sollen auch Apps depubliziert werden.

Es ist zum Verzweifeln. Dass die öffentlich-rechtlichen Online-Angebote seit dem letzten Jahr schon gezwungen sind, ihre Inhalte nach einer Woche zu löschen, obwohl es keinen nennenswerten Grund dazu gibt (ganz im Gegenteil), reicht wohl noch nicht.

Die Verlage der WAZ, M. Dumont Schauberg, Rheinische Post, Lensing Wolff, Axel Springer, die Medienholding Nord, die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” und die “Süddeutsche Zeitung” haben sich im Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) zusammengetan und klagen dagegen, dass in der “Tagesschau”-iOS-App auch Texte vorkommen

Wie fürchterlich! Hatten die Verlage sich doch gerade erst ein so attraktives Geschäftsfeld wie den App-Store für sich entdeckt, bei dem sie 1/3 der Einnahmen an Apple abdrücken müssen (was ihnen dann aber doch auch wieder nicht gefiel), kommt nun der öffentlich-rechtliche Rundfunk seiner Aufgabe nach, und wartet dort mit einem Gratis-Angebot auf. Dadurch verderbe er nun den Verlagen ihr geliebtes neu entdecktes Geschäftsmodell.

Klingt beknackt, ist aber die Argumentation. Laut SpOn drohte Jürgen Doetz (VPRT, das ist der, der der re:publica faschistoide Tendenzen diagnostiziert) der ARD sogar bereits 2009 mit einer EU-Klage wegen Wettbewerbsverzerrung. Ich BITTE euch!

Die weitgehende Demontage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zugunsten kommerzieller Anbieter ist eine wirklich zutiefst beunruhigende Entwicklung. Reicht es nicht, dass unsere Gesundheits- und Alters-Vorsorge, unsere Renten, unsere öffentlichen Verkehrs- und in absehbarer Zeit auch unsere weiterführenden Bildungssysteme privatisiert werden? In keinem dieser Bereiche konnten für die Bevölkerung nennenswerte Vorteile diagnostiziert werden – und es würde mich sehr wundern, wenn dies bei der Beschneidung der iPhone-App oder dem Ausfechten dieser Auseinandersetzung mit unseren GEZ-Gebühren der Fall wäre. Und Monika Piel sitzt inzwischen als ARD-Intendantin sogar in den Reihen der Deutschen Content-Allianz, die sich für das Leistungsschutzrecht einsetzt – was ist hier eigentlich los?

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Schweinderl