Tumblelog by Soup.io
Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

September 30 2013

INDECT war gestern: “Elektrischer Reporter” über deutsche Forschungsprojekte zur Mustererkennung

Das EU-Forschungsprojekt INDECT hatte es vermocht, grosse Teile der Netzgemeinde in Aufruhr zu versetzen: Das Vorhaben entwirft eine Machbarkeitsstudie zur Synchronisation verschiedener Überwachungstechnologien. Die zehn Arbeitsgruppen in INDECT fussen vor allem auf bildgebenden und bildauswertenden Verfahren und gehen der Frage nach, inwieweit diese zunehmend automatisiert werden können. Von Interesse ist die sogenannte “Mustererkennung”, also die Detektion bestimmter Bewegungen oder auch Objekte, sofern diese zuvor definierte Merkmale aufweisen.

Am Donnerstag widmete sich die ZDF-Sendung “Elektrischer Reporter” dem Thema “Mustererkennung”, Grundlage war die Antwort auf eine entsprechende Anfrage der Linksfraktion vom Frühjahr (hier ein früherer Bericht). Untermauert wurde damals, dass auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung zahlreiche Projekte fördert, in denen Funktionalitäten wie bei INDECT beforscht werden:

Viele der Vorhaben zur computergestützen Auswertung von Audio- und Videoströmen werden längst im öffentlichen Raum getestet. Der Bundesinnenminister nahm die Anschläge in Boston zum Anlass, die baldige Einführung der Technik im Serienbetrieb zu fordern:

Sowohl die Erstbeschaffung der Kameras mit Aufzeichnungsmöglichkeit, eine gute Auswertung der Bilder und der permanente Betrieb ist teuer, und sowohl die Bahn als auch die Flughäfen oder ein Schnellrestaurant sollten ein Interesse an mehr Sicherheit haben [...] Wir sprechen derzeit intensiv mit der Deutschen Bahn, um die Überwachung der Bahnhöfe zu verbessern. Ähnliche Gespräche gibt es mit den Flughäfen.

Es ist unklar, welche Systeme IM Friedrich hier androht. Das Projekt “Automatisierte Detektion interventionsbedürftiger Situationen durch Klassifizierung visueller Muster” (ADIS) soll etwa für Akzeptanz unter den NutzerInnen sorgen, indem – zumindest vorläufig – nicht alle Bereiche des Bahnhofs überwacht werden. Reisende können also selbst entscheiden, ob sie von einer Kamera beobachtet werden wollen. Dies wird als Wahrung der Privatsphäre beworben.

Zu den Projektpartnern in Forschungen zur “Mustererkennung” gehören neben der Leibniz Universität Hannover häufig Institute des Fraunhofer-Verbunds. Das Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) ist beispielsweise auf Verfahren zur “automatischen Objekterkennung und Objektverfolgung” spezialisiert. Auf diese Weise können Personen in Videoströmen überwacht, aber auch “rückwärtsgerichtet” zurückverfolgt werden:

Ein weiterer Schwerpunkt [des IOSB] liegt in der Datenauswertung von Kameranetzwerken. Kameranetzwerke finden sich vermehrt im öffentlichen Raum, beispielsweise an Bahnhöfen, Flughäfen oder auch innerstädtischen Bereichen. Insbesondere die effiziente Auswertung der Masse an Daten sowie die Erhöhung der Sicherheit durch automatische Situationsinterpretation sind die Schwerpunkte der hier anfallenden Forschungsthemen.

Die Abteilung “Videoauswertesysteme” des IOSB forscht unter anderem zu Aufklärungs- und Überwachungsbereich in “bewegten Plattformen”. Gemeint ist nicht nur die Bundeswehr-Drohne LUNA, die in Afghanistan mit einem bildgebenden Sensor unterwegs ist den das Fraunhofer-Institut mitentwickelt hatte. Das IOSB will auch die “Detektion von Booten und Schiffen von marinen Plattformen” optimieren. Derartige Syteme werden gegenwärtig unter anderem im neuen EU-Überwachungssystem EUROSUR errichtet bzw. synchronisiert.

Auch das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) ist mit entsprechenden Forschungen befasst. Im Themenfeld “Integrated Border Management” werden unter anderem Anwendungen entwickelt, die mit biometrischen Verfahren einem “steigenden Migrationsdruck” entgegenwirken sollen. Gemeint sind automatisierte Kontrollgates an Flughäfen, mit denen Reisende mit biometrischen Ausweisen bevorzugt abgefertigt werden. Mit dem Schwerpunkt “Visual Analytics” werden Möglichkeiten beforscht, massenhaft anfallende Daten per Visualisierung handhabbar zu machen.

Für die Fraunhofer-Techniken interessiert sich auch das Bundeskriminalamt (BKA). Das BKA wendet bereits Verfahren zum “Lichtbildvergleich” an. Im Fraunhofer-IGD soll das Amt nun in den Genuss erweiterter Ermittlungsmethoden kommen: Das Projekt “Multi-Biometrische Gesichtserkennung” (GES-3D) will ein Verfahren entwerfen, um “Personen auf Foto- bzw. Videoaufnahmen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Begehen einer Straftat stehen” in polizeilichen Datenbanken zu suchen. Damit kommt das Projekt dem INDECT-Projekt bedenklich nahe.

Da will auch die Bundespolizei nicht zurückstehen: Bis Ende 2014 forscht das Bundespolizeipräsidium mit der Polizei Hamburg zur “Multi-Biometriebasierten Forensischen Personensuche in Lichtbild- und Videomassendaten” (MisPel). Diese “Bildinhaltsanalyse” soll eine “zeitnahe Erkennung von ermittlungstechnisch relevanten Personen” bewerkstelligen und würde auf die öffentliche Videoüberwachung zugreifen. Wieder ist mit dem IOSB ein Fraunhofer-Institut mit von der Partie.

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

August 12 2013

BMBF-Studien zu Open Educational Ressources: Überblick, Recht und Metadaten

Ende 2012 gab es eine erste Expertenanhörung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und der Kultusministerkonferenz (KMK) zum Thema offener Lehr- und Lernunterlagen (Open Educational Resources, OER). Einigkeit herrschte am Ende dieser Anhörung, dass es noch großen Bedarf für Studien zum Thema gibt. Mittlerweile liegen die ersten drei Studien vor, die im Nachgang der Anhörung in Auftrag gegeben worden waren:

Überblick und Grundlagen: Ingo Blees, Nadia Cohen und Tamara Massar vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung stellen in einem 107 Seiten starken Dossier (PDF) noch einmal überblicksartig den aktuellen Stand in Sachen OER in Deutschland und ausgewählten Ländern dar. Die AutorInnen halten sich mit konkreten Empfehlungen zurück und liefern vor allem eine Sammlung von Materialien und Initiativen im Bereich OER.

Rechtsfragen von OER: Rechtsanwalt und Urheberrechtsexperte Till Kreutzer setzt sich auf über 60 Seiten (PDF) mit den (urheber-)rechtlichen Fragen von OER auseinander. Kreutzer warnt darin unter anderem vor “allzu proprietärem Denken”, wodurch “die größte Stärke von OER-Strategien (Optimierung der Lehr- und Lernmaterialien durch kollaboratives Zusammenwirken und Content-Sharing) aufs Spiel gesetzt” würde (S. 59). Abgesehen davon zeigt er sich skeptisch was die Entwicklung neuer, spezieller OER-Lizenzen betrifft sondern empfiehlt stattdessen die Nutzung bereits etablierter Lizenzmodelle wie eben Creative Commons:

“Aus den vorgenannten Gründen sollte sich die Frage nach geeigneten OER-Lizenzen eher auf die Auswahl einer geeigneten Lizenzvariante aus dem Bestand der existierenden Lizenzmodelle fokussieren als auf die Entwicklung neuer spezieller Lizenzmodelle.” (S. 64f.)

Metadaten für OER: Frauke Ziedorn, Elena Derr und Janna Neumann liefern auf 28 Seiten eine “Handreichung für die öffentliche Hand” (PDF) zum Thema Metadaten im Kontext von OER. Eine Standardisierung von Metadaten-Regelwerken dient vor allem dazu, die Sicht-, Verlink- und Auffindbarkeit von OER-Objekten zu verbesseren. Auf Basis eines Vergleichs bestehender Metadaten-Standards skizzieren die Autorinnen drei Szenarien für den Umgang mit Metadatenstandards: (a) ein einheitlicher, aber sehr simpler Metadatenstandard; (b) ein Nebeneinander von teilweise bereits etablierten Metadatenstandards; oder (c) kein gemeinsames OER-Portal und die Implementierung des vorhandenen Standards der Learning Resource Metadata Initiative (LRMI) wo immer möglich, um die Auffindbarkeit im Internet zu verbessern. Als langfristiges Ziel nennen die AutorInnen, ”eine Standardisierung des Metadaten-Schemas (ob nun ein bestehendes oder ein neu entwickeltes) durch die International Organization for Standardization (ISO) zu erreichen.”

 

Wir wollen netzpolitik.org weiter ausbauen. Dafür brauchen wir finanzielle Unterstützung. Investiere in digitale Bürgerrechte.

flattr this!

Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl