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October 10 2011

Zwischen Euphorie und Sorge: Das Dritte Arabische Bloggertreffen in Tunis

Dieser Artikel von Layla Al-Zubaidi und Joachim Paul wurde zuerst auf boell.de veröffentlicht und steht unter der CC-BY-SA-Lizenz.

Vom 2. bis 6. Oktober veranstaltete die Heinrich-Böll-Stiftung zusammen mit Global Voices und der tunesischen Internetplattform Nawaat das Dritte Arabische Bloggertreffen (#AB11). Über hundert Internetaktivist/innen aus mehr als 20 Ländern trafen sich in Tunis, um Erfahrungen auszutauschen und ihre Rolle im arabischen Frühling zu diskutieren. Während die ersten beiden Treffen noch eher anonym in Beirut abgehalten wurden, erachteten es die Blogger als selbstverständlich, dass das dritte Treffen in Tunesien statt finden sollte – zur Ehrung der ersten arabischen Revolution.

Bei der Begrüßung in Tunis fielen sich die Bloggerinnen und Blogger in die Arme und klopfen sich gegenseitig auf die Schultern „Wer hätte es gedacht dass wir uns jemals in Tunesien treffen können – wir haben es geschafft!“ Alle sind erpicht auf die Erfahrungen der Aktivisten aus Tunesien und Ägypten, denn ihre Revolutionen waren erfolgreich. Trotz Euphorie herrscht besorgte Stimmung. Für viele ist es noch lange nicht vorbei: Insbesondere die Unterstützung der Blogger aus Syrien und Bahrain ist ein Schwerpunkt des Treffens, denn sie sind extrem gefährdet.

Historische Vernetzung

Den sudanesischen Blogger Amir Ahmad, lange nur als „Drima“ auf seinem Blog „Sudanese Thinker“ bekannt, hat der arabische Frühling inspiriert, seine Identität zu enthüllen. „Ich führte eine schizophrene Existenz. Drima, meine Netzidentität nahm kein Blatt vor den Mund, war kritisch und häretisch. Amir Ahmad hingegen hat sich geduckt und die Stimme gesenkt. Manchmal wusste ich nicht mehr wer ich wirklich bin, Drima oder Amir. Gegen Ende des vergangenen Jahres bereits traf ich die Entscheidung, mich der Öffentlichkeit zu zeigen, habe aber den Zeitpunkt immer wieder verschoben. Die Revolutionen gaben mir schließlich den Anstoß. Ich wollte mich nicht mehr verstecken und endlich mit meinem echten Namen für meine Überzeugung stehen. Freie Meinungsäußerung bedeutet nichts ohne die Freiheit der Überzeugungen. Ich setzte mich an den Computer und zählte ‚Drei, zwei, eins… dann der Mausklick – publish! Mit einem Schlag war ich befreit“.

Für ihn ist das Bloggerforum wie ein Familientreffen „Die ersten beiden Treffen in Beirut, 2008 und 2009, haben den Weg geebnet. Sie haben die Bühne für den Anteil der Blogger/innen an den Revolutionen bereitet. Damals haben wir uns in Persona kennengelernt und uns mit Al-Jazeera vernetzt. Auf der Grundlage dieser Treffen konnte Al-Jazeera auf eine starke Informationsbasis zurückgreifen; ohne sie wäre die Kommunikation in den Revolutionen wesentlich chaotischer verlaufen. Es war unsere Verlobungsfeier. Die Revolutionen waren dann die Flitterwochen. Das aktuelle Treffen ist die Ehe. Wir stehen etwas ernüchtert da, schauen uns an und fragen uns – Ok, das soll jetzt bis ans Lebensende so weitergehen? Die erste Euphorie über die Revolutionen ist vorbei und wir stehen vor gigantischen Herausforderungen. Und realisieren dass die Arbeit noch lange nicht vorbei ist…“ (Ein englischsprachiges Audio-Porträt des Bloggers Drima gibt es hier zu hören)

Erfolgreiche Kooperation von Bürgerjournalismus und Mainstream-Medien

Oft wurden die Revolutionen in Tunesien und Ägypten Facebook- Revolutionen genannt. Der prominente tunesische Aktivist Sami Ben Gharbia und Mitbegründer von Nawaat erklärt, warum gerade Facebook eine so große Rolle gespielt hat: „Fast alle anderen Sharing-Websites wie Youtube, Flickr und Twitter waren geblockt. Daher lief fast die gesamte elektronische Kommunikation über Facebook.“ Das soziale Netzwerk Facebook stellte die Aktivisten jedoch auch vor Probleme. Die Kommunikation fand in lokalem Dialekt statt, den weder die arabischen noch die internationalen Medien verstanden. Ihnen fehlte zudem die Einsicht in die lokalen Zusammenhänge. Ben Gharbia sah die Aufgabe von Nawaat daher als „Kurator“: „Wir haben die Brücke geschlagen zwischen dem lokalen Bürgerjournalismus und den arabischen und internationalen Medien. Wir haben aggregiert, übersetzt und Kontext geliefert. Al-Jazeera und die großen internationalen Kanäle wie France 24, BBC und CNN haben sich zeitweise komplett auf uns verlassen. Sie haben unsere Inhalte übernommen, die Fakten geprüft und dem Massenpublikum zugänglich gemacht. Die tunesische Revolution ist ein Musterbeispiel dafür welche politische Macht die Medien entwickeln können, wenn Bürgerjournalismus und die großen internationalen Medien kooperieren.“

Der ägyptische Blogger Alaa Abdel-Fattah gibt zu bedenken, dass die Proteste auch weitergingen, als das Internet und Mobiltelefonnetzwerk abgeschaltet wurde: „Facebook kann sich nicht den Erfolg der Revolutionen auf die Fahnen schreiben. Aber es ist trotzdem wichtig zu verstehen, dass der Internetaktivismus instrumental war. In Ägypten ist das enorme Momentum durch das Zusammenspiel von Online-Aktivismus, Straßenprotesten und der Kreativität der vielen verschiedenen Akteure entstanden.“ Lächelnd fügt er hinzu: „Ihr müsst schon zugeben, dass unsere Revolution die coolste war.“

Weder WikiLeaks- noch Facebook-Revolution

Marcel Rosenbach, Spiegelredakteur und Ko-Autor des Buchs „Staatsfeind WikiLeaks“ reiste aus Berlin an, um dem Treffen beizuwohnen. „Mich interessiert die freiheitsstiftende Kraft des Internets, und die arabischen Revolutionen sind ein gutes Beispiel dafür. Die arabische Bloggerszene zeigt die Chancen und Risiken des Mediums.“ Er hält den Begriff „Wikileaks-Revolutionen“ für ebenso hochgegriffen wie „Facebook-Revolutionen“.
„Trotzdem handelt es sich um einen Baustein. Die Tunileaks zum Beispiel haben eine große Rolle gespielt in der Revolte. Schwarz auf weiß zu sehen dass amerikanische Diplomaten die grassierende Korruption der tunesischen Führung bestätigten, hat der Revolution Impetus gegeben.“

Informationsmonopol gebrochen

Wie unterschiedlich die arabischen Blogger sein können, zeigen die Ansätze von Nasser Weddady, der aus Mauretanien kommt und in den USA lebt, und Hassan Al-Mustafa aus Saudi Arabien.

Weddady arbeitet für den American Islamic Congress in Washington an Projekten zu sozialem Aktivismus in der arabischen Welt, ist Anti-Sklavereiaktivist und einer der aktivsten arabischen Blogger. Für ihn ist das Bloggen ein Informationskrieg subversiver Aktivisten gegen die autoritären Regime in der gesamten arabischen Welt. Bei den Revolutionen habe es sich um regelrechte Schlachten gehandelt, so Nasser: „Die Blogger und Internetaktivisten haben es geschafft, das Informationsmonopol der staatlich dominierten arabischen Medien zu brechen und durch Gegeninformation die Legitimation der Regime zu zerstören. Youtube-Videos, wie das des anonymen Bloggers Sniper, der in Marokko Polizisten bei Annahme von Bestechungsgeldern filmte, Handyfilme syrischer Schüler, die prügelnde Lehrer aufnahmen, oder Videodokumentationen von folternden ägyptischen Polizisten hätten große Empörung ausgelöst. In den letzten Jahren haben wir gespürt, dass es unter der Oberfläche der scheinbar stabilen Diktaturen gärt. Die Unterdrückung der Menschen hat Wut und Verzweiflung hervorgerufen, für die es kein Ventil gab.“

Weddady
, der von Washington aus schreibt, hat die überregionale und internationale Öffentlichkeit im Blick. Am Beispiel Ägyptens, erklärt er, dass Mubarak und sein Vorgänger Sadat jahrzehntelang Unterdrückung mit dem Argument gerechtfertigt hätten, sie würden für Sicherheit und Stabilität sorgen. Und dies sowohl in Bezug auf den arabisch-israelischen Konflikt als auch die „islamistische Bedrohung“. Seit dem 11. September kam die Kooperation mit dem internationalen Krieg gegen den Terror dazu. „Junge Menschen haben sich gefragt, was das mit ihnen zu habe, warum ihnen eine ähnlich sozio-ökonomische Entwicklung wie z.B. in Malaysia oder der Türkei versagt bleibt. In den Augen junger Menschen wurde die Reform der Regime Mubaraks und Ben Alis vom Westen verhindert, um die regionale Stabilität nicht zu gefährden. So als ob die internationale Gemeinschaft in der Gorbatschow-Ära die Menschen in Osteuropa zu Mäßigung und Kooperation mit den Honeckers und Mielkes aufgerufen hätte.“

Reformen für Saudi-Arabien

Ein ganz anderes Bild vermittelt Al-Mustafa, ehemaliger Fernsehjournalist beim regionalen Nachrichtenkanal Al-Arabia und heute Herausgeber der neuen Online-Version der saudi-arabischen Zeitung Al-Sharq. Als Journalist kommentiert er saudische Politik auf seinem Blog hassantalk.com, zu dem der Zugang in Saudi-Arabien selbst blockiert wird. Mehr Wirkung erzielt er in Saudi-Arabien durch Twitter, wo ihm tausende Leser/innen folgen.

In Saudi-Arabien steht nicht Regimesturz im Vordergrund, sondern größere Meinungsfreiheit und individuelle Rechte. Die Printmedien seien vom königlichen Hof vollkommen kontrolliert. Chefredakteure werden vom Innenministerium benannt. Die Online-Ausgaben hätten zwar größere Freiheit, aber noch wichtiger sei Twitter: „Dort wird gesagt, was sonst nicht gesagt wird. Die Regierung könne in 140 Buchstaben kritisiert und sogar lächerlich gemacht werden.“ Al-Mustafa meint, dass in Saudi-Arabien das Ringen um politische und soziale Freiheiten miteinander verbunden sei, wie bei der bekannten Kampagne gegen das Fahrverbot für Frauen. Kritik werde auch in Comedy- Serien auf Youtube geäußert. Einzelne Filme werden immerhin 300.000 bis 900.000 Mal aufgerufen und kritisieren im arabesken Komödienstil Korruption und Unfreiheit.

Al-Mustafa gibt zu bedenken dass sich Internetaktivismus und der Einsatz sozialer Medien keinesfalls auf säkulare und freiheitlich-demokratische Akteure beschränke. Gerade in Saudi-Arabien geht auch die islamistische Opposition gegen das extrem konservative Königshaus auf Youtube, Facebook und Twitter vor. Salafistische Oppositionsgruppen rufen per Youtube zur Freilassung inhaftierter Aktivisten auf. Der Kampf um Meinungsfreiheit und gegen geheimdienstliche Willkür ist in gewissem Rahmen auch ihr Kampf. Ebenso haben die arabischen Geheimdienste Twitter und Facebook für sich entdeckt und beteiligen sich an dem „Zusammenstoß der Weltanschauungen“ im Internet, der dort ohne ethisch akzeptable Regulierung tobt.

Saudi-Arabien: Sympathien für die Revolution

Auch der saudische Blogger Ahmed Al-Omran, als „Saudijeans“ bekannt, bemerkt dass die Menschen in Saudi-Arabien bei den Revolutionen in Tunesien und Ägypten begeistert mitgefiebert haben, aber zurückhaltender sind wenn es um interne Angelegenheiten geht. „Es gibt viele Gemeinsamkeiten, die Arbeitslosigkeit, die politische Unterdrückung, die Korruption… aber es gibt einen zentralen Unterschied: Das saudische Königshaus hat genug Geld um es zu verteilen und die Menschen gefügig zu machen. Den Menschen wurde so lange vorgebetet dass sie dankbar sein müssen, dass es kaum ein Bewusstsein für Bürgerrechte gibt.“

Er hält es jedoch für unfair zwischen den verschiedenen Ländern zu vergleichen. „Wir sind in einem ganz anderen Stadium als Tunesien und Ägypten. Ich muss mich immer dafür entschuldigen dass Saudi-Arabien Ben Ali aufgenommen hat. Dabei gibt es viele Saudis die darüber sehr ärgerlich sind.“ Al-Omran gibt auch zu bedenken dass der König immer noch Popularität genießt, und viele sich nur dem Ruf nach Reformen anschließen, nicht aber dem nach radikalem Wandel.

Trotzdem ist er optimistisch: „Die Situation in Saudi-Arabien ist auf Dauer nicht haltbar. Der König ist 87 Jahre alt, der Kronprinz nur ein paar Jahre jünger. Die politische Führung ist völlig überaltert, während 65% der Bevölkerung unter 25 Jahren alt ist. Es gibt zwar kaum Aktion auf der Straße, aber in den sozialen Medien wird die Sprache immer deutlicher und kritischer. Das ist auch ein Resultat des arabischen Frühlings. Die Regierung kann den Cyberspace kaum noch kontrollieren, vor allem in Zeiten, in denen sie sich reformorientiert zeigen muss.“ Die Initiative des Königs, Frauen das Recht zur Kandidierung in den Lokalwahlen zu kandieren, begrüßt Al-Omran. „Es ist ein Zeichen dafür, dass das Land sich wandeln muss. Es reicht jedoch bei weitem nicht aus, so lange Frauen noch unter männlicher Vormundschaft stehen.“ Er rät deshalb dazu abzuwarten, den Schritt zu bewerten: „Es ist noch 18 Monate Zeit bis zu den Wahlen. Nach Bekanntgabe der Wahllisten werden wir wissen, ob nur regierungsfreundliche Frauen zugelassen werden, oder auch kritische Stimmen.“

Wie waren die Reaktionen unter Bloggerinnen und Bloggern? Al-Omran antwortet: „Eine Aktivistin möchte T-Shirts drucken mit der Aufschrift ‚Andere arabische Länder bekommen Revolutionen, wir bekommen dieses lausige Wahlrecht.’ Dies versinnbildlicht die Gefühle der jungen Menschen: Ihre Ambitionen sind viel höher als das was die Regierung ihnen bietet.“ Was den niedergeschlagenen Aufstand in nachbarlichen Bahrein angeht, so scheint die saudische Blogosphäre regelrecht gespalten: „Der König von Bahrain hat sehr erfolgreich die sektiererische Karte gespielt, indem er gesagt hat dass es sich um einen schiitischen Umsturzversuch handele und die Protestierenden vom Iran seien. Das macht den Saudis Angst.“

Vergessene Revolution Bahrein

Der bahrainische Blogger Hussein Jussif Mahmud, der auf arabisch bloggt, beschreibt dass es gerade aufgrund der offiziellen Propaganda wichtig war, die Friedlichkeit der Proteste zu betonen. „Die sozialen Medien haben eine instrumentale Rolle darin gespielt, das negative Bild der Revolte aufzubrechen, das die Autoritäten konstruiert haben“. Was die Dokumentation der Proteste in den sozialen Medien angeht, waren die Internetaktivistinnen im Königreich am Golf sehr gut organisiert: „Wir haben über 13,000 Videos, alle nach Datum und Ort katalogisiert und abrufbar.“

Trotzdem scheint die Revolte niedergeschlagen und zahlreiche Aktivisten stehen vor jahrzehntelangen Gefängnisstrafen. Der internationale Druck ist gering, und die USA, deren 5. Flotte in Bahrain stationiert ist, schaut bewusst in die andere Richtung. Zudem befinden sich die bahrainischen Demokratieaktivisten in einem strategischen Nachteil. Während der katarische Kanal Al-Jazeera in allen anderen Ländern entscheidend zu den Revolutionen beitrug, ignorierte er die Ereignisse in Bahrein. Nicht zuletzt ist Katar Mitglied im Golfkooperationsrat und stimmte für die Entsendung saudischer und emiratischer Truppen nach Bahrain um die friedliche Revolte niederzuschlagen. „Es war seltsam zu sehen, wie unsere Proteste Schlagzeilen in BBC, CNN und sogar im englischen Kanal von Al-Jazeera machten, nicht aber auf Al-Jazeera Arabisch“, kommentiert Mahmud. „Wir haben den Korrespondenten alles geschickt, Videos, Fotos und Berichte. Es blieben aber nur Rufe in die Dunkelheit.“

Syrien: Bürgerjournalismus gegen Propaganda

Wie ihre Kolleg/innen aus Bahrain kämpfen die syrischen Blogger gegen eine massive offizielle Propaganda, die die Aufständischen als bewaffnete Terroristen, Islamisten und Kriminelle verunglimpft. „Unsere Herausforderung ist, dass wir immer noch die Hälfte der Bevölkerung nicht erreichen. Das macht uns am Kopfschmerzen: wie können wir die Menschen in Damaskus und Aleppo erreichen, die entweder an die offizielle Propaganda glauben oder Angst haben vor dem was folgen könnte wenn das Baath-Regime zusammenbricht?“ fragt eine Bloggerin. Nur wenige Journalisten sind in Syrien zugelassen. Daher verlässt sich die arabische und internationale Berichterstattung fast ausschließlich auf Bürgerjournalismus. „Dies bedeutet eine große Verantwortung für uns“ bemerkt ein anderer syrischer Blogger. „Aber wir stellen fest, dass sich die syrischen Internetaktivist/innen zunehmend professionalisieren. Während früher Nachrichten einfach weitergegeben wurden, versuchen sie heute die Informationen anhand von Gesprächen mit Augenzeugen und Fact-Checking zu verifizieren.“ In der kurzen Zeit hat so in Syrien eine Metamorphose der Internetnutzung stattgefunden. Dabei konnten die Blogger auf bereits existierende Formate, wie die ägyptische „Wir alle sind Khaled Said“ Facebook-Seite zurückgreifen und kreativ in ihrem Kontext einsetzen. Khaled Said wurde 2010 in Alexandria von ägyptischen Polizisten zu Tod geprügelt, die nach ihm benannte Facebook-Seite war eines der erfolgreichsten Mobilisierungsinstrumente gegen den Polizeiterror.

Arabische Blogosphäre internationalisiert

Obwohl die meisten Teilnehmer/innen beim Treffen aus den arabischen Ländern kommen, ist die arabische Blogosphäre längst internationalisiert. Jacob Appelbaum, amerikanischer Hacker und Internetaktivist, hat die arabischen Revolutionen nicht nur mit Interesse begleitet, sondern aktiv unterstützt. Er empört sich darüber, dass westliche Demokratien Soft- und Hardware an autoritäre Regime exportieren, um Aktivisten zu überwachen, Proteste zu verhindern, und Kommunikation zu zensieren.

Nokia, Siemens, Gigamon, Blue Coat Systems, Amesys und Cisco gehören zu den Firmennamen, die in der Konversation fallen. Während des Bloggertreffens kam nicht nur heraus, dass westliche Firmen Tunesien als Testland zur Auswertung neuer elaborierter Überwachungsinstrumente nutzte. Auch wurde durch die Veröffentlichung von 54 Gigabyte syrischer Überwachungsdaten klar, dass Syrien Hard- und Software der US-Firma Blue Coat nutzt, um Akttivist/innen und Bürger effektiv zu bespitzeln und die Kommunikation zu zensieren. Die Firma hat auch einen Sitz in Deutschland.

Zusammen mit Freunden hat Appelbaum die Software „Tor“ entwickelt, die es den Usern erlaubt, anonym zu surfen und zu bloggen. Tunesische und ägyptische Aktivisten haben sie angewendet, im Iran hilft sie Zehntausenden die Zensur zu umgehen. Appelbaum nennt sich selbst einen „reisenden Aktivisten“. Ständig ist er unterwegs dorthin, wo seine Expertise in Internetsicherheit gefragt ist. Mobiltelefone hält er für das nützlichste, aber auch das gefährlichste Kommunikationsinstrument. Sie seien nicht nur leicht zu überwachen, sondern als„Ortungswanze“ zu verstehen, die man permanent mit sich herumtrage. Inzwischen haben u.a. deutsche Firmen Methoden entwickelt, über die Funkzellendaten der Mobiltelefone große Ansammlungen von Menschen vorauszusehen und damit Proteste schon präventiv zu unterbinden. Verkauft würden diese repressiven Mittel unter dem Deckmantel der „Lawful Interception“.

Appelbaum selbst benutzt noch nicht einmal Kreditkarten und bezahlt nur bar, um sich staatlicher Kontrolle zu entziehen. In den USA droht ihm immerhin eine Anklage vor der Grand Jury, die vor allem WikiLeaks wegen Spionage im Visier hat. „In den USA hat die Paranoia unnatürliche Ausmaße angenommen. Obwohl keine Anklage eingereicht ist, werde ich, schon aufgrund meiner Reisen in die Region, ständig befragt und eingeschüchtert. Mit Menschen in muslimischen Ländern zu interagieren bedeutet für die Behörden automatisch, dass man Terroristen unterstützt.“

Auf die Frage, warum er sich trotz des hohen persönlichen Risikos trotzdem für die arabischen Revolutionen engagiert, antwortet er: „Ich unterscheide nicht zwischen meiner und anderen Gesellschaften. Wir alle wollen freiheitliche Gesellschaften in denen die Bürgerrechte respektiert werden. Mein Ziel ist es, Technologien für den Kampf für die Demokratie nutzbar zu machen, egal wo. War das nicht mal der amerikanische Traum?“

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September 14 2011

Kreuzritter 2.0 – Im Netz der Islamfeinde

Die Frankfurter Rundschau und die Berliner Zeitung haben anscheinend die Daten eines Mailservers von den Islam-Hassern und Rechtsaußen von Politically-Incorrect erhalten. In einem Artikel geben sie einen Überblick, wie das System hinter dem Blog und diverser beteiligter Gruppen und Parteien funktioniert. Lesenswert: Kreuzritter 2.0 – Im Netz der Islamfeinde.

Der Kölner mit dem ungeheuren Geltungsdrang holt vielmehr ins Boot, was auf seinem langen Weg zu Europas Befreiung vorbeigeschwommen kommt. Unter den Dokumenten, die dieser Zeitung vorliegen, befinden sich mal mehr, mal weniger intensive Korrespondenzen mit etlichen Organisationen und Privatpersonen. Darunter hierzulande sattsam bekannte “Islamkritiker” wie Ralph Giordano oder Henryk M. Broder – was seltsam ist: Bestreitet Broder doch eine Nähe zu “Politically Incorrect”.

Die Strahlkraft des Blogs scheint inzwischen sogar bis in lupenrein demokratische Parteien zu reichen. Anders jedenfalls ist es nicht zu erklären, dass auch der Stresemann-Club – ein rechtslastiger Verein innerhalb der FDP – Kontakt mit dem “lieben Stefan” aufgenommen hat. Gleiches gilt für die Senioren-Union der CDU Deutschlands. Deren Geschäftsführer Dirk Hülsenbeck wandte sich am 19. Mai an das PI-Team, weil er “Sympathie für Ihr Engagement” empfindet. Es gebe “viele in der CDU, die die Union von innen erneuern möchten”, so Hülsenbeck, der einen islamfeindlichen Blog dafür offenbar als Mittel zum Zweck erachtet. Daher bot er PI an, gelegentlich “brauchbare Infos” zu liefern.

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September 04 2011

Live: Public Square Squared – die Fronten des Info-Kriegs

Ich blogge hier live von der Ars Electronica in Linz. Rechtschreibfehler können erstmal gerne behalten werden. Gut möglich, dass ich Einzelheiten nicht berücksichtige, aber dafür gibts später Videoaufnahmen im Netz. Ich ergänze später noch Bilder.

Auf der Ars Electronica findet heute das Symposium “Public Square Squared – die Fronten des Info-Kriegs” statt. Der Tag ist unterteilt in “After the revolution” und “Before the revolution”. Am Vormittag stand der arabische Frühling und eine Reflexion über den Einfluß von Internet und sozialen Medien auf diesen auf dem Programm.

David Sasaki, der das Symposium zusammen mit Isaac Mao organisiert hatte, verglich die 68er-Generation und ihre Proteste mit der medialen Situation heute. Das war interessant, weil mir noch nicht so bewusst war, dass deren Vernetzungsmedium damals das Fernsehen war. Denkt man ja erstmal nicht und ich fragte mich schon länger, wie die es früher geschafft haben, sich ohne Internet zu vernetzen. Aber vorher hatte sich Fernsehen flächendeckend durchgesetzt und man war erstmal in der Lage, auf Demonstrationen und während Protesten über Fernsehkameras eine größere Menschenmasse zu addressieren. In den USA waren wohl Ausschreitungen zwischen Polizisten und Demonstranten während eines Parteitages der Demokratischen Partei 1968 einer der Auslöser für landesweite Proteste. Damals berichtete das Fernsehen davon, dass sich Demonstranten dagegen whrten, ohen Grund von der Polizei zusammen geschlagen zu werden, wie das damals wohl üblich war. “The Whole World is Watching” entwickelte sich als Slogan. David Sasaki zitierte auch Daniel Cohn-Bendit, der 1968 in Paris medial sehr präsent war mit den Worten “We met through television. We were the first television generation.”

Ideologische Vergleiche zwischen 1968 und heute sind eher schwer. In beiden Zeiten ging/geht es um Anti-Macht-Proteste, aber heute geht es weniger um ideologische Alternativen. Dafür gibt es heute ein gemeinsames Mem: Freiheit. Und “Reclaim your future” (Wie @techsoc es im weiteren Verlauf der anschließenden Debatte nannte).

Als nächste sprach Lina Ben Mhenni, die als Bloggerin von “A tunesian girl” bekannt geworden ist, über die tunesische Revolution und die Rolle des Netzes in dieser.

Die Proteste Anfang des Jahres waren nicht die ersten gegen den Diktator. Bereits 2008 gab es soziale Proteste im Süden, diese wurden blutig niedergeschlagen und viele verhaftet. Die sozialen Problemen blieben aber bestehen. Sie erklärte erstmal ausführlich, warum es Unsinn ist, von einer “Wikileaks-Revolution” zu reden, wie das Wikileaks in einer leichten Selbstüberschätzung kommuniziert hatte. Es gab zwar US-Depeschen, die im November vergangenen Jahres Korruption in Tunesien anprangerten, aber man könne davon ausgehen, dass ein Großteil der tunesischen Bevölkerung niemals was von Wikileaks gehört habe. Eine Twitterrevolution sei es auch nicht gewesen, in der Hauptzeit wurde der zentrale Hashtag #sidibouzid nur bis zu 10.000 x pro Tag verwendet und am Anfang nur rund 2.000x. Für eien Internetrevolution gebe es auch wenig Anhaltspunkte.

Es sei eine Straßenrevolution gewesen, die durch Internet und ausländisches Fernsehen (France24 / Al Jazeera) gestützt wurde. Diese anderen Medien waren notwendig, um eine alternative Realität zu verbreiten, nachdem die Staatsmedien Lügen und Propaganda kommunizierten.

Aber das Internet spielte trotzdem eine große Rolle: Vor allem um mit Handies Bilder und Videos von Demonstrationen zu machen, diese zu verbreiten und damit anderen Menschen zu zeigen, dass man nicht alleine ist in den Protesten. Warum das bedeutend was, erzählte Zeynep Tufekci (@techsoc) anschließend. Sie sprach über “social media and collective action under authoritarian regimes”

In den meisten arabischen Ländern gab es Gemeinsamkeiten: Diktatoren waren 30-40 Jahre im Amt, oft nicht erfolgreich, sehr unbeliebt und es stellt sich die Frage: Warum waren die totzdem solange an der Macht? Sie beschrieb das “collective action problem”, wenn ein gemeinsames Problem effektiv durch Massenpartizipation gelöst werden soll, aber man in solchen Umständen lebt. Für den einzelnen ergeben sich aber in der Regel hohe Kosten, dazu ist die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns da und man kann nicht so einfach organisieren und kommunizieren, weil alles zensiert. Das sei oft der Schlüsselmechanismus, warum sich solche Diktaturen lange halten. Dazu gibt es noch andere Probleme in diesen Dikaturen, wie Patronage, ethische Unterschiede, etc.

Um die Gefahr und möglichen Kosten für den einzelnen zu erhöhen, gebe es Folter als Einschüchterungsmechanismus. Dazu Zensur, um Kommunikation und Organisation zu verhinden und insgesamt Protest zu minimieren. Aber auch ein großer Überwachungsstaat hätte natürliche in Ressourcenproblem und könne weder jeden einzelnen kontrollieren, noch auf die Schnelle Millionen Menschen ins Gefängnis packen.

Warum haben die Proteste in Tunesien und Ägypten 2011 geklappt und nicht schon früher? Soziale Medien und das Netz spielten eine wichtige Rolle. Das Netz und seine Many-to-many-Kommunikation macht es schwieriger, Menschen zu isolieren und zu zensieren, Netzwerke wachsen schnell und Menschen können schnell an viele Botschaften schicken. Dazu kann man mit dem Netz Protest organisieren und z.B. Folter dokumentieren.

Dazu lösen sie ein Problem: Wenn man in einem Staat lebt, wo man gefoltert wird für die Teilnahme an Demonstrationen, dann möchte man in großer Zahl direkt am Anfang von Protesten erscheinen, um das Risiko für jeden Einzelnen zu minimieren. Das wachsen von Netzwerken und die Kommunikationsgeschwindigkeit sind Schlüsselfaktoren. Weiterer Vorteil von Many-to-Many-Networks: Sie sind schwieriger kaputt zu machen, gegenüber “traditionellen” sozialen Netzwerken, wo man oft nur einzelne Knotenpunkte entfernen muss, um Brücken zwischen verschiedenen Gruppen auszuschalten.

Zeynep Tufekci präsentierte sehr interessante Zahlen vom ersten großen Protesttag auf dem Tahirplatz in Kairo, die sie in einem soziologischen Paper ausführlich ausgewertet hat, was aber noch im Peer-Review-Verfahren liege. Die Zahlen wurden nach der Schnellball-Methode ermittelt, d.h. auf dem Platz empfahlen bereits Befragte andere Personen weiter, so dass es nicht für Gesamtbevölkerung repräsentativ ist (trotzdem 1050 befragte Personen). Aber es ging ja auch darum zu ermitteln, warum und wie die Menschen an dem Tag auf den Tahirplatz gekommen sind. Überraschendes Ergebnis: Die große Mehrheit hatte Internet zuhause (In Ägypten nicht ganz so die Regel wie bei uns), Frauen noch mehr als Männer, rund 50% waren Facebook-Nutzer (sonst 25% in Ägypten), 14% auf Twitter, etc. 28,3% haben von den Protesten auf Facebook erfaren (Facebook-Party), 13% übers Handy (Wohl SMS), 48% Face-to-face und Rest woanders.

Mit anderen Worten: Social Media Nutzer waren am Anfang statistisch gesehen viel mehr auf dem Tahirplatz. Das sei eine große Veränderung zu früher und einer der Schlüsselelemente dieser Proteste, weil kritische Masse sehr schnell erreicht wurde und das Regime Probleme hatte, dort einzugreifen. Rund 50% der befragten Teilnehmer machte Fotos, auch das ein großer Unterschied zu früher, wo man sich freute, wenn mal ein Journalist anwesend war, um Proteste zu dokumentieren.

Ihr Fazit:

1. Warum ist der erste Tag bedeutend? Der erste Tag ist der Schlüssel für gemeinsame Proteste, das schlimmste, was passieren kann ist, dass man an gescheiterten Protesten teilnimmt, wo sonst kaum jemand ist. Daher ist auch die Startgröße so bedeutend für Erfolge.
2. Visuelle Doukumentation ist bedeutend und die muss auch um die Zensur herum geschleust werden.
3. Soziale Medien haben sich als wichtige Komponente der Story erwiesen

Die letzte in der Runde war die syrisch-spanische Bloggerin Leila Nachawati Rego, die über “citizen mobilization: the internet and decentralized communications for social chance” sprach. Sie redete über die aktuellen Proteste in Syrien und Spanien, die man kaum vergleichen könne, weil das eine in einer Diktatur stattfindet und das andere in einer Demokratie. Aber beide Proteste hätten eins gemeinsam: “A wall of silcence has been broken”. In ihrem Vortrag mit vielen Beispielen erklärte sie anschaulich, wie soziale Videoplattformen wie Youtube und Citizen-Journalismus Menschen erlauben, trotz dass sie ihr Leben riskieren, die Wahrheit (TM) zu verbreiten. Auf Bildern von Protesten habe man manchmal das Gefühl, dass mehr Handies als Hände auf einer Demonstration seien. Das würde viel verändern. Die Sichtbarkeit wäre gut und helfe Aktivisten. Aber oftmals sei es keine gute Idee, alle Beteiligten einer Demonstration zu fotografieren und die Bilder ins Netz zu stellen, da sie identifiziert werden können. Immer mehr Menschen würde das bewusst werden und sie würden beginnen, Menschenmassen von hinten zu filmen oder anschließend Gesichter zu schwärzen. Aber sie appelierte zugleich an die Tech-Communty, Werkzeuge zu entwickeln, am Besten noch direkt während des Filmens oder hochladen vom Smartphone Gesichter automatisch zu schwärzen.

Um 15:00 Uhr geht das Symposium weiter mit “Before the revolution”. Ich spreche da etwas über netzpolitik.org und mehr über unsere Motivation, mit “digitale Gesellschaft e.V.” einen weiteren Weg einzuschlagen. Mal schauen, ob ich dazwischen noch die anderen Vorträge mitgeschrieben bekomme.

Public Square Squared – die Fronten des Info-Kriegs

Ich bin dieses Wochenende in Linz bei der Ars Electronica und nehme heute an dem Symposium “Public Square Squared – die Fronten des Info-Kriegs” teil. Das beginnt gleich, es gibt einen Livestream dazu, der Hashtag auf Twitter ist #square2 und hier ist die Kurzübersicht, wer wann spricht:

Ob Facebook, Twitter und Co nun eine positive oder negative Rolle spielen, daran scheiden sich die Geister. Die einen sind der Meinung, dass social media zu Freiheit und Demokratie führen würden und verweisen auf die erfolgreichen Protestbewegungen in Ägypten und Tunesien. Völlig falsch finden das die anderen und denken an die via Twitter und Facebook organisierten Ausschreitungen aus Londons Straßen. Das Symposium Public Square Squared untersucht die Fronten dieses „Info-Kriegs” und zieht Aktivistinnen und Aktivisten, Analystinnen und Analysten zu Rate, die im Zentrum von Aufstand und Revolution standen oder stehen.

After the Revolution
10:30 David Sasaki (US)
10:50 Lina Ben Mhenni (TN)
11:10 Zeynep Tufekci (TR)
11:30 Leila Nachawati (ES)
11:40 Diskussion
12:30 Pause/break

Prix Forum – Digital Communities
14:00 Felipe Heusser (CL), Alexandra Jönsson (UK), Tim Causer (UK), Cliff Hammet (USA)
Moderation: Beatrice Achaleke (AT)

Before the Revolution
14:50 Hu Yong (CN)
15:10 Tan Siok Siok (SG)
15:30 Markus Beckedahl (DE)
15:50 Diskussion
16:20 Round Table mit den Vortragenden und Prix-PreisträgerInnen
17:30 Isaac Mao (CN)
18:00 Ende

August 17 2011

Ägyptische Bloggerin Azmaa Mahfouz wegen Kritik vor Gericht

Die Berliner Zeitung berichtet über die ägyptische Bloggerin Azmaa Mahfouz, der dort wegen Kritik am Militär der Prozess gemacht werden soll: Jeanne d’Arc vom Nil.

Nun hat sie in Ägypten erneut eine große Diskussion ausgelöst. Ihr soll der Prozess gemacht werden, weil sie die Militärregierung beleidigt haben soll. Darüber ist in Ägypten eine heftige Diskussion entbrannt, das Land spaltet sich in zwei Lager: Die Aktivisten der Revolution sehen in der Verhaftung von Mahfouz einen weiteren Einschüchterungsversuch der Militärs gegen die Demokratiebewegung.

July 15 2011

Textbaustein für Abmahnungen durch Axel-Springer-AG (Update)

Christoph Keese ist Konzerngeschäftsführer „Public Affairs“ der Axel Springer AG und tritt seit einiger Zeit als vehementer Verfechter eines einzuführenden Leistungsschutzrechts in der Öffentlichkeit auf. Seit einigen Wochen trollt bloggt er auch auf presseschauder.de. Dort hat er von Markus Hündgen (@videopunk) einen Artikel 1:1 übernommen und dabei ein Foto von Markus Hündgen eingebunden, das er im Netz gefunden hat. Der Urheber des Fotos ist Mario Sixtus, der wiederum das Bild unter einer CC-BY-NC-Lizenz auf Flickr gestellt hat.

Christoph Keese hat das mit der Creative Commons-Lizenz aber offensichtlich nicht verstanden und einfach mal den Urheber und die Lizenz vergessen. Daraufhin hat Mario Sixtus in seinem Blog einen offenen Brief an Christoph Keese geschrieben und die Verwendung des Bildes in Rechnung gestellt. Das führte wiederum zur einer Replik von Christoph Keese in Form eines offenen Briefes an Mario Sixtus, wo er anbietet, statt der veranschlagten 1070 Euro nur 50 Euro zu zahlen. Grund: Er sei ja nur ein privater Blogger. (Was natürlich etwas abenteuerlich klingt, weil Keese das Blog nur nutzt, um seine Konzernaufgaben in der Öffentlichkeit zu vertreten und auch erstmal das Impressum vergessen hatte.)

Also falls hier mal jemand in ähnlichen Fragestellungen Probleme mit der Axel Springer Rechtsabteilung hat, sollte man mit Verweis auf Christoph Keese auch erstmal 50 Euro anbieten. Hier ist ein Textbaustein:

Sorry, arrogont sollte es nicht klingen. 1070 Euro klingen arrogant, fnde ich. Mal sehen, vielleicht kann man sich ja einigen. Lizenzen: Bin sehr dafür, sie zu respektieren. Trete ja selber dafür ein. Verletze ich sie noch irgendwo in diesem Blog verletze, bitte Hinweis.

(Rechtschreibfehler kann man dann selbstverständlich auch korrigieren).

Christoph Keese hat nach dem offenen Brief erstmal den Hinweis auf Mario Sixtus als Autor ergänzt, aber wieder etwas übersehen. Daraufhin hab ich ihm gerade diesen Kommentar hinterlassen (Der noch auf Freistellung wartet):

Hallo Herr Keese,

darauf, dass das Urheberrecht etwas kompliziert ist, können wir uns mittlerweile sicherlich einigen. Leider verletzen Sie immer noch die von Mario Sixtus verwendete Creative Commons Lizenz. Es gibt davon sechs Lizenzen für den deutschsprachigen Raum. Sie müssen die verwendete Lizenz genau definieren, um den Lizenzvertrag auch zu erfüllen. Das macht man optimal neben der korrekten Bezeichnung durch einen Link auf die jeweilige Lizenz. Sonst ist es ja für andere Menschen nicht eindeutig, welche Nutzungsfreiheiten und Bedingungen der Urheber definiert hat

Kleiner Tipp für diesen Fall: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/de/

Viele Grüße,
Markus Beckedahl

Update: Es gibt eine Einigung. Christoph Keese wird 1.000 Euro an Creative Commons Deutschland überweisen. Das freut mich als Public-Project Lead von CC-DE, endlich mal eine größere Spende mit der wir mehr Aufklärungsarbeit machen können.

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June 24 2011

Das Internet und der Umbruch in der arabischen Welt

Die Sendung Hintergrund im Deutschlandfunk hat über “Revolution online – Das Internet und der Umbruch in der arabischen Welt” berichtet und dabei einige arabische Blogger zu Wort kommen lassen. Die Sendung gibt es noch als MP3 online.

Inwieweit haben soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter der arabischen Revolution zum Sieg verholfen? Online-Aktivisten und Internet-Experten sind sich weitgehend einig, dass die Widerstandsbewegungen ohne sie nicht so erfolgreich gewesen wären.

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June 14 2011

Die weibliche und lesbische Bloggerin aus Syrien namens Amina

Jung, lesbisch, rebellisch, eloquent und Bloggerin soll Amina Abdallah Araf al Omari gewesen sein und das auch noch in Syrien, wo gerade das Regime massiv und gewaltsam gegen Dissidenten vorgeht. Zumindest gab das Blog “A Gay Girl in Damascus” dies an, was im Februar startete und direkt aus Syrien von den Unruhen berichtete. Für viele Blogger und Journalisten war das enie Traumkombination, mehr Quoten sind selten zu bekommen. Vor einer Woche soll Amina von syrischen Polizeikräften abgeholt und verschwunden sein – zumindest schrieb das eine Verwandte in das Blog von Amina.

Sofort gab es im Netz viel Solidarität, Avaaz startete eine Petition, es gab Facebook-Gruppen, viele Medienberichte und noch mehr Tweets. Nur wenige versuchten zu verifizieren, ob es Amina überhaupt gibt. Natürlich ist die schwierig, wenn in einem Land gerade blutige Unruhen ablaufen und Blogger lieber unter Pseudonym bloggen, um nicht sofort von der Staatssicherheit abgeholt zu werden. Schwierig ist das vor allem, wenn man nicht in dem Land sitzt und trotzdem darüber schreiben will oder muss. Manchmal ist das aber auch notwendig: Im Fall von Amina kam jetzt raus, dass das mit jung, lesbisch und syrische Rebellin eine tolle Geschichte ist, aber auch nicht mehr: Ein 40-jähriger verheirateter weißer Mann aus den USA (der in Schottland studiert) hatte die tolle Idee, durch das Fake-Blog die Dissidenten in Syrien zu unterstützen und Aufmerksamkeit, sowie Solidarität für ihre Anliegen zu schaffen. Oder so. Sagt er zumindest, als immer mehr Menschen der Quelle nach recherchierten und er dann damit konfrontiert wurde. Die IP-Adresse seiner eMail verriet ihn, diese wurde zur Uni Edinborough zurück verfolgt. Nur hat er seiner Unterstützung alles noch schlimmer gemacht.

Dass am anderen Ende des Netzes immer auch ein Hund sitzen kann, sagte eine berühmte Karikatur schon in den Neunzigern. Auch während der grünen Revolution im Iran gab es viele Diskussionen über die Vertrauenswürdigkeit von Quellen. Bei Fotos und Videos ist es oftmals nicht ersichtlich, ob sie jetzt tatsächlich zu einem aktuellen Geschehen gehören, oder aus einer anderen Zeit und einem anderen Ort stammen. Das macht es schwierig, über Ereignisse zu berichten, vor allem, wenn man als Journalist und/oder Blogger kuratiert, filtert und Ereignisse aufbereitet. Und oft werden Videos, Geschichten und Fotos mit einem Klick schnell weiter verbreitet.

Wie man das lösen kann und welche Auswirkungen die Entwicklung dieser #Amina-Geschichte haben wird, ist immer noch etwas unklar. Erfolgreiche Blogger in Ägypten und Tunesien nutzten in der Regel keine Pseudonyme. sondern ihre realen Namen. Das hat ihnen auch in revolutionären Zeiten geholfen. Und sie waren verifizierbar. Aber man kann davon ausgehen, dass dies nicht in jedem repressiven Staaten hilft, in anderen wird man einfach abgeholt und ins Gefängnis gesteckt, gefoltert und erschossen. Nicht berichten hilft auch nichts, oft genug ist etwas dran und hinter Blogs und psyeudonymen Online-Identitäten stecken echte Menschen mit einem Anliegen und einer Geschichte – und keine Deppen mit etwas Langweile und einem Fake-Blog.

Weitere Quellen zu der Geschichte:

Andy Carvin und Ali Abunimah haben vor rund einer Woche schon versucht, die Identität zu klären und haben mit vielen Puzzlestücken und ihren Lesern geholfen, Licht hinter die Geschichte zu bringen. Und das ist eine spannende Geschichte, wie man gemeinsam mit Vielen anderen eine Quelle verifiziert und die Geschichte aufklärt.

Ethan Zuckerberg hat einen guten Überblicksartikel zu der Geschichte und auch der Guardian berichtet ausführlich.

Hier gibt es ein Video-Interview mit dem Fake-Blogger.

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May 04 2011

Pixelschatten

Das Internet, Youtube und Blogger sind Thema eines kleinen Fernsehspiels, das mit dem Titel “Pixelschatten” am 8. Mai um 20.15 Uhr auf ZDFkultur, am 23. Mai um 0.30 Uhr im ZDF und jetzt schon in der ZDF-Mediathek zu sehen ist.

Bei jetzt.de gibt es ein Interview mit dem Regisseur: Ein bunter Film über die Schatten des Internets.

“Pixelschatten” heißt der Film des 26-jährigen Anil Kunnel, mit dem er eine Ausschreibung des ZDF gewann. Am Sonntagabend kann man ihn sehen – es geht um das Bloggen und um die Art und Weise, wie das Internet unser Leben beeinflusst. Wir haben mit dem Jungregisseur gesprochen.

Hier ist der Trailer:

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May 03 2011

JMStVCamp: Interview mit Organisator Christian Scholz

Wie, schon Dienstag und immer noch kein Bericht zum JMStVCamp bei Netzpolitik.org? Doch, schon, allerdings drüben, bei Hyperland. Ich bin fremdgegangen. War übrigens klasse. Sowohl die Veranstaltung, wie auch der Veranstaltungsort.

Torsten Kleinz war auch in Essen und hat was für Heise Online geschrieben. Und dann gibt es natürlich noch eine Menge weiterer Stimmen, mp3s und Etherpad-Mitschriften auf der Doku-Webseite des JMSTVCamp.

Was es allerdings nur hier und exklusiv bei Netzpolitik.org geben wird, sind die Interviews, die ich im Vorfeld und auf dem JMStVCamp für den Beitrag bei Hyperland geführt habe. Und zwar ungekürzt (somit auch weitgehend unredigiert) und in voller Länge. Das ZDF/Blinkenlichten hat mir freundlicherweise eine Freigabe gegeben.

Den Anfang machen heute Christian “mr.topf” Scholz, als Organisator JMSTVCamp und so gegen 16:30 Uhr der Medienpädagoge Jürgen Ertelt, der die Debatte im letzten Jahr als Sachverständiger begleitet hatte. Viel Spaß!

Christian Scholz ist Mitinhaber einer Software-Agentur in Aachen, die sich auch Web-Entwicklung im Open Source-Bereich spezialisiert hat. Er ist zudem Blogger, Podcaster und auch mehr und mehr im politischen Bereich aktiv. Er ist Mitglied des Dialog Internet des BMFSFJ, Mit-Initiator der Online-Beteiligungsplattform http://enquetebeteiligung.de und Veranstalter von Barcamps zum Thema Open Data, Open Government oder Jugendmedienschutz.

Was genau ist das JMStVCamp?

JMStV steht für Jugendmedienschutzstaatsvertrag und die Novelle desselbigen ist im Dezember letzten Jahres hier in NRW gescheitert, da es von Seiten der Internetnutzer aufgrund der vorgesehenen Kennzeichnungspflicht für Webseiten doch recht viel Protest gab. Diese Veranstaltung in Form eines Barcamps soll daher auch dazu dienen, die Internetnutzer sowie die Verbände und Politiker einmal auf Augenhöhe an einen Tisch zu bringen, damit bei der nächsten Novellierung nicht wieder dasselbe geschieht und wir vielleicht auch ein besseres Verständnis dafür haben, was guten Jugendmedienschutz eigentlich ausmacht.

Was ist das Ziel des JMStVCamps?

Mir persönlich geht es gar nicht mal so sehr um den konkreten JMStV, sondern eher um die Problemdefinition – der Name dient mehr als Aufhänger. Vielfach dreht es sich ja in der Diskussion nur um Paragrafen, nicht aber darum, was Kindern und Jugendlichen denn jetzt wirklich schadet oder nützt. Mir ist es daher wichtig, erstmal zu verstehen, wie das Problem aussieht, bevor ich mir sinnvolle Lösungsmöglichkeiten ausdenken kann. Das ist aber meine persönliche Idee, denn was genau diskutiert wird, hängt bei einem Barcamp ja nicht von mir, sondern von allen Teilnehmern ab, da diese das Programm bestimmen.

Wer hatte überhaupt die Idee?

Die Idee eines Barcamps zum Thema hatten wohl schon mehrere Leute. Dieses konkret ist aus einer Podiumsdiskussion der Grünen entstanden, die meines Erachtens nicht viel neues brachte, vor allem aber keine Diskussion. Nachdem ich dies mal anmerkte, gab es ein kleines Treffen zwischen u.a. Grünen, Piraten und mir, wo die Idee konkretisiert wurde und ich irgendwie als Hauptorganisator draus hervorging.

Wie konnten Sie die zahlreichende Teilnehmer überzeugen, an einem Samstag hier in das Unperfekthaus nach Essen zu kommen? Honorar gibt es meines Wissens doch keines, oder?

Die musste gar nicht gross überzeugt werden. Viele sind ja inzwischen auch online vernetzt und im Prinzip kam dies alles mehr oder weniger durch Mundpropaganda zustande. Hinzu kommt, dass man wohl verstanden hat, dass man den nächsten JMStV wohl nicht im Hinterzimmer ausdiskutieren kann und da bietet so ein Barcamp natürlich eine gute Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen.

Vermissen Sie wen?

Das kann ich wohl erst richtig nach Ende des Camps beantworten, aber im Moment vor allem Jugendliche, würde ich sagen. Da sollte sicher in Zukunft mehr dafür getan werden, dass diese auch einbezogen werden.

Wie geht es weiter, ist das nächste JMStV-Camp bereits geplant?

Ich denke, das wird man sinnvollerweise erst nach diesem JMStVCamp entscheiden. Es gibt aber durchaus Personen, die an einer Fortsetzung Interesse haben. Die nächste Veranstaltung, wo das Thema diskutiert werden soll, wird aber wohl das PolitCamp sein, dass am 4.-5. Juni in Bonn stattfinden wird (und auch noch Plätze frei hat, siehe http://politcamp.org).

Gibt es Kontakte zu den mit der Ausarbeitung des nächsten Vertragsentwurfs befassten Staatskanzleien?

Bei mir persönlich nicht, allerdings ist so mancher Landtagsabgeordnete jetzt doch aktiv und es wird sicher in nächster Zeit zumindest weitere Podiumsdiskussionen dazu geben. Ich hoffe aber, dass dieses JMStVCamp auch einen Anreiz dafür setzt, auch bei der eigentlichen Ausarbeitung vielleicht mehr mit den Internetnutzern zusammenzuarbeiten. Ansonsten bleibt uns ja am Ende wieder nur das Meckern.

Haben sich eigentlich Vertreter aus den Staatskanzleien angekündigt?

Wie schon gesagt, direkt involvierte bei mir persönlich nicht, aber viele der Personen auf der Liste kenne ich auch gar nicht, wird man
also am Samstag sehen.

(Disclosure: Das Interview wurde am Vortag des JMStVCamp per Mail geführt)

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April 14 2011

Revolutionen auf der re:publica: Country + Internet = Awesome?

Welches Thema könnte im Jahr der erfolgreichen Revolutionen von Ägypten und Tunesien stärker auf der re:publica vertreten sein als die Diskussion über Facebook-Revolutionen und Clicktivism? Aber der Ton scheint sich gewandelt zu haben: An Stelle des Aufeinandertreffens von Cyberpessimisten (Evgeny Morozov) und Internet-Utopen (Jeff Jarvis) im letzten Jahr scheint die Erkenntnis getreten zu sein, dass gesellschaftliche Hintergründe wichtig sind.

Wie Cyrus Farivar, Autor des bald erscheinenden Buches “The Internet of Elsewhere”, in der Einleitung zu seinem gleichnamigen Vortrag sagte: “wenn das Internet an einem Ort ankommt, trifft es auf das, was schon da ist”. Und in unterschiedlichen Kontexten produziert es unterschiedliche Folgen. Die simple Gleichung “Country + Internet = Awesome” sei so nicht zu halten.

Farivar beleuchtet in seinem Buch vier Länder mit ganz unterschiedlichen “Internet-Geschichten”: Von Südkorea, dem Land mit dem schnellsten Internet, der höchsten Breitband-Abdeckung und der größten eSport-Liga der Welt, bis zum Senegal, in dem das Internet trotz wirtschaftlicher und politischer Stabilität Schwierigkeiten hat, Fuß zu fassen.

Aber was macht die Unterschiede aus, die den Einfluss des Internets formen? “Moderne Revolutionen sind zivilgesellschaftliche Revolutionen”, formulierte Ludger Schadomsky den Originaltitel einer von Geraldine de Bastion moderierten Runde (“Modern Revolutions are Digital Revolutions”) um: ohne funktionierende Zivilgesellschaft würden sich die Revolutionen in Nordafrika nicht auf den Rest des Kontinents ausbreiten.

Widerspruch kam von berufener Stelle aus dem Publikum: Noha Atef, die später selbst “ägyptische Social Media-Geschichten” erzählen wird, glaubt nicht, das NGOs wichtig sind, um Straßenproteste anzustoßen. Erst jetzt, nach der Revolution, müssten zivilgesellschaftliche Institutionen aufgebaut werden, um die alten, vom diktatorischen Regime korrumpierten Instanzen zu ersetzen.

Vielleicht können soziale Medien aber auch ohne Revolution helfen, die Zivilgesellschaft zu stärken. Aus Südamerika berichteten Rosana Hermann und Vanina Berghella von brasilianischen Bloggern, die eine Konferenz organisierten, um soziale Medien in den benachteiligten Teil Brasiliens zu tragen – und dort wichtige Themen wie den noch immer existierenden Rassismus in der brasilianischen Gesellschaft ansprachen.

Solidarität überschreitet – getragen von Twitter und Facebook, aber auch Satelliten-TV wie Al Jazeera – nationale Grenzen. “Was man immer wieder hören konnte war: ‘wir sind alle Tunesier’”, berichtete Amira Al Husseini. “Und dann: ‘wir sind alle Ägypter’”. Und das nicht nur im Nahen Osten, sondern weltweit: Durch den direkten Kontakt über Twitter hätten sich Brasilianer während der “Grünen Revolution” mit den Iranern verbunden gefühlt – und sich zum ersten Mal für das weit entfernte Land interessiert.

Vielleicht ist die tatsächliche Social Media Revolution, dass sich Menschen über frühere Grenzen hinweg zusammenfinden. In Kenia, Tanzania und Uganda, berichtete Ludger Schadomsky, habe der in allen drei Ländern operierende Mobilfunkanbieter Safaricom dazu beigetragen, dass sich eine gemeinsame ostafrikanische Identität entwickelt.

Wenn auf der re:publica über Revolutionen geredet wird, dann ist also viel von Menschen die Rede. Und wenn man Cyrus Farivar folgt, dann sind es auch einzelne Akteure, die technologischen Fortschritt vorantreiben – wie etwa der südkoreanischen Informatik-Professor, der seine Studenten dazu anhielt, als Entrepreneure ihr Land voranzubringen.

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March 31 2011

re:launch – Wir sehen neu aus

Was lange auf der To-Do-Liste stand, ist jetzt endlich mal in freier Wildbahn zu betrachten. Das Blog hat einen neuen Anstrich bekommen und wir haben auch endlich mal ein neues Logo. Das neue WordPress-Theme kommt von Linus (@linuzifer) (der sich viel mit wetter beraten hat) und das Logo hat uns Markus Angermeier (@kosmar) geschenkt. Einige neue Features sind auch dabei wie z.B. endlich mal die Möglichkeit, einen Artikel oben zu halten. HTML5 wird auch schon teilweise genutzt, das wollen wir noch ausbauen und möglichst alle Inhalte auch ohne Flash anbieten. Und alle Blogger und Bloggerinnen haben jetzt auch eine eigene Seite, wo auf eigenen Wunsch Kontaktmöglichkeiten, Transparenzhinweise und Links zu Twitter, etc. untergebracht werden können.

Auch neu ist mehr Werbung. Wir haben nie Werbung abgelehnt, wollten uns aber auch nie unter Wert verkaufen. Einige Jahre haben wir es über Adnation als Blog-Vermarkter versucht, aber als Politik-Blog waren wir für die darüber Werbenden in der Regel nicht interessant. Hier gibts einfach zu wenig Boulevard und/oder Lifestyle. Ich hatte auch nie besonders viel Lust, mich selbst um Werbung zu kümmern und uns hier ständig zu vermarkten. Eine wichtige Finanzierungsquelle ist und bleibt Flattr, womit wir im Moment einen Teil der Server-Kosten und die Finanzierung eines Praktikumsplatzes abdecken können. Das ist nicht viel, aber das ist auch nicht zu verachten. Größere Sprünge sind aber mit den 600-700 Euro (minus 19% MwSt.) nicht machbar. Flattr ist aber natürlich trotzdem eine wichtige Säule zur Refinanzierung und wir unterstützen gerne weitere neue Wege zur Refinanzierung von Inhalten. Wir freuen uns vor allem auch über jeden einzelnen Beitrag, weil er uns die Wertschätzung der Leser zeigt.

Vor einigen Wochen sprach uns ZEIT ONLINE an, ob wir auch in ihre Vermarktung rein wollen. Das probieren wir jetzt mal für sechs Monate aus und hier wird dann wahrscheinlich oft dieselbe Werbung angezeigt, die auch bei Zeit.de zu sehen ist. Wenn es klappt, haben wir wohl eine Finanzierung zur Schaffung von Redaktionsstellen, so dass wir endlich mal mehr Zeit für mehr Projekte und redaktionelle Ideen haben. Und unsere Berichterstattung nicht immer davon abhängig ist, wer gerade mal Lust und Zeit zum Bloggen hat. Wenn es nicht klappt, haben wir es ausprobiert und immer noch einen Plan B in der Tasche. Es wird hier 2,5 Werbeflächen geben, die über einen Adserver ausgeliefert werden. Diesen werden wir auch selbst bespielen können, also die Werbefläche in Zeiten, wo nichts gebucht ist. Dort werden dann bald Banner zu eigenen (und anderen empfehlenswerten) Kampagnen und Projekten zu sehen sein.

Wer Werbung ablehnt, kann natürlich einen Adblocker nutzen. Wer uns aber unterstützen will, kann aber auch eine Ausnahme für dieses Blog im Adblocker definieren und dazu beitragen, dass wir unsere Berichterstattung ausbauen können, die jetzt seit sieben Jahren mehr oder weniger ehrenamtlich erfolgt ist. Für das beliebte Plugin AdBlock gibt es hier zum Beispiel eine Anleitung.

Gleichzeitig haben wir zum ersten Mal einen Sponsor. Die Tarent AG, ein Linux-Dienstleister aus Bonn, sponsort uns durch einen festen monatlichen Betrag, der wiederum zur Finanzierung einer halben Stelle genutzt wird. Dafür erhält Tarent eine Werbefläche.

Verändern wird sich nichts. Wir sind immer noch kein gewinnstrebendes Projekt und werden alle Einnahmen wieder in das Projekt reinstecken. Aber wir bekommen mehr Möglichkeiten für Experimente, können neue Ideen ausprobieren, können auch mal technisch aufrüsten, hoffentlich mehr berichten und es hängt auch nicht mehr im Extremfall alles von mir und meiner Zeit ab.

Das war der erste Streich. Hinter den Kulissen arbeiten wir an einer weiteren Neuerung für euch – die folgt dann spätestens zur re:publica. Da ist mehr Bürokratie mit am Start. Aber das wird spannend.

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March 24 2011

Deutsche Welle BOBs-Awards

Die Deutsche Welle veranstaltet wieder ihre BOBs-Awards, um die besten Blogs in verschiedenen Kategorien auszuzeichnen. netzpolitik.org ist in der Kategorie “Reporters without borders Award” neben einigen spannenden Blogs aus China, Russland, Tunesien und dm Iran nominiert, wie ich eben zufällig gesehen habe. (Der Beschreibungstext über uns ist sehr ausführlich und passt in ein Wort: “y”.) Dazu gibt es zahlreiche tolle Blogs aus der ganzen Welt zu entdecken, wovon ich einen großen Teil nicht kenne und mangels Sprachkenntnissen auch nicht verstehen kann. Abstimmen kann man bis zum 11. April mit einer Twitter- und/oder Facebook-Authentifizierung.

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March 08 2011

NPP108: Internet & Revolutionen in arabischen Ländern

Es wird wieder Zeit für mehr Netzpolitik-Podcasts, die wir hier in der nächsten Zeit veröffentlichen. Den Anfang macht ein rund 80 Minuten langes Gespräch mit dem freien Journalisten Zahi Alawi, der u.a. als Experte für die arabischen Länder für die Deutsche Welle arbeitet.

Mit ihm hab ich mich über die Hintergründe der aktuellen Revolutionen in Tunesien und Ägypten unterhalten und darüber, welche Rolle das Internet dort gespielt hat. Einer der Gründe, warum es gerade in diesen beiden Ländern zu den ersten Revolutionen im arabischen Raum kam, war die steigende Internetnutzung, die in den vergangenen Jahren für viele (junge) Menschen erstmals Zugang zu Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt brachten. Gerade in Ägypten gab es ab spätestens 2005 eine große Zahl an politischen Bloggern. Später nutzten viele Facebook, um sich u vernetzen und zu koordinieren.

Nach Ansicht von Zahi Alawi haben viele Machtinhaber Facebook & Co eher als Datingplattform unterschätzt und nicht gesehen, dass man sich über soziale Medien auch sehr gut vernetzen und politischen Protest organisieren kann. Die Revolutionen selbst wurden durch das Internet vorbereitet, aber während der Ereignisse spielte das Fernsehen durch Sender wie Al Jazeera eine entscheidende Rolle, um weite Teile der Bevölkerung zu informieren.

Das alles und noch viel mehr gibt es in den 80 Minuten Podcast, der als MP3 und OGG auf dem Server liegt.

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